Anne-Mette hat geschrieben: So 28. Mai 2023, 18:00
vielleicht besteht auch ein wenig das Problem einer Überforderung.
Bisher gab es recht wenige Menschen, die sich als transsexuelle oder transidentische Menschen gesehen haben und einen mehr oder weniger schweren Weg "durch die Instanzen" gegangen sind, um
einen "amtlichen Wechsel des Geschlechtes" (und mehr) zu vollziehen.
Inzwischen wird vielfach der Eindruck erweckt (durch das Getöse), als wäre die halbe Republick transsexuell/transidentisch.
Da können durch diesen Eindruck Ängste entstehen, dass die eigene Identität derer, die sich nicht als transsexuell/transidentisch sehen, in Frage gestellt wird und verloren geht.
Ich denke, es hat auch weitere "Aktionen" gegeben, die nicht gerade förderlich sind und waren wie z.B. die Lesung in Verbindung mit dem Namen "Big Clit" und Sonder-Regelungen für Politikerinnenn und "unglückliches Auftreten" einiger Personen.
Wahrscheinlich wird die Öffentlichkeit "uns" die damensaunabesuchende Person auf das Konto schreiben; ärgerlich!
Also mal abgesehen davon, dass es meines Wissens keine "Sonderergelungen für Politikerinnen" gab/gibt, sondern lediglich eine respektvolle Übereinkunft unter Demokrat*innen, habe ich das gleiche Muster schon ein paar mal erlebt. Das geht sogar bis zu den Stonewall Riots zurück (nein, da war ich noch nicht dabei), bzw den folgenden Demos ab 1970, bei denen die Gay Liberation Front - schwule Männer - die eigentlichen Initiatorinnen, trans persons of color, heraus drängten, weil sie durch diese ihre mögliche Akzeptanz gefährdet sahen.
Das gleiche hat bei uns stattgefunden. CSD als "Schwulenparade", alle anderen Buchstaben unsichtbar gemacht. Immer wurde und wird immer noch eine Hierarchie innerhalb der queeren Szenen aufgestellt und "die Bürgerlichen" versuchen sich von "den Schrillen" abzugrenzen, um sich bei der cis-hetero-binären Mehrheit anzubiedern. Das eskalierte häufig im pride month, wenn es um Sichtbarkeit des ganzen Spektrums geht. Hier mal ein Beispiel mit wunderbarer Klarstellung beim
Zaunfink.
Bringt nachweislich nicht wirklich was für die eigene "Überholspur" zu mehr Gleichstellung, ist aber vor allem eine miese Unsolidarität. Im Ernstfall, also angesichts genuiner, "christlich" oder anders religiös-konservativer oder rechtsextremer Queerfeindlichkeit ist es sowieso egal, wie bürgerlich sich eins als queere Person oder Lebensgemeinschaft gibt. Siehe diverse Länder, Parteien, Sekten.
Soweit mal zu "unglücklichen Auftritten".
Ob "wir" diesen Trollauftritt als solchen entlarven können, hängt auch wesentlich davon ab, ob "wir" den Mund aufmachen. Auch, ob "wir" sichtbar sind als positive Gegenbeispiele - sofern wir es uns leisten können. Denn was hat dieser Mensch gemacht? Lediglich demonstriert, dass Unfug möglich ist, den ansonsten keinein gemacht hat. Insbesondere nicht die Menschen, die diese Person diskreditieren wollte.
Wenn es eine Überforderung gibt und der Eindruck, dass die halbe Republik trans wäre, dann wird sie hauptsächlich von der trans-feindlichen Gegenseite erweckt, die mit diesen Märchen ihre generell menschenfeindliche Politik anschlussfähig machen will.