Ich verbinde männlich/weibliche Sexualität nicht mit Geben und Empfangen. Das tendiert für mich in Richtung Rollenmuster. Das ist für mich genau das Thema. Es gibt so vieles, was Rollenmuster entspricht. Kleidung gehört in gewissem Sinn auch dazu. Das ist ja erst einmal auch nichts schlechtes. ich spiele auch damit und nutze es für mich. Dein erster Satz trifft es eigentlich ganz gut. Mein mental-weiblicher Körper ist der, in der ich Sexualität viel besser leben kann als mit meinem männlichen Körper. Vor Jahren wurde am Karolinskainstitut in Stockholm Versuche durchgeführt, die zeigen, wie jemand so konditioniert wurde, dass er/sie eine Gummihand als die eigene angenommen hat. Bedrohungen und scheinbare Verletzungen dieser Hand führten zu realen Reaktionen beim Probanden/in. Man hat das sehr interessant interpretiert. dabei wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch eine Vorstellung davon hat, wo sein Körper endet. Du bist Dir ja im Dunkeln jederzeit bewusst, wo Dein Körper endet und kannst Dich so in bekannter Umgebung blind bewegen. Ich habe in dem Zusamenhang den Begriff "innere Landkarte" gehört.EmmiMarie hat geschrieben: Mo 7. Mär 2022, 13:58 du meinst du nimmst z.B. Berührungen auf deinem mentalen Körper lustvoll wahr?
Und du hast in deiner Sexualität eine eher empfangende, erwartende Haltung?
Also eine passive Ausrichtung?
Oder magst du mir eine stark weiblich empfundene Sexualität mal mit Worten belegen?
Weil, als ich früher Sex mit Männern hatte, war ich zwar in einer eher empfangenden Rolle,
trotzdem würde ich das wie ich empfangen habe, eher noch männlich konotiert sehen.
Und aktiv konnte ich auch sein, wenn ich das wollte..
und ist Mannsein nicht auch mit Erotik und Sexualität verknüpft, lustvoll, ohne
diesen ich "musszeugen"-Gedanken im Hinterkopf?
Alles schnell raus und schön wars?
für mich selber kann ich sagen, dass ich zwei "Landkarten" von mir habe. Die eines männlichen Körpers und die eines weiblichen Körpers. So verstehe ich auch meine eigene "Zweigeschlechtlichkeit". Ich kann mit beiden sexuelle Lust erleben. Sie fühlen sich unterschiedlich an und die weibliche ist emotional intensivere.
Wenn ich so darüber nachdenke, kommt mir etwas in den Sinn, dass Geben und Empfangen anders interpretiert als ich es bisher getan habe. Da habe ich Geben und Nehmen nicht als aktiven bzw. passiven Teil verstanden, sondern eher in einem spirituellen Sinn gesehen, also Samen geben und empfangen. Wer dabei im Bett aktiv oder passiv war, spielte keine Rolle. Wenn ich aber Geben als aktiven Teil verstehe, steht mein Körper tatsächlich im Hintergrund. Beim Nehmen als passiven Teil steht die eigene Hingabe im Vordergrund. Hier spielt mein mentaler Körper eine zentrale Rolle. Spannend.
Aber wir sollten an dieser Stelle die Diskussion nicht weiter führen, sonst kapern wir noch den Fred.
Kann man das wirklich von der Sexualität trennen ? Ich meine nicht die Erotik. Aber zu meinem Wohlbefinden gehört doch auch, wenn ich en femme weiblich gelesen werde. Da spielt doch direkt die Sexualität hinein. Nicht umsonst wird "sex" oder "sexe" mit "Geschlecht" übersetzt. Mich interessiert das Ich-bin-Frau-Gefühl. Ich kann es mir oder jemand anderem nicht erklären, aber es ist definitiv präsent. Was bedeutet männlich/weiblich, wenn wir davon ausgehen, dass die mittleren Unterschiede zwischen den Geschlechtern viiel kleiner sind als die Spannweite der Eigenschaften innerhalb eines Geschlechts ? Wie kommt es da zu einem Unterschied im inneren Gefühl.EmmiMarie hat geschrieben: Mo 7. Mär 2022, 13:58naja..das ich-bin-Frau-Gefühl bleibt übrig, meine Haltung zu mir selber bleibt übrig,Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 7. Mär 2022, 11:54 ch finde die Ausgangsfrage sehr treffend, möchte sie aber etwas umdrehen: Was bleibt vom Frausein übrig, wenn ich Kleidung (und Sexualität) weg nehme ?
meine Bewegungen, meine Stimme, wie ich sozialisiert wurde, wie mich andere wahrnehmen,
der Kern meines Wesens-ich bleibe übrig und davon ist Kleidung und Sexualität nur ein kleiner
Teil..
ich höre es gerne, wenn jemand zu mir ohne Make-up sagt, "es ist deutlich zu sehen,
das du eine Frau bist" oder "jetzt steht sie da wie Venus aus der Muschel"..
das sind die Momente die ich liebe, weit weg von Kleidung oder Sexualität.
Jaddy schreibt davon, dass es eine wünscheswertere Welt geben sollte, in der die "männliche Welt" keine Rolle mehr spielt. Ich empfinde das auch, aber es eignet sich nicht für eine Beschreibung, was denn bei der eigenen Unterscheidung der Geschlechter bedeutend ist. Jaddy kommt mit der männichen Welt nicht klar. Ich auch nicht, aber bin ich deswegen weiblich ? Sicher nicht.
Aber egal wie ich mich definiere, der eigentliche Punkt kommt für mich in dem Satz heraus:
Es reicht i.d.R. nicht, sich selber zu definieren, man muss sich auch in der eigenen Form den Konventionen unterwerfen, um anerkannt zu werden. Transfrauen legen sehr viel Wert auf den Geschlechterausdruck in der Kleidung, Cisfrauen sind da häufig wesenlich lockerer und bedienen sich gerne einmal bei Kleidung, die deutlich neutraler sind (Man verzeihe mir meine Wortwahl). Wir sorgen damit für "inneres Unbehagen". Aber das ist ein Problem der Anderen ...Eine Freundin meinte anfangs kommentieren zu müssen, was an mir "männlich" oder "weiblich" sei. Das hätte fast sehr drastisch geendet...
Ich hoffe, ich bin nicht zu sehr vom Thema abgedriftet ...