Spiel oder Ernst - Unterschiede im Crossdressing???
Spiel oder Ernst - Unterschiede im Crossdressing??? - # 2

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Judith64
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Re: Spiel oder Ernst - Unterschiede im Crossdressing???

Post 16 im Thema

Beitrag von Judith64 »

Ja, das ist war. Äußerlichkeiten verraten absolut gar nichts über den Menschen, der in den Kleidern steckt. OK Ich trage ykleidrr bewusst als Mann, nicht um eine Frau werden zu wollen sondern nur für eine begrenzte Zeit, Hauptsächlich äußerlich Frau zu sein.
Bei meiner Schwester (trans) ist das ganz anders, sie IST Frau, das äußere ist auch wichtig, aber nicht die Hauptsache.

LG Judith
JuLa67
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Re: Spiel oder Ernst - Unterschiede im Crossdressing???

Post 17 im Thema

Beitrag von JuLa67 »

Hallo Judith,
ich finde das, was du Eingangs beschrieben hast ist schon was anderes als nur äußerlich Frau sein zu wollen. Wenn du die Rolle spielst und zwar perfekter als nötig, dann ist da ganz viel Einfühlungsvermögen und auch Hingabe bei der Umsetzung. Ich denke mir, dass ein guter Schauspieler die Person ist oder interpretiert, die er spielt. Da ist das Äußere doch nur Nebensache. Da ist die Mimik und die Gestik einer Frau, oder eben nicht...
Das ist mir im Getränkemarkt passiert. Als Transfrau in Frauenkleidung, aber wie ein Kerl Getränkekästen gewuchtet. Und ich wunderte mich, dass eine junge Frau zu ihrem Freund sagte, sie wollten erstmal den Mann durchlassen. :o
Liebe Grüße
Larissa
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Judith64
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Re: Spiel oder Ernst - Unterschiede im Crossdressing???

Post 18 im Thema

Beitrag von Judith64 »

Auch wieder wahr Larissa!!!
Irgendwie ist das alles soooo kompliziert. Immer wenn man meint eine Lösung gefunden zu haben, kommen wieder andere Aspekte in den Vordergrund.
Ich habe nie versucht meine Schwester zu verstehen, sondern sie einfach so akzeptiert. Das ist das Einzige was man tun kann, verstehen ist eigentlich bei allen Spielarten unseres Themas nicht möglich......schade....
LG Judith
Liv
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Re: Spiel oder Ernst - Unterschiede im Crossdressing???

Post 19 im Thema

Beitrag von Liv »

Hallo Judith,

mich würde an dieser Stelle interessieren, wie Du dich auf deine Rollen vorbereitest? Ich habe viele Jahre auf Theater gespielt und dabei zumeist Method Acting praktiziert. Dabei arbeitet man oft mit gespeicherten Affekten und Emotionen, die du je nach Situation abrufst. Im Ergebnis verwischt dann teilweise die Grenze zwischen Persönlichkeit und Rolle, was aber auf keinen Fall heißt, daß Du dich selbst spielst. Psychologisch kann das jedoch ziemlich ins Eingemachte gehen und durchaus auch Rückkopplung auf deine Persönlichkeit haben.
Leider habe ich es nie geschafft eine Frauenrolle zu ergattern. Dafür war der Damenüberschuss in den meisten Ensembles zu erdrückend und die Regisseure zu mutlos. Mir hat meine Bühnenerfahrung jedoch sehr bei meinen ersten Freiluft-Crossdressing-Versuchen geholfen. Ich habe es einfach als Straßentheater aufgefasst, und schon hatte ich keine Angst mehr, dass mich jemand anglotzt oder dumm anmacht. Aber habe ich dann doch nur eine Rolle gespielt? Hast sich nicht so angefühlt. Ich habe mich von meinem Unterbewußtsein leiten lassen und konnte ziemlich viel einfach laufen lassen. Aber ich habe z.B. gemerkt dass ich als Trigger immer Schuhe mit Absätzen brauche (3cm reichen) um Körperhaltung und Bewegung "auf weiblich" umzustellen.
Mit fremden Menschen habe ich dabei nie Probleme gehabt. Aber ich weiß auch nicht, wie Personen reagieren werden. die bislang nur meine männliche Seite kennen. Wird es Faszination sein? Werden sie sich verschaukelt fühlen? Was ist denn dann Rolle und was Persönlichheit? Es wäre ein emotionaler Spagat ersten Ranges, regelrecht dissoziativ. Daher habe ich es mich auch noch nicht getraut. Aber da werden wir früher oder später alle durch müssen. :?
Ich würde dabei jedoch sehr selektiv vorgehen und erstmal mit ausgewählten Personen im Vertrauen darüber sprechen. Nie mit der Tür ins Haus fallen.

Liebe Grüße
Liv
Judith64
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Re: Spiel oder Ernst - Unterschiede im Crossdressing???

Post 20 im Thema

Beitrag von Judith64 »

Hallo Luv,
Vielen Dank für deinen Beitrag hier. Ich glaube, wir haben in großen Teilen die gleichen Probleme 6 Rolle und/oder Realität!!!!
Zur ersten Frage, wie bereite ich mich auf eine Rolle vor: zunächst lese ich einfach mehrmals das Drehbuch komplett durch und mache mir Gedanken über das Stück, was soll es Aussagen, wo sind die Schlüsselstellen, wie und mit wem agieren die einzelnen Personen usw.
Danach versuche ich.meine Person/Rolle in den Konsens zu bringen und entwickle für mich einen passenden Charakter, der dies abbildet. Ja leider nur dann kommt die Arbeit - reinschlüpfen die n die Rolle, Verhaltensweisen, Affekte, Ticks usw. analysieren und evtl. einüben....
Das gibt oft gr9ßere Diskussionen mit der Regie (ist ja viel deren Job)
Ja leider nur dann geht's los. Genau wie du habe ich natürlich ein Sammelsurium an abgespeicherten Affekten/Effekten, die ich Abrufe und spiele. Ich arbeite aber sehr gerne mit dem Publikum welches ja immer anders ist und da eine gute Improvisation von Nöten ist. Kann auch schonmal nicht so gut klappen ( gibt dann Hause von der Regie. lach).
Aber wie gesagt das ist Bühne, für mich kein Problem, der Rest ist Realität und da scheinen wir die gleichen Probleme zu haben.
Interessant ist die Sache mit den Schuhen. Ist bei mir genau so, etwas Absatz und die Haltung würd gerader, straffer, weiblicher. Dann noch einngwdülltwe BH und ich bin fast Frau..

LG Judith
.
elasweet2010
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Re: Spiel oder Ernst - Unterschiede im Crossdressing???

Post 21 im Thema

Beitrag von elasweet2010 »

Hallo meine lieben Damen,

ein sehr Interessante Thema
Spiel oder Ernst - in meinem Fall.

Ich habe mein Crossdressing nie so betrachtet, aber eingentlich ist es so.
Ich spiele eine Rolle (Ella)
bei mir ist das ein Spiel, was ist gerne spiel. Wenn ich Ella spiele, bin dann 100% in der Rolle. ich versuche dann mich so anziehen und verhalten, wie eine Frau. auch wenn ich mich schick mache, fühle ich mich sexy und angenehm wie (wahrscheinlich) jede Frau. Also Verhaltung wie ich eine wäre. Ich mag diese Rolle, deswegen tue ich das.
mein "Theater" ist mein Zuhause und ich brauche meine Rolle außer Theater nicht.

Außerdem wenn meine Rolle vorbei ist, bin wieder in "Normalität" und bin ganz normal ein Mann, ein Ehemann....komplette Umschaltung.
Ich habe dann mit Ella nichts mehr zu tun...außer dass sie ab und zu wieder Rollen spielen möchte :D

Gruß
Ella
Judith64
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Re: Spiel oder Ernst - Unterschiede im Crossdressing???

Post 22 im Thema

Beitrag von Judith64 »

Schön geschrieben, Ella.
Irgendwie in diese Richtung, meine ich, gehöre ich auch, aber es gibt soviele Facetten in unserem "Doppelleben", dass einen eindeutige Zuordnung zu irgendwas sehr schwer bzw. unmöglich ist.
Auf jeden Fall finde ich Deine "Rolle" sehr interessant, danke.

LG Judith
chris
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Re: Spiel oder Ernst - Unterschiede im Crossdressing???

Post 23 im Thema

Beitrag von chris »

elasweet2010 hat geschrieben: Mo 18. Jan 2021, 09:40 Hallo meine lieben Damen,

ein sehr Interessante Thema
Spiel oder Ernst - in meinem Fall.

Ich habe mein Crossdressing nie so betrachtet, aber eingentlich ist es so.
Ich spiele eine Rolle (Ella)
bei mir ist das ein Spiel, was ist gerne spiel. Wenn ich Ella spiele, bin dann 100% in der Rolle. ich versuche dann mich so anziehen und verhalten, wie eine Frau. auch wenn ich mich schick mache, fühle ich mich sexy und angenehm wie (wahrscheinlich) jede Frau. Also Verhaltung wie ich eine wäre. Ich mag diese Rolle, deswegen tue ich das.
mein "Theater" ist mein Zuhause und ich brauche meine Rolle außer Theater nicht.

Außerdem wenn meine Rolle vorbei ist, bin wieder in "Normalität" und bin ganz normal ein Mann, ein Ehemann....komplette Umschaltung.
Ich habe dann mit Ella nichts mehr zu tun...außer dass sie ab und zu wieder Rollen spielen möchte :D

Gruß
Ella
hallo ella,

du hast völlig recht - das ist ein sehr interessanter aspekt.
mir geht"™s sehr ähnlich. wenn ich mich kleide wie eine frau dann versuche ich mich auch dementsprechend zu verhalten. ich hoffe das kommt nicht falsch rüber und ist nicht zu verwechseln mit "getue". weiß nicht wie ich es politisch korrekt formulieren kann :-)
es ist auch so dass ich das mag und mich auch sexy fühle dementsprechend....
elasweet2010
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Re: Spiel oder Ernst - Unterschiede im Crossdressing???

Post 24 im Thema

Beitrag von elasweet2010 »

Judith64 hat geschrieben: Mo 18. Jan 2021, 10:00 aber es gibt soviele Facetten in unserem "Doppelleben",
können wir das so definieren? 2 Personen in einem Leben

diese Umschaltung psychisch und körperlich ist sehr interessant zu betrachten
z.B. in der Rolle "Ella" brauche ich unbedingt Nägel oder eine Alternative (Handschuhe) oder muss die Finger bei fotografieren verstecken
z.B. in der Rolle "Ella" möchte ich meine Beine rasieren oder alternative verwenden blickdichte Strümpfe, die Haare darf ich auf keinen Fall sehen....in "Normalität" sind die Haare gewünscht sogar, fühle ich mich komisch ohne

Gruß
Ella
Wally
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Re: Spiel oder Ernst - Unterschiede im Crossdressing???

Post 25 im Thema

Beitrag von Wally »

Ich finde die Diskussion hochinteressant: Crossdressing als Theaterrolle, wobei man ja auch das ganze Leben als eine Bühne verstehen kann. Ein sehr kluger, alter (über 80) Freund hat mir gegenüber mal als Lebens-Fazit geäußert, er sei froh, sich selber "halbwegs mit Anstand über die Bühne des Lebens geschoben zu haben". Welchen Stellenwert hat da die "Rolle" Crossdressing? Schlüpfen wir fallweise in eine uns fremde (und vielleicht gerade deshalb faszinierende) Rolle? Oder spielen wir dann uns selbst, im Gegensatz zu einer uns eigentlich fremden Rolle, die man normalerweise von uns erwartet? Was macht die Rolle, die wir gerade nach außen hin spielen, mit uns selber? Und welchen Stellenwert hat dabei das jeweilige Publikum? Sind die Zuschauer letztlich nur Teil der Kulisse, und die eigentliche Bedeutung liegt in der Rolle selber - oder erlangt die Rolle ihren Sinn überhaupt erst in der damit ausgelösten Interaktion mit dem Publikum? Ist die Präsentation, das Sichtbarwerden in der Rolle das Entscheidende?

Zumindest die letzte Frage kann ich für mich selber sehr klar beantworten: obwohl es für mich immer auch mit höllischer Angst vor Blamage, Ablehnung und moralischer Verurteilung verbunden war (weshalb ich mich die längere Zeit meines Lebens kaum getraut habe), war doch das Sichtbarwerden, das Öffentlichwerden, das ganz konkrete und persönliche Wahrgenommenwerden durch mein jeweiliges Umfeld der entscheidende Faktor beim Crossdressing. Verborgen im stillen Kämmerlein hatte es zwar durchaus auch seinen Reiz, aber am Ende blieb immer ein schales Gefühl: war's das jetzt? Eine Art Ersatzbefriedigung, am eigentlichen Ziel vorbei - etwa wie Selbstbefriedigung anstatt eines gelungenen Aktes mit einer herzlich geliebten Partnerin. Selbstbefriedigung kann toll sein, die Fantasie gibt einem da fast beliebige Freiheit; aber irgendwie fehlt es dann am Ende doch immer an Substanz... Über die Jahrzehnte hinweg sind mir genau die Crossdressing-Akte als tief befriedigende Highlights in Erinnerung geblieben, bei denen ich - vorzugsweise von jüngeren Frauen, die für mich auch sexuell attraktiv waren - tatsächlich persönlich in der weiblichen Rolle gesehen, erkannt und wahrgenommen wurde. Die Präsentation vor den Augen anderer Menschen war für mich immer das Entscheidende - und vor allem die sich daraus ergebenden, sozialen Interaktionen! Im weiblichen Outfit in einer anonymen Öffentlichkeit unterzutauchen war auch kaum besser als das Crossdressing im stillen Kämmerlein.

Das Leben ist tatsächlich eine Bühne, wir spielen darauf ständig und lebenslang Rollen. Manche liegen uns mehr, manche weniger, manche mögen oder ersehnen wir, manche spielen wir nur gezwungenermaßen und mit Widerwillen, in manchen wirken wir glaubhaft, selbst wenn sie uns eigentlich völlig fremd sind, andere wiederum nimmt uns keiner ab, auch wenn wir darin noch so authentisch sind. Wir können gar nicht anders als Rollen zu spielen: selbst wenn wir wirklich konsequent nur "uns selbst spielen", also im Ausdruck authentisch sind, wird unser jeweiliges Verhalten von anderen Menschen als Rolle - samt entsprechenden, dazugehörigen Stereotypen - wahrgenommen und (teils fehl-)interpretiert. Wenn wir am Ende Rollen gefunden haben, in denen wir uns selber wohl und zuhause fühlen, UND wenigstens ein paar liebe Menschen als Publikum, die uns diese Rollen - auf Gegenseitigkeit - auch abnehmen: dann, denke ich, ist unser Leben einigermaßen gelungen.

Herzliche Grüße
Wally
Herzliche Grüße
Wally
Nora_7
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Re: Spiel oder Ernst - Unterschiede im Crossdressing???

Post 26 im Thema

Beitrag von Nora_7 »

Ich habe viel Erfahrung mit Frauenrollen auf der Bühne. Der Unterschied zum CD-Alltag ist, dass ich dort auch nicht alltagstaugliche Kleidung wie Showgirl, Burlesque, frivole Königin, Flamenco-Stil u.v.m. darstellen kann. insgesamt also alle Facetten der Weiblichkeit - vom Blümchenkleidmädchen über Businessfrau und Grand Dame bis hin zur Fantasie. Die Bühnenzeit hat mir durch professionelles Coaching sehr geholfen, mich im Frauenmodus authentisch zu bewegen. Und das zahlt sich auch im CD-Leben aus. Natürlich würde ich als Mann auch gerne Kleider und Röcke tragen (Unterwäsche ist mir egal), aber meine 50% weiblichen Anteil will ich gelegentlich analog meinem männlichen Anteil auch mal 100% ausleben können und wollen. Und die Umstellung M->W geht bei mir in Sekunden, spätestens mit der Perücke. Es muß halt alles stimmig sein, sonst bleibe ich Mann im Kleid.

Nora_7
Schönheit ist weiblich, und ich bin auch gerne schön.
Ich kann alles tragen, wenn ich ein Mädchen bin
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Re: Spiel oder Ernst - Unterschiede im Crossdressing???

Post 27 im Thema

Beitrag von Lana »

Wally hat geschrieben: Mo 18. Jan 2021, 13:08 Welchen Stellenwert hat da die "Rolle" Crossdressing? Schlüpfen wir fallweise in eine uns fremde (und vielleicht gerade deshalb faszinierende) Rolle? Oder spielen wir dann uns selbst, im Gegensatz zu einer uns eigentlich fremden Rolle, die man normalerweise von uns erwartet? Was macht die Rolle, die wir gerade nach außen hin spielen, mit uns selber? Und welchen Stellenwert hat dabei das jeweilige Publikum? Sind die Zuschauer letztlich nur Teil der Kulisse, und die eigentliche Bedeutung liegt in der Rolle selber - oder erlangt die Rolle ihren Sinn überhaupt erst in der damit ausgelösten Interaktion mit dem Publikum? Ist die Präsentation, das Sichtbarwerden in der Rolle das Entscheidende?
Tolle Fragen, die Du hier formulierst!
Sie bringen ein bisschen Ordnung in mein Gedanken- und Gefühlschaos, auch wenn ich die Antworten (noch?) nicht kenne :-)

Liebe Grüße

Lana
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
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Re: Spiel oder Ernst - Unterschiede im Crossdressing???

Post 28 im Thema

Beitrag von YvonneTV »

Judith64 hat geschrieben: Do 14. Jan 2021, 21:13 Ich habe ja an einigen Stellen hier im Forum schon dargestellt, dass ich sehr gerne Theater spiele. Dieses Spiel brachte mich ja im Endeffekt auch dazu, meine im Laufe meines Lebens ab und zu aufblitzende, Leidenschaft für Frauenkleidung, im Rahmen von Zheaterstücken in Verwechslungs- bzw. Doppelrollen zur Schau zu stellen. - elend Länge Satz -
Tatsache ist, dass ich mich in diesem Rahmen so auf eine Rolle konzentriere und ganz darin aufgehen, dass manche meiner Schauspielkolleginnen und Kollegen manchmal meinen es wäre jetzt perfekt genug. Ich lebe dann in meinem Verkleidung selbstsicher, als wäre ich es selbst. Auch auf der Bühne und oft während der Proben mit interessierten Publikum, Freunden und Verwandten. Dann bin ich eben meine Rolle und bekomme auch hierzu durchweg sehr positive Reaktionen.
Aber was passiert, wenn diese Rolle Realität wird??? Wenn ich nicht nur auf der Bühne als Frau erscheine. Ganz normal eben. Werden meineLeute das jetzt genauso akzeptieren??
Ich glaube, die neusten schon, hauptsächlich die Frauen, weil die schonmal so Anmerkungen fallen lassen. Ich muss da nochmal sauber überlegen, will ja auch nur "Teilzeitfrau" sein und sonst Mann. Was meint Ihr dazu??
Hallo Judith (moin)

Ich finde Deine Gedanken recht "spannend", weil ich in meiner Findungsphase öfters argumentiert hatte, dass wenn ein Mann eine Frau spielt (Rolle im TV oder Theater), dann wird das zumeist richtig positiv aufgenommen: "Der ist ja cool !" und so :D

Wenn Man(n) das dann auslebt, weil es ein Teil von ihm ist, zur eigenen Persönlichkeit dazu gehört - dann fallen die vorher positiven Meinungen plötzlich ganz anders aus :shock:
Warum das Empfinden anderer da so unterschiedlich ist, vermag ich nicht zu sagen. Doch wenn ich mit anderen Menschen drüber rede, dann meine ich oft so ne Art Umdenken zu erkennen "Ok, warum eigentlich nicht !" oder im besten Fall auch richtig tolle Zustimmung (ki)

Ein Freund outete sich bei mir sogar: DAS wollte ich auch schon immer .... :mrgreen:

Dennoch sehe ich es so, wie viele Vorrednerinnen: Yvi ist für mich KEINE Rolle ! Sie ist Teil meiner Persönlichkeit und es tut unglaublich gut, Ihr Raum zu geben. Yvi-Zeit halt genießen (smili) Generell erlebe ich eine sehr hohe Akzeptanz von den Menschen, mit denen ich da mal zumindest 2-3 Worte drüber austausche. Da ist viel Überraschung dabei "Hätte ich nie gedacht, dass Du als Frau ..." doch keineswegs negativ gemeint. Es tauchen Fragen auf: Woher das kommt, wie ich es gemerkt habe, wie mein Weg sich im Laufe der Zeit so verändert hat (smili)

Ok, oft auch die Frage, ob ich denn nun schwul sei ! Nööööö, bin ich nicht :mrgreen: Ich mag Schwule (nicht, dass das falsch rüber kommt), steh jedoch selbst nur auf Frauen :D

Wie die tatsächliche Akzeptanz in DEINEM Umfeld ist, das kannst freilich nur DU herausfinden .... )))(:
Ganz liebe Grüsse - Yvi
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Re: Spiel oder Ernst - Unterschiede im Crossdressing???

Post 29 im Thema

Beitrag von Liv »

YvonneTV hat geschrieben: Mo 18. Jan 2021, 15:21 Yvi ist für mich KEINE Rolle!
elasweet2010 hat geschrieben: Mo 18. Jan 2021, 09:40 Ich spiele eine Rolle (Ella)
Nora_7 hat geschrieben: Mo 18. Jan 2021, 13:33 Ich habe viel Erfahrung mit Frauenrollen auf der Bühne.
Wally hat geschrieben: Mo 18. Jan 2021, 13:08 ... wir spielen darauf ständig und lebenslang Rollen.
Das wird ja eine hochinteressante Diskussion hier.

Gerade wenn ihr Crossdresser mit ein bisschen Bühnenerfahrung seid, beobachtet euch bitte mal selbst, wenn ihr als Frau durch die Stadt läuft.
- Was ist daran Rolle und was ist "echt"?
- Woher kommen die weiblichen Affekte? Worauf basiert das Affective Memory?
- Sprudeln die einfach so aus euch heraus oder setzt ihr sie bewußt ein?
- Macht ihr sie nur für's Passing (also fürs Publikum) oder für euch selbst?

Ich kann für mich sagen, dass es sich gerade nicht wie eine Rolle anfühlt. Wenn dann wäre ich da so tief drin, wie ich es als Schauspieler noch nie war. Es läuft soviel automatisch ab.

Beispiel 1: Ich stehe an der Bushaltestelle, mit kurzem Rock und Sandalen. Neben mir warten einige weitere Personen auf den Bus. Ich studiere die Körperhaltung einer jungen Frau: Sie steht mit geschlossenen Beinen, aber nur mit einem Fuß belastet. Ihr Becken kippt leicht auf die Seite. Sofort schießt es mir in den Kopf: Du kannst in deinem Rock doch nicht breitbeinig stehen wie ein Revolverheld. Stand ich auch gar nicht. Meine Körperhaltung war der ihren schon vorher sehr ähnlich. Ohne dass ich darüber nachgedacht hätte.

Beispiel 2: Ich tanze als Frau sehr gerne. Sobald irgendwo Musik ist, fängt meine Hüfte an zu wippen. Das war für mich sehr frappierend, da ich als Mann diesen Reflex nicht kannte. Musik war kein Trigger für mich. Seitdem ich aber diese Seite an mir kenne, tanze ich auch gerne als Mann durch die Wohnung. Sehr zum Verblüffen meiner Frau.

Das kann man jetzt natürlich noch weiter dekonstruieren und fragen: Was ist an meiner männlichen Seite eigentlich echt? Spiele ich eine Rolle, wenn ich als Mann im stabilen Zweibeinstand auf den Bus warte? Wenn ich mich auf einer Party hüftsteif an mein Bier klammere?

Vielleicht muss ich Wally rechtgeben: Wir spielen eigentlich immer ein Rolle.

Aber das macht Judiths Problem jetzt nicht einfacher.
Nora_7
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Re: Spiel oder Ernst - Unterschiede im Crossdressing???

Post 30 im Thema

Beitrag von Nora_7 »

Liv hat geschrieben: Mo 18. Jan 2021, 15:57 Gerade wenn ihr Crossdresser mit ein bisschen Bühnenerfahrung seid, beobachtet euch bitte mal selbst, wenn ihr als Frau durch die Stadt läuft.
- Was ist daran Rolle und was ist "echt"?
- Woher kommen die weiblichen Affekte? Worauf basiert das Affective Memory?
- Sprudeln die einfach so aus euch heraus oder setzt ihr sie bewußt ein?
- Macht ihr sie nur für's Passing (also fürs Publikum) oder für euch selbst?
Die Rolle bin ich — ich konzentriere mich automatisch auf meine präsente weibliche Komponente. Die Affekte kommen ab einem bestimmten Moment, ab dem ich mich durch meine Erscheinung weiblich fühle. Ich kann es zwar sonst auch — z.B. bei Proben auf der Bühne ohne Kostüm — da geht es rein über die Rolle und Konzentration sie auszufüllen. Und breitbeinig und breitarmig als Frau zu laufen, schließe ich für mich aus — entsetzlicher Anblick. Es ist eher umgekehrt: Inzwischen laufe ich auch als Mann etwas enger, aber ohne Hüftschwung. Ich mag die eiernden Gänge überhaupt nicht mehr. Und auch an Tischen kann ich problemlos auf breit ausgestellte Ellenbogen verzichten. Klappt ganz gut ohne karikiert schwul zu wirken — die große Gefahr. Und zudrücken beim Händeschütteln (derzeit nicht) kann ich auch.

Nora_7
Schönheit ist weiblich, und ich bin auch gerne schön.
Ich kann alles tragen, wenn ich ein Mädchen bin
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