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Re: Gutes richtig tun

Verfasst: Fr 27. Dez 2019, 13:08
von Nicole Fritz
Hallo Joe und Michi,

ich möchte es jetzt einmal so ausdrücken: Hier haben sich zwei verletzte Seelen zusammen gefunden und ihren alljährlichen weihnachtlichen Frust von der Seele geschrieben.

Wissenschaftlich orientierte Menschen stellen oft die Frage: Wie ist es wirklich? Wenn es beispielsweise um den atomaren Aufbau eines Zuckermoleküls geht, liefert da ein ein Elektronenmikroskop ein eindeutiges Bild. Bei zwischenmenschlichen Dingen geht das aber so nicht. Der eine sieht es so und der nächste anders.

Der typische gläubige Mensch fühlt sich offensichtlich innerhalb einer göttlichen Ordnung und entsprechend auch in der Hand ihrer (selbst ernannten) Vertreter geborgen und aufgehoben. Das können die kleine Ketzerin und ich aber nicht nachvollziehen. Wir fühlen uns unterdrückt und bevormundet, und reagieren entsprechen wütend und aggressiv. So wie wir es darstellen, wirkt es auf uns, und ist entsprechend für uns genauso real wie die Geborgenheit für die anderen oder die molekulare Struktur des Zuckers unter dem Elektronenmikroskop.

Es ist dieses in dem Video angesprochene hinein Denken in die hilfsbedürftige Person, was auch hier wieder überhaupt nicht funktioniert. Statt dessen genießt man das Gefühl Macht über eine andere Person ausüben zu können - etwas, das ich auf den Tod nicht ausstehen kann. Was für andere vielleicht Gottes Wort und damit heilig ist, empfinde ich als irgendwelchen Quatsch, den mir ein arrogantes A..ch aufzwingen will. Folge: jede Kommunikation ist unmöglich. Und wenn ich dann wirklich dringend Hilfe brauche, mache ich bei dem grausamen Spiel eben zähneknirschend mit, wobei die "Keule zum Erschlagen des Helfers" um meine "Dankbarkeit" zu bekunden schon bereit liegt.

Kurz zur SHG: Wo ich einmal hin ging, sind sehr nette Leute mit denen ich außerhalb dieser Einrichtung immer noch Kontakt habe. Die Leiterin der Gruppe ist aber nur an Fördergeldern interessiert, wozu sie sicherlich auch immer alles brav nach plappert, was vom Vorstand der Organisation kommt. Ich geriet ich mit ihr heftig aneinander, als ich für eine Verwendung von Fördermitteln unterschreiben sollte, die es nie gab, was ich natürlich nicht tat. Auch hier haben wir es wieder mit Menschen zu tun, wo eben jeder anders ist.

Liebe Grüße
Nicole

Re: Gutes richtig tun

Verfasst: Fr 27. Dez 2019, 13:55
von Jenina
Hallo,

ich muss es jetzt mal so machen weil ich einfach nicht bei jedem Beitrag von Nicole und der "kleinen Ketzerin" immer wieder auf den (yes) Button drücken kann.

Schöner kann man diese schizophrene Situation nicht beschreiben, die wir mit dem Umgang mit trans* Menschen hier haben. Vielen mag das alles gut und fortschrittlich erscheinen, für mich ist es nur eine Zementierung einer strikten binären christlichen Geschlechterwelt mit Mitteln von Medizin und Recht, die sich den Anschein einer liberalen Genderpolitik gibt. Und deshalb gefällt mir die rigorose Betrachtung der "kleinen Ketzerin" so gut. Das im System auch SHGs eingeschlossen sind musste wirklich auch einmal so gesagt werden.

Das das natürlich mal wieder nicht allen gefällt ist klar, wobei mich schon fast die geringe Anzahl von Kritiker*innen wundert. Ich habe mich getraut, umso größer meine Bewunderung...

Jenina

Re: Gutes richtig tun

Verfasst: Fr 27. Dez 2019, 15:24
von ExuserIn-2020-10-20
Das Festzementieren von zwei Geschlechtergruppen im eigentlichen Sinne ist eine rein religiöse Sache der Neuzeit. Die alten Naturvölker kannten das Problem der Vielgeschlechtlichkeit lange bevor Jesus übers Wasser lief. Die Uramerikaner kannten fünf Geschlechter Mann, Frau, Mann zu Frau, Frau zu Mann, Inter ( also was von Geburt an mit nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen dazwischen) Es bildeten sich, wie mir in einem Zentrum für Indigene Kultur in Bar Harbor gezeigt wurde, die Gruppen der Birdache aus. MzF wurde zu den Frauen geschickt, FzM zu dem Männern. Damit waren die bereits an dem Punkt angekommen, wo wir heute versuchen wieder hinzugelangen. will sagen Rückkehr zur Normalität.

Das klappt aber nicht mit der Brechstange. Darum muß man jetzt, ob es einem nun gefällt oder nicht, auch die kleinen Veränderungen in den einzelnen Struckturen anerkennen und fördern. SHGs waren ein gutes Mittel zum Zweck, leider haben einige von diesen Gruppen die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Darum muß man die Gruppen fördern, die neue Denkansätze im Programm haben. Schwieriger wird es bei den Religionen, aber auch dort bröckelt der Putz. Selbst bei der katholischen Kirche. Die fangen ernsthaft an darüber nachzudenken, ob es nicht an der Zeit wäre das Zölibat auf den Prüfstand zu stellen. Bzw Frauen auch in höhre Dienstgrade zu befördern.

Jetzt ist es aber auch an uns, nicht mit der Brechstange auf alles einzuschlagen, was als altes Feindbild so im ganzen schon nicht mehr existiert. Damit machen wir mehr kaputt, als das es gut tut.

Stellen wir doch die Gesellschaft vor vollendete Tatsachen.
Beginnen wir mit einfachen Dingen, mit dem Einkaufen. In einem großen Kaufhaus bei Charm und Anmut zu Beispiel ist es einfach, rein in die Umkleide und anprobieren, dann erhobenen Hauptes ab zur Kasse. Erster Einstieg in die Normalität. Schwellenangst überwinden, und anderen Kunden die Normalität vor Augen führen. Nicht immer alles feige im Internet bestellen, Hermes wird es schon bringen. Kann man dann auch schön an der Packstation abholen. Sonst bedienen wir nur weiterhin die Klischees die man von uns hat, und zementiert sie weiterhin in den Köpfen der Gesellschaft.

Petra Sofie

Re: Gutes richtig tun

Verfasst: Fr 27. Dez 2019, 16:59
von Nicole Fritz
Petra Sofie hat geschrieben: Fr 27. Dez 2019, 15:24 Stellen wir doch die Gesellschaft vor vollendete Tatsachen.
Beginnen wir mit einfachen Dingen, mit dem Einkaufen. In einem großen Kaufhaus bei Charm und Anmut zu Beispiel ist es einfach, rein in die Umkleide und anprobieren, dann erhobenen Hauptes ab zur Kasse. Erster Einstieg in die Normalität. Schwellenangst überwinden, und anderen Kunden die Normalität vor Augen führen.
Das ist bei mir schon länger ganz normaler Einkaufs-Alltag. Dieses hin- und her Schicken, wenn es wieder einmal nicht passt oder gefällt, mag ich nämlich überhaupt nicht. Und sonst bin ich auf dem Weg diese Form der Präsenz auf Aktivitäten wie Tanzveranstaltungen bei Volksfesten oder ähnliches zu erweitern (wo dann viele bei dem Dämmerlicht und stark alkoholisiert gar nichts von meinem Anliegen mit bekommen).

Ein Lautes Herum-Tönen gibt es bei mir nur bei verschiedenen Transgender-Plattformen im Internet.

LG Nicole