Re: Gedankenalarm......Wer oder was bin ich??
Verfasst: Mo 19. Okt 2020, 22:46
Vielen Dank für euere Antworten, die ich mir alle mehrfach durchgelesen habe.
Aus allen kann ich ganz viel für mich mitnehmen, auch das ich für vieles die Antworten vermutlich schon selbst gefunden oder geahnt habe. Ich konnte es nur nicht in Worte fassen. Es tut gut es in euren Worten zu hören. Wie eine Bestätigung einer unterbewusst dagewesenen Antwort (Wahrheit).... Ihr wisst bestimmt was ich meine.
Ich will mal versuchen einige Sätze die mich besonders bewegt haben zu kommentieren.
Liebe Stina, dein Post ist für mich einer der wichtigsten
weil du ein Urteil aus Sicht der anderen Seite, und nicht eines "Leidensgenossen" (blödes Wort, mir fällt aber kein anderes ein), fassen kannst.
vor allem:
je mehr ich darüber nachdenke ist das wirklich des Pudels Kern. zusammen mit der Erkenntnis dieses nicht beinflussen zu können.
geschlechtliches Herumschlingern! hm ja, das beschreibt mein Gefühlschaos wirklich perfekt. Aber weist du was? Je mehr ich genau darüber nachdenke, finde ich genau dieses Herumschlingern gar nicht schlimm. Damit kann ich , glaube ich, sehr gut umgehen.
Die Frage ist, kann es mein Umfeld?
in meinem männlichen Auftreten hatte ich früher mal den Leitspruch (Achtung Dialekt): "wenn sich niemand mehr's Maul über dich verreisst, konnscht dich eigentlich gleich uffhänge!" was ich immer gut hinbekommen hatte. Mainstream , nein ich bin der berühmte "bunte Hund" hier in der Gegend.war bei jedem Unsinn dabei. und auch im Auftreten oft alles andere als konventionell. aber immer Moralisch für alle noch vertretbar. Selbst als KleinstadtPunk, Technik-Nerd, und sonst aus der Reihe tanzender. Solange Mann sich an die Regeln hält ist alles i.O.
wenn ich aber aus der Rolle fallen möchte, dann ist das jetzt gar nicht so einfach. Jetzt im Mainstream unterzugehen wäre ein Traum.
Die männliche Emanzipation ist es das mir fehlt. Warum eigentlich fehlt dieses Selbstbewusstsein. Ist es vieleicht Angst? Davor sein "Gesicht", den guten Ruf, seinen Leumund zu verlieren. etwas unanständiges zu tun? Und deshalb gemieden zu werden....
vielleicht würde sich das mit der Zeit ja alles ändern und normalisieren, aber bin ich bereit dieses Risoko einzugehen?
und dein Zitat muss ich mir echt zu Herzen nehmen, denn ich halte schon gerne die Zügel in der Hand.
und genau das löse ich vieleicht in meinem Umfeld aus, wenn ich als Michaela auftrete. und das möchte ich nicht. Ich möchte nicht das sich andere wegen mir Gedanken machen und sich deswegen unwohl fühlen.
gerade während ich hier kommentiere und mich immer wieder mit euren Antworten beschäftige muss ich feststellen, das für mich dieses herumschlingern zwischen den Geschlechtern, wie Wally es beschreibt, eigentlich gar nicht das Problem ist. ganz im Gegenteil.
Es ist vielmehr, glaube ich , nackte Angst davor wie mein Umfeld reagiert, und das Nichtwissen - die Unfähigkeit auf diese Reaktionen zu agieren.
" tue alles was du willst, solange du niemandem Schaden zufügst" ist einer der Leitsprüche in meinem Leben. Aber füge ich nicht anderen Schaden zu wenn ich Ihre Erwartungen und Weltanschauung ins wanken bringe?
hmmm, man kann sich schon selbst ein Bein stellen wenn man ständig bestrebt ist es allen Recht zu machen, das sie sich nicht sorgen müssen. Aber so bin ich nunmal auch.
... und ich grüble schon wieder zuviel....
viele Grüße
Michaela (die noch graue Haare bekommt vom vielen grübeln)
Aus allen kann ich ganz viel für mich mitnehmen, auch das ich für vieles die Antworten vermutlich schon selbst gefunden oder geahnt habe. Ich konnte es nur nicht in Worte fassen. Es tut gut es in euren Worten zu hören. Wie eine Bestätigung einer unterbewusst dagewesenen Antwort (Wahrheit).... Ihr wisst bestimmt was ich meine.
Ich will mal versuchen einige Sätze die mich besonders bewegt haben zu kommentieren.
Ich glaube genau darum geht es. die Konditionierung wie man sich zu geben hat, und aber auch das Ansehen wahrt. Es sagt sich leicht das die Meinung anderer nicht interressieren sollte. Aber gerade die Meinung anderer ist , finde ich, auch wichtig für das Selbstwertgefühl. und eben nicht von anderen als abartig eingestuft werden. Es ist schon Scham dabei etwas zu tun was in der Gesellschaft "anrüchig" ist. Es mag sein das esin der Anonymität der Stadt einfacher ist "die Leute einfach reden zu lassen". Hier auf dem Land in unserer 2 1/2 tsd Seelen Gemeinde geht das nicht so einfach. ich behaupte mal hier kennen mich ca. die Hälfte (eher mehr) aller Leute. In den benachbarten Orten und Kleinstädten auch sehr viele. Und hier sind "die Leute" noch schneller und Gnadenloser als die PresseCéline hat geschrieben: Mo 19. Okt 2020, 08:55 wenn dazu Dinge gehören die in anderen Augen pervers und abartig sind dann sollte uns eben genau diese Meinung nicht interessieren.
Mir ging es lange Zeit ganz genauso,ich wusste nicht wer ich bin. Ich wusste aber die von Kind an konditionierte Feststellung das ich " ein Mann bin und ein Mann zu sein habe".
Und eben genau diese Feststellung lebte ich aus Furcht und Scham mein Leben lang und lebte mein zweites Ich mit einem unglaublich schlechten Gewissen und den Gedanken Pervers und Abartig zu sein
Liebe Stina, dein Post ist für mich einer der wichtigsten
weil du ein Urteil aus Sicht der anderen Seite, und nicht eines "Leidensgenossen" (blödes Wort, mir fällt aber kein anderes ein), fassen kannst.
vor allem:
das ruft mir wieder ins Gedächtniss was ich vergessen hatte: Kleider machen Leute, verändern aber nicht ihr Wesen.Stina hat geschrieben: Mo 19. Okt 2020, 09:01 Er bleibt aber auch immer ein er für mich, egal was er an hat!
das klingt überhaupt nicht vermessen, sondern genau darum geht es. Du bist da meines Erachtens ganz nah am Thema dranDas klingt jetzt vielleicht vermessen, aber manchmal wünsche ich mir, ich könnte auch zwischen den Geschlechtern hin und her switchen. Das würde den Alltag ab und zu einfacher machen! Nicht, dass ich mich als Mann fühle, aber ab und an nicht meine Frau stehen zu müssen, die Erwartungen der Gesellschaft zu erfüllen (immer adrett, erfolgreich im Beruf, liebevolle Mutter, tolle Hausfrau, alle Termine im Kopf und im Bett der Hammer) das hätte schon was!!
und ich glaube fast damit hast du mir die Antwort auf alle meine Fragen gegeben.In erster Linie sind wie empatische Wesen. Wir wollen geliebt werden und lieben, so wie wir sind. Mit allen Facetten. Es tut weh, abgelehnt zu werden,
je mehr ich darüber nachdenke ist das wirklich des Pudels Kern. zusammen mit der Erkenntnis dieses nicht beinflussen zu können.
liebe Wally, deine Antwort musste ich mir auch mehrfach durchlesen, hilft es doch dabei mir meine Ansicht zu finden.Wally hat geschrieben: Mo 19. Okt 2020, 12:03 ein gewisses, geschlechtliches "Herumschlingern": heute so, morgen wieder ganz anders - als ob Du da gar keinen festen Standpunkt hättest und finden könntest, was ja dann auch den Kern Deiner Fragestellung bildet.
Wer überall nur möglichst glatt und widerstandslos mit dem Mainstream durchzurutschen versucht, der lebt nicht, sondern vegetiert nur. Ich habe mich fürs Leben entschieden.
geschlechtliches Herumschlingern! hm ja, das beschreibt mein Gefühlschaos wirklich perfekt. Aber weist du was? Je mehr ich genau darüber nachdenke, finde ich genau dieses Herumschlingern gar nicht schlimm. Damit kann ich , glaube ich, sehr gut umgehen.
Die Frage ist, kann es mein Umfeld?
in meinem männlichen Auftreten hatte ich früher mal den Leitspruch (Achtung Dialekt): "wenn sich niemand mehr's Maul über dich verreisst, konnscht dich eigentlich gleich uffhänge!" was ich immer gut hinbekommen hatte. Mainstream , nein ich bin der berühmte "bunte Hund" hier in der Gegend.war bei jedem Unsinn dabei. und auch im Auftreten oft alles andere als konventionell. aber immer Moralisch für alle noch vertretbar. Selbst als KleinstadtPunk, Technik-Nerd, und sonst aus der Reihe tanzender. Solange Mann sich an die Regeln hält ist alles i.O.
wenn ich aber aus der Rolle fallen möchte, dann ist das jetzt gar nicht so einfach. Jetzt im Mainstream unterzugehen wäre ein Traum.
Ja genau, das ist es. Ich bin einfach nicht geschaffen für diese Pionier Rolle.Klaudia hat geschrieben: Mo 19. Okt 2020, 12:16 Aber wie war es denn auf der anderen Seite, als Frauen die männliche Kleidung erobert haben? Coco Chanel wollte für die Frauen bequeme Kleidung. Wollte einengende Korsetts etc. aus der Damenmode verbannen und hat so auch angefangen Hosen zu tragen. Damals natürlich auch ein Skandal. Aber andere Frauen waren begeistert und haben das übernommen und so wurde es mehr und akzeptiert in der Modewelt.
Und genau dieser Schritt bleibt bei uns Männern, die gerne Frauenkleidung tragen, aus.
1. Wir TV's / CD's sind Wenige und machen es leider immer noch nicht offen und selbstbewußt genug (dazu gehöre ich auch)
2. Ich vermute mal, dass es auch nicht allzu viele Nachahmer geben würde
3. Es wird tatsächlich auch immer in die sexuelle Schublade gesteckt und damit wird es für die Mehrheit zu etwas Peinlichem, was man im Verborgenen macht
Die männliche Emanzipation ist es das mir fehlt. Warum eigentlich fehlt dieses Selbstbewusstsein. Ist es vieleicht Angst? Davor sein "Gesicht", den guten Ruf, seinen Leumund zu verlieren. etwas unanständiges zu tun? Und deshalb gemieden zu werden....
vielleicht würde sich das mit der Zeit ja alles ändern und normalisieren, aber bin ich bereit dieses Risoko einzugehen?
Danke für deine komplette Antwort, reduziert auf diese Sätze. 1. daran sollte ich wirklich arbeiten, dringend. 2. In diese Falle bin ich vermutlich schon fest reingetappt. und versuche auch Dank eurer Hilfe mich daraus zu befreien.Laila-Sarah hat geschrieben: Mo 19. Okt 2020, 16:37
manche Probleme kann man nicht wirklich lösen, man kann sich nur damit arrangieren und eine praktische und pragmatische Lösung in form eines Kompromisses finden.
Das ständige Grübeln oder nach Lösungen zu suchen kann auch zu einer Unglücklichkeitfalle werden.
Ich hatte mal irgendwo gelesen:
Leiden entsteht beim Versuch zu kontrollieren wie Dinger zu sein haben, anstatt zu genießen, wie sie sind
und dein Zitat muss ich mir echt zu Herzen nehmen, denn ich halte schon gerne die Zügel in der Hand.
Ja warum eigentlich.... weil es für mich etwas unbekanntes, eventuell Angsteinflösendes darstellt, bei dem man nicht weis woran man ist. Irgendwie löst allein dieses Wort schon unbehagen bei mir aus.Lorelai74 hat geschrieben: Mo 19. Okt 2020, 19:16
Vielleicht spürst du mal rein warum der Begriff enby bei dir ein Bild von einem Alien erzeugt?
und genau das löse ich vieleicht in meinem Umfeld aus, wenn ich als Michaela auftrete. und das möchte ich nicht. Ich möchte nicht das sich andere wegen mir Gedanken machen und sich deswegen unwohl fühlen.
und genau das ist es , nur professioneller beschrieben. Danke JaddyJaddy hat geschrieben: Mo 19. Okt 2020, 19:48 Ich kann das Unbehagen bezüglich mancher Begriffe schon verstehen.
Worte haben Macht - in Gehirnen - weil sie da mit Bildern, Konzepten, Erfahrungen usw verknüpft sind. Weshalb mögen wir nicht (oder nicht immer) als "Mann" oder "Frau" bezeichnet, gelesen, behandelt werden? Weil bei uns und anderen damit Konsequenzen verknüpft sind.
Und "Enby", "nicht-binär", "androgyn" kann eben genau so mit eigenen Assoziationen verknüpft sein und denen anderer Menschen in unserer Umgebung, die vielleicht nicht positiv sind.
Manchmal reicht es schon, dass das "anders", das "nicht ins bekannte passen" ein Problem erzeugt. Weil zum Beispiel 1 selbst irgendwo zugehören möchte und die Umgebung auf "anders sein" mit Abgrenzung reagiert.
gerade während ich hier kommentiere und mich immer wieder mit euren Antworten beschäftige muss ich feststellen, das für mich dieses herumschlingern zwischen den Geschlechtern, wie Wally es beschreibt, eigentlich gar nicht das Problem ist. ganz im Gegenteil.
Es ist vielmehr, glaube ich , nackte Angst davor wie mein Umfeld reagiert, und das Nichtwissen - die Unfähigkeit auf diese Reaktionen zu agieren.
" tue alles was du willst, solange du niemandem Schaden zufügst" ist einer der Leitsprüche in meinem Leben. Aber füge ich nicht anderen Schaden zu wenn ich Ihre Erwartungen und Weltanschauung ins wanken bringe?
hmmm, man kann sich schon selbst ein Bein stellen wenn man ständig bestrebt ist es allen Recht zu machen, das sie sich nicht sorgen müssen. Aber so bin ich nunmal auch.
... und ich grüble schon wieder zuviel....
viele Grüße
Michaela (die noch graue Haare bekommt vom vielen grübeln)