AlessiA1985 hat geschrieben: Fr 21. Aug 2026, 15:14Die Tage gab es wieder so eine Situation, in der meine Frau mir eine Vorlage gemacht an, in der ich meine Neigung hätte zugeben können, aber anstatt ein Gespräch in die Richtung zu bringen, habe ich den Kommentar weggelächelt und mit den Schultern gezuckt.
AlessiA1985 hat geschrieben: Fr 21. Aug 2026, 15:14weil sie mir schon öfter gesagt hat, dass sie nicht mehr mit mir zusammen sein könnte, wenn ich als Frau leben wollen würde. Sie möchte mit einem Mann zusammen sein.
AlessiA1985 hat geschrieben: Fr 21. Aug 2026, 15:14wenn sie manchmal Anspielungen macht, die suggerieren, dass sie etwas ahnt
Hallo Alessia,
ich wäre vorsichtig mit der Vermutung, deine Frau würde auf etwas anspielen und dir (heimlich) Vorlagen liefern. Das würde bedeuten, sie möchte dich zu einer Reaktion provozieren - anstatt die Frage selbst offen zu stellen. Dann wäre für mich die Frage: warum sollte sie das in dieser Situation tun? Sie hat an dieser Stelle im Grunde genommen nur zu verlieren. Insbesondere dann, wenn sie dir gegenüber sehr deutlich formuliert hat, was die Beziehungsperspektive in einem solchen Fall ist: Trennung.
Vielleicht wäre eine sinnigere Reaktion beim nächsten Mal, sie direkt darauf anzusprechen und sie zu fragen, ob/was sie mit dieser Aussage meint? Dann wird sie dir schon sagen müssen, ob sie "etwas ahnt", oder ob es nur ein Zufall war, den du auf dich beziehst, weil Du dich eben gedanklich damit beschäftigst und es dann oft leicht fällt, Dinge und Sätze auf sich zu beziehen.
Einen vergleichbaren Effekt hast Du z.B. bei Horoskopen, Bunte-HörZu-Psycho-Tests oder Traumdeuten.
AlessiA1985 hat geschrieben: Fr 21. Aug 2026, 15:14Wenn es einvernehmlich endet, wir uns über die Kindererziehung usw. einig sind, dann wäre es hart, aber okay. Ich würde immer mit ihr zusammenarbeiten wollen, denn unsere Kinder werden uns immer einen, selbst wenn keine Liebesbeziehung mehr da wäre.
Ich kenne weder Dich noch deine Frau noch die Situation, in der ihr euch als Familie befindet, darum nur ein Rückblick auf meine eigene Situation damals: meine (inzwischen Ex-)Frau steckte in einer recht schwierigen beruflichen Situation, die sie und uns sehr gestresst hat. Mein Thema hat sich unabhängig davon in der Zeit eher zufällig so sehr in den Vordergrund gedrängt, das ich keine andere Möglichkeit gesehen habe, als mich ihr zu offenbaren. Das hat sie mir dann auch bis heute zum Vorwurf gemacht, dass ich ihr in dieser für sie so stressigen Phase noch ein Thema extra aufgelastet habe und es ihr dann noch schlechter ging. Und das trägt nicht wirklich zu einem einvernehmlichen Getrenntsein bei. Zum Rest kann und will ich dir gar nicht viel Spekulation mitgeben, das müsst ihr als Erwachsene aushandeln. Ich drücke Dir aber die Daumen, dass ihr dann, sollte es soweit kommen, zu einer guten Lösung für euch und die Kinder findet.
AlessiA1985 hat geschrieben: Sa 22. Aug 2026, 17:19Weitere Frage: Hat jemand die Thematik auch mal therapeutisch aufgearbeitet? Ich habe dazu die Gelegenheit, habe aber selbst in diesem geschützten Umfeld Schwierigkeiten damit, wie ich es anspreche, zumal ich einiges aufzuarbeiten habe. Identität ist da bei weitem nicht allein und ich habe ohnehin eine recht aufwendige Reise vor mir, die schon vor vielen Wochen begonnen hat.
Viele hier, die dann in die Transition gegangen sind, sind früher oder später auch mal therapeutisch an das Thema ran, und wenn es nur war, um eine Indikation für HRT und/oder GAOP zu bekommen (bzw. nach dem alten TSG alles). Persönlich kann ich das empfehlen, mir hat es geholfen. Andere sehen das anders. Ich wollte aber keine Erlaubnis, ich hatte Fragen und wollte einen Austausch. Den hätte ich so sicherlich auch in einer SHG bekommen, das hätte mir in meiner Situation vermutlich genauso viel geholfen. Wenn Du also eh dran bist, deine Themen (so wie Du schreibst, klingt es, als ob es da noch mehr gäbe) zu besprechen, dann gib dem ganzen doch vielleicht einfach die Zeit, die es braucht. Und dann kannst Du dich auch in dem Rahmen darüber austauschen, wie und wann Du es deiner Frau erzählst. Es gibt auch die Möglichkeit, deine Frau mal zu einem solchen Termin einzuladen und das dann in diesem Rahmen zu tun. Jedenfalls sind viele Therapeut:innen zu sowas bereit.
Ihr geht jetzt in eine aufregende und potentiell belastende Zeit, mit einem dritten Kind verändert sich nochmal enorm viel (wir haben 4), auch je nachdem wie alt die beiden älteren Kids sind. Schon allein weil auch das viel Kraft und Aufmerksamkeit erfordert, wünsche ich Dir, dass Du die Kraft für Dich findest, das Thema erstmal soweit in den Griff zu kriegen, dass es dich nicht zerreißt. Es bei einer Therapie anzusprechen kann dir etwas Dampf aus dem Kessel nehmen, oder mehr Druck drauf geben (wir hatten hier schon so einiges an merkwürdigen Reaktionen seitens der Therapeut:innen). Das hilft Dir vermutlich alles nicht viel weiter, aber aus der Ferne lassen sich solche Sachen leider sehr schlecht beurteilen.
Ein weiterer Gedanke, den ich dir mitgeben möchte: Du denkst an Dich, deine Bereitschaft, die Ehe auch scheitern zu lassen - da sind aber auch zwei Kinder, die dich als Vater kennen und dich als Beziehungsperson brauchen (eine gute Vaterrolle ist nicht zu unterschätzen, am Ende zählt aber die Beziehung zwischen euch). Die werden auch mit deiner Veränderung und der Trennung klar kommen müssen. Selbst wenn ihr euch einvernehmlich trennt und alles weitgehend prima läuft - es wird für die Kinder zu einem Thema werden und es ist nicht zu unterschätzen, wie unterschiedlich Kinder da regieren. Je nachdem gibt es auch noch mehr Familie (Großeltern und so), auch deren Reaktion wird Einfluss auf eure Kinder haben. Das kannst Du nicht wirklich kontrollieren oder steuern und vorhersehen schon gar nicht. Aber dein Verhalten und dein Umgang wird viel Einfluss haben und je sicherer Du dir bist, desto stärker und ruhiger kannst Du auch mit den kommenden Herausforderungen umgehen.
Plus: das noch ungeschlüpfte No.3 wird dich im worst case niemals wirklich als Bezugsperson kennenlernen. Stell Dir vor, Du gehst in die Trennung, bevor das Kind halbwegs abgestillt ist (sofern das ein Ding bei euch ist), dann kann ein Umgang unter Umständen erstmal gar nicht erfolgen, oder nur kurzzeitig und das reicht nicht aus, um eine Beziehung wurzeln schlagen zu lassen.
Kurz: lass Dir Zeit. Du bist wichtig, deine Bedürfnisse sind wichtig. Die nötige Souveränität erlangen noch wichtiger. Deine Beziehung zu den Kinder: unbezahlbar.