Alles nur Selbstbetrug?
Alles nur Selbstbetrug? - # 2

Lebensplanung, Standorte
Lina
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Re: Alles nur Selbstbetrug?

Post 16 im Thema

Beitrag von Lina »

Hallo Simone,
wenn ich deinen ersten Beitrag hier lese, erinnerst du mich ein bisschen an den Typ der sagt: "Mein Psychoanalytiker hat mir gesagt, dass ich mich in meinem Leben viel zu sehr von Expertenaussagen beeinflussen lasse."

Die drei Fragen die die Andrea in Beitrag 8 stellt, sind wirklich relevant. Du erwartest, dass andere, z.B. wir oder dein Psy dir Antworten geben können. Das können die nicht, weil nur eine Person die Antworten hat: Du selbst. Die Antworten findest du erst wenn du erst mal einfache Fragen beantwortest - und dir erst mal Stück für Stück Klarheit darüber bringst, wie die Situation eigentlich aussiehst, die du herbeiführen willst.
Simone
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Re: Alles nur Selbstbetrug?

Post 17 im Thema

Beitrag von Simone »

Liebe Vicky,

Ich weiß, dass einer der zentralen Leitsprüche der Beratung lautet: Die Lösung liegt im Klienten. Ich weiß, dass ich selber entscheiden muss, was mit meinem Leben passiert. Hinzu kommt die Verantwortung, die ich für meine Familie trage. Das beginnt mit meinem Sohn, geht mit meiner Frau weiter und endet mit Eltern, Schwiegereltern, Geschwistern und so weiter. Aber hier wird mir von allein niemand eine Frage stellen, die mir hilft, Klarheit zu finden, wenn ich nicht selber frage oder vielleicht auch mal provoziere. Niemand kann mir die Verantwortung abnehmen, aber es gibt vielleicht Menschen, die eine andere Sicht auf die Situation haben und zu anderen Schlüssen kommen als ich. Es erweitert einfach meinen Hrizont. Ich kann überlegen, ob ich mir die andere Sicht zu eigen machen kann. Vielleicht komme ich irgendwann selber darauf, aber ich habe keine Zeit mehr. Die Situation zwischen meiner Frau und mir ist unerträglich. Ich will bald sagen können, was mit mir ist. Oder wie du es ausdrückst, was essenziell,was nice to have und was verzichtbar. Und wenn ich auf der grünen Wiese säße wäre meine Entscheidung einfach. Aber so ist es nicht. Leider sieht es so aus, als wäre jede Entscheidung pro Weiblichkeit nicht pro Familia. Vielleicht geht es mir ja letztlich wie dir und ich muss mit gewissen Unklarheiten leben. Aber ich will wissen, zwischen was ich schwanke. Ich muss das einfach mal ausprobiert haben und wissen, was es bedeutet eine Woche Frau zu sein, von früh bis spät. Aber das werde ich wohl ohne Trennung nicht bekommen. Aber findest du nicht, dass der Preis dafür nicht zu hoch ist, wenn danach Simone möglicherweise für unbestimmte Zeit, vielleicht für immer auf Tauchstation geht?
Das ist auch unwahrscheinlich. Ich glaube inzwischen auch, dass sie nicht ohne Grund so alt geworden ist. Und ich möchte mich ausdrücklich für deine Sicht der Dinge und deinen Erfahrungsbericht bedanken. Das hilft wir. Ich ahne dann, wie ein eingeschwungener Zustand aussehen könnte. Wer weiß denn, wie er bei mir einmal aussehen wird. Ich bin mir nur in einem sicher. Er wird nicht so aussehen wie vorher, es sei denn jemand macht mir plausibel, dass es absolut unverantwortlich ist, die Beziehung, Ehe, Familie aufs Spiel zu setzen für die Suche nach eigener Identität. Und unglückliche Eltern sind besser als getrennte.
Liebe Grüße und einen schönen Sontag wünscht
Simone
Simone
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Re: Alles nur Selbstbetrug?

Post 18 im Thema

Beitrag von Simone »

Hallo Lina,
du triffst da sicherlich einen Schwachpunkt von mir. Es ist mir wichtig, vielleicht zu wichtig, was andere sagen und denken. Mein Problem ist doch, dass zwischen meinem Streben noch Glück und Zufriedenheit und dem meiner Familie, zu der ich noch gehöre und in der ich eine gewisse Verantwortung für Glück und Zufriedenheit habe, entscheiden muss.
Darf ich meine Ehe riskieren, in dem ich sage, ich will probieren, als Frau zu leben. Oder muss ich meine Täume unterdrücken zu Gunsten meines Sohnes und meiner Frau. Ob ich das Frausein irgendwann einmal Leid bin, ist dabei eine zweite Frage, die die Wichtigkeit dieser Entscheidung noch verschärft. Ich lebe das Leben eines ganz normalen Mannes (glaube ich zumindest, was auch immer normal ist) und trotzdem möchte ich lieber Frau sein. Und meine Versuche dies Wünsche heimlich zu erfüllen führen in eine Sackgasse. Kann ich meine Weiblichkeit überhaupt vollständig unterdrücken? Soll und darf ich es noch einmal versuchen? Wie mein Traumleben aussieht ist klar. Aber ist das so realistisch, dass ich das anstreben darf und anderer Menschen Glück dafür riskieren darf. Es geht mir nicht um Hemd oder Bluse. Es ist für mich eine Moralische Frage.
Liebe Grüße, Simone
Jenniffer63
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Re: Alles nur Selbstbetrug?

Post 19 im Thema

Beitrag von Jenniffer63 »

Hallo Simone.

Vieles von dem was du schreibst kommt mir bekannt vor.
Und das nicht nur in Bezug auf das Crossdressing, sondern auch ganz allgemein.
Entscheidungen verschieben, auf das hören und tun was andere sagen, eigene Bedürfnisse vernachlässigen, usw. usw.

Im Zuge einer Reha habe ich jedoch gelernt, das genau das falsch ist und das totale Selbstaufgabe dazu führt, das es nicht nur dir, sondern auch anderen um dich herum schlecht geht. Du bist einfach ein ganz anderer Mensch wenn es dir gut geht.

Irgendwie verstehe ich auch Martina nicht, oder ich habe sie falsch verstanden, wenn sie schreibt " ... um einen Therapeuten zu finden, der sich zutraut, meine Neigung zu heilen oder zumindest zu lindern. ... " Für mich klingt das nach Einsicht, dass unsere Neigung eine Krankheit ist. Aber genau das ist sie nicht
Deshalb benötigen wir niemand der uns heilt, sondern wenn dann jemanden der uns hilft uns selbst so anzunehmen wie wir wirklich sind.
Meiner Meinung nach ist es die Aufgabe von Therapeuten dem Patienten zu helfen bei seiner Selbstfindung und das Leben nach unseren Vorstellungen zu gestalten.

Auch ich habe lange genug funktioniert.
Aber weil es dein Leben ist, kann niemand dir sagen wie du es zu leben hast.
Ich habe den großen Vorteil, eine sehr verständnisvolle Partnerin zu haben, die mich bis hierher wunderbar unterstützt.
Ohne Sie wäre es sicher sehr viel schwerer.

Ich hab es gewagt und ich stehe erst am Anfang.
für dich denke ich, wenn du keine Veränderungen wagst, dann hast du jetzt schon verloren.
eigentlich enthalten deine eigenen Fragen schon die Antworten für dich selbst.
Die ehrlichste Antwort bekommst du immer wenn du dich selbst fragst.
Sollte jedenfalls so sein denke ich. Das tun steht dann wieder auf einem ganz anderen Blatt.

Ich wünsche dir einfach Kraft und den Mut, die Entscheidungen zu treffen die für dich relevant sind.

Liebe Grüße
Jenniffer
besser ANDERS und GLÜCKLICH als gleich und unglücklich!

Brauchst du Hilfe beim Schminken und Stylen? Schau hier:
www.transpassabel.de
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Alles nur Selbstbetrug?

Post 20 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hallo Martina,

kannst Du das
ihre Crossdressing-Wünsche zu verringern, indem in der Therapie Zusammenhänge mit Kindheitserfahrungen hergestellt wurden
etwas näher ausführen ?
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Simone
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Re: Alles nur Selbstbetrug?

Post 21 im Thema

Beitrag von Simone »

Liebe Martina,

das interessiert mich auch. Auf der einen Seite schreibst du, dass du dich in deiner Freizeit in der Öffentlichkeit weiblich kleidest, deinem Bedürfnis nachgibst und somit quasi geoutet bist. Auf der anderen Seite möchtest du das Bedürfnis abschwächen. Warum? Worunter leidest du? Oder versuchst du alles zu unternehmen, der Erkenntnis von TS zu entgehen, um dir dann, solltest du doch zu dieser Erkenntnis gelangen, um so sicherer zu sein?
Das wäre von der Idee her meinem Verhalten nicht so unähnlich, nur das ich über unbeantwortbare Fragen nicht hinaus gekommen bin.
Liebe Grüße, Simone
Simone
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Re: Alles nur Selbstbetrug?

Post 22 im Thema

Beitrag von Simone »

Liebe Sara,
du schreibst, dass du seit längerem nur auf halber Maschinenstärke läufst.
Das ist ein Eindruck, den ich auch von mir habe. Mein Geist teilt seine Aktivitäten auf zwei Existenzen auf. Ich empfinde meine männliche Existenz mäßig erfolgreich. Aber ist das die Ursache oder die Wirkung meiner Weiblichkeit? Bin ich in einigen Punkten nicht erfolgreich, weil Simone mich in Anspruch nimmt und ich mit mir selbst nicht im Reinen bin. Oder ist sie nur ein Selbstbetrug meines viel zu ehrgeizigen Geistes, der mit seinen eigenen Ansprüchen nicht zurecht kommt und sich dann eine Ressourcenfresserin ausgedacht hat, als Entschuldigung für mittelmäßige Ergebnisse? Sollte ich Simone nachgeben, für ein glückliches Leben oder führt sie mich in eine Sackgasse, in der ich überladen mit Sorgen und Problemen untergehe? Muss sie befreit oder wegtherapiert werden?
Es läuft immer wieder auf das gleiche hinaus?
LG Simone
Lina
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Re: Alles nur Selbstbetrug?

Post 23 im Thema

Beitrag von Lina »

Simone hat geschrieben:Hallo Lina,
du triffst da sicherlich einen Schwachpunkt von mir. Es ist mir wichtig, vielleicht zu wichtig, was andere sagen und denken. Mein Problem ist doch, dass zwischen meinem Streben noch Glück und Zufriedenheit und dem meiner Familie, zu der ich noch gehöre und in der ich eine gewisse Verantwortung für Glück und Zufriedenheit habe, entscheiden muss.
Darf ich meine Ehe riskieren, in dem ich sage, ich will probieren, als Frau zu leben. Oder muss ich meine Täume unterdrücken zu Gunsten meines Sohnes und meiner Frau. Ob ich das Frausein irgendwann einmal Leid bin, ist dabei eine zweite Frage, die die Wichtigkeit dieser Entscheidung noch verschärft. Ich lebe das Leben eines ganz normalen Mannes (glaube ich zumindest, was auch immer normal ist) und trotzdem möchte ich lieber Frau sein. Und meine Versuche dies Wünsche heimlich zu erfüllen führen in eine Sackgasse. Kann ich meine Weiblichkeit überhaupt vollständig unterdrücken? Soll und darf ich es noch einmal versuchen? Wie mein Traumleben aussieht ist klar. Aber ist das so realistisch, dass ich das anstreben darf und anderer Menschen Glück dafür riskieren darf. Es geht mir nicht um Hemd oder Bluse. Es ist für mich eine Moralische Frage.
Liebe Grüße, Simone

Es spricht ja auch nichts dagegen, was andere denken wichtig zu finden. Das ist nicht dasselbe wie, die Antwort bei anderen suchen, wenn bei sich selbst die Antwort finden sollte.

Z.B. ob du deine Ehe riskieren darfst ... wie sollen die das wissen? Du hast ja nicht mal für dich selbst definiert, was für eine Situation daraus entstehen soll. Was heißt für dich "als Frau leben" - auf wlechen Punkten ändert es deinen Alltag? Wie ändert es deine Interaktion mit anderen Menschen? Wie wird dein Verhalten sich ändern und welche Reaktionen erhoffst du durch diese geänderte Kommunikation? Welche Konsequenzen hat das für die Menschen in deinem nächsten Umfeld.
Das sind ja alles Ziele, die DU setzt. Was erwartest du, dass andere dazu sagen können, wenn es deine Ziele sind?
Wenn du dir darüber noch keine klaren Gedanken gemacht hast, dann ist es extreme Glückssache, ob was Gutes darus entspringt.

@"Es ist für mich eine moralische Frage"

????!!!! ... Was ist DAS denn?

Übrigens: Den Threadheadline finde ich ganz witzig. Wie definierst du denn "Selbstbetrug". Ich denke, alles was nicht explizit in die Schiene, Geboren werden, sterben, Weiterverpflanzung und Nahrungsaufnahme kann unter irgend einer Definition unter "Selbstbetrug" fallen.
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Alles nur Selbstbetrug?

Post 24 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Danke für den Hinweis.
findest du auf der Webseite der DIJG
Mir stehen die Haare zu Berge, wenn ich das lese. Da wird versucht, pseudowissenschaftlich eine Grundlage zu legen, mit dem man Menschen vorschreiben will, wie sie zu leben haben. Sie sind schlau genug, dass nicht zu schreiben, aber mit diesem Schrifttum bestärken sie Schamgefühle junger Menschen. "Offensive junger Christen" steht im Impressum. Das passt ziemlich gut. In einem Text heißt es:
Bei den Männern, mit denen er arbeitet, stellt er immer wieder tiefe Scham-Traumata fest: Frühe, das Kern-Selbst und das männliche (geschlechtliche) Selbst betreffende, emotionale Verwundungen, die zu tiefen Bindungsverletzungen führten und den Weg für eine homosexuelle Entwicklung bahnten.
Klingt einleuchtend. Aber aus meiner Sicht ist Grundlage eines "Scham-Trauma" höchstens das, was man Menschen immer wieder einredet, wie sie sich zu verhalten haben. Sie werden auch von dieser Organisation, befördert. Natürlich haben Menschen, vielleicht sogar alle Menschen Bindungsverletzungen, aber wieso sollte sie das in die Homosexualität treiben ?

Sind es nicht die Botschaften, die junge und jüngste Menschen verstören, wenn sie nicht so wahrgenommen werden, wie sie sind ? Jede Organisation ist aus meiner Sicht zu bekämpfen, die solche Botschaften verbreitet. Sie nennen sich Christen und verhalten sich komplett entgegengesetzt zur christliche Lehre. Dort steht nichts davon, dass Menschen anderen Menschen vorschreiben sollen, was richtig ist. Das ist totalitär.

Hier wird einiges auf den Kopf gestellt. Menschen müssen leiden, weil ihnen solche "Wahrheiten" präsentiert werden. Das Trauma liegt in der Beeinflussung durch "Heilsbringer".

Sorry, DIJG ist für mich Humbug mit kriminellem Potential.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Alles nur Selbstbetrug?

Post 25 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo, Guten Abend zusammen,

ich weiss nicht, ob es dir, Simone, hilft, aber ich glaube, dass es unendlich wichtig ist, das 'anything goes' zuzulassen. 'Alles geht' ist nach meiner festen Überzeugung der einzig richtige Umgang mit der Vielfalt menschlicher Eigenschaften und Träume. Alles IST, daher muss auch alles gehen.

Du schreibst, dass dir die endgültige Gewissheit eine Frau zu sein fehlt und das du Angst davor hast, irgendetwas könnte dich "verraten". Besteht der Verrat aber nicht viel eher darin, dass Menschen nicht zugleich ein Rock, schöne lange Haare und eine Bass-Stimme zugestanden wird? Und das nur, weil manche anderen Angst vor all dem haben, was IST?

Anything goes braucht Mut, starke Menschen und eine starke Gesellschaft, die es nicht nötig hat, aufgrund eigener Schwäche andere zu normieren.

Ich wünsche dir, dass du die Kraft findest, das sein zu lassen was ist; wie auch immer sich das dann manifestiert. Und ich wünsche dir, dass du einen Weg zu dir findest, der von möglichst vielen in deinem nächsten Umfeld verstanden wird.

Marielle


PS: Mir ist schon beim Querlesen des verlinkten Pamphlets schlecht geworden; übelste Manipulationsrethorik und normierendes Herrschaftsdenken, als 'Heilung' und 'Hilfe' verbrämt. Sowas ist m.E. nichts anderes, als der Versuch Menschen so tiefgreifend und endgültig kaputtzumachen, dass sie nachher nichtmal mehr sagen können, dass es ihnen dreckig geht und das dann als 'Heilung' zu verkaufen. Widerlich!
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.
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Re: Alles nur Selbstbetrug?

Post 26 im Thema

Beitrag von Simone »

Liebe Martina,
Auch dir fühle ich mich sehr nah, denn die Ängste, die du beschreibst, sind die, die auch mich plagen. Außer vielleicht, dass ich meine Frau zur Lesbe machen würde. Ersten finde ich das gar nicht beängstigend und zweitens wird sie das ja selber entscheiden. Jedenfalls bei dir. Bei mir hat sie es schon entschieden, sagt sie jedenfalls und es hängt jetzt nur noch an mir. Ich bin mir nicht Sicher, ob die Therapie, die du anstrebst, dir Antworten auf deine Fragen liefert. Die Lösung liegt im Klienten ist ein allgemein anerkannter Leitsatz. Und ich finde das bestätigt. Als ich eine Therapie gemacht habe, mit dem Ziel, meine Ehe zu retten und mich nicht im Traum mit der Idee angefreundet hatte einen schweren Weg zu weiblichem Leben gehen, habe ich auch eine entsprechende Antwort bekommen. Als ich jetzt den Kontakt zu Menschen, auch einer Therapeutin gesucht habe mit der Prämisse, dass es durchaus sein kann, dass ich Tschüss bin und eine Trennung und die ganzen anderen schweren Hürden überwinden muss um ein glückliches Leben zu führen, habe ich viel Bestätigung für diese Gedanken bekommen. Das hat mich zurück geworfen und mir klar gemacht, dass ich die Entscheidung treffen muss. Das sagen im Prinziep ja auch alle im Forum hier. Ich finde, deine Voraussetzungen für einen Start in ein Leben als Frau sind vergleichsweise gut. Freunde dich mit dem Gedanken an, Ts zu sein und lebe das Leben als Frau. Vielleicht erst ausschließlich in deiner Freizeit. Es ist Sommer. Was kann es schöneres geben, als einen Rock zu tragen. (Ich würde gern, aber traue mich auch nicht.) Aber du hast Unterstützung, jemanden mit dem du dich austauschen kannst. Nutze das und du wirst deinen Weg finden.
LG Simone
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Re: Alles nur Selbstbetrug?

Post 27 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Ich werde mir das Werk einmal anschauen. Aber alleine der Begriff "Reparativtherapie" ist schon Manipulation und nicht wertfrei. Ja, ich bin voreingenommen und kann aus diesem Grund schon nicht wertfrei lesen. Aber letztlich kann das wahrscheinlich niemand, da wir alle eine Voreinstellung haben.

Was mich immer wieder stört, ist die Tatsache, dass Menschen versuchen, anderen Menschen einzureden, was richtig ist und was nicht. Warum kann man Menschen nicht leben lassen, wie sie wollen ? Da reagiere ich allergisch. Solange es andere nicht beeinträchtigt, ist das doch kein Problem. Es ist für mich eine Freiheitseinschränkung, die durch solche Menschen ausgeübt wird.

Beispiel: Wenn man, wie behauptet wird, nicht weiß, was die Ursache von Homosexualität ist, wie will man sagen, dass Homosexualität falsch ist und deshalb der Behandlung bedarf ? Ist es nicht so, dass das massive Einreden, dass Homosexualität dazu führt, dass sich Menschen schlecht fühlen, wenn sie es leben ?

Wenn man ohne Beweise Homosexualität auf die Anklagebank setzt, gilt für mich der Grundsatz "in dubio pro reo", im Zweifel für den Angeklagten. Das hat für mich mit Respekt und Menschenwürde zu tun. Oder christlich ausgedrückt: "Richtet nicht, auf das Ihr nicht gerichtet werdet". Homosexualität zu verurteilen, heißt für mich, sich über Menschen zu stellen. Wer gibt anderen Menschen das Recht dazu ?

Menschen leiden nicht, wenn man sie respektiert und in ihrem Tun akzeptiert. Sie sind dann, auch mit ihren Unterschieden, in der Gemeinschaft angenommen. Erst der Ausschluss aus der Gemeinschaft, wie es von einigen Protagonisten betrieben wird, macht krank. Hier zeigen sich mMn die Defizite bei den Protagonisten, nicht bei den "Verurteilten".
Viele Grüße
Vicky

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Re: Alles nur Selbstbetrug?

Post 28 im Thema

Beitrag von Amadé »

Hallo Martina,

mir fehlt eine psychologische Vorbildung, doch habe ich in den letzten Jahren viele homosexuelle Menschen kennen gelernt, insbesondere mit spätem Coming-out. Daher weiß ich, dass die Aussage
Jeder Einzelne hat das Recht zu entscheiden, ob er eine homosexuelle Identität annehmen will oder nicht.
völlig an der Realität vorbei geht und sehr menschenfeindlich formuliert ist.

Ich nehme an, der Autor meint mit "homosexuelle Identität annehmen" - salopp gesagt - "schwul werden". Genau das steht nicht in der freien Entscheidung des Einzelnen! Die sexuelle Ausrichtung ist nicht dem Willen des Menschen unterworfen. Sie ist vorhanden und sucht sich ihren Raum. Es wird auch keinem heterosexuellen Menschen gesagt, er könne "seine sexuelle Identität annehmen". Vermutlich wird in dem Zitat "homosexuelle Identität" mit "nicht gesellschaftskonformer Lebensweise" gleichgesetzt. Nur darüber kann der Einzelne entscheiden. Gerade durch die Vermischung der Begriffe wird erst ein Leiden erzeugt, und damit wird aus der "homosexuellen Identität" eine Moralfrage.

Eine andere Auslegung für "homosexuelle Identität annehmen" wäre, "zu seiner Homosexualität stehen". Dann wäre es die wirklich absurde Aufforderung, ggf. gegen besseres Wissen seine sexuelle Ausrichtung zu verleugnen. Gerade das ist es, was Leiden verursacht und nachweislich zu Suizidfällen führt.

Wie du diese Aussagen über die sexuelle Ausrichtung auf die geschlechtliche Identität überträgst, ist dir überlassen. Ich glaube nicht, dass eine "Therapie in diesem Sinne" zur seelischen Gesundheit beitragen kann. Selbst wenn der Wunsch nach dieser Therapie vorhanden sein mag, würde ich davon wegen der möglichen Todesfolge als Nebenwirkung abraten.

LG Amadée
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Re: Alles nur Selbstbetrug?

Post 29 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hallo Martina,

es steht Dir zweifelsfrei frei, zu tun und zu denken, was Du willst. Aber ich denke, ein Satz wie
Die Crux ist, dass es Homosexuelle gibt, die ihr Begehren und Handeln als eine Störung empfinden. Das redet diesen Menschen keiner ein. Mir hat auch keiner eingeredet, dass mein Crossdreaming eine Störung ist, ich empfinde es selbst so.
Natürlich empfinden das viele als Störung. Aber die Sozialstrukturen sind nun einmal so, dass weder Homosexualität noch Trans* als "normal" empfunden werden (auch wenn die Toleranz und die Akzeptanz steigt). Und was nicht normal ist, ist krank, ist eine Störung und wird sehr häufig verleugnet oder verleumdet. Du weißt als psychologisch Bewanderte sicherlich gut, wie sehr uns die Umwelt beeinflusst und unser eigenes Wertesystem bestimmt.

Ob von der Norm abweichendes Verhalten eine Störung ist, ist ausschließlich eine Frage des Wertesystems. D.h. für mich, wenn sich jemand mit einer Störung behaftet betrachtet, hat er dieses Wertesystem angenommen und ist nicht bereit oder in der Lage, dieses zu hinterfragen. Insofern glaube ich, dass eine Therapie gut helfen kann, aber weniger um sich von der "Störung" zu heilen, sondern vielmehr zu lernen, dass man das, was die Störung sein soll, als etwas zu sehen, was zu einem gehört und somit das Wertesystem hinterfragt.

Stell' Dir vor, Dein Transgefühl wäre fest zu Dir gehörend, wie Dein linkes Bein. Würdest Du Dein linkes bein abschneiden wollen, wenn Du es als Störung betrachten würdest ? Aus meiner Sicht ist Dein Transgefühl, egal was die Ursache ist, eine Fähigkeit, die erstens nicht viele Menschen haben, zweitens eine Bereicherung sein kann und drittens mit dieser Fähigkeit auch ein Mitglied der Gesellschaft sein, das wegen seiner Fähigkeit von besonderem Wert ist. Wenn die Gesellschaft das nicht anerkennt, ist das in erster Linie ihr Problem. Du musst Dir nicht alle Gedanken der Gesellschaft zu eigen machen. das ist Deine Entscheidung.

Ich habe übrigens die Erfahrung gemacht, in dem ich Trans für mich selber akzeptiert habe, hat sich der Wunsch zu transen deutlich verändert. Er ist seltener geworden und ich mache mir bei weitem nicht mehr so viel Sorgen darum. Tut gut.
Viele Grüße
Vicky

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Jenniffer63
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Re: Alles nur Selbstbetrug?

Post 30 im Thema

Beitrag von Jenniffer63 »

Oh ja, das Christentum , das ja eigentlich die Menschen befreien soll, leider weiß ich aus eigener leidvoller Erfahrung wie einschränkend, ja nahezu zerstörerisch solches Gedankengut schon im Kindesalter eingeprägt wird und wie unglaublich schwer es ist sich davon im Erwachsenenalter wieder zu befreien.

Für mich stellt sich immer die Frage, was sind wir wirklich.
wie viel ist antrainiert und übernommen?
Sind wir wirklich wir selbst oder was sind andere in uns vom dem wir nur glauben das wir es selbst sind?
Alle wollen Individuen sein, aber Menschen die Ihre Individualität suchen, leben und deshalb anders sind, .....
Warum muss ein Mensch der sein ICH auslebt , ... warum sollte dieser Mensch krank sein?

Jeder spürt selbst was, wer und wie er ist. Und im Vergleich mit anderen erkennen alle Unterschiede. Auf die Spitze formuliert, du weißt nur dann was weiss ist, wenn du schwarz zumindest schon mal gesehen hast.

Unsere Sozialstrukturen sind da viel zu sehr von angeblich christlichen Wertvorstellungen geprägt. Ich glaube der Verweis auf Demonstrationen christlicher Aktivisten erübrigt sich, wurde auch schon erwähnt glaube ich.

Wie gesagt, ich möchte nichts verallgemeinern, aber so wie ich Christentum erlebt habe, ist jeder willkommen, der bereit ist zumindest nach außen nach den entsprechenden Wertvorstellungen zu leben und sich falls man diesen Wertvorstellungen nicht entspricht, tja, .... mag sich jeder seinen eigenen Reim drauf machen.
Mitglieder deines Forums, so denke ich, passen in dieses Schema nicht rein und sind anders.
Es mag Ausnahmen geben und alles ist Auslegungssache wo mit wir wieder beim individuellem Empfinden sind.
soll man wirklich Individualität heilen?

Gibt es den 100%-Mann und die 100%-Frau überhaupt?
Jeder Mensch hat beides, männliche und weibliche Hormone, und wie viel davon ist unter anderem mit entscheidend was du wirklich bist.

Und nochmals, ja ich will mich heilen lassen, aber bitte zu dem was ich wirklich bin.
Mag sein das andere etwas anders wollen, aber was ist für mich das beste.
Betrüge ich mich selbst, wenn ich ehrlich mit mir selbst bin?

Wann lebe ich im Selbstbetrug?
Wenn ich mein Leben nach anderen ausrichte oder wenn ich das an mir unterdrücke was andere nicht gut finden?

die Fragen und Zweifel dieses Threads sind eigentlich nur ein Weg um sich selbst zu finden.
und Oh ja, ich möchte für mich jetzt endlich heraus finden, Wer bin Ich!

Liebe Grüße
Jenniffer
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