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Re: Bewerbung
Verfasst: So 19. Jan 2020, 10:39
von BiancaC
Guten Morgen Jasmin,
erstmal vielen Dank für deine Ausführungen!
Ich habe jetzt etliche Bewerbungen mit meinem neuen Vornamen geschrieben.
Ich habe im Lebenslauf einfach die Personenstandsänderung eingefügt.Ein Bewerbungsfoto habe ich sowie so nicht mehr mit geschickt.
Ich war im ersten Moment perplex als ich den Punkt bei der Registrierung gesehen habe. Meiner Meinung ist die Frage rechtlich auch sehr Bedenklich !
Also Ich habe mich mit dem Geschlecht weiblich angemeldet ! , steht ja auch in meiner Geburtsurkunde ! und werde das in der Bewerbung und im Lebenslauf so beibehalten.
Vorstellungsgespräche hatte ich noch nicht .
Viele grüße Bianca
Re: Bewerbung
Verfasst: So 19. Jan 2020, 11:18
von Jasmin_35
BiancaC hat geschrieben: So 19. Jan 2020, 10:39
Vorstellungsgespräche hatte ich noch nicht .
Ich drück dir die Daumen, das es bald was wird. Ich finde die Frage auch rechtlich bedenklich, hätte wohl auch weiblich angegeben, steht ja auch so in meiner Geburtsurkunde.

Re: Bewerbung
Verfasst: So 19. Jan 2020, 11:45
von Andrea aus Sachsen
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Hallo Bianca,
ich hatte über meine etwas unkonventionelle Herangehensweise bei der Bewerbung schon an anderer Stelle berichte, möchte es hier aber noch mal zusammenfassen:
Noch ohne amtliche VÄ/PÄ stand zuerst die Frage, unter welchem Namen ich mich bewerbe. Doch eigentlich war diese Frage für mich längst geklärt. Ich fühlte mich emotional überhaupt nicht mehr in der Lage, als Mann aufzutreten.
Als ich meine Bewerbungsunterlagen dann durchging, überkam mich wegen den verschiedenen Namen ein ungutes Gefühl. Wer das liest, musste gleich denken: Hier stimmt doch etwas nicht?!
Um diesen negativen ersten Eindruck zu vermeiden, ließ ich mein letztes Arbeitszeugnis ändern. Das ging mit dem dgti-Ausweis ganz unproblematisch. Auf meinem Diplomzeugnis bzw. der elektronischen Kopie davon, änderte ich den Namen selbst. Meine männliche Vergangenheit gab ich auch im Lebenslauf nicht an. Jetzt hatte ich durchgehend "weibliche" Unterlagen, mit denen ich mich dann (genaugenommen unter falschem Namen) bewarb. Das hatte meines Erachtens den Vorteil, dass die über das Personal entscheidenden Leute sich zunächst auf fachliche Belange konzentrieren konnten und sich nicht mit der für sie möglicherweise unbekannten Trans*-Problematik beschäftigen mussten.
Im Vorstellungsgespräch habe ich den ganzen "Schwindel" dann aufgeklärt. Ich ging davon aus: Wenn jemand damit ein Problem hat, wäre ich in dieser Firma ohnehin fehl am Platz gewesen.
So effektiv wie bei Jasmin verlief das Ganze für mich allerdings nicht. Ich brauchte über 70 Bewerbungen und 13 Vorstellungsgespräche, bis mich eine Firma einstellte, bei der ich heute noch arbeite.
Wie auch immer du deine Bewerbung angehst, ich wünsche dir viel Erfolg dabei.
Re: Bewerbung
Verfasst: So 19. Jan 2020, 14:33
von JaquelineL
Liebe Bianca,
als Person, die auch die andere Seite des Prozesses kennt, finde ich Deine schlussendliche Entscheidung gut. Der angegebene Personenstand passt zu Deiner (rechtlichen und persönlichen) Situation, dennoch betreibst Du kein Versteckspiel, sondern gibst einen (kurzen und doch eindeutigen) Hinweis im Lebenslauf. Auf mich macht ein solches Vorgehen, ohne die Person dahinter zu kennen, erst einmal einen souveränen Eindruck - wie jemand, die mit sich bzw. dieser besonderen Situation im Reinen ist.
Wenn eine solche Bewerbung dann auf jemanden trifft, der mit "trans*" ein Problem hat, wäre die Aktion sowieso spätestens im Rahmen einer Probezeit zu Ende. Und bei jemandem, der kein Problem mit dieser Sondersituation hat (und vielleicht obendrein Einblick in vergleichbare Lebensläufe hat und damit Arbeitgeber-seitige Risiken abschätzen kann, z. B. psychische Belastungen der Bewerberin und operationsbedingte Ausfall-/Krankenzeiten) deutet diese Angabenkombination eher auf ein "entspanntes" Verhältnis hin - man darf sich auf das Fachliche und die zukünftige Teamkonstellation konzentrieren.
Liebe Grüße
Jackie
Re: Bewerbung
Verfasst: Mo 20. Jan 2020, 14:47
von Svetlana L
BiancaC hat geschrieben: Sa 18. Jan 2020, 22:07
"Genderhinweis:
Zur besseren Lesbarkeit verwendet Interamt personenbezogene Bezeichnungen, die sich zugleich auf Frauen, Männer, Trans*- oder Intersexuelle Personen beziehen, generell nur in der maskulinen Form. Dies impliziert keine Benachteiligung des anderen Geschlechts. Wir danken für Ihr Verständnis."
"Diese Fußnote trägt nicht zur Verbesserung der Gendergerechtigkeit eines Textes bei und hat rein rechtfertigende Funktion: Sie ist en Versuch, die Regeln gendergerechter Sprache einerseits zwar anzuerkennen, andererseits aber ihre Anwendung zu vermeiden, ohne dafür gescholten zu werden", schreibt die Duden-Redaktion. Und weiter: "Allein die Existenz dieser Fußnote, allein die gefühlte Notwendigkeit, sie setzen zu müssen, beweist, dass es eben nicht klar ist, wer gemeint ist, wenn in solchen Texten reine Maskulinformen stehen." Das nur am Rande...
Zu deiner eigentlichen Frage: Weiblich - aus meiner Sicht gar keiner Diskussion wert

Re: Bewerbung
Verfasst: Mo 20. Jan 2020, 16:58
von Helga
Andrea aus Sachsen hat geschrieben: So 19. Jan 2020, 11:45
. Ich brauchte über 70 Bewerbungen und 13 Vorstellungsgespräche, bis mich eine Firma einstellte, bei der ich heute noch arbeite
Liebe Andrea, nimmst mir bitte nicht übel, aber das is in meinen Augen ein klarer Hinweis dass es besser ist bereits mit der Bewerbung reinen Wein einzuschränken als die Katze erst im Vorstellungsgespräch aus dem Sack zu lassen.
Re: Bewerbung
Verfasst: Mo 20. Jan 2020, 18:43
von Andrea aus Sachsen
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Helga hat geschrieben: Mo 20. Jan 2020, 16:58
... dass es besser ist bereits mit der Bewerbung reinen Wein einzuschränken ...
Hallo Helga,
bei dieser Vorgehensweise hätten mich alle, die Vorbehalte gegenüber Trans* haben oder nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch eingeladen.
Re: Bewerbung
Verfasst: Mo 20. Jan 2020, 18:57
von Jasmin_35
Helga hat geschrieben: Mo 20. Jan 2020, 16:58
Liebe Andrea, nimmst mir bitte nicht übel, aber das is in meinen Augen ein klarer Hinweis dass es besser ist bereits mit der Bewerbung reinen Wein einzuschränken als die Katze erst im Vorstellungsgespräch aus dem Sack zu lassen.
Sorry, aber wegen 70 Bewerbungen, 13 Gesprächen und einer Zusage daraus zu schließen, das es mit dem Trans* sein zu tun hat, halte ich für völlig unangebracht. Einen Job zu finden hat soviele verschiedene Seiten, das fängt beim Alter an, bei der Qualifikation, ob die Firma wirklich sucht, wie groß der akute Fachkräftemangel ist usw usw.
In einer Bewerbung halte ich es zu 50% für zu viele persönliche details oder schreibt man neuerdings auch seine sex. orientierung rein, nur für alle fälle, das die Firma probleme mit Homo/Hetero Personen hat.
Man wird wegen einer Qualifikation und weiterem Interesse daran eingeladen oder nicht eingeladen, alle anderen Details kann man im Gespräch klären, wozu es auch dienen soll. Ob sich jemand als Mann bewirbt und als Frau auftritt (oder umgekehrt natürlich) ist eine persönlichkeitsentscheidung. Noch ein Beispiel: Tattoos und Piercings oder gar die Frisur schreibt man auch nicht in Bewerbungen. Wenn man irgendwelche von diesen Informationen preisgeben möchte, kann man das als Bonus sehen, für die Firma, die die Bewerbung erhält, aber nicht als allgemeine Voraussetzung, denn dann können wir gleich nach 1980 zurückgehen, es geht auch um gleichberechtigung und entstigmatisierung und nicht, das noch weiter zu forcieren, weil man sich dadurch zu was "besonderem" oder "anderem" macht.