Erich_Erika hat geschrieben: Mo 7. Sep 2020, 15:35
Sie machte mich krank. Ich fühlte mich nur noch fremd bestimmt, meine Persönlichkeit zerstört.
Liebe Erika,
das ist eine Abwälzung der Verantwortung, die Du
heute für Dich hast.
Wenn Du Ursachen erkennen kannst, bist Du auch in der Lage, Deine Situation heute zu verändern. Das nenne ich Verantwortung für sich übernehmen. Du klagst über Dinge, die in der Vergangenheit liegen. dein Leben findet aber jetzt, hier, heute statt. Es liegt nur, und ich meine auch "nur", von Dir selber ab. Jeder hat in seinem Leben seine Spielkarten bekommen. Ausspielen musst Du sie selber.
Du kannst Dein Leben verbessern, aber auch nur Du selber. Niemand wird Dir Deine Vergangenheit nehmen können, im Guten, wie im Schlechten. Jammern, (an-)klagen nützt Dir nichts. Es ist im Prinzip ganz einfach, aber es wirklich zu tun ist schwer.
Was willst Du also tun ? Willst du aus Deiner Situation heraus kommen oder Dich weiter darunter leiden ?
Meine frühere Frau ist mit ihrem Chef fremd gegangen. Damit ging es mir ziemlich mies. Aber so lange ich sie dafür verantwortlich gemacht habe, kam ich nicht aus der Situation heraus. Es half nichts, ich musste die Verantwortung für mich übernehmen. Mein Weg: ich habe ihr verziehen. Nur für mich selber. Und ich habe mir verziehen, dass ich so wenig bereit war, meine Verantwortung für mich zu übernehmen.
Es geht nicht um Schuld. Schuld kann man mit Verzeihen neutralisieren. Es geht um Verantwortung. Das ist etwas ganz anderes. Wenn man erkennt, dass es einem schlecht geht, kann man Ursachen dafür finden. Und wenn man eine Ursache hat, kann das Verzeihen einsetzen. Das wäre mein Königsweg für Dich. Kennst Du die Thesen zur Vergebnung der "Luxemburger Kommission 'Justitia et pax'" ?
Thesen zur Vergebung
Die "Luxemburger Kommission -»Justitia et pax-«" hat zur Jahrtausendwende 10 Thesen zur Vergebung aufgestellt (in: Verzeihen und Versprechen. Der Gerechtigkeit und dem Frieden eine Chance geben im dritten Jahrtausend. Luxemburg 2000).
1. Vergebung kann ein langer Prozess sein.
2. Vergebung ist nicht von einem Geständnis abhängig.
3. Vergebung erfordert keine übereinstimmende Auffassung von der Vergangenheit.
4. Vergebung bedeutet, mein Recht auf Rache loszulassen.
5. Vergebung bedeutet nicht vergessen.
6. Vergebung bedeutet,das Unrecht nicht immer wieder zur Sprache zu bringen.
7. Vergebung bedeutet nicht, das Verhalten einer anderen Person zu entschuldigen.
8. Vergebung bedarf vorab einer Entscheidung.
9. Vergebung bedeutet nicht unbedingt, erneut zu vertrauen.
10. Vergebung ist Voraussetzung für Neuanfang.
Finde ich genial. Die Vergebung ist ein äußerst machtvolles Mittel, sich von den Fesseln der Vergangenheit zu lösen. Ein anderes ist die Trauer. Die trauer, dass einem Dinge nicht ermöglicht wurden, die zu den eigenen Talenten gehören. Ich würde mein Leben aus heutiger Sicht auch anders gestalten als es mir möglich war. Das bedeutet nicht, dass ich ein schlechtes Leben habe. Aber ich habe Abschied von diesen Möglichkeiten genommen und damit die Tür geöffnet, die Dinge, die mir heute begegnen, für mich anzunehmen. Würde ich den verpassten Möglichkeiten hinterher weinen, wäre ich dazu nicht in der Lage.
Kurz gessagt: Man darf traurig sein, dass einem Möglichkeiten vorenthalten wurden. Aber ich habe es selber in der Hand, heute aus meinem Leben das Beste zu machen. Wenn ich eine Person für meine Situation verantwortlich mache, kann ich durch Vergebung mich von den alten Bindungen befreien. Ich kann mir selber verzeihen, dass ich nicht die Verantwortung für mein Leben übernommen habe.
Es liegt an Dir, etwas daraus zu machen.