Was uns das Virus lehrt
Was uns das Virus lehrt - # 2

Anke
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Re: Was uns das Virus lehrt

Post 16 im Thema

Beitrag von Anke »

Jasmine hat geschrieben: Sa 14. Aug 2021, 11:55
Was hätte die Politik beim entstehen der Pandemie anders machen können? ..............
Ganz einfach, sie hätte Vorsorge treffen können! Unsere Politik hat sich lange Zeit überschätzt. .... Ein Desaster in punkto Impfstoffbeschaffung, FFP2 Masken usw. Unsere Politik hat es meiner Meinung nach der Bevölkerung zu verdanken, dass wir so glimpflich bis heute durch die Coronakrise gekommen sind. Die Probleme und schlechten Bedingungen in den Schulen sind jahrelang bekannt, Corona hat sie nochmal zu Tage gebracht.
Das ist ziemlich leicht gesagt. Hätte der Gesundheitsminister vor Beginn der Pandemie große Vorräte an Maksen anlegen lassen, wäre er dafür massiv für die Verschwendung von Steuergeldern kritisiert worden. Die letzt Pandemie ist ca. 100 Jahre her und bis 2019 hätte hier kaum jemand geglaubt, dass so etwas nochmal passieren könnte.

Die Impfbeschaffung ist denkbar schlecht gelaufen, da stimme ich völlig zu. Ich war jedesmal fassungslos, wenn ich gelesen und gehört habe, wie dabei vorgegangen wird. Ich hätte lieber den doppelten Preis pro Impfdosis bezahlt, wenn der Impfstoff schneller verfügbar gewesen wäre.

Doch dieser Punkt fällt nicht unter Vorsorge. Wie soll denn ein Impfstoff vorsorglich entwickelt werden? Biontech und Curevac gehen zwar mit ihren Impfplattformen in diese Richtung und sollen damit schneller werden. Trotzdem muss erst einmal klar sein, gegen was ein Impfstoff eingesetzt werden soll, bevor er entwickelt und getestet wird.

Was meinst Du genau und konkret mit Problemen und schlechten Bedingungen in den Schulen im Zusammenhang mit Corona? Und ich frage mich, wie sollen Schulen auf eine Pandemie vorsorglich vorbereitet werden?
Jasmine hat geschrieben: Sa 14. Aug 2021, 11:55 Was ändert sich? Gerade die Krise hat doch gezeigt, das das Krankenhaussystem in staatliche Hände gehört!!! D
Sorry, da muss ich vehement widersprechen.

Zum einen widersprichst Du deiner eigenen Logik. Du kritisiert, in den meisten Teilen völlig zu Recht, die Handlungsweise der Politik (also des Staates) bei der Bewältigung der Coronakrise, nur um im nächsten Satz genau den selben Leuten die Verantwortung für das Krankenhaussystem zu geben. Verstehe ich nicht.

Abgesehen davon gibt es doch nur sehr wenige Krankenhäuser in privater Trägerschaft. Die meisten Krankenhäuser werden von Städten, Gemeinden, Landkreisen oder kirchlichen Trägern betrieben. Was also soll sich hier groß ändern? Oder möchtest Du alles dem Bundesgesundheitsminister unterstellen?

Darüber hinaus habe ich Einblicke in ein großes Krankenhaus im Raum Stuttgart in Trägerschaft einer Stadt. Meine Partnerin hat dort für 2 Jahre die Rechtsabteilung geleitet. Dort geht es drunter und drüber, was vor allem dem Einfluss von Politik und Verwaltung zu verdanken ist. Professionelles Management sieht anders aus. Aus diesem Grund ist sie auch nach 2 Jahren gegangen.

Es ist leicht gesagt, dass Vorsorge getroffen werden soll. Hinterher sind wir alle schlauer, weil wir ganz genau wissen, was wir gebraucht hätten. Doch was kann tatsächlich getan werden, bevor eine Pandemie ausbricht? Was kann getan werden ohne so richtig zu wissen, was auf uns zu kommt. Niemand hat die vollkommene Voraussicht oder gar eine Glaskugel, die die Zukunft zeigt.

Dazu kommt, dass Vorsorge treffen auch Ressourcen bindet und Geld kostet. Ich stelle mir vor, wir hätten jahrzehntelang Masken vorgehalten, die nicht gebraucht werden. Eben weil keine Pandemie stattfindet. Spätestens nach ein paar Jahren wird der Rechnungshof der Regierung (egal welcher Farbe) Verschwendung vorwerfen und die Opposition wird das genüsslich aufgreifen. Wenn ich mich richtig entsinne, sollen jetzt solche Vorräte ja auch angelegt werden. Ich bin gespannt, wann die Verschwendungsdiskussion losgeht.

Liebe Grüße

Anke
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Re: Was uns das Virus lehrt

Post 17 im Thema

Beitrag von Michi »

Anke hat geschrieben: So 15. Aug 2021, 07:08
Jasmine hat geschrieben: Sa 14. Aug 2021, 11:55 Was ändert sich? Gerade die Krise hat doch gezeigt, das das Krankenhaussystem in staatliche Hände gehört!!! D
Sorry, da muss ich vehement widersprechen.

...

Abgesehen davon gibt es doch nur sehr wenige Krankenhäuser in privater Trägerschaft. Die meisten Krankenhäuser werden von Städten, Gemeinden, Landkreisen oder kirchlichen Trägern betrieben. Was also soll sich hier groß ändern? Oder möchtest Du alles dem Bundesgesundheitsminister unterstellen?
Liebe Anke,

zu diesem einen Punkt möchte ich etwas anmerken:

Es ist eine Tatsache, dass die Zahl privater Krankenhäuser steigt stetig, während die Zahl derer in staatlicher oder freier Trägerschaft kontinuierlich zurück geht:

Anteile der Krankenhäuser in Deutschland nach Trägerschaft in den Jahren 2015 bis 2019

Und in diesen Zahlen wird nur die reine Zahl, aber nicht die Größe der Krankenhäuser abgebildet. Die privaten Krankenhäuser sind mit Sicherheit von der Kapazität her bereits deutlich größer, als die staatlichen und freien Träger zusammen.

Krankenhäuser sind Bestandteil der Daseinsfürsorge. Sie arbeiten mit und leben von den Geldern, die die Krankenkassen von den Menschen als Beiträge einsammeln und treuhänderisch verwalten sollen.

Es ist natürlich nicht richtig, dass mit diesen Beiträgen verschwenderisch umgegangen wird. Da gebe ich dir Recht. Aber ebensowenig ist es angebracht, dass auf dem Rücken der Beitragszahler profitorientiert gewirtschaftet wird. Das führt nämlich dazu, dass die Versorgung kontinuierlich schlechter wird.

Dies passiert, weil sich private Krankenhäuser auf profitable Leistungen konzentrieren. Dadurch bleiben immer mehr schlecht bezahlte Fälle bei den öffentlichen und freien Trägern hängen, die damit kostenmäßig immer schlechter dastehen, und zur Aufgabe oder Privatisierung gedrängt werden. Die privaten Krankenhäuser bauen auch immer größer, und müssen ihre Kapazitäten auslasten, um die Rendite der Anteilseigner zu sichern. Darum werden auch immer mehr dieser profitablen Leistungen ausgeführt, mit einem steigenden Anteil ohne entsprechende Notwendigkeit.

Das hat zur Folge, dass das einerseits Solidarsystem mit immer mehr Kosten für profitable Leistungen belastet wird, während gleichzeitig die Versorgungslage und Qualität bei anderen notwendigen Leistungen immer schlechter wird, und immer höhere Beiträge gezahlt werden müssen, um dieses Profitstreben zu bedienen.

Dazu nur ein Beispiel von vielen, das diese Entwicklung illustriert:

Kniegelenk: Viele Prothesen unnötig


Ich denke darum, dass dein vehementer Widerspruch nicht angebracht ist. Die Privatisierung kann nicht die Lösung sein. Sie macht den Menschen zum Produkt, dass optimiert wird, wenn es profitabel ist, und anderenfalls weggeworfen wird. Das ist asozial!


Weitere Infos:

Aktuelle Informationen und Daten zum Thema Krankenhaus


Liebe Grüße und einen schönen Sonntag
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: Was uns das Virus lehrt

Post 18 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo Michi,
MichiWell hat geschrieben: So 15. Aug 2021, 10:34
zu diesem einen Punkt möchte ich etwas anmerken:

Es ist eine Tatsache, dass die Zahl privater Krankenhäuser steigt stetig, während die Zahl derer in staatlicher oder freier Trägerschaft kontinuierlich zurück geht:

Anteile der Krankenhäuser in Deutschland nach Trägerschaft in den Jahren 2015 bis 2019
vielen Dank für den Hinweis. Ich hatte die alten Zahlen im Kopf und nicht richtig auf dem Schirm, dass sich da viel verändert hat.

Ohne das Thema bis ins letzte vertiefen zu wollen (dazu braucht es deutlich mehr als einen Thread), ich halte nichts davon, auf Teufel komm raus zu privatisieren oder umgekehrt zu deprivatisieren. Das ist für mich die falsche Diskussion. Aus meiner Sicht ist das gesamte Gesundheitswesen in Deutschland auf keinem guten Weg und es braucht einige deutliche Veränderungen. Was dann von privaten und was von öffentlichen gemacht werden soll, das sollte Ergebnis der Diskussion sein und nicht vorab gesetzt werden.

Liebe Grüße

Anke
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Re: Was uns das Virus lehrt

Post 19 im Thema

Beitrag von Jasmine »

Anke hat geschrieben: So 15. Aug 2021, 07:08 ..........
Sorry, da muss ich vehement widersprechen.

Zum einen widersprichst Du deiner eigenen Logik. Du kritisiert, in den meisten Teilen völlig zu Recht, die Handlungsweise der Politik (also des Staates) bei der Bewältigung der Coronakrise, nur um im nächsten Satz genau den selben Leuten die Verantwortung für das Krankenhaussystem zu geben. Verstehe ich nicht..................................
Liebe Anke, es ist doch ganz einfach. Ich habe z.B. Taiwan angeführt. Wir haben in Taiwan eine weit höhere Akzeptanz der Politik. In Deutschland hingegen ist die Akzeptanz nicht so hoch. Wenn ich also ein System habe, das der Bevölkerung dient (inklusive dem Krankenhaussystem) dann hat ein Staat schon mal viel richtig gemacht. Hiervon möchte ich die Krankenkassen nicht ausnehmen. Meiner Meinung nach würden 5 Krankenkassen in Deutschland ausreichen. Ich denke das die Krankenkassenbeiträge der Versicherten nur der Gesundheitsvorsorge bzw. Krankheitskosten dienen sollte. Ebenso sollten Steuergelder erstmal für Schulen, Pandemiepläne (sozialer Sektor) usw. verwendet werden.
Was der Rechnungshof sagt, kann dahinstehen. Der Staat hat eine Pflicht dem Bürger gegenüber! Ob das nun in der Coronakrise, Hochwasserschutz usw. ist oder eben ein Pandemieplan. Die Pandemie kam doch nicht so plötzlich wie es manchmal propagiert wird. Es gibt Länder die sich auf Pandemieen vorbereiteten oder vorbereitet haben wie z.B. Taiwan. Nur leider haben wir in Deutschland einen Turbo-Kapitalismus der nur an Gewinnmaximierung interessiert ist. Gerade die Coronakrise zeigte die Schwächen in Deutschland. Wer sind denn die Verlierer in der Coronakrise? Meiner Meinung nach hat sich die Ungleichheit zwischen Arm und Reich vergrößert und wer trägt die Hauptlast der Krise? Sind es nicht die Frauen mit hohen Doppelbelastungen? Hier ist der Staat gefragt und er sollte sein Handeln zukunftsorientiert und innovativ gestalten.
Auch der Hochwasserschutz ist Aufgabe des Staates. Aber wie im Gesundheitssystem wurde auch hier gespart. Wer ist also für die Toten verantwortlich? Wir brauchen ein Umdenken in der Politik. Ein ganz wichtiges Tool wäre der Bürgerentscheid in den Kommunen und auf Bundesebene.
Manche Weisungen des Staates verstehe ich sowieso nicht mehr. Da schaue ich die Sportschau und sehe tausende von Menschen ohne Mundschutz in den Stadien. In unserer Kirche sitzen ca. 100 Menschen mit großen Abständen und mit Masken. Tut mir leid, verstehe ich nicht!
Nun aber genug mit Politik die mich sowieso nicht mehr interessiert.

Liebe Grüße Jasmine
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Re: Was uns das Virus lehrt

Post 20 im Thema

Beitrag von Jasmine »

Anke hat geschrieben: So 15. Aug 2021, 11:14 ................Aus meiner Sicht ist das gesamte Gesundheitswesen in Deutschland auf keinem guten Weg und es braucht einige deutliche Veränderungen. Was dann von privaten und was von öffentlichen gemacht werden soll, das sollte Ergebnis der Diskussion sein und nicht vorab gesetzt werden....................
Und wie erreiche ich dies? Mit Bürgerentscheiden - das heißt indem der Bürger wieder in die Politik mit einbezogen wird! Ich persönlich halte auch den Fraktionszwang und ähnliche Elemente für nicht dienlich. Entscheidungen sollten immer Gewissensentscheidungen des einzelnen Politikers sein und keine Parteidoktrin.
Betreffend Diskussion: Es wird ja über vieles diskutiert und diskutiert und diskutiert. Unser Staat/Verwaltung ist zu aufgeblasen und da das noch nicht reicht, kommen die Beraterfirmen noch dazu. Wie soll da noch was Vernünftiges herauskommen. Fakten müssen klar benannt werden, Fehler erkannt und benannt werden und dann neue vernünftige Lösung in Angriff genommen werden. Da sollten dann auch alle Parteien gemeinsam zusammenarbeiten und nicht nur eine Partei den Erfolg für sich alleine verbuchen wollen. Gemeinsame Entscheidungen halte ich für besser und leichter der Gesellschaft vermittelbar.
Nun ist aber wirklich Schluß mit Politik :lol:
Liebe Grüße Jasmine
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