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Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Mo 19. Aug 2024, 11:35
von Lavendellöwin
Malvine hat geschrieben: Mo 19. Aug 2024, 11:04 dort ist man eher Teil einer anonymen Masse

Hey..

Anonymität ist nicht in jedem Fall gut, du weisst was in der Anonymität des Internet passiert.
Sicher sind da Personen real ist das eine andere Sache, aber wie viele schauen auch in der
Realität weg...


bitte nicht falsch verstehen, ich verstehe das Argument.
Ich verstehe auch, das bestimmte Personenkreise ihr "normales" Leben unbeeinflusst von
ihren, doofes Wort, "Neigungen" wissen möchten.

Aber das hilft den Personen nicht, die ihre trans*geschlechtlichkeit (what ever) leben möchten
oder viel mehr, nicht mehr anders können. Verstecken oder Anonymität hast du da einfach nicht mehr.
Du bist wie du bist, egal wo.


Ich erinner mich an die Begebenheit mit dem Postboten, der ein Paket für die Nachbarn abgeben wollte.
Damit er die Eintragungen für die Benachrichtigung machen konnte hat er sich nochmal den Namen
bestätigen lassen und damals dann nach dem Deadname gefragt.
Ich heiss so nicht mehr hab ich gesagt, er achso der Nachname hat sich geändert? Ich nöö der Vorname.
Ich hab ihm meinen Namen gesagt, er hat es in sein Gerät eintragen und beim Abzeichnen hat er
die lackierten Fingernägel gesehen und achso gesagt.
Und meistens lief es genauso unspektakulär..bei mir zumindest.

Kannst du das nachspüren?

Habt es gut, Marie (flow)

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Mo 19. Aug 2024, 12:07
von ExUserIn-2026-04-08
Ihr schweift etwas ab ... :)p

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Mo 19. Aug 2024, 12:27
von Joo
Ich finde, Dorf ist nicht gleich Dorf. Das Dorf vor 50 Jahren war ein anderes, als das Dorf heute. Wir alle sind in unserer eigenen Welt sozialisiert und nehmen unsere Erfahrungen mit. Ich plädiere da für Nachsicht.

Liebe Grüße Joo

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Mo 19. Aug 2024, 12:47
von Susi T
Nicht jeder braucht eine Kriese um sich zu entwickeln. Nicht jede Beziehung braucht eine Kriese damit sich Menschen bewegen und bereit sind sich das Leben so zu gestalten das beide Glücklich sind, das kann eigendlich jeden Tag ablaufen.
Mir ist klar das viele Beziehungen anders ablaufen, warten bis dem anderen der Kragen platzt, dann minimale Kompromisse aushandeln, evt. Versöhnungssex und abwarten bis zum nächsten mal Streß.
Kein Problem, Menschen sind unterschiedlich und klar das es auch mal Probleme geben kann, die nicht gleich gelöst werden können und dann ist auch mal eine kleine Kriese möglich.
Aber eine Beziehung die das nötig hat um vorwärts zu kommen? Unempatisches aussitzen und Besitzstandswahrung? Kompromisse anstatt Annäherung und Lösungen für beide?
Sorry hört sich vieleicht so an, als würde ich das überdramatesieren, aber ich mag Evolution anstatt Revolution, Entwicklung einer Beziehung in Harmonie und zusammen etwas gestalten, da sollte es keinen großen Knall brauchen um wach zu werden. Manchmal ist das nämlich dann zu spät.

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Mo 19. Aug 2024, 13:30
von ExUserIn-2026-04-08
Tira hat geschrieben: Mo 19. Aug 2024, 12:47 Aber eine Beziehung die das nötig hat um vorwärts zu kommen? Unempatisches aussitzen und Besitzstandswahrung? Kompromisse anstatt Annäherung und Lösungen für beide?
Hallo Tira,

ich glaube schon, dass Krisen die Auslöser für Entwicklungen sind. Es muss ja nicht gleich der große Knall sein. Es gibt immer auch kleinere Krisen und Probleme. Aber welche Motivation sollte es sonst geben, Verhalten zu ändern, wenn alles harmonisch läuft ? Ich glaube zudem, dass der Gedanke über persönliche Entwicklungen im Paar leider oft falsch verstanden wird. Es geht gerade nicht um das Aussitzen, sondern um die aktive Auseinandersetzung im Paar. Und wie kommst Du auf Besitzstandswahrung? Das hat damit erst recht nichts zu tun. Es geht um Kommunikation auf allen Ebenen, Selbstreflexion und Öffnung für Neues. Und das was dabei herauskommt ist das Gegenteil von Kompromiss. Es ist eine neue Perspektive auf sich, auf den Anderen und die Beziehung. Das bekommt dadurch eine sehr tiefe Bedeutung und die Beziehung bekommt mehr Tiefe. Das hat nicht unbedingt mit einer "Lösung" im Sinne von "jetzt ist wieder alles gut und wir machen weiter wie bisher" zu tun. Im Gegenteil, man geht auf eine neue Ebene, in der die Weichspüler a la "Romantik" in den Hintergrund treten. Es geht um Reife, die nicht automatisch mit dem Alter kommt.

Man kann sogar unterschiedlicher Meinung bleiben, aber der Umgang damit unterschiedlichen Sichtweisen wird anders. Meine Partnerin ist kein Klon von mir und umgekehrt. Da sind unterschiedliche Meinungen zwangsläufig. Empathie ist das Ergebnis der Selbstreflexion und der Auseinandersetzung im Paar. Ich lerne mich und meine Partnerin anders zu sehen und zu schätzen. Das was oftmals unter Harmonie verstanden wird, ist nur ein Ausweichen von Problemen und Krisen. Der Kompromiss ist die Vermeidungsstrategie dazu. Das Problem dabei ist die Einengung beider auf das "kleinste gemeinsame Vielfache", weil man ja gerade die Differenzen in den Sichtweisen vermeidet. Es ist ein Geschacher im Sinne von "gibst Du mir, gebe ich Dir". Tiefe Beziehungen funktionieren mMn so nicht. Sie werden erarbeitet, in dem man sich intensiv mit den Unterschieden beschäftigt und daran wächst. Und der allererste Schritt ist für mich, mich selber ernst zu nehmen.

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Mo 19. Aug 2024, 14:12
von Lavendellöwin
Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 19. Aug 2024, 13:30 ich glaube schon, dass Krisen die Auslöser für Entwicklungen sind.

Mhm...

aber eben nicht nur und das meinte Tira.
Veränderungen und Entwicklungen können auch einfach im Fluss des Seins stattfinden ohne das gleich
eine Krise entsteht.
Also so eine Art das sprichwörtliche Licht geht auf. Die andere Person merkt etwas an, äussert einen Wunsch
und das löst beim Partner aus, habe ich so noch nie drüber nachgedacht oder hey das ist super schön, gut das dus gesagt hast.
Also in der Form, das ist besser als ich bisher angenommen habe, so eine Art auf die Sprünge helfen.
Schon hast du eine Entwicklung..

Und warum sollte denn das trans* inter oder sonst was sein immer eine Krise auslösen.
Das es beide in der Partnerschaft verändert ist was anderes, etwas über die andere Person zu lernen kann doch aber
auch sehr schön sein, zu einer einfachen, unbehafteten, selbstlosen Meinungsänderung führen.

Es nervt mich ein wenig, das trans sein immer zu einem Weltuntergang und einer Auseinandersetzung darüber über
Jahre werden muss oder soll. Ich stelle jetzt nochmal die Frage, was an trans sein ist schlecht, das dies immer so negativ konotiert werden muss.
Es ist nichts Besonderes nur eine Variation unter vielen.
Noch weniger verstehe ich es das sich eine Person krämen muss, weil sie ein Fan von sagen wir der oft erwähnten FSH ist.
Hey, das ist ein Stück Kleidung, sonst nichts.

Aber gut...haben wir eben bei jeder Kleinigkeit eine Krise die tiefgreifende Gespräche benötigt :()b

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Mo 19. Aug 2024, 15:35
von Susi T
Warum sollte es eine Kriese benötigen, damit man sich sieht und mitteilt? Eine Kriese entsteht, wenn man dieses versäumt hat. Das kann passieren, aber wenn es jedesmal nötig ist damit was passiert stimmt was nicht.

In einer guten Beziehung redet man miteinander, sieht den anderen und beachtet sich, schenkt sich aufmerksamkeit, teilt Wünsche mit, erfüllt Wünsche und bespricht wie das Leben gemeinsam gut gelebt werden kann. So kann sich eine Beziehung ganz selbstverständlich entwickeln.
Im Gegensatz dazu die Variante, in der erst etwas geschehen muß damit sich was bewegt.
Manche Menschen mögen das eine, für andere ist das nichts. Richtig oder falsch? Ich weiß was ich möchte und ich brauch ein Gegenüber der ähnlich tickt, sonst wirds schwierig.
Ein Partner/in die wartet bis eine Kriese entsteht um auf mich zuzugehen? Hatte ich, würd ich mir nicht mehr antun.

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Mo 19. Aug 2024, 21:20
von manchmal_melissa
Hi ihr Lieben,
EmmiMarie hat geschrieben: So 18. Aug 2024, 15:56
manchmal_melissa hat geschrieben: So 18. Aug 2024, 14:53 weil die Partnerin Interessen hat, die unmittelbar mit dem Transsein zusammenhängen
Hmm, magst du mir sagen welche das wohl sind?
Was verändert mein Sein an Ihren Grundinteressen?
Naja, im Bezug auf Transidentität unter Umständen sehr viel. Man kann ja nicht auf Knopfdruck ändern, was man (sexuell) attraktiv findet.
Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 19. Aug 2024, 07:39 Aber kann die Beziehung Schaden nehmen, wenn man sich in ihr zeigt ?
Wenn man sich zeigt nicht, aber es geht ja meistens nicht ums Zeigen. Es geht darum, sich und damit die Beziehung verändern zu wollen. Daran kann die Beziehung wachsen, aber das setzt ja schon ein gewisses Einverständnis voraus. Und das lässt sich nicht erzwingen.

Ich verstehe ja jeweils, was ihr meint, aber das klingt mir leider oft zu verharmlosend. Als wäre es immer möglich, solche Veränderungen auszudiskutieren und den Konflikt aufzulösen, wenn nur beide viel und ehrlich miteinander reden. Aber manchmal sind einfach Grenzen erreicht. Und wir sollten den Partnerinnen nicht den Eindruck vermitteln, dass ihre Grenzen nichts wert sind oder ständig zur Debatte stehen. Dann wären wir nämlich wieder bei Egoismus.

Und wenn ich mich noch zum Dorf äußern darf"¦ Ich bin in einem sehr kleinen aufgewachsen (ca. 600 Einwohner:innen) und lebe seit 10 Jahren in Großstädten. Pauschale Urteile sind wohl nicht angebracht, aber in meiner Erfahrung liegen da schon Welten dazwischen. Das sind nicht Jahre, sondern Jahrzehnte, die mein Heimatdorf hinterher hinkt.

Liebe Grüße,
Melissa

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Mo 19. Aug 2024, 22:22
von SometimesSophie
Hallo zusammen,

und danke für das komplexe und spannende Thema.

Aus eigener Erfahrung kann ich auch bekräftigen, dass es wichtig ist, das beide Seiten ihre Selbstbestätigung nicht von einander abhängig machen sollten und eine offene Kommunikation wichtig ist.

Selbst muss ich sagen, dass es mir leider nur bedingt half, offen Crossdressing vor dem ersten Date zubenennen und offen zu sein. Denn es knackte dann doch daran, dass en femme sein - wenn man es selbst aus Rücksicht stark unterdrückt, um eine Beziehung und Kinder zu haben und noch irgendwie sexuel kompatibel zu sein - immer noch ein Elefant im Raum war. Und die Kompatibilität einfach nicht wollte, 8 Jahre und das Ende ist unschön. Irgendwann beginnt man dann aufzugeben und wieder man selbst zu sein, dann kommen Ängste gegenüber und selbst offene Ehe rettet.
Vielleicht war meine Partnerin wirklich zu stark auf der Suche nach Anerkennung bei mir, oder Frust und fehlende Kompatibilität führten zu Frust und drückten wiederum bei mir Hoffnung und Emotionen. Das Ende ist Angst und Unsicherheit ... und die Scheidgungsfolgen regellung in den kommenden Wochen.
Und nun ist anfängliche Akzeptanz nur noch im Haus gegeben, mit Rock und Kids raus erzeugt Ängste auf mehreren familiären Ebenen und der eigene Weg ist grau und nebelig, doch ein Zurück ist zu spät und das sometimes im Namen eigentlich passe.

Ich hoffe ihr habt mehr Glück!

Liebe Grüße
Sophie

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Di 20. Aug 2024, 06:42
von ExUserIn-2026-04-08
Vielen Dank für Eure Sichtweisen.
Elodie hat geschrieben: Mo 19. Aug 2024, 22:31 Apropos: bei anderen ist es ok, schwul, lesbisch, trans völlig egal, jeder, wie er/sie mag ... der eigene Mann ... um Gottes Willen ...
Ich glaube, diesen Satz kennen sehr viele, nicht nur im Transbereich. Aber er ist Ausdruck einer ersten Reaktion, der als Auslöser für die weitere Selbstreflexion dienen kann. So könnte die Frage lauten: Warum bewerte ich meinen Partner anders als den Rest der Welt ? Aber letztlich muss dafür eine Bereitschaft vorhanden sein bzw. entwickelt werden.
manchmal_melissa hat geschrieben: Mo 19. Aug 2024, 21:20 Und wir sollten den Partnerinnen nicht den Eindruck vermitteln, dass ihre Grenzen nichts wert sind oder ständig zur Debatte stehen. Dann wären wir nämlich wieder bei Egoismus.
Deshalb sind ja die s.g. "Ich-Botschaften" so wichtig. Was ich denke und fühle ist Teil meines Selbst und will nicht die Grenzen der Partnerin verschieben. Es ist die Botschaft, wo ich selber stehe. Das kann kein anderer Mensch mir nehmen. Aber die Partnerin hat natürlich das Recht, ihre eigene Meinung zu bilden und zu vertreten. Beide Seiten verhalten sich an dieser Stelle nicht egoistisch. Der Egosismus fängt da an, wenn daus Sichtweisen ein Verhalten des Gegenüber abgeleitet werden soll. Das sind dann Sätze wie, "wenn Du mich wirklich liebst, dann ...".

@Tira und Marie: Ich denke, ich sehe die Frage der Entwicklung zu sehr aus meiner eigenen Perspektive. Und da ist Krise angesagt. Auch die Literatur beschäftigt sich nicht mit Beziehungen, in denen es läuft, sondern in denen es kracht. Das verschiebt meine Perspektive. Aber allgemeiner Tenor ist, dass jede Beziehung an die Punkte kommt, an denen es kracht. Habt Ihr das nicht erlebt ?

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Di 20. Aug 2024, 07:55
von Joan Autumn
Liebe Vicky_Rose

ein guter Beitrag, der, wenn ich ihn richtig verstehe, für mich wie ein Wink kommt.

Ist es nicht so, dass wir zunächst einmal auch ein Resultat unseres Lebens sind. Wir wissen gar nicht, warum wir so geworden sind wie wir sind und gewöhnen uns Verhaltensmuster an und sehen diese nicht einmal, weil sie für uns ja "normal" sind. Das gilt für mich zunächst einmal grundsätzlich als Mensch. CD oder Bigender zu sein habe ich mir nicht "ausgesucht", sondern nur mein Verhalten darauf.

Um mich also weiterzuentwickeln und zu einem selbstständigen Menschen zu werden, muss ich mich so anerkennen, wie ich bin. Das muss ich also herausfinden.

Dabei helfen mir sicher die Fragen, die du unten genannt hast. Aber ich bezweifel, dass ich diese allein beantworten kann. Ich denke, professionelle Hilfe ist nötig. Wenn ich mich dann gefunden habe, kann ich verstehen und mich wirklich weiterentwickeln.

Die Resultate können vermutlich zu schmerzhaften Erkenntnissen führen, aber neue Türen öffnen. Das ist beängstigend.

Meine Frau geht diesen Weg, und wenn ich bisher noch gezögert habe, diesem, meinem, zu folgen, werde ich ihn gehen müssen.

Danke für diesen Beitrag.

Liebe Grüße
Joan

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Di 20. Aug 2024, 09:02
von ExUserIn-2026-04-08
Joan Autumn hat geschrieben: Di 20. Aug 2024, 07:55 Meine Frau geht diesen Weg, und wenn ich bisher noch gezögert habe, diesem, meinem, zu folgen, werde ich ihn gehen müssen.
Hallo Joan,

ich habe Deine Situation nicht vor Augen, aber der Satz kann doch voller Hoffnung gelesen werden, oder ? Wenn Deine Frau diesen Weg geht, heißt das doch, Eure Beziehung ist auf dem Weg. Oder meinst Du damit, dass Deine Frau ihren Weg alleine geht ? Wenn Du Dich auf den Weg machst, stehen Euch doch alle Türen offen. Brauchst Du da wirklich professionelle Hilfe ? Sicher ist das hilfreich und nützlich. Aber Deine Frau ist vor Ort und Du kannst jederzeit darauf einsteigen, wenn Du es willst.

Ich lese gerade das genannt Buch von Schnarch zum zweiten oder dritten Mal. Und wieder finde ich für mich neue Ansätze. Aktuell lese ich von einem Fall, in dem der Mann seine Männlichkeit ablehnt, da er sie u.a. wegen der Aggression schlecht findet. Er hat deswegen z.B. Probleme, mit seiner Frau zu schlafen, obwohl er gerne seine Sexualität lebt und auch alleine keine Probleme hat. Mich elektrisiert der Fall, da es mir in Teilen ähnlich geht. Meiner Frau sagte ich einmal, dass ich das Mannsein ablehne und zwar auch deshalb, weil ich die damit verbundene Aggression nicht für mich annehmen kann. Als Jugendlicher war ich auch eher ein "Weicher", obwohl ich denke, dass ich tougher bin als viele Männer.

Fühle ich mich deswegen weiblich ? Mag sein. Die Schwierigkeit, die ich für mich sehe, ist die Frage, was an mir denn nun wirklich "ich" ist ? Das was ich nicht sein kann oder das, was ich sein will ? Was kommt aus meinem Inneren und was wurde in mich hineingesteckt, so dass es aussieht als käme es von innen ? Ich hoffe, ich drücke mich verständlich aus.

Nachdem ich vier Wochen in der Reha 24/7 en femme gelebt habe, weiß ich, dass ein Leben als Frau für mich möglich ist. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass ich das auch bin, auch wenn die Gefühle dafür sehr tief sind. Was ist denn schon "real" ?

Ich glaube, wenn Du mit Deiner Frau noch zusammen bist und sie sich bereits bewegt, ist das für Dich doch eine große Chance, mit Hilfe Deiner Frau in Dein Leben zu einer größeren Tiefe zu kommen. Du musst nur in den "fahrenden Zug" einsteigen. Klar macht das Angst, u.U. ganz massiv sogar. Ich stelle mir die Frage, was von mir übrig bliebe, wenn mich meine Frau verließe ? Was bliebe von mir übrig, wenn ich auf meine Weiblichkeit verzichtete ? Ich sehe da für mich nur Riesenlöcher. Aber nach Schnarch bedeutet das, dass ich der "Verschmelzung" nachhänge, was bedeutet, dass ich nicht auf eigenen Füßen stehe. Ich stecke in der (gefühlten?) Zwickmühle: Weiblichkeit oder Beziehung ! Kommt das nicht auch Anderen hier bekannt vor ?

Ich bewege mich unaufhörlich auf diesen Punkt zu. Es ist wie auf einem Fluss, der auf dem Weg zu einem Wasserfall ist und wir sitzen als Paar in einem Boot. Aussteigen können wir nur an getrennten Ufern, gemeinsam müssen wir da durch. Gibt es für mich eine Alternative, als den Mut zu haben und mich den eigenen Ängsten zu stellen ? Gäbe es den sprichwörtlichen Strohhalm, ich würde wahrscheinlich alles tun, um die Kernfrage zu umgehen. Aber es gibt ihn nicht ... Erfreulicherweise, denn so bin ich gezwungen, mir ein Stück mehr auf den Grund zu gehen.

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Di 20. Aug 2024, 10:00
von Dani_77
Tja das ist ein sehr zentraler Punkt, der sich nur sehr individuel lösen lösst.

Jede/r hat da seine eigenen Engelchen und Teufelchen auf der Schulter sitzen mit unterschiedlichen Gewichtungen.

Meine Frau, jetzt Ex-Frau hatte nie ein Problem damit, als ich mit der Sprache raus kam, hat es eher noch unterstützt und verteidigt - das Crossdressing.
Allerdings sagte sie auch mal, dass wenn ich beim ersten oder zweiten oder dritten Date damit rausgekommen wäre, sie eher abgeneigt gewesen wäre.

Alles nicht so einfach.

Zudem:
Ich wusste vor 20 Jahren ja selber nicht, was mit mir los ist.
Sind es nur Schuhe?
Schmuck?
Kleidung?
oder mehr???

Wie oft habe ich den ganzen Frauenkram wieder verkauft und/oder versteckt, bis ich wieder single war.

Das ist ein Prozess, den wie ich immer wieder hier lese, viele durchleben.

Daher denke ich man kann das auch in einer Beziehung nicht so einfach mit "du musst offen Kommunizieren" abtun.
Nein muss ich nicht.
Mein Inneres geht erst einmal niemanden was an, auch mein/e Partner;in nicht.
Es ist meine Entscheidung, wann und wie ich was auch immer anspreche.
Jeder ist hier anders.

Für mich war der Moment da, als es mich innerlich so zerrissen hat und ich täglich jedem "Rock" nachgeschaut habe mit den Gedanken "Ach würde ich gerne wie die aussehen und das anziehen" gekommen.

Jetzt als frischer Single (seit Januar) gehe ich nur noch als Transfrau in Dating Situationen, unabhängig davon, dass ich aktuell gar nichts suche.

Meiner Erfahrung nach haben viele Frauen mit dem Crossdressing weniger ein Problem.
Einige meiner Ex-en fanden das sogar richtig toll und konnten es kaum abwarten, mit mir Heels zu kaufen und mich zu schmincken.

Aber das FRAU sein ist ein völlig anderes Thema.

Nur braucht das bei vielen von uns einfach seine Zeit.
Rückwirkend bereue ich all diese Jahre, aber meinen Sohn bereue ich nich, es ist leider nicht alles so einfach daher gesagt und getan schon gar nicht.

Grüße
Daniela

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Di 20. Aug 2024, 10:09
von ExUserIn-2026-04-08
Dani_77 hat geschrieben: Di 20. Aug 2024, 10:00 Es ist meine Entscheidung, wann und wie ich was auch immer anspreche.
Natürlich, und es die Sache Deiner Frau, wie sie damit umgehen will ...

Man kann nicht "Nichtkommunizieren" und die Beziehung betrifft es in jedem Fall ...

Re: Partnerinnen und wir

Verfasst: Di 20. Aug 2024, 10:14
von Dani_77
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 20. Aug 2024, 10:09
Dani_77 hat geschrieben: Di 20. Aug 2024, 10:00 Es ist meine Entscheidung, wann und wie ich was auch immer anspreche.
Natürlich, und es die Sache Deiner Frau, wie sie damit umgehen will ...

Man kann nicht "Nichtkommunizieren" und die Beziehung betrifft es in jedem Fall ...
So ist es.