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Re: Outing

Verfasst: Mi 9. Mär 2016, 10:11
von Tatjana_59
ManjaV. hat geschrieben:Hallo Uta,
Da ich nur zu Hause mich mal in Teenieklamotten werfe kann ich mir mein Outing auf Arbeit sparen, denn da wird eh Uniform getragen und so steht das Problem nich.
Das Outing is in der Partnerschaft ne wichtige Angelegenheit auch wenns "nur" mal soo is. Ich hatte vor nichmal ner Woche das befreiende Gespräch mit meiner Frau.
Meine Idee: Schön wäre, wenn es sowas wien Betriebsrat/ Personalrat oder ne Gleichstellungsbeauftrage geben würde. Die könnten helfen. Bei der allgemeinen Situation auf dem Arbeitsmarkt isses schwierig und eigentlich nicht angezeigt Experimente zu machen. Ansonsten trag was drunter, dass is auch mein kleiner stummer Schrei... Wenn man mit dem Chef gut kann, auch da für Klarheit sorgen. Dann is aber trotzdem nich gesagt, ob der das gut oder mutig findet. Selbst wenn, heisst das auch nicht, dass du deine Tätigkeiten im Service ausüben kannst, denn auch da könnten sich Kunden peinlich berührt sehen.
Schön für alle, die den Mut gehabt haben sich zu Outen. Ich bin aber trotzdem froh, dass ich damit nich raus muss/ will.
LG Manja
War vllt wenig hilfreich. Ich kanns aber nachvollziehen und bin froh "nur" für mich die Manja zu sein
Hallo Manja,

nachdem Uta geschrieben hat dass sie in einem kleinen Betrieb arbeitet, wird es vermutlich weder Personalrat noch Betriebsrat geben.

Arbeitssuche ist nicht unbedingt prickelnd, aber ich sehe den Arbeitsmarkt wesentlich besser wie du.
Die Arbeitslosigkeit ist ja nun gerade sehr gering, so gering wie die letzten 20 Jahre kaum.
Gerade im Baugewerbe gibt es meines Wissens Jobs.

Dann denke ich das Uta es kaum noch zufriedenstellen wird unten drunter weiblich gekleidet zu sein, da sie sich ja sonst anscheinend weitgehend geoutet hat und die HET beginnt.
Auf Dauer würde sie das innerlich auffressen.
Der Weg zum Chef kann schwer werden, aber es besteht auch Hoffnung dass der Chef mit der Situation bestens umgehen kann.

Die meisten Ängste tragen wir unberechtigterweise in uns. Mein Outing ist ja nun schon ein paar Jahre her, es ging in allen Bereichen super über die Bühne, so gut das ich mich ärgerte viele Jahre vergeudet zu haben.
Heute bin ich Frau und lebe selbstverständlich auch so.
Ich werde überall akzeptiert.

Gruß Tatjana

Re: Outing

Verfasst: Mi 9. Mär 2016, 10:53
von exuserin-2017-01-16
Hi danke danke danke viele kluge Gedanken!
Bin gerade unterwegs kann nicht detailliert antworten.
Nur soviel ja der Service ist im ländlichen Bereich vor Ort in direktem kontakt mit dem Bürger,das stell ich mir sehr schwierig vor.
Ich möchte nicht bei jedem dritten Kunden heulend vom Hof fahren.abgesehen davon das die Firma von den Aufträgen lebt und wenn wegen mir die Aufträge gekündigt werden wird das mein Chef nicht mitmachen wenn es überhaupt noch dazu kommt.
Lg Uta

Re: Outing

Verfasst: Mi 9. Mär 2016, 11:16
von Tatjana_59
Manja, HET ist die Hormonersatztherapie.
Bedeutet Uta bekommt weibliche Hormone.

Uta,
Natürlich ist es nicht unbedingt einfach, das musst du mit deinen Chef besprechen, Kunden wird er kaum verlieren wollen.
Da du aber ansonsten geoutet bist, besteht doch sicher das Risiko plötzlich erkannt zu werden.
Wenn es dann deinem Chef zugetragen wird, wird er dich evtl zu sich zitieren.
Ich denke da ist es einfacher wenn du selbst bestimmtst wann du mit ihm reden möchtest.
Ich glaube du kommst nicht darum herum, es sei denn dein Versteckspiel geht weiter, und gehst das Risiko ein irgendwann wegen nachlassender Kraft im Betrieb in Misskredit zu kommen.
Was dann?

Gruß Tatjana

Re: Outing

Verfasst: Mi 9. Mär 2016, 12:07
von exuserin-2017-01-16
@ Tatjana genau aus dem Dilemma versuche ich gerade heraus zu finden.
Direkt im Gespräch oder lass ich es drauf ankommen? Ich weiß es nicht ! Wenn man die Wahl hat zwischen Pest oder Cholera?
Lg Uta

Re: Outing

Verfasst: Mi 9. Mär 2016, 12:12
von Tatjana_59
Einfach hast du es nicht, vielleicht springt dich deine Entscheidung irgendwann spontan an.
Am Ende wird es vermutlich so sein dass du zu deinem Chef gehst, einfach nur weil du den Druck nicht mehr in dir haben willst, nicht mehr damit klar kommst.

Ich drück dir die Daumen die richtige Entscheidung zu treffen.

Re: Outing

Verfasst: Mi 9. Mär 2016, 13:24
von Nicola
Liebe Uta

Ich mache seit 10 Monaten eine HRT, allerdings ohne Antiandrogenen wie z.B. Androcur. Ich arbeite auch Handwerklich, zum teil auch schwerere Arbeiten. Bis jetzt geht dies immer noch gut, sicherlich nimmt die Kraft etwas ab. Bist du dir dann sicher das schwere Arbeiten grundsätzlich nicht mehr ausführen kannst, musst du denn die schweren Arbeiten alleine machen oder seit ihr mindestens zu zweit, es gibt auch Frauen die anpacken können. Da ich selber der Chef bin kann mich niemand rausschmeissen, meine Kunden müssen selber entscheiden ob sie noch mit mir zusammen arbeiten wollen. Ein teil von ihnen wissen schon Bescheid und da seit kurzem meine Namensänderung offiziell durch ist, bleibt mir gar nichts anderes mehr übrig als alle zu informieren. Wenn du dir sicher bist dass du den Weg gehen musst, dann würde ich deinen Chef direkt ansprechen, ihn informieren und ihm sagen wo du mögliche Einschränkungen siehst. Darauf ankommen lassen und verheimlichen geht irgendwann ja sowieso nicht mehr.

Liebe Grüße

Nicola

Re: Outing

Verfasst: Mi 9. Mär 2016, 20:54
von Lieschen
Hallo Uta,

zu körperl. Arbeit und HET kann ich nichts sagen
Aber: ich habe einen Handwerksbetrieb und bin Chef. Alle Mitarbeiter, Nachbarn und viele Kunden kennen mich als Lieschen. Kämst du zu mir, gäb's überhaupt kein Problem. Bist du dir denn ganz sicher, dass dein Chef Probleme mit Frau Uta hätte? Vielleicht freut er sich ja über den bunten Klecks in seinem Handwerkergrau.
Gleichzeitig finde ich es richtig von dir, dass du dir viel überlegst und strategisch an die Sache rangehst.

Tschüs,
Lieschen

Re: Outing

Verfasst: Do 10. Mär 2016, 07:19
von exuserin-2017-01-16
Hallo an alle und danke für eure Beiträge.
Zur Zeit fahren meine Gefühle derartig Achterbahn das ich fast durchdrehe. Es ist einfach furchbar .
Das Problem mit der Arbeit sprach ich schon beim Psychologen an er schüttelte nur den Kopf und sagte das ist kein Arbeit für eine Frau.
Ich weiß das ich um eine Entscheidung nicht herum komme aber das wie und die Konsequenzen daraus machen es nicht einfach.
Es gibt gute Tage da wöllte ich die ganze Welt umarmen und hab dann mit Outing keine Probleme.
Dann kommen solche Tage an denen einen die Sorgen und Probleme einfach die Angst quasi auffressen.
Lg Uta

Re: Outing

Verfasst: Do 10. Mär 2016, 07:44
von exuserin-2017-01-16
Nicola & Lieschen mein Chef würde es vielleicht verstehen so alt ist er nicht , die Art und der Umfang der Arbeit sprechen aber dagegen.

G.u.

Re: Outing

Verfasst: Do 10. Mär 2016, 18:57
von exuserin-2017-01-16
Hi wenn ich mich zum Gespräch durchringen kann ,was würdet ihr erzählen was lieber nicht oder besser später ? Ich meine das wir ja Zeit hatten uns daran zu gewöhnen unser Gegenüber ja noch nicht. LG Uta

Re: Outing

Verfasst: Do 10. Mär 2016, 21:19
von Nicola
Liebe Uta, du kennst deinen Chef am besten. Grundsätzlich würde ich möglichst allgemein verständliche Begriffe verwenden und nicht versuchen all zu viel aufs mal erklären zu wollen.
Z.B. das du dich schon immer so gefühlt hast, und nun dein Körper daran angleichen möchtest. Das du sehr Gerne in dieser Firma arbeitest und es für dich sehr wichtig sei hier weiter arbeiten zu können. Vielleicht vorschlagen dass er sich alles überlegen soll und du ihm gerne seine Fragen bei einem späteren Gespräch beantworten würdest.

Liebe Grüße Nicola

Re: Outing

Verfasst: Fr 11. Mär 2016, 07:48
von Tatjana_59
uta hat geschrieben:Hi wenn ich mich zum Gespräch durchringen kann ,was würdet ihr erzählen was lieber nicht oder besser später ? Ich meine das wir ja Zeit hatten uns daran zu gewöhnen unser Gegenüber ja noch nicht. LG Uta
Hallo Uta,

ich würde meinem Chef alles erzählen, mit alles meine ich ohne große Ausschmückungen und zuviel TS spezifische Wörter.
Du musst dir vorher aber schon sicher sein wo du genau stehst.
Wenn du ihm nur einen Teil erzählst, und es kommt später immer wieder etwas neues hinzu, dann wird er sicher irgendwann ungehalten.
Ich würde ihm zum Beispiel aber keinen transsexuellen Lebenslauf unter die Nase reiben.
Nur die Fakten des jetzt, und was du für die Zukunft evtl planst.
Dann weiß er schon mal das nach der einen oder anderen Op auch längere Ausfallzeiten deinerseits anstehen werden.
Du musst trotzdem versuchen ihn nicht zu überfordern.
Biete ihm ein weiteres Gespräch an wenn er es erst mal sacken lassen muss.

Ich wünsche dir ein gutes Händchen, und toi toi toi dass du einen verständnisvollen Chef hast, der dann auch zu und hinter dir steht.

Gruß Tatjana

Re: Outing

Verfasst: Fr 25. Mär 2016, 16:08
von exuserin-2017-01-16
Hallo, bei meinem Chef gibt es noch nichts Neues das braucht noch etwas Zeit. Gestern war wieder ein Termin beim Psychologen, er hat mir Überweisung für den Hausarzt und die Bescheinigung für DGTI Ausweis mitgegeben. Ich mich gefreut und nach Hause gefahren alles meiner LAG gezeigt und nur Unverständnis geerntet. Wieso geht das jetzt so schnell usw. ? Was soll ich sagen nach einem guten Tag mit viel Freude und Euphorie ist heute wieder mal so ein richtiger Sch..tag . Warum macht es einem die eigene Familie Eltern ,Geschwister und Partnerin am schwersten ? Ich bräuchte Rückhalt und Unterstützung und aus der eigenen Familie nur Vorwürfe und Vorhalte. Ich kann es nicht mehr hören ! Wir haben diese Jahr einige Familienfeiern zu denen ich definitiv nicht mehr als Mann erscheinen werde ,Problem ist das mich einige z.B. mein Vater als Frau nicht sehen wollen. Was soll man da machen ? Wie seit ihr damit umgegangen ?
Es regt mich schon genug auf als Mann jeden Tag auf Arbeit gehen zu müssen. Wenn mich die Leute einen Tag als Frau sehen den nächsten wegen der Arbeit als Mann kommt doch keiner mehr klar damit. Ich nicht und mein Umfeld wahrscheinlich gleich gar nicht . Meine Stimmung heute passt zum Regenwetter draußen. Irgendwie würde ich gerne auf das alles verzichten ...

Trotz allem LG Uta

Re: Outing

Verfasst: Fr 25. Mär 2016, 18:11
von Anke
Liebe Uta,

erst jetzt komme ich dazu, deinen Thread weiter zu verfolgen. In den letzten Wochen war ich recht gut mit meinen eigenen Sachen beschäftigt.

Ich hab verstanden, dass Du in der Baubranche arbeitest. Ich kenne eine, die ebenfalls in dieser Branche tätig ist und gerade ihre Transition durchzieht. Wenn Du möchtest kann ich mal versuchen euch beide in Kontakt zu bringen.

Abgesehen davon mag ich den Satz "Diese Arbeit ist nichts für Frauen" überhaupt nicht. Frauen können viel mehr, als viele Männer glauben. Lass dir also nix einreden. Andererseits musst Du natürlich selbst wissen, ob Du das weiter machen möchtest oder ob das eine gute Gelegenheit ist, etwas zu verändern.

Was deine LAG angeht ist das keine untypische Reaktion, die ich auch bei meiner Partnerin erlebt habe. Auch wenn sie dich unterstützt, für sie kann das gar nicht lang genug dauern. Denn schließlich verliert sie den Mann an ihrer Seite und das schmerzt sie natürlich. Dass sie parallel eine tolle Freundin gewinnen wird, das kann sie sich derzeit kaum vorstellen und fühlen kann sie es schon gar nicht.

Wichtig ist, dass Du immer wieder mit ihr darüber sprichst und auch ihre Seite verstehst. Ich weiß, gerade jetzt brauchst Du vor allem selbst Hilfe. Trotzdem führt daran kein Weg vorbei. Deshalb wäre es wichtig, wenn Du dir jemand in deinem Umfeld suchst, der dich unterstützen kann. Bei dem Du deine Sorgen und Nöte ausschütten kannst. Vielleicht hilft da auch eine Selbsthilfegruppe.

Familie ist natürlich kein leichtes Thema. Allerdings: lass dir nicht irgendwelchen Blödsinn oder ein schlechtes Gewissen einreden. Du machst nichts falsch und hier geht es um dich! Die Reaktionen aus deiner Familie haben viel mit deren Unsicherheit und der inneren Weigerung zu tun, sich damit auseinander zu setzen. Das gilt insbesondere für die Reaktion deines Vaters. Wenn er es nicht sieht, dann findet es für ihn ja auch nicht statt. Damit versucht er der Beschäftigung damit aus dem Weg zu gehen.

Ich finde es wichtig, dass Du verstehst, warum die einzelnen Personen so reagieren. Dann hast Du eine Möglichkeit auf sie zu zugehen und einen Ansatzpunkt für ein Gespräch. Das heißt aber nicht, dass Du dich deshalb verbiegen oder dich von deinem Weg abbringen lassen sollst. Verständnis für die Probleme eines anderen zu haben bedeutet nicht, dass Du wegen dieser Probleme auf etwas für dich elementar wichtiges verzichtest. Wichtig finde ich auch, dass Du nicht mit zu vielen Leuten gleichzeitig sprichst. Bei mir hat sich bewährt, dass ich bei Menschen, die mir nahe stehen, immer nur mit einem oder maximal zweien gesprochen habe. Jeder reagiert irgendwie anders und dementsprechend bist Du dann in der Lage auch unterschiedlich zu reagieren.

Diese Umbruchphase ist sehr anstrengend und schwierig. Ich fand es am Ende auch kaum erträglich den einen Tag so und den anderen wieder komplett anders unterwegs zu sein. Deshalb fände ich es wichtig, dass Du einen Plan entwickelst, wie Du dein Outing weiter vorantreiben möchtest. Und plane dir genug Zeit dafür ein. Das lässt sich nicht innerhalb einer Woche durchziehen.

Zum Schluss möchte ich dir zurufen: nicht den Mut verlieren. Heute ist ein Regenwettertag, morgen kann vieles anders aussehen.

Liebe Grüße

Anke

Re: Outing

Verfasst: Fr 25. Mär 2016, 19:42
von Katarina
Liebe Uta

Das mit dem täglichen Switch und wie belastend das ist, kann ich sehr gut nachvollziehen, ich befinde mich in derselben Situation. Scherzhaft hat jemand zu mir dazu gesagt, du verdienst als Mann das Geld und gibst es als Frau wieder aus.

Nach Ostern werde ich mit der HRT beginnen und in ein paar Monaten wird es dann nicht mehr zu verheimlichen sein. Ich habe das Glück, in einer grossen Firma zu arbeiten und es hat eine Diversity & Inclusion Abteilung und eine Gleichstellungsbeauftrage. Mit ihr habe ich bereits gesprochen und ich kann auf die volle Unterstützung der Firma beim Coming Out zählen. Dabei habe ich auch erfahren, dass meine Firma dieser Organisation beigetreten ist: http://www.proutatwork.de/ Schau doch mal, vielleicht findest du dort Unterstützung oder weitere Hinweise, wo du Unterstützung für das Outing bekommen kannst.

Bzgl. Familie schliesse ich mich dem was Anke geschrieben hat an. Es ist ja dein Leben und ich finde, niemand kann von dir verlangen ein Leben zu führen, so wie es sich andere für dich vorstellen und von dir erwarten. Die Gefahr besteht sicherlich, dass eine Ehe, Familienbeziehungen, Freundschaften, usw. Transitionsprozesse nicht überstehen. Das ist dann schade und jeder geht unterschiedlich damit um. Dein Psychologe kann hier sicherlich helfen.

LG
Katarina