Neues Sexualstrafrecht auf den Weg gebracht
Neues Sexualstrafrecht auf den Weg gebracht - # 2

Anke
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Re: Neues Sexualstrafrecht auf den Weg gebracht

Post 16 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo Marielle und natürlich alle anderen,

für mich machen die Unterscheidungen einen großen Unterschied.

Das Strafrecht ist für mich das letzte Mittel, um die Täter zu bestrafen und abzuschrecken. Aber eigentlich soll es doch gar nicht dazu kommen, dass jemand straffällig, in dem Fall also sexuell Übergriffig wird. Und damit bin ich bei den Ursachen.

Für die jeweils betroffene Person sind die Ursachen völlig nebensächlich. Aber wenn ich weitestgehend verhindern will, dass so etwas passiert, dann finde ich es wichtig sich mit den Ursachen und Hintergründen zu beschäftigen.

Es scheint wohl Menschen zu geben, die sexuelle Befriedigung nur aus einer Vergewaltigungssituation erfahren können. In solchen Fällen hilft ein gesellschaftlicher Diskurs zum Thema, wie verhalte ich mich korrekt gegenüber einer Frau, überhaupt nichts. Da würde ich die Psychologen fragen, wie diese Menschen rechtzeitig gefunden, ihnen geholfen und sie damit auch unschädlich gemacht werden können.

Dagegen ruft eine quasi gesellschaftlich legitimierte Sexualgewalt ganz andere Maßnahmen auf den Plan. In welchen Bewusstsein und in welcher Wahrnehmung gegenüber Frauen lassen wir junge Männer aufwachsen? Und wie können wir da einwirken: im Kindergarten, in der Schule, durch öffentliche Diskussion oder in der Presse?

Transphobe Gewalt hat aus meiner Sicht wiederum ganz andere Ursachen. Auch aus diesem Grund habe ich sie hier außen vor halten wollen und weil ich denke, dass diese Gewalt nicht primär sexuell motiviert ist. Und nur am Rande möchte ich erwähnen, dass ich wegen meiner eigenen Erfahrungen allen Grund dazu hätte, viel über dieses Thema zu schreiben. Und ich gebe dir recht, es sind nicht nur Frauen, die ihr Verhalten überprüfen und anpassen. Auch andere Gruppen tun dies. Und eigentlich sollte es für niemand einen Anlass geben, dies in diesem Kontext zu tun.

Sich mit den Ursachen zu beschäftigen hat für mich mit einer Relativierung der Handlungsweisen der Täter nichts zu tun. Wer sexuell übergriffig wird, der sollte bestraft werden!!! Aber nach meiner Überzeugung werden Gesetze und Strafen nicht ausreichen, um sexualisierte Gewalt zu verhindern, bzw. einzudämmen.

Liebe Grüße

Anke
Sentio ergo sum. - Ich fühle, also bin ich.

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Marielle
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Re: Neues Sexualstrafrecht auf den Weg gebracht

Post 17 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo Anke, Guten Abend zusammen,

ich verstehe (glaube ich) was du meinst, bin aber etwas anderer Ansicht darüber. Es sieht für mich so aus, als hätten wir zu zwei zentralen Punkten unterschiedliche Ansichten.

Ich sehe das Strafrecht nicht als das letzte sondern eigentlich als das einzige Mittel an, mit dem (Fehl-)Verhalten sanktioniert werden darf. Das Strafrecht ist einerseits natürlich Ausdruck der Staatsgewalt und damit scheinbar nichts unmittelbar Alltägliches. Andererseits ist es aber der festgeschriebene gesellschaftliche Konsens darüber, was geht und was nicht geht. Während das Zivilrecht die Beziehungen einzelner Menschen zueinander regelt, regelt das Strafrecht die Beziehung des Individuums zur ganzen Gesellschaft. Auch wenn ein Individuum 'nur' gegen die Rechte eines anderen Individuums verstößt, wird die ganze Gesellschaft in Form der Polizei und der Staatsanwaltschaft gegen die Tat aktiv, weil der im Strafrecht festgeschriebene Konsens verletzt wurde.

Meiner Meinung nach darf es kein gesellschaftliches Grauzonen-Moral-Regularium geben, dass irgendwie unterhalb des Strafrechtes angesiedelt ist und das jeder Mensch oder jede Gruppe für sich selbst festlegen darf. Das wäre doch genau die Art von individueller oder gruppenspezifischer Beurteilungsoption die wir jetzt haben und die, wie du selbst schreibst, viel zu oft als Grundlage für die Verharmlosung von Übergriffen dient.

Die allermeisten Fälle sexueller Übergriffe zielen auch gar nicht auf die übliche Vergewaltigungsvorstellung vom 'gewalttätigen Vollzug des Beischlafes'. Grade darin liegt doch ein wesentliches Problem mit den bisherigen Definitionen von Sexualdelikten. Es muss quasi erst zum Äussersten kommen, bevor die 'Staatsmacht' (sprich: der gesellschaftliche Konsens, das Strafrecht) in einer solchen Tat ein Sexualdelikt sieht. Und selbst dann: Wenn das Opfer sich nicht 'ausreichend' zur Wehr gesetzt hat (was ja viele Ursachen haben kann), greift die bürgerliche Grauzonen-Moral, nach der es 'dann ja wohl nicht so schlimm gewesen sein kann' und das Opfer ausserdem 'sowieso selbst Schuld' ist.

Ich bin daher der Meinung, dass all das, wogegen du mit Erziehung, öffentlichen Diskussionen usw. arbeiten willst, auch in's Strafrecht gehört. 'Anfassen geht gar nicht' muss Teil des geschriebenen Konsenses werden, weil es offenbar nicht anders geht. Und es muss natürlich auch, da sind wir absolut einer Meinung, Teil der Erziehung, Bildung und öffentlichen Meinung sein. Und zwar ganz ohne einen Bezug zum Geschlecht des Opfers. Die Botschaft muss sein: Hier wird niemand, weder Frauen, egal ob cis, trans, hetero, homo, noch Männer, cis, trans, hetero, homo, noch Sonstirgendwerwieauchimmerverortet angefasst oder übergriffig angequatscht; von niemandem.


Der zweite Punkt ist, dass ich ganz grundsätzlich nicht der Ansicht bin, dass transphob-sexuelle Gewalt und cis-hetero-sexuelle Gewalt sich substanziell voneinander unterscheiden. Es geht in beiden Fällen um Definitionsmacht, Herrschaftsverhältnisse und Verfügbarkeitsvorstellungen bzw. Machtansprüche.

Dazu kann man ein Argument bringen, dass wieder mit der Rechtsordnung zusammenhängt: Das Strafrecht hat zwei mögliche Abschnitte, nach denen man solche Taten abhandeln kann: "Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und "Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit". Selbstverständlich ist eine Vergewaltigung meist auch eine Straftat gegen die körperliche Unversehrtheit, sie fällt aber unter 'Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung' (auch weil sie sonst erst bei einer körperlichen! Verletzung geahndet werden könnte). Zu den Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung gehören aber definitiv auch Vergewaltigungen, die Männer an Männern begehen und auch alle anderen denkbaren Täter-Opfer-Konstellationen. Und es gehören auch noch viel mehr Taten, als nur die 'klassische' Vergewaltigung, dazu.

Es gibt natürlich Taten, die schlichte Körperverletzung sind. Wenn jemand eine andere Person aus einem Streit heraus oder 'einfach mal so' niederschlägt, ist das i.d.R. eine Körperverletzung. Die ist ihrerseits aber wieder unabhängig vom Geschlecht zu behandeln. Alles andere wäre sexistisch. Diese Taten stehen hier aber gar nicht in Rede. Es geht (so sehe ich das) um Taten, die sich in irgendeiner Form gegen die sexuelle Selbstbestimmung richten. Dazu gehört nach meinem Verständnis auch die Anquatsche "Ey, isch hab steif. Willst ma sehn?" (Originalton), gefolgt von einer Berührung am Hintern (der kein Frauenhintern war), weil das aus aus einem sexistischen (auch sexuellen) Motiv heraus erfolgt.

Für die Einordnung einer Tat ist das Geschlecht des Opfers daher völlig egal. Letztlich geht es um das Ansinnen des Täters. Will er eine Person 'einfach nur' körperlich verletzen oder leitet er seine Tat aus einer vermeintlichen Verfügbarkeit des Opfers ab? Letzteres beinhaltet in schlimmen Fällen auch massive sexuelle Handlungen (die überwiegend, aber nicht ausschliesslich gegen Frauen gerichtet sind), richtet sich aber in jedem Fall auf die Erniedrigung, die 'Nutzung', den Missbrauch des Opfers. Auch dann, wenn sexuelle Handlungen 'nur' angedeutet oder angedroht werden. Die vermeintliche Verfügbarkeit, die aus der patriarchalischen Cis-Heteronormativität abgeleitet wird, ist die gemeinsame Ursache von Gewalt gegen die sexuelle Selbstbestimmung, egal wen diese psychische oder physische Gewalt trifft. Ich finde, da gibt es nichts zu unterscheiden.



Puuhhh... das ist ein ziemlich ausufernder Vortrag geworden, sorry. Aber die Welt ist halt nicht in 140-Zeichen-Nachrichten abzuhandeln. Ich find's aber wichtig und auch spannend und vor allem richtig gut, dass solche Diskussionen hier ablaufen.


Nochmal zum Konsens: Wahrscheinlich liegen unsere Ansichten nicht so sehr auseinander, wie die Textmenge oben vermuten lässt. Es ist absolut richtig: Gesetze allein werden nicht reichen, um die Schwachköpfe dieser Welt einzuspuren; ohne wird es aber auch nicht gehen. Die Schwachköpfe werden auch schon reichlich genug daran zu knabbern haben, dass sie demnächst keine Frauen mehr anfassen und anlabern sollen. Denen dann auch gleich noch die Feinheiten geschlechtlicher Selbstbestimmung darzulegen, dürfte deren vorhandene Ressourcen deutlich übersteigen. Wir sollten aber auch nicht den Fehler machen (besonders nicht aus individuellen Motiven heraus) gänzlich auf diese 'Feinheiten' zu verzichten, wenn es um's Einspuren geht. Schliesslich haben wir uns die ziemlich mühsam erarbeitet.


Hab(t) es gut

Marielle
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Anke
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Re: Neues Sexualstrafrecht auf den Weg gebracht

Post 18 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo,

@Marielle:

Ich habe nirgendwo geschrieben, dass ich gegen eine Verschärfung des Sexualstrafrechts bin. Ganz im Gegenteil, ich finde das gut. Nur glaube ich nicht, dass das ausreicht. Hier sollte mehr passieren. Gesetze und Strafandrohung haben leider nicht immer die Wirkung, die viele sich davon versprechen. Sexuelle Übergriffe sind beispielsweise oft sehr schwer nachzuweisen. Wenn so etwas öffentlich passiert, dann ist die Lage klar. Aber was ist zum Beispiel mit Betatschen einer Mitarbeiterin, die sich mit einem Täter, der vielleicht Kollege oder Vorgesetzter ist, alleine in einem Büro aufhält. Für viel zu viele ist das so eine Art "Kavaliersdelikt" und Gesetze werden hier nur wenig bewirken.

Es gibt sicherlich Gemeinsamkeiten von sexueller und transphober Gewalt. Es gibt aber auch große Unterschiede. Bei sexueller Gewalt fühlt sich der Täter beispielsweise in der Regel zum Opfer hingezogen. Bei transphober Gewalt spielen Hass und Ablehnung eine große Rolle. Wenn ich das Thema rechtlich abhandle, dann hat diese Unterscheidung kaum eine Bedeutung. Wenn ich aber über andere Maßnahmen nachdenke, sieht das für mich völlig anders aus. Allerdings wollte ich überhaupt keine Diskussion zu dieser Abgrenzung anzetteln. Mir ging es darum klar zu stellen, dass sich meine Aussagen ausschließlich auf sexuell und nicht auf transphob motivierte Gewalt beziehen.

Vielleicht ist das eine gute Gelegenheit, um auf "One Billion Rising" hinzuweisen. Das ist eine Aktion, die Gewalt gegen Frauen zum Thema hat.

http://www.onebillionrising.de/

http://www.onebillionrising.org/

Liebe Grüße

Anke
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Re: Neues Sexualstrafrecht auf den Weg gebracht

Post 19 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo,

bei diesem Thema will ich nur einwerfen, dass ich von Fachleuten hörte,
dass es sich beim "neuen Sexualstrafrecht" um eine "Verschlimmbesserung" handelt.

Im Grunde geht es stets darum, dass jeder Mensch seinen Mitmenschen mit Respekt begegnen sollte.
Daraus folgt, dass ein NEIN auch NEIN bedeutet und respektiert werden muss!

Liebe Grüße
Andrea

die in Ihrem Alltag durchaus öfter gezwungen ist, männlichen Gegenübern z.B. in U-Bahn, S-Bahn..., Grenzen zu zeigen.
Erfahrungen, die ich im Beruf, insbesondere im letzten Jahrzehnt beim Unterricht in der Kinder& Jugendpsychiatrie machte, helfen mir dabei ein wenig... :wink:
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
Marielle
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Re: Neues Sexualstrafrecht auf den Weg gebracht

Post 20 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo Anke, Guten Tag zusammen,

Anke: Ich hatte auch gar nicht angenommen, dass du gegen eine Verschärfung bist. Und ich glaube selbst auch nicht, dass das ausreicht. Du hast ja absolut Recht: Wenn bei manchen Menschen im Land nicht ankommt wie es gehen muss (wie der Konsens lautet), dann muss man es ihnen mit allen legitimen Mitteln (Erziehung, Bildung usw) deutlich machen; d'accord! Ich gehe nur an einem Punkt nicht mit dir.
Es gibt sicherlich Gemeinsamkeiten von sexueller und transphober Gewalt. Es gibt aber auch große Unterschiede. Bei sexueller Gewalt fühlt sich der Täter beispielsweise in der Regel zum Opfer hingezogen. Bei transphober Gewalt spielen Hass und Ablehnung eine große Rolle.
Ich glaube nach wie vor nicht, dass das irgendwie sinnvoll voneinander abzugrenzen ist. In oben erwähnter Situation hatte ich definitiv nicht das Gefühl, dass dieser asoziale Schmierlappen sich zu mir hingezogen fühlte. Der fand mich nicht niedlich. Dem ging es eindeutig um die Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse, was ich, weil er mich aufgrund meiner Kleidung als verfügbar angesehen hat, als sexuellen Übergriff und eben auch als trans*phob empfinde. Und zwar ganz unabhängig davon, ob er mich, aus seiner Sicht (die mich absolut nicht interessieren muss), vielleicht doch niedlich oder sonstwie attraktiv gefunden haben könnte.

Nun könnte man argumentieren, dass der ja gar nicht im 'eigentlichen Sinn' trans*-phob, sondern einfach nur geil und vielleicht ein ganz gewöhnliches A******** war. Aber mal ehrlich: Das ist doch genau der Mist, den die cis-hetero-Patriarchen von sich geben, wenn sie in anderen Fällen sagen: Der hatte doch eigentlich gar nichts gegen diese Frau, der fand die doch sogar toll. Der hatte es halt grade mal nötig und sie hat ihn mit ihrem kurzen Rock ja auch gradezu aufgefordert.

Da gehe ich nicht mit, weil sexuelle Übergriffigkeit oder Gewalt gegen Frauen immer auch frauenfeindlich, femme-phob, ist. Das gilt auch dann, wenn der Täter sein Opfer subjektiv tatsächlich begehren oder sich zu ihm hingezogen fühlen würde (das ändert doch lediglich die Täter-Perspektive, für das Opfer bleibt es der gleiche Dreck). Und ich sehe absolut keinen Grund dafür, dass die Tatbeurteilung bei solchen Übergriffen gegen trans*-Menschen anders sein sollte.


Wenn man in diesen Komplex eine Unterscheidung einziehen will, dann geht das m.E. nur, in dem man 'Hasskriminalität' als neuenTatbestand einführt. Damit könnte man (vielleicht) manche Tat wirklich besser verfolgen, als mit den vorhandenen Regelungen. Die Abgrenzung gegen sexuelle Gewalt scheint mir aber sehr schwierig zu sein.

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Warum hänge ich mich da so rein und riskiere einen Streit mit jemandem (Anke), den ich schätze? Und das, obwohl in den Gesetzen aus dem Threadtitel vermutlich gar keine geschlechtsspezifische Unterscheidung vorkommen wird.

Weil Anke absolut Recht hat: Es geht nicht nur um die Gesetze, sondern ganz wesentllich auch um den 'ganz normalen' Alltagssexismus und die 'ganz normalen' Übergriffe. Und weil der diesem Alltagswahnsinn zugrundeliegende Sexismus erschreckenderweise auch in der Community zum Alltag gehört.

Damit ist NICHT Anke gemeint!, es ist nur leider so, dass die Sexist_innen innerhalb der Community sich solchen Diskussionen nicht stellen.

Die jammern rum, wenn jemand sie falsch anspricht oder mit dem Finger auf den Buchstaben an der Klotür deutet. Sie finden es ganz fürchterlich, wenn sie draussen falsch gelesen werden. Das ist dann total trans*-phob und geht gar nicht (stimmt ja auch). Aber im nächsten Satz hauen sie Dinger raus, die absolut frauenfeindlicher, sexistischer Mist sind. "Frauen, die wissen, wie sie sich zu kleiden haben", "wie weiblich man sich doch beim Einparkrempler fühlt", "es gehört eben zum Frau-Sein dazu, von den Männern begafft zu werden" und so weiter und so fort. Dazu kommen Meinungsäusserungen in Diskussionen, die zu nichts anderem dienen, als die eigene Weiblichkeit über die Festschreibung von Sexismen zu stabilisieren und damit selbst frauenfeindlich sind.


Ich will mit den ganzen obigen Texten eines deutlich machen: Die gleiche Struktur, die viele hier zu Recht für trans*-phob halten, liegt auch dem von Anke angeführten Problem mit dem Alltagssexismus und der Alltagsübergriffigkeit gegen Frauen, also der Frauenfeindlichkeit, zu Grunde und dient letztlich zur Relativierung von Übergriffen und Gewalt. Wir sollten HIER damit anfangen, gegen diesen Mist vorzugehen, weil es eben keinen wirklichen Unterschied macht, wer wen mit einer Zuweisung versieht und daraufhin belästigt, benachteiligt, physisch oder psychisch oder sexuell motiviert angeht.


macht es gut

Marielle
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Re: Neues Sexualstrafrecht auf den Weg gebracht

Post 21 im Thema

Beitrag von Anke »

Marielle hat geschrieben:Und ich sehe absolut keinen Grund dafür, dass die Tatbeurteilung bei solchen Übergriffen gegen trans*-Menschen anders sein sollte.
Hallo,

ich stimme Marielle uneingeschränkt zu sein. In der Tatbeurteilung gibt es für mich auch keinerlei Unterschied. Und damit auch nicht in der strafrechtlichen Behandlung.

Aber wenn ich davon ausgehe, dass das Strafrecht nicht ausreicht, um beide Phänomene drastisch zurückzudrängen, dann muss ich mir die Frage stellen, wie es zu solchen Übergriffen kommt. Und damit meine ich nicht in der konkreten Situation. Sondern vielmehr stelle ich mir die Frage, wie die Idee übergriffig zu werden in die Köpfe von Menschen gelangt. Was bringt Menschen dazu Frauen zu belästigen, zu betatschen, zu begrapschen oder sexuell zu misshandeln? Und was bringt Menschen dazu, Gewalt gegen trans auszuüben?

Und ich meine nicht im Einzelfall. Denn es sind eben keine Einzelfälle, also einzelne Verirrte, die einfach falsch gepolt sind. In beiden Fällen können wir von einer sehr großen Zahl von Personen ausgehen. Ich frage mich, welche gesellschaftlichen Prozesse führen zu derartigen Massenphänomenen. Und das müssen nicht notwendigerweise die selben Prozesse sein. Aus meiner Sicht gibt es darauf keine einfachen Antworten und es wird auch sehr lange dauern, an solchen Dingen etwas zu ändern. Deshalb finde ich es wichtig, zunächst analytisch fein säuberlich zu trennen. Wenn dann verstanden ist, was dazu führt und es sind in beiden Fällen die gleichen Mechanismen, fein. Aber das von vorneherein zu unterstellen könnte den Blick trüben.

Liebe Grüße

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Re: Neues Sexualstrafrecht auf den Weg gebracht

Post 22 im Thema

Beitrag von Marielle »

Nabend Anke,

um die Ursachen genau zu benennen brauchen wir sicher Psycholog_innen und Soziolog_innen und vielleicht noch Andere mehr. Ich kann dazu jedenfalls nicht mehr beitragen, als ich über Gewalt, Übergriffe und die Ursachen gelesen habe. Das beschreibt, wenn es um Gewalt als Ausdruck einer bestehenden Machtposition und nicht um Gewalt als Widerstand gegen eine Machtposition geht, quasi immer die schon von Lara angesprochenen Mechanismen, wobei ich 'Macht' und 'Identität' als die wesentlichen Punkte verstanden habe, aus denen sich die anderen Aspekte herleiten. Mal abgesehen von der 'Macht', die die körperlich stärkeren Urmenschenmänner über die körperlich kleineren Urmenschenfrauen hatten (die aber auch die Macht einer bestehenden Position und vielleicht die Wurzel des ganzen Übels ist), geht es immer um soziologische Konstrukte, die Ansprüche (sprich: Macht) begründen oder festschreiben und Identität liefern sollen.

Dazu gehört auch die (soziale) Geschlechterkonstruktion, die den Mann über die Frau (und auch über den Trans*-Menschen) stellt. 'Hurra, ein Junge!' oder 'Na hauptsache gesund.' - Damit wird dem Mann durch die Gesellschaft von Anfang an ein immanenter Anspruch auf Verfügbarkeit zugebilligt, den er sich nur nehmen muss bzw. der Frau die "Königsdisziplin der hegemonierten Weiblichkeit.... : Sich selbst die Schuld zu geben." * verordnet, die sie zu beherrschen hat.

Das wäre aber nur der soziologische Teil möglicher Ursachen (wenn es überhaupt stimmt, wovon ich aber überzeugt bin).

Warum es manche Menschen (Männer) schaffen, sich von dieser Machtposition (und dem identitätsstiftenden Gruppenzwang sie auszufüllen) zu emanzipieren und andere nicht ....... puhhhh. Ich denke, dass das viel mit der individuellen 'Identität' zu tun hat, mit der Persönlichkeitsstruktur eines Menschen. Und auch damit, ob einem Menschen die Mindest-Fähigkeit eines sozialverträglichen Wesens vermittelt wurde: Grenzen zu erkennen und auch anzuerkennen. Vielleicht kann und will unsere Betriebspsychologin dazu etwas beisteuern.

Bis auf weiteres stehe ich auf dem Standpunkt, dass es um die Dekonstruktion (die nachvollziehbar erklärte Zerstörung) der Konstrukte sowie der daraus abgeleiteten Ansprüche und Zuweisungen gehen muss, wenn man in diesem Bereich etwas verbessern will. Und das Konstrukt ist, sowohl Gewalt gegen Frauen als auch gegen Trans*-Menschen betreffend, das Geschlecht als durch die Gesellschaft verordnete Kategorie.


Hab's gut

Marielle


*aus einer autonom-feminstischen Kritik an einer Frauenrechte-Aktion
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