Franziska hat geschrieben: Mo 25. Mär 2024, 11:42
Ob jemand gendern will oder nicht, dass sollte jedem selbst überlassen werden.
Es darf aber nicht dazu kommen, dass an Schulen, Hochschulen oder Universitäten Arbeiten mit Punktabzug bewertet werden,
wie bereits geschehen, da nicht gegendert wurde. Soweit darf es aus meiner Sicht nicht kommen.
Insofern ist hier eine vorgegebene einheitliche Regelung durchaus sinnvoll.
Für viel schlimmer halte ich die in vielen Kurznachrichten, sei es SMS, WhatsApp oder auch X, enthaltenen Fehler (Tippfehler, Rechtschreibfehler) in den Texten.
In der heutigen Zeit geht anscheinend Schnelligkeit vor Richtigkeit, eine Kontrolle des Textes findet vielfach nicht mehr statt.
Diese Gleichgültigkeit bei zahlreichen Nutzern kann man nur als Trauerspiel bezeichnen. Gegenüber dem Empfänger ist es mehr als peinlich.
Ja, der Verfall der Sitten... "Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegen übernommene Werte." (sumerische Tontafel, ca. 3000 v. Chr.)
Doch, ich stimme Dir zu. Die scheinbare Textqualität hat massiv abgenommen. Scheinbar deshalb, weil heute viel mehr geschrieben wird, mit ganz anderen Mitteln und zu ganz anderen Zwecken. Viel Text ist vergänglich und schon nach Stunden obsolet. Form follows function.
Aber gerade bei schriftlichen Unterhaltungen in denen mehr als Kochrezepte ausgetauscht werden, finde ich Wortwahl, Stil und möglichst verständliche Rechtschreibung auch ein Qualitätsmerkmal und Zeichen von Respekt gegenüber der Zielgruppe.
"Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken" (Samuel Johnson, 1709 - 1784) habe ich heute gelesen.
Nicht vergessen werden sollte, dass heute viel mehr Menschen schreiben (müssen), die das früher nicht getan hätten. Die wenig Übung haben, ihre Zeit nicht mit Lesen und Schreiben verbringen können, vielleicht schlechten Schulunterricht hatten oder eine Lese/Rechtschreibschwäche.
Was geschlechtergerechte Schreibung angeht: Meines Wissen gab es keine Fälle, wo in allgemeinen schulisch/universitären Arbeiten Punkte wegen "Nichtgenderns" abgezogen wurden. Der eine Fall in Kassel, der von *hüstel* "genderkritisch interessierter Seite" medial aufgeblasen wurde, stellt sich bei genauerem HInsehen ganz anders dar, s.z.B.
https://www.spiegel.de/panorama/bildung ... 5f52bc9c6c
tl;dr ein Lehramts-Student im ersten Semester hatte an einer Veranstaltung zum Thema Diversität(!) teilgenommen. Unter anderem sollte Sprachsensibilität(!) gefördert werden. Teil der schriftlichen Prüfungsarbeit dafür war
explizit die Verwendung geschlechtergerechter Sprache. Er benutzte aber absichtlich nur maskuline Formen. Dafür gab es Punktabzug, der aber keine Auswirkungen hatte: Es gab nämlich nur "bestanden" oder "nicht bestanden".
Sich nach einer solchen Veranstaltung raus zu reden mit "Ich habe jedoch das generische Maskulinum benutzt, "ºdie Schüler"¹, weil ich davon ausgehe, dass sich dann alle Geschlechter mitgemeint fühlen" finde ich schon dreist. Entweder die Lerninhalte nicht verstanden oder die Prüfungsvoraussetzungen, oder aber es war eine absichtliche Provokation und Selbstvermarktung. Der Mensch war bereits damals äusserst aktiv im RCDS, inzwischen Bundesvorsitzender, sass im Kreistag als Fraktionsgeschäftsführer für die CDU und so weiter:
https://de.linkedin.com/in/lukas-honemann Hundert Trollpunkte mit Sternchen und Karrierebooster, würde ich sagen.
Bislang war es laut der Gleichstellungsbeauftragten Sylke Ernst möglich, dass etwa in Hausarbeiten Punkte abgezogen werden, wenn die Geschlechtsbezeichnungen nicht stimmen — allerdings "nur unter sehr expliziten Voraussetzungen", etwa nach Absprache und bei wissenschaftlicher Relevanz für das Thema, wie Ernst sagte. Beschwerden habe es keine gegeben.
Genau das war der Fall. Beim Lernthema Diversität inkl. Sprachsensibilität kann der Nachweis, dass geschlechtergerechte Sprache verstanden wurde und reproduziert werden kann, logischerweise Bestandteil der Prüfung sein.
Ansonsten gab und gibt es meines Wissens keine Fälle, wo "nichtgendern" Punkte oder Noten gekostet hätten. Tatsächlich gibt es nur Sternchen-Verbote. "Ob jemand gendern will oder nicht, dass sollte jedem selbst überlassen werden." Aber eben in beide Richtungen.