Julianes Weg
Julianes Weg - # 5

Lebensplanung, Standorte
Juliane
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Re: Julianes Weg

Post 61 im Thema

Beitrag von Juliane »

Moin (moin) zusammen.

Und dann kam da noch die Sache mit Hagenbeck. Also Hagenbeck"™s Tierpark. Wir wollten, vor vielen Jahren schon, uns und dem Tierpark,
etwas Gutes tun. Einfach, indem wir uns Jahreskarten kauften. Die gelten, personenbezogen, für immer ein Jahr. Also vom Ausstellungstag
an, für exakt 365 Tage. Die Karten, im praktischen Scheckkartenformat, sind dabei auch mit einem Foto ausgestattet, um Missbrauch
vorzubeugen.
Auf meine Frage wie denn im Tierpark mit Transgenderpersonen mit Jahreskarte verfahren werde, die eben auch mal in einer anderen,
in einer weiblichen Aufmachung kämen, und ob die Karte dann ebenfalls gültig wäre, konnte zunächst nicht beantwortet werden.
Meine Idee, einfach eine zweite Karte mit dem Foto von Juliane auszustellen, wurde begeistert aufgenommen. Allerdings sollte auch diese
Karte noch einmal 165 € kosten. Mein Einwand, ich könne ja nur jeweils in einer Aufmachung den Tierpark besuchen, und zwei Karten für ein
und dieselbe Person sei ja nun nicht zielführend, wurde nicht geklärt. Die Dame im Kundenbüro konnte, auch nach einem Telefonat mit ihrem
Vorgesetzten, keine abschließende Entscheidung liefern.

Ich hab"™s dann einfach darauf ankommen lassen, und bin wenige Tage später als Juliane hingefahren. Dem netten, älteren Herrn am Eingangstor
präsentierte ich meine (männliche) Jahreskarte und hatte auch meinen Personalausweis bereit. Doch der lächelte nur und wünschte -den Damen-,
also mir und meiner Frau, einen schönen Aufenthalt im Tierpark.

Auf meine Frage, wo denn die Paradiesvögel zu finden seien, bedauerte er, dass Hagenbeck solche Tiere nicht artgerecht würde halten können und
sie deswegen darauf verzichteten. Mit einem Augenzwinkern sagte ich dann lächelnd: "Na, jetzt ja," und er nickte mit einem Lächeln zurück.

Herbst bei Hagenbeck.JPG
Das, was die Dame im Büro nicht hinbekam, schaffte der Kontrolletti am Tor ganz einfach. Und so bin ich in dem Jahr öfter als Juliane im Tierpark
gewesen. Man kann sich dann, bei Kurzbesuchen, beispielsweise ganz gezielt die Schaufütterungen ansehen, oder sich bei schlechtem Wetter im
Tropenaquarium aufwärmen. Und nicht ein einziges Mal gab es am Eingang zum Tierpark oder zum Tropenaquarium irgendein Problem. Nein,
es ergaben sich vor Ort sogar interessante Gespräche mit den Tierpflegern, sowohl im Aquarium, als auch im damals neuen Eismeergehege.

Im Sommer im Tierpark.JPG

Liebe Grüße, Juliane
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Zita
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Re: Julianes Weg

Post 62 im Thema

Beitrag von Zita »

Hallo Juliane,

ach ja, eine Jahreskarte für Hagenbeck hatten wir früher auch lange, als wir in der Nähe gewohnt hatten. Das war, gerade als unsere Älteste noch klein war, unser erweiterter Vorgarten. Jetzt wohnen wir südlich der Elbe und kommen da leider nicht mehr so häufig hin. Aber Hagenbeck habe ich noch in sehr guter Erinnerung. Da waren wir bei jedem Wetter unterwegs gewesen. Dafür haben wir jetzt den Wildpark Schwarzeberge in der Nähe. Aber wir sollten unbedingt auch mal wieder nach Hagenbeck :-)

Liebe Grüße
Zita
Juliane
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Re: Julianes Weg

Post 63 im Thema

Beitrag von Juliane »

Akzeptiert oder doch nur toleriert?
Ostern bei meiner Mutter.

Nach dem ausgedehnten Feiertagsfrühstück musste ich noch zu meiner Mutter hin. Das wöchentliche Tabletten einsortieren stand,
wie jede Woche, wieder an.
Diesmal allerdings würde ihre Teilzeit-Tochter kommen, was meine Mutter vorher nicht wusste. Zwar kennt sie mich auch als Juliane
seit nunmehr gut 10 Jahren, aber so richtig akzeptiert bin ich in dieser Version offensichtlich noch immer nicht. Zwar toleriert sie,
dass ich mich in meiner Freizeit und somit jetzt als Rentner(in) gelegentlich mehrmals in der Woche komplett weiblich kleide und so
auch hinaus gehe, "¦"¦ aber die Nachbarn "¦"¦..?

Die direkten Nachbarn, die ich teilweise bereits aus der Kindheit kenne, kennen inzwischen größtenteils auch die Juliane Version von mir.
Und die anderen, deren Häuser ich auf dem Weg zu meiner Mutter passieren würde? Die meisten kennen zwar die männliche Version von mir,
wissen aber nicht, dass es noch eine zweite, eine weibliche Variante gibt. Und so auffällig war und bin ich, bis auf meine Körpergröße, ja
auch nicht.

Außerdem war ich, recht schlicht, und bis auf die Tatsache das ich einen Rock trug, eher unauffällig gekleidet. Mein gemusterter, brauner,
kniebedeckter Rock, dazu ein schlichtes dunkelbraunes Shirt, naturfarbene Strümpfe und für den Fußweg von etwa 5-6 Minuten, mittelhohe,
braune, vorn durchbrochene Slingpumps. Weil es draußen recht kühl war, meine goldbraune Wolljacke und darüber meine warme Damenjacke
und eine zu den Schuhen passende braune Handtasche. Meine Perücke und ein zwar deckendes, aber von den Farben her dezentes Makeup,
sowie meine Damenbrille ein wenig Schmuck und ein nicht eben knalliger Nagellack, vervollständigten meinen femininen Aufzug.
Schon wieder Strümpfe.JPG
Das ich untendrunter, wie so oft, ein Korselett anhabe, und anstatt einer Strumpfhose eben echte, lange Damenstrümpfe trage, wissen sowieso
nur meine Frau und ich. Und bis auf eine Nachbarin, die Juliane schon seit vielen Jahren kennt und akzeptiert hat, und die mich einen Augenblick
lang im Schnack aufgehalten hat, bin ich auf dem Weg auch keinem Bekannten begegnet. Ist am Ostermontag auch nicht viel los draußen.

Bei Mutter vor der Haustür habe ich meine Maske aufgesetzt, weil ich im Fahrstuhl kein Risiko eingehen will. Dann an der Wohnungstür, nachdem
sie meine Stimme erkannt hatte, zunächst ein entsetztes Gesicht! "šDu kommst am hellen Tage einfach so als Frau angezogen hierher? Was sollen
die Nachbarn denken?"˜

Ja, was sollen die Nachbarn denken? Gute Frage. Vielleicht, dass da eine Dame zu Besuch kommt. Zwar ein wenig groß gewachsen, aber in Damenjacke,
und trotz der Kühle in Rock, Damenstrümpfen und Damenschuhen, zumindest optisch eine frauliche Erscheinung.
Aber meine Mutter hat es soweit toleriert. Sprach mich sogar nach wenigen Minuten mit Juliane an, obwohl sie sonst in dieser Version meistens nur
-mein Kind- zu mir sagt. Aber das ist schon in Ordnung so. Schließlich bleibe ich auch als Teilzeittochter ihr Kind.

Schnell waren ihre diversen Medikamente in die Wochenbox einsortiert und das abschließende Blutdruckmessen stand an. Das machen meine Schwester
und ich jeweils im Wechsel. Und diesmal war der Druck richtig gut, die Medikamente wirken endlich. Und dass dann trotz der Aufregung, weil ihre
Teilzeittochter da heute unverhofft auftauchte. Die Daten werden in einem kleinen Heft notiert und zum Schluss abgezeichnet. Da meinte meine Mutter
plötzlich zu mir, ich solle in der letzten Spalte ruhig Juliane reinschreiben. Mal sehen was meine Schwester dann am Donnerstag sagt.

Zur Verabschiedung gab es eine herzliche, feste und langandauernde Umarmung. Die ist mir bisher als Juliane stets verwehrt geblieben. Doch nun,
wo Mutter bereits vier Mal geimpft ist, konnte, wollte und musste das offensichtlich einfach sein. Es hat sich sehr gut angefühlt, auch als Teilzeittochter
scheinbar endgültig akzeptiert zu werden. Der Rückweg jedenfalls, mit einem kleinen Umweg zum Briefkasten, war federleicht und beschwingt.

Liebe Grüße, Juliane
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Magdalena
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Re: Julianes Weg

Post 64 im Thema

Beitrag von Magdalena »

Liebe Juliane,


da ist doch alles richtig gewesen. Und Deine Mutter hat Juliane angenommen. Da kann ich mir gut vorstellen, dass Dir der Rückweg leicht und beschwingt vorkam.
Da bin ich schon gespannt, ob es in der Zukunft ebenso leicht ist, wenn Juliane ihre Mutter besucht.

Viele liebe Grüße von Magdalena
Lebe jeden Tag.
Auriyane
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Re: Julianes Weg

Post 65 im Thema

Beitrag von Auriyane »

Liebe Juliane,

erst einmal möchte ich dir für den tiefen Einblick in das Leben von dir herzlichst danken. Ich habe alle Zeilen mit einem Lächeln auf den Lippen gelesen.

Ich finde dein Weg interessant, die Anekdoten spannend und du kannst so wunderbar schreiben.

Fasziniert bin ich von der Tatsache, dass du noch alles weißt. Ich vergesse sehr schnell und könnte vieles nicht mehr wiedergeben.

Ich freue mich schon riesig auf die Fortsetzung, sollte sie es geben.

LG Auriyane
Juliane
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Re: Julianes Weg

Post 66 im Thema

Beitrag von Juliane »

Liebe Auriyane.

Vielen Dank für die ---))) ---))) ---))) .

Ich weiß nur so vieles heute noch, weil ich seit 1981 Tagebuch schreibe. Und Dank farbiger Markierungen finde ich spezielle
Themen dann auch nach Jahren wieder. Und mit lesen der Einträge, kommt dann auch die Erinenrung schnell wieder hoch.

Mehr von meinen Schreibkünsten findest Du unter: http://www.crossdressinghamburg.de/
Dort habe ich unter-Geschichten- die Reise einer fiktiven Transe nach Dänemark geschrieben, die allerdings sehr viele
selbsterlebte Szenen aus diversen Urlauben dort enthält. Vielleicht einmal etwas für Regentage.

Liebe Grüße, Juliane
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Re: Julianes Weg

Post 67 im Thema

Beitrag von Juliane »

Moin zusammen.

Dann will ich einmal fortfahren mit meinen Erlebnissen.
Wie ich ja ganz zu Anfang bereits schrieb, bin ich 1954 geboren und somit hauptsächlich Anfang bis Mitte der 60er
Jahre sozialisiert worden.
Seinerzeit trugen die Frauen, und da natürlich auch die in meinem Umfeld, Kleider und Röcke. Darunter
Nylonstrümpfe, denn etwas anderes gabs ja auch überhaupt nicht. Über die Nylons bin ich dann ja auch im zarten
Alter von 5 oder 6 Jahren auf das tragen, oder zumindest anprobieren, von Frauenkleidung gekommen.

Seit dem Jahr 2000 nun, kann und darf Juliane jetzt leben. Alle in der Familie und Sippe, sowie die Nachbarn und
die allermeisten Freunde, wissen davon und tolerieren, oder akzeptieren es inzwischen auch, dass es da eben
auch eine weitere, eine feminine Seite an und in mir gibt.

Und weil ich seit den frühen Jahren meiner modischen Linie treu geblieben bin, ziehe ich als Frau am liebsten Kleider,
oder Röcke an. Darunter, manche mögen es altmodisch finden, aber mir gefällt es, Mieder wie Korseletts, oder BH's
und Hüfthalter und klassische Damenstrümpfe. Da am liebsten die alten, transparenten, glatten Duft der Rose Strümpfe
von WOOLWORTH. In letzter Zeit auch vermehrt die Glamory Perfect 20den, die in Gr. 48/50 sehr schön lang sind und
auch an meinen Giraffenbeinen bis fast in den Schritt reichen.

Aber auch mit den DdR Strümpfen unterm Kleid, hatte ich bisher noch nie das Gefühl entdeckt oder enttarnt worden
zu sein. Und warum auch? Schließlich haben meine Großmütter, meine Mutter und Tanten um mich herum so etwas
ja auch Jahrelang getragen.
Neues Kleid.JPG
Und so gekleidet finde ich mich durchaus passend angezogen. Auch wenn ich damit im Umfeld schon meistens ein bißchen
auffällig unter den zahllosen Hosenträgerinnen bin.
Trotzdem gehe ich inzwischen auch im "Alltagsdress" einkaufen. In schlichten Klamotten und ohne viel Makeup und auf
bequemen Sandaletten, macht es mir inzwischen unerhört viel Spaß und Vergnügen unterwegs zu sein.
Alltagsdress.JPG
Als Mann trage ich alltags stets Stützstrumpfhosen, aber an besonderen Tagen, den "Julianetagen" soll es schon etwas
schönes und reizvolles unter Kleidern und Röcken sein.

Bis demnächst denn, Juliane
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MichelleMarie
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Re: Julianes Weg

Post 68 im Thema

Beitrag von MichelleMarie »

Hallo Juliane 🌈

ich finde deine Entwicklung einfach nur wunderschön - einfach toll wie du mit deiner/unserer Leidenschaft ❤️🌈 umgehst 🌈 und vor allem das es durchaus selbstverständlich sein kann.

Bei euch passt einfach alles 💄🌈 und deine offene Art ist sicherlich einer der vielen Schlüssel zum positiven Verlauf 🙏🌈

Liebe Grüße Michelle
"Durch die Leidenschaft lebt der Mensch; durch die Vernunft existiert er bloß."
– Nicolas-Sebastien Chamfort
ChristinaF
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Re: Julianes Weg

Post 69 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Liebe Juliane,
danke für deine Zeilen. Du schaust bezaubernd aus. Authentisch und nicht überzogen. Ich finde, dass du so als Frau sehr gut ankommst.
LG Christina
Juliane
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Re: Julianes Weg

Post 70 im Thema

Beitrag von Juliane »

Moin (moin) zusammen.

Noch einmal ein tiefer Rückblick. Mitte der 60er Jahre kamen, außer den Miniröcken, auch die Strumpfhosen auf.

Ich probierte damals, mit etwa 11-12 Jahren, gelegentlich, wenn"™s denn einmal passte und niemand Zuhause war, immer einmal
wieder Mutters Klamotten und Wäsche an. Also Kleider, Röcke, Blusen, Mieder und lange Strümpfe. Dazu dann die verschiedenen
Schuhe in allen möglichen Absatzhöhen.
Was mir fehlte, waren die seinerzeit auch in der Fernsehwerbung häufig zu sehenden Strumpfhosen. Aber meine Mutter war da
noch nicht für bereit. Sie trug, wie nun ja auch ich schon lange Jahre, lieber Damenstrümpfe mit Halter. Und die Minimode hat
sie auch nicht richtig mitgemacht.
Bei einer jungen Nachbarin musste ich dann, auf Wunsch meiner Mutter, einmal helfen die Briketts und das Feuerholz von der
Straße in den Kohlenschuppen zu bringen. Und dort auf der Leine hingen ein gutes Dutzend der begehrten Strumpfhosen zum
trocknen :o . Ich schwankte die ganze Zeit über, zwischen nicht beachten, vielleicht heimlich eine ausleihen, oder schlichtweg
ein Paar einfach zu mopsen. Getan habe ich es nicht, und das war wohl auch besser so.

Doch ein paar Wochen später nahm ich all meinen Mut zusammen und legte, als ich zum Einkaufen im Supermarkt verdonnert
worden war, eine billige, simple hellbraune Strumpfhose mit auf das Band an der Kasse. Zwar hatte ich dabei sicherlich einen
hochroten Kopf vor Aufregung, aber die Kassiererin beachtete dieses Teil meiner Begierde, zwischen all den anderen Dingen,
überhaupt nicht. Ich bezahlte und packte alles in die Fahrradtaschen.
Erst auf dem Heimweg dachte ich darüber nach, wie ich denn die Strumpfhose auf dem Kassenzettel erklären sollte. Ich habe
dann aus meinem Taschengeld die Differenz zwischen der Endsumme ohne Strumpfhose und dem Wechselgeld ausgeglichen und
erzählt den Kassenzettel verloren zu haben. Da meine Mutter alle Preise ziemlich genau im Kopf hatte, ergab sich beim nachrechnen
kein Unterschied zu dem vorgelegten Wechselgeld. Glück gehabt!

Die Strumpfhose, meine erste eigene Strumpfhose, habe ich dann bei nächster Gelegenheit angezogen. Ein tolles Gefühl durchströmte
mich. Und dazu natürlich wieder ein Kleid und hohe Pumps meiner Mutter. Zu der Zeit passten Kleidung und Schuhe auch ziemlich gut
und ich fand mich im Spiegel endlich richtig und passend angezogen.
Wie es weiterging, habe ich ja bereits geschrieben und werde euch auch weiterhin auf dem laufenden halten.
Und dass ich nun, seit Juliane lebt, trotzdem wieder seit vielen Jahren lieber Strümpfe anstatt Strumpfhosen trage, wisst ihr ja bereits.
Etwa so wie auf diesem schon etwas älterem Foto.

Beste Laune.JPG

Eine gut gelaunte Dame, nach einer Trans-Party am Vorabend, beim Spaziergang auf bequemen "Wanderpumps". Da bereits Ende 50, und
wegen einer überstandenen Knie-OP, mit Gehhilfe. Mit Korselett unten drunter, welches mit Hilfe von Polstern an den Hüften zumindest für
einigermaßen stimmige Proportionen zwischen Schultern und Hüften sorgt. Auch wenn die Taille trotz der Hilfe eines Mieders nicht mehr
so richtig überzeugend schmal wird. Aber auch hier wieder Strümpfe unterm Rock, denn Strumpfhosen, und hier sind Stützstrumpfhosen
gemeint, gibt"™s nur noch für täglich, wenn längeres stehen zu erwarten ist.

Liebe Grüße, Juliane
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Re: Julianes Weg

Post 71 im Thema

Beitrag von lillilycra »

(na) Liebe Juliane (has-o)

Du hast sooo wunderschöne Beiträge geschrieben 🫶🏻und wirklich viel von Dir und Deiner Lieben erzählt, vielen vielen Dank, dass wir an Eurem Leben teilhaben können.

Ich sehe bei Euch so viele ähnliche Dinge wie Sie in meinem Leben auch "passiert" sind, es ist richtig schön nicht allein zu sein und zu wissen,
der Weg ist der richtige 🌟

Viele Liebe Grüße
Lilli 💋
Ein Tag ohne das Gefühl der schönen Wäsche auf der Haut ist ein verlorener💋
Juliane
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Re: Julianes Weg

Post 72 im Thema

Beitrag von Juliane »

Moin (moin) zusammen.

Hier einmal eine weitere Begebenheit aus Julianes ersten Jahren.

Nachdem sich das Leben so langsam wieder in normale Bahnen gelegt hatte, ich so nach und nach, dank der Hilfe meiner Frau,
eine schöne Basisgarderobe zusammengestellt hatte, brauchte Juliane auch weitere Schuhe.
Bisher hatte ich nur wenige Paare. Schlichte, schwarze Pumps, mit etwa 7 cm hohen Absätzen beispielsweise. Die habe ich im
Übrigen, inzwischen mit dem dritten Paar Absatzflicken und einmal neu besohlt, immer noch. Und warum auch nicht? Schließlich
ist frau mit solchen zeitlosen Pumps sehr gut bedient. Außerdem ein weiteres Paar schwarzer Pumps, mit allerdings nur 4 cm hohen,
bequemen Absätzen. Ein Paar dunkelbrauner Pumps von C&A, die damals gerade begannen Damenschuhe bis Größe 44 ins Sortiment
aufzunehmen. Und als bisherigem Höhepunkt ein Paar dunkelblauer Pumps mit 8 cm Pfennigabsätzen.

Nun war ich auf der Suche nach einem Paar grauer Pumps in Wildleder, die besonders zu meinen grauen Sachen gut passen sollten.
Der Kauf im Internet schied aus, weil ich Schuhe gerne im Laden anprobiere, und Pumps müssen schließlich gut passen. Seinerzeit
gab es auf der Reeperbahn mit BLICKER, noch einen recht speziellen Laden, der eigentlich nur High-Heels führte. Aber diese sogar
in Übergrößen, wie deren Website zeigte.
Ich entschloss mich das allererste Mal als Frau gekleidet einkaufen zu gehen, nachdem die bisherigen Käufe stets als Mann und mit
blöden Ausreden, gelaufen waren. Das bedeutete, am hellen Vormittag, als Frau gekleidet, über die Reeperbahn gehen zu müssen.
Einer Gegend, der auch auch als Mann so gar nichts abgewinnen kann. Nun, denn! Wieder einmal Zuhause soweit möglich feminin
angezogen, aber mit langer Hose und Herrenjacke drüber, und Teintgrundierung im Gesicht, sowie Handtasche mit Schminkutensilien
zum Auto. Am Volksparkstadion, dort wo sich die Freizeitsportler auch recht ungezwungen am Auto umziehen, meinen mitgebrachten
Rock angezogen und dann fertig geschminkt und die Perücke aufgesetzt.
Meine Aufregung wuchs parallel zu meiner langsam fertig werdenden femininen Erscheinung. Dann ging es los in Richtung St. Pauli.
Einen Parkplatz fand ich, trotz der frühen Zeit, nur ein ganzes Stück entfernt und so musste ich notgedrungen etliche Minuten zu Fuß
gehen.
Im Laden angekommen wurde ich freundlich begrüßt und die Treppe hinauf ins Obergeschoss gebeten. Die nette Dame dort hörte sich
meine Wünsche an und verwies auf ein Regal mit diversen Pumps in Übergrößen. Ich solle nur ruhig fragen, wenn ich andere Größen,
oder Farben suchen würde, ihr Lager sei gut gefüllt.
Nach wenigen Sekunden hatte ich bereits das Modell, welches im mir im Internet schon angesehen hatte, in Händen. Allerdings in
knallrot und nur Größe 43. Doch nur wenig später, hatte die nette Dame die Schuhe in hellgrauem Wildleder und Größe 45 parat.
Sie half mir sogar mit dem Schuhlöffel hinein und ich machte vorsichtig meine ersten Schritte auf 10 cm Absätzen. Das gelang sogar
auf Anhieb und meine vorsichtige Frage, ob diese Pumps eventuell auch mit niedrigeren Absätzen zu haben seien, wurde abschlägig
beschieden. Nur mit noch höheren Hacken, mit 12,5 oder sogar 15 cm, könne sie mir dienen. Außerdem, so die nette Dame, so hoch
sei das bei Größe 45 doch ja nun auch nicht. Kurzentschlossen kaufte ich das Paar und fand mich nach dem bezahlen auf der Straße,
auf dem Rückweg zu meinem Auto wieder.
Vor einer Kneipe gammelten an einem Stehtisch vier Kerle herum. Jeder ein mehr oder weniger leeres Bierglas vor sich, machten sie
vorübergehende Frauen blöde an. Mit ihrem gelallten typischen Ruhrpottdeutsch, wiesen sie sich überdeutlich als Touristen aus und
auch ich bekam einen blöden Spruch zu hören. Nämlich, was ich für eine Blasnummer nehmen würde, "¦.. und ob es Mengenrabatt
geben würde. Echt ekelhaft!

Wieder glücklich Zuhause, führte ich meiner Frau meine Neuerwerbung dann am Nachmittag vor. Zu meinem Schrecken war sie überhaupt
nicht begeistert, von meinen neuen, grauen Pumps. Sie waren ihr viel zu hoch und die Absätze zu dünn und überhaupt, darauf würde ich
mir die Bänder dehnen, oder die Knochen brechen.
Auch ein Vergleich mit ihren Schuhen, die bei nur Größe 39 und ebenfalls 10 cm Absätzen, ja nun doch erheblich steiler ausfielen, ließ
sie nicht einlenken. Dabei trug meine Süße seinerzeit bei der Arbeit, wegen des Dresscodes in der Firma, stets Kleider und Röcke und
dazu fast täglich hohe Absätze. Ich war enttäuscht! Schwer enttäuscht, dass mir solche Schuhe angeblich nicht zustehen würden und
außerdem würde ich nun, bei meiner Größe, ja oben an jeder Türzarge anstreifen. Es hat dann auch einige Zeit gedauert, bis ich diese
Stöckel gut tragen konnte und sie zu einem Theaterbesuch dann auch anzog. Da hatte sich meine Frau jedoch inzwischen mehr an ihre
neue Freundin Juliane gewöhnt und lobte mich sogar dafür, den gesamten Abend auf diesen Pumps klaglos durchgestanden zu haben.

Demnächst dann wieder mehr an dieser Stelle, Juliane
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Re: Julianes Weg

Post 73 im Thema

Beitrag von Juliane »

Moin (moin) zusammen.

Heute einmal wieder etwas zum Thema Outing. Meinem Outing!
Nachdem meine liebe Frau eingeweiht war und sich so langsam an Juliane, die Teilzeitfrau gewöhnt hatte,
wollte ich ihr irgendwie helfen, sich über dieses spezielle Thema, mit anderen Frauen auszutauschen.

In unserer SHG kamen und kommen stets zwar auch sehr viele Partnerinnen mit, aber mir schwebte vor,
unsere allerbeste Freundin und deren Partner, meinen guten Kumpel einzuweihen. So hätte meine Frau
Gelegenheit, ihre Sorgen und Probleme auch beim gemeinsamen basteln und klönen zu erörtern.

Die Gelegenheit ergab sich anläßlich einer gemeinsamen Fahrrad-Tagestour. Bei der Mittagspause, in
unserem Gruppen-Stammtisch-Restaurant, legte ich den beiden Fotos von Juliane vor und fragte, ob
sie die Dame kennen würden. Beide verneinten und ich begann die Geschichte von der vermeintlichen
Zwillingsschwester.
Trotzdem dauerte es einige lange Sekunden, bis sie zu begreifen begannen. Dann folgten ungläubiges
Staunen und viele, viele Fragen.
Die, die Fragen begleiteten uns auch noch auf dem langen gemeinsamen Heimweg bei jeder kleinen Pause
oder Rast. Und ich gab ehrliche und klare Antworten. Das Verständnis der beiden, gipfelte schließlich bei
der Verabschiedung, vor deren Gartenpforte, in einem herzlichen Dankeschön. Dankeschön für das Vertrauen
und die Ehrlichkeit ihnen gegenüber.

Ein paar Monate später, haben sie dann, auf ihren Wunsch hin, gemeinsam mit Juliane Silvester gefeiert.


Nicht ganz so positiv war mein Outing meiner Schwester und meinem Schwager gegenüber. Die zwei und ihre
Kinder, konnten mich seinerzeit, von ihrem Küchenvorbau aus, nämlich sehen, wenn ich als Frau gekleidet
zu meinem Auto ging. Das kam mir, zunmindest gefühlt, jedesmal wie eine Art Spießrutenlauf vor.
Also packte ich den Stier bei den Hörnern und zog eines Nachmittags, auf unserer Terrasse, auch hier die
Nummer mit den Fotos ab.
Meine Schwester allerdings, hatte ihre Lesebrille nicht dabei und borgte sich die, nicht ganz passende, Brille
unseres Schwagers aus. Dann betrachtete sie die Fotos noch einmal ausgiebig und meinte auf meine Frage,
ob sie die Dame darauf erkennen würde mit: "Ja, das ist die Mutter von einer aus meiner Mannschaft."

Ich habe das dann auf ihre, im Nahbereich schlechte Sehfähigkeit, geschoben und erklärte ihr dann, wer
das da wirklich war. Auch hier wieder ungläubiges staunen und schließlich der Satz, der mir kurzzeitig den
Boden unter den Füßen wegzog! "Na immer noch besser, als wenn du Krebs hättest!"
Das hat sie dann jedoch schnell relativiert und sie hat mich zum Schluss an sich gedrückt und mich mit Schwesterlein
angesprochen.
Inzwischen ist dieser denkwürdigen Satz längst Geschichte und auch die restliche Familie wurde nach und nach
eingeweiht. Und bis auf eine Ablehnung und zwei "mir doch egal" kam von praktisch allen Seiten Verständnis.

Liebe Grüße, Juliane
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Re: Julianes Weg

Post 74 im Thema

Beitrag von Juliane »

Lange habe ich zu diesem Thema, meinem Werdegang nichts geschrieben.
Deshalb heute in tiefer Griff in die Kiste, die Altkleiderkiste in diesem Falle.

Beim schreiben in einigen Threads hier im Forum, kamen einzelne Kindheitserinnerungen wieder hoch. Beispielsweise die
ominöse Kiste, oder besser der große Korb, mit den Sachen für die Altkleidersammlung. Wobei, eine Sammlung. Oder gar
Sammelstelle wie heute gab es noch nicht.
Wir hatten einen großen eckigen Korb mit Deckel, der etwa die Abmessungen von 90x 50 Zentimeter hatte. Darin und einem
großen Karton, wurde all das gesammelt was uns Kindern nicht mehr passte. Diese Sachen bekam eine Cousine meiner Mutter,
die in ärmlichen Verhältnissen lebte, für ihre drei Kinder, die allesamt ein paar Jahre jünger waren wie wir.
Außerdem kamen, wie ich herausfand, dort hinein auch Sachen, die meine Mutter aussortiert hatte, weil sie schlichtweg
unmodern geworden waren. Den Inhalt dieses Korbes musste ich dann, in unregelmäßigen Abständen, in meinen Fahrradanhänger
umpacken und zu besagter Cousine bringen.
Bei einer Zwischensichtung fanden sich in dem Korb dann eines Tages auch zwei BH, drei elastische Hüfthalter und etliche Paare
von teilweise noch originalverpackten Damenstrümpfen. Mutter war da nämlich, Ende der 60iger Jahre auch auf Strumpfhosen
umgestiegen. Auch ihre Kleider und Röcke waren deutlich kürzer geworden und blitzende Strapse nicht eben das, was sie
präsentieren wollte. Sie war nämlich die letzte der Kolleginnen, die -so etwas altmodisches wie Strümpfe- noch anzog.

Ihr Chef hatte die Angewohnheit, anstatt Weihnachtsgeld den Damen Strümpfe, oder Strumpfhosen zu schenken. Die wurden,
ein paar hundert Meter weiter, in einem kleinen Geschäft für Kleidung und Kurzwaren bestellt. Diesen Zettel musste ich überbringen,
genauso, wie ich mit dem Fahrrad kurze Botengänge, für den Chef meiner Mutter, erledigte. Und das Paket mit den Strümpfen und
Strumpfhosen durfte ich dann auch abholen, wofür ich den seinerzeit für mich gewaltigen 100 DM Schein in die Hand bekam.

Nun lagen diese 6 oder 7 Tüten in dem Korb. Zusammen mit mindestens ebenso vielen bereits getragenen Damenstrümpfen. Diese
Schätze habe ich größtenteils, zusammen mit einem BH und dem engsten und festesten Hüfthalter, in meinem Versteck gebunkert.
Nur drei der Paare, in merkwürdigen Farben habe ich auftragsgemäß abgeliefert. Aufgefallen ist das glücklicherweise nicht und ich
wurde mutiger. Monate später lagen nämlich, außer Kindersachen, auch drei von Mutters Kleidern in dem Korb. Die hatte ich, in
den wenigen Momenten, wo ich allein Zuhause gewesen war, schon einmal angezogen gehabt und wusste welches gut passte und
mir auch gefiel. Das schlichte hellbeige Kleid landete ebenfalls in meinem Versteck.

Außerdem hatte Mutter Schuhe aussortiert. Nun, wo bunte und poppige Schuhe mit Blockabsätzen in waren, fand ich fünf Paare
die weg sollten. Allen gemeinsam waren die relativ hohen, dünnen Pfennigabsätze. Da ich auch diese Schuhe schon einmal
anprobiert hatte und wusste welche mir auch besonders gefielen, beschloss ich das Paar sehr hoher, cremefarbener Pumps zu
behalten. Den Rest habe ich auftragsgemäß, wieder einmal bei der Cousine abgeliefert.

Und dann, wenn meine Mutter nachmittags zur Arbeit war und meine Geschwister zum Sport, dann schlug meine Stunde. Ich zog
mich in der Werkstatt, wo ich auch alles versteckt hatte, um! Den BH, den Hüfthalter und ein Paar der Strümpfe hatte ich schnell
angezogen. Das Kleid, welches vorn geknöpft war, ließ sich leicht überstreifen und zum Schluss schlüpfte ich in die, mir damals
bereits etwas engen Pumps. So ausgestattet, stöckelte ich, mit den laut klappernden Absätzen, wieder und wieder durch die
Kellerräume unseres Hauses.
Dann war ich einerseits unheimlich glücklich, endlich dieses Sachen tragen zu können und mich endlich richtig gekleidet zu fühlen,
war allerdings anschließend auch tieftraurig, wenn ich, mit einem Auge stets auf die Uhr schauend, alles wieder ausziehen und
wegräumen musste.

Glücklicherweise bin ich nie entdeckt worden und die fehlenden Sachen wurden auch nie vermisst.

Und heute? Heute bin ich in der überaus glücklichen Lage mich, wenn mir danach ist, mich als Frau zurecht machen zu können.
So wie auf diesem bereits etwas älteren Foto.
Nach Knie-OP.JPG

Mich zu schminken, eine Perücke zu tragen, Schmuck und sogar eine Damenbrille mein Eigen zu nennen. Und das Allerschönste ist,
meine Frau versteht mich, hilft mir, fördert und fordert mich. Denn zusammen, wie zwei gute Freundinnen, gehen wir nicht nur zu
den Treffen unserer SHG, sondern auch bummeln, shoppen, ins Theater, oder zu einem Museumsbesuch, oder besuchen eine
Ausstellung oder Büchermesse.
Juliane, die immer noch unheimlich gerne, echte, alte Straps Strümpfe trägt, ist auch in der Familie, bei den Nachbarn und Freunden
akzeptiert. Das hätte mir einmal, als Jugendlichem, Ende der 60iger, jemand erzählen sollen, dass so etwas für mich möglich ist.

Liebe Grüße, Juliane
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Die mich kennen mögen mich. Die mich nicht mögen können mich. Frei nach Konrad Adenauer
Juliane
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Re: Julianes Weg

Post 75 im Thema

Beitrag von Juliane »

Kaum zu glauben wie unbedarft die heutigen Jugendlichen sind. Es ist bereits einige Jahre her,
als Juliane die folgende Geschichte passierte.

Meine Frau spielt, gemeinsam mit Schwägerinnen und Nichten, einmal im Monat Karten. Der Ort
wechselt jedes Mal, so kommen also alle, drei bis viermal im Jahr, auch zu uns. Und genauso ist
meine Süße also auch, monatlich, irgendwo in der Verwandtschaft, zum Karten spielen.

Vereinbart war, dass sie abends mit U-Bahn und Bus nach Hause käme. Aber ein Anruf unserer
Großnichte führte zu Plan B. Sie bat mich nämlich, meine Frau bei ihnen Zuhause abzuholen und, "¦"¦.
ich sollte doch bitte als Juliane kommen.
Die Mädels, also sie und ihre Schwester, hätten da noch so einige Fragen, die sie mir allerdings lieber
im Julianemodus stellen wollten.
Gut, bereits zu der Zeit war Juliane in der gesamten Sippe bekannt und akzeptiert, so machte ich mich daran,
mich gründlich zu rasieren, sorgfältig zu schminken und flott aber nicht allzu sehr aufgebrezelt anzuziehen.
In modischer Bluse, aber Jeansrock, mit halbhohen Pumps an den Füßen und dünner Strumpfhose unterm Rock.
So machte ich mich am Spätnachmittag auf den, etwa eine dreiviertel Stunde langen Weg. Im äußersten Osten
Hamburgs angekommen, wurde ich von meiner Nichte erst einmal herzlich gedrückt. Dann bekam ich ein großes
Stück Torte serviert.
Meine Nichte fragte dann recht direkt, ob ich tatsächlich, bei dem Wetter, mit nackten Beinen unterwegs sei.
Ich verwies auf meine Knie und das ich Nylons tragen würde. Sie meinte die würde man kaum sehen können
und ob sie die einmal befühlen dürfte. Sie durfte und war erstaunt über die hauchdünnen Strümpfe. Sie selbst
trug da ja bereits, wegen ihrer Krampfadern, seit Jahren dicke Kompressions-Strumpfhosen und kannte auch
von ihrer Mutter nur so etwas.

Die Mädels, also meine Großnichten, seinerzeit 14 und 16 Jahre alt, lotsten mich anschließend, zusammen
mit dem Freund der Großen, gemeinsam in ihr Zimmer.
In der folgenden Stunde wurde ich beinahe ausgequetscht und ausgefragt. Natürlich anfangs Standartfragen wie:
Bist du jetzt schwul geworden? Willst du Männer aufreißen? Was ist denn an Kleidern, Nylons und hochhackigen
Schuhen schön?
Eine Frage, die, dass sei hier verraten, sich inzwischen erledigt hat. Die kleine Großnichte, mittlerweile auch
bereits über 22 Jahre alt, trägt sehr oft Kleider und Röcke. Und dazu, das hat sie mir letztens verraten, auch sehr
gerne Strumpfhosen. Die hohen Pumps, in denen sie sich an dem Tag, der versammelten Verwandschaft
präsentierte, trug sie nach ihren Angaben auch immer öfter.

Später dann gingen ihre Fragen mehr ins Detail. So wollten sie wissen, wie ich meine natürlich
wirkende Oberweite hinbekäme und ob ich etwa auch einen BH trug. Das war natürlich klar und sie fragten dann,
wo es beispielsweise solche Siliconbrüste gäbe und was die kosten würden.
Sie fragten nach, ob ich die aktuelle Brille nur als Juliane tragen würde und wo es denn Damenschuhe in meiner
Größe gäbe. Weiterhin kam nach einer Stunde, in der sie mich konsequent mit Juliane ansprachen, die Feststellung,
dass sie den Großonkel in mir, zumindest für diesen Abend, total ausgeblendet hatten.

Ziemlich zum Schluss, kurz bevor ich wieder zu den Erwachsenen entlassen wurde, fragte mich die Große,
was ich denn an den Beinen tragen würde. Die Strümpfe könne man ja kaum sehen. Im Prinzip dieselbe Frage,
wie sie mir bei meiner Ankunft von ihrer Mutter, meiner Nichte gestellt worden war. Sie wollte nämlich demnächst
zum Schulball im Kleid ausgehen und hatte tatsächlich keinen blassen Schimmer, was für eine Strumpfhose sie drunter
anziehen sollte. Hautfarben war vorgegeben, und auch das die Strumpfhose möglichst dünn und unsichtbar sein sollte.

Ich kramte meine Ersatzstrumpfhose aus der Handtasche, eine -nur die Seidenfein- in Originalverpackung. Sie fotografierte
die Verpackung, weil sie meinte die sonst vergessen zu können und wollte auch noch wissen wo es die zu kaufen gäbe.
Für mich kaum zu glauben, schließlich sind Strümpfe und Strumpfhosen, für mich als Teilzeitfrau nahezu unverzichtbar.
Aber wenn Mutter und Großmutter nur in langen Hosen herumlaufen und darunter dicke Stütz- oder Kompressionsstrumpfhosen
tragen, doch irgendwie verständlich, diese Fragen der Mädchen.
Nachdem ich alles zu ihrer Zufriedenheit beantworten konnte, gings zurück ins Wohnzimmer und es wurde noch ein langer
und schöner Abend.

Zum Schluss noch ein Foto von dem Outfit an diesem denkwürdigen Abend.
Jeansrock.jpg
Liebe Grüße, Juliane
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