Malvine hat geschrieben: Fr 1. Sep 2023, 11:17
Um die Chance zu nutzen, gibt es denn irgendwelche Quellen, wie die nonbinäre Ansprache den richtig angewendet wird?
Bitte helft mir über die Straße
Danke für die Frage!
Fragen ist super.
Ich kann mir nämlich in irgendwelchen Gruppen auch keine 10 Neopronomen merken, geschweige denn richtig anwenden.
Unsere Standard-Pronomen sind "er/sie/es". Pro-Nomen heisst für oder statt des Namens.
Einfachste Lösung deshalb:
Den Namen verwenden. Geht immer. Klingt manchmal etwas hölzern, macht aber die Mühe und den Respekt deutlich. (Gerüchteweise haben viele nichtbinäre Menschen deshalb Namen mit nur einer Silbe

).
Vor- + Nachname ist die höflichste Form, die zB Duden auch im Schriftverkehr empfiehlt: "
Guten Tag, Lynn Faber". Mit ein bisschen Glück wird da in Zukunft immer mehr Vorname + höfliches "Sie" vewendet, das erspart den Nachnamen: "Hallo Lynn, wie geht es Ihnen, haben Sie kurz Zeit?"
Dann gibt es die gegenderten (bestimmten) Artikel, "der/die/das". Die sollten vor allem vor dem Namen weggelassen werden; "der Karl", "die Lisa". Einfach "Karl" bzw "Lisa". Häufig werden der/die/das auch bei Beschreibungen einer Person verwendet: "Lyn ist der Fahrer". Da können die Substantive ("Fahrer") umgebaut werden.
Zum Beispiel durch
a) neutrale Formen wie "Lehrkraft" und aktive Beschreibung wie "Lynn fährt den Baukran"
b) Partizipformen: "Inu ist unter den Studierenden"
und c) Glottisschlag und Sternchen: "unser*e heutige Redner*in heisst River".
https://www.genderleicht.de hat viele Tipps zum genderneutralen bzw -inklusiven sprechen, schreiben, etc.
Üben hilft! Egal ob Dir Sprache einfach Spass macht oder Du besonders nett sein möchtest. Bilde Beispielsätze, rede über eine Person, erzähle eine Geschichte, ganz für Dich. Mit dem Namen, mit Neopronomen oder den Umformulierungen, die ohne Pronomen auskommen. Ziel ist, dass Zuhörende nicht erfahren, welches Geschlecht die Person hat.
Es ist ein bisschen wie eine neue Sprache zu lernen oder zumindest neue Sprachgewohnheiten. Angewöhnen geht besser als abgewöhnen.
Zum Angewöhnen und üben hilft auch, bei anderen Menschen bewusst kein Geschlecht anzunehmen. Also zum Beispiel nicht über "die Frau da drüben" zu reden, sondern "die Person im grünen Kleid dort" oder ähnlich zu sagen.
Wenn Du einer Person häufiger begegnest und ihre Neopronomen üben möchtest, gibt es Beispielsätze zum Beispiel auf
https://de.pronouns.page/pronomen. Einige Neopronomen sind angegeben. Mit dem Generator kannst du welche erzeugen und verlinken. Meine zum Beispiel sind
https://de.pronouns.page/en/ens/en/en.
"Wir" üben tatsächlich alle und ich finde das toll und ganz natürlich. Tatsächlich haben wir, wie genderleicht.de zeigt, schon viele brauchbare und einfache Lösungen in der Vielfalt und Schönheit unserer Sprache. Es braucht nur etwas Gewöhnung, und die darf auch Spass machen.
Mein Angebot an alle hier: Wer üben möchte oder Fragen hat kann mich gerne ansprechen.