Valerie Bellegarde hat geschrieben: Mo 30. Okt 2023, 11:32
Mein Ziel ist es, wenn ich en femme bin, nach außen hin Weiblichkeit im Sinne von Eleganz und Schönheit zu kommunizieren.
Liebe Valerie,
wir sind uns gar nicht so uneins und an Watzlawick denke ich sowieso immer ... Was ich meine ist etwas anderes. Weiblichkeit ist für mich mehr als Schönheit und Eleganz. Wenn es das für Dich ist und Du Dich so darstellen willst, ist das auch zu 110% in Ordnung. Schöne elegante Frauen sind immer auch schön anzuschauen, auch wenn ich dann immer einen Stich spüre, denn ich wünsche mir auch einen Körper, der zu meinen Gefühlen passt ... Aber das ist ein anderes Thema.
Valerie Bellegarde hat geschrieben: Mo 30. Okt 2023, 11:32
Mit meinem inneren Zustand hat das zunächst einmal nicht viel zu tun.
Und das ist genau der Unterschied. Ich habe lange gebraucht, bis ich für mich selber in Anspruch nahm, mich Frau zu nennen. Vorher war ich eher in einer Situation, wie ich ihn bei meinem ersten Test über mehrere Tage erlebt habe. Er hat auch nicht in dem Sinn funktioniert, dass er mir gezeitg hätte, ob ich im Leben einer Frau zurecht käme. Der Wandel fand erst später in meinem Kopf statt. nach und nach habe ich mir erlaubt, mich Frau zu nennen und ein Frausein, das für mich mehr ist als Weiblichkeit, zu akzeptieren. Jetzt, da ich mir das zugestehe, hat der Ausdruck von Frausein einen anderen Stellenwert. Es ist eine andere Perspektive. Ich spiele nicht das Frausein und mache dadurch mein Habitus zur Verkleidung, sondern ich bin eine Frau, die sich darstellt, egal ob in Jeans oder Kleid.
Valerie Bellegarde hat geschrieben: Mo 30. Okt 2023, 11:32
Ich finde du unterschätzt die Macht und Wirksamkeit, die das, was du den Habitus nennst, also deine Kleidung und dein gesamter Auftritt als Frau, auf deine soziale Umwelt hat.
Ich glaube nicht, dass ich sie unterschätze. Aber ich kleide mich nicht für die Umwelt. Ich kleide mich für mich selber und das manchmal auch vor dem Hintergrund der Umwelt. Ich bin nicht immer elegant und schön. Ich habe einen Alltag und auch in diesem ist mir meine Weiblichkeit sehr wichtig.
Valerie Bellegarde hat geschrieben: Mo 30. Okt 2023, 11:32
Thema des threads war der Versuch, es 24/7 durchzuhalten, ob es funktioniert. Ich habe für mich festgestellt, es funktioniert nicht so richtig, es klemmt hier und da mit dem Frausein. Ich akzeptiere das für mich. Und Auto-Suggestion hilft mir da auch nicht weiter.
Genau so könnte ich meinen ersten Versuch auch beschreiben. Ich sehe bei mir auch keine Auto-Suggestion. Natürlich ist in meinem Kopf ein weiblicher Körper, wenn ich an mir herunter schaue. Insofern suggeriere ich mir, oder besser gesagt mein Gehirn, einen weiblichen Körper. Dazu gibt es interessante Versuche, in dem Menschen eine Gummihand als eigene Hand suggeriert wurde. Das funktioniert wahrscheinlich bei jedem. Das Bewusstsein, dass es anders ist, führt manchmal zu einer Art Schmerz. Die Suggestion eines weiblichen Körpers ist Balsam.
Aber da ist tief drinnen noch mehr. Ich habe es aufgegeben, danach zu suchen, warum es so sein könnte. Aber da irgendwo steckt die Frau in mir. Die Natur hat es mir geschenkt. Und dieses Geschenk habe ich in der Zwischenzeit angenommen, statt dagegen zu kämpfen.
Ich bin nicht mein Körper. Mein Körper ist nicht die Manifestation meines inneren Gefühls. Das musste ich erst einmal annehmen. Trotzdem ist es ein guter Körper, da er alles für mich tut, um mich gesund zu halten. Der Rest ist ein "Schönheitsfehler", mit dem ich lebe und den ich i.d.R. ganz gut kaschieren kann. Käme eine Fee um die Ecke, wüsste ich genau, was ich von ihr wünschen würde. Es wäre gar nicht so viel anders, körperlich nur eben weiblich ...
Ich bin davon überzeugt, dass die Annahme des eigenen Ichs über den Körper hinaus für viele das eigentliche Problem darstellt. Das Gefühl meines Frauseins ist für mich nicht lokalisierbar. Der Körper ist es wohl. Und wir glauben nur, was wir sehen oder anders wahrnehmen können.
Aber dieses Gefühl ist jenseits des äußerlich Wahrnehmbaren und es ist die Basis für mein Sein. Sonst nichts. Erst dann kommt der Habitus, den ich sehr genieße.
Das mein erster Versuch schief ging, hat viel damit zu tun, dass ich der Frau in mir nicht getraut habe und habe die Bestätigung im Äußeren gesucht. Das geht in die Hose (oder in den Rock

), weil ich meinem Inneren noch nicht getraut habe. Das ist heute anders. Und weil ich mir im Inneren traue, kann ich dieses Selbstvertrauen völlig unabhängig vom Habitus auch ausstrahlen. Und ganz ehrlich: Es gibt bisweilen Momente, in denen ich mir nicht sicher bin. Aber sie werden immer weniger und schwächer.
Ich weiß nicht, wann es in mir "klick" gemacht hat. Aber irgendwann war es soweit. Vielleicht war es der Moment, in dem ich mir erlaubt habe, zu mir selber "Frau" zu sagen. Danach ging es jedenfalls Schritt für Schritt weiter.
Ich weiß nicht, ob meine Situation eine Anregung für Dich ist, Weiblichkeit und Frausein aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Dazu kommt, dass das Angst macht (hat es jedenfalls bei mir). Diesen innerlichen Schritt zu gehen, führt zu Konsequenzen und mit Frau und Familie ist das alles andere als einfach. Ich halte ihn jedenfalls für zwingend. Meine Ängste haben sich bisher nicht bewahrheitet, auch wenn nicht alles schön war, was auf mich einprasselte (und einprasselt). Aber ich bin glücklich darüber, dass ich mich nun auf einem Weg befinde, der mir gut tut.
Jetzt habe ich Deinen Fred aber ganz schön strapaziert. Ich hoffe, es war nicht allzusehr off topic.
P.S.: Ich habe ein Bild von mir als Frau als Bildschirmhintergrund und sehe mich dadurch öfters wie in einem Spiegel. Sehe ich mich wirklich so ? Was ich da sehe, gibt mir viel Zufriedenheit und Kraft, weitere Schritte zu gehen, denn ich bin noch lange nicht mit mir "fertig".