Lana hat geschrieben: Do 3. Okt 2024, 00:42
Jaddy hat geschrieben: Mi 2. Okt 2024, 22:09
So richtig tiefe Ahnung haben wir wohl alle nicht. Es läuft also darauf hinaus, welchen Quellen wir vertrauen.
Das ist sicherlich der zentrale Satz.
Ich vertraue zumindest den offiziellen "Informationen" von Regierungsstellen wie der BZGA nicht, weil diese ein Interesse daran haben, die Zahl der Spender zu erhöhen.
Finde ich persönlich nicht glaubhaft. Das würde einer staatlichen Institution (Exekutive, dem BMG angeschlossen) unterstellen, bewusst Informationen zu unterschlagen oder zu verfälschen. Da fehlt mir schon mal ein Motiv für eine derartige Verschwörung. Es gibt mW auch keine glaubhafte Aktivität durch Mediziner'innen, solche Fehlleitungen aufzudecken und anzuprangern. Die müssen also entweder auch irgendwie auf Linie gebracht worden sein oder kein Interesse an redlicher Aufklärung haben - oder es gibt nichts anzuprangern.
Das heisst für mich, dass die Sach-Informationen auf den Seiten fachlich korrekt sind. Das betrifft auch die Erklärungen für die von KAO aufgeführten Effekte wie Blutdruck, Reflexe, etc. sowie den Gebrauch von Muskelrelaxantien.
Lana hat geschrieben: Do 3. Okt 2024, 00:42
Zu der Kritik an der von mir verlinkten Seite mit kritischen Informationen zur Organentnahme: Die Menschen hinter dieser Seite sind alle persönlich betroffen, weil sie am Beispiel eines nahen Angehörigen eigene Erfahrungen mit dem tasächlichen Ablauf einer Organentnahme haben.
Ich bezog mich rein auf die von dir zitierte Passage, die an "Alltagswissen" anknüpft - "warmer Körper", Fieber, Blutdruck, Reflexe -, aber deren medizinische Hintergründe unterschlägt, nämlich dass das Gehirn an der Stelle bereits unwiderruflich tot ist und nicht wieder anspringen wird. Damit wird den Lesenden nahegelegt, dass die Person, bzw die Persönlichkeit noch vorhanden und reaktivierbar wäre, was eben bei einem Hirntod nicht der Fall ist. Diese Art ist mE äusserst manipulativ.
Lana hat geschrieben: Do 3. Okt 2024, 00:42
Auf dieser Seite findet sich auch das Zitat:
"Wenn wir die Gesellschaft über die Organspende aufklären, bekommen wir keine Organe mehr."
Prof. Rudolf Pichlmayr — 1987
Transplantationsmediziner
Ich kann es nicht überprüfen, und es ist schon viele Jaher her, dass es gesagt wurde.
Ich habe versucht, dafür eine Quelle zu finden, aber die scheint es nicht zu geben. Es findet sich ausschliesslich auf Seiten gegen Organspende und geht offenbar auf genau eine Person zurück, die dies von Pichlmayr gehört haben will: Renate Greinert. Die Vorsitzende und Hauptadresse von KAO e.V., die den Verein gegründet hat, nachdem sie 1985(!) ihren bei einem Verkehrsunfall getöteten Sohn zur Organspende freigegeben hatte und dabei offenbar traumatisches erlebt haben will. SIe wohnt(e) in Hannover, Pichlmayr war an der MHH die Transplantationskoryphäe. Es könnte also sein, dass sie ihn speziell auf dem Kieker hat(te). Ich habe da jetzt mal Zweifel an dem Zitat und hätte gerne eine weitere, unabhängige Quelle.
Denn
Pichlmayr war nicht irgendwer. Er war Mitglied der zentralen Ethikkommission der Bundesärztekammer, 1990 "Mediziner des Jahres" und hat auch an der gemeinsamen Erklärung der EKD und der DBK zur Organspende 1990 mitgewirkt (
PDF), die sich differenziert aber positiv zur Organspende aus kirchlicher Sicht geäussert haben.
Wenn so ein Mensch einen solchen Satz sagt - sagen würde -, lässt sich das normalerweise irgendwo finden, gerade weil die Person auf ihrem Gebiet so herausragend war.
Lana hat geschrieben: Do 3. Okt 2024, 00:42Was bei mir über die Jahre geblieben ist, ist das Gefühl, einseitig und unvollständig von der Transplantationslobby informiert zu werden. Nicht zuletzt geht es auch noch um viel Geld in diesem Geschäft, und Skandale um Eurotransplant gab es alle paar Jahre regelmäßig.
Hm, wie konstruierst du eine Lobbyverbindung zur BZgA und ähnlichen Infoseiten? Wie viel müsste da geschmiert werden, um quasi alle medizinischen Fachleute auf Linie zu bringen? Mal im Vergleich mit der viel umsatzstärkeren Tabak- oder Alkoholindustrie, die es nicht mal schaffen Werbeverbote und Gesundheitskampagnen zu verhindern? Ich meine, im Grunde genommen geht es ja darum, ob das Verfahren zur Feststellung des Hirntods ein ausreichendes Kriterium für "es lebt da wirklich nichts empfindungsfähiges mehr" ist, richtig? Eine Feststellung nach viel aufwändigerem Verfahren als bei "normalen" Sterbefällen im Krankenhaus.
Die explantierenden Kliniken haben von einem Organspendefall erst mal keinen Gewinn, denn die Transplantationen finden in der Regel in einer anderen Klinik statt. Das wird auch als ein Grund für wenig gemeldete Spendeorgane angegeben: Es macht viel Arbeit und der Kontakt mit den Angehörigen kostet Kraft, aber es wird nicht besonders vergütet und den Lohn und den Ruhm streichen höchstens jene in anderen Häusern ein, die die Organe einsetzen.
Welche Skandale um Eurotransplant meinst du? Mit den manipulierten Patient'innenakten zur Verbesserung der Wartelistenposition (Göttingen, München u.a. ab 2011) hatte Eurotransplant nichts zu tun. Natürlich war das eine miese Sache - der Translantationskliniken. Es hat allerdings offenbar keine persönliche Bereicherung dadurch gegeben. Es wurde nichts verkauft oder geschmiert. Die Vorgänge hatten nichts mit der Spende an sich oder den Spender'innen zu tun, sondern allein mit den langen Wartelisten und den ohnehin verfügbaren Organen. Höhere Spendenbereitschaft wäre hier also eher Motiv-verringernd.
All in all kann ich in der aktuellen Lage keine Bösartigkeiten entdecken und halte die Sachinfos für plausibel. Ich denke vor allem an Menschen in meinem Umfeld, die Transplantationen hatten oder brauchen, aber jahrelang darauf warten, weil sich andere Menschen nicht zu einer Entscheidung durchringen können.