Seite 2 von 4

Re: Artikel aus der taz: "Das Leben als trans Frau: Keine Akzeptanz erreicht"

Verfasst: Sa 11. Apr 2020, 11:16
von gagalady
Anne-Mette hat geschrieben: Sa 11. Apr 2020, 10:33 Moin,
...
Die Bezeichnung "Person 1" und "Person 2" wird vielen, die selbst Kinder haben, nicht gefallen.
Viele dieser Menschen haben sich aktiv auf die Mutter-Rolle und Vater-Rolle vorbereitet und wollen sie auch leben.
Und auch Kinder erzählen (mehr oder weniger) stolz: "das ist mein Vater" oder "das ist meine Mutter".
Sie identifizieren sich (erst einmal) mit den Eltern oder "entwickeln sich daran" und wollten zumindest in sehr vielen Fällen nicht "Person 1" oder "Person 2" haben, sonderen Mutter und Vater oder zwei Mütter oder zwei Väter - oder auch andere Konstellationen, die sie selbst benennen (z.B in Patchwork-Familien).

Ich sehe fast einen "Über-Regelierungs-Ansatz" bei einigen Menschen, die nicht nur für sich selbst neue oder andere Regeln aufstellen wollen und in einigen Fällen nicht einmal "eigenen Bedarf haben", sondern für einen Großteil der Bevölkerung.
Dabei beschneiden sie Rechte und Empfindungen dieser Menschen, um es für ein paar Menschen "etwas gerechter" zu machen.
Irgendwie klingt das für mich schief.

Gruß
Anne-Mette
Danke, Anne-Mette!
... SEHR schief, m.E. - Deinen Ausführungen kann und will ich gerne vollumfänglich zustimmen! Inzwischen stelle ich zunehmend fest, daß manche Menschen bzw. "Gruppierungen" absolut nicht mehr in der Lage sind, Prioritäten zu setzen und Pragmatismus walten zu lassen und die stattdessen im Unwesentlichen herumstochern und daran auf Kosten der Mehrheit herumzerren, um ihrem Leben doch noch - letztlich doch nur scheinbaren - Sinn zu geben...
LG., GL

Re: Artikel aus der taz: "Das Leben als trans Frau: Keine Akzeptanz erreicht"

Verfasst: Sa 11. Apr 2020, 11:53
von Svetlana L
Cybill hat geschrieben: Fr 10. Apr 2020, 21:47 Nennt Euch meinetwegen "Väterin" aber hört auf euch zum Popanz zu machen, indem ihr die Menschen mit Blösinn vor den Kopf stosst.

Es gibt nämlich genug von uns, die ein ganz normales Leben führen wollen!
Ach so, als Väterin will ich natürlich kein normales Leben führen. Sorry Cybill, oben regst du dich über Jaddy auf, dass das anmaßend wäre, und jetzt stößt du ins gleiche Horn. Popanz = nicht ernst zu nehmende Schreckgestalt. Dagegen verwahre ich mich ganz entschieden. Und was Blödsinn ist und was nicht entscheidest zum Glück nicht du liebe Cybill.

Re: Artikel aus der taz: "Das Leben als trans Frau: Keine Akzeptanz erreicht"

Verfasst: Sa 11. Apr 2020, 12:03
von Marielle
Hallo Anne-Mette,

für mich persönlich, als kinderlose Person, besteht keinerlei Bedarf. Ich hab aber auch keinen Bedarf an der Abschaffung des TSG, da mein Geschlechtseintrag und meine Vornamen meinen Wünschen entsprechen. Ich habe, als sachfremdes Beispiel, auch keinen Bedarf an Asylrechtsregelungen im deutschen Recht. Ich hab ja einen deutschen Pass. Trotzdem habe und vertrete ich Standpunkte zu diesen Themen.


Ich höre von Menschen aus der Community, dass sie Schwierigkeiten mit den bestehenden Regelungen zur Elternschaftseintragung haben. Das betrifft nicht nur trans* Personen, sondern auch lesbische und schwule (Ehe-)Paare. Es gibt bisher keine Geburtsurkunden in Deutschland, in denen zwei Mütter oder zwei Väter eingetragen sind. Das wird von den Betroffenen beklagt, während 'die Konservativen' sagen, dass es sowas ja gar nicht geben kann und es deswegen nicht eingetragen werden darf. Denen läge 'Elternteil 1 und 2' in diesem Fall fast näher, als zwei Mütter oder zwei Väter. In anderen Fällen (trans* Elternschaft) entsteht m.E. eine etwas merkwürdige Situation, wenn in die Geburtsurkunde eines Kindes eine Person z.B. als Vater eingetragen wird, die (nach PÄ und VÄ) im Personenstandsregister aktuell nicht existent ist.


Zu dem Themenkomplex versuche ich einen Standpunkt zu finden, um ihn an passender Stelle in die politische Meinungsbildung einzubringen. Nach Möglichkeit einen Standpunkt, mit dem alle gut leben können. Das Argument, dass sich aus dem Eintrag als Vater oder Mutter Empfindungen oder Identifikationen ableiten lassen sollten, zieht meiner Meinung nach nicht. Die Geburtsurkunde eines Kindes bzw. das Personenstandsregister dienen nicht zur Stiftung von Identität oder zur Bestätigung von persönlichen Empfindungen, sondern lediglich der 'buchhalterischen' Beschreibung von Menschen. Daraus leitet sich m.E. kein Anspruch auf besondere Zuordnungen ab.

Hab es gut

Marielle

Re: Artikel aus der taz: "Das Leben als trans Frau: Keine Akzeptanz erreicht"

Verfasst: Sa 11. Apr 2020, 12:07
von Marielle
Guten Tag Gagalady,
gagalady hat geschrieben: Sa 11. Apr 2020, 11:16... und daran auf Kosten der Mehrheit herumzerren
Welche Kosten sind das? Magst du das bitte etwas ausführen, wem welche Kosten bzw. Nachteile entstehen würden?

... um ihrem Leben doch noch - letztlich doch nur scheinbaren - Sinn zu geben
Du hast ein zumindest sehr merkwürdiges Verständnis von Menschen, die sich politisch engagieren,

Marielle

Re: Artikel aus der taz: "Das Leben als trans Frau: Keine Akzeptanz erreicht"

Verfasst: Sa 11. Apr 2020, 12:12
von Anne-Mette
Marielle hat geschrieben: Sa 11. Apr 2020, 12:03 sondern lediglich der 'buchhalterischen' Beschreibung von Menschen. Daraus leitet sich m.E. kein Anspruch auf besondere Zuordnungen ab.
Dann willst Du das trennen, "Buchhaltung und Identität" ?


Nachtrag:

dann können wir also nicht vereinbaren "Paul hat zwei Mütter/Väter" - sondern alle Kinder haben KEINE MUTTER und KEINEN Vater, sondern Person 1 und Person 2...
... damit Paul (oder seine "Personen" nicht diskriminiert werden) ?

Sorry, da gehe ich nicht mit
Ich werde es auch nicht auf mein Fahne(n) schreiben.

Gruß
Anne-Mette

Re: Artikel aus der taz: "Das Leben als trans Frau: Keine Akzeptanz erreicht"

Verfasst: Sa 11. Apr 2020, 12:57
von Michi
Ich möchte mal einen Gedanken einwerfen, den ich vor Jahren schon im Zusammenhang mit dem Geschlechtseintrag gemacht habe:

Was spricht dagegen, statt der beiden fest vorgegebenen Einträge "Mutter" und "Vater" Freitext zuzulassen?! Und sei es nur, um im Bedarfsfalle die korrekte Bezeichnung "Erzeuger" für Männer zu verwenden, die keinerlei Interesse an dem Kind haben. :wink: Gerade das Vater-Sein ist doch eine soziale Rolle, die recht oft unabhängig von der biologischen Abstammung gelebt wird.

Re: Artikel aus der taz: "Das Leben als trans Frau: Keine Akzeptanz erreicht"

Verfasst: Sa 11. Apr 2020, 14:29
von Lavendellöwin
MichiWell hat geschrieben: Sa 11. Apr 2020, 12:57 Ich möchte mal einen Gedanken einwerfen, den ich vor Jahren schon im Zusammenhang mit dem Geschlechtseintrag gemacht habe

hi...oder wie in der Abstammungsurkunde einfach Eltern in Gesamtheit?
Beide sind namentlich ausgewiesen...und alles ist schön...

ich habe da noch eine Frage die mir schon länger unter den Nägeln brennt..
steht in eurer Originalgeburtsurkunde ein zusätzlicher Eintrag über euch?
Also männlich, weiblich? Bei mir nämlich nicht nur der Name und ein -/-

Alles Liebe Marie (flo)

Re: Artikel aus der taz: "Das Leben als trans Frau: Keine Akzeptanz erreicht"

Verfasst: Sa 11. Apr 2020, 14:34
von Marielle
Hallo Anne-Mette,

ich sagte doch, dass ich dieses Anliegen (2 Mütter/Väter) gehört und verstanden habe. Ich persönlich habe damit kein Problem. Es ist mir absolut Wurst, wer seine Elternschaft wie bezeichnen möchte.

Wir können untereinander vieles vereinbaren. Von mir aus darf es auch gern das von Michi vorgeschlagene Freitextfeld sein. Nur nutzt uns das nichts, weil es nicht umsetzbar ist. Jedenfalls nicht mit zwei der aktuellen Regierungsparteien, mit denen man einen Kompromiss finden muss, wenn man etwas ändern möchte. Auf absehbare Zeit wird es auch keine Regierung geben, an der die nicht beteiligt sein werden.

Wenn alle ihre Wunschvorstellung als letzte rote Linie verteidigen, passiert gar nichts. Soll mir Recht sein, eine Baustelle weniger. Dann schliesse ich mich Cybill an und sage, dass die Leute aufhören sollen, wegen dieses Themas rumzujammern.

Anne-Mette hat geschrieben: Sa 11. Apr 2020, 12:12Dann willst Du das trennen, "Buchhaltung und Identität" ?
Ja, das scheint mir eine vernünftige Sache zu sein. Identitäten jedweder Art geht Gesetze und Register genausowenig an, wie Hautfarbe und Religion. Und es ist auch nicht die Aufgabe von Gesetzen und Registern identitätsstiftend zu wirken.

Meiner Meinung nach haben wir ohnehin viel zu viel 'Identität' in unseren Gesetzen bzw. es wird zu viel Identität dort reininterpretiert. Das fängt mit dem Heimatbegriff an und läuft über die 'Leitkultur' bis zu den Buchstaben auf den Klotüren. Oder eben bis zu den Elternschafts/Mutter/Vater-Definitionen im BGB, -§-§ 1591 und 1592, die den Eintragungen nach jetzigem Stand zugrundeliegen. Wenn man sich die Vaterschaftsdefinition dort anguckt, kommt man aus dem lachen kaum raus. Eine absolut windige Konstruktion - aus dem patriarchalen Wunsch nach Erbschaftshoheit entstanden. Das soll Identität beschreiben? Kann ich nicht glauben.

Hab es gut

Marielle

Re: Artikel aus der taz: "Das Leben als trans Frau: Keine Akzeptanz erreicht"

Verfasst: Sa 11. Apr 2020, 16:39
von Cybill
Raus aus der Opferrolle!

Wir armen Menschen mit abweichendem Geschlechtsempfinden, werden überall gegängelt und diskriminiert... So lese ich das seit Jahren hier im Forum. Das sinnfreie TSG, die bösen Menschen im Zielgeschlecht, die uns nicht sofort als Gleiche akzeptieren, die Krankenkassen, die Therapeuten, der MDK, die Arbeitgeber, natürlich die Regierung...
Die Liste ist nahezu unendlich. Und es stimmt auch, es ist unerfreulich!

Trotzdem - Leute hört auf, euch nicht permanent zum Opfer zu stilisieren!

Es ist nicht einfach, als Mensch mit einer fragwürdigen geschlechtlichen Vergangenheit in seinem Wunschgeschlecht zu leben. Das habe ich nie behauptet!
Aber man muss es den sogenannten "normalen" Mitbürgern nicht permanent unter die Nase reiben.
Andere Menschen haben schwerwiegende dauerhafte Krankheiten und machen nicht halb so viel Gewese um ihre Situation, wie wir. Auch Depressive und Rollstuhlfahrer, auch blinde - und mental eingeschränkte Menschen, auch Migranten und Geflüchtete, auch Langzeitarbeitslose und Menschen in prekären Verhältnissen und auch Frauen (einfach biologisch und cis) erfahren täglich Diskriminierung. Aber mal ganz ehrlich? Spürt ihr bei anderen Menschen mit Diskriminationserfahrung auch soviel Selbstmitleid - oder seht ihr bei diesen Leuten soviel Opferrolle wie bei uns? Ich denke nicht!

Um auf den Artikel und die Diskussion zurückzukommen - wie soll denn ein sinnvoller Eintrag im Geburtsregister aussehen?

Person1 und Person 2? Das ist Blödsinn! (Hallo @Marielle, Hallo @Svetlana) Ich habe auch keine besseren Vorschläge - aber ich habe auch bisher keine Besseren gelesen oder gehört. Solange wir nichts Vernünftiges als Alternative zu bieten haben, ist es dann nicht ganz einfach sinnvoll, die Klappe zu halten, um sich nicht Popanz zu machen? (Hallo zum Zweiten @Svetlana)

Das nur einfach als ein Beispiel, dass hier hochgekommen ist.
Für mich geht es grundsätzlich um die Frage, ob es sinnvoll ist, das Trans*-Sein als Grundlage des Lebens zu sehen oder nicht?

(Da fällt mir ein: @Jaddy, Du siehst Dich doch als Enby oder however - was soll dann Deine Einlassung hier? Vielleicht bist ja unterbewusst auch TRANSSEXUELL? (smili)
Du erinnerst mich übrigens an meine früheren Beiträge, wo ich mich auch noch gerne im intellektuellen Elfenbeinturm versteckt habe.(ki) )


Zurück zum Thema:
Natürlich erfährt die Protagonistin des taz-Artikels eine Front bei ihrer Akzeptanz als "Mutter" gegenüber den Mainstream-Müttern. Aber das ist doch nicht verwunderlich. Es wird oft und gerne vergessen, dass außerhalb unserer eigenen Filterblase auch eine ganz einfach gestrickte Mehrheit an Menschen existiert, für die Vater (Zeuger), Mutter (Austragende) und Kind 1 bis n, das "normale Bild er Familie ist. Liest sich hart? Ist aber die Mehrheit!

Wenn dich andere Frauen nicht als Ihresgleichen akzeptieren, weil Du eine fragwürdige genetische Vergangenheit hast? So what! Zeig es Ihnen, dass Du eine gute Mutter bist!

Viele von uns verstehen nicht, dass wir eine absolute Minderheit sind!

Es ist ja auch so, dass wir uns nach dem Outing gerne im Safe-Space Unseresgleichen bewegen. Das verschiebt unsere Wahrnehmung. Die Wirklichkeit, die wir draussen erfahren, ist eben eine Andere! Das ist natürlich irritierend und frustierend. Es wird aber nicht davon besser, dass wir darüber jammern und die entsprechenden Medien Betroffenheitsartikel darüber veröffentlichen.

Besser wird es dann, wenn wir uns über diese Situations stellen - und "Normalität " leben!

Unsere Normalität findet in unserem Umfeld statt und nicht hier im Forum - und schon gleich gar nicht in den Medien!

Wir können uns auf den Standpunkt zurückziehen, dass wir ein ganz schlimmes Schicksal mit allen Konsequenzen haben - können wir...!?

Wir können aber auch ganz einfach zeigen, dass es uns nicht juckt, dass wir eine Vergangenheit haben, die eben nicht mit unserem heutigen Erscheinungsbild korrespondiert. Die Menschen beeindruckt unser Verhalten und unsere Handlungen und nicht dass wir unser Schicksal als Banner vor uns hertragen.

Vielleicht schließt Ihr einfach mal Frieden mit Eurer Vergangenheit: denn der Mensch, der ihr damals wart und der es nicht aufgegeben hat, solange da zu sein, bis der Mensch, der ihr heute seid, zum Vorschein gekommen ist, ist nämlich eines: der wichtigste Mensch in Eurem Leben!

Wenn der Mann, die Frau aufgegeben hätte, dann wäret ihr heut nichts anderes als: Weitere Suizidopfer!
Denkt einfach mal drüber nach - erst am Dienstag müsst Ihr wieder zur Arbeit - ist also Zeit!

Cybill

Re: Artikel aus der taz: "Das Leben als trans Frau: Keine Akzeptanz erreicht"

Verfasst: Sa 11. Apr 2020, 17:33
von Anne-Mette
Moin nochmals,
Marielle hat geschrieben: Sa 11. Apr 2020, 14:34 mit denen man einen Kompromiss finden muss, wenn man etwas ändern möchte.
... und das ist eben für mich die Frage: WER möchte WAS ändern?
Daraus ergeben sich für mich auch Fragen zum "Vertretungsauftrag" und die Frage: "wie sehen es die Familien selbst, insbesondere die Kinder?"
Was wäre gut für sie und was würde ihnen eher schaden?

Ich werde mir noch einmal das Buch "Und was sagen die Kinder dazu? Zehn Jahre später!" anschauen; vielleicht finde ich da den einen oder anderen Hinweis.

Manche Vorschläge und "Ideen zu möglichen Änderungen" können und werden sich gegen "uns" richten.
Das möchte ich zu bedenken geben.


Gruß
Anne-Mette

Re: Artikel aus der taz: "Das Leben als trans Frau: Keine Akzeptanz erreicht"

Verfasst: Sa 11. Apr 2020, 17:56
von gagalady
Marielle hat geschrieben: Sa 11. Apr 2020, 12:07 Guten Tag Gagalady,
gagalady hat geschrieben: Sa 11. Apr 2020, 11:16... und daran auf Kosten der Mehrheit herumzerren
Welche Kosten sind das? Magst du das bitte etwas ausführen, wem welche Kosten bzw. Nachteile entstehen würden?

... um ihrem Leben doch noch - letztlich doch nur scheinbaren - Sinn zu geben
Du hast ein zumindest sehr merkwürdiges Verständnis von Menschen, die sich politisch engagieren,

Marielle
Liebe Marielle,
ich will Dir gerne antworten, obwohl ich nur eine Meinung äußern, nicht aber eine Disputation triggern wollte:
Mit "Kosten" meine ich "ideelle", keine monetären, z.B. bringt es der Mehrheit nichts ausser Nachteilen, wenn - wie hier schon aufgeführt - die Begriffe Vater und Mutter durch x-beliebige Konstrukte ersetzt werden. Du kennst sicher selbst noch zahllose weitere Fallbeispiele, die ich hier nicht aufführen will.
Ich denke ganz grundsätzlich, dass Änderungen an Rahmenbedingungen, die für eine Gesellschaft im Ganzen gelten sollen, sich immer zuerst an der jeweiligen Mehrheit ausrichten sollten. Wäre es anders, wäre die Ähnlichkeit mit diktatorischen Wesenselementen schon zu groß.
Politisches Engagement hatte ich nicht angesprochen, doch wenn sich jemand den Schuh anziehen möchte, wird das dann wohl vermutlich einen Grund haben, und ich werde es nicht verhindern können.
LG., GL

Re: Artikel aus der taz: "Das Leben als trans Frau: Keine Akzeptanz erreicht"

Verfasst: Sa 11. Apr 2020, 18:02
von gagalady
Cybill hat geschrieben: Sa 11. Apr 2020, 16:39 Raus aus der Opferrolle!
...
Wir können aber auch ganz einfach zeigen, dass es uns nicht juckt, dass wir eine Vergangenheit haben, die eben nicht mit unserem heutigen Erscheinungsbild korrespondiert. Die Menschen beeindruckt unser Verhalten und unsere Handlungen und nicht dass wir unser Schicksal als Banner vor uns hertragen.

Vielleicht schließt Ihr einfach mal Frieden mit Eurer Vergangenheit: denn der Mensch, der ihr damals wart und der es nicht aufgegeben hat, solange da zu sein, bis der Mensch, der ihr heute seid, zum Vorschein gekommen ist, ist nämlich eines: der wichtigste Mensch in Eurem Leben!

Wenn der Mann, die Frau aufgegeben hätte, dann wäret ihr heut nichts anderes als: Weitere Suizidopfer!
Denkt einfach mal drüber nach - erst am Dienstag müsst Ihr wieder zur Arbeit - ist also Zeit!

Cybill
Liebe Cybill,
auch Deinen Ausführungen schliesse ich mich ganz und gar an, danke dafür - und ich setze nichts hinzu und nichts dagegen!
LG., GL

Re: Artikel aus der taz: "Das Leben als trans Frau: Keine Akzeptanz erreicht"

Verfasst: Sa 11. Apr 2020, 19:47
von Aria
Cybill hat geschrieben: Sa 11. Apr 2020, 16:39 Raus aus der Opferrolle!
Oh dios mio! Dass ich solche Zeilen hier noch mal lesen darf. Ich weiß gar nicht, wie sehr ich dir dafür danken soll, Cybill! Ich hatte schon fast die Hoffnung aufgegeben, dass es hier noch solche Standpunkte gibt. Über das ewige Gejammere und verbissene Verteidigen der eigenen Minderheit und sich ergießen in Selbstmitleid, konnte ich nur noch den Kopf schütteln.

Re: Artikel aus der taz: "Das Leben als trans Frau: Keine Akzeptanz erreicht"

Verfasst: Sa 11. Apr 2020, 19:51
von Svetlana L
Cybill hat geschrieben: Sa 11. Apr 2020, 16:39 Trotzdem - Leute hört auf, euch nicht permanent zum Opfer zu stilisieren!
Wie jetzt? Sollen wir, die Popanzen, uns nun doch permanent zum Opfer stilisieren? Ich glaube, dass ist nicht das, was du eigentlich ausdrücken wolltest.

Wie soll man aus der (vermeintlichen oder - wie hier - zugeschriebenen) Opferrolle herauskommen, wenn man seine Wünsche, Bedürfnisse, Ideen nicht mal mehr artikulieren kann ohne dass das selbst aus der Community heraus als Blödsinn abgestempelt wird? Und nochmal die Frage: Warum maßt du dir an zu entscheiden, was Blödsinn ist und was nicht?
Cybill hat geschrieben: Sa 11. Apr 2020, 16:39 Vielleicht schließt Ihr einfach mal Frieden mit Eurer Vergangenheit:
Wie kommst du eigentlich auf die Idee, dass alle hier - außer anscheinend du selbst - im Forum Probleme mit ihrer Vergangenheit haben? Diese verallgemeinernde Unterstellung führt hier wirklich nicht weiter. Ich für mich kann sagen, dass ich mit meiner Vergangenheit absolut im Reinen bin. Und als Opfer sehe ich mich schon gar nicht - mein Leben, auch wenn ich mich selbst als Väterin bezeichne, empfinde ich als sowas von Normal, normaler geht's eigentlich nicht. Dass das nicht bei allen so ist weiß ich auch, aber ein bisschen verbales Abrüsten und weniger Rundumschläge wären bei einem so wichtigen Thema wünschenswert.

Re: Artikel aus der taz: "Das Leben als trans Frau: Keine Akzeptanz erreicht"

Verfasst: Sa 11. Apr 2020, 21:07
von Marielle
Guten Abend zusammen,
Anne-Mette hat geschrieben: Sa 11. Apr 2020, 17:33... und das ist eben für mich die Frage: WER möchte WAS ändern?
Die Bundesregierung bzw. das BMJV. Dort arbeitet man an einer Reform des Abstammungsrechtes*.

Zu diesem Vorhaben, über das offensichtlich nicht alle hier informiert sind, sind Stellungnahmen gefragt; auch von Verbänden, die die Interessen von trans* Personen vertreten. Btw: Es war eine Menge Arbeit, in die Position zu kommen, solche politischen Prozesse relativ konkret mitgestalten zu können.

Man könnte natürlich einem hier gebrachten Vorschlag folgen und einfach mal zufrieden sein, mit dem was man hat. Dann hält man dazu die Klappe und andere reden. DAS wird sich dann definitiv gegen uns wenden. Die größte Oppositionspartei im Bundestag, als Beispiel, weiss ganz genau, was sie bei diesem Thema will. Die reden mit.


Das Thema Abstammungsrecht geht übrigens weit über die Belange von trans* Personen hinaus, liebe Cybill. Ein paar Stichpunkte: Kinder homosexueller Paare, Reproduktionsmedizin, Samenspenden, Leihmutterschaft, Patchworkfamilien usw. usf.**. Ich verstehe durchaus, was du meinst. Ich halte einige Ansichten, die in der Trans-Comunity auftreten, durchaus auch für irgendwas zwischen weltfremd und hysterisch. Aber hier liegst du leider komplett daneben. Es geht nicht um irrwitzige Forderungen einer kleinen Minderheit, sondern um die Partizipation an einem politischen Prozess (jedenfalls mir).

(Gagalady) ...die Begriffe Vater und Mutter durch x-beliebige Konstrukte ersetzt werden.
Siehe oben. Es geht nicht um "x-beliebige Konstrukte", sondern um die demokratische Gestaltung unserer Gesellschaft. Also quatsch mir aus deiner Uninformiertheit heraus bitte nichts von "diktatorischen Wesenselementen" ans Bein.

(Gagalady) Ich denke ganz grundsätzlich, dass Änderungen an Rahmenbedingungen, die für eine Gesellschaft im Ganzen gelten sollen, sich immer zuerst an der jeweiligen Mehrheit ausrichten sollten.
Ich denke ganz grundsätzlich, dass die Rahmenbedingungen so gestaltet werden sollten, dass alle damit gut leben können. Die 'Mehrheit' hat z.B. in Polen, Russland und der Türkei beschlossen, dass Menschen wie wir nicht richtig dazugehören sollen. Verstehst du die Schwäche deines Konzeptes? Und vielleicht sogar das Problem mit den "diktatorischen Wesenselementen"?

(Anne-Mette) Daraus ergeben sich für mich auch Fragen zum "Vertretungsauftrag"
Dieser Auftrag, ich nenne es Mandat, ergibt sich aus Zusammenschlüssen von Menschen und Gruppierungen, die Vertreter_innen bestimmen, die an geeigneten Stellen für die gemeinsamen Ziele sprechen sollen. Es gibt verschiedene solcher Zusammenschlüsse, die unterschiedliche Ziele haben. Aber sie bringen halt ihre Stimmen in politische Prozesse ein. Jede_r darf (und soll) sich einbringen, aber niemand muss das tun. Wer es nicht tut, lässt es eben - mit sich geschehen.


Habt es gut, frohe Ostern,

Marielle

') https://www.bmjv.de/SharedDocs/Artikel/ ... recht.html

**) Wenn es nach mir ginge, würde auf Samenspenden, Leihmutterschaft und den zugrundeliegenden Anspruch auf Kinder schlicht freiwillig verzichtet. Dann müsste man dazu auch nichts regeln. Es geht aber nicht nach mir und andere Menschen sehen das eben anders. Daraus entsteht Regelungsbedarf.