Seite 2 von 8

Re: Und der Bundesverband Trans*?

Verfasst: Mo 13. Feb 2017, 19:44
von nicole.f
Ach, Murx, die Seite sollte noch gar nicht öffentlich sichtbar sein!? Ist sie doch?
Mist, muss ich nochmal nachsehen. Ich sehe die immer, weil ich Admin auf der Seite bin... so, jetzt sollte sie wieder weg sein.
Das Passwort war nur dafür da, damit das noch nicht öffentlich ist, aber mitarbeitende Personen reinschauen können. Gut, ein Fail, tut mir leid ;)

Den Link auf den "Aktuell" Verteiler wird es bald auf der HP geben, wir müssen die die Tage umbauen. Den "Aktuell" Verteiler für alle gibt es auch erst seit Kurzem, zuvor gab es nur einen Verteiler, den nur die Mitglieder bekommen haben. Da es sich mit der Eintragung hinzog wurde uns dann bald klar, dass wir auch einen für nicht-Mitglieder brauchen und das ist "aktuell". Den aufzusetzen hat dann wieder länger als erwartet gebraucht :(

Ja, so geht das dann... und ruckzuck ist wieder eine Woche vorbei. Neben meinen anderen Aktivitäten arbeite ich im Schnitt jede Woche um die 10h für den BV, neben allem anderem, neben einer Firma, neben Trans* Beratung (ca. 100 Fälle pro Jahr), neben der dgti, neben dem lokalen Zentrum... so geht es den anderen im Vorstand auch, weshalb wir dringend aktive Menschen brauchen, die selbstständig "gute Dinge" tun können. Ich verstehe Vorstand als Möglichmacher. Wir schaffen die Grundlagen und den Rückhalt, damit dann interessierte Aktive gute inhaltliche Arbeit machen und sich auf Themen konzentrieren können.

Liebe Grüße
nicole

Re: Und der Bundesverband Trans*?

Verfasst: Mo 13. Feb 2017, 20:09
von Jaqueline
Jaqueline hat geschrieben: So 12. Feb 2017, 14:45 Ich halte vom BV Trans in seiner jetzigen Form nichts :(
Ich bleibe bei meiner Aussage

Re: Und der Bundesverband Trans*?

Verfasst: Mo 13. Feb 2017, 20:12
von nicole.f
Jaqueline hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 20:09
Jaqueline hat geschrieben: So 12. Feb 2017, 14:45 Ich halte vom BV Trans in seiner jetzigen Form nichts :(
Ich bleibe bei meiner Aussage
Mag ja sein, aber kannst Du vielleicht auch dazu sagen, was Dir an "der Form" missfällt? Oder was besser sein müsste? Wie sonst sollte man eine Bundesvereinigung aufziehen?
Das sie nötig ist, sollte klar sein. Wir, die wir da gerade im Vorstand sind, haben auch nicht wie Weisheit mit Löffeln zu uns genommen. Erleuchte uns!

Viele Grüße
nicole

Re: Und der Bundesverband Trans*?

Verfasst: Mo 13. Feb 2017, 20:40
von ab08
Inga hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 19:28 Hallo Nicole,

Danke für deine Beiträge. Das relativiert die Kritik doch um einiges. Macht weiter!

Liebe Grüße
Inga
Liebe Nicole,

danke für Deine Bemühungen! (gitli)
Ingas Beitrag schließe ich mich ausdrücklich an!

Liebe Grüße und viel Erfolg!
Andrea )))(:
________________________________________________________________________________________________________________________
P.S. Jaquelines Einwände versteh ich allerdings auch, denn eigentlich sollte ein Bundesverband organisch von unten her wachsen.
Also Ortsverbände -> Bezirksverbände -> Landesverbände -> Bundesverband. *)
Andererseits dauert es dann sehr viel länger und führt auch nicht unbedingt gleich zu einem vernünftigen Ergebnis, also zu einem effektiven Vorstand.
*) Im Berufsverband war ich zunächst nur vor Ort aktiv, wurde später in die Bezirksvertretung gewählt und durfte den Landesvorstand mitwählen.

-> Im Grunde wäre die dgti schon einigermaßen brauchbar strukturiert. -> Das Problem ist nur, wo dann Gruppen wie atme etc., die auch wichtig sind, bleiben ...
Bei einem Bundesverband geht es halt immer auch um seine demokratische Legitimation. Dazu ist eine entsprechende Struktur unter Einbeziehung möglichst vieler Strömungen/Interessen unverzichtbar. Für eine sinnvolle Arbeit ist zudem die Zahl der durch diesen Verband vertretenen Mitglieder ziemlich wichtig...
-> Der Landesverband, in dem ich aktiv bin, hat deutlich über 20 000 Mitglieder, der Bundesverband vertritt circa 160 000, der Dachverband circa 1,28 Millionen...

Re: Und der Bundesverband Trans*?

Verfasst: Mo 13. Feb 2017, 21:25
von Jaqueline
nicole.f hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 20:12
Jaqueline hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 20:09 Ich bleibe bei meiner Aussage
Mag ja sein, aber kannst Du vielleicht auch dazu sagen, was Dir an "der Form" missfällt? Oder was besser sein müsste? Wie sonst sollte man eine Bundesvereinigung aufziehen?
Das sie nötig ist, sollte klar sein. Wir, die wir da gerade im Vorstand sind, haben auch nicht wie Weisheit mit Löffeln zu uns genommen. Erleuchte uns!
Für mich ist der Verband nicht existent.
Der letzte Eintrag in Bezug auf Aktuelles stammt vom 09.12.2016. Das sind fast zwei Monate. Ist die Zeit seit dem stehen geblieben?

Was will der BVT:
👉 Reform des Transsexuellenrechts: Vornamens- und Personenstandsänderung auf Antrag, ohne Gutachten
und ohne Gerichtsverfahren.
😡 Da bin ich dagen. Es sollte nicht jede/r den Namen und das Geschlecht ändern können, weil ihm / ihr gerade danach ist. Sonst sage ich willkommen Wildwuchs.

👉 Sicherung und Verbesserung der Gesundheitsversorgung
😊 Das trifft regional gewiss zu aber brauche ich dafür einen BVT?

👉 Wahrung der Menschenrechte auch für Asylsuchende
🤔 Ist das in Deutschland nicht normal?

👉 Stärkung von Selbsthilfegruppen, Netzwerken und Vereinen
🤔 Was wird aus SHGs, Vereinen, ... die den BVT nicht anerkennen? Auch der BVT brauch eine fundamentale Basis, sonst bleibt er eine Luftblase.

👉 Abbau der Psychopathologisierung und Stigmatisierung
🤔 Nach was soll dann in Zukunft behandelt und operiert werden?

👉 Vertretung in der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld
😡 Die soll doch bitte unabhängig bleiben und nicht durch einen BVT gesteuert werden.

👉 Ausbau des Antidiskriminierungsrechts.
😡 Aus meiner Sicht ist es heute schon so wie es ist ausreichend. Wo sind die Lücken?

Wenn jemand antwortet auf meinen Post, dann bitte in kurzen Stichpunkten und nicht in Romanen😏. Ich erwarte aber keine Antwort, die meine Meinung wiederlegt.

Erleuchten will ich Euch nicht. Das macht doch bitte selbst 😂.

Ganz liebe Grüsse
Jaqueline 😘

Re: Und der Bundesverband Trans*?

Verfasst: Mo 13. Feb 2017, 22:26
von ab08
Daenerys Targaryen hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 22:12Ich halte die Schaffung des BVT* dennoch für eine gute Sache und bin Nicole sehr dankbar für ihre Erläuterungen.
Liebe Daenerys,

da stimm ich Dir von ganzem Herzen zu und wünsche Nicole (+allen anderen Aktiven) gutes Gelingen!! (yes)
Nur wollte ich die grundsätzliche Problematik nicht unerwähnt lassen. (Bin halt über 30 Jahre in einem schlagkräftigen Verband aktiv.) :oops:

Liebe Grüße
Andrea

Re: Und der Bundesverband Trans*?

Verfasst: Mo 13. Feb 2017, 22:59
von Jaqueline
Daenerys Targaryen hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 22:52 Glaubst Du umgekehrt, beim Wegfall des Gutachterzwangs stehen am nächsten Morgen hunderte Jürgens, Stefans, Pauls und Michaels vor den Ämtern Schlange, um sich für 200 Euro in Jeanettes, Stefanies, Paulas und Michaelas umtaufen zu lassen?
Kurze Antwort Ja, auch wenn deine Frage übertrieben ist, und Leipzig ist ein Einzelfall für mich.

Noch weitere Fragen?

Ganz liebe Grüsse
Jaqueline

Re: Und der Bundesverband Trans*?

Verfasst: Mo 13. Feb 2017, 23:22
von nicole.f
Gerne kurz, auch wenn das sonst nicht meine Disziplin ist:
Jaqueline hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 21:25 Für mich ist der Verband nicht existent.
Der letzte Eintrag in Bezug auf Aktuelles stammt vom 09.12.2016. Das sind fast zwei Monate. Ist die Zeit seit dem stehen geblieben?
Das geht nicht in Kurz, denn wenn ich das aufzähle, ist es nicht mehr kurz. Nur soviel, Ende des einen Jahres und Beginn des nächsten ist immer viel Verwaltung und Finanzkram. Abrechnung des letzten Jahres und Beantragung der Mittel für das nächste. Das war eine der Haupttätigkeiten - daneben wollten auch die Menschen im BV auch mal ein paar Tage Ruhe haben. Wir mussten auch neue Leute suchen, Nik vom "Trans - Ja und?!" Projekt hat aufgehört und wir mussten eine neue Koordinationsperson suchen, es gab eine Kooperation mit dem LSVD, neue Projekte für 2017 wurden geklärt, die MV 2017 und das nächste Trans*Aktiv Treffen wird organisiert etc.
Jaqueline hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 21:25 Was will der BVT:
👉 Reform des Transsexuellenrechts: Vornamens- und Personenstandsänderung auf Antrag, ohne Gutachten
und ohne Gerichtsverfahren.
😡 Da bin ich dagen. Es sollte nicht jede/r den Namen und das Geschlecht ändern können, weil ihm / ihr gerade danach ist. Sonst sage ich willkommen Wildwuchs.
Das wurde schon so oft hier im Forum diskutiert. Das mag vielleicht für die eine oder den anderen eine etwas streitbare Position sein, doch ich bin, wie viele andere auch, davon überzeugt, dass dies die einzig sinnvolle Alternative ist. Alle anderen Verfahren verstoßen auf die ein oder andere Art gegen Menschen- und Grundrechte. Können wir gerne an anderer Stelle noch einmal klären.
Jaqueline hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 21:25 👉 Sicherung und Verbesserung der Gesundheitsversorgung
😊 Das trifft regional gewiss zu aber brauche ich dafür einen BVT?
Ja, brauchst Du! Denn das SGB, das dies maßgeblich regelt, ist Bundesrecht, nicht Landesrecht. Genau wie der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (MDS) ein Bundesverband und kein Landesverband ist, die AWMF eine Bundesvereinigung ist und keine Landesvereinigung. Alle diese und noch mehr fragen, wenn sie überhaupt die Zusammenarbeit mit Trans* Vertreter_innen in Erwägung ziehen, nach deren Relevanz oder gar Legitimation auf Bundesebene. Genau dafür brauchen wir einen BVT*, der auch breit getragen wird, denn ansonsten werden wir dort und andernorts wieder einmal ignoriert. Man spricht und bestimmt über uns, aber ohne unsere Beteiligung. Das ist völlig inakzeptabel.
Jaqueline hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 21:25 👉 Wahrung der Menschenrechte auch für Asylsuchende
🤔 Ist das in Deutschland nicht normal?
Nein, ist es nicht. Gerade LSBT Geflüchtete und Asylsuchende haben andere und/oder weitergehende Asylgründe als andere. Verfolgung auf Grund von sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität ist noch einmal etwas anderes als politische Verfolgung. Ein LSBT Hintergrund macht aus sonst vermeintlichen "sicheren" Herkunftsländern dann nämlich auf einmal doch Todesfallen. Daher ist es unbedingt notwendig, auch deren Recht auf Asyl hier hervorzuheben und einzufordern und auch ihre besonderen Bedarfe - so sollten LSBT Geflüchtete bspw. nicht mit ihren Landsleuten in Unterkünfte gezwungen werden, da ihre Verfolgung oft nicht nur politisch, sondern nicht zuletzt auch kulturell begründet ist.
Jaqueline hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 21:25 👉 Stärkung von Selbsthilfegruppen, Netzwerken und Vereinen
🤔 Was wird aus SHGs, Vereinen, ... die den BVT nicht anerkennen? Auch der BVT brauch eine fundamentale Basis, sonst bleibt er eine Luftblase.
Dann hast Du das Prinzip noch nicht verstanden, tut mir leid. Der BVT* will und soll doch gerade eben die lokalen Strukturen nicht ersetzen! Er soll auf Bundesebene alles dafür tun, damit die lokalen Strukturen gestärkt und im Bund vertreten werden, nicht umgekehrt. Anerkennen muss den BVT* keine Gruppe oder Mensch, der dies nicht möchte. Was heißt überhaupt anerkennen? Der BVT* ist keine Bundesführung oder soetwas. Es ist eine offene und partizipative Struktur, in der sich jede_r einbringen kann und soll! Je mehr darin mitarbeiten, desto stärker ist der Verband. Der Verband soll nichts lokal bestimmen, sondern auf Bundesebene eine Vertretung darstellen, die in und gegenüber unter anderen zuvor genannten Strukturen unerlässlich ist.
Jaqueline hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 21:25 👉 Abbau der Psychopathologisierung und Stigmatisierung
🤔 Nach was soll dann in Zukunft behandelt und operiert werden?
Uralte Frage, s.o. die Frage der Gesundheitsversorgung und noch etwas weiter oben die Frage nach der Vä/Pä. Das wurde schon mehrfach hier im Forum vor- und rückwärts diskutiert und es geht daran einfach kein Weg vorbei. Lies mal die internationale Literatur und schau Dir mal internationale Politik an. Der Zug ist schon längst abgefahren, dieses Rad stoppst Du nicht mehr, es wird hier ankommen, spätestens in ein bis zwei Jahren, wenn der ICD-11 in Deutschland gültig wird. Die Frage lautet schon lange nicht mehr, ob die Psychopathologisierung wegfallen muss oder nicht, sondern wie wir damit umgehen werden. Die Lösung kann es dann bestimmt nicht sein, deren Wiedereinführung zu fordern.
Jaqueline hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 21:25 👉 Vertretung in der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld
😡 Die soll doch bitte unabhängig bleiben und nicht durch einen BVT gesteuert werden.
Bitte? Ich glaube da hast Du nicht verstanden, was der Satz meint. Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld ist eine vom Bund finanziell gut ausgestattete Stiftung, die mit ihren Mitteln Projekte zur Wiedergutmachung der Verfolgung und des Leids durch die Nazis an Homosexuellen während der NS Zeit leisten sollen. Die MH-Stiftung besteht aus zwei Organen, dem Kuratorium und dem Fachbeirat.

Fakt ist, dass auch viele Trans* Menschen, weil sie von den Nazis pauschal mit in die Homo* Ecke gesteckt wurden, verfolgt und teils auch vernichtet wurden. Das ist nachweisbar. Daher ist es nur gerecht zu fordern, dass auch Vertreter_innen der Trans* Community in den beiden Gremien vertreten sind und dafür sorgen, dass auch Trans* Projekte gefördert werden.

Die Arbeit, damit das nicht gleich schon wieder hoch kommt, in solchen Gremien wird _nicht_ bezahlt und ist eine k*ck Arbeit - viel Papier, endlose Diskussionen gegen eine männlich dominierte homosexuelle Hegemonie, um am Ende vielleicht mal einen Projektantrag von Personen die man gar nicht kennt durch zu bekommen. Stelle sich das keine_r als etwas tolles vor. Das ist stinkt langweilige Gremienarbeit, ohne jeden persönlichen Vorteil. Es kostet nur Unmengen Zeit und Energie.
Jaqueline hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 21:25 👉 Ausbau des Antidiskriminierungsrechts.
😡 Aus meiner Sicht ist es heute schon so wie es ist ausreichend. Wo sind die Lücken?
Ach ja? Dann versuche mal -§5 TSG einzuklagen, wenn Du wegen eines Zwangs-Outings Deinen Job verloren hast. Nur ein Beispiel... Oder versuche mal als nicht-binäre Trans* Person irgendein Persönlichkeitsrecht geltend zu machen. Keine Chance. Entweder Du passt Dich dem cis Heteronormativ an oder Du wirst negiert, Du existierst einfach nicht, soetwas wie Dich gibt es "hier" nicht. Die Liste ist ausbaufähig, aber das soll ich ja nicht :)
Jaqueline hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 21:25 Wenn jemand antwortet auf meinen Post, dann bitte in kurzen Stichpunkten und nicht in Romanen😏. Ich erwarte aber keine Antwort, die meine Meinung wiederlegt.

Erleuchten will ich Euch nicht. Das macht doch bitte selbst 😂.

Ganz liebe Grüsse
Jaqueline 😘
Weißt Du, meckern ist immer so leicht. Man pickt sich ein paar Dinge raus, kümmert sich um nichts, informiert sich nicht, fragt auch nicht nach, aber drischt mal fleißig drauf los. Mindestens 50% Deiner Punkte wurden schon so oft hier diskutiert, daran konnte man eigentlich nicht vorbeigehen. Da frage ich mich dann schon, warum kommt das hier nun schon wieder hoch? Ich kann mir das nur so erklären, dass das entweder nicht gelesen oder nicht verstanden wurde. Ersteres ist Ignoranz und einfach verwerflich, wenn man anschließend eine Meinung dazu abgeben möchte. Wenn man es nicht versteht aber dann inhaltlich zum eigenen Verständnis nicht nachfragt, dann ist das schlicht...

Das größte Problem in unserer Community ist das, was Daenerys auch bereits ansprach, die kurze Verweildauer der "aktiven" Leute in der Szene. Was folgt ist, dass diese Szene voll ist von Halbwissen. Nur leider ergibt zweimal Halbwissen kein ganzes Wissen, es bleibt halb. Ich gebe offen zu, dass auch ich noch viel zu kurz dabei bin, um ein vollständiges Bild zu haben - immerhin gut drei Jahre, aber ich bin mir darüber bewusst, dass ich noch immer viel zu wenig weiß und viel zu lernen habe. Mein Bücherschrank quillt über mit Literatur zu dem Thema, die noch gelesen werden möchte. Daher habe ich größten Respekt und Demut vor denen, die schon 10 Jahre und mehr auf dem Gebiet aktiv tätig sind. Es stünde vielen gut zu Gesicht, sich etwas zurück zu nehmen und sich zuerst einmal besser zu informieren, bevor sie lautstark losplärren oder haltlose Positionen vertreten. Sinnvolle inhaltliche Fragen zu stellen ist keine Schande, sondern ein Zeichen von Respekt. Infragestellungen hingegen sind meist ein Zeichen von uninformierter Ablehnung.

Grüße
nicole

Re: Und der Bundesverband Trans*?

Verfasst: Mo 13. Feb 2017, 23:28
von Anne-Mette
Moin,
Da bin ich dagen. Es sollte nicht jede/r den Namen und das Geschlecht ändern können, weil ihm / ihr gerade danach ist. Sonst sage ich willkommen Wildwuchs.
Schade, dass anderen Menschen oft eine Ernsthaftigkeit abgesprochen wird. Eine Aufhebung des Gutachterzwangs macht eine Änderung des Namens und des Geschlechtseintrages (oder ein Wegfall des Geschlechtseintrages) nicht "unseriöser" und wertloser.

"weil ihm / ihr gerade danach ist." - das klingt nach "im Vorübergehen/unüberlegt/mal eben...".
Auch ohne Gutachterzwang hat so ein Wechsel erhebliche Konsequenzen. Ich glaube kaum, dass jemand das "mal eben" (aus Lust und Laune) macht.

Eine Abschaffung des Gutachterzwanges für eine Änderung der Eintragungen wird seit langer Zeit von einer breiten Mehrheit gefordert.
Ich weiß nicht, warum sich auch heute immer noch Menschen dagegen stellen und anderen diese Erleichterungen "nicht gönnen" :((a


Gruß
Anne-Mette

Re: Und der Bundesverband Trans*?

Verfasst: Di 14. Feb 2017, 00:10
von Michi
Jaqueline hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 22:59 Kurze Antwort Ja, auch wenn deine Frage übertrieben ist, und Leipzig ist ein Einzelfall für mich.
Ziemlich herablassend, deine Einstellung, um es mal vorsichtig auszudrücken! :shock:

Ich habe mich am vergangenen Freitag mit ein paar dieser Einzelfall-Betroffenen unterhalten. Die sind ziemlich angegriffen, und ich kann ihnen das gut nachfühlen, auch wenn ich nur Teilzeitfrau bin. Ganz ehrlich: Die können jede Unterstützung gebrauchen, aber nicht solche Sprücheklopferei von wegen "Einzelfall". :roll:

Re: Und der Bundesverband Trans*?

Verfasst: Di 14. Feb 2017, 00:17
von nicole.f
Anne-Mette hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 23:28 Eine Abschaffung des Gutachterzwanges für eine Änderung der Eintragungen wird seit langer Zeit von einer breiten Mehrheit gefordert.
Ich weiß nicht, warum sich auch heute immer noch Menschen dagegen stellen und anderen diese Erleichterungen "nicht gönnen" :((a

Gruß
Anne-Mette
Da ich gerade eh etwas frustriert-böse drauf bin, teile ich meine Meinung dazu ganz offen: Es ist der blanke Neid!

"Ich musste das alles durchmachen, warum sollen die es jetzt einfacher haben!?"

Das habe ich ganz offen schon mehrfach gehört und bin entsetzt! Wie kann man nur so derartig egoistisch sein!? Wie kann man nur so ignorant und verbohrt sein?
Es ist, wie die Du sagst, ein völliges Defizit, gönnen zu können, mal Größe zu zeigen, selbstlos zu sein.

Manchmal widert mich diese "Community", die oft genug nämlich gar keine ist, sondern ein riesiger Zickenhaufen, wirklich an. An Kleinlichkeit und Egoismus kaum zu überbieten. Wo Solidarität gefragt wäre, stößt man auf Abgrenzung und persönliches Vorteilsdenken, schrecklich. Kein Wunder, dass wir 2017 fast noch auf dem gleichen Stand wie vor 100 Jahren sind. Machen wir nur weiter so, dann haben wir bald Zustände wie im Osten, also noch weiter im Osten, Russland und dergl., wo wir, also LSBT Menschen, wieder offen verfolgt und entrechtet werden. Super Sache! Augen zu, wird schon nicht so schlimm werden.
Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.
(https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Niem%C3%B6ller)

Dieses Jahr ist Bundestagswahl und einige Landtagswahlen. Wir werden ganz sicher mit einer widerlich starken AfD konfrontiert werden. Mal das Parteiprogramm gelesen? Pfuij Teufel! Darin kommen wir fast ausdrücklich vor, nämlich als die, die in einer Gesellschaft, wie sie die AfD anstrebt, nicht mehr erwünscht und schon gar nicht unterstützt oder geschützt sein werden. Aber was soll's, solange man die eigene Vä/Pä und/oder OP schon durch hat, was scheren einen dann die anderen.

Täuscht Euch nicht, die Zivilisationsdecke, die uns trägt, ist dünn! Sehr dünn! Schaut in die USA, wie ein einziger Idiot eine ganze Nation spalten und auseinanderreißen kann. Seine Hasstiraden sind für Millionen eine Legitimation, endlich die Fessel der Zivilisation abzustreifen und wieder so richtig los zu diskriminieren, mit dumpfestem nationalistischem Gebrüll und einer Weitsicht, die kaum soweit reicht, wie diese Affen pinkeln können. Glaubt ihr nicht? Wir haben einige Verwandte und Freunde in den USA. Bereits in der Wahlnacht ging es los, das marodierende Vollidioten alles anpöbelten und teils handgreiflich angingen, was nicht in deren weißes, cis heteronormatives Weltbild passte. Ob das Leute waren, die seit Generationen in den USA leben oder nicht, spielt keine Rolle. Das sie selbst Nachfahren von Einwanderern sind, genauso wenig.

Wenn so eine Gruppe wie die AfD hier auch nur ansatzweise politische Macht bekommt, dann sind wir unter den ersten, die darunter leiden werden. Davor schützen könnten uns dann Antidiskriminierungsrechte, möglichst einfacher Zugang dazu, einfacher Zugang zu Rechten, die Rechte verschaffen, wie eben etwas wie dem TSG, Rechte, die die Versorgung absichern, die uns unsere Existenz am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft sichern. Das alles mit so geringen Hürden wie nur irgendwie möglich. Denn eines ist klar, wenn solche Honks in die Nähe politischer Macht kommen, dann werden sie jeden Zugang zu diesen Rechten wo auch immer sie können erschweren.

Aber ist ja alles egal, Hauptsache man hat die eigene OP durch, die eigenen VäPä ist durch, man hat selbst einen Job und ein ganz super tolles Passing. Dann ist man ja völlig Mann oder Frau, wie jede_r andere auch.
Ja ja, träume weiter... La le lu, nur der Mann im Mond schaut zu...

Homo- und trans* feindliche Straftaten und Übergriffe nehmen aktuell in ganz Europa wieder zu. Die wirtschaftliche Lage ist in vielen Ländern auf der Kippe und auch in Deutschland leben wir im schönen Schein. Die nächste Wirtschaftkrise ist unausweichlich, die Zinsen sind auf Null, noch weiter runter geht nicht, trotzdem sind Spanien, Portugal und Italien pleite, Griechenland kommt nicht aus der Krise heraus. Wenn das platzt, und das wird es, dann gute Nacht. Und wen trifft es dann als erstes, der ganze Hass und die Frustration? Wer wird zum Sündenbock? Richtig, die Minderheiten! Was waren wir Trans* Menschen gleich nochmal? Oh, oops, eine Minderheit? Das ist ja dumm... hätte uns doch bloß jemand rechtzeitig gewarnt, dann hätte man ja Gesetze zum Schutz von Minderheiten erlassen können. Nur schade, es gab ja niemanden, der dafür eingetreten ist.

Bei den Römern hieß es schon, Brot und Spiele, um das Volk in Schach und Reformbestrebungen klein zu halten. Irgendjemand sagte mal sinngemäß "Solange der Bauer ein Huhn im Topf hat, ist mit dem Volk keine Revolution zu machen." - ich glaube es war Napoleon. Das ist das Problem der fehlenden Solidarität, nicht an sich selbst zu denken, sondern an andere und auch an jene, die morgen nach einem selbst kommen werden.

nicole

Re: Und der Bundesverband Trans*?

Verfasst: Di 14. Feb 2017, 00:34
von Michi
Hallo Nicole,

ich muss dir da leider voll und ganz zustimmen. Es ist wirklich traurig, was da in manchen Köpfen vor sich geht. An das Zitat von Martin Niemöller musste ich auch denken, als ich die Beiträge von Jaqueline las, über die ich nur den Kopf schütteln kann.

Für deine/eure gemeinnützige Arbeit wünsche ich dir/euch viel Erfolg. (hs)

Liebe Grüße
Michi

Re: Und der Bundesverband Trans*?

Verfasst: Di 14. Feb 2017, 01:04
von Marielle
Hallo zusammen, Hallo Nicole,

nur ganz kurz, leider auch verkürzt, weil ich hundemüde bin ( lieben Gruß von Frank K., wir hatten grade gemeinsam eine lange Bündnis S-H Sitzung).


Marlens Text hatte ein Ziel und hat dieses Ziel auch erreicht, weil es jetzt gibt, was vorher fehlte: Kommunikation in die Community hinein (wobei ich deine Analyse zu diesem 'rosa Einhorn', der 'Community', teile).

Und JA! Ein solcher Verband, bzw. eine solche Vereinigung, ist verdammt wichtig! In der Aussenwahrnehmung funktioniert er aber leider! nicht so gut, wie er könnte.

Ich habe nur eine Bitte bzw. einen Vorschlag dazu: Wenn die Vereinigung eine Basis haben soll, die den Zusatz 'Bundes-' verdient, dann sollte das Communitybuilding, ebenso wie Presse- und Öffentlichkeit (zu den anderen Feldern fehlt mir die Beurteilungsbasis), den Stellenwert bekommen, den es nötig hat. Meine Angebote und Vorleistungen dazu kennst du (nehme ich an) und ich bin immer noch bereit, meine Ressourcen einzubringen, wenn eine entsprechende Struktur effektiv aufgebaut werden kann (was bisher, ganz ehrlich und leider, nicht der Fall war).

Habt es gut

Marielle

PS: Sehen wir uns womöglich am Donnerstag in der Glinkastrasse? Wenn Ja, lass uns nachher zusammen was trinken gehen.

Re: Und der Bundesverband Trans*?

Verfasst: Di 14. Feb 2017, 01:22
von nicole.f
ab08 hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 20:40 Liebe Nicole,

danke für Deine Bemühungen! (gitli)
Ingas Beitrag schließe ich mich ausdrücklich an!

Liebe Grüße und viel Erfolg!
Andrea )))(:
________________________________________________________________________________________________________________________
P.S. Jaquelines Einwände versteh ich allerdings auch, denn eigentlich sollte ein Bundesverband organisch von unten her wachsen.
Also Ortsverbände -> Bezirksverbände -> Landesverbände -> Bundesverband. *)
Andererseits dauert es dann sehr viel länger und führt auch nicht unbedingt gleich zu einem vernünftigen Ergebnis, also zu einem effektiven Vorstand.
*) Im Berufsverband war ich zunächst nur vor Ort aktiv, wurde später in die Bezirksvertretung gewählt und durfte den Landesvorstand mitwählen.

-> Im Grunde wäre die dgti schon einigermaßen brauchbar strukturiert. -> Das Problem ist nur, wo dann Gruppen wie atme etc., die auch wichtig sind, bleiben ...
Bei einem Bundesverband geht es halt immer auch um seine demokratische Legitimation. Dazu ist eine entsprechende Struktur unter Einbeziehung möglichst vieler Strömungen/Interessen unverzichtbar. Für eine sinnvolle Arbeit ist zudem die Zahl der durch diesen Verband vertretenen Mitglieder ziemlich wichtig...
-> Der Landesverband, in dem ich aktiv bin, hat deutlich über 20 000 Mitglieder, der Bundesverband vertritt circa 160 000, der Dachverband circa 1,28 Millionen...
Das mit dem organischen Wachstum von unten nach oben wäre super schön, ja! Nur leider klappt das in unserem Bereich offenbar nicht. In den meisten Regionen gibt es ja nichteinmal Vernetzungen auf Kreis-Ebene, erst recht nicht auf Landes-Ebene. Wir haben jetzt aktuell in Deutschland, wenn ich recht informiert bin, drei Landesverbände: TIAM in Mitteldeutschland (sogar ein Verbund mehrerer Bundesländer), seit 2016 das NGVT in NRW und den LtSN in Niedersachen (der in sich eher instabil zu sein scheint).

Auf der anderen Seite haben wir aber seit einigen Jahren absehbar dringenden Handlungsbedarf auf der Bundesebene - TSG Reform, Reform der Leitlinien, Reform der Leistungsrechte (SGB) etc. Das sind Themen, bei denen eine Landesregierung gegenüber einer Landesvertretung nur abwinken kann und wo selbst eine Landesvertretung im Bund kaum Gehör findet, weil man dort einen Bundesbezug erwartet. Kann man den nicht glaubhaft machen, wird einem maximal interessiert zugehört.

Ich denke daher, es gab eine dringende Notwendigkeit, den Bundesverband Trans* zu gründen - und es haben ja schließlich auch Vertreter_innen von, wenn ich mich recht erinnere, 29 Gruppen aus dem gesamten Bundesgebiet mitgemacht.

Die älteren bundesweit tätigen Gruppen, wie dgti oder ATME, konnten diese Aufgabe IMHO nicht erfüllen. Sie wurden aus anderen Notwendigkeiten heraus gegründet und ziehen daraus bis heute ihre Existenzberechtigung. Zumindest meine Vision des BVT* war und ist es, dass er eine Art Sammelbecken für alle sein sollte. Alle Meinungen und Strömungen sollten darin gleichermaßen die Chance auf Gehör und Vertretung finden können. Der BVT* selbst sollte keine eigenen politischen Ziele oder Agenda haben, sondern diese sollen sich aus den Mitgliedern heraus entwickeln. Das könnten weder dgti oder ATME leisten.

Der BVT* ist noch lange nicht an diesem Ziel angekommen, leider. Es ist schwer und träge. Manchmal fühlt es sich an, wie einen riesigen Öltanker zu steuern - wenn ich jetzt steuere, dann dauert es ewig, bis sich etwas bewegt. Aber es bewegt sich eben doch etwas! Und langsam fährt dieser Kahn auch immer schneller.

Liebe Grüße
nicole

Re: Und der Bundesverband Trans*?

Verfasst: Di 14. Feb 2017, 07:15
von Jaqueline
MichiWell hat geschrieben: Di 14. Feb 2017, 00:10
Jaqueline hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 22:59 Kurze Antwort Ja, auch wenn deine Frage übertrieben ist, und Leipzig ist ein Einzelfall für mich.
Ziemlich herablassend, deine Einstellung, um es mal vorsichtig auszudrücken! :shock: ...
Guten Morge,

ist auch "nur die Kurzversion". Das steht extra davor.

Mit freundlichen Grüßen
Jaqueline