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Re: Wirtschaftswoche: eine dumme Kolumne mit Unwahrheiten?!

Verfasst: Mi 4. Jan 2017, 23:27
von Michi
Hedi hat geschrieben:
MichiWell hat geschrieben:
Hedi hat geschrieben:Wenn ich die Kommentare so lese...bin ich die einzige die weiß worauf er hinaus will und die Konzeption der Kolumne verstanden hat?
Es würde mich in der Tat sehr interessieren, woher du weißt, worauf er hinaus will?
Weil er es schreibt? Weil ich es gelesen habe?
Das ist ein Null-Argument. - Davon abgesehen wirft der Artikel meiner Meinung nach mehr Fragen auf, als er beantwortet
Worauf er hinaus will, weiß allein der Schreiberling, und entweder bist du es höchstpersönlich, oder du hast zumindest mit ihm darüber gesprochen. :wink:
Hedi hat geschrieben:
MichiWell hat geschrieben:
Hedi hat geschrieben:Herrn Werner zu Unrecht vorgeworfen werden. Einem Juristen und Journalisten der Wiwo und öffentlich-rechtlichen einfach mal Dummheit und rechte Gesinnung vor die Füsse zu schmeissen ist nicht gerade ladylike-Toleranz :roll: Vielleicht hätte man sich vorher mal die anderen Kolumnen von ihm ansehen sollen ob sich diese Beschuldigungen halten lassen?
Ich ziehe es vor, genau diesen Text zu bewerten. Dass ein Mensch zuweilen Kluges sagte oder schrieb, ist nur ein sehr schwaches Indiz dafür, dass dies für jede seiner Verlautbarungen gilt.

Da muss ich gleich noch André Gide zitieren: "Die Anzahl der Dummheiten, die ein intelligenter Mensch im Lauf eines Tages sagen kann, ist unglaublich."
Völlig richtig. Genau deswegen finde ich es unangebracht, Herrn Werner pauschal als Zitat "dummer Mensch" abzustempeln. [...]
Ich habe mich allein auf den Text bezogen. :wink:
Hedi hat geschrieben:Nix für ungut, Anne-Mette, ich gebe zu daß ich den Artikel mehrfach habe lesen müssen um ganz durchzusteigen. Beim ersten Mal war ich auch irritiert was der Autor uns wohl sagen will.
Mittlerweile habe ich ihn wohl 20x durch: Kein Meisterwerk aber dumm finde ich ihn weiterhin nicht.
[...]
Stilmittel der Satire -> http://www.magic-point.net/fingerzeig/l ... atire.html
Du vermisst da was genau? Ok, Humor, aber wenn er wirklich aus OWL kommt ist das auch viel verlangt.
Für Leute die zählen und denken können sollte in dem Artikel spätestens bei den Wiederholungen innerhalb der 60 Geschlechter ein Licht aufgehen.
Wenn du als zugeneigte Leserin den Text mehrmals lesen musstet, um etwas satirisches zu "entdecken", dann ist es offensichtlich keine Satire. :((a

Ich will mich nicht mit dir streiten, aber deine wohlwollende Meinung teile ich nicht.

Re: Wirtschaftswoche: eine dumme Kolumne mit Unwahrheiten?!

Verfasst: Do 5. Jan 2017, 00:03
von Marielle
Hallo Anne-Mette, Guten Abend zusammen,
Marielle: Nochmal zurück zu meiner Sicht der Dinge: Könnte es vielleicht sein, dass sich 'dort draussen' etwas verändert hat?

Anne-Mette: könntest Du das noch etwas herausarbeiten und verdeutlichen?
Ich will's versuchen. Hoffentlich gelingt es.


Die Anliegen von Minderheiten gegenüber der sie umgebenden Gesamtgesellschaft, dazu gehört auch der Kampf um Rechte, die der Minderheit moralisch und/oder rechtlich schon zustehen, werden i.d.R. nach einem bestimmten Muster verhandelt, wenn sie nicht von der Mehrheit endgültig niedergeknüppelt oder einfach absorbiert werden.

Es funktioniert so ähnlich, wie es auch bei der am Ende gelungenen Lösung der Toilettenfrage* zum CSD in Lübeck abgelaufen ist (du weisst was ich meine?). Erstmal brauchte es einen gewissen Alarm, ohne den sich niemand des Problems angenommen hätte. Diesen Alarm haben die Leute mit dem Krawall auf dem CSD in Hamburg gemacht. Dann brauchte es Penetranz, damit das Problem tief genug in's Verständnis der zuständigen Leute einsickert. Die hatten zwar den Alarm gehört, das Problem aber noch nicht gänzlich verstanden. Das wurde auf dem Treffen im Flensburger Rathaus erledigt; von uns und von A. aus K. Und am Schluss brauchte es das Ringen um eine gute und praktikable Lösung, mit der alle leben konnten. Die haben die Leute aus Lübeck erdacht und erfolgreich umgesetzt.

So lief das auch mit der Atomkraft (wobei die ursprünglichen Minderheits-Anliegen schon vor dem Ende weitgehend absorbiert wurden) und auch mit den Anliegen der Feminist_innen, die allerdings noch nicht zu Ende verhandelt sind.


Wenn man das mal strukturell auf unsere Anliegen an die Gesamtgesellschaft überträgt, könnte es doch sein, dass wir zur Zeit im Übergang von der 'Penetranz' zum 'Ringen um Lösungen' sind, d.h. das die Gesellschaft zumindest schon gehört hat, dass es uns gibt und auch schon versteht, dass wir was wollen.

Die Stufe 'Alarm-Machen' haben andere Menschen vor uns schon erledigt. Von Stonewall, über LGBT-Demos und vielem mehr, bis zu Klagen vor dem BVerfGericht wurde deutlich gemacht, dass es uns gibt und das wir etwas wollen.

Die 'Penetranz-Phase' wurde (vielleicht) auch schon weitgehend abgearbeitet. Daran haben sehr viele Leute mitgearbeitet. Sicherlich hat auch Frau S., mit ihrer eingebauten, unermüdlichen Kommentarfunktion, einen erheblichen Anteil daran, dass die Leute 'draussen' jetzt ansatzweise ahnen, was wir wollen (sie war halt sehr einseitig und es ist zu befürchten, dass sie es mit der Penetranz etwas übertrieben hat, aber sie hat ihren unbestreitbaren Anteil geleistet).

Ich weiss nicht, ob diese Phase schon gänzlich zu Ende ist, aber sie ist (möglicherweise) schon so weit fortgeschritten, dass sich die öffentliche Meinung mit uns und unserem Anliegen beschäftigt. Sonst würden Welzer und Werner die besagten Texte gar nicht geschrieben haben, sonst kämen NG und WiWo nichtmal auf die Idee, dafür Druckerschwärze zu kaufen. Ich meine: Darauf sollten wir auch anstossen, anstatt nur Anstoss daran zu nehmen.


Wenn das Geschriebene bis hierher so in etwa stimmt, wären wir jetzt im Anfangsstadium der Phase 'Ringen um Lösungen'. Das ist der Verdacht, der mich beschlichen hat, was sich 'draussen' geändert haben könnte. Die wissen schon, dass wir da sind, sie wissen auch, dass wir etwas wollen. Aber sie wissen noch nicht so ganz genau. was das ist und wieviel davon sie uns geben wollen oder müssen. Das muss noch ausgehandelt werden und es wäre dann unser Job; für mindestens die nächsten hundert Jahre :wink:

Man müsste (könnte) dann Texte, wie die von Werner und Welzer, als Beiträge zu dieser Aushandlung verstehen und entsprechend diskursfähig darauf reagieren. Der Welzer (als Beispiel) ist ja nicht doof und schon gar kein rechter Ideologe. Er ist auch sehr wahrscheinlich kein trans-Hasser (ich hab ein einiges von ihm gehört und gelesen). Er ist Soziologe und denkt daher über die Gesellschaft nach; über die Gesellschaft, in der wir leben, deren (grade erst entdeckter**) Teil wir sind, von der wir was wollen und in die wir uns einpassen wollen und müssen.

Das heisst natürlich nicht, dass man sich mit jedem Ausfluss jedes Schwätzers inhaltlich auseinandersetzen muss. Mit z.B. Biggi 'Gaga' Kelle hat Diskussion meiner Meinung nach keinen Wert (überdies ist sie nicht die Stimme der Mehrheitsgesellschaft). Aber ich glaube, dass wir Leute wie Welzer (Werner kann ich einfach nicht beurteilen) nicht verprellen dürfen, sondern sie auf unsere Seite bringen müssen, indem wir mit ihnen reden.


Nachdem ich jetzt den ganzen Text geschrieben habe, denke ich, dass man es vielleicht ganz kurz beschreiben kann, was sich 'draussen' verändert haben könnte: Es könnte sein, das der 'Kampf' (endgültig oder vorläufig) zu Ende ist und jetzt die mühsame Arbeit gemacht werden muss, ohne die keine Revolution und auch keine Idee auf Dauer bei den Menschen ankommt.


Habt es gut

Marielle


PS @ Jaqueline: Da bin ich im Grunde deiner Meinung. Ich sehe allerdings beide Texte noch klar oberhalb des Stammtischniveaus (was allerdings auch eine Frage dessen sein kann, wieviel unterirdischen Schwachsinn man ansonsten schon gelesen hat) und, das ist der mir eigentlich wichtige Punkt, ich möchte zunächst unterstellen, dass es beiden Autoren schlicht an Kenntnissen über die speziellen Sachverhalte fehlt. Das ist kein nettes Urteil über Menschen, die für angesehene Zeitungen bzw. Magazine schreiben, aber es führt im Ergebnis der Bewertung zur einer anderen Reaktion, als es bei absichtlicher, vorsätzlicher Formulierung der gleichen Texte der Fall wäre.



*) Bitte, bitte: Nicht wieder auf die Klofrage versteifen. Die Sache dient hier nur als Beispiel!
**) Wenn im Beitrag Wörter wie 'Jetzt', 'Anfang', 'Ende' oder ähnliches stehen, dann sind damit Zustände oder Vorgänge bezeichnet, die, weil es geselschaftliche Entwicklungen sind, Jahre, Jahrzehnte oder Jahrhunderte dauern.

Re: Wirtschaftswoche: eine dumme Kolumne mit Unwahrheiten?!

Verfasst: Do 5. Jan 2017, 01:43
von Marlen
Hallo,

Meine Frau läuft regelmäßig Amok, wenn sie als "Cis- Frau" bezeichnet wird. Sie steht uns und unseren Anliegen äußerst positiv gegenüber, setzt sich damit auseinander und tritt dafür ein.
ABER sie ist eine Frau und will als solche gesehen werden. Es käme ihr nie in den Sinn, sich und andere (echte) Frauen als "Cis- Frauen" zu bezeichnen. Ganz einfach weil sie eine Frau ist. Sie versteht, wenn wir zwischen - meinetwegen — 57 verschiedenen Geschlechtern unterscheiden, damit sich jeder und jede und jedes wiederfindet. (Vielleicht sind es auch 60 — ich habe den Überblick längst verloren). Aber sie beansprucht die Bezeichnung "Frau" - ohne Zusatz — für sich. Bei "Cis" schüttelt sie den Kopf.
Vielleicht macht das anschaulich, daß es anderen bei dieser Terminologie Diskussion auch so geht.
Der öffentliche Diskurs über Trans* Themen war nie so breit und allgemein wie heute. In den Medien, in der Gesellschaft. Die Wahrnehmung ist m.E. im Grunde positiv, die Bereitschaft sich mit Trans* Themen auseinander zu setzen nie so groß wie heute.
(Die Kelles dieser Welt lasse ich hier mal raus)
Die politische Bereitschaft für Veränderungen ebenfalls — auch wenn das dänische Modell nicht in diesem Jahr in Deutschland eingeführt werden wird. Aber wir könnten das noch erleben.
Ich halte es tatsächlich für geboten in Verhandlungen über den Status von Trans* einzutreten. Der Öffentlichkeit jetzt gleich die 57 (oder 60) unterschiedlichen Geschlechter dogmatisch um die Ohren zu hauen und ultimativ darauf zu bestehen, überfordert jene schlicht.
Manche halten diese Diversifizierung auch einfach nur für Schwachsinn — selbst aufgeschlossene und uns wohlgesonnene Menschen.
Ich bin da ganz bei Marielle, daß die Phase der Diskussion und Verhandlungen begonnen haben könnte. Nun sollten sich alle unter dem Trans* Banner scharen — schlicht weil es einfacher ist. Unsere Position auf einen Nenner bringt, der Gegenseite ein eindeutiges Anliegen signalisiert und - ganz wichtig - die (weitgehende) Einheit und Einigkeit der Community bedeutet. Wahrgenommen werden wir, angehört ebenfalls, nun sollten wir auch ernst genommen werden und so am gesellschaftlich / politischen Diskurs teilnehmen. Dann eröffnen sich auch Räume für Erklärungen zur Diversifizierung und zur Durchsetzung der unterschiedlichen Anliegen.
Sehen wir doch die Artikel in NG und WiWo als einen Schritt auf uns zu. Verbunden mit großen Fragen: "Wer seid ihr und was wollt ihr genau? Klärt uns doch mal auf!"
Allem Anschein nach besteht da ein großer Bedarf. Sie haben nämlich schon begriffen, daß die meisten von uns keine Klamauktunten sind.

PS: Wir sollten uns auch die Fähigkeit zu Selbstironie erhalten.

Re: Wirtschaftswoche: eine dumme Kolumne mit Unwahrheiten?!

Verfasst: Do 5. Jan 2017, 08:57
von Anne-Mette
Moin,

Anlass für die Diskussionen - auch im Blätterwald - ist sicherlich neben den Vorstößen in Dänemark (auch) die Regierungsbildung in Berlin, die sich Regenbogenfarben und -themen auf die Fahnen geschrieben hat.
Nach vielen Jahren wird politisch etwas "ausprobiert"; es kommen Impulse, bei denen im Moment noch nicht feststeht, wie sie sich auswirken.
Ich hoffe, es geht nicht nur darum, die "üblichen Verdächtigen" besser zu fördern (und die anderen Gruppierungen unter den Tisch fallen zu lassen), sondern dass wirklich eine Art Aufbruch gewagt wird.
Natürlich sollten die Erwartungen nicht zu hoch sein, aber "das zarte Pflänzchen" sollte meiner Meinung nach erst einmal anwachsen, eine Chance haben, bevor ihm der Wind um die Ohren weht und kalter Regen auf ihn niederprasselt.

Solche Kolumnen sehe ich nicht unbedingt als "auf uns zugehen". Wenn es so wäre, vielleicht sogar ein unbefangenes oder "freundlich-positives", dann hätte ich mir andere Ansätze gewünscht.
Es besteht in meinen Augen die Gefahr, dass sich die Leserschaft NICHT erst einmal unvoreingenommen und unbefangen mit "uns" auseinandersetzt.
Es wird eher Meinung gemacht, die uns weiterhin als Sonderlinge und Spinner ausweisen will.

Der wirtschaftswochelesende Banker, der möglichwerweise eine Bankkarte mit meinem Namen befürworten soll (wenn ich das denn wünschen würde), wird sich so seine Gedanken machen,

Gruß
Anne-Mette

Re: Wirtschaftswoche: eine dumme Kolumne mit Unwahrheiten?!

Verfasst: Do 5. Jan 2017, 09:28
von ab08
Marlen hat geschrieben:... Aber sie beansprucht die Bezeichnung "Frau" - ohne Zusatz — für sich. ...
Hallo Marlen,

eine kleine Anmerkung/Erläuterung in eigener Sache:
-> Da geht es mir übrigens genau wie Deiner Frau. Im Ernstfall, wenn es hart auf auf hart kommt,
beanspruche ich genauso die Bezeichnung "Frau" - ohne Zusatz — für mich *) :!: :!:

Da ich aber ein gutmütiger Mensch bin, akzeptiere ich in entsprechendem, positiv gestimmten, offenen Umfeld,
um etwas zu verdeutlichen bzw. um Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen, auch Frau mit transsexueller Vergangenheit, Transfrau und Sonstiges...

Liebe Grüße
Andrea

*) Bin eine "(echte) Frau", wie jede andere Frau auch. -> Spätestens nach NÄ/PÄ/GAOP etc. sollten dies sogar geistig unbedarftere Gemüter einsehen.
Klartext:
Dass eine Frau Eierstöcke & Gebärmutter/andere Chromosome besitzt, gibt ihr nicht das Recht, mir meine Weiblichkeit abzusprechen.
Auch nach Totaloperation/Verlust der Gebärfähigkeit bleibt eine Frau ja eine Frau :!: :wink:

Re: Wirtschaftswoche: eine dumme Kolumne mit Unwahrheiten?!

Verfasst: Do 5. Jan 2017, 15:12
von JaquelineL
Liebe Hedi,
Die nächsten 5 Beiträge stürzen sich wie die Lämmergeier eben genau auf diesen Begriff und plappern nach oder setzen noch einen drauf ohne Nachzudenken.
da Du auch meinen Beitrag mit einbezogen hast, eine Anmerkung dazu: Meine Antwort (hinsichtlich des Heruntereissenlassens auf ein bestimmtes Niveau) bezog sich auf den letzten Satz des direkt vorangegangenen Beitrags:
Das Lächerlichmachen hebt die Diskussion allerdings auf eine Ebene, auf der sich schlecht diskutieren lässt.
Über den Inhalt der Kolumne habe ich bislang noch kein einziges wertendes Wort verloren :wink:

Liebe Grüße
Jackie

Re: Wirtschaftswoche: eine dumme Kolumne mit Unwahrheiten?!

Verfasst: Do 5. Jan 2017, 17:42
von Anke
Hallo,

den Artikel in der WiWo fand ich auch nicht gerade berauschend. Welchen Intelligenzquotienten der Autor hat, vermag ich nicht zu deuten. Aber gut Schreiben kann eher schlecht. :wink: Vielleicht konnte er sich auch einfach nicht entscheiden, ob er eine Satire, eine Kolumne oder einen Kommentar schreiben soll. Mir jedenfalls ist unklar geblieben, was es nun eigentlich ist.

Ich finde allerdings, dass er einen interessanten Pubnkt aufgegriffen hat. Unsere Sprache ist männlich dominiert und bietet nur wenig Platz zwischen den binären Formen. Auch geht es mit dem grammatikalischen Geschlecht drunter und drüber. Oder wie sonst ist es erklärbar, das es DAS Mädchen heißt. Mir jedenfalls ist nicht klar, wieso ein junges weibliches Wesen eine Sache sein soll.

Es gibt also viel Verbesserungsbedarf. Doch die bisher entwickelten Möglichkeiten finde ich alles andere als überzeugend und nur wenig alltagstauglich. Ich empfinde das als ein "Herumdoktern" und manchmal schlechter als vorher

Ich glaube vielmehr, dass es einer sehr radikalen Änderung bedarf, um das befriedigend zu lösen. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, dann haben die Dänen so etwas gemacht. Vielleicht können wir davon etwas lernen.

Liebe Grüße

Anke

Re: Wirtschaftswoche: eine dumme Kolumne mit Unwahrheiten?!

Verfasst: Do 5. Jan 2017, 18:27
von Michi
Hallo Hedi,
Hedi hat geschrieben:Du streitest aber mit mir, stört mich aber nicht. So ein bisschen rumkebbeln muss doch auch mal sein :)p (gitli)

Daß mein erster Kommentar so kurz und knackig ist war durchaus beabsichtigt.
Ich streite mich nicht mit dir, aber wenn du die Gedanken anderer Beteiligte pauschal aburteilst, und dies mit deinem, für mich befremdlichen, Textverständnis begründest, dann erlaube ich mir, das nicht unwidersprochen stehen lassen. Wenn du jetzt zudem von "durchaus beabsichtigst" schreibst, dann wirft das noch mehr Zweifel auf, dass es dir tatsächlich um das Thema geht.

Hedi hat geschrieben:Eigentlich habe ich auf solche Schreiborgien wie genau diese hier eher selten Lust.
Ich wollte eigentlich nur erreichen daß die voreiligen Kritiker sich den Text in der Wiwo nochmal in Ruhe durchlesen. Das hätte ich wohl mehr verdeutlichen müssen.
Provokationen sind kein adequater Ersatz für mangelnde Schreiblaune. :wink: Davon abgesehen hast du es jetzt problemlos hinbekommen, dein Ansinnen kurz und knapp in einem Satz zum Ausdruck zu bringen.
Hedi hat geschrieben:Ich kenne mich gut genug um zu wissen daß ich ein Talent dafür habe Dinge anders zu schreiben als ich sie eigentlich meine. :( . Wer Lust hat darf gerne vorbeikommen und mir einen Intensivkurs in Kommasetzung und zusammenhängender Rede verpassen. (moin), q.e.d. folgt:

Nochmal zum Thema und zur Häufigkeit des Lesens:
Wo ist definiert daß eine Satire (Texte->Literatur->Kunst) auf Anhieb verstanden werden muss?
Gegenfrage: Wo ist definiert, dass man jeden Unfug als Satire deklarieren darf?

Es mag dich womöglich überraschen, dass du nicht die einzige Person bist, die Artikel von zweifelhaftem Gehalt auch mehrmals liest. Ich halte das jedenfalls so.
Dabei ist mir aufgegangen, dass der Schreiber des hier diskutierten Artikels die für Außenstehende zweifellos befremdlich wirkende hohe Zahl unterschiedlicher "Geschlechter" wie auch die Schrift- und Sprachakrobatik selbst ernannter Sprachverbesserer seiner mehrheitlich heteronormativen Leserschaft derart unter die Nase reibt, dass am Ende der Eindruck hängen bleibt, dass da doch eine ganze Menge Spinner in der freien Wildbahn unterwegs sind. Siehe Anne-Mettes Beispiel mit dem Banker. Das ist nicht so weit hergeholt.

Das dem tatsächlich so ist, entnehme ich immer wieder den Gesprächen mit Unbeteiligten, die auch nichts von meiner kleinen Besonderheit wissen, und sich daher zumeist recht zwanglos äußern. Für einen nicht gerade kleinen Teil der Menschen ist Toleranz offensichtlich nur das, was das Wort im ursprünglichen, nicht(!) weichgespülten Sinne bedeutet: Es ist nicht mehr als Duldung, unsere Existenz zu ertragen, ohne uns gleich nach Leib und Leben zu trachten. Das, was heute vielfach in Toleranz hineingedeutet wird, ist eigentlich Akzeptanz, und davon sind viele Menschen immer noch weit entfernt. Sprüche der Art: "Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber wenn sich zwei Männer küssen ... das ist einfach nur ekelhaft!", kennen die meisten wohl zur Genüge. Wenn ich in solchen Momenten mit Verständnis und Respekt vor der Würde dieser Menschen dagegen halte, ernte ich von meinem Gegenüber immer wieder überraschte und verwirrte Reaktionen, weil ihnen ihre Ablehnung offensichtlich opportun erscheint.
Hedi hat geschrieben:Dieser Thread drohte wegen dieser Verhaltensweise meines Erachtens in die falsche Richtung zu laufen.
Anne-Mette hat in der Überschrift den Begriff "Dummheit ?!" verwandt und somit automatisch einen Aufruf zur Meinungsbildung vorgegeben [...]
Die nächsten 5 Beiträge stürzen sich wie die Lämmergeier eben genau auf diesen Begriff und plappern nach oder setzen noch einen drauf ohne Nachzudenken.
Du hast von mir und anderen hier im Forum offensichtlich keine sehr hohe Meinung. - Vielen Dank auch! :roll:

Und dann wunderst du dich, wenn ich ob deiner unreflektierten Aussage: "riskante Schnellschüsse ohne Nachzudenken" andeute, dass dein Beitrag eben diese Kriterien bestens erfüllt. (moin)

Re: Wirtschaftswoche: eine dumme Kolumne mit Unwahrheiten?!

Verfasst: Do 5. Jan 2017, 19:22
von Svetlana L
Hedi hat geschrieben:Hallo MichiWell, liebe Androgyner Mensch, Androgyn, Bigender, Weiblich, Frau zu Mann, Gender variabel, Genderqueer, Intersexuell (oder auch inter*), Männlich, Mann zu Frau, Weder-noch, Geschlechtslos, Nicht-binär, Weitere, Pangender, Trans, Transweiblich, Transmännlich, Transmann, Transmensch, Transfrau, Trans*, Trans* weiblich, Trans* männlich, Trans* Mann, Trans* Mensch, Trans* Frau; Transfeminin, Transgender, Transgender weiblich, Transgender männlich, Transgender Mann, Transgender Mensch, Transgender Frau, Transmaskulin, Transsexuell, Weiblich-transsexuell, Männlich-transsexuell, Transsexueller Mann, Transsexuelle Person, Transsexuelle Frau, Inter*, Inter* weiblich, Inter* männlich, Inter* Mann, Inter* Frau, Inter* Mensch, Intergender, Intergeschlechtlich, Zweigeschlechtlich, Zwitter, Hermaphrodit, Two-Spirit (Drittes Geschlecht), Viertes Geschlecht, XY-Frau, Butch, Femme, Drag, Transvestit, Cross-Gender
Von AfD-Königer abgekupfert?
Handwerklich: Ja, er hat Recht, dieser ganze Sternchen-Unterstrich-Kram an unpassenden Stellen kann das fliessende Lesen stören, deswegen habe ich ihn mehrfach lesen müssen und genau deswegen bin ich zu grossen Teilen seiner Meinung.
Meine Behörde hat im letzten Jahr den Internet-Auftritt auf die Schreibweise mit dem Gender_Gap umgestellt und auch persönlich verwende ich diese Schreibweise bereits seit längerer Zeit. Ich kann allen Skeptikern versichern, dass die Verwendung des Unterstrichs nicht weh tut und kürzer als die Schreibweise der männlichen und weiblichen Form ist (und dazu noch wesentlich umfassender). Und der Clou dabei ist: Der Gender_Gap ist inklusiv, bei dessen Verwendung ist es vollkommen schnuppe, ob es nun 59, 60 oder 123 Geschlechtsvarianten gibt. Ich würde sogar soweit gehen, dass jeder trans*-Mensch quasi seine eigene einmalige Geschlechtsidentität lebt.

Sprache entwickelt sich nun mal weiter. Was früher z. B. der Photograph war ist heute der Fotograf, man denke an die vielen übernommenen Anglizismen oder an die letzte Rechtschreibreform. Das sind alles auch gesellschaftliche Entwicklungen, die zur Anpassung der Sprache geführt haben. Ich habe heute erst folgenden Satz gelesen(Quelle: Situation von trans- und intersexuellen Menschen im Fokus): "Sprache bildet Lebensrealität ab, formt diese jedoch auch gleichzeitig mit." Meine Interpretation dieses Satz ist, dass TTI* verstärkt in den Fokus der breiten Öffentlichkeit rücken und sich das letztendlich auch in der Sprache niederschlägt. Dieses wiederum sorgt dann wieder für eine weitere Verbreitung "unseres" Themas. Und weiter: "Sie [Anm.: Die Sprache] kann bestehende Verhältnisse festigen oder in Frage stellen." Das heißt, je nachdem wie ich ein Thema beleuchte, kann ich Reaktionen in die eine oder die andere Richtung provozieren. Herr Werner will da wohl eher festigen, mit seiner Forderung nach Rückkehr zum generischen Maskulinum ja sogar noch einen Schritt zurück machen. Das kann doch nicht das Ziel sein!? Ich hatte mal eine Fortbildung zum Thema geschlechtergerechte Sprache, da haben wir sehr lange über Probleme bei der Anrede von TTI*-Menschen diskutiert. Was mir da aber besonders deutlich aufgefallen ist, dass insbesondere junge Frauen keine Probleme damit haben, wenn sie bei der Verwendung der männlichen Form "mitgemeint" werden. Die Dozentin hat das damit erklärt, dass gerade ältere Frauen, die den Kampf um die sprachliche Emanzipation noch miterlebt haben, da wesentlich empfindlicher reagieren als junge Frauen. Letztendlich hat sich aber auch bei der Einführung dieser Neuerungen gezeigt, dass es Zeit kostet, aber irgendwann hat man es dann verinnerlicht und dann liest man im Falle des Gender_Gaps oder -sternchens statt Fahrer*innen eben nicht Fahrerinnen, wie uns Herr Werner weismachen will.

In so ähnlicher Weise habe ich das Herrn Werner auch mitgeteilt. Ob er darauf reagiert, weiß ich nicht, aber das halte ich für wesentlich sinnvoller, als sich hier die Köpfe heiß zu diskutieren.

Re: Wirtschaftswoche: eine dumme Kolumne mit Unwahrheiten?!

Verfasst: Do 5. Jan 2017, 19:45
von Valerie Bellegarde
Völkerkundlern ist schon früh (Anfg. 20. Jhdt.) aufgefallen dass auf fast allen Sachgebieten, die für eine bestimmte Gruppe oder für einen Personenkreis wichtig sind, sehr viele Worte und sehr detaillierte Begriffe für ihr Hauptinteressengebiet existieren, eben um diejenigen Dinge und Zusammenhänge genau zu beschreiben und zu benennen, die zentral für ihr Leben oder ihre Kultur sind. Zum Beispiel kennt der Älpler oder der Eskimo sehr viele Worte für Schnee, die dem südlichen Flachländer unbekannt oder auch schnurzpiep egal sind, d.h. er will es gar nicht so genau wissen, weil für sein Alltagsleben eben nicht relevant.
Differenzierte Realität macht also eine differenzierte Sprache, das ist klar.
Umgekehrt, seit sich Linguistiker wissenschaftlich mit der Sprache befassen und ca. Mitte 20. Jhdt. herausfanden (Benjamin Whorf u.a.) dass Elemente der Sprache sehr stark unser Denken und damit unser Wirklichkeits-Empfinden steuert (Sprache > Denken > Wirklichkeit) wurde die Sache auch politisch interessant. Geniale und machtverrückte Manipulatoren und Diktatoren hatten den angesprochenen Grundzusammenhang intuitiv immer drauf (Hitler/Goebbels/Stalin usw.), wussten damit umzugehen und setzten den Mechanismus im politischen Kampf ein. Es sei nur kurz an den Roman "1984" erinnert. George Orwell beschreibt wie es in einer völlig abgeschlossenen Gesellschaft von einer Führungsclique (fast) gelingt, die Medien und dann auch die Sprache zu kapern zum Zweck der Manipulation und Gleichschaltung der Menschen.
Heute funktioniert das alles noch nach demselben Schema. Natürlich leben wir pluralistisch und vielfältig, und das ist auch gut so. Trotzdem ist der Kampf um die Lufthohheit über den politischen Stammtischen immer noch voll entbrannt. Jeder ist dabei, gerade im Internet, auch und vor allem Minderheiten sind lautstark. Das ist politischer Kampf auf Bürgerebene, nichts dagegen. Sobald es aber um Sprechverbote, Unterdrückung bestimmter Begriffe oder Denkverbote geht, hört für mich der Spass auf. Sprache, auch Deutsch, wird von der Mehrheit gemacht und auch geformt, nicht von Minderheiten. Und was im Dunstkreis von Minoritäten jeder Couleur höchstrelevant oder gar essentiell ist fürs Selbstgefühl, muss die gesellschaftliche Mitte nicht kratzen, nicht einmal interessieren. Vielleicht findet der "Normalbürger" so etwas wie den Genderismus komisch und eventuell auch als Sprachverhunzung. Das ist eigentlich nachvollziehbar, und so habe ich auch diesen Artikel in der Wirtschaftswoche verstanden.

LG, Valerie