Hallo Andrea und Sabrina, Guten Tag zusammen,
ich versuche zu erklären, was ich mit dem zitierten Satz meinte:
Eigentlich bezog sich der Satz auf Claudias Beitrag, in dem sie schrieb, dass "nichts und niemand umgewandelt" würde. Im Sinne einer "weithin anerkannten" Definition, um die es in diesem Thread ja geht, wird m.E. aber doch ein von den meisten Menschen als "männlich" kategorisierter Körper in einen "weiblichen" geändert oder 'umgewandelt'. Das dieser Körper von der jeweiligen Person als 'falsch' angesehen wird, ändert ja zunächst mal nichts daran, dass er von der überwiegenden Mehrheit als "männlich" benannt würde. Die 'Anpassung' besteht aber natürlich trotzdem. Nämlich darin, dass die jeweilige Person den geänderten Körper als 'richtig' akzeptieren kann, weil er nach der Änderung, der 'Anpassung', dem 'gefühlten, richtigen Geschlecht' entspricht oder diesem zumindest näher kommt als vorher.
Im Hinblick auf diese Benennung, eben Umwandlung oder Anpassung, macht es daher m.E. einen Unterschied, ob man den Vorgang von der biologischen, körperlichen Seite betrachtet, was der Sichtweise der meisten Menschen entsprechen dürfte, oder ob man sie vom Selbstverständnis des jeweiligen Menschen her betrachtet.
Zur Frage nach meiner Definition von "(Bio-)mann" oder (Bio-)frau":
Ich kann dazu keine Definition angeben, mit der ich selbst zufrieden wäre. Ich bin auch gar nicht sicher, ob es diese Kategorie überhaupt braucht.
Soweit ich es verstanden habe, soll damit jemand bezeichnet werden, der in seiner biologischen "Hardware" weitestgehend dem entspricht, was einen Menschen zeugungsfähig bzw. gebärfähig macht, sich nach aussen hin aber anders darstellt. Verwendet wird der Begriff, um z.B. 'biomännliche' Transmenschen von 'biomännlichen' Nicht-Transmenschen und von 'operierten' Transmenschen zu unterscheiden.
Die erste Unterscheidung, 'Bio-M-Trans' von 'Bio-M-Nichttrans', finde ich überflüssig. Wer nicht Trans ist, soll sich einfach als Mann bezeichnen, wer es doch ist, ist eben Trans. Wer als Mann Slips und Röcke zur sexuellen Erregung trägt, ist nicht primär Trans, sondern experimentierfreudig und könnte sich, ehrlich gegenüber sich und anderen, als Mann bezeichnen. Wer Mann ist und Röcke trägt ohne dabei sexuelle Erregung zu spüren UND ohne Trans- zu sein, ist modisch seiner Zeit voraus, bleibt aber ein Mann. Die zweite Unterscheidung ist nach meinem Empfinden auch nicht nötig. Wessen Körpermerkmale umgewandelt und an das richtige Geschlecht angepasst sind, ist das als was er/sie sich sieht; Frau, Mann, aber (immer auch) Trans.
Der Zusatz 'Bio-' billigt der "Hardware" meiner Meinung nach auch einen viel zu hohen Stellenwert zu. Ich nehme mich selbst mal als Beispiel dazu: Mein Hausarzt würde mir sicher ohne weiteres bestätigen, dass ich aus biologischer Sicht ein Mann bin. Aufgrund meiner äusseren Selbstdarstellung gehen geschätzt 99,...% der Menschen denen ich begegne auch davon aus, dass ich (nach deren Verständnis) ein Mann bin. All denen sehe ich es auch ohne weiteres nach, wenn sie mich mit "Herr ..." anreden; sie wissen es nicht besser und ausserdem ist es üblich entweder die Anrede "Herr" oder "Frau" zu benutzen. Wenn ich im Kontext dieses Forums aber als "Biomann", als "Mann in Frauenkleidern" oder ähnliches angesprochen würde, fände ich das ... mindestens unzutreffend. Ich bin anders als Menschen ohne Trans-Empfinden; meine "Software" ist eine andere. Welche Rolle spielt es dabei, ob ich meinen Penis nur ignoriere, ihn nicht mag, ihn hasse oder ihn abschneiden lasse?
Ich werde (nach heutigem medizinschen Stand) nicht gebärfähig (will ich auch nicht). Ich bin und bleibe ein Mensch. Und zwar einer, der in der Summe aus biologischem und sozialem (eigenem) Geschlechtsempfinden nicht "Mann" und nicht "Frau" ist. Ich bin Trans. Genauso Trans wie diejenigen, die sich nach aussen wesentlich anders darstellen als ich es tue oder die in der Veränderung/Anpassung ihrer Körper mehr oder anderes tun als ich es tue.
Eine differenzierte Unterscheidung der 'Trans'-Menschen untereinander halte ich für sehr heikel. Schon allein deswegen, weil sie sich oft an Stereotypen über "Mann" und "Frau" orientiert, um Graduierungen einzuführen.
Wenn man mich zwingen würde, meine
Begriffe festzulegen (was ja dankenswerter Weise niemand tut), sähe das am ehesten so aus:
Es gibt, sowohl hinsichtlich der biologischen (Inter-), als auch hinsichtlich des sozialen (trans-) Geschlechts Kontinuen, an deren Enden jeweils "FRAU" und "MANN" stehen. Zwischen diesen Polen gibt es ALLES. Dieses ALLES wird in 'Trans-' und 'Inter-' unterschieden, wobei 'Inter-' all diejenigen sind, bei denen von Geburt an ihre biologischen Merkmale einer Zeugungs- und Gebärfähigkeit entgegenstehen und 'trans-' alle anderen sind; also alle, die sich nicht eindeutig einem Pol zuordnen können und nicht 'Inter-' sind.
Im Gegensatz zu der Betrachtung oben, betreffend 'Umwandeln' bzw. 'Anpassen', wo es lediglich um die Betrachtungsperspektive geht, kann man bei der Bildung von Kategorien für Individuen, meiner festen Überzeugung nach, nicht einfach das biologische Geschlecht und das eigene Geschlechtsempfinden trennen. Erst beides zusammen macht ein Individuum aus. Und dann bliebe für den Begriff "Biomann" bei mir nur diese Beschreibung übrig: "Jemand, der sich in seinem Geschlechtsempfinden und in seinen körperlichen Merkmalen gänzlich am "Mann-Ende" des Spektrums sieht". Den kann man dann aber auch einfach einen "Mann" nennen

.
liebe Grüsse
Marielle
PS:
Ich bin durchaus FÜR die Findung klarer
Begriffe/Bezeichnungen, weil man nur vernünftig über etwas reden kann, wenn es von verschiedenen Leuten wenigstens ähnlich aufgefasst wird. Ich bin allerdings nicht sicher, ob eine Begriffsunterscheidung wirklich immer besser wird, je weiter sie unterteilt.
PS @ Sabrina: Die Frage in meinem vorherigen Posting war neutral gemeint. Ich habe sie nicht als hämisch betonte Suggestivfrage geschrieben.
Disclaimer:
Andrea bat mich meinen Definitionsvorschlag für "Biomann /-frau" anzugeben, Das habe ich, erfolglos, versucht. Der Text oben gibt meine Ansichten dazu wieder; darüber diskutiere ich gern. Wer meine Definition zu "Frau" oder "Mann" oder "Trans" umstandslos ablehnt, möge mir, vor dem Shitstorm, folgende Fragen beantworten: Wie fühlt sich eine Frau/ein Mann? Welches Fühlen definiert eine Frau / einen Mann?