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Re: Alltagstest

Verfasst: Fr 17. Mai 2019, 07:59
von ExuserIn-2020-07-10
Diva hat geschrieben: Do 16. Mai 2019, 19:26
Momo58 hat geschrieben: Mi 15. Mai 2019, 19:32 Ich habe meinen Alltagstest vor 3 Tagen begonnen. Die Therapeutin ist super, beachtet jedes Detail. Sie wird den Alltagstest ein Jahr mit mir durchführen, dann bekomme ich ein Gutachten für die Hormonbehandlung.
Das Thema wurde vor etlicher Zeit in epischer Breite an anderer Stelle auseinandergenommen. Der Alltagstest ist m.E. noch immer Bestandteil der uralten MDK-Richtlinien (korrigiert mich, wenn das inzwischen außer Kraft ist), nur richten sich die sog. 'transfreundlichen' Ärzte nicht danach, d.h. die psychologische Indikation wird ganz normal nach Abschluss der Probatorik getroffen. Und das sind 5 Termine, die kein Jahr dauern.
Die nicht 'transfreundlichen' Ärzte nutzen den Alltagstest oftmals als Sperrfeuer gegen Trans*, mit denen die PatientInnen meist erfolgreich vertrieben werden, weil sie das - wie hier geäußert - meist als Zumutung empfinden.

Ich war vor gar nicht so langer Zeit auch scharfe Gegnerin des Alltagstests. Inzwischen sehe ich das differenzierter, denn ich hielt es damals nicht mehr aus und begann bereits vor der HET mein Leben als 'Vollzeitfrau'. Insofern hab ich doch eine Art Alltagstest gemacht - einen zwangsläufig selbstverordneten. Ein Doppelleben erschien mir unerträglich. Ich musste ins kalte Wasser springen - und schwimmen. Allerdings gab es vorher ein paar Monate lang eine 'androgyne' Phase, sodass die äußerliche Frauengestalt - zuerst freilich mehr schlecht als recht - als eine Art logische Konsequenz gelten konnte. Aber meine Umgebung sah das alles andere als 'logisch' ...

Was ich aus heutiger Sicht dagegen halten muss: Kein noch so gründlicher 'Test' hätte mein aktuelles Scheitern an mir selbst und den Verhältnissen verhindern können. Der gepredigte 'Schutzeffekt' wäre ins Leere gegangen.
Denn wie innere und äußere Welt aussehen, wenn die Schmetterlinge nicht mehr fliegen, keine Blumen mehr blühen und nur noch Kälte herrscht, kann auch kein 'Alltagstest' vorwegnehmen ...
Toni Smith hat geschrieben: Do 16. Mai 2019, 18:24 Durch die Hormontherpie veränderte ich mich und ich wurde auch in Männerkleidung als Frau gelesen. Das wollte ich zwar aber sobald ich, weiblichere Kleidung in der Öffentlichkeit trug, bekam ich Panikattacken. Zu dem war die Hormontherapie nicht die besagte Wunderkur.
Ich mag nicht widersprechen, da ich dich nicht kenne, aber ein paar Zweifel tun sich schon auf, wenn ich das lese:
Auf der einen Seite das angeblich derart 'perfekte' Passing, sogar in Männersachen eindeutig als geborene Frau gelesen zu werden, auf der anderen die Bemerkung, die HET sei keine Wunderkur. Wenn du das geschafft hättest, dann wäre es DIE Wunderkur ...
Ergänzend ein paar Zitate von dir, die m.E. zeigen, dass sich deine Erinnerungen an die Zeit der Transition offenbar leicht verschoben haben:
Toni Smith hat geschrieben: Di 2. Apr 2019, 15:27 Ebenfalls habe ich zum Schluss festgestellt, dass es halt keine soziale Anerkennung geben wird. Man wird immer der Mann bleiben der "nur in die Rolle der Frau wechselt". Zumindest für die die einen kennen. So hatte ich den Eindruck.
So isses - keine Frau in Männersachen.
Toni Smith hat geschrieben: Do 4. Apr 2019, 09:46 Hätte ich die HRT weiter gemacht, hätte ich jetzt vermutlich bis auf die Stimme ein super passing. Rein Emotional hat es mich aber komplett fertig gemacht.
Eben - hätte - könnte - wäre - aber ist nicht. Was erreichbar gewesen wäre, wirst du wegen der Detransitionierung nie erfahren. Nichts für ungut - Erinnerungen trügen und werden oft schon nach kurzer Zeit komplett verfälscht im Hirn abgebildet - manchmal als eine Art Schutzmechanismus, um Probleme zu deckeln, an die sich noch gar nicht herangewagt wurde ...

-Diva
Die HRT hat nicht das passing verbesserr. Ich vermute eher das es die Kleidung zusammen mit der Frisuer und der Brille sowie der Epilation war. Denn immer wenn ich Mütze oder Schal getragen hab wurde das passing schlagartig besser. Mein Gesicht ist eh etwas androgyn mit der neuen Brille wurde dies auf die weibliche Seite gekippt. Mich schauen immer noch Leute fragend an. Beginne ich zu sprechen sind sie erleichtert und können mich einordnen. Und die Stimme wäre auch mein Passingkiller geblieben.

Transition kann zu einer Sucht werden. Man wird süchtig nach Aufmerksamkeit.

Das mit dem Erinnerung drügen kann ich unterstreichen, darum halte ich auch nichts von der trans Anamnese. Da meist viel hinzugedichtet wird.

Re: Alltagstest

Verfasst: Fr 17. Mai 2019, 08:26
von ExuserIn-2020-07-10
Aria hat geschrieben: Do 16. Mai 2019, 19:43
Toni Smith hat geschrieben: Do 16. Mai 2019, 18:24 Mit einem verbindlichen Alltagstest vor der Indikation hätte ich mir vielleicht klarer mit mir selbst werden können.
Kann sein, kann aber auch ebenso gut nicht sein. Wer weiss das denn schon? Du hast bestimmte Erfahrung durch die Wirkungen der HRT gemacht, und du hättest bestimmte Erfahrungen im Alltagstest vor der HRT gemacht. Diese gegenüberzustellen, kommt einem Äpfel-Birnen-Vergleich sehr nahe. Mir ist nicht klar, was du durch den Alltagstest hättest lernen können. Du sprichst von Fitness, Ernährungsumstellung und Typveränderung. In Kombination mit dem Alltagstest hättest du dadurch die gleichen Erfahrungen gemacht, wie ohne das alles aber mit HRT??? Das kann ich wirklich nur ganz schwer glauben. Aber vielleicht verstehe ich auch nur nicht, was du sagen möchtest....

Ich empfinde den Alltadstest, ebenso wie Anja, als altbacken und eine Zumutung für jede Transperson. Nicht nur, weil er vorschreibt, wie weiblich/männlich sein soll, sondern, weil er ohnehin psychisch fragile Personen in Situationen bringt, die sich manch anderer nur zu Fasching, mit entsprechen hochprozentiger Unterstützung traut. Es gibt gewiss andere Methoden, bzw. Umstände, um herauszufinden, wieviel trans in einem steckt. Wenn ich mal so zurückdenke, dann war es, einerseits der Erfahrung meiner Therapeutin, andererseits schlichtweg dem Zeitfaktor zu verdanken, dass ich diesen Weg gehen konnte. Sie sagte mir später, dass sie das schon ziemlich schnell an mir gesehen hat, lediglich ich brauchte die Zeit, um mir wirklich sicher zu sein. Sie fand es stellenweise amüsant, wie sehr ich alles hinterfragte, mich wieder und immer wieder abklopfte, bis ich plötzlich anfing von alleine zu handeln, weil ich mein derzeitiges Leben einfach nicht mehr aushielt.

In meinen Augen presst der Alltagstest Leute in etwas hinein, zudem sie vielleicht noch gar nicht bereit sind und schreckt somit sogar wahrhaftige Transmenschen davor ab, weiter sich selbst zu erforschen. Oder er verleitet gar dazu einen Weg zu beschreiten, der für einige gar nicht vorgesehen ist. Schliesslich gibt es ja auch einige, denen es sogar Spass macht aber im innersten gar nicht wirklich transidente Gefühle haben.

Durch die HRT hab ich mir aber vielles vorweg genommen, statt sich zu entwickeln kann ich jetzt alles auf die HRT schieben, da ich nicht weiß wie es ohne gelaufen wäre.

Das schlimme finde ich für mich ist das ich gar nicht die Alternativen entdeckt habe. Ich hätte mir eine echte Begleitung meiner Therapeutin gewünscht, stattdessen habe ich einfach nur erzählt was ich gemacht habe. Damit hat sie sich sehr leicht viel Geld verdient aber mir hat es nichts gebracht. Bin froh das ich die Therapie nun beendet habe, wenns nach ihr ginge hätte es wohl so sinnfrei Jahre weiter gehen können. Aber ich halte jetzt gar nichts mehr von solchen Schalartanen.

Ich vermute das ich durch einen Alltagstest bereits einiges etabliert hätte was ich beibehalten könnte. Stattdessen kämpfe ich jetzt mit defusen Gedanken die HRT hat mich kaputt gemacht. Seit der endphase der HRT fühle ich mich schwindlig, leistungsärmer, und vermute einen großteil meines Intelekt eingebüst zu haben. Zu dem sind meine Gelenke kaputt.
Die HRT hat mir körperlich sehr zugesetzt.

Das ich daher auf HRT schlecht zu sprechen bin ist w8hl bekannt. Und auf die ganze Industrie die dahinter steckt auch. Sie macht uns zu Konsumschafen. Was für prinzipien ich der Transition geopfert habe, es ist schlimm. Diese Kaufen von Tonnen an Kleidung bei Onlineshops. Besser fühl ich mich dadurch nicht.

Re: Alltagstest

Verfasst: Fr 17. Mai 2019, 08:46
von ExuserIn-2020-07-10
Mir geht halt diese regelrechte Transwerbung auf den Keks. Wo dann ein Bild vermittelt wird als wäre alles toll und das auch über Jahre hinweg.

War ist, der Transweg ist ein schwerer meist beschissener Weg. Die wenigsten sehen so aus wie auf Instagramm oder auf Youtubetimelines. Und wenn sie gut aussehen dann nur weil sie massig an Geld für nicht enden wollende OPs hingeblättert haben. Oder sie retuschieren was das Zeug hält. Trans-Life = Plastic-Life.

Der Transweg kann einen kaputt machen. Er kann dein sozial Leben zerstören, deine Finanzpolster und deine Gesundheit. Eine Happyness Garantie gibt es nicht.

Viele Trans Personen müssen ihr leben lang mit körperlichen Merkmalen leben die sie immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt (Stimme, Schultern etc.). Selbst nach rechtlicher Angleichung und kompletter Verleugnung der Vergangenheit durch Umzug und anderen Maßnahmen (eine Freundin wollte ihre Biografie im transgeschlecht unschreiben) kann der alte Name irgendwo wieder auftauchen und das holt ein dann wieder zurück in die Realität.

Wenn man darüber stehen kann und seinen Weg dennoch geht, Hut ab, das sibd Leute die sind angekommen und die gehen den Weg auf einer realistischen Basis. Wer aber meint auf dem Regenbogenpfad ins rosarote glitzer Land zu sein, der wird ne fette Überraschung erleben.

Re: Alltagstest

Verfasst: Fr 17. Mai 2019, 09:19
von ExuserIn-2019-12-22
Toni Smith hat geschrieben: Fr 17. Mai 2019, 08:46 Mir geht halt diese regelrechte Transwerbung auf den Keks
Also mich hat niemand beworben Trans* zu werden.
Was verstehst du unter Werbung?
Das betroffene offener damit umgehen, das es gesellschaftlich mehr und mehr akzeptiert wird?

Re: Alltagstest

Verfasst: Fr 17. Mai 2019, 09:36
von Anja
Moinsen (moin)

was Wunder, andere Menschen haben andere Bedürfnisse.
Vielleicht muss ich noch mal etwas mehr ins Detail gehen. Ich brauchte keinen Therapeuten um mir sicher zu sein / werden. Ich suchte den Therapeuten auf, weil ich wusste, das ich eine Frau bin. Diese Erkenntnis hatte ich vorher. Die Psychologin brauchte ich, um die Indikation für die HET zu bekommen, um es mal ganz nüchtern auszudrücken. Ich für mich hätte nicht eine Therapiestunde gebraucht. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits in der Familie und zu einem großen Kreis unter den Kollegen geoutet.
Meine Frau wusste von Beginn unser Beziehung an Bescheid und hatte auch mit mir als Vollzeit Frau keine Probleme. Auch meinen Job würde ich durch den Geschlechtswechsel nicht verlieren. Ich hatte überhaupt keine "Baustellen" die es aufzuarbeiten galt. Aber die Psychologin musste mich natürlich erstmal kennenlernen. Das war für mich auch nachvollziehbar. Aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon weit über 200 Frauentage auf dem Buckel. Sogar nachweisbar, denn ich habe so eine Art kleines Tagebuch geführt.
Ich war auch bereits in Hormontherapie, allerdings über meinen Hausarzt und auf Privatrezept. Mit der Indikation wollte ich nur die rechtliche Grauzone verlassen und zur "offiziellen" HET wechseln.

Ich würde von einem Psychologen, niemals erwarten, das er mir aufzeigt, wer ich bin. Oder welcher Weg richtig für mich ist. Das war mir selbst schon längst klar.
Da ich meine Psychologin auch darüber in Kenntnis setzte, das ich bereits unter Hormonen stand und schon mehr als 250 Tage als Frau verbracht habe (darunter z.B. auch Urlaube von 2 Wochen) war die Indikation nur reine Formsache.
Natürlich hat sie mich danach "behalten" wollen und mich Dinge aus meiner Kindheit gefragt usw. Da ich keine weitere Indikation benötige (die GaOP ist mir aktuell nicht wichtig) und ich wie gesagt, keine Baustellen hatte, hab ich die Therapie eigenmächtig beendet.

Jeder von uns trifft seine eigenen Entscheidungen. Geht seinen eigenen Weg. Für dich (Toni) hätte der Alltagstest vielleicht etwas mehr Erkenntnis gebracht, für die meisten wäre und ist er Bevormundung, Fremdbestimmung und ein Spießrutenlauf...

Wenn du (Toni) dir unsicher bezüglich deiner Gechlechtsidentität gewesen bist, wäre es dein Job gewesen, dir Wege zu suchen, Sicherheit zu erlangen, nicht der deines Therapeuten. Der kann dich auf deinem Weg begleiten. Aber die Richtung bestimmst allein du. Oder hat dir jemand die HET aufgezwungen?
Ich persönlich hätte niemals Hormone genommen, wenn ich mir nicht vollkommen sicher gewesen wäre, das ich genau das brauchte.
Es tut mir leid, das es bei dir so mies gelaufen ist mit der HET bzw. der Transistion.
Damit bist du aber die Ausnahme, für die meisten, mich eingeschlossen, ist sie ein Segen.

Und nur als Randbemerkung: Was hätten mir da Sport und / oder Ernährungsumstellung in diesem Zusammenhang bringen sollen :?:
Da komme ich nun echt nicht mehr hinterher...

Grüße
die Anja

Re: Alltagstest

Verfasst: Fr 17. Mai 2019, 09:38
von Anja
Moinsen (moin)
Keks-Marie hat geschrieben: Fr 17. Mai 2019, 09:19
Toni Smith hat geschrieben: Fr 17. Mai 2019, 08:46 Mir geht halt diese regelrechte Transwerbung auf den Keks
Also mich hat niemand beworben Trans* zu werden.
Was verstehst du unter Werbung?
Das betroffene offener damit umgehen, das es gesellschaftlich mehr und mehr akzeptiert wird?
Ich glaube Toni meint das so, das die meisten positiv von der Transistion erzählen und nur wenige negativ.
Es kommt halt auf die Erfahrungen des Einzelnen an...

Grüße
die Anja

Re: Alltagstest

Verfasst: Fr 17. Mai 2019, 09:49
von Lavendellöwin
Anja hat geschrieben: Fr 17. Mai 2019, 09:38 Moinsen (moin)
Keks-Marie hat geschrieben: Fr 17. Mai 2019, 09:19
Toni Smith hat geschrieben: Fr 17. Mai 2019, 08:46 Mir geht halt diese regelrechte Transwerbung auf den Keks
Also mich hat niemand beworben Trans* zu werden.
Was verstehst du unter Werbung?
Das betroffene offener damit umgehen, das es gesellschaftlich mehr und mehr akzeptiert wird?
Ich glaube Toni meint das so, das die meisten positiv von der Transistion erzählen und nur wenige negativ.
Es kommt halt auf die Erfahrungen des Einzelnen an...

Grüße
die Anja
Ja schon,

Toni macht also Antiwerbung und geht damit anders eingestellten Menschen auf den Keks, äh Zeiger,..
ich finde damit sind wir ziemlich quit....hihi

Zum Thema Sport und Ernährungsumstellung-das sind schon Dinge über die nachgedacht werden kann
und helfen die Gesundheit zu stärken oder zu verbessern. Das man allerdings erst im Zusammenhang
mit einer HRT darauf kommt, das das gut ist und nicht von sich aus ist schon ein schwaches Bild.

Alles Liebe Marie (flo)

Re: Alltagstest

Verfasst: Fr 17. Mai 2019, 10:13
von Jaddy
Dass Toni zu einer Minderheit gehört, die vor, während und nach der (ersten) Transition mehr und speziellere Probleme hatten, wissen wir ja inzwischen.

Es gibt trotzdem keinen Grund, deswegen allen einen Leidensweg aufzuzwingen. Deshalb steht in der neuen S3-Leitlinie, dass die vorherige und längere Alltagserpropbung nicht unbedingt notwendig ist. "Starker Konsens" bedeutet, dass da auch die Praktiker*innen zugestimmt haben müssen.

HET kann problemlos langsam und begleitend angetestet werden. Die psychologische und die endokrinologische Betreuung können das in Absprache untereinander und mit der Klient*in beobachten, beraten, optimieren. Dafür sind sie schliesslich da. Wenn's nicht oder noch nicht passt, ist das eben so, dann wird darauf reagiert. Wäre bei Toni auch besser gewesen.

Die - offenbar - größere Gruppe der "Fuck yeah - endlich!" Klient*innen zu vertrösten, die mit Beginn der HET eine Erleichterung verspürt, nur weil es bei sich selbst nicht optimal gelaufen ist, finde ich hingegen ziemlich unangemessen. Wahrscheinlich gut gemeint, aber in den meisten Fällen leidverlängernd.

Re: Alltagstest

Verfasst: Fr 17. Mai 2019, 11:00
von Jasmin_35
Anja hat geschrieben: Fr 17. Mai 2019, 09:36 Moinsen (moin)

was Wunder, andere Menschen haben andere Bedürfnisse.
Vielleicht muss ich noch mal etwas mehr ins Detail gehen. Ich brauchte keinen Therapeuten um mir sicher zu sein / werden. Ich suchte den Therapeuten auf, weil ich wusste, das ich eine Frau bin. Diese Erkenntnis hatte ich vorher. Die Psychologin brauchte ich, um die Indikation für die HET zu bekommen, um es mal ganz nüchtern auszudrücken. Ich für mich hätte nicht eine Therapiestunde gebraucht. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits in der Familie und zu einem großen Kreis unter den Kollegen geoutet.
Meine Frau wusste von Beginn unser Beziehung an Bescheid und hatte auch mit mir als Vollzeit Frau keine Probleme. Auch meinen Job würde ich durch den Geschlechtswechsel nicht verlieren. Ich hatte überhaupt keine "Baustellen" die es aufzuarbeiten galt. Aber die Psychologin musste mich natürlich erstmal kennenlernen. Das war für mich auch nachvollziehbar. Aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon weit über 200 Frauentage auf dem Buckel. Sogar nachweisbar, denn ich habe so eine Art kleines Tagebuch geführt.
Ich war auch bereits in Hormontherapie, allerdings über meinen Hausarzt und auf Privatrezept. Mit der Indikation wollte ich nur die rechtliche Grauzone verlassen und zur "offiziellen" HET wechseln.

Ich würde von einem Psychologen, niemals erwarten, das er mir aufzeigt, wer ich bin. Oder welcher Weg richtig für mich ist. Das war mir selbst schon längst klar.
Da ich meine Psychologin auch darüber in Kenntnis setzte, das ich bereits unter Hormonen stand und schon mehr als 250 Tage als Frau verbracht habe (darunter z.B. auch Urlaube von 2 Wochen) war die Indikation nur reine Formsache.
Natürlich hat sie mich danach "behalten" wollen und mich Dinge aus meiner Kindheit gefragt usw. Da ich keine weitere Indikation benötige (die GaOP ist mir aktuell nicht wichtig) und ich wie gesagt, keine Baustellen hatte, hab ich die Therapie eigenmächtig beendet.

Jeder von uns trifft seine eigenen Entscheidungen. Geht seinen eigenen Weg. Für dich (Toni) hätte der Alltagstest vielleicht etwas mehr Erkenntnis gebracht, für die meisten wäre und ist er Bevormundung, Fremdbestimmung und ein Spießrutenlauf...

Wenn du (Toni) dir unsicher bezüglich deiner Gechlechtsidentität gewesen bist, wäre es dein Job gewesen, dir Wege zu suchen, Sicherheit zu erlangen, nicht der deines Therapeuten. Der kann dich auf deinem Weg begleiten. Aber die Richtung bestimmst allein du. Oder hat dir jemand die HET aufgezwungen?
Ich persönlich hätte niemals Hormone genommen, wenn ich mir nicht vollkommen sicher gewesen wäre, das ich genau das brauchte.
Es tut mir leid, das es bei dir so mies gelaufen ist mit der HET bzw. der Transistion.
Damit bist du aber die Ausnahme, für die meisten, mich eingeschlossen, ist sie ein Segen.

Und nur als Randbemerkung: Was hätten mir da Sport und / oder Ernährungsumstellung in diesem Zusammenhang bringen sollen :?:
Da komme ich nun echt nicht mehr hinterher...

Grüße
die Anja
Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll und wo ich aufhören soll zuzustimmen. Exakt so ist es bei mir auch gelaufen, abgesehen davon, das ich nicht vor der Therapie bereits Hormone genommen habe. Ich hatte bisher, auch beim Endokrinologen immer das Gefühl, das man mir so gut wie möglich helfen will, ohne mir Steine in den Weg legen zu wollen. Wenn ich was gebraucht hab, sei es die Indikation oder die Hormone habe ich es bekommen. Habe mich aber von a bis z vorher mit mir auseinandergesetzt. Als ich mir 90% sicher war (mehr geht nicht, denn 100%ige Sicherheit gibt es nicht), hab ich den letzten Schritt genommen und die Hormontherapie angefangen und genau das waren die letzten % Sicherheit, die ich dann recht schnell bekommen hab.

Es ist unerlässlich das man selber den Weg geht und wenn man Hilfe braucht, sich diese sucht. Wie bei dir auch (Anja), brauchte ich die paar Stunden nur, damit der Therapeut mich kennenlernt, um mir dann sobald ich die Indikation benötige, eine auszustellen, das war auch von anfangan so ausgemacht, ohne eine Zeitfrist zu vereinbaren. Allerdings, auch wenn ich die Therapie sofort beenden würde geh ich aktuell noch den Rest der Zeit hin, bis ich die Indikation zur GaOP bekomme, ob ich die brauche oder nicht, ist noch nicht entschieden, hier ist mir aber haben ist besser als brauchen, lieber, denn sonst müsste ich mich später erneut da "durchquählen" und vorallem einen Therapeuten erstmal finden, so ist das gleich erledigt.

Aber ja, natürlich gibt es auch Personen, für die es nicht das richtige ist.

Oh btw: ich wurde auch nicht beworben Trans* zu werden, ich war es schon immer, mir mussten nur die Augen geöffnet werden und selbst dann hat es noch lange gedauert, inkl. mehr oder weniger den "5 Stufen der Trauer", wobei ich Stufe 2 (Zorn) und Stufe 4 (Depression) ausgelassen habe und Stufe 3 als Übergang zwischen Leugnen und Akzeptanz gebraucht habe. Verhandelt habe ich aber eher in dem Sinne mich komplett zu hinterfragen, wieviel da dran ist und wie groß mein Leidensdruck in Wahrheit ist. Geholfen, um mir klar zu werden, hat auch ein USA Urlaub von 3 Wochen, an dem ich mich testen wollte, wie lange ich es aushalte im Mann-Modus rumzulaufen, bis der Leidensdruck wieder steigt. Es hat 1,5 Wochen etwa gedauert :D Manchmal ist es aber gut einen Schritt zurückzutreten und von außen alles nochmal nüchtern zu betrachten. Jeder muss für sich selber entscheiden, was am besten ist.

Re: Alltagstest

Verfasst: Fr 17. Mai 2019, 11:01
von ExuserIn-2020-07-10
Keks-Marie hat geschrieben: Fr 17. Mai 2019, 09:19
Toni Smith hat geschrieben: Fr 17. Mai 2019, 08:46 Mir geht halt diese regelrechte Transwerbung auf den Keks
Also mich hat niemand beworben Trans* zu werden.
Was verstehst du unter Werbung?
Das betroffene offener damit umgehen, das es gesellschaftlich mehr und mehr akzeptiert wird?
Transwerbung findet ja auch nicht aktiv sondern passiv statt. Stichwort Influenca. Influence bedeutet beeinflussen und genau das passiert, wenn trans. Leute über sich berichten. Man ist fasziniert vom Thema und schaut sich die Videos und Beiträge an und irgendwann sickert es dann langsam in einen ein.
Hab zwar schon 2003 in einer Doku was über Transgender erfahren, habe da aber noch gedacht, betrifft mich nicht. Dann 2016 haben sich immer mehr auf Youtube gezeigt. Als dann eine Person die ich Jahre vorher verfolgt habe, plötzlich nach einem Jahr Youtubeabstinenz wieder gemeldet hat und verkündete, dass sie nun ein Transition macht. Ab da an habe ich mir auch so gedacht, ok wenn die das machen, kann ich das ja auch mal versuchen.

Dann in die Trans-Community reingegangen und schon war man mitten drin. Dann hieß es, tut das, tue jenes. Warte nicht zu lang. Mach doch schonmal das, und wie kannst du nur so lange auf Hormone warten, dass könnte ich gar nicht. Erzähl ihnen bloß nicht das, aber erzähl den Therapeuten das ... etc. .
Mach doch schonmal einen OP-Termin, du kannst es dir ja immer noch anders überlegen. Kommt dann der Termin und man überlegt es sich anders, macht man in den Augen mancher einen Rückzieher und man würde es bereuen.

Die eigentlichen Gatekeeper sitzen in der Trans-Community selbst.

Re: Alltagstest

Verfasst: Fr 17. Mai 2019, 11:13
von ExuserIn-2020-07-10
Anja hat geschrieben: Fr 17. Mai 2019, 09:36 Moinsen (moin)

was Wunder, andere Menschen haben andere Bedürfnisse.
Vielleicht muss ich noch mal etwas mehr ins Detail gehen. Ich brauchte keinen Therapeuten um mir sicher zu sein / werden. Ich suchte den Therapeuten auf, weil ich wusste, das ich eine Frau bin. Diese Erkenntnis hatte ich vorher. Die Psychologin brauchte ich, um die Indikation für die HET zu bekommen, um es mal ganz nüchtern auszudrücken. Ich für mich hätte nicht eine Therapiestunde gebraucht. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits in der Familie und zu einem großen Kreis unter den Kollegen geoutet.
Meine Frau wusste von Beginn unser Beziehung an Bescheid und hatte auch mit mir als Vollzeit Frau keine Probleme. Auch meinen Job würde ich durch den Geschlechtswechsel nicht verlieren. Ich hatte überhaupt keine "Baustellen" die es aufzuarbeiten galt. Aber die Psychologin musste mich natürlich erstmal kennenlernen. Das war für mich auch nachvollziehbar. Aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon weit über 200 Frauentage auf dem Buckel. Sogar nachweisbar, denn ich habe so eine Art kleines Tagebuch geführt.
Ich war auch bereits in Hormontherapie, allerdings über meinen Hausarzt und auf Privatrezept. Mit der Indikation wollte ich nur die rechtliche Grauzone verlassen und zur "offiziellen" HET wechseln.

Ich würde von einem Psychologen, niemals erwarten, das er mir aufzeigt, wer ich bin. Oder welcher Weg richtig für mich ist. Das war mir selbst schon längst klar.
Da ich meine Psychologin auch darüber in Kenntnis setzte, das ich bereits unter Hormonen stand und schon mehr als 250 Tage als Frau verbracht habe (darunter z.B. auch Urlaube von 2 Wochen) war die Indikation nur reine Formsache.
Natürlich hat sie mich danach "behalten" wollen und mich Dinge aus meiner Kindheit gefragt usw. Da ich keine weitere Indikation benötige (die GaOP ist mir aktuell nicht wichtig) und ich wie gesagt, keine Baustellen hatte, hab ich die Therapie eigenmächtig beendet.

Jeder von uns trifft seine eigenen Entscheidungen. Geht seinen eigenen Weg. Für dich (Toni) hätte der Alltagstest vielleicht etwas mehr Erkenntnis gebracht, für die meisten wäre und ist er Bevormundung, Fremdbestimmung und ein Spießrutenlauf...

Wenn du (Toni) dir unsicher bezüglich deiner Gechlechtsidentität gewesen bist, wäre es dein Job gewesen, dir Wege zu suchen, Sicherheit zu erlangen, nicht der deines Therapeuten. Der kann dich auf deinem Weg begleiten. Aber die Richtung bestimmst allein du. Oder hat dir jemand die HET aufgezwungen?
Ich persönlich hätte niemals Hormone genommen, wenn ich mir nicht vollkommen sicher gewesen wäre, das ich genau das brauchte.
Es tut mir leid, das es bei dir so mies gelaufen ist mit der HET bzw. der Transistion.
Damit bist du aber die Ausnahme, für die meisten, mich eingeschlossen, ist sie ein Segen.

Und nur als Randbemerkung: Was hätten mir da Sport und / oder Ernährungsumstellung in diesem Zusammenhang bringen sollen :?:
Da komme ich nun echt nicht mehr hinterher...

Grüße
die Anja
Das ist ja ne ganz andere Ausgangslage bei dir. Du gehörst zu der Gruppe die schon vorher quasi die soziale Transition vollzogen hat. Die HRT und VÄ/PÄ sind dann nur noch Formsache.

Ich spreche von der Gruppe die vorher keine soziale Transition gemacht hat und die schlau wie sie sind, in der Trans-Community die richtigen Tricks und Kniffe geholt haben um möglichst schnell an HRT etc. zu kommen. Diese Leute nenne ich Transtrittbrettfahrer oder eher bekannt als Transtrender.

Therapeuten können häufig Gruppe 1 nicht von Gruppe 2 unterscheiden, obwohl Anzeichen genügend da wären aber die Erfahrung um das zu erkennen eben nicht. Wenn man nach erfolgter vernünftiger Beratung und Transitionprozess immer noch den Wunsch verspürt obwohl man zur Gruppe 2 gehört, dann ist das ja auch ok, aber häufig sind es gerade diese die zuschnell alles machen und dann unglücklich sind.

Re: Alltagstest

Verfasst: Fr 17. Mai 2019, 11:17
von ExuserIn-2019-12-22
Toni Smith hat geschrieben: Fr 17. Mai 2019, 11:01 Ab da an habe ich mir auch so gedacht, ok wenn die das machen, kann ich das ja auch mal versuchen.
Da liegt halt das Problem.

Re: Alltagstest

Verfasst: Fr 17. Mai 2019, 11:24
von JanaH
Toni Smith hat geschrieben: Fr 17. Mai 2019, 11:13 Das ist ja ne ganz andere Ausgangslage bei dir. Du gehörst zu der Gruppe die schon vorher quasi die soziale Transition vollzogen hat. Die HRT und VÄ/PÄ sind dann nur noch Formsache.

Ich spreche von der Gruppe die vorher keine soziale Transition gemacht hat und die schlau wie sie sind, in der Trans-Community die richtigen Tricks und Kniffe geholt haben um möglichst schnell an HRT etc. zu kommen. Diese Leute nenne ich Transtrittbrettfahrer oder eher bekannt als Transtrender.

Therapeuten können häufig Gruppe 1 nicht von Gruppe 2 unterscheiden, obwohl Anzeichen genügend da wären aber die Erfahrung um das zu erkennen eben nicht. Wenn man nach erfolgter vernünftiger Beratung und Transitionprozess immer noch den Wunsch verspürt obwohl man zur Gruppe 2 gehört, dann ist das ja auch ok, aber häufig sind es gerade diese die zuschnell alles machen und dann unglücklich sind.
Sorry, mit Verweis auf diese, so denn vorhanden, "Gruppe" eine wie auch immer aussehende Einschränkung meiner Selbstbestimmung zu fordern ist im besten Fall arrogant!

Re: Alltagstest

Verfasst: Fr 17. Mai 2019, 11:41
von Michaela_mit_a
Ich selbst stehe gerade am Anfang der Therapie und würde lieber gestern als heute mit der HRT beginnen, denn ich bin mir so sicher wie man es nur sein kann, dass das mein Weg ist. Ich bin eine Frau, auch wenn ich im Moment nicht so aussehe.
Den "Alltagstest" möchte auch meine Therapeutin von mir und ich muss mir überlegen, wie ich damit umgehe.

Ich brauche ihn nicht, denn ich bin mir mehrr als sicher, dass das nicht meinen späteren Alltag widerspiegeln würde, sondern das "worst case-Szenario" eines "Mann trägt Frauenkleider" bedeutet. Zumindest für mich.

Natürlich erhoffe ich mir von der HRT eine zumindest im Ansatz verändernde Silhouette, Gefühlszustände und Empfindungen, die ich mit meinem derzeitigen Hormoncocktail nicht erreiche.
Da hilft es auch nicht seine Ernährung umzustellen oder Sport zu machen. Das macht mich vielleicht schlanker, aber nicht weiblicher.

Ohne Indikation bekomme ich keine Hormone, keine Unterstützung der Krankenkasse für z.B. Haarentfernung, keine Möglichkeit einer z.B. Orchiektomie etc.
All das würde mir allerdings helfen mit mir besser klar zu kommen und nach außen das Wiederspiegeln zu können, was ich bin und was ich möchte.
So würde sich alles noch einmal ein Jahr nach hinten schieben und ich habe jetzt schon das Gefühl zu lange gewartet zu haben.

Bei dem Gedanken an einen "Zwangstest" fühle ich mehr Wut als Erleichterung.
Wer bestimmt denn, dass ich diesen "bestehe"?
Warum glaubt man mir nicht einfach, dass 30 Jahre genug Zeit waren und die Bereitschaft der Trennung und des Chaos nach dem Coming-Out nicht einfach aus einer Laune heraus passiert sind.

Ich will selbstbestimmt mein Leben führen und da ist das derzeitige Vorgehen mancher "Gatekeeper" einfach nur frustrierend.

LG, Michaela

Re: Alltagstest

Verfasst: Fr 17. Mai 2019, 11:56
von Jaddy
JanaH hat geschrieben: Fr 17. Mai 2019, 11:24Sorry, mit Verweis auf diese, so denn vorhanden, "Gruppe" eine wie auch immer aussehende Einschränkung meiner Selbstbestimmung zu fordern ist im besten Fall arrogant!
Ich möchte es mal überspitzt andersherum formulieren (als Toni): "Regretter" zeichnen sich offenbar häufig dadurch aus, dass sie alle anderen für ihr Unglück verantwortlich machen, als dass sie ihre eigene Verantwortung für sich ausreichend wahrgenommen haben.

Und wenn sich dieser Satz für irgendwen - Toni, Sternchen - unangenehm anfühlt: Genau so fühlt es sich an, von "innerhalb" ständig als "Trender" oder ähnliches bezeichnet zu werden, die andere "anwerben" oder bedrängen.

In allen möglichen Alltagsdingen wird ganz selbstverständlich von jedem Menschen Eigenverantwortung verlangt. Und was für Jobwahl, Bausparverträge und Familienplanung gilt, sollte ja wohl auch für Hormone, Personenstand und OPs gelten. Und klar kann da was schief gehen. Da sind aber nicht diejenigen für verantwortlich, bei denen es gut geht.