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Re: Ein verwirrtes "Hallo nochmal" mit vielen Fragezeichen

Verfasst: Sa 3. Apr 2021, 14:51
von Engelchen
Liebe Carry,

willkommen zurück.
Ja, da hast du etwas erkannt - deine weiblich Seite.
Sie kann mal verschwinden ist aber immer da und eines Tages eben schlägt sie wieder zu.
Schön das deine Frau in kleinen teilen damit umgehen kann.


Helga hat geschrieben: Fr 2. Apr 2021, 21:33 In der öffentlichen Wahrnehmung treten leider nur Extreme auf. Zum einen die Drag- Queens wie Ru Paul oder Olivia Jones, zum anderen Problemmenschen,
die ihr gesamtes bisheriges Leben über den Haufen werfen, die Familie verlassen, den Beruf kündigen, um sich einer Hormontherapie und einer ganzen Reihe von Operationen zu unterziehen. Die sehr viel größere Gruppe der Crossdresser nimmt leider (oder zum Glück?) kaum jemand wahr, da sie meistens unauffällig bleibt. Mit diesem Lebensentwurf können viele Ehefrauen durchaus umgehen.
Liebe Grüße
Helga
Wusste ich noch gar nicht das ich ein Problem-Mensch bin....


Liebe Grüße

Lisa

Re: Ein verwirrtes "Hallo nochmal" mit vielen Fragezeichen

Verfasst: Sa 3. Apr 2021, 15:09
von Momo58
Oh, hallo Problemmensch. So habe ich mich noch gar nicht gesehen. Ich halte es eher für ein Problem, wenn sich Crossdresser, Trans*Menschen, queergender, Intergeschlechtliche u. a. verstecken. Je mehr sich zeigen können, um so größer wird in einigen Jahren die gesellschaftliche Akzeptanz werden.
Ich zeige mich und habe bis auf zwei rechtsextreme Chaoten keine negativen Erfahrungen gemacht. Insofern bin ich kein Problemmensch, sondern eine stille AktivistIn, die nicht polarisiert, sondern zeigt, dass wir ganz normale Menschen sind.

Liebe Grüße
Manuela

Re: Ein verwirrtes "Hallo nochmal" mit vielen Fragezeichen

Verfasst: Sa 3. Apr 2021, 15:34
von Patricia
Hallo Carrie,
herzlich willkommen im Forum. Beim Lesen deines Beitrags stellte ich mir die Frage ob das wirklich so einfach ist wie du es beschrieben hast. Deine feminine Seite einfach nur als Ausdruck für ein Kindheitstrauma, oder steckt vielleicht mehr dahinter? Spielen die Ehe und die Liebe vielleicht eine so große Rolle in deinem Leben, dass du dich, vielleicht auch unbewußt, dafür entschieden hast als Mann zu leben weil du sie sonst verlieren würdest? Geht es darum weibliche Kleidung zu tragen oder eher darum eine Frau zu sein? Denn das sind definitiv zwei paar Schuhe, auch wenn manche anderer Meinung sind.
Ich habe mir auch lange Jahre eingeredet es sei nur ein "Fetisch" und ich bin einfach nur nicht richtig im Kopf...doch das Leiden konnte ich nciht verhindern. Denn ich bin kein Mann und musste einer sein.
Ich wünsche Dir dass du es schaffst herauszufinden was bei Dir die Sache ist.

LG
Patricia

Re: Ein verwirrtes "Hallo nochmal" mit vielen Fragezeichen

Verfasst: Sa 3. Apr 2021, 21:31
von Aria
Helga hat geschrieben: Fr 2. Apr 2021, 21:33 Der dabei empfundene Leidensdruck ist übrigens nicht exklusiv für Transsexuelle reserviert, auch Crossdresser kennen die leidvolle Erfahrung wie es sich anfühlt wenn der weiblichen Seite nicht ausreichend Raum gegeben werden kann.
Du wirst hier im Forum viele Beispiele von Crossdressern finden, die ihre weibliche Seite ausleben, indem sie einfach mal aus ihrem Alltag ausbrechen. Du hast die Stichworte bereits geschrieben: Kompensation und Leichtigkeit. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Tag "en femme" ähnlichen Effekt hat wie eine Woche Urlaub. Handy aus, volles Programm mit Perücke, Pölsterchen, Schminke, chicker Kleidung. Ein Treffen mit Freundinnen, Fotoshooting, Shoppingtour, etc. Der ganze
Ach Helga, du wirst irgendwie nicht müde, die Unterschiede von TS zu CD zu legalisieren um somit deine These zu untermauern, dass die meisten TS eigentlich verkappte CD sind, die nur nicht genügend therapiert wurden. Den Leidensdruck den du empfindest wenn du dich mal eine Zeit lang nicht dressen konntest, ist keineswegs mit dem gleichzusetzen den TS empfinden. Das habe ich dir schon so oft versucht zu erklären aber es will scheinbar einfach nicht rein. Wenn du deinen Abend oder Wochenende als Helga hattest, fühlst du dich so entspannt als wärst du im Urlaub gewesen. Das ist toll für dich, ehrlich, diese Entspannung gönne ich dir. Das geht der TS aber nicht so! Di zieht die Kleidung an und fühlt keine Entspannung, ausser dem Gefühl, dass es richtig ist. Kein Tüff-Tüff, kein Schi-Schi. Einfach normal sein. Hier gabs mal einen Thread "CD darf auch Spass machen". Schön, wenn das Spass macht, für TS ist das aber bitterer Ernst.

Re: Ein verwirrtes "Hallo nochmal" mit vielen Fragezeichen

Verfasst: Sa 3. Apr 2021, 21:39
von Patricia
Aria hat geschrieben: Sa 3. Apr 2021, 21:31 Ach Helga, du wirst irgendwie nicht müde, die Unterschiede von TS zu CD zu legalisieren um somit deine These zu untermauern, dass die meisten TS eigentlich verkappte CD sind, die nur nicht genügend therapiert wurden. Den Leidensdruck den du empfindest wenn du dich mal eine Zeit lang nicht dressen konntest, ist keineswegs mit dem gleichzusetzen den TS empfinden. Das habe ich dir schon so oft versucht zu erklären aber es will scheinbar einfach nicht rein. Wenn du deinen Abend oder Wochenende als Helga hattest, fühlst du dich so entspannt als wärst du im Urlaub gewesen. Das ist toll für dich, ehrlich, diese Entspannung gönne ich dir. Das geht der TS aber nicht so! Di zieht die Kleidung an und fühlt keine Entspannung, ausser dem Gefühl, dass es richtig ist. Kein Tüff-Tüff, kein Schi-Schi. Einfach normal sein. Hier gabs mal einen Thread "CD darf auch Spass machen". Schön, wenn das Spass macht, für TS ist das aber bitterer Ernst.
Ich stimme Aria zu. Es führt bei vielen von uns nicht zur Entspannung, nein, manchmal sogar zum Gegenteil. Es macht uns oft sehr schmerzhaft bewußt was in unserem Leben verkehrt ist. Es geht nicht darum feminine Klamotten anzuziehen und plötzlich ist man eine Frau, nein. So funktioniert das bei uns nciht. Es geht um das Sein und nicht um die Kleidung...

LG
Patricia

Re: Ein verwirrtes "Hallo nochmal" mit vielen Fragezeichen

Verfasst: Sa 3. Apr 2021, 21:47
von Nicole Fritz
Engelchen hat geschrieben: Sa 3. Apr 2021, 14:51 Wusste ich noch gar nicht das ich ein Problem-Mensch bin....
Meine Einschätzung dazu steht hier:
viewtopic.php?p=309728#p309728

Re: Ein verwirrtes "Hallo nochmal" mit vielen Fragezeichen

Verfasst: Sa 3. Apr 2021, 22:01
von Nicole Fritz
Aria hat geschrieben: Sa 3. Apr 2021, 21:31 Ach Helga, du wirst irgendwie nicht müde, die Unterschiede von TS zu CD zu legalisieren um somit deine These zu untermauern, dass die meisten TS eigentlich verkappte CD sind, die nur nicht genügend therapiert wurden. Den Leidensdruck den du empfindest wenn du dich mal eine Zeit lang nicht dressen konntest, ist keineswegs mit dem gleichzusetzen den TS empfinden. Das habe ich dir schon so oft versucht zu erklären aber es will scheinbar einfach nicht rein. Wenn du deinen Abend oder Wochenende als Helga hattest, fühlst du dich so entspannt als wärst du im Urlaub gewesen. Das ist toll für dich, ehrlich, diese Entspannung gönne ich dir. Das geht der TS aber nicht so! Di zieht die Kleidung an und fühlt keine Entspannung, ausser dem Gefühl, dass es richtig ist. Kein Tüff-Tüff, kein Schi-Schi. Einfach normal sein. Hier gabs mal einen Thread "CD darf auch Spass machen". Schön, wenn das Spass macht, für TS ist das aber bitterer Ernst.
Da habe ich vermutlich einiges verpasst, und meine Einschätzung ist etwas einseitig ausgefallen.

Re: Ein verwirrtes "Hallo nochmal" mit vielen Fragezeichen

Verfasst: Sa 3. Apr 2021, 22:04
von JuLa67
Hallo Carrie,
herzlich Willkommen zurück im Forum!

Leider ist meine erste Antwort irgendwie im Äther verloren gegangen...

Meine erster Gedanke war, dir zu raten noch mal bei deinem Therapeuten aufzuschlagen und um erneute Heilung zu bitten.
Aber, wird das funktionieren? Wann wirst du das nächste mal Damembekleidung tragen? Da kannst du hier genug Beispiele lesen.
Heimlich bestellen, entsorgen unnachgiebig einer gewissen Zeit geht das wieder von vorne los.
Aber andererseits ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis in der Praxis am Größten. Will sagen, wir können viel raten, aber dein Leben muss du selbst leben - wenn du dir denn darüber klar bist, was du von ihm erwartest.

Natürlich wünsche ich dir, dass sich all deine Probleme in Luft auflösen, aber leider bin in nicht die gute Fee, sondern nur die naseweise Larissa (888).

Hilfe holen ist schon ganz gut.

Liebe Grüße aus dem oberbergischen Land
Larissa

Re: Ein verwirrtes "Hallo nochmal" mit vielen Fragezeichen

Verfasst: Sa 3. Apr 2021, 22:26
von Inga
Hallo, Carrie,

auch von mir ein Wieder-Willkommen hier in diesem Forum. Schön dass du wieder hergefunden hast.

Ich finde, du bist einfach ein Beispiel dass die Leidenschaft nicht völlig verschwindet, auch dann nicht, wenn sie in den Hintergrund tritt und ruht, und sich die Lebensumstände sich verändern.

Vielleicht hilft es deinem Wohlbefinden, wenn du mit Absprache mit deiner Frau gelegentliche Auszeiten machen kannst, die Frau in dir auszuleben. In Vor-Corona-Zeiten hätte ich gesagt, etwa bei einem Stammtischtag oder Gruppentreffen.

Doch reden musst du mit deiner Frau weiterhin. Vielleicht entwickelt sich dann ein gemeinsam getragener Weg.

Leibe Grüße
Inga

Re: Ein verwirrtes "Hallo nochmal" mit vielen Fragezeichen

Verfasst: Mo 5. Apr 2021, 20:05
von Carrie_C
Liebe Alle, die sich so umfangreich hier geäußert haben,
vielen Dank für eure Anteilnahme an meiner Vorstellung. Es waren sehr, sehr viele Aussagen dabei, die mich zum Nachdenken angeregt haben. Für meine "Wegfindung" ist es sicherlich hilfreich, Bezug auf ein paar dieser Aussagen zu nehmen und mich damit selbst besser zu positionieren.
Helga hat geschrieben: Fr 2. Apr 2021, 21:33
Carrie_C hat geschrieben: Fr 2. Apr 2021, 08:26 Aber dann gab es deine entscheidende Erkenntnis in meiner Therapie und das Frau-Sein-Wollen stellte sich als eine Kompensation für ein emotionales Defizit meiner Kindheit heraus.
Du wirst hier im Forum viele Beispiele von Crossdressern finden, die ihre weibliche Seite ausleben, indem sie einfach mal aus ihrem Alltag ausbrechen. Du hast die Stichworte bereits geschrieben: Kompensation und Leichtigkeit. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Tag "en femme" ähnlichen Effekt hat wie eine Woche Urlaub. Handy aus, volles Programm mit Perücke, Pölsterchen, Schminke, chicker Kleidung. Ein Treffen mit Freundinnen, Fotoshooting, Shoppingtour, etc. Der ganze Alltag ist vergessen. Eine derart effiziente Rückzugsmöglichkeit haben "normale" Männer nicht.
Helga
Helga, was du hier mit dem Crossdressing beschreibst, trifft bei mir den Kern der Sache nicht so ganz. Ich habe nicht den Eindruck, dass es um das Ausbrechen aus dem Alltag geht, indem ich mich als Frau kleide. So etwas wie Shoppingtour und Fotoshooting en femme würde mir damit nicht geben können, was mein Bedürfnis ausmacht.
Es ist vielmehr so, als würde ich durch das Tragen weiblicher Kleidung etwas Inneres zum Ausdruck bringen, einen elementaren Teil von mir. Ja, es fühlt sich gut an, aber es fühlt sich auch richtig an, nach "so bin ich auch". Ich schreibe bewusst "auch", da ich gerade der etwas wackeligen Meinung bin, dass ich irgendwie zwischen zwei Stühlen sitze, also in gewisser Weise "nicht-binär" bin. Ich verabscheue nicht mein männliches Ich. Aber es ist längst nicht alles von mir.
Damit komme ich zum Beitrag von Patricia, der mich auch sehr berührt hat.
Patricia_cgn hat geschrieben: Sa 3. Apr 2021, 15:34 Beim Lesen deines Beitrags stellte ich mir die Frage ob das wirklich so einfach ist wie du es beschrieben hast. Deine feminine Seite einfach nur als Ausdruck für ein Kindheitstrauma, oder steckt vielleicht mehr dahinter? Spielen die Ehe und die Liebe vielleicht eine so große Rolle in deinem Leben, dass du dich, vielleicht auch unbewußt, dafür entschieden hast als Mann zu leben weil du sie sonst verlieren würdest?
Spielen Ehe und Liebe eine so große Rolle, dass sie mich beeinflussen? Absolut, ich kann aber nicht sagen wie sehr nun bewusst oder unbewusst. Vor gut 9 Jahren stand ich am Scheideweg — Gehe ich den Weg, Frau zu werden und verliere meine Familie (damals Frau und Tochter, mittlerweile noch mit zwei Söhnen) oder finde ich einen Weg zurück?
Ich hatte höllische Angst, meine Frau und Tochter zu verlieren. An meiner Liebe zu meiner Frau hat sich durch das Frau-Sein nichts geändert; im Gegenteil, ich hatte das Gefühl, ihr nochmal mit anderer Zärtlichkeit begegnen zu können (was ihr so gar nicht gefallen hat — woraus ich ihr keinen Vorwurf machen kann, sie fragte mich z.B.: Wenn ich mir einen Bart ankleben würde, würde dich das beim Küssen stören?, was ich mit "Ja" beantworten musste"¦). Umgekehrt galt das aber schon. Warum sollte sie auch lesbisch werden, nur weil ich entscheide, eine Frau zu sein? Körperlich findet sie eben gerade meine männlichen Attribute attraktiv.
Und ja, auch jetzt keimt diese Angst wieder auf, diese Angst, etwas zu sein, das meine Frau nicht lieben kann — und verliere ich sie, verliere ich ein Stückweit meine Kinder, was ich unter keinen Umständen passieren lassen will.
Patricia_cgn hat geschrieben: Sa 3. Apr 2021, 15:34 Geht es darum weibliche Kleidung zu tragen oder eher darum eine Frau zu sein? Denn das sind definitiv zwei paar Schuhe, auch wenn manche anderer Meinung sind.
Was bedeutet es, wenn ich diese Frage so beantworte: Es geht darum, mit der weiblichen Kleidung einen Teil meiner Selbst zum Ausdruck zu bringen? Ist dieser Teil dann Frau und die Antwort lautet: Es geht tatsächlich darum, eine Frau zu sein? Ist es schon mehr als Crossdressing, es dann auch passend und richtig und angenehm zu finden, die Brust weiblich zu modellieren (rasieren + mit Push Up in eine etwas schönere Form zu bringen) — und es überhaupt eigentlich ganz schön zu finden, keine platte Männerbrust zu haben, sondern ein "solides" A Körbchen?
Ansonsten gilt: Ich habe keine Abneigung gegen meine männlichen Geschlechtsteile oder meine männliche Sexualität.
Aria hat geschrieben: Sa 3. Apr 2021, 21:31 Wenn du deinen Abend oder Wochenende als Helga hattest, fühlst du dich so entspannt als wärst du im Urlaub gewesen. Das ist toll für dich, ehrlich, diese Entspannung gönne ich dir. Das geht der TS aber nicht so! Di zieht die Kleidung an und fühlt keine Entspannung, ausser dem Gefühl, dass es richtig ist. Kein Tüff-Tüff, kein Schi-Schi. Einfach normal sein. Hier gabs mal einen Thread "CD darf auch Spass machen". Schön, wenn das Spass macht, für TS ist das aber bitterer Ernst.
Ich muss zugeben, dass mich das Tragen weiblicher Kleidung entspannt. Aber eigentlich deshalb, weil es sich so richtig anfühlt, denke ich. Nicht wie in den Urlaub fahren, sondern eher wie nach Hause kommen. In sich selbst ankommen. Durchatmen. Anspannung nachlassen können.
Am Ende dieses Beitrages muss ich sagen, dass ich noch verwirrter bin als vorher. Ich habe das Gefühl, entscheidende Fragen eurer Beiträge mit "Ja" beantworten zu müssen, wenn ich ehrlich zu mir selbst sein will. Und das macht mir schlicht und ergreifend Angst.
Mit meiner Frau bin ich im Gespräch. Sie ist erstmal offen und bereit, sich auf einen Prozess einzulassen. Ich kann ihr nur noch nicht richtig aufzeigen, wohin der Weg meiner Meinung nach gehen soll, weil ich es einfach nicht weiß. Ich habe ihr klar gemacht, dass ich es erstmal ganz langsam anzugehen und ein wenig mit Grenzverschiebungen zu spielen. Bunte Halstücher tragen, die Augenbrauen in eine femininere Form zupfen, Ohrstecker tragen (zu meinem Leidwesen ist mein linkes Ohrloch zugewachsen ☹) — also alles Dinge, die als Mann erstmal okay sind, aber eben gewisse Akzente setzen. Gerade vor den Kindern will ich ja nicht mit der Tür ins Haus fallen und mich unkommentiert mit Kleid an den Frühstückstisch setzen"¦!
Ich spiele schon mit dem Gedanken, ob ich frühzeitig wieder Kontakt zu meiner damaligen Therapeutin suchen sollte, um so früh wie möglich eine Begleitung zu haben, die mir bei den (zu) vielen Fragen helfen kann.
Das war viel digitale Tinte. Was denkt ihr, was ist euer Eindruck meiner Situation? Ich merke, dass mir eure Kommentare viel Input bringen und teilweise wunde Nerven treffen, aber geht es nicht genau darum"¦?

Ich freue mich über weitere Kommentare!
Liebe Grüße
Carrie

Re: Ein verwirrtes "Hallo nochmal" mit vielen Fragezeichen

Verfasst: Mo 5. Apr 2021, 22:35
von Mara
Hallo Carrie,

Puh, ich verstehe deine Gedanken und Ängste.
Sehr einleuchtend war mir dein Satz "Nicht wie in den Urlaub fahren, sondern eher wie nach Hause kommen. In sich selbst ankommen" ja so fühlt es sich auch bei mir an!
Der Erkenntnisprozess war und ist für mich ein langer, der nun seit dem Wiederaufflammen vor ca. 7 Jahren andauert. Mittlerweile bin ich mir im klaren darüber kein Crosdresser zu sein. Ich lehne (noch) nicht mein Geschlechtsteil da unter ab, aber die Gewissheit ist da, eigentlich mit dem richtigen Gehirn und falscher körperlicher Ausstattung hier zu sein. So wache ich morgens auf und mein Thema verkehrtes körperliches Gechlecht ist sofort hinter der Stirn und dass jeden Tag. Ich habe mich inzwischen zu einem androgyngfemininen Menschen gewandelt mit langem Haar und soweit der Haare am Körper entledigt. Auch mit tragen weiblicher Alltags Kleidung wie femininer Jeans und Tshirts usw. Das ist in der Familie (geoutet) eine Gradwanderung bei der soweit noch alle mitgehen ohne das es einfach für meine Frau wäre. Mit kleinen Auszeiten im Kreise von Menschen wie hier oder alleine komme ich derzeit noch irgendwie klar, auch im Hinblick auf die Verantwortung für meine Kinder. Gefühlt sitze ich zwischen den zwei bekannten Stühlen.
Für mich war und ist wichtig, nichts zu überstürzten und bin für mich damit gut gefahren, habe Mara ganz langsam in den Alltag der Familie gebracht.

Ich wünsche dir alles Gute auf deinem Weg!

Liebe Grüße
Mara

Re: Ein verwirrtes "Hallo nochmal" mit vielen Fragezeichen

Verfasst: Di 6. Apr 2021, 10:36
von Helga
Carrie_C hat geschrieben: Mo 5. Apr 2021, 20:05 dass ich irgendwie zwischen zwei Stühlen sitze
Hallo Carrie,
zwischen den Stühlen zu sitzen ist ein häufig zitiertes, aber nicht ganz zutreffendes Bild. Die Stühle sind klassisch binär, wobei sich diese binäre Geschlechtsbetrachtung mittlerweile überholt hat. Mit der Einstufung non- binär liegst du schon ganz richtig, irgendwie sind wir alle non- binär, gehen nur unterschiedlich damit um.
Um zum Bild zurück zu kommen: Wir sitzen nicht zwischen den Stühlen, wir sitzen auf einer recht breiten Bank. Ganz rechts sitzen die "richtigen" Männer, ganz links die "richtigen Frauen" (wem dies unter politischen Gesichtspunkten nicht passt, kann auch gespiegelt werden), non- Binäre irgendwo dazwischen. Crossdressing bedeutet nicht Tüff- Tüff und Chi- Chi, auch Crossdresser kleiden (nicht "verkleiden") sich aus einem inneren Bedürfnis. Fotoshooting und Shoppingtour sind nur Beispiele für ein möglichst intensives Erleben. Crossdressing bedeutet, dass wir uns auf der beschriebenen Bank dort hinsetzen, wo es uns gerade am besten passt, und/ oder es unserer Gefühlslage entspricht: Weit nach rechts, weil wir in einer Besprechung mit "Alphatieren" sitzen, die versuchen irgendwelchen Blödsinn durchzusetzen. Weit nach links, um einem Menschen mit Kummer einfach zuhören zu können, oder in die Mitte weil es vielleicht gerade gar keine Rolle spielt.
Liebe Grüße
Helga

Re: Ein verwirrtes "Hallo nochmal" mit vielen Fragezeichen

Verfasst: Di 6. Apr 2021, 16:23
von chris
Helga hat geschrieben: Di 6. Apr 2021, 10:36
Carrie_C hat geschrieben: Mo 5. Apr 2021, 20:05 dass ich irgendwie zwischen zwei Stühlen sitze
Hallo Carrie,
zwischen den Stühlen zu sitzen ist ein häufig zitiertes, aber nicht ganz zutreffendes Bild. Die Stühle sind klassisch binär, wobei sich diese binäre Geschlechtsbetrachtung mittlerweile überholt hat. Mit der Einstufung non- binär liegst du schon ganz richtig, irgendwie sind wir alle non- binär, gehen nur unterschiedlich damit um.
Um zum Bild zurück zu kommen: Wir sitzen nicht zwischen den Stühlen, wir sitzen auf einer recht breiten Bank. Ganz rechts sitzen die "richtigen" Männer, ganz links die "richtigen Frauen" (wem dies unter politischen Gesichtspunkten nicht passt, kann auch gespiegelt werden), non- Binäre irgendwo dazwischen. Crossdressing bedeutet nicht Tüff- Tüff und Chi- Chi, auch Crossdresser kleiden (nicht "verkleiden") sich aus einem inneren Bedürfnis. Fotoshooting und Shoppingtour sind nur Beispiele für ein möglichst intensives Erleben. Crossdressing bedeutet, dass wir uns auf der beschriebenen Bank dort hinsetzen, wo es uns gerade am besten passt, und/ oder es unserer Gefühlslage entspricht: Weit nach rechts, weil wir in einer Besprechung mit "Alphatieren" sitzen, die versuchen irgendwelchen Blödsinn durchzusetzen. Weit nach links, um einem Menschen mit Kummer einfach zuhören zu können, oder in die Mitte weil es vielleicht gerade gar keine Rolle spielt.
Liebe Grüße
Helga
Ein Mega-Vergleich - ich liebe dieses Bild mit der Bank.
Danke dafür, denn es kommt meinem Selbsbild ganz besonders nah.

liebe grüße
chris

Re: Ein verwirrtes "Hallo nochmal" mit vielen Fragezeichen

Verfasst: Di 6. Apr 2021, 18:32
von Lorelai74
Hi Carrie

Vielleicht hilft dir das Genderunicorn
Ja weiter bei deiner Selbstfindung

https://transstudent.org/gender/

LG
Lori

Re: Ein verwirrtes "Hallo nochmal" mit vielen Fragezeichen

Verfasst: So 11. Apr 2021, 00:36
von Mara
Helga hat geschrieben: Di 6. Apr 2021, 10:36
Carrie_C hat geschrieben: Mo 5. Apr 2021, 20:05 dass ich irgendwie zwischen zwei Stühlen sitze
Hallo Carrie,
zwischen den Stühlen zu sitzen ist ein häufig zitiertes, aber nicht ganz zutreffendes Bild. Die Stühle sind klassisch binär, wobei sich diese binäre Geschlechtsbetrachtung mittlerweile überholt hat. Mit der Einstufung non- binär liegst du schon ganz richtig, irgendwie sind wir alle non- binär, gehen nur unterschiedlich damit um.
Um zum Bild zurück zu kommen: Wir sitzen nicht zwischen den Stühlen, wir sitzen auf einer recht breiten Bank. Ganz rechts sitzen die "richtigen" Männer, ganz links die "richtigen Frauen" (wem dies unter politischen Gesichtspunkten nicht passt, kann auch gespiegelt werden), non- Binäre irgendwo dazwischen. Crossdressing bedeutet nicht Tüff- Tüff und Chi- Chi, auch Crossdresser kleiden (nicht "verkleiden") sich aus einem inneren Bedürfnis. Fotoshooting und Shoppingtour sind nur Beispiele für ein möglichst intensives Erleben. Crossdressing bedeutet, dass wir uns auf der beschriebenen Bank dort hinsetzen, wo es uns gerade am besten passt, und/ oder es unserer Gefühlslage entspricht: Weit nach rechts, weil wir in einer Besprechung mit "Alphatieren" sitzen, die versuchen irgendwelchen Blödsinn durchzusetzen. Weit nach links, um einem Menschen mit Kummer einfach zuhören zu können, oder in die Mitte weil es vielleicht gerade gar keine Rolle spielt.
Liebe Grüße
Helga
Hallo Carrie,

Für mich ist es es sehr wohl ein momentan zwischen den Stühlen sitzen. Eindeutige im falschen Körper zu sein aber nicht im passenden Körper richtig leben können - die Geschlechtsidentität passt bei mir nicht zum körperlichen Geschlecht und das ist unverückbar! Für mich stimmt deshalb das Bild, da spreche ich auch nur für mich. Für andere kann ich dass nicht und würde es auch nicht tun , dass muss jede für sich selbst herausfinden.

Die Geschlechtsinkongruenz/-dysphorie nimmt mir aber nicht die Möglichkeit meinen von mir aus weiblichen oder männlichen Gefühlen zu folgen (die besagte breite Bank). Schnell landet man da aber wieder bei der leidigen Diskussion typisch Mann, typisch Frau...

Im Grunde ist es mir inzwischen wirklich egal als was ich mich bezeichnet oder wo ich mich verorte. Wortbezeichnungen können immer nur Krücken sein um etwas zum Ausdruck zu bringen. Das sich einordnen wollen bringt einen da nicht weiter nur bei Kassenleistung, wie bereits schon in anderen Beiträgen angemerkt.


Liebe Grüße und viel Erfolg beim Ergründen deiner selbst

Mara