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Re: Was passiert, wenn man seine Angst vor Ablehnung überwindet ?

Verfasst: Do 8. Apr 2021, 11:05
von Melanie72
Hallo zusammen :-)

Für mich sind auch die Nachbarn meine größte Hürde. Ich würde auch gerne öfter raus gehen. Wir wohnen (leider) so, dass ich von 4-6 verschiedenen Nachbarhäusern beobachtet werden könnte, nur wenn ich aus der Haustüre komme. Mir selber ist es inzwischen schon fast egal. Irgendwie wäre ich sogar froh, bzw. wünsche mir, dass sie mich erwischen würden. Aber meiner Frau ist das nicht egal. Und das werde ich natürlich respektieren.

Ich finde, dass die Jugendlichen von heute viel offener mit dem Thema umgehen. Meine Tochter (18) hat mir mal gesagt, dass sie in ihrem Bekanntenkreis mindestens 5 Leute kennt, die entweder Genderfluid, Nonbinary, Transfrau oder Transmann sind. Und vor allem, dass sie es öffentlich sagen. Als ich in deren Alter war hätte sich keiner getraut so etwas öffentlich zuzugeben. Dazu kommt noch, dass ja keiner darüber bescheid wusste. Wie Vicky schon sagte, dank dem Internet (auch wenn es ein paar negative Seiten hat) kann man sich viel besser informieren und sich austauschen.

Ich bin also voller Hoffnung, dass es in Zukunft noch besser wird und von den Leuten akzeptiert wird.

Liebe Grüße

Melanie

Re: Was passiert, wenn man seine Angst vor Ablehnung überwindet ?

Verfasst: Mo 19. Apr 2021, 21:02
von YvonneTV
Diana.65 hat geschrieben: So 4. Apr 2021, 23:51 ...
Am Anfang hatte ich auch einen Riesen Respekt, oder vielleicht auch Angst, davor, was passiert, wenn ich mich nach außen wage, so wie ich denke und fühle. Inzwischen kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass die Offenheit anderen gegenüber und das mich so zeigen, wie ich mich auch fühle, mir sehr gut tut.
....
Aber andererseits muss ich auch immer wieder feststellen, dass ich inzwischen viel authentischer wirke und offener auf meine Mitmenschen zugehen kann.
...
Hallo Diana (moin)

ich freu mich mit Dir, dass Du immer freier dabei wirst, Dich auszuleben, so wie es Dir entspricht !!! (ki)
Je mehr man sich (zu-)traut, um so authentischer wird es ! Und das hilft dann massiv (smili)

Auch wenn wir verschiedene "Wege" gehen, so kann ich das doch neu bestätigen (yes)

PS: Was Deine Zeilen aus dem "C....." Thread angeht:
Ich hoffe sehr, dass es endlich mal besser wird (auch wenn wir noch etwas Geduld brauchen werden :roll: ) und dass wir uns dann mal real wieder sehen können !!!! )))(:
Pass auf Doch auf und lass Dich nicht unterkriegen !!!! ))):s

Re: Was passiert, wenn man seine Angst vor Ablehnung überwindet ?

Verfasst: Mo 19. Apr 2021, 21:07
von YvonneTV
Melanie72 hat geschrieben: Do 8. Apr 2021, 11:05 Für mich sind auch die Nachbarn meine größte Hürde. Ich würde auch gerne öfter raus gehen. Wir wohnen (leider) so, dass ich von 4-6 verschiedenen Nachbarhäusern beobachtet werden könnte, nur wenn ich aus der Haustüre komme. Mir selber ist es inzwischen schon fast egal. Irgendwie wäre ich sogar froh, bzw. wünsche mir, dass sie mich erwischen würden. Aber meiner Frau ist das nicht egal. Und das werde ich natürlich respektieren.
...
Hallo Melanie (moin)

DAS finde ich sehr stark !!!!
Klasse, dass Du Deine Frau dabei "mitnimmst" und sie nicht überfährst (yes) (ap)

In der Wohnung FRÜHER bei Steffi, wollte sie auch nicht, dass die Nachbarn etwas von Yvi mitkriegen und das hab ich freilich auch akzeptiert (smili)
HEUTE wo wir nun zusammen gezogen sind ist das anders und hier kann es jeder wissen - das macht es unkompliziert :()b
Sicher gibt es immer wieder mal verwirrte Blicke, doch einige Nachbarn reagieren schon sooooooooooowas von entspannt, wenn sie Yvi sehen, weil wir kennen uns mittlerweile ja schon gut :mrgreen:

Re: Was passiert, wenn man seine Angst vor Ablehnung überwindet ?

Verfasst: Di 20. Apr 2021, 11:14
von sbsr
Vicky, was Du beschreibst ist theoretisch sicher vielen nicht neu. Wie viele Berichte gibt es, in denen zu lesen ist wie einfach es letztlich doch war. Und trotzdem wollen/können wir es einfach nicht glauben. Was mich am meisten daran schockiert, wie sehr wir uns objektiv betrachtet immer noch für das schämen, was wir sind, denn letztlich ist es doch immer die Scham, die uns zurück hält. Was könnten andere von uns denken, die wir augenscheinlich etwas unrechtes tun.

Ich bin mehr oder weniger auf einem ähnlichen Weg, nur dass ich meine Arbeitsstelle zum "Testfeld" erklärt habe. Zugegeben, nicht ganz freiwillig, sondern weil das der einzige Bereich ist, zu dem meine Frau keinerlei Beziehungen hat. Meine Erfahrung ist relativ eindeutig, solange ich meinen Kleidungsstil nicht thematisiere, tut es auch niemand anders. Natürlich haben alle den Nagellack bemerkt, natürlich hat man die Absätze gesehen, und natürlich ist in letzter Zeit offensichtlich, dass ich nur noch in Damenkleidung erscheine. Geändert hat das alles nichts. Warum auch, denn es war auch kein (bedeutendes) Thema, wie sich alle anderen kleiden. Der Zusatz "bedeutend", denn ein besonderes Outfit kann durchaus Gesprächsthema in der Kaffeepause sein. Wenn eine Kollegin, die sonst nur Hosen trägt, einen Rock an hat. Genauso wie ein Kollege, der bei 10-°C in der kurzen Hose da steht. Man sprich mal kurz darüber, auf den Umgang miteinander, die Wertschätzung oder die Arbeit hat es aber keinen Einfluss.

Wie ich herausgefunden habe, war ich anfangs regelmäßig Gesprächsthema für eine oder zwei Kolleginnen, die aber relativ schnell gemerkt haben, dass sie die anderen damit eher langweilen. Damit hat sich das Thema nach und nach erledigt und heute fällt die Anzughose mehr auf als die Absätze. Selbst wenn ich das Thema anschneide zeigt sich, es ist niemandem auch nur ansatzweise so wichtig wir mir selbst.

Das veranlasst mich mehr und mehr mich auch im restlichen Alltag nicht sonderlich zurück zu halten, Stück für Stück. Absatzschuhe beim Einkaufen, in Leggins und Longshirt zum Zahnarzt, Pakete weg bringen in Strickkleid und Strumpfhose und darüber den Mantel offen. Behandelt wurde ich bislang überall als wenn nichts wäre, denn es ist ja auch nichts. Wie Du beschreibst, Vicky, ich war einfach ich und damit gab es nichts zu thematisieren. Entscheidend dabei, ich habe mich wohl gefühlt in meinem Auftreten und nicht ständig im Hinterkopf, dass ich ja gerade Absätze trage.

Stephanie spricht ein Thema an, das man sicherlich nicht unter den Tisch kehren kann. In manchen ländlichen Bereichen ticken die Uhren wirklich noch ein weniger langsamer, um 12:00 läuten täglich die Kirchenglocken, es wird Schwarz gewählt weil schon immer Schwarz gewählt wurde, und am Stammtisch fühlt sich als König, wer am meisten über alle anderen weiß. Ich denke gerade in solchen Bereichen ist ein Meinungs Vorsprung wichtig. Das bedeutet, wichtig ist zunächst das nähere Umfeld auf "normal" zu stellen. Wenn den Nachbarn, die sowieso schon lange Bescheid wissen und es als nichts besonderes empfinden, jemand aus dem Dorf erzählt, dass man in Damenkleider gesichtet wurde, ist das beste wenn diese mit "Ja, und?" antworten. Jemand, den man schon länger kennt und der auch die alltäglichen Seiten von uns kennt, kennt uns als Person und wird die ungewöhnliche Kleidung eher als Nebensache abtun, als jemand der uns quasi dadurch definiert.

Melanies Einwand ist in dem Zusammenhang leider einer der entscheidendsten. Solange die eigene Partnerin oder Familie dieses "normal" Gefühlt nicht teilt, wird es schwierig eine eigene Unbekümmertheit zu leben. Denn dann ist und bleibt das, was wir tun, in der Hinsicht etwas verbotenes.