Dieser nach meiner Ansicht
sehr gute Artikel verdeutlich vielleicht noch mal, warum "Polizei" nicht für alle positiv besetzt ist. Sprich: Weshalb etliche queere Menschen mit Polizei nichts hilfreiches verbinden, auch wenn Aktionen ausgerechnet gegen die wenigen Polizistys, die wirklich helfen wollen, ziemlich kontraproduktiv sind.
Wie gefährlich das alles ist, sah man diese Woche in der Berliner Kriminalitätsstatistik: Ein lesbisches Paar wurde beleidigt, getreten und geschlagen, eine nichtbinäre Person verprügelt. Und das sind nur die Straftaten, die der Polizei gemeldet wurden. Ich höre fast jede Woche in meinem Umfeld von Beleidigungen und Gewalt auf der Straße. [geschätzte Dunkelzffer nach Umfragen: 80% - Jaddy]
Als Gruppe, die besonders bedroht ist, müssen wir uns überlegen, wie man gesellschaftliche Bedingungen schafft, in denen es uns gut geht. Manche queere Menschen haben darauf einfache Antworten: Law and Order. Stefan Evers, der schwule Berliner Finanzsenator von der CDU etwa fordert mehr Videoüberwachung als Werkzeug gegen queerfeindliche Gewalt. Nur: Mehr Polizei, härtere Strafen, mehr Überwachung, das geht meistens für diejenigen schief, die noch unter anderen sozialen Diskriminierungen leiden als Queerness. Evers ist cis, ein Mann, weiß, Deutscher und vor allem: bürgerlich.
Die Polizei war noch immer auf seiner Seite. Wer hingegen trans, weiblich gelesen, eine Person of Color oder einfach arm ist, wird schneller Opfer der Polizei, als von ihr geschützt zu werden. Es ist kein Zufall, dass in Frankreich der rechtsextreme Rassemblement National von Marine Le Pen zu den beliebtesten Parteien unter verheirateten schwulen Wählern gehört. Die sind meist älter und wohlhabender als Queers im Schnitt.
Auch hierzulande gibt es prominente queere Persönlichkeiten in Parteien des rechten Spektrums wie der AfD oder der CDU. Sie sind sich sicher, dass ihnen nichts passieren wird, sie sind ja geschützt durch ihre Hautfarbe und ihr Geld.
Menschen, die im Alltag die Erfahrung machen, sich nicht auf Polizei verlassen zu können (Anzeigen bestenfalls wirkungslos), sondern eher wegen anderer Merkmale schikaniert zu werden, sind verständlicherweise von einer fröhlichen Präsenz eben dieser Institution nicht begeistert auf der eigenen Veranstaltung, die sich gegen vielfältige Missachtung und Schikane richtet.
Was Parteien angeht, bin ich inzwischen auch ziemlich rigoros. Wer als "Lesben und Schwule in der Union" auftritt, repräsentiert nicht in erster Linie Lesben und Schwule, sondern vor allem die Partei, die sich seit Anbeginn der Zeiten gegen Gleichstellung und Verbesserung der Lebenslage queerer Menschen gestemmt hat. Da können sie lange einen schwulen Fraktionsvorsitzenden haben, wenn der munter das Selbstbestimmungsgesetz als
"Kulturkampf" zu "Spaltung der Gesellschaft" bezeichnet und selbst Haltungen gegen die Ehe für (fast) alle für unproblematisch hält.
"SPDqueer" ist da nicht besser, sondern einfach unsichtbar. Ich habe vergeblich versucht herauszufinden, was die tun, oder wo überhaupt. In der SPD selbst ist die Unterstützung für queere Themen soweit ich sehen kann nicht auf der aktiven Tagesordnung. Es wird einfach ignoriert. K.h.Brunner ist weg und damit höre ich keine proaktive queerfreundliche Stimme mehr von denen.
FDP ebenso, von einzelnen wie Brandenburg oder (ja, tatsächlich) Buschmann mal abgesehen. Der Rest ist desinteressiert. Linke können wir auch gepflegt vergessen, weil sie Queerpolitik höchstens instrumentalisieren, aber mAn nicht als Wert an sich verfolgen. Die Grünen sind mE derzeit die einzige Partei, die aktiv und auf allen Ebenen queerfreundlich voran geht. Intern und mit Initiativen nach aussen.
Von daher solten für mich die Parteien und ihre queeren Feigenblatt-AGs auf CSDs sehr sehr kleine Brötchen backen. Diese Werbe-Position haben sie sich einfach nicht durch Taten verdient.