Guten Abend alle zusammen,
zunächst nochmal vielen vielen Dank für die vielen Berichte. Genau daruf habe ich gehofft. Danke danke danke!
@Toni Smith: deine Beschreibungen zu der vermeintlichen Übersexualiserung der Transition Mann-zu-Frau kann ich nachvollziehen und das sind manchmal auch meine Gedanken. Kommt der Wunsch daher, dass ich zu viele Medien konsumiert habe? Will ich das, was ich nicht habe und ziehe da meine sexuelle Befriedigung heraus? Oder haben die Personen mir gezeigt, dass es da tatsächlich etwas gibt, das scheinbar möglich ist. Etwas, was schon seit jeher in meinem Kopf schlummert? Ja, ich kann verstehen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Damit meine ich, dass viele (erfolgreiche) Transdarstellerinnen viel haben machen lassen. Und ich kann mir auch vorstellen, dass viele Sexwork betreiben (seien es jetzt in Cam-Shows oder größere Produktionen) um ihre Verwandlung zu finanzieren.
Ich habe auch schon versucht komplett abstinent zu sein, aber das Kopfkino springt dann irgendwann unweigerlich an. Und dann denke ich mir, ist das Ende dieses Veränderungswunsches vielleicht nur einen Höhepunkt (Orgasmus) entfernt und der Gedanke daran wird mir lächerlich erscheinen? Bis jetzt blieb das aus und die Überlegungen bleiben.
Das komplette Meiden und mit Scheuklappen durch den Alltag zu gehen (wie Sabine auch schreibt), kommt mir zu sehr einem Verdrängen eines viel zu großen Elefanten im Raum vor. Die Gefahr und die Auswirkungen eines Rückfalls empfinde ich als kritisch. Ich glaube dieses Thema ist ein Teil meiner Identität und die Unterdrückung würde mich irgendwann einholen.
Ich war vor meiner jetzigen Beziehung über 5 Jahre mit einer Frau zusammen, die jeden femininen Zug als Zeichen von Schwäche und Unmännlichkeit betrachtet hat (abgesehen von Kajal bzw. Guyliner). Also habe ich meine Bedürfnisse unterdrückt. Die Transgedanken sogar sehr stark und "erfolgreich". Es wäre nie daran zu denken gewesen, das bei ihr anzusprechen. Sehr problematisch, aber zum Glück ist das vorbei.
@sabine_allein deine Ausführungen und Gedanken treffen auch meine eigenen. Ich bin glaub ich bin jemand, dem es helfen könnte, eine Art Label zu haben um zu sehen, dass ich nicht alleine bin. Oder zumindest eine Orientierung zu haben. Nachdem ich mit meiner Frau zum ersten Mal über meine Gedanken und Gefühle gesprochen haben (was auch das erste Mal überhaupt war), kam mir der Gedanke nichtbinär zu sein wie eine Offenbarung vor. Das Gespräch und die Erkenntnis haben mich in den Tagen danach wirklich frei fühlen lassen. Ich war beschwingter, leichter. Irgendwann ging das leider vorbei.
So gesehen, sind eure beiden Argumentationen genau die Stimmen in meinem Kopf
@Jaddy vielen Dank. Dein Post fühlt dem ganzen Thema sehr ausführlich auf den Zahn. Ich weiß, die Fragen waren keine Aufforderung sie gleich zu beantworten, aber um einen kleinen Einblick zu geben, möchte ich ein paar Gedanken dazu äußern.
"Warum feminines Äusseres?"
Ich fühle mich zu femininen oder androgynen Erscheinungen sehr angezogen. Und ich habe (zu mindest bilde ich mir das ein) schon gute physikalische Eigenschaften.
"Was heisst das konkret und was soll es bewirken?"
Auch wenn ich es nicht befeuern möchte, aber Schönheitsideale spielen da schon eine Rolle. Weiche Züge. Das Gefühl von glatter, weicher Haut. Ich würde jede/n bestärken, sich nicht von solchen Idealen versklaven zu lassen. Aber für mich empfinde ich es als äußerst angenehm, ohne es gleichzeitig von anderen zu erwarten. Ich weiß das klingt heuchlerisch...
"Geht es darum wie du von anderen gelesen wirst?"
Da wird es haarig (haha). Ich habe keine Ahnung was meine Absicht ist anderen gegenüber. Aber das ist ein sehr wichtiger Teil über den ich mir noch unklar bin, wie viel Gewichtung ich auf "die anderen" geben muss/will.
"Würdest du lieber als Frau oder als Mann im Alltag gelesen werden oder eher weder-noch?"
Ich glaube als weder-noch. Das ist es, was in der Gesellschaft fehlt. Ich habe es satt männlichen Eigenschaften zu entsprechen. Das habe ich noch nie gekonnt. Ich war schon immer eher "weich", empathisch, emotional. "Sei mal nicht so'n Mädchen" Warum nicht??
"Geht es körperlich um Sexualpartner"¢innen und körperlichen Sex oder eher darum wie dich die Partner"¢innen sehen und sexuell berühren?"
Das weiß ich nicht. Ich würde Partner*innen nicht die Katze im Sack verkaufen sondern zu Beginn klarstellen, dass ich eher exotisch bin.
"Wie ist es in Familie, Beziehung, Job, Freund"¢innenkreis?"
Tja... meine Familie würde es nicht verstehen schätze ich. Im Job wäre es sicherlich erstmal für alle eine Umgewöhnung. In der Beziehung sieht es momentan so aus, dass meine Frau und ich uns trennen würden, wenn ich eine Transition beginnen würde.
"Sie wünscht sich Kinder und für diese Kinder einen Vater. Außerdem hat sie sich in mich verliebt, weil ich so bin, wie ich bin und wie ich erscheine. Und genau deswegen liebt sie mich auch immer noch."
und das würde sich ändern. Aber ihre Prämisse ist, dass die eigene Identität das wichtigste für einen Menschen ist, und das bedeutet auch schmerzhafte Trennungen zu machen, wenn man auf der Suche nach der Glückseeligkeit ist. Denn wenn man seine Identität unterdrückt, ist man nicht glücklich.
"Welchen Anteil hat "funktionierendes männlcihes Geschlechtsteil"?"
Ich mag meinen Penis und er funktioniert sehr gut

irgendwo hab ich mal von einer Transperson gelesen "Wieso sollte ich mir etwas wegoperieren lassen, das einwandfrei funktioniert". (Ich weiß, dass es für Einige gute Gründe dafür gibt und diese persönlichen Entscheidungen respektiere ich)
Da eine*n Therapeut*in zu finden, die*der sich damit auskennt, stelle ich mir auch sehr schwer vor -.-
Zum Thema AGP: Ich finde es sehr interessant, dass es für diese Art von Anziehung einen Begriff gibt. Ob ich es mit Vorbehalt sehe oder nicht, meinen Horizont hat es erweitert. Vielen Dank auch dafür.
Wow. Das war ein Mammuttext. Puh. Ich bin unglaublich dankbar, dass ihr euch so rege an der Diskussion beteiligt <3
Noch eine kleine Bemerkung am Rande: Ich war heute auf einer Fridays for Future Demo und dort habe ich überraschend viele nichtbinär-aussehende, eventuelle Transmenschen gesehen. Das hat mich sehr glücklich gemacht.