Wie haben die nächsten Verwandten auf euer Outing reagiert ?
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Rusza
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Wie haben die nächsten Verwandten auf euer Outing reagiert ?
Hallo...Mich würde mal interessieren wie die Reaktion eurer nächsten Verwandten auf euer Outing war.Ich selbst habe nur Ablehnung erfahren.Man hat sich für mich geschämt.Es herrschte erst einmal Funkstille.Als erstes hat eine Tante die Sprache wiedergefunden und gefordert,das ich zur Bundeswehr gehe.Einen richtigen Mann sollte man dort aus mir machen.Für die Armee war ich mit 27 Jahren aber schon zu alt,die haben nur bis 25 Jahre eingezogen.Und wenn,dann hätte ich Zivildienst geleistet.Bis heute hat niemand verstanden,das ich eine Frau sein möchte.Weder Verwandte,ehemalige Freunde noch meine langjährige Freundin haben auch nur das geringste Verständnis für meine Transidendität gezeigt.Natürlich war es ein bischen naiv von mir mich schon 1991 zu outen.Aber mein Frau sein zu verbergen war für mich schlimmer.Ich habe 12 Jahre in Angst gelebt,das ich enttarnt werden könnte.So lange bis ich es satt hatte.Nach dem Outing habe ich mich gefühlt,wie ein ausgewilderter Bär,welcher endlich tun kann was er will.
Viele Grüße von Rusalka
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Tanja.Wilms
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Re: Wie haben die nächsten Verwandten auf euer Outing reagiert ?
Hallo Rusza,
es natürlich sehr traurig, wenn man schon in der eigenen Familie auf Widerstand stößt,
denn gerade da, so sollte man denken, bekommt man am ehesten Verständnis.
Natürlich war 1991 eine andere Zeit wie jetzt,
aber hier im Forum wirst Du viel Verständnis bekommen, und auch viele Tipps für die Zukunft.
Lebe Dein Leben so wie Du es willst, und nicht wie die Familie oder die Nachbarn es gerne sehen würden.
es natürlich sehr traurig, wenn man schon in der eigenen Familie auf Widerstand stößt,
denn gerade da, so sollte man denken, bekommt man am ehesten Verständnis.
Natürlich war 1991 eine andere Zeit wie jetzt,
aber hier im Forum wirst Du viel Verständnis bekommen, und auch viele Tipps für die Zukunft.
Lebe Dein Leben so wie Du es willst, und nicht wie die Familie oder die Nachbarn es gerne sehen würden.
Liebe Grüße von Tanja.Wilms aus dem schönen Flensburg
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Cuddy
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Re: Wie haben die nächsten Verwandten auf euer Outing reagiert ?
Hallo Rusza,
ich hatte das Glück auf viel Toleranz zu stoßen und das Bemühen, es verstehen zu wollen. Ich hatte allerdings schon im Vorfeld ein sicheres Gefühl. Zugegeben habe ich auch zur Hälfte meiner Familie seit Jahren keinen Kontakt mehr. Der Teil konnte sich schon nicht mit meiner Depression auseinander setzen. So gesehen hatte ich gute Vorraussetzungen.
Meine Mutter tut sich mit der neuen Situation schwer. Sie akzeptiert es und unterstützt mich, aber so richtig erfassen kann sie es noch nicht. Aber mit der Zeit kommt das schon.
Meine Tochter hat nur Kund getan "Papa, man darf doch sein, was man möchte". Kinder sind da oftmals einfach super entspannt. Das sehe ich auch immer wieder an meinen beiden Neffen.
Letztlich denke ich, das wichtigste ist immer, mit sich selbst im reinen zu sein.
Das solltest Du Dir also niemals vorwerfen.
LG Cuddy
ich hatte das Glück auf viel Toleranz zu stoßen und das Bemühen, es verstehen zu wollen. Ich hatte allerdings schon im Vorfeld ein sicheres Gefühl. Zugegeben habe ich auch zur Hälfte meiner Familie seit Jahren keinen Kontakt mehr. Der Teil konnte sich schon nicht mit meiner Depression auseinander setzen. So gesehen hatte ich gute Vorraussetzungen.
Meine Mutter tut sich mit der neuen Situation schwer. Sie akzeptiert es und unterstützt mich, aber so richtig erfassen kann sie es noch nicht. Aber mit der Zeit kommt das schon.
Meine Tochter hat nur Kund getan "Papa, man darf doch sein, was man möchte". Kinder sind da oftmals einfach super entspannt. Das sehe ich auch immer wieder an meinen beiden Neffen.
Letztlich denke ich, das wichtigste ist immer, mit sich selbst im reinen zu sein.
Ob das naiv war, weiss ich nicht. Aber es war sicher notwendig. Für Dich, für Dein Gefühl un für Deinen Weg!Rusza hat geschrieben: Di 13. Jul 2021, 23:13 Natürlich war es ein bischen naiv von mir mich schon 1991 zu outen
Das solltest Du Dir also niemals vorwerfen.
LG Cuddy
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Ulrike-Marisa
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Re: Wie haben die nächsten Verwandten auf euer Outing reagiert ?
Moin,
...meine Frau war und ist der Tatsache meiner Transidentität stets ablehnend gegenüber geblieben; wir haben einen Lebenskompromiss gefunden, der ein weiteres Zusammenleben ermöglicht. Unsere Kinder stehen der Sache mehr oder weniger Ablehnend gegenüber; sie möchten mit solchen Fragestellungen nichts zu tun haben. Unsere Verwandschaft ist z.T. ultrakonservativ; die wissen es einfach nicht und ich möchte keinen Streit darüber initiieren.
Zustimmung habe ich Freundes- und Bekanntenkreis erfahren und bei der Arbeit bis zum ausscheiden dieses Jahr in die Rente. Viel Jahre war ich als Personalrätin und auch sonst überörtlich im Dienst aktiv immer als Ulrike-Marisa, obwohl ich keine Namensänderung beantragt habe und keine medizinischen Maßnahmen in Anspruch genommen habe.
Es bleiben also Fragen offen...
Grüße, Ulrike-Marisa
...meine Frau war und ist der Tatsache meiner Transidentität stets ablehnend gegenüber geblieben; wir haben einen Lebenskompromiss gefunden, der ein weiteres Zusammenleben ermöglicht. Unsere Kinder stehen der Sache mehr oder weniger Ablehnend gegenüber; sie möchten mit solchen Fragestellungen nichts zu tun haben. Unsere Verwandschaft ist z.T. ultrakonservativ; die wissen es einfach nicht und ich möchte keinen Streit darüber initiieren.
Zustimmung habe ich Freundes- und Bekanntenkreis erfahren und bei der Arbeit bis zum ausscheiden dieses Jahr in die Rente. Viel Jahre war ich als Personalrätin und auch sonst überörtlich im Dienst aktiv immer als Ulrike-Marisa, obwohl ich keine Namensänderung beantragt habe und keine medizinischen Maßnahmen in Anspruch genommen habe.
Es bleiben also Fragen offen...
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christine44
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Re: Wie haben die nächsten Verwandten auf euer Outing reagiert ?
Bei mir war der Sohn die größte Hürde. Hab es ihm vor etwa 3 Jahren erzählt. Da war er 17. Okay, das ist dein Ding war die Antwort. Er will aber auch nix davon sehen. Ich frag regelmäßig nach ob er nicht doch mal gucken will, bisher aber nicht. Jetzt zieht er aus, vielleicht entspannt das die Sache auch nochmals.
Meine Ex lehnt das auch ab, aber hat mich auch noch nie gesehen. War aber auch nicht der alleinige Grund der Trennung und sonst haben wir auch noch ein gutes Verhältnis.
Meine Ex lehnt das auch ab, aber hat mich auch noch nie gesehen. War aber auch nicht der alleinige Grund der Trennung und sonst haben wir auch noch ein gutes Verhältnis.
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sbsr
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Re: Wie haben die nächsten Verwandten auf euer Outing reagiert ?
Hallo Rusalka,
man weiß ja nie wirklich, wie jemand reagieren würde, aber ich wüsste aus meiner ganzen Verwandtschaft nur einen Menschen, bei dem ich mit einer positiven Reaktion rechnen würde. Das ist meine Mutter. Ich möchte es ihr aber nicht zumuten, mit diesem Wissen leben zu müssen, obwohl niemand anderes davon erfahren darf.
Meine Schwiegereltern würden wahrscheinlich auf der Stelle tot umfallen, wenn sie wüssten in welchen Klamotten ich manchmal rum laufe. Die sind im Welt- und Rollenbild der 70er gefangen.
Am meisten Kontakt haben wir mit den Geschwistern meiner Schwiegermutter. Deren Kinder, also die Cousins und Cousinen meiner Frau, sind ja eigentlich die gleiche Generation wie wir (Mitte 30 bis Anfang 40), aber auch noch so der typische Schlag "Landjugend", wo die Männer saufen gehen und den jungen Mädels hinterher jagen, obwohl die eigene Frau teils mit Kind daheim sitzt, und die Frauen daheim sitzen und noch stolz auf ihre männlichen Männer sind.
Mein gesamtes Umfeld in der Arbeit geht deutlich entspannter damit um, als ich es von meiner kompletten Verwandtschaft jemals erwarten würde. Entsprechend kommt ein Outing in der Familie absolut nicht in Frage, auch wenn das bedeutet bei allen Familienfeiern und sonstigen Gegebenheiten immer schön brav den Mann zu spielen.
man weiß ja nie wirklich, wie jemand reagieren würde, aber ich wüsste aus meiner ganzen Verwandtschaft nur einen Menschen, bei dem ich mit einer positiven Reaktion rechnen würde. Das ist meine Mutter. Ich möchte es ihr aber nicht zumuten, mit diesem Wissen leben zu müssen, obwohl niemand anderes davon erfahren darf.
Meine Schwiegereltern würden wahrscheinlich auf der Stelle tot umfallen, wenn sie wüssten in welchen Klamotten ich manchmal rum laufe. Die sind im Welt- und Rollenbild der 70er gefangen.
Am meisten Kontakt haben wir mit den Geschwistern meiner Schwiegermutter. Deren Kinder, also die Cousins und Cousinen meiner Frau, sind ja eigentlich die gleiche Generation wie wir (Mitte 30 bis Anfang 40), aber auch noch so der typische Schlag "Landjugend", wo die Männer saufen gehen und den jungen Mädels hinterher jagen, obwohl die eigene Frau teils mit Kind daheim sitzt, und die Frauen daheim sitzen und noch stolz auf ihre männlichen Männer sind.
Mein gesamtes Umfeld in der Arbeit geht deutlich entspannter damit um, als ich es von meiner kompletten Verwandtschaft jemals erwarten würde. Entsprechend kommt ein Outing in der Familie absolut nicht in Frage, auch wenn das bedeutet bei allen Familienfeiern und sonstigen Gegebenheiten immer schön brav den Mann zu spielen.
LG, Svenja
Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.
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Marit
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Re: Wie haben die nächsten Verwandten auf euer Outing reagiert ?
Hallo Rusalka,
vor 30 Jahren hätte ich mich niemandem offenbart, genau wegen der zu erwartenden Ablehnung.
Vor 1,5 Jahren war das viel einfacher und trotzdem gab es in meiner Familie gemischte Reaktionen.
Meine Liebste konnte sich nach anfänglicher Skepsis daran gewöhnen, dass sie statt eines griesgrämigen Mannes nun eine zufriedene ausgeglichene Frau an ihrer Seite hat.
Mein Vater hat es völlig ignoriert, wollte nicht darüber sprechen und ich habe ihn dann auch ignoriert- das Verhältnis war noch nie gut.
Meine Mutter hat es akzeptiert und kann damit gut leben.
Meine Tochter (30) hasst es, weil ich nicht der gesellschaftlichen Norm entspreche und peinlich bin, die Familie ihres Freundes haben wir noch nie gesehen.
Mein Sohn (33) akzeptiert schon immer was ich mache, auch die Familie seiner Frau mag und wie wir sind- vor und nach dem Outing.
Entferntere Verwandte sind ähnlich: alte Männer verstehen es gar nicht, die Frauen etwas besser.
Es gibt also alle Varianten und es geht darum, den richtigen Umgang damit zu finden. Wir können es eh nie allen recht machen.
vor 30 Jahren hätte ich mich niemandem offenbart, genau wegen der zu erwartenden Ablehnung.
Vor 1,5 Jahren war das viel einfacher und trotzdem gab es in meiner Familie gemischte Reaktionen.
Meine Liebste konnte sich nach anfänglicher Skepsis daran gewöhnen, dass sie statt eines griesgrämigen Mannes nun eine zufriedene ausgeglichene Frau an ihrer Seite hat.
Mein Vater hat es völlig ignoriert, wollte nicht darüber sprechen und ich habe ihn dann auch ignoriert- das Verhältnis war noch nie gut.
Meine Mutter hat es akzeptiert und kann damit gut leben.
Meine Tochter (30) hasst es, weil ich nicht der gesellschaftlichen Norm entspreche und peinlich bin, die Familie ihres Freundes haben wir noch nie gesehen.
Mein Sohn (33) akzeptiert schon immer was ich mache, auch die Familie seiner Frau mag und wie wir sind- vor und nach dem Outing.
Entferntere Verwandte sind ähnlich: alte Männer verstehen es gar nicht, die Frauen etwas besser.
Es gibt also alle Varianten und es geht darum, den richtigen Umgang damit zu finden. Wir können es eh nie allen recht machen.
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Momo58
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Re: Wie haben die nächsten Verwandten auf euer Outing reagiert ?
Hi Rusalke,
Schade, dass du nicht zur Bundeswehr gehen konntest. Dort gibt es mittlerweile über 450 in queer-bw organisierte LSBTIQA+ Betroffene. Die hätten dafür gesorgt, dass du so bleiben kannst wie du bist.
Meine Familie besteht nur noch aus meinem Bruder und einer Schwägerin. Beide haben mich am Telefon und Computer gesperrt. Ich bin eigentlich froh darüber, nichts mehr mit diesen transphoben Spaßvögeln zu tun zu haben. Meinen Weg konnte ich nun frei wählen. Das war für mich eine gute Sache.
LG Manuela
Schade, dass du nicht zur Bundeswehr gehen konntest. Dort gibt es mittlerweile über 450 in queer-bw organisierte LSBTIQA+ Betroffene. Die hätten dafür gesorgt, dass du so bleiben kannst wie du bist.
Meine Familie besteht nur noch aus meinem Bruder und einer Schwägerin. Beide haben mich am Telefon und Computer gesperrt. Ich bin eigentlich froh darüber, nichts mehr mit diesen transphoben Spaßvögeln zu tun zu haben. Meinen Weg konnte ich nun frei wählen. Das war für mich eine gute Sache.
LG Manuela
Wir alle sind nur ein unbedeutendes Staubkorn im Universum
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Cuddy
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Re: Wie haben die nächsten Verwandten auf euer Outing reagiert ?
Das ist ein interessanter Ansatz. Ich frage mich gerade, ob ich vielleciht früher einen Zugang zur Frau in mir gefunden, hätte ich nicht verweigert. Auf der anderen Seite hätte ich andere Erfahrungen nicht sammeln können, die ich dafür im Zivildienst hatte. Ein spannendes Gedankenexperiment.
Ich habe selbst keinen Kontakt mehr zur väterlichen Seite meiner Familie. Meine Omma ausgenommen. Zu Beginn war das schon schwer und war immer wieder furchtbar wütend. Manchmal bin ich es noch. Im Großen und Ganzen war es aber eine gute Entscheidung den Kontakt einzustellen. Mir geht es ohne sehr viel besser, als mit.Momo58 hat geschrieben: Mi 14. Jul 2021, 17:10 Meine Familie besteht nur noch aus meinem Bruder und einer Schwägerin. Beide haben mich am Telefon und Computer gesperrt. Ich bin eigentlich froh darüber, nichts mehr mit diesen transphoben Spaßvögeln zu tun zu haben. Meinen Weg konnte ich nun frei wählen. Das war für mich eine gute Sache.
Um sich selbst zu emanzipieren kann das ein wichtiger Schritt sein, der aber auch eine hohen Preis hat.
LG Cuddy
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YvonneTV
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Re: Wie haben die nächsten Verwandten auf euer Outing reagiert ?
Hallo RusalkaRusza hat geschrieben: Di 13. Jul 2021, 23:13 Mich würde mal interessieren wie die Reaktion eurer nächsten Verwandten auf euer Outing war.
Ich kann dazu bisher nur Positives berichten:
Meine drei Kids (alle Ü20) sind OK damit
Und meine "sozusagen Stiefeltern" (Steffi und ich sind ja nicht verheiratet) gehen damit auch ganz entspannt um
Alle ware erst mal ziemlich überrascht, weil sie davon ja keine Ahnung hatten - wie auch !
Doch nach einem aufklärenden Gespräch gab es nur positives Feedback
Ganz liebe Grüsse - Yvi
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Diana.65
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Re: Wie haben die nächsten Verwandten auf euer Outing reagiert ?
Hallo Rusalka.Rusza hat geschrieben: Di 13. Jul 2021, 23:13 Hallo...Mich würde mal interessieren wie die Reaktion eurer nächsten Verwandten auf euer Outing war.Ich selbst habe nur Ablehnung erfahren.Man hat sich für mich geschämt.Es herrschte erst einmal Funkstille.Als erstes hat eine Tante die Sprache wiedergefunden und gefordert,das ich zur Bundeswehr gehe.Einen richtigen Mann sollte man dort aus mir machen.Für die Armee war ich mit 27 Jahren aber schon zu alt,die haben nur bis 25 Jahre eingezogen.Und wenn,dann hätte ich Zivildienst geleistet.Bis heute hat niemand verstanden,das ich eine Frau sein möchte.Weder Verwandte,ehemalige Freunde noch meine langjährige Freundin haben auch nur das geringste Verständnis für meine Transidendität gezeigt.Natürlich war es ein bischen naiv von mir mich schon 1991 zu outen.Aber mein Frau sein zu verbergen war für mich schlimmer.Ich habe 12 Jahre in Angst gelebt,das ich enttarnt werden könnte.So lange bis ich es satt hatte.Nach dem Outing habe ich mich gefühlt,wie ein ausgewilderter Bär,welcher endlich tun kann was er will.
Viele Grüße von Rusalka
Ich habe (leider) erst mit über 50 zu mir selbst gefunden. Beim nachfolgenden Outing hab ich die volle Bandbreite an Reaktionen erfahren.
Meine "noch" Frau möchte sich mit dem Thema überhaupt nicht auseinander setzen und lehnt es völlig ab, da bleibt nur eine Trennung übrig.
Mein Sohn kommt zwar auch nicht so recht damit klar, dass sein Vater nun eher in der weiblichen Ecke zu verorten ist, aber er geht noch halbwegs normal mit mir um, möchte mich aber liber auch nicht voll gestylt sehen.
Bei meiner Schwester war ich anfangs skeptisch, bin dort aber voll cool angenommen worden. Da bin ich jetzt halt Diana, auch bei ihrem Partner und ihren Kindern.
Auch bei meinem besten "Kumpel", mit dem ich aufgeachen bin, und auch seiner Familie, ist es kein Problem, seine Mutter hat sich noch nicht mal mit meinem bisherigen Auftreten zufrieden gegeben, sondern forderte mich auf, bei nächsten Treffen voll gestylt (Kleid und Makeup) zu erscheinen.
Ich musste des öfteren feststellen, dass man die Reaktionen nicht vorhersehen kann. Beim Outing gegenüber einem Onkel von mir, den ich als weltoffen und tolerant eingeschätzt hatte, bin ich dann sofort als Spinner und Unnormal bezeichnet worden.
Bei anderen, wo ich eher Ablehnung vorher gesehen hatte, war und ist es kein Problem.
Auch im Nachhinein, möchte ich nicht wieder zurück und war das Outing für mich eher ein "Befreiungsschlag". Inzwischen möchte ich, auch trotz der Widerstände, nicht mehr zurück.
Ich wünsche dir, dass du in Zukunft mehr positive Rückmlungen erhältst und es dir damit besser geht.
Liebe Grüße,
Diana.
Ich bin und bleibe ich.
Und ... genieße mein neues Leben.
Und ... genieße mein neues Leben.
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Helga_CD
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Re: Wie haben die nächsten Verwandten auf euer Outing reagiert ?
Liebe Rusalka,
ein Outing gegenüber den nächsten Verwandten bzw. der Familie ist für viele mit mehr Emotionen verbunden, als gegenüber Freunden oder Außenstehenden.
Es macht bestimmt auch einen Unterschied, über welche Generation wir reden. Ich selbst bin fast 50, meine Eltern sind Kinder der 50er/60er. Natürlich ist Toleranz zeitunabhängig, aber der Zeitgeist der Gesellschaft, in der man aufwächst, prägt schon. Unsere Kinder (aus meiner Alterssicht) haben es mit Sicherheit etwas einfacher, alternative Modelle (in welcher Hinsicht auch immer) zu vermitteln, als wir (50/60+). Schließlich arbeiten wir alle hier im Forum hart daran und ebnen schonmal ein wenig den Weg...
Als ich vor 25 Jahren meine Frau kennengelernt habe, habe ich ihr recht schnell von meinem Nylonfetisch erzählt. Das hat sie auch immer (manchmal schmunzelnd, manchmal zähneknirschend bzw. genervt) akzeptiert. Das eigentliche Crossdressing (so, wie ich es auslebe, als Mann in weiblicher Kleidung) habe ich erst vor ca. 10 Jahren begonnen. Leider habe ich den Fehler gemacht, das heimlich zu tun. Meine Frau hat wohl zwar schon immer etwas geahnt, aber als ich ihr dann vor etwa zwei Jahren "reinen Wein eingeschenkt" habe, war die größte Enttäuschung nicht die Tatsache, das ihr Mann ab und an im Fummel auf High-Heels rumläuft, sondern dass ich es ihr nicht gesagt hatte. Wenn ich dressed-up unterwegs war, habe ich irgendwelche - meist berufliche - Gründe vorgeschoben, weshalb es mal wieder länger dauert. Kurzum: Ich habe sie belogen - und das war falsch.
Es ist nun nicht so, dass meine Frau nun von meinem "Hobby" begeistert ist (Sie will mich nicht so sehen, geschweige denn mit mir so rausgehen), aber sie hat verstanden, dass das Crossdressing in mir drin und ein Teil von mir ist, den ich ab und zu mal rauslassen muss, da ich mir sonst weh tue (und unerträglich werde). Die wichtigste "Kollateralerkenntnis", die ich meiner Frau vermitteln konnte, ist die Tatsache, dass das Crossdressing für mich keinerlei sexuellen (na gut, schon einen einen kleinen erotischen) Hintergrund hat, ich also nicht fremdgehe, schon mal gar nicht mit Männern.
Ich habe mich nie persönlich explizit gegenüber meinen Eltern oder Geschwistern als Crossdresser geoutet.
Dass ich Nylons toll finde, wussten sie eigentlich alle, ohne dass wir das irgendwann mal besprochen hätten. Wir sind halt zusammen aufgewachsen und da bleibt ein Nylonfetisch, dessen Ursprünge auf Kindheitstage zurückgehen, natürlich nicht komplett verborgen.
Meine Mutter hat natürlich mitbekommen, dass ich auch als Jugendlicher heimlich Nylons getragen habe. Sie hat mich auch mehrfach erwischt, als ich abends im Bett eine Strumpfhose angezogen hatte, um das Gefühl zu genießen. Sie hat zwar etwas ärgerlich reagiert, was das denn solle und dass ich das bleiben lassen möge, hat aber kein großes Theater draus gemacht. Andererseits hat sie aber auch heimlich meine Strumpfhosensammlung gewaschen und in mein Geheimversteck (haha) zurückgelegt, ohne mir was zu sagen, oder mich drauf anzusprechen. Ein einziges Mal, nachdem ich mal wieder erwischt wurde, hat sie mir gesagt, dass es für sie überhaupt kein Problem wäre, wenn ich schwul wäre, ich soll es nur offen sagen.
Nun ist meine Mutter bereits vor fünf Jahren gestorben, aber ich glaube im Nachhinein, dass es gut war, so wie es war, auch wenn sie mein Crossdressing vermutlich toleriert hätte.
Sie hat mit Sicherheit auch mit meinem Vater mal darüber gesprochen, aber der hat nie ein Wort darüber verloren. Unser Verhältnis ist eher rational und sachlich. Echte Emotionen haben wir uns eher selten gezeigt. Mein Vater ist für mich bis heute Vorbild, wichtiger Ratgeber und Ansprechpartner. Es ist ein eher "preußisches" Vater-Sohn-Verhältnis, in dem ein solch emotionales Thema wie Crossdressing keinen Raum hat. Dennoch glaube ich, dass mein Vater mein Crossdressing vor den sachlichen und faktischen Hintergründen akzeptieren würde, jedoch eher aus einer Selbstdisziplin heraus, als aus einer Selbsterkenntnis.
Mein Vater ist nun bald 80 Jahre alt. Da ich keinen Grund habe, mich gegenüber ihm zu outen (oder sogar outen zu müssen), werde ich das auch nicht mehr tun, auch wenn er mein Crossdressing vermutlich hingenommen hätte. Aber er muss sich wegen mir in seinen letzten Jahren nicht mehr den Kopf zermürben müssen. Wenn Kinder anders sind, als Eltern es sich vorgestellt haben, ist doch die häufigste Frage: "Was haben wir falsch gemacht?". Und es dauert i.d.R. sehr lange, bis sie vollkommen verstanden und vor allem akzeptiert haben, dass sie gar nichts falsch gemacht haben. So viel Zeit hat mein Vater nicht mehr.
Meine beiden jüngeren Schwestern haben natürlich im Laufe der Jahre, die wir zusammen aufgewachsen sind, meinen Nylonfetisch mitbekommen. Da ich das Crossdressing angefangen habe, als wir schon längst unsere eigenen Wege gingen, wissen sie davon nichts. Ob sie etwas ahnen, weiß ich nicht. Da ich beide als sehr tolerant und aufgeklärt kenne, hätten sie bestimmt überhaupt kein Problem damit. Da beide jedoch (verheiratet und mit Kindern) in anderen Städten wohnen und wir uns nur alle paar Monate mal sehen, gibt es für mich aktuell überhaupt keinen Grund, mich vor ihnen outen zu müssen. Sollte ich irgendwann einmal die Notwendigkeit erkennen, oder einfach Lust dazu haben, hätte ich da überhaupt kein Problem mit - und die beiden (einschl. meiner Schwager) bestimmt auch nicht.
Unsere Kinder (2x3 und 8 Jahre alt) wissen noch nichts. Ich zerbreche mir aber auch nicht den Kopf darüber. Das lasse ich einfach auf uns zukommen. Wichtig ist nur, ehrlich zu bleiben, wenn irgendwann mal Fragen gestellt werden. Wir versuchen, unsere Kinder zu offenen, toleranten Menschen zu erziehen und ihnen zu vermitteln, dass es auch Alternativen zu traditionellen, (aus heutiger Sicht) gesellschaftskonformen Strukturen und Mustern geben kann (zwei der Taufpaten sind schwul). Am wichtigsten ist aber die Authentizität, die wir als Eltern vorleben. Und genau die wird gefragt sein, wenn ich mich irgendwann einmal gegenüber meiner Kinder oute. Angst habe ich nicht davor.
Die restliche Verwandtschaft weiß und ahnt von nix - und das wird auch so bleiben. Daher ist es für mich müßig, darüber nachzudenken, ob und wie die ein Outing aufnehmen würden. Eine Cousine hat zwar mal in Jugendtagen meinen Nylonfetisch entdeckt und machte eher einen interessierten, als einen ablehnenden Eindruck, was aber kein Grund für mich ist, jetzt vorzupreschen. Sollte es irgendwann mal zu einem Outing kommen, dann könnte ich bestimmt gut damit leben. Ich die es könnten, ist mir - mit Verlaub - egal.
Herzlichst
Helga
P.S.: Bei der Bundeswehr hat übrigens meine ganze Kompanie regelmäßig Nylons getragen: viewtopic.php?p=177265#p177265
ein Outing gegenüber den nächsten Verwandten bzw. der Familie ist für viele mit mehr Emotionen verbunden, als gegenüber Freunden oder Außenstehenden.
Es macht bestimmt auch einen Unterschied, über welche Generation wir reden. Ich selbst bin fast 50, meine Eltern sind Kinder der 50er/60er. Natürlich ist Toleranz zeitunabhängig, aber der Zeitgeist der Gesellschaft, in der man aufwächst, prägt schon. Unsere Kinder (aus meiner Alterssicht) haben es mit Sicherheit etwas einfacher, alternative Modelle (in welcher Hinsicht auch immer) zu vermitteln, als wir (50/60+). Schließlich arbeiten wir alle hier im Forum hart daran und ebnen schonmal ein wenig den Weg...
Als ich vor 25 Jahren meine Frau kennengelernt habe, habe ich ihr recht schnell von meinem Nylonfetisch erzählt. Das hat sie auch immer (manchmal schmunzelnd, manchmal zähneknirschend bzw. genervt) akzeptiert. Das eigentliche Crossdressing (so, wie ich es auslebe, als Mann in weiblicher Kleidung) habe ich erst vor ca. 10 Jahren begonnen. Leider habe ich den Fehler gemacht, das heimlich zu tun. Meine Frau hat wohl zwar schon immer etwas geahnt, aber als ich ihr dann vor etwa zwei Jahren "reinen Wein eingeschenkt" habe, war die größte Enttäuschung nicht die Tatsache, das ihr Mann ab und an im Fummel auf High-Heels rumläuft, sondern dass ich es ihr nicht gesagt hatte. Wenn ich dressed-up unterwegs war, habe ich irgendwelche - meist berufliche - Gründe vorgeschoben, weshalb es mal wieder länger dauert. Kurzum: Ich habe sie belogen - und das war falsch.
Es ist nun nicht so, dass meine Frau nun von meinem "Hobby" begeistert ist (Sie will mich nicht so sehen, geschweige denn mit mir so rausgehen), aber sie hat verstanden, dass das Crossdressing in mir drin und ein Teil von mir ist, den ich ab und zu mal rauslassen muss, da ich mir sonst weh tue (und unerträglich werde). Die wichtigste "Kollateralerkenntnis", die ich meiner Frau vermitteln konnte, ist die Tatsache, dass das Crossdressing für mich keinerlei sexuellen (na gut, schon einen einen kleinen erotischen) Hintergrund hat, ich also nicht fremdgehe, schon mal gar nicht mit Männern.
Ich habe mich nie persönlich explizit gegenüber meinen Eltern oder Geschwistern als Crossdresser geoutet.
Dass ich Nylons toll finde, wussten sie eigentlich alle, ohne dass wir das irgendwann mal besprochen hätten. Wir sind halt zusammen aufgewachsen und da bleibt ein Nylonfetisch, dessen Ursprünge auf Kindheitstage zurückgehen, natürlich nicht komplett verborgen.
Meine Mutter hat natürlich mitbekommen, dass ich auch als Jugendlicher heimlich Nylons getragen habe. Sie hat mich auch mehrfach erwischt, als ich abends im Bett eine Strumpfhose angezogen hatte, um das Gefühl zu genießen. Sie hat zwar etwas ärgerlich reagiert, was das denn solle und dass ich das bleiben lassen möge, hat aber kein großes Theater draus gemacht. Andererseits hat sie aber auch heimlich meine Strumpfhosensammlung gewaschen und in mein Geheimversteck (haha) zurückgelegt, ohne mir was zu sagen, oder mich drauf anzusprechen. Ein einziges Mal, nachdem ich mal wieder erwischt wurde, hat sie mir gesagt, dass es für sie überhaupt kein Problem wäre, wenn ich schwul wäre, ich soll es nur offen sagen.
Nun ist meine Mutter bereits vor fünf Jahren gestorben, aber ich glaube im Nachhinein, dass es gut war, so wie es war, auch wenn sie mein Crossdressing vermutlich toleriert hätte.
Sie hat mit Sicherheit auch mit meinem Vater mal darüber gesprochen, aber der hat nie ein Wort darüber verloren. Unser Verhältnis ist eher rational und sachlich. Echte Emotionen haben wir uns eher selten gezeigt. Mein Vater ist für mich bis heute Vorbild, wichtiger Ratgeber und Ansprechpartner. Es ist ein eher "preußisches" Vater-Sohn-Verhältnis, in dem ein solch emotionales Thema wie Crossdressing keinen Raum hat. Dennoch glaube ich, dass mein Vater mein Crossdressing vor den sachlichen und faktischen Hintergründen akzeptieren würde, jedoch eher aus einer Selbstdisziplin heraus, als aus einer Selbsterkenntnis.
Mein Vater ist nun bald 80 Jahre alt. Da ich keinen Grund habe, mich gegenüber ihm zu outen (oder sogar outen zu müssen), werde ich das auch nicht mehr tun, auch wenn er mein Crossdressing vermutlich hingenommen hätte. Aber er muss sich wegen mir in seinen letzten Jahren nicht mehr den Kopf zermürben müssen. Wenn Kinder anders sind, als Eltern es sich vorgestellt haben, ist doch die häufigste Frage: "Was haben wir falsch gemacht?". Und es dauert i.d.R. sehr lange, bis sie vollkommen verstanden und vor allem akzeptiert haben, dass sie gar nichts falsch gemacht haben. So viel Zeit hat mein Vater nicht mehr.
Meine beiden jüngeren Schwestern haben natürlich im Laufe der Jahre, die wir zusammen aufgewachsen sind, meinen Nylonfetisch mitbekommen. Da ich das Crossdressing angefangen habe, als wir schon längst unsere eigenen Wege gingen, wissen sie davon nichts. Ob sie etwas ahnen, weiß ich nicht. Da ich beide als sehr tolerant und aufgeklärt kenne, hätten sie bestimmt überhaupt kein Problem damit. Da beide jedoch (verheiratet und mit Kindern) in anderen Städten wohnen und wir uns nur alle paar Monate mal sehen, gibt es für mich aktuell überhaupt keinen Grund, mich vor ihnen outen zu müssen. Sollte ich irgendwann einmal die Notwendigkeit erkennen, oder einfach Lust dazu haben, hätte ich da überhaupt kein Problem mit - und die beiden (einschl. meiner Schwager) bestimmt auch nicht.
Unsere Kinder (2x3 und 8 Jahre alt) wissen noch nichts. Ich zerbreche mir aber auch nicht den Kopf darüber. Das lasse ich einfach auf uns zukommen. Wichtig ist nur, ehrlich zu bleiben, wenn irgendwann mal Fragen gestellt werden. Wir versuchen, unsere Kinder zu offenen, toleranten Menschen zu erziehen und ihnen zu vermitteln, dass es auch Alternativen zu traditionellen, (aus heutiger Sicht) gesellschaftskonformen Strukturen und Mustern geben kann (zwei der Taufpaten sind schwul). Am wichtigsten ist aber die Authentizität, die wir als Eltern vorleben. Und genau die wird gefragt sein, wenn ich mich irgendwann einmal gegenüber meiner Kinder oute. Angst habe ich nicht davor.
Die restliche Verwandtschaft weiß und ahnt von nix - und das wird auch so bleiben. Daher ist es für mich müßig, darüber nachzudenken, ob und wie die ein Outing aufnehmen würden. Eine Cousine hat zwar mal in Jugendtagen meinen Nylonfetisch entdeckt und machte eher einen interessierten, als einen ablehnenden Eindruck, was aber kein Grund für mich ist, jetzt vorzupreschen. Sollte es irgendwann mal zu einem Outing kommen, dann könnte ich bestimmt gut damit leben. Ich die es könnten, ist mir - mit Verlaub - egal.
Herzlichst
Helga
P.S.: Bei der Bundeswehr hat übrigens meine ganze Kompanie regelmäßig Nylons getragen: viewtopic.php?p=177265#p177265
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Violetta Arden
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Re: Wie haben die nächsten Verwandten auf euer Outing reagiert ?
Viele nächste Verwandte wissen nichts von Gerda - meine Frau weiss es natürlich und toleriert es, aber die hellste Freude hat sie sicher nicht. Dann habe ich ein unfreiwilliges Outing bei meiner Schwester und zwei Nichten gehabt, die alle toll reagiert haben. Einmal hatte ich bei einem Familiengrillen, wo Mutter, Bruder, Schwester und Partner dabei waren- im Sommer- lackierte Zehennägel getragen, dort aber keine Reaktion erhalten. Sonst möchte ich (momentan) keine weiteren Outingschritte unternehmen. Sohn und Tochter müssen es auch nicht unbedingt mitkriegen . Meine Mutter müsste meine Vorliebe für Nylons eigentlich mitbekommen haben - davon ist aber nie gesprochen worden.
Und wenn's irgendwo passieren sollte, wird es wohl kein Weltuntergang werden.
Alles Liebe Gerda
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Mein weibliches Ich ist ein Teil von mir und lässt sich nicht mehr unterdrücken. Ungenützte Zeit lässt sich nie mehr zurückholen.
Lebe Dein Leben.
Mein Blog:
https://violettaarden9.blogspot.com/
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Tanja Stöckel
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Re: Wie haben die nächsten Verwandten auf euer Outing reagiert ?
Ich glaube richtige Toleranz im Sinne von Akzeptanz ist zu viel erwartet, denn ehrlich gesagt, wer versteht sich und seine Gefühle schon selbst. Dennoch ist es , besonders bei der Partnerin, ein großer Ausdruck der Liebe, auf die besonderen Vorlieben des Partners nicht mit Ablehnung zu reagieren. Bei allen Anderen, wäre ich mir da mit der Ehrlichkeit im Bezug auf die vermeidliche Offenheit diversen gegenüber, nicht so sicher - da wird auch viel geheuchelt sein, hinter dem Rücken wird sich dann eh da Maul zerrissen und getratscht.
Ich war schon immer eine Frau, nur niemand konnte mich wirklich sehen.
Jetzt wird es Zeit, dass alle die Frau sehen, damit ich mich erkennen kann und so sein kann wie ich bin.
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Patricia
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Re: Wie haben die nächsten Verwandten auf euer Outing reagiert ?
Hallo,
die Reaktionen in meiner Familie waren und sind unterschiedlich. Ein entfernter Onkel hat mich aus seiner Freundesliste in Facebook gestrichen und blockiert...mein Patenonkel hat mir erklärt, dass ich von einem weiblichen Geist besessen bin (seit dem zweifle ich an SEINER geistigen Gesundheit) und hat mir erklärt ich müsste mich exorzieren lassen. Meine Oma hat im ersten Moment heftigst reagiert, sie kommt damit partiell immer noch nicht klar, denn sie weigert sich mit meinem Namen anzusprechen in nennt mich immer noch bei meinem alten Vornamen aber sie sagt zugleich dass sie es gerne früher verstanden hätte um mir zu helfen.
Meine Mutter kam damit am Anfang so gar nicht klar und das obwohl sie fast 20 Jahre Zeit hatte sich an den Gedanken zu gewöhnen, denn sie hat es schon 2002 das erste Mal erfahren, damals aber auch erfahren dass ich es versuchen will als Mann und Vater an der Seite einer Frau. Als ich mich dann 2019 entschieden habe meinen Weg zu gehen fragte sie mich ob ich mir den bewusst wäre was ich da tue...Und sie weigerte sich eine längere Zeit mich zu sehen (wir wohnen etwa 250km voneinander entfernt) denn sie hatte Angst davor was die Nachbarn sagen könnten. Im Dezember letzten Jahres wollte sie mich immer noch nicht sehen und da habe ich ihr das ordentlich an den Koopf geworfen dass sie mich nicht sehen will und dass sie mir weh tut. Das hat bewirkt dass sie es sich anders überlegt hat und seit Weihnachten 2020 ist sie sehr glücklich darüber eine Tochter zu haben. Sie sagte sie hätte bei meinem Besuch erkannt dass ich endlich ich selbst sei.
Mein Sohn, der nach der Trennung zwischen seiner Mutter und mir, sich entschieden hat bei mir zu bleiben sagte einfach nur: Wir leben im 21 Jh, tu was für Dich gut ist. Und er steht hinter mir. Er hat keine Probleme damit dass sein Papa eine Sie ist. Einfach eine coole Socke der Typ
Andere Menschen haben es angeblich akzeptiert und verstanden und sich dann von mir abgewendet als sie feststellten dass ich nicht mehr vorgebe jemand anderes zu sein und mich verändere...aber das ist eine andere Geschichte...
LG
Patricia
die Reaktionen in meiner Familie waren und sind unterschiedlich. Ein entfernter Onkel hat mich aus seiner Freundesliste in Facebook gestrichen und blockiert...mein Patenonkel hat mir erklärt, dass ich von einem weiblichen Geist besessen bin (seit dem zweifle ich an SEINER geistigen Gesundheit) und hat mir erklärt ich müsste mich exorzieren lassen. Meine Oma hat im ersten Moment heftigst reagiert, sie kommt damit partiell immer noch nicht klar, denn sie weigert sich mit meinem Namen anzusprechen in nennt mich immer noch bei meinem alten Vornamen aber sie sagt zugleich dass sie es gerne früher verstanden hätte um mir zu helfen.
Meine Mutter kam damit am Anfang so gar nicht klar und das obwohl sie fast 20 Jahre Zeit hatte sich an den Gedanken zu gewöhnen, denn sie hat es schon 2002 das erste Mal erfahren, damals aber auch erfahren dass ich es versuchen will als Mann und Vater an der Seite einer Frau. Als ich mich dann 2019 entschieden habe meinen Weg zu gehen fragte sie mich ob ich mir den bewusst wäre was ich da tue...Und sie weigerte sich eine längere Zeit mich zu sehen (wir wohnen etwa 250km voneinander entfernt) denn sie hatte Angst davor was die Nachbarn sagen könnten. Im Dezember letzten Jahres wollte sie mich immer noch nicht sehen und da habe ich ihr das ordentlich an den Koopf geworfen dass sie mich nicht sehen will und dass sie mir weh tut. Das hat bewirkt dass sie es sich anders überlegt hat und seit Weihnachten 2020 ist sie sehr glücklich darüber eine Tochter zu haben. Sie sagte sie hätte bei meinem Besuch erkannt dass ich endlich ich selbst sei.
Mein Sohn, der nach der Trennung zwischen seiner Mutter und mir, sich entschieden hat bei mir zu bleiben sagte einfach nur: Wir leben im 21 Jh, tu was für Dich gut ist. Und er steht hinter mir. Er hat keine Probleme damit dass sein Papa eine Sie ist. Einfach eine coole Socke der Typ
Andere Menschen haben es angeblich akzeptiert und verstanden und sich dann von mir abgewendet als sie feststellten dass ich nicht mehr vorgebe jemand anderes zu sein und mich verändere...aber das ist eine andere Geschichte...
LG
Patricia
Lebe dein Leben, denn du hast nur das eine!!!