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Re: Frau sein oder nicht sein
Verfasst: Mi 27. Sep 2017, 09:32
von Vincent
Hallo Nicki,
die Frage nach dem eigenen Ich, der Position im Genderspektrum und in der Gesellschaft ist für fast alle hier so alltäglich, dass ich mich manchmal schon wundere über Leute das draußen, die sich selbst noch nie diesbezügliche Gedanken gemacht haben.
Mir gingen solche Gedanken seit Kindesbeinen durch den Kopf, auch wenn ich sie damals noch nicht wirklich formulieren konnte. Meist heimlich, ganz selten öffentlich habe ich meine Bedürfnisse ausgelebt.
Irgendwann bin ich auf eine TS SHG gestoßen und war dort über zwei Jahre Mitglied.
In dieser Zeit habe ich viel Leid miterlebt, vor allem seelischer Art, aber auch durch das, was Hormone und OPs anrichten können. Ich hatte in dieser SHG oft das Gefühl, dass es einen regelrechten Wettbewerb oder sozialen Druck gab, sich schnellstmöglich auf den Weg zur "ganzen" Frau zu machen, was dazu geführt hat, dass ich bei manchem das Gefühl hatte, es wäre keine Geschlechtsangleichung, sondern tatsächlich eine Umwandlung.
Auch wenn ich solche SHG mittlerweile als gefährlich ansehe, hat es mir die Augen geöffnet, wo ich stehe und was ich will, natürlich auch unterstützt durch den langen Zeitraum über den ich mich mit diesem Thema auseinander setze. Auch wenn sich im Leben natürlich immer etwas ändern kann, bin ich mir sicher einfach ein Mann zu sein, möchte als solcher erscheinen und angenommen werden. Einzig und alleine reichen mir die gesellschaftlich normalen Ausdrucksmöglichkeiten bzgl. Rolle und Kleidung nicht.
Aus meinen Erfahrungen heraus würde ich Dir raten, gehe ruhig an das Thema heran, lass Dich nicht unter Druck setzen, von Dir oder deiner Umgebung, probiere aus, was geht, ohne deinen Körper zu gefährden
Re: Frau sein oder nicht sein
Verfasst: Mi 27. Sep 2017, 12:44
von ExUserIn-2026-04-08
die Frage nach dem eigenen Ich, der Position im Genderspektrum und in der Gesellschaft ist für fast alle hier so alltäglich, dass ich mich manchmal schon wundere über Leute das draußen, die sich selbst noch nie diesbezügliche Gedanken gemacht haben.
Eine gute Frage. Über das "Ich" habe ich mir an anderer Stelle Gedanken gemacht:
https://www.crossdresser-forum.de/phpBB ... 61#p177861
Wir gehen immer davon aus, dass wir ein "Ich" haben, das wir leben könnten. Aber wir haben Prägungen, die von außen auf uns wirken und wir wirken auf andere. Oder wie Watzlawick sagt: "Man kann nicht nicht-kommunizieren". Das bedeutet, dass immer andere in uns wirken. Eine reine Synthese vom "Ich" kann es gar nicht geben. Und somit stellt sich die nächste Frage: Woher weiß ich, wer oder was ich bin ? Oder ist es vielleicht gar nicht möglich, dass ich mich von anderen abgrenze, also immer ein Teil des Ganzen bin, verwoben mit allen anderen Menschen ?
Das hätte einen massiven Einfluss auf unser Verhalten. Und wer kennt es nicht, Freundlichkeit zu anderen führt zu Freundlichkeit anderer zu mir und umgekehrt. Das ist das Problem einer Gesellschaft, die übertrieben auf Individualismus setzt. Die Abgrenzung vom Anderen ist gar nicht möglich und somit schadet jede Separierung der Gemeinschaft und damit auch mir selber. Aber ich schade mir auch, wenn ich versuche, mich vollständig in der Gesellschaft zu assimilieren. Damit falle ich als schöpferisches Element aus.
Was wäre das Fazit ? Ich kann als Individuum die Gemeinschaft mit gestalten. Dazu muss ich mich aber auch als ein Teil dieser Gesellschaft verstehen. Aber völlig separiert kann ich nicht leben, denn dann fehlt ein wesentliches Teil meiner selbst. Dann stellt sich sogar die Frage, ob man sich selber erkennen kann ? Was nützt mir eine weibliche Brust (natürlich oder selbst gestaltet), wenn niemand da ist, der mich als Frau anerkennen kann ? Kann ich mich dann selber als Frau wahr nehmen ? Reicht tatsächlich der Spiegel ? Oder sind es nicht die Verknüpfungen mit der Außenwelt, die mich genau das spüren lassen, die mich "ganz" werden lassen ?
Was brauche ich also, um mich vollständig zu fühlen ? Nehme ich Hormone, um eine Brust zu bekommen, um mich dann zu verstecken und nur im Spiegel anzuschauen ? Oder ist es nicht vielmehr so, dass man Hormone nimmt, um in der Gemeinschaft als die zu bestehen, die man sich fühlt ? Bi-Gender mit Geschlechtsmerkmalen von Mann und Frau gibt es und sie formen auch unsere Gemeinschaft. Die Frage, ob man eine HRT macht, heißt also, will ich so für mich
und in der Gemeinschaft leben ?
Re: Frau sein oder nicht sein
Verfasst: Mi 27. Sep 2017, 14:02
von Anja
Hallo Nicki,
Nicki hat geschrieben: Fr 22. Sep 2017, 20:27
Ich habe da ein Problem: Ich weiß nicht, wie ich rausfinde, ob ich Männlein oder Weiblein bin.
Die Antwort findest du in dir. Du musst nur genau hinhören. Und versuchen den
Lärm von außen dabei zu ignorieren.
Ich bin selbst über diverse Schubladen gestolpert, eh ich mich als Frau wiedergefunden habe. Ich habe mich aber vorher in den jeweiligen Schubladen (DWT, CD, Bi-Gender) genauso wohl gefühlt, jedenfalls eine Zeit lang.
Natürlich denkt man viel darüber nach, was die Leute, z.B. die Nachbarn darüber denken (könnten). Oder ob man seinen Job behält, die Familie sich abwendet und und und. Dazu kommen noch die eigenen biologischen Gegebenheiten. Ich sehe ja garnicht wie eine Frau aus, die Stimme ist viel zu männlich, der Bartwuchs, ich bin zu groß, übergewichtig, Geheimratsecken usw.
Deswegen vergleiche ich mich auch nicht gerne mit einer geborenen Frau. Da kann ich ja nur den Kürzeren ziehen. Ich möchte auch nicht die schönste Frau der Welt sein. Aber ich möchte die Frau sein, die ich sein
kann.
Diese Sichtweise hat mir große innere Zufriedenheit verschafft, weil die ganzen biologischen Faktoren, die ich als geborener Mann mitbekommen habe, dann deutlich an Gewicht verloren haben.
Als ich an der Schwelle von Bigender zu TS stand, habe ich versucht, alle äußeren Einflüsse und Gedanken auszublenden und nur auf mein innerstes Ich zu hören. Was würde ich tun, wenn ich unabhängig wäre, keine Familie hätte, Geld wie Heu... Und da war mir die Antwort sofort klar.
Ich bin eine Frau. Und ich möchte auch so leben.
Alle Unsicherheiten waren durch äußere Einflüsse bedingt. Ich für mich allein war mir sicher.
Die Antwort liegt in dir. Ganz sicher. Hör auf deinen Bauch. Ohne den Lärm, den dein Kopf(kino) deswegen veranstaltet.
Grüße
die Anja
Re: Frau sein oder nicht sein
Verfasst: Mi 27. Sep 2017, 21:09
von Nicki
Anja hat geschrieben: Mi 27. Sep 2017, 14:02
Nicki hat geschrieben: Fr 22. Sep 2017, 20:27
Ich habe da ein Problem: Ich weiß nicht, wie ich rausfinde, ob ich Männlein oder Weiblein bin.
Die Antwort findest du in dir. Du musst nur genau hinhören. Und versuchen den
Lärm von außen dabei zu ignorieren.
Seit einer halben Ewigkeit versuche ich jetzt schon herauszufinden, was eigentlich mit mir nicht stimmt und wie ich innen drin ticke. Eine klare Antwort habe ich noch nicht gefunden.

Horche ich ganz tief in mich hinein, komme ich irgendwie auf unterschiedliche Ergebnisse. Vielleicht horche ich auch einfach nur nicht tief genug in mich hinein? Ich bin irgendwie ziemlich ratlos...
Re: Frau sein oder nicht sein
Verfasst: Do 28. Sep 2017, 06:52
von Michelle_Engelhardt
Hallo Nicki,
probiere doch mal Anjas Tipp mit der Vorstellung "Was wäre wenn....." Das scheint mir der Schlüssel zur Lösung zu sein, oder zumindest ein guter Wegweiser hinaus aus dem Nebel, der Dich umgibt.
Liebe Grüße
Michelle
Re: Frau sein oder nicht sein
Verfasst: Do 28. Sep 2017, 08:51
von Anne-Mette
Moin,
ich bitte um Zurückhaltung was die Beurteilung "richtig TS" angeht.
Die Warnung vor zu früher Hormoneinnahme ist in Ordnung. Allerdings sind die Auswirkungen einer Hormoneinnahme in vielen Fällen rückgängig zu machen.
(Das soll nun keine Empfehlung sein)
du nicht weißt ob nun männlein und weiblein
Warum MUSS man das so genau wissen? Was ist mit Menschen "dazwischen" - oder die sich in beiden Geschlechtern - oder in keinem sehen?
Leider fängt es schon im Kindesalter an, dass man "Junge oder Mädchen" sein muss. Das macht viel kaputt - und stempelt in Einzelfällen Kinder sogar dazu, sich als transsexuell zu bezeichnen, obwohl es sich eher nicht um eine Transsexualität handelt.
Sie hassten ihre Pubertät, ihre Merkmale, ihr Geschlechtsorgan, ihre soziale Rolle und das ganze bewirkt nunmal diesen Leidensdruck
Natürlich gibt es das auch - und das macht sich auch bestens bei Gutachtern; aber es gibt auch andere Lebenswege.
Gruß
Anne-Mette
Re: Frau sein oder nicht sein
Verfasst: Do 28. Sep 2017, 09:05
von Michelle_Engelhardt
Meine Pubertät habe ich (zumindest bewußt) nicht wirklich gehasst. Überhaupt gehöre ich ja eher zu den Spätzündern, hat es doch 42 Jahre gebraucht, mein wahres Ich zu erkennen und auch anzunehmen. Mag sein, das ich dadurch für manche keine "richtige TS" oder Frau bin, aber deren Meinung ist mir herzlich egal. Nur ich alleine weiß, wie ich fühle und empfinde. Natürlich hat sich in den besagten 42 Jahren ein immer größerer Leidensdruck aufgebaut, bis es nicht mehr auszuhalten war. Schlummerte er zunächst Jahrzehntelang in meinem Unterbewusstsein, so trat er mit voller Wucht hervor, als Michelle leibhaftig in Erscheinung trat.
Re: Frau sein oder nicht sein
Verfasst: Do 28. Sep 2017, 09:47
von Anja
Hallo Nicki,
Nicki hat geschrieben: Mi 27. Sep 2017, 21:09Seit einer halben Ewigkeit versuche ich jetzt schon herauszufinden, was eigentlich mit mir nicht stimmt und wie ich innen drin ticke. Eine klare Antwort habe ich noch nicht gefunden.

Horche ich ganz tief in mich hinein, komme ich irgendwie auf unterschiedliche Ergebnisse. Vielleicht horche ich auch einfach nur nicht tief genug in mich hinein? Ich bin irgendwie ziemlich ratlos...
Manche wissen schon in der Pubertät, wo sie sich am besten einordnen, manche erst mit 60... Vielleicht solltest du dir nicht so einen Druck machen? Außerdem muss man sich ja nicht für eine Seite
entscheiden.
WIe ich oben geschrieben habe, war ich in mehreren Schubladen zu Hause und habe die Zeit genossen, den Moment gelebt. Es war auch eine Zeit, in der ich viel ausprobiert habe und in mich hineingehorcht habe: Wie fühlt es sich an?
Z.B. die Nägel lackiert, nicht nur Unterwäsche, auch mal Damenoberbekleidung probiert... Dabei merkte ich, das es sich gut anfühlt, das es in die richtige Richtung geht. Warum wusste ich damals noch nicht.
In meinem Freundeskreis habe ich einen CD, der sich in Damensachen total wohl fühlt, aber schminken fühlt sich irgendwie falsch an.
Ich hatte viel Spaß mit verschiedenen Sachen zu experimentieren. Und wenn du dich (zur Zeit) in beide Richtungen
gezogen bzw. als beides fühlst, dann bist du eben so. Zwischen Mann und Frau ist alles möglich.
Wie man an mir sehen kann, ist das ja auch nicht in Stein gemeißelt, man kann nach einer gewissen Zeit genauso gut feststellen, das die Schublade einem zu eng wird und es nicht mehr passt. Oder auch nicht. Aber da keiner von uns in die Zukunft sehen kann, versuche doch es so zu genießen, wie es gerade ist und wenn du die Möglichkeit hast, kannst ja mal ausprobieren, wie es sich anfühlt mehr in Richtung Frau zu
gehen.
Ich selbst habe auch erst verstanden, wer ich bin, als ich mich das erste Mal komplett als Frau zurecht gemacht im Spiegel gesehen habe. Erst da habe ich
gesehen, was die ganzen Jahre aus mir raus wollte. Da war ich übrigens in deinem Alter
Grüße
die Anja
Re: Frau sein oder nicht sein
Verfasst: Do 28. Sep 2017, 09:56
von JaquelineL
Hallo ihr Lieben,
Anne-Mette hat geschrieben: Do 28. Sep 2017, 08:51
Moin,
ich bitte um Zurückhaltung was die Beurteilung "richtig TS" angeht.
Die Warnung vor zu früher Hormoneinnahme ist in Ordnung. Allerdings sind die Auswirkungen einer Hormoneinnahme in vielen Fällen rückgängig zu machen.
(Das soll nun keine Empfehlung sein)
bei Delphiniums Beitrag habe ich keine Wertung herausgelesen, sondern den Hinweis, dass die medizinischen Maßnahmen eher als Mittel der letzten Wahl abgesehen werden sollten. Diese Einstellung unterstütze ich voll und ganz.
Die Beeinflussung durch Hormone sind vielfältig und ab einem Zeitpunkt "x" (der bei jedem Menschen anders liegen kann, aber wohl ungefähr ein halbes Jahr nach Start einer "richtigen HET" liegt) sind die Folgen im Organismus so gravierend, dass sie nicht mehr umkehrbar sind.
Delphiniums Hinweis auf den Leidensdruck (der von jeder betroffenen Person zu bewerten ist und nicht von uns) ist da durchaus angebracht und sollte das Maß der Dinge sein. Die Maßnahmen "HET" und "Chirurgie" dienen der Behebung eines solchen Leidensdruckes in dem Fall, dass man sich eindeutig dem Zielgeschlecht zugehörig fühlt, das eigene Leben dauerhaft umstellt und mit der (aus körpermedizinischer Sicht den Körper von "gesund" auf "dauerhaft behandlungsbedürftig" verändernder!) Anpassung besser "in Frieden mit sich selbst" leben kann. Wenn man also schwankend ist (z. B. in der eigenen Geschlechtszuweisung), wäre auch nach der Therapie eine zeitweise Nichtstimmigkeit gegeben - wieso dann den Körper derart belasten?
Ich kann diejenigen völlig verstehen, die den Weg in den Schritten "erkennen", "akzeptieren", "persönliche Situation umfassend aufräumen", "Leben umstellen", "simple medizinische Maßnahmen", "gravierende Maßnahmen", "extreme Maßnahmen" sehen und bei *allen* TS-Betroffenen nur so weit gehen würden, wie unbedingt notwendig. Statt erst einmal "das volle Programm" durchzuziehen und dann zu schauen, was man aus den Resultaten machen kann.
Liebe Grüße
Jackie
Re: Frau sein oder nicht sein
Verfasst: Do 28. Sep 2017, 10:42
von Michelle_Engelhardt
Eine HRT, um mal zu gucken, wie es denn so ist, halte ich auch eher für bedenklich!
Liebe Grüße
Michelle
Re: Frau sein oder nicht sein
Verfasst: Do 28. Sep 2017, 10:44
von Anne-Mette
Moin,
das "Maß der gewünschten/geforderten/möglichen körperlichen Angleichung" ist bei etlichen transsexuellen Menschen, die ich kenne, unterschiedlich.
Es ist ja nicht so, dass 1:1 ein Frauenkörper durch einen Männerkörper (oder umgekehrt) ausgetauscht wird.
Verschiedenen Möglichkeiten und Optionen der Angleichung, die auch persönliche oder gesundheitliche Gründe haben können, stehen den Menschen offen.
Wenn man eine Transition anstrebt muss man auch zu 100% dazu stehen... Wenn sich jemand unsicher ist und mit seinem jetzigen Körper klarkommt sehe ich keinen Grund für eine Transition anzustreben
Die Transition ist ein Prozess, der sich völlig unterschiedlich entwickeln kann. Verbunden damit sind auch Zweifel und Ängste - und ein Suchen nach dem besten Weg (und nach den Prozenten

).
Gruß
Anne-Mette
Re: Frau sein oder nicht sein
Verfasst: Do 28. Sep 2017, 10:51
von Anne-Mette
Moin,
Eine HRT, um mal zu gucken, wie es denn so ist, halte ich auch eher für bedenklich!
Ja, man sollte schon sicher sein, dass man das will - und lange darüber nachdenken und mit Fachleuten sprechen (allein schon wegen der Risiken und Nebenwirkungen).
ALLERDINGS: wenn (erst) im Laufe der Zeit doch Bedenken kommen, dann sollten die Möglichkeiten erörtert werden, eine HRT abzubrechen.
Wir sollten "Zweiflern" nicht die Ernsthaftigkeit absprechen.
Ich habe selten Menschen getroffen, die "um mal zu gucken" eine HRT beginnen.
Gruß
Anne-Mette
Re: Frau sein oder nicht sein
Verfasst: Do 28. Sep 2017, 10:59
von Michelle_Engelhardt
Anne-Mette hat geschrieben: Do 28. Sep 2017, 08:51
....Allerdings sind die Auswirkungen einer Hormoneinnahme in vielen Fällen rückgängig zu machen.
(Das soll nun keine Empfehlung sein)
Danke für die Aufklärung, Anne-Mette

Da ich Dich hier als besonnene und intelligente Frau kennengelernt habe, war ich über obige Aussage doch ein wenig verwundert

Offensichtlich habe ich die Aussage fehlinterpretiert...also alles gut.
Liebe Grüße
Michelle
Re: Frau sein oder nicht sein
Verfasst: Do 28. Sep 2017, 19:48
von Nicki
Hi Anja,
Anja hat geschrieben: Do 28. Sep 2017, 09:47
WIe ich oben geschrieben habe, war ich in mehreren Schubladen zu Hause und habe die Zeit genossen, den Moment gelebt. Es war auch eine Zeit, in der ich viel ausprobiert habe und in mich hineingehorcht habe: Wie fühlt es sich an?
Z.B. die Nägel lackiert, nicht nur Unterwäsche, auch mal Damenoberbekleidung probiert... Dabei merkte ich, das es sich gut anfühlt, das es in die richtige Richtung geht. Warum wusste ich damals noch nicht.
[...]
Aber da keiner von uns in die Zukunft sehen kann, versuche doch es so zu genießen, wie es gerade ist und wenn du die Möglichkeit hast, kannst ja mal ausprobieren, wie es sich anfühlt mehr in Richtung Frau zu
gehen.
Ich selbst habe auch erst verstanden, wer ich bin, als ich mich das erste Mal komplett als Frau zurecht gemacht im Spiegel gesehen habe. Erst da habe ich
gesehen, was die ganzen Jahre aus mir raus wollte. Da war ich übrigens in deinem Alter
Das kenne ich von mir selbst in sehr ähnlicher Form. So trage ich z.B. seit 2 (?) Jahren grenzwertige Jeans, Sneakers und T-Shirts aus der Damenabteilung, wenn ich einkaufen gehe und teils auch am Arbeitsplatz. Die Kleidung ist zwar noch nicht feminin genug, um als Trans* abgestempelt zu werden, aber dennoch fühlt es sich ...
erfüllend an und sieht aus dem richtigen Blickwinkel, mit der richten Beleuchtung auch noch gut aus. Das bringt mir dann auch mal Sprüche ein wie "die Schuhe sind aber schon eher was für Frauen", was ich fast schon als Kompliment empfinde. Mache ich mich komplett als Frau zurecht, fühlt sich das zwar gut an, aber spätestens wenn ich das Gesamtergebnis bewerte, ist die gesamte Illusion wieder dahin. Die Hüfte, die Schultern, der Nacken, der Kiefer, die Frisur, der Bartschatten.... Das ist alles einfach nur
Wenn du sagst, dass du dich auch mal in der Bigender Schublade gesehen hast, heißt das, dass du auch hin und hergerissen warst? Hat sich das denn bei dir dann mit der Zeit gelegt, wenn du sagst, dass du dich nicht mehr in der Schublade siehst?
LG
Nicki
Re: Frau sein oder nicht sein
Verfasst: Do 28. Sep 2017, 23:54
von Michi
Delfinium hat geschrieben: Do 28. Sep 2017, 07:03
scheinst du bis jetzt keinen allzu großen Leidensdruck zu haben wie die meisten TS es erleben.
Anne-Mette hat ja schon was gesagt ...
Ich möchte noch mal betonen, dass Leidensdruck kein Maßstab für TS ist.
Auch wenn du dir das nicht vorstellen kannst:
Auch das Gefühl, zwischen den Stühlen zu sitzen, weder das Eine noch das Andere zu sein,
oder sich als beides zu fühlen und rauslassen zu müssen, kann sehr großen Leidensdruck verursachen.
Daher möchte ich insbesondere Personen, die sich selbst als TS sehen, sehr darum bitten,
sich wertende Äußerungen und Spekulationen über den Leidensdruck anderer Menschen im Trans-Universum zu verkneifen,
und diese auch nicht als irgendeine Messlatte zur Einstufung dessen, was jemand ist, zu verwenden.
Danke