"Deshalb, Frauen: Überwindet den inneren Schweinehund, oder die innere Schweinehündin, die sagt: "So kannst du doch nicht aus dem Haus gehen!" Doch. Du kannst. Die Männer können es ja auch. Bezwingt die innere Lustuhr, die sagt: "Ich will toll aussehen, es macht mir Spaß." Ja, es macht dir Spaß. Aber dir könnten tausend andere Dinge auch Spaß machen, wenn sie dir von Kindheit an so intensiv und mit so vielen Belohnungen nahegebracht worden wären. Und dass es genau dies ist, was dir Spaß macht, ist nicht harmlos und privat, sondern gesellschaftlich und eine Falle. Wer morgens vorm Spiegel den Eyeliner zückt, malt mit an der schönen Seite einer gesellschaftlichen Ordnung, deren hässliche Seite das Grapschen und Einsammeln von Frauen als Jagdtrophäe ist. "
https://www.zeit.de/kultur/2017-11/sexi ... ettansicht
Sehr guter Text. Wer sich mit dem Schön-machen beschäftigt, der kann sich halt nicht gegen das System stellen.
Slutwalk hat sich ja zum Glück auch nach einmal 2012 erledigt gehabt. Zum Glück, weil das wichtige Thema halt durch eine falschverstandene Art (Slut, sich als Sexobjekt zu stilisieren, ist keine Freiheit) des Protests in den Hintergrund geraten ist. Die nackten Femme Aktivisten sind da deutlich sinnvoller, da nackt den Blick auf die Botschaft und auf das was die Demonstranten sind richtet, Menschen. Keine Kleidung lenkt von der Botschaft ab. Keine Fantasie wird bedient. Kein persönlicher Anstrich lenkt ab.
"Und zweitens: Wenn es einen evolutionären Drang zum Sichschmücken und Schönmachen gibt, dann müsste er, fortpflanzungstechnisch gesehen, beim Mann stärker ausgeprägt sein als bei der Frau. Deshalb haben männliche Enten schillernde Kopffedern und männliche Pfauen überdimensionierte Schwanzfedern: Das Männchen — nicht das Weibchen — muss um seine Fortpflanzungschancen kämpfen und sich deshalb fürs andere Geschlecht attraktiv machen. "
Das wird ja auch gemacht, nur eben ist es das aktive Anmachen. Das müsste man dann schon anders Gesellschaftlich regeln. Zum Beispiel in dem die Frau den aktiveren Part einnimmt und anspricht. Viele Männer fänden das toll.
"Modemacher: Entwerft Businesskleidung für Frauen, die parkettfest ist, ohne körperbetont zu sein. Der Mann geht durchs Berufsleben in einem sachlich-unpersönlichen Aufzug, der von der Person und ihrem Körper eher ablenkt, als Aufmerksamkeit auf ihn zu lenken. Gebt uns Frauenkleidung, die genauso ist, die ohne Dekolletés, lange Beine und figurbetonte Schnitte auskommt. Oder: Entwerft einen Businesslook für Männer, der auch für sie hautenge Hosen vorsieht, tiefgezogene Ausschnitte, unbedeckte Oberarme und Jacketts, die oberhalb des Pos enden. Wie wäre die Welt, wenn das Businesshemd des Mannes einen Ausschnitt hätte, der Brusthaare sehen lässt, sodass deren Farbe und Dichte sich begutachten ließen? Frauen hätten die Freude des Anblicks und der leichten erotischen Fantasie, und Männer hätten einen Anlass zu vergleichenden Blicken und Sorgen ums eigene Aussehen."
Das Experiment hat wohl jeder Crossdresser schon gemacht und verstanden. Nicht das Geschlecht was in der Kleidung steckt ist sexy, sondern die Kleidung betont die Stellen die wir als sexy empfinden. Manche trans. Frauen wollen das nicht hören und glauben daran, dass der Mann aus irgend einem Grunde die Geschlechtsidentität erahnen könnte. Kann er nicht, es ist die Kleidung und durch die HRT subtile Veränderungen wie der Körpergeruch, die einem Mann sexuell erregen.
Daher sind ja auch Crossdresser oder Drags die besonders authentisch weiblich aussehen, sehr beliebt bei hetero Männern, weil sie sich besonders "nuttig" anziehen und natürlich ist der hetero Mann deshalb nicht gleich schwul.
"Dagegen ist Frauenkleidung in Jahrhunderten mit so viel Formenvielfalt und Raffinesse aufgeladen worden, dass sie ihren Trägerinnen einen enormen Aufwand an Kombinatorik und Arrangement abverlangt. "
Das kenne ich noch gut. Oft habe ich Stunden vor dem Kleiderschrank gestanden und Sachen ausprobiert, nur um den Passing-Druck nachzugeben.
"Politiker, Frauenminister: Droht mit der Regulierung der Modeindustrie! Erwägt Vorschriften, wonach Modefirmen gleich viele Artikel im Frauen- und im Männersortiment haben müssen und gleich viel Geld für deren Produktwerbung ausgeben müssen, oder bestenfalls um einen gewissen, anpassbaren Faktor von 1,5 oder 1,25 differierend. Nein, das ist nicht schön und freiheitlich. Aber dafür spart man hinterher Regulierungsaufwand in Sachen Antidiskriminierung und Anti-Grapsch-Gesetzen. Bei der Reduktion von Treibhausgasen fängt man ja auch nicht beim Auspuff, sondern beim Motor an."
Gute Vorschläge.
"Schulen: Verschärft eure Kleidungsvorschriften und zwingt Mädchen, ebenso viel von ihrem Körper zu bedecken wie Jungs. Oder führt Schuluniformen ein, nehmt das Thema Kleidung durch Vereinheitlichung aus dem Fokus und schützt die Jugendlichen vor falscher Aufmerksamkeitsführung."
Bin kein Freund von Uniformen. Besonders nicht wenn diese auch noch in Geschlechtskategorien gedacht werden. Ich denke nicht das es hier Anpassungen bedarf. Das Reguliert sich von selbst, wenn die Medien mitziehen.
"Filmemacher: Produziert Filme mit Frauenfiguren, die nicht gut aussehen und trotzdem Sympathieträger sind. Es gibt ja mittlerweile durchaus starke Frauenfiguren in Filmen, aber sie sehen durchgehend blendend aus."
Das ist ja zurzeit im kommen. Gerade dickere Schauspielerinnen haben momentan viele Filmauftritte, was ich begrüße.
"Und noch eine Warnung an die weiblich-selbstbewussten Frauen, die jetzt sagen: "Ich kann beides, Leistung bringen und gut aussehen, und wer denkt, dass sich das ausschließt, ist Opfer seiner Vorurteile." Im besten Fall läuft das auf eine Doppelbelastung von Frauen hinaus, wie wir sie am Punkt "Kinder und Karriere" schon kennen und fürchten gelernt haben: Es lässt sich eben nicht einfach problemlos beides nebeneinander machen, sondern wer beides macht, bezahlt mit einem insgesamt gesteigerten Stresslevel. Dieselbe Doppelbelastungsgefahr droht auch in puncto "Karriere und Gutaussehen". Mädchen und Frauen dürfen zwar jetzt auch in Sachen Leistung voll ran, ohne aber in Sachen Aussehen dafür entlastet zu werden."
Absolut meiner Meinung. Vermutlich sehe ich auch deshalb vermehrt Frauen mit Zigaretten rumlaufen und immer weniger Männer.