Andrea aus Sachsen hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 17:52
Wie kommst du eigentlich zu der Auffassung, dass du in deiner Branche woanders keine Arbeit findest? Ich denke, die Chance dafür ist genau so gut oder schlecht wie nach dem Outing in deiner jetzigen Firma.
Und wie sieht es mit deiner Berufserfahrung aus? Mit Anfang 30 und nur einem reichlichen Jahr in der Firma, hast du da möglicherweise noch nicht viel ansammeln können. Wäre es unter diesen Bedingungen eventuell eine Option, noch einmal ganz neu anzufangen, in einer anderen, weniger männerdominierten Branche?
Liebe Andrea,
Tatsächlich hängt das mit Tarifverträgen und ein wenig mit der Art des Kraftwerks zusammen. In meinem jetzigen Unternehmen verdiene ich "mal eben" 1000€ netto mehr als vorher. Ich habe jetzt etwas über ein Jahr Betriebserfahrung und insgesamt beinahe 11 Jahre Berufserfahrung.
Umschulen auf einen anderen Beruf in einer anderen Branche kommt für mich aus mehreren Gründen nicht infrage. Erstens liebe ich meinen Beruf. Es ist der Beruf der mich wirklich ausfüllt. An dem ich irre viel Spaß und Freude habe. Das will ich nicht aufgeben.
Der zweite Grund ist das es kaum eine Branche gibt in der ich mein Gehaltsniveau bekommen könnte ohne Abitur oder ein Studium zu haben.
Um mein Gehaltsniveau zu halten müsste ich einen anderen öffentlichen Energieversorger finden. Das wird in meiner Umgebung schwierig bis unmöglich werden. In einem Industriekraftwerk könnte ich vielleicht was finden, aber da liege ich dann mal eben die 1000€ unter meinem jetzigen Gehalt und das kann und darf ich mir nicht leisten. Das hat auch einen bestimmten Grund, welchen ich aber nicht öffentlich preisgeben möchte.
Das hat in dem Falle nichts mit Offenheit zu tun, sondern mehr mit dem Internet.
Wen es dennoch interessiert, darf mich gern per Nachricht kontaktieren, dann kann ich es gern erklären.
Für den Moment ist es nur wichtig, dass es für mich von essentieller Bedeutung ist den Job zu behalten.
Dem gegenüber steht allerdings meine Psyche und damit meine Gesundheit, was mich in eine verflixt verzwickte Lage bringt.
Den Job zu verlieren würde am Ende auch auf meine Gesundheit gehen.
Leider gibt es in dem Falle keinen Plan B oder Plan C.
Als ich die Stelle angetreten bin, sagte man mir ich müsste schon den goldenen Löffel klauen, damit man mich rauswirft. Aber da hat man sicherlich nicht an Sogs wie Transidentität gedacht.
Meine Entfristung ist auch nur noch eine Sache der Formalität, aber genau die ist in Deutschland nun mal maßgebend.
Aber es geht ja eigentlich nicht um mein Gehalt. Zumindest nicht in erster Linie, aber es spielt leider Gottes eine große Rolle.
Mein jetziger Plan, durch euch angeregt, ist, mich mit unserem betrieblichen Gleichstellungsbeauftragten zu unterhalten.
Vielleicht kann er/sie mir bei den nächsten Schritten helfen. Zudem ist, glaube ich, ein Gespräch mit der betrieblichen Psychosozialtherapeutin nicht verkehrt. Insbesondere was das mögliche Verhalten und Denken von Arbeitskollegen auf psychologischer Ebene betrifft.
Bis dahin heißt es, leider Gottes, durchhalten und nicht durchdrehen.
Und dann muss ich sehen wie es weiter geht.
EmmiMarie hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 14:43
hast du schon mal bei deinem Meister und den Kollegen hingespürt, hast du sie schon mal
über Themen aus dem LGBTQIA+ Bereich reden hören? Und was hast du da wahrgenommen.
Es ist grade doch sehr wahrscheinlich das der Meister und die Kollegen jetzt und in einem halben
Jahr die Gleichen sind, deshalb wird es auch mit der Reaktion auf dich so sein.
Darauf möchte ich gern noch was sagen:
Nein, bisher habe ich diesbezüglich leider noch nichts mitbekommen. Es ist nicht unbedingt das alltägliche Thema.
Aber ich werde, anlässlich des CSD, mal vorfühlen um die ein oder andere Reaktion zu entlocken.
Gerade der CSD steht ja für Vielfalt, Akzeptanz und Toleranz.
Vielleicht kann ich den ein oder anderen dann besser einschätzen.
Danke für den Hinweis, liebe Marie
Herzlichst
Euere Lara Celine