Wissensstand in der Schule
Wissensstand in der Schule - # 2

Intergeschlechtliche Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
Jaddy
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Re: Wissensstand in der Schule

Post 16 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Anne-Mette hat geschrieben: So 21. Jan 2024, 08:45
Jaddy hat geschrieben: So 21. Jan 2024, 08:28 "Das Geschlecht" gibt es in der Biologie nicht.
das sehen andere Menschen anders.
Ich schrieb: ""Das Geschlecht" gibt es in der Biologie nicht. Die Chromosomen sind ein Merkmal unter mehreren." So viel Kontext sollte schon sein. Dass der menschliche Körper an ganz unterschiedlichen Stellen und aus verschiedenen Perspektiven geschlechtlich betrachtet werden kann, und dass diese Merkmale nicht immer kongruent sein müssen, ist keine Frage von Meinung, sondern naturwissenschaftlicher Fakt. Soweit sind wir uns vermutlich einig.

Mein Beispiel zeigte sogar, dass auch Chromosomen nicht eindeutig sind. Nicht mal "XX" oder "XY". Das Y mit dem SRY Gen nützt überhaupt nichts, wenn die Gensequenz für die Androgen-Rezeptoren auf dem X nicht wie erwartet funktioniert. Das Ergebnis ist dann eben ein augenscheinlich weiblicher Mensch mit "XY" Chromosomen, der das vielleicht nie zu wissen bekommt. Nicht mal bei der Fortpflanzung. Also welches biologische Geschlecht hat die Person? Oder Menschen mit X, XXY oder anderen Kombinationen? Oder "geschlechtlichen" Varianten der Hormonerzeugung/-verarbeitung oder oder oder?

"Das (biologische) Geschlecht" hängt immer davon ab, um was es konkret geht: Nachwuchs zeugen, medizinische Behandlung, Umgang im Alltag mit anderen Menschen.

Allein deshalb ist "es gibt nur XX oder XY" schon faktisch falsch. Und die Marginalisierung von "nur ganz wenigen Ausnahmen" mindestens ignorant und als handlungsbestimmende Kategorien in der Regel menschenfeindlich.

"Im Alltag annähern". Tolle Idee. In ihrem wunderbaren Artikel schrieb Claire Ainsworth:
Wenn also per Gesetz verlangt wird, dass eine Person männlich oder weiblich ist, sollte das Geschlecht dann anhand der Anatomie, der Hormone, der Zellen oder der Chromosomen bestimmt werden? Und was ist zu tun, wenn die verschiedenen Methoden zu widersprüchlichen Ergebnissen führen? "Ich glaube, es gibt nicht den einen biologischen Parameter, der alles abdeckt. Damit wird letztendlich die Geschlechtsidentität des Einzelnen der sinnvollste Parameter sein", resümiert Vilain(1). Mit anderen Worten: Wenn Sie wissen wollen, ob jemand männlich oder weiblich ist, scheint es das Beste zu sein, einfach nachzufragen.
"Das biologische Geschlecht" und "nur XX oder XY" ist jedenfalls keine "beschreibende Annäherung" und ich bin nicht mehr bereit sowas unkommentiert stehen zu lassen, weil aus solch kleinem Unfug häufig genug größerer und gefährlicherer Unfug folgt, wie wir in den letzten Jahren gesehen haben.

(1) Eric Vilain, Mediziner und Direktor des Center for Gender-Based Biology an der University of California in Los Angeles.
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