Marielle hat geschrieben:Hallo zusammen,
Lina schrieb:
Jedes andere Säugetier auf dieser Welt macht so was, ...... Warum glauben so viele, dass Menschen auf dem Punkt anders sein müssen? Hat da jemand eine logische Erklärung?
Naja, ein großer Teil der Menschheit glaubt oder behauptet zumindest, sich über '
fressen oder gefressen werden' erhoben zu haben und zivilisiert zu sein.
Ich frage ganz konkret: Was sollen wir mit denen tun? Wie kriegen wir die aus der Opferrolle? Nichts nützt, wenn wir dafür keine Antwort finden.
Ich halte es jedenfalls für keinen guten Ansatz, dass alle ständig im Alarmzustand zu sein haben; das ist wohl mit "allgemeine situational awareness" gemeint. Und wir kriegen es m.E. schon gar nicht dadurch hin, dass sich möglichst viele Leute in der einen oder anderen Art bewaffnen. Das geht auch mir viel zu weit in die Richtung der Ansätze von militanten Cooperisten oder den Freunden von Smith&Wesson. Am Ende stünde eine Welt, in der Misstrauen und Abwehr der Normalzustand sind und gelegentliche 'Fehler' oder 'Kolateralschäden' wahrscheinlich als Preis der Sicherheit abgetan würden.
Das heisst natürlich nicht, dass ich dafür bin, völlig planlos und unaufmerksam in der Gegend herumzulaufen, aber als alleinigen Ansatz finde ich das wesentlich zu kurz gegriffen.
Ich hielte es für sehr viel sinnvoller, die gesellschaftlichen Kräfte zusammenzunehmen, um eine Umwelt zu schaffen, in der die schon die 'kleinen' Täter diejenigen sind, die sanktioniert werden. Das beseitigt nicht alle Probleme, aber sehr viele schon, denke ich. Der Provokateur, der jemanden eine Tunte oder Transe nennt, müsste damit rechnen müssen, dass sich umgehend eine Gruppe von Umstehenden gegen ihn wendet und der Haustyran müsste wissen, dass die Nachbarn nicht schweigend zuhören, wenn er Frau und Kinder verprügelt.
Es geht m.E. darum, die soziale Kontrolle neu zu erfinden, die uns in ihrer alten Form im Zuge von Freiheitsgewinnen zu Recht abhanden gekommen ist. Es darf nicht die miefige Kontrolle der Fünziger und Sechziger sein, die extrem normativ und auch sehr selektiv war und die manche Pappköpfe gern zurückhätten, sondern eine, die auf Respekt, Anerkennung und Freiheit basiert. Ich hatte tatsächlich mal den Eindruck, dass es ohne soetwas gehen könnte, weil die Leute es von allein kapieren, aber ganz subjektiv habe ich auch den Eindruck, dass es 'draussen' in letzter Zeit wieder rauer wird, weil zuviele Trottel es wohl doch nicht kapiert haben.
Habt es gut
Marielle
DU redest ständig von Waffen, ständig in Alarmzustand zu sein etc. Davon war offensichtlich nicht die Rede, meinerseits. Wo denn soll ich das gesagt haben?
Es gibt doch definitiv einen riesen Unterschied zwischen ständig in Alarmzustand zu sein und einfach rutinemäßig checken ob es einen Grund gibt in Alarmzustand zu sein, nett und entspannt den Menschen auf seinem Weg zu begegnen und dann fähig in so flexibel zu sein, dass WENN jemand eine Gefahr darstellt, umschalten zu können und entsprechend handeln, d.h. auch solche Leute wenn nötig absolut Kampfunfähig zu machen. Das ist vor allem eine Einstellungssache - die einfache Entscheidung "nein, nicht mit mir" zu sagen. Die Mittel, womit man das "nein" dann rein physisch Ausdrückt, müssen gar nicht Teil der Diskussion sein. Waffen gibt es genügend und überall. Die ersten davon liegen vermutlich schon auf euren Schreibtischen rum. Was glaubt ihr nicht alles, was man mit einem Kugelschreiber oder einen Autoschlüssel verletzen kann.
Das hat nicht mit Alarmzustand zu tun, sondern mit Aufmerksamkeit. Es gibt doch hunderte von Gründe, weshalb man sich die paar Bruchteile einer Sekunde Zeit nehmen soll, die Leute in dem S-Bahn-Abteil oder einem anderen Raum, den man betritt, genauer anschauen sollte. Einige sind verloren in eigenen Gedanken, die mal angenehm oder weniger angenehm, einige sind interessant und nett, einige traurig, einige kontaktfreudig und ab und zu gibt es einen, der nichts Gutes im Sinne hat. Gemeinsam für alle ist aber, dass sie es ziemlich genau in ihrem Gesichtsausdruck und Körperhaltung zeigen, was gerade läuft. Was hat das mit Alarmzustand zu tun? Nichts ...
Erst wenn gerade der eine, der nichts gutes im Sinne hat, da ist - dann wäre es doch wohl ziemlich dämlich ihn nicht genauer zu beobachten, oder? Einfach sich einbilden, dass man ihn nicht gesehen hätte - dann passiert vielleicht plötzlich tatsächlich was - ja, dann ist Alarmzustand. Meistens dann aber ein bisschen zu spät.
Ich sehe eigentlich auch nicht, warum man nicht aufmerksam sein sollte. Ja, stimmt, einige bilden sich ein, dass man in einer modernen Gesellschaft usw. ... einige bilden sich sogar ein, dass in allen denkbaren Situationen andere für ihre Sicherheit zuständig wären. Das sind z.B. solche, die sich auf einen Felsen vor den krachenden Wellen hinstellen, um ein Selfie zu machen und vermutlich erwarten, das Wellen gefälligst immer die gleiche Kraft und Größe haben sollen. Ich möchte gar nicht wissen wieviele von denen Tage später irgendwo anders reingespült wurden.
Und es ist ja nun mal ein Faktum, dass LGBT von irgend welchen Idioten gerne als Opfer gewählt werden. Da ist es völlig egal, ob es gerecht ist - ist es natürlicht genauswenig - es ist aber ein Faktum. Dann kann man sich einbilden es wäre nicht so, oder das Andere zuständig wär. Oder man kann entscheiden, dass wenn man tatsächlich selber das Opfer sein sollte, oder auch jemand für den oder die man sich verantwortlich fühlt, dann ist das die Zeit, wo man falls nötig jemanden platt macht, mit welchen Mitteln auch immer.
Ich sehe wirklich nicht was in der Lebenseinstellung so alarmierend sein soll. Ich setze ja auch einen Helm auf beim Motorradfahren, benutze den Sicherheitsgurt im Auto, Rauchmelder in der Wohnung lasse die Feuerlöscher jährlich prüfen, informiere mich, wie man die überhaupt benutzt, usw.
Der einzige Unterschied ist doch eigentlich nur, dass beim Thema "Gewalt" müssen die Leute ihren Arsch vom Sofa hoch kriegen und einige - aber bestimmt nicht alle - auch noch mental evtl. umprogrammieren.