Blutengel
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Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Stephanie
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Blutengel

Post 1 im Thema

Beitrag von Stephanie » Di 26. Feb 2019, 16:52

Die Kneipe im Vorharz Teil 1

Ich stehe vor der Kneipe, die mir am Telefon genannt wurde. Irgendwo zwischen Wolfenbüttel, Salzgitter und dem Harz. Von außen ist nicht viel zu sehen. Vorhänge vor den Fenstern, durch die man nicht reinschauen kann. Spärliches Licht dringt nach draußen. Ein eisiger Wind pfeift über die Straße und lässt mir meinen Rock um die Beine spielen. Nach einiger Überwindung steuere ich auf die Tür zu. Als Lesben- und Schwulenkneipe hat man mir diese Lokalität genannt. „Was wird mich darin erwarten?“ denke ich mir, während ich die Tür öffne und eintrete. Innen gedämpftes Licht, aber auf den ersten Blick sehr gepflegt. Macht mehr her, als man von draußen vermutet. Wenige Leute sind anwesend, ein paar Männer sehe ich. Diese beachten mich nur kurz. Eine Frau beäugt mich dagegen die ganze Zeit, während ich zielgerichtet auf den Tresen zusteuere. Der Mann hinter dem Tresen telefoniert grade. Ich setze mich auf einen Barhocker, öffne meinen Steppmantel und setze die Pudelmütze ab, während er mich die ganze Zeit anschaut. „Was darf es denn sein, junge Frau?“ fragt er mit einer höflichen, angenehmen Stimme, nachdem er das Telefonat beendet hat. „Ein alkoholfreies Weizen und eine Auskunft“, antworte ich mit einem leichten Lächeln. „Gerne“, sagt er und schenkt zuerst das Bier ein. Als er es mir serviert, fragt er: „Welche Auskunft kann ich Dir denn geben? Ach so, sorry, ich vergaß zu sagen, dass wir uns hier alle duzen.“ „Ist OK“, antworte ich, „ja, ich sollte hierher fahren und einen gewissen Jens treffen.“ Er schaut mich etwas irritiert an. „Äh, da sollte eigentlich ein Herr mit dem Spitznamen „Steffi“ kommen“, sagt er etwas verwirrt. „Ja, derjenige der mich hierher geschickt hat, kennt mich auch nicht so wie ich hier grade sitze“, antworte ich, „aber „Steffi“ passt trotzdem.“ „Na gut, warte kurz, ich sage Jens Bescheid“ sagt er. Ich schaue ihm hinterher. Er ist sehr groß, muskulöser Körper, Glatze und gepflegter Vollbart. Ganz sympathisch, so Typ Biker. Als er durch eine Tür einen Nebenraum betritt, fällt mir die Frau wieder auf, die mich immer noch anschaut. Nur dass sie jetzt etwas angespannter, fast ärgerlich schaut. Egal, ich nehme mein Bier und lasse den Blick ins endlose schweifen. „Was soll das denn bloß werden hier?“ denke ich mir.


Nach kurzer Zeit kommt er wieder und sagt mir, dass Jens gleich kommt. Kurz darauf kommt er dann auch aus der Tür heraus. Eine angenehme Erscheinung. Er begrüßt mich freundlich. „Ich hätte jetzt auch nicht mit einer Frau gerechnet“, sagt er grinsend. Er setzt sich neben mich und wir unterhalten uns über das olle Wetter draußen und sonstigen Smalltalk, bis ich mein Bier ausgetrunken habe. Danach folge ich ihm durch die Tür nach nebenan. Dort befindet sich das Büro. „Also, Du hast wahrscheinlich mit Torben gesprochen?“ fragt er mich. „Ja, per Telefon“, antworte ich. „OK, um es gleich vorweg zu nehmen, ich bin sein leiblicher Vater, aber wir haben ein unterkühltes Verhältnis“, sagt Jens. Mehr als ein erstauntes „oh“ bekomme ich in diesem Moment nicht heraus. Was Jens dazu ermuntert weiter zu reden. „Torben kommt schwer damit klar, was ich hier mache, also diese Kneipe betreiben“, fährt Jens fort, „Du weißt was das hier ist?“ „Ja, ich habe mich im Vorfeld schlau gemacht“, antworte ich. Jens lächelte. „Hast Du Dich deswegen so angezogen, verkleidet?“ fragt er. „Na ja, ich verkleide mich nicht, ich bin so“, antworte ich ruhig. Normal regt mich die Frage in Bezug auf Verkleidung eigentlich auf, diesmal ließ sie mich ziemlich kalt. „Ah OK!“ sagt er . „Ich bin durchaus auch im für mich langweiligen „Mann-Modus“ unterwegs“, sage ich weiter, „aber das wird immer seltener. Ich fühl mich so wohler.“ „Ja sieht man Dir auch an, das sieht stimmig aus“, sagt er lächelnd. „Danke“, sage ich leicht verlegen.

„Woher kennst Du denn den Torben eigentlich?“ fragt Jens. „Er tauchte vor ein paar Monaten auf, als ich die Wohnung renovierte, in der ich jetzt auch wohne“, antworte ich, „ein altes Ehepaar wohnte vorher dort. Sie hatte ihren kranken Mann aufopferungsvoll gepflegt. Als er plötzlich starb, folgte sie ihm knapp zwei Wochen später. Ziemlich traurige Sache.“ Jens nickte mitleidsvoll. „Na ja, die Wohnung gehört meinen Eltern, also Eigentumswohnung, und da sie auch nicht mehr die jüngsten sind, habe ich die Renovierung gemacht“, fahre ich weiter fort. „Wohnst Du da alleine“, fragt Jens. „Ja, ich habe mich von meiner Familie trennen müssen“, antworte ich, „meine Noch-Frau kommt hiermit nicht klar.“ Ich zeigte so an mir herunter. „Na, da sind wir ja irgendwie Leidensgenossen“, sagt Jens grinsend. Ich nicke lächelnd.
„Torben stand wie gesagt eines Tages in der Tür, als ich im Flur tapezierte“, sage ich, „er erkundigte sich nach dem alten Ehepaar. Als ich ihm sagte, dass sie beide gestorben waren, ging er leicht irritiert wieder raus. Nach ein paar Tagen war er wieder da und fragte mich, ob er die zur Wohnung gehörende Garage temporär mieten könnte. Das hat er bei den Vormietern auch öfter gemacht, sagte er mir.“ Jens stutzt. „Komisch, da kann ich mir jetzt keinen Rein drauf machen“, sagt er, „hast Du ihm da zugesagt?“ „Ja, zwei Wochen danach hatte er sich die Garage für eine Woche gemietet“ antworte ich. „Hast Du gesehen was er da reingestellt hat?“ fragt Jens weiter. „Ich habe mal gesehen, wie er Umzugskartons hineinstellte und auch wieder rausholte,“ antworte ich, „aber sonst war es mir egal, geht mich ja nichts an.“ „Mit was für ein Fahrzeug war er denn da?“ fragt Jens. „Irgend so ein Toyota mit Brandenburger Kennzeichen und einem Anhänger mit Wolfenbütteler Kennzeichen“, sage ich. „Also, der Anhänger ist meiner, den leiht er sich über Umwege aus“, sagt Jens, „man bloß nicht mit mir reden, aber ein Brandenburger Kennzeichen … ?“ „Weißt Du denn gar nicht, wo er wohnt?“ frage ich. Jens schüttelt den Kopf. „Seltsame Sache, das ganze“, sage ich mit Verwunderung, „kann ich jetzt so gar nichts mit anfangen.“

Es klopft an der Tür. Der Herr vom Tresen kommt herein. „Martina ist jetzt da und macht den Tresen“, sagt er. „Na dann komm rein“, sagt Jens lächelnd, „geht dich ja auch was an.“ „Ich hab mich noch gar nicht richtig vorgestellt vorhin, ich heiße Bernd, aber hier nenn sie mich alle Bernie“, sagt er. „Ah OK“, lächle ich ihn an, „mein Namen kennste ja schon.“ „Heißt Du dann Steffi oder ist das der Spitzname?“ fragt Jens. „Steffi ist Spitzname für beide Modi“, antworte ich, „geboren als Stefan, gefühlt Stefanie.“ „Schöner Name“ sagt Bernie lächelnd.
„Um die Sache rund zu kriegen“, nimmt Jens den Faden wieder auf, „Bernie und ich sind ein Paar.“ „Aha“, bringe ich heraus, „richtig verheiratet auch?“ Beide nicken, was ich mit einem „Cool“ kommentiere. „Und das ist es was die Sache mit Torben so schwer macht“, sagt Jens. Ich nicke anerkennend. „Was ich nur nicht verstehe“, sage ich, „ warum schickt der mich hierher? Und vor allem ohne erkennbaren Hintergrund. Und so richtig kenne ich den ja gar nicht. „Das ist nicht das erste Mal, dass wir das erleben“, sagt Bernie. „Es war eine Zeitlang auch ziemlich ruhig“ fügt Jens hinzu, „aber das mit dem alten Ehepaar, von dem Du erzähltest, hat seinen Ablauf wohl gestört. Jetzt muss er sich irgendwie neu organisieren.“ „Soso, dann wird da noch irgendwann irgendwas von ihm in meine Richtung kommen“, sage ich. „Er braucht wahrscheinlich jemanden, der ihm den Anhänger von hier abholt“ sagt Bernie. „Wenn dem so ist, dann hat er sich die wahrscheinlich neugierigste Person auf dem ganzen Planeten ausgesucht“, sage ich lachend. Jens und Bernie grinsten. „Ist Dir diese Frau aufgefallen, die hier gleich rechts hinter der Tür sitzt?“ fragt Jens. „Die so grimmig guckt?“ frage ich. „Genau die“, antwortet Jens, „ die war quasi Deine „Vorgängerin“. Ich mache staunend die Augen größer. „Sie hat ihn tatsächlich bei einer Gelegenheit kennengelernt“, führt Jens weiter aus, „sich sogar in ihn verliebt. Aber sie hat wohl zu viel gefragt und er hat sie dann abserviert.“ „Na ja, mal schauen, ob und was da kommt“, sage ich grinsend, „und ob ich mich drauf einlasse. Ist ja wirklich eine komische Sache, aber hat auch was Gutes.“ Jens und Bernie schauen mich erwartungsvoll an. „Ich habe mal wieder zwei sehr nette Menschen kennengelernt.“ „Oh danke für das Kompliment“, sagt Jens, das geben wir aber auch gerne an Dich.“

Langsam ist es Zeit für mich zu fahren. Als wir durch die Tür zurück in die Kneipe gehen, schaue ich irgendwie automatisch an den Tisch rechts neben der Tür. Die Frau sitzt da immer noch. Sie schaut mich an und zischelt: „Naa, bist Du die neue?“ Jens und Bernie schauen etwas entsetzt. Ungefragt setze ich mich neben die Dame. „Ich heiße Steffi und will Dir mal was zeigen“, sage ich frech. Damit hat sie wohl nicht gerechnet und geht etwas auf Distanz. Ich lupfe meine Perücke über dem rechten Ohr ein ganz wenig an, dass sie die innere Struktur sieht. Mit großen Augen schaut sie mich an. „Mit dem, was ich eben grade erfahren habe, komme ich als Deine Nachfolgerin wohl nicht mehr in Frage“, sage ich frech, „und wie heißt Du?“ „Ka… … Katja“, bringt sie stotternd heraus. Ich bedanke mich freundlich. Bernie und Jens begleiten mich noch zur Tür. „Geile Aktion, das eben“, sagt Bernie grinsend, „so was mag ich.“ „Hältst Du uns auf dem Laufenden?“ bittet mich Jens. „Mache ich“, antworte ich und verabschiede mich.


Fortsetzung folgt
Zuletzt geändert von Stephanie am Di 26. Feb 2019, 19:40, insgesamt 1-mal geändert.
Ich verkleide mich nicht, ich bin so!

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Re: Blutengel

Post 2 im Thema

Beitrag von Hexemelina » Di 26. Feb 2019, 17:37

Na aber hola die waldfee das geht ja richtig spannend los da freut man sich sehr bald auf teil 2

LG die Hexemelina
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Re: Blutengel

Post 3 im Thema

Beitrag von Stephanie » Mi 27. Feb 2019, 11:47

Die lieben Nachbarn Teil 1

Auf der Fahrt nach Hause lasse ich das Ganze eben erlebte nochmal Revue passieren. Eigentlich ist die ganze Sache so „strange“, dass ich am liebsten die Finger von lassen würde, wäre da nicht mein ausgeprägtes Helfersyndrom. „Ach was soll’s“, denke ich mir, „ich lasse es mal auf mich zu kommen.“ Auf der Stadtautobahn von Braunschweig, kurz vor der Ausfahrt, an der ich runter muss, fällt mir plötzlich ein, dass ich ja noch komplett im Mädchenmodus bin. Normal kein Problem, nur das Haus in dem ich wohne verlasse und betrete ich meist androgyn. Auf- und abstylen tue ich mich im Auto oder auf der Arbeit. Seit einem Viertel Jahr wohne ich da jetzt. Als ich auf dem Garagenhof vor dem Haus ankam und mein Auto in die Garage fuhr, beschloss ich mich nicht abzustylen. Irgendwann kriegen es die anderen Bewohner eh mit. Warum sollte ich auch Rücksicht auf die nehmen, die tun es mir gegenüber ja auch nicht mit ihren Eigenarten.
Das Haus ist ein 12 Parteienhaus mit zwei Eingängen. Zwei mal sechs Wohnungen mit entsprechenden Kellerräumen und einem großen Dachboden. Meine Wohnung liegt im rechten Eingang in der ersten Etage links. Und die Mieter rings um mich herum haben alle irgendeinen größeren oder kleineren Spleen.

Auf dem Weg zur Haustür überlegte ich mir, ob die Herrschaften auf der „Ghostbusters-Route“ wieder ihr Bestes geben. Ghostbusters deshalb, weil es unten rechts mit dem „Torwächter“ losgeht. Der Torwächter heißt eigentlich Willibald und ist mit Annegret verheiratet. Bei mir heißen sie Willi und Grete und sie sind stinkend neugierig. Sobald jemand die Haustür aufschließt, erscheint Willi in seiner Wohnungstüre und wuselt entweder an dem Türknauf oder an der Dichtung der Tür herum. Ist natürlich nur ein Vorwand um zu sehen, wer da durch die Haustüre kommt. So auch dieses Mal. Ich habe die Tür grade aufgeschlossen und noch nicht mal ganz aufgedrückt, da wuselt Willi schon an der Dichtung rum und nuschelt: „Das zieht doch hier.“ Dann erst schaut er zu mir rüber und bleib wie vom Blitz getroffen stehen. Ich ziehe meinen Schlüssel aus dem Schloss und gehe langsam die halbe Treppe hoch. Mit einem Lächeln und einer glockenhellen Stimme wünsche ich: „Einen schönen guten Abend der Herr.“ Und gehe langsam weiter. Als ich fast aus seiner Sichtweite bin, fasst er sich und fragt stotternd: „Äh, … wer sind Sie und, ääh, .. wo wollen sie hin?“ „Ich bin die Loreley und ich will auf meinen Felsen“, antworte ich ihm schlagfertig. Bevor er was sagen kann höre ich seine Grete aus dem Hintergrund. „Willibald, was ist da los, wer ist da?“ höre ich ihre kreischige Stimme. „Äh, ja, die ääh, … Loreley, sagt sie...“, höre ich Willi antworten. „Willst Du mich verarschen?“ fragt sie mit einem Diskantkreischen. Als ich auf dem Treppenabsatz vor meiner Wohnung stehe tritt der „Schlüsselmeister“ auf. Die Wohnungstür gegenüber geht auf. Elisabeth betritt die Szene. Sie ist die Gattin von Herbert. Ich nenne sie für mich Betty und Bert. Ohne mich groß zu beachten geht sie zum Geländer und bemerkt: „Was ist denn hier wieder los?“ Dabei hat sie sie ein riesiges Schlüsselbund, welches die ganze Zeit durch ihre Bewegungen klimpert. Deswegen „Schlüsselmeister“. Ich schließe derweil meine Wohnungstür auf. Betty dreht sich zu mir um und schaut mich verdutzt an. „Wer sind Sie denn?“ fragt sie frech. „Hab ich denen da unten schon gesagt, ich bin die Loreley“, antworte ich ebenso frech, gehe in meine Wohnung und schließe die Tür. Im Flur hängt ein großer Spiegel, vor dem ich mich stelle. Als ich mein Spiegelbild sehe, frage ich selbiges: „Sag mal Stefanie, was ist denn mit Dir auf einmal los, so kenne ich Dich garnicht!“ Als nächstes folgt ein Lachanfall. Im Augenwinkel sehe ich, das der kleine Flachbildschirm an der Tür angeht. Ich habe statt eines Spions eine Kamera mit Bewegungsmelder in der Tür. Und auf dem angeschlossenen Bildschirm erscheint Betty, wie sie zuerst an der Tür horcht, und dann versucht, durch den vermeintlichen Spion zu peilen. Früher hat mich so was aufgeregt, aber mittlerweile gehe ich da locker mit um. Ich winke dem Bildschirm zu und sage halblaut: „Huhu Betty!“ Was mich dann zum nächsten Lachanfall bringt.

Ich ziehe Mantel und Stiefel aus. Dann gehe ich in die Küche und hole mir eine angefangene Flasche Rotwein. Mit der gehe ich dann ins Wohnzimmer und setze mich erst mal hin. „So langsam muss ich wohl mal eine Entscheidung bezüglich meiner Erscheinung treffen“, denke ich mir. Die Aktion ebengrade wird ja wieder zu Gerede führen. Federführend dabei sind immer die Herrschaften mit denen ich grade zu tun hatte, die zerreißen sich über alles und jeden das Maul. Die anderen Bewohner sind eher zurückhaltend, aber nicht minder seltsam. Irgendwie passe ich ziemlich gut hier rein. Ich muss innerlich grinsen, als ich mir das so denke.
Also, über mir wohnt ein alleinstehender Herr oder besser gesagt ein Single mit einem großen Interesse an One-Night-Stands. Gefühlt bringt er jeden Abend eine andere Dame mit nach Hause. Aufgrund der im Laufe des Abends entstehenden Geräusche, die Menschen beim kopulieren von sich geben, habe ich ihm den Spitznamen Tarzan gegeben. Gegenüber von Tarzan wohnen zwei sehr zurückhaltende Damen, von denen mir Willi mal erzählte, dass die beiden Krankenschwestern im Schichtdienst sind, darüber hinaus sollen sie auch Geschwister sein. Nun ja, besonders ähnlich sehen sie sich nicht. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Und zu guter Letzt die Wohnung im Erdgeschoss gegenüber von Willi und Grete; dort wohnt Eberhard. Mit Ebi kann ich noch am meisten anfangen, er ich locker drauf und offen für alles. Er fährt meistens im Rollstuhl, seltener läuft er auf Krücken. Oft ist er nicht da und in der Weltgeschichte unterwegs. Ich mag ihn auch deswegen, weil er wie ich ein Modelleisenbahner ist. Ihm fielen bei meinem Einzug recht schnell die Module meiner Bahn auf. Wir treffen uns öfter mal zum Fachsimpeln. Ich denke mal, er wird auch am ehesten in diesem Haus mit meiner Verwandlung klar kommen.

Als ich die Weinflasche zurück in die Küche bringe, fällt mit auf, dass im Treppenhaus noch Betrieb ist. Also, den Bildschirm an der Tür angeworfen und mal nachgeschaut. Willi und Grete zusammen mit Betty und Bert am Diskutieren. Da die Kamera auch ein zuschaltbares Mikrofon hat, aktivierte ich dieses. Natürlich geht es um mich. Das Problem was sie grade haben, sie überlegen, ob sie mich rausklingeln oder nicht. Demonstrativ schließe ich die Tür von innen ab. Das Gespräch im Treppenhaus ebbt auf einmal ab. Kurz darauf höre ich die jeweiligen Türen in die Schlösser fallen. Die Damen und Herren werden ab jetzt natürlich hochsensibilisiert sein. Na, mal sehen, wie ich sie am nächsten Tag überrasche.

Fortsetzung folgt
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Re: Blutengel

Post 4 im Thema

Beitrag von Hexemelina » Mi 27. Feb 2019, 13:10

:D :D frech und sehr gelungen der teil bin mal gespannt
Was dir da noch so einfällt bis jetzt top (ap)

Deine schmunzelnde Hexemelina
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Re: Blutengel

Post 5 im Thema

Beitrag von Stephanie » Do 28. Feb 2019, 11:35

Hi,
bisher ist erstmal eine Einführung ins Thema. Das wird später noch richtig heftig. Aber ich verrate lieber nicht zuviel. :wink:

LG
Steffi
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Re: Blutengel

Post 6 im Thema

Beitrag von Stephanie » Do 28. Feb 2019, 15:40

Überraschung beim Arzt Teil 1

An den darauffolgenden Tagen verlasse ich das Haus sehr früh, wovon niemand Kenntnis nimmt. Abends komme ich meist um 18.00 nach Hause. Allerdings habe ich meine Taktik geändert. Ich schließe die Tür schnell auf und gehe zügig die Treppe hoch. Die Rechnung geht auf. Ich habe mit der Trägheit vom „Schlüsselmeister“ und dem „Torwächter“ gerechnet. Willi öffnet die Tür unten zwar erwartungsgemäß, aber da stehe ich schon vor meiner Wohnungstür. Und Betty betritt das Treppenhaus, grade als ich meine Tür wieder schließe. Irgendwie macht es mir ja Spaß. Aber was in solchen Mega-neugierigen-Menschen vorgeht werde ich wohl nie kapieren. Egal.
Ich hatte durch die langen Arbeitstage einige Überstunden angehäuft, die ich heute abbummele. So ein freier Tag vor dem Wochenende tut auch mal gut. Nichtsdestotrotz bin ich früh auf den Beinen, weil ich einen Termin bei meinem Hausarzt habe. Seit einiger Zeit habe ich ein leichtes Drücken im Unterleib. Und außerdem taucht hin und wieder eine seltsame Stelle zwischen meinen Beinen auf. Sieht aus wie eine Blase. Vor allem habe ich diese Beschwerden nach größeren Anstrengungen. Beim Renovieren der Wohnung fiel es mir zuerst auf. In letzter Zeit trainiere ich hin und wieder mal Kampfsport. In meiner Jugend bis zur Bundeswehr hatte ich Taekwondo gemacht. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass mich das sicherer macht, vor allem in Bezug auf meine Entwicklung.

Ungefrühstückt mache ich mich auf dem Weg zum Arzt. Das Auto lasse ich zu Hause und fahre stattdessen mit der Straßenbahn. Ich habe bei der Terminabsprache angegeben, das ich in einer etwas anderen Aufmachung erscheine, als die, in der sie mich sonst kennen. „Ui“, ist die erste Reaktion der Dame an der Anmeldung, als ich den Raum betrete, „das sieht ja … … richtig echt, gut aus, Herr, äh Frau, äh, wie?“ „Das überlasse ich Ihnen, wie sie mich ansprechen“, sage ich grinsend. „OK, na dann“, sagt sie, „Martina? Frau Boe ist da, kann ich sie zur Blutabnahme schicken?“ Ich grinse. Ich höre Schritte. „Sollte da nicht Herr Boe kommen?“ fragt Martina und betritt den Raum. Grosse Augen und dann bringt sie ein: „Boah!“ heraus. „Dann kommen sie mal mit an die Zapfstelle, Frau Boe“, sagt sie mit einem Lächeln. Ich grinse und folge ihr. Sie bitte mich auf einen Stuhl. Rechten Arm freigemacht. „Sind Sie jetzt genauso empfindlich beim Blutabnehmen, wie ihr männliches Pendant“?“ fragt sie mich. „Sie meinen meinen Zwillingsbruder?“ frage ich grinsend zurück. „Auch eine Beschreibung“, antwortet sie, „ja genau den meine ich.“ „Keine Ahnung“, antworte ich auf ihr Frage, „mal schauen was passiert.“ Die Blutabnahme läuft problemlos, ich hatte mir angewöhnt, nicht hinzuschauen. Danach nehme ich im Wartezimmer Platz und warte bis ich aufgerufen werde. Eine Mutter mit ihrer Tochter kommt in das Wartezimmer. Sie nehmen mir gegenüber Platz. Die Kleine fixiert mich sofort, während sich die Mutter eine Zeitschrift nimmt. Die Kleine versucht ihre Mutter so leise wie möglich etwas zu fragen. Ich verstehe es aber trotzdem: „Mami ist das eine Frau oder ein Mann?“ Die Mutter versucht die Kleine irgendwie abzuwiegeln. In diesem Moment kommt der Doc, sieht mich und grinst. „Stefanie, kommst Du bitte“, sagt er. Im Gegensatz zu den Sprechstundenhilfen kennen wir uns schon lange und duzen uns. Ich stehe auf und folge ihm. Im Rausgehen aus dem Wartezimmer höre ich die Kleine zu ihrer Mutter sagen: „Mami, das war dann doch eine Frau.“ Der Doc und ich müssen leise lachen.

Meinen Doc hatte ich schon vor einiger Zeit eingeweiht, aber so gesehen hatte er mich bis dato noch nicht. Im Sprechzimmer lässt er dann auch gleich ein Kompliment los, bevor er mich nach meinen Beschwerden fragt. Ich schildere ihm, dass ich unregelmäßig einen leichten bis mittleren Druck im Unterleib, direkt im Beckenboden spürte. Auch erzähle ich ihm von dieser Stelle, wo die Haut so aussieht, wie wenn man eine Blase hat. Da ich da nicht direkt hinschauen kann, habe ich sie mal fotografiert. Das Foto zeigt ich ihm. „Na, das möchte ich mal sehen“, sagt er und bittet mich, dass ich mich untenrum freimache und auf die Liege lege. Er schaut sich die Stelle an. „Also, wie eine Blase sieht das nicht aus“, bemerkt er, „bei einer Blase sieht man die Unterhaut, hier sieht man sie nicht.“ Große Ratlosigkeit bei uns beiden. Er schaut noch mal mit einer Taschenlampe, kann aber auch nichts genaueres erkennen. „Dann schauen wir uns das mal mit Ultraschall an“, sagt er. Mir wird so langsam mulmig. „Oje“, stöhne ich leise. „Mach Dir keine Sorgen, wir finden schon eine Begründung“, versucht er mich zu beruhigen.
Behutsam führt er die Sonde über meinen Unterleib. Nebenbei beobachtet er den Bildschirm und macht einige Screenshots. Zusammen schauen wir uns hinterher die Bilder an. Ich runzele die Stirn. „macht ja hochauflösende Bilder, Dein Gerät“, sage ich mit einiger Ratlosigkeit, „aber was soll das sein?“ „Tja, da bin ich grade auch überfragt“, sagt der Doc, „ich hätte ja ein paar Ideen, aber ich würde gerne noch mal eine zweite Meinung erfragen.“ „Ookee“, sage ich. Der Doc ruft seine Sprechstundenhilfe. „Martina, kannst Du mal oben nachfragen, ob Jürgen kurz Zeit hat?“, sagt er zu ihr. Jürgen ist Chirurg und das Haus ist ein Ärztezentrum. Mehrere verschiedene Ärzte haben sich hier niedergelassen. Bei Jürgen war ich früher auch schon einige Male, unter anderem bei Arbeitsunfällen, als ich noch in der Werkstatt gearbeitet hatte. Nach fünf Minuten ist er auch schon da. „Hallo, … hey so solltest Du immer herumlaufen“, feixt er, als er mich sieht. Und dann zum Doc: „Na Peer, was gibt es?“ Zusammen schauen wir uns noch mal die Bilder an. Ich habe selber auch so langsam eine Vermutung, aber sie rauszuhauen traue ich mich nicht. Stattdessen sage ich: „Sieht irgendwie schlauchförmig aus. Aber sieht auch so aus, als würde es da nicht hingehören.“ Jürgen wiegt seinen Kopf leicht hin und her. „Würde ich so nicht sagen“, bemerkt er. Und dann sagt er weiter: „Am besten wäre jetzt ein MRT.“ „Martina? Kannst Du mal im Röntgenzentrum mal nachfragen, ob wir kurzfristig einen Termin kriegen können“, sagt Peer. „Mach ich“, antwortet Martina. „Parallel könnte man ja Heike noch mal um ihre Meinung fragen“, sagt Jürgen, „ich bin der Meinung, dass sie schon Mal so einen ähnlichen Fall hatte.“ Heike ist Frauenärztin und auch hier im Ärztezentrum angesiedelt. Die beiden Docs fragen mich nach meiner Zustimmung. Ich nicke. Nach ein paar Minuten ist Heike dann auch da. Kurze Verwunderung, als sie mich sieht, dann lächelt sie. Sie schaut auf die Bilder, schaut mich an, dann wieder auf die Bilder. Sie ist sehr direkt, aber höflich in ihrer Ansprache. Deshalb wundert mich ihre Bemerkung nicht so stark. „Sieht fast danach aus, als hättest Du Dein Äußeres danach angepasst“, sagt sie locker, „ich hatte so einen Fall schon Mal. Das sieht ganz nach einer rudimentären Vagina aus.“ Ich mache große Augen. „Das überrascht mich jetzt doch ein wenig“, sage ich etwas bedröppelt, „ich hätte jetzt alles Mögliche erwartet, nur das jetzt nicht.“ „Aber ihr solltet um ganz sicher zu gehen, eine MRT machen“, sagt sie weiter. „Schon in Auftrag gegeben“, sagt Peer. Kurz darauf kommt Martina zurück. „ Herr, ääh, …Frau, ach was, … Steffi kann um 12.00 Uhr im Röntgencenter untersucht werden“, sagt sie. „Na dann hast Du ja noch ein wenig Zeit“, sagt Peer, „dann kannste irgendwo noch einen kleinen Happen frühstücken.“ „Wenn das so einfach wäre“, sage ich, „bei den Gedanken, die mir grade förmlich durch den Kopf schießen.“ „Mach Dir keine Sorgen“, versucht mich Heike zu beruhigen.
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Re: Blutengel

Post 7 im Thema

Beitrag von Hexemelina » Do 28. Feb 2019, 17:48

rudimentären Vagina was zur hölle ist das denn?

Dr.google sagt irgendwas mit Fehlbildung na das kann ja heiter werden


Stephanie hat geschrieben:
Do 28. Feb 2019, 15:40
Sieht fast danach aus, als hättest Du Dein Äußeres danach angepasst“, sagt sie locker, „ich hatte so einen Fall schon Mal. Das sieht ganz nach einer rudimentären Vagina aus.“
Bin aber trotzdem gespannt wies weiter geht

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Re: Blutengel

Post 8 im Thema

Beitrag von Stephanie » Fr 1. Mär 2019, 14:13

Kleine Pause im Café

An der Rezeption bekommen ich noch einen Briefumschlag für das Röntgenzentrum mit. „Wenn Du dort fertig bist, kannst Du ja mal kurz durchrufen“, sagt mein Doc, „wenn es grade passt schieben wir Dich irgendwie noch zwischen.“ Ich nicke und mache mich auf den Weg. Ich habe noch locker zwei Stunden Zeit. Einerseits könnte ich zu Fuß gemütlich hingehen, aber ich entscheide mich in ein kleines Café auf dem Weg einzukehren. Dort war ich früher öfter. „Mal schauen, ob es immer noch die gleichen Besitzer, wie damals sind“, denke ich mir. Kurz darauf bin ich auch schon da und gehe herein. Die Bedienung erkenne ich sofort wieder. Ich grüße sie freundlich. Als sie mich sieht, stutzt sie kurz, dann begrüßt sie mich ebenso freundlich. Ich setze mich an einen Tisch am Fenster und studiere die Karte. Nach einiger Zeit erscheint die Bedienung und fragt mich nach meinem Wunsch. Ich bestelle mir ein kleines Frühstück mit einem großen Milchkaffee. Sie bedankt sich und kurz bevor sie in Richtung Küche geht, sagt sie lächelnd: „Ich kenne sie irgendwie, ich weiß nur nicht woher. Aber nichts sagen, ich finde es noch heraus.“ „OK“, antworte ich , „dann viel Glück.“ Ich gehe derweil zum Zeitschriftenregal und suche mir eine Illustrierte heraus. Im Cafe ist noch nicht so viel los. Ein paar Tische sind besetzt. Von mir nimmt kaum einer Notiz. Nach einiger Zeit kommt die Bedienung und bringt mir mein Frühstück. „Waren sie früher öfter hier?“ fragt sie mich, als sie mir die Sachen hinstellt. Ich bejahe das. „Hm, komisch“, sagt sie leicht irritiert, was mich zum Schmunzeln bringt. „Dann sehen Sie sehen jemanden sehr ähnlich, das war aber ein Herr“, sagt sie weiter. „Das kann sein“, sage ich weiterhin schmunzelnd. „Hm, haben Sie einen Verwandten, der Ihnen ähnlich sieht? Einen Bruder vielleicht?“ „Ja, so kann man das sagen“, antworte ich freundlich. Seltsamerweise gibt sie sich mit dieser vagen Antwort zufrieden.
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Re: Blutengel

Post 9 im Thema

Beitrag von Stephanie » Fr 1. Mär 2019, 14:43

Die Röhre gibt Erstaunliches preis

Die Zeit geht erstaunlicherweise schnell herum, so dass ich schon fast in Eile gerate. In der Nähe des Cafés ist eine Bushaltestelle, zu der ich gehe. Der Bus kommt dann auch gleich. Später steige ich in eine Bahn um und komme pünktlich in der Praxis an. An der Anmeldung gebe ich den Umschlag ab und werde gebeten im Wartezimmer Platz zu nehmen. Dort angekommen, trifft mich fast der Schlag; rappeldicke voll das Zimmer und gefühlte Tausend Augenpaare glotzen mich an, was mich anleitet ein freundliches „Mahlzeit“ in die Runde zu werfen. Außer ein paar gemurmelte, verlegene Wortfetzen bekomme ich keine Rückmeldung. Ich finde tatsächlich einen freien Platz und setze mich. In dem Moment, wo ich sitze lösen sich schlagartig die gefühlten Tausend Augenpaare und jeder geht seiner vorherigen Tätigkeit nach. Ich überlege mir, eine Zeitschrift zu nehmen, tendiere dann aber zu meiner Lieblingsbeschäftigung in Wartezimmern: ich beobachte die Leute. Wenn die mich schon anglotzen dürfen, dann darf ich das sowieso. Ab und zu kommt noch ein Patient ins Wartezimmer. Was mir dabei auffällt, jeder der reinkommt wird genauso angeglotzt wie bei mir. Hm, muss wohl so.
Seitdem ich dort sitze, sind bisher vier Leute aufgerufen worden. Und demnach wären noch mindesten zwölf vor mir dran. Als ich grade noch überlegen, ob und wann ich dann drankomme, höre ich die Stimme der Sprechstundenhilfe: „Stefanie Boe? Kommen sie bitte mit?“ Ich stehe auf und folge ihr. „Das ging ja fix“, bemerke ich. „Ja, am MRT ist heute nicht viel los“, sagt sie, „die meisten sind heute beim herkömmlichen Röntgen und beim CT.“ Ich werde in einen kleinen Raum geführt und aufgefordert mich untenherum frei zu machen. Ein paar Minuten später liege ich auch schon in der Röhre. Nach der Untersuchung und nachdem ich mich wieder angezogen hatte, werde ich gebeten, kurz vor der Anmeldung zu warten, dort stehen auch einige Stühle. Nach einiger Zeit werde ich dann in ein Sprechzimmer gebeten. Kurz darauf erscheint ein Arzt, begrüßt mich freundlich und breitet ein paar Aufnahmen aus. Ich zucke leicht zusammen, als das sehe. „Also, eine gute Nachricht, nach erstem Augenschein ist das nichts bösartiges“, sagt er, „den Verdacht, den ihr Hausarzt hat, kann ich zum größten Teil bestätigen, für genaueres brauche ich noch ein paar Tage, Rücksprache mit Kollegen und so.“ Ich kriege kein Wort heraus und nicke still. Der Arzt fährt fort: „Was ich Ihnen empfehlen ist, dass sie sich deswegen regelmäßig untersuchen lassen sollten. So wie es aussieht, ist dieses; ich nenne es mal „zusätzliche Organ“; derzeit im Wachstum.“ Ich fasse mich und frage: „Und wo kommt es her? War es schon immer da?“ „Mit größter Wahrscheinlichkeit war es schon immer da“, antwortet der Arzt, „ich vermute, dass Sie in der Embryonal-Phase, im Mutterleib, einen Zwilling hatten, mit dem Sie in irgendeiner Art und Weise verschmolzen sind.“ Ich mache große Augen, während in meinem Körper so langsam ein Durcheinander an Gefühlen und Emotionen losgeht. Der Arzt bemerkte das und versuchte mich zu beruhigen. „Sie bekommen in den nächsten Tagen eine Nachricht von uns, mit einem genauerem Bericht“, sagt er dann, „ wir empfehlen Ihnen dann auch die weiteren Schritte. Und machen Sie sich nicht zu viel Sorgen, sie sind ja ansonsten kerngesund.“ „Immerhin“, sage ich lächelnd, „aber es erklärt sich jetzt auch viel für mich.“ Wenn sie wollen, kann ich Ihnen ein paar Adressen von Therapeuten geben“, sagt er lächelnd, „falls die Gefühlsachterbahn noch größer wird.“ „Gerne“, antworte ich.
Ich verkleide mich nicht, ich bin so!

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Re: Blutengel

Post 10 im Thema

Beitrag von Dwt-Lilo-SL » Fr 1. Mär 2019, 16:01

Danke Stephanie,
für diese bisherige tolle Story, es ist ein sehr schön geschriebener Text und sehr schöner Schreibstil.
Bin gespannt auf die Fortsetzung und freuen mich diese nächste Woche hier mal lesen zu dürfen.
Lass dir Stephanie ruhig Zeit mit dem Schreiben, aber bitte setze diese Geschichte fort. DANKE SCHÖN
lieben Gruß und licht u. Liebe von LILO-GINA
Seufzer gleiten die Seiten des Herbstes entlang,
Treffen mein Herz mit einem Schmerz dumpf und bang

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Re: Blutengel

Post 11 im Thema

Beitrag von Andrea1971 » Sa 2. Mär 2019, 05:14

ich bin gefesselt von Deiner Geschichte!

Dana X07
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Re: Blutengel

Post 12 im Thema

Beitrag von Dana X07 » Sa 2. Mär 2019, 10:29

Wau ... Was für eine tolle und spannende Geschichte . Ich könnte beim lesen garkeine Pause machen 🥰 ... Super , weiter so ...
Im Alter wird man meißt schlauer , deswegen " ICH BIN ICH " . Das lasse ich mir auch nicht mehr nehmen .....

Stephanie
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Re: Blutengel

Post 13 im Thema

Beitrag von Stephanie » Mo 4. Mär 2019, 12:32

Überraschung beim Arzt Teil 2

An der Anmeldung wird mir noch ein großer Umschlag mit den Bildern und dem Befund für meinen Hausarzt mitgegeben. Dann verlasse ich die Praxis und rufe bei meinem Hausarzt an. Ich kann sofort vorbeikommen. Also wieder mit Bahn und Bus zurück. Als ich in der Praxis ankomme, werde ich schon erwartet. Alle drei Ärzte sind da. „Habt ihr keine Mittagspause?“ frage ich keck. „Doch, doch, aber wir platzen vor Neugier“, antwortet Peer. Ich gebe ihm dem Umschlag aus der Röntgenpraxis. Wir gehen in den Aufenthaltsraum. Dort angekommen breitet Peer die Bilder aus und wir alle schauen drauf. Nach ein paar Minuten staunen und schweigen schaut mich Heike an und sagt schließlich: „Bingo!“ und Peer fragt: „Geht es Dir gut? Wie fühlst Du Dich?“ Tja, also, wie fühle ich mich? So unbeschreiblich weiblich“, antworte ich grinsend. Dann lachen wir erleichtert. „Aber im Ernst, das wird wohl noch ein Weilchen dauern bis ich das ganz kapiert habe“, sage ich dann noch.

Dann schauen sie sich den Befund an. „Hier ist eine Empfehlung, die Haut, die wie eine Blase aussieht, zu entfernen“, sagt Jürgen. „Geht die vielleicht nicht von alleine weg?“, frage ich, „sie kam ja schließlich aus dem nichts.“ „Bestimmt ist halt nur die Frage, wie lange das dauert“, antwortet er. „Also, meinetwegen kann sie weg“, entscheide ich. „Dann schauen wir mal, ob wir das heute noch machen können“, sagt Jürgen, erwartungsgemäß erscheinen manche Patienten Nachmittags dann doch nicht, dann schieben wir dich irgendwo dazwischen, ist eh nur ein kleiner Eingriff.“ Kurz darauf geht Jürgen in seine Praxis. Ein wenig später klingelt bei in der Anmeldung bei Peer das Telefon. Die Sprechstundehilfe kommt zu uns und sagt, dass ich um 17.00 Uhr hochkommen soll.

Da ich noch etwas Zeit habe, gehe ich in ein Einkaufszentrum, welches in der Nähe ist. In einem Bistro nehme ich nochmal ein schmales Mittagessen ein. Danach stöbere ich in den Läden ein wenig herum. In einem Shop einer Bekleidungskette finde ich ein süßen blauen Rock mit Blumenmuster. Genau das Richtige für den bevorstehenden Frühling. In einer Filiale einer bekannten Schuhkette fällt mit passenderweise ein blauer Ballerina in die Hände. Passt doch, denke ich mir. Für kurze Zeit bin ich doch etwas abgelenkt. Allerdings wird es Zeit zur Praxis zurückzukehren. Pünktlich bin ich da. Ich gehe gleich hoch zu Jürgen. Seine Sprechstundenhilfe bringt mich in ein Behandlungszimmer und bittet mich auf einem speziellen Stuhl Platz zu nehmen. Kurz darauf kommt Jürgen herein. „Wie geht’s? Alles gut?“ fragt er. Ich nicke. „Dann lass uns loslegen“, sagt er weiter. Seine Helferin hat schon alles bereitgestellt. „Ich werde zuerst mal feststellen, ob das Häutchen irgendwie schmerzempfindlich ist“, sagt er, „dazu pieke ich mit eine dünnen Nadel vorsichtig hinein. Du sagst bitte Bescheid, wenn es unangenehm wird.“ Alles klar“, erwidere ich. „Merkst Du was?“ fragt er. „Nöö, alles gut“, antworte ich. „Es läuft eine klare Flüssigkeit heraus“, bemerkt er, „ das habe ich auch erwartet.“ Er fängt ein Teil davon auf und gibt sie seiner Gehilfin mit der Bemerkung es zur Untersuchung einzuschicken. Nach einiger Zeit bemerke ich das Nachlassen des Druckgefühls im Bauch, was ich ihm auch mitteile. Jürgen sagt darauf: „Gut! Aber das wird wahrscheinlich noch eine gewisse Zeit nachlaufen. Das solltest Du mal im Auge behalten.“ „Ist gut, mache ich“, sage ich. „Wenn es heftiger wird oder komisch aussieht, dann bitte sofort eine Meldung an Peer oder mich“, bittet er mich. „Auch das mache ich“, sage ich lächelnd.

Nach ein paar Minuten sagt er dann: „Ich werde jetzt das Häutchen entfernen. Brauchst Du eine Betäubung?“ „Hm, weiß nicht“, antworte ich, „geht’s auch anders?“ „Ich könnte es leicht vereisen“, sagt er. „Versuch mal“, bitte ich ihn. Als er das Eis Spray aufsprüht, kann ich mir ein „Huh“ nicht verkneifen. „Ich versuche so nah wie möglich an die gesunde Haut ran zu kommen“, sagt er. „Damit es hinterher nicht wie eine Bördelnaht aussieht?“ frage ich, „sorry, ich konnte es mir nicht verkneifen.“ Er schaut kurz hoch zu mir, grinst und sagt: „Na, Dein Humor kommt langsam zurück, was?!“ „Schaun wir mal“, antworte ich, „mal sehen was passiert wenn ich nachher zu Hause bin, und die Aufregung nachlässt.“ Nach kurzer Zeit ist er mit dem Eingriff fertig. Die Vereisung lässt auch so langsam nach.

Ich spüre ein leichtes Ziehen und teile das Jürgen mit. Er holt einen Holzspatel und tut dort einen kleinen Fleck Salbe drauf. „Das ist eine Wund- und Heilsalbe“, sagt er, „versuch mal, sie vorsichtig aufzutragen.“ Ich nehme die Salbe auf meinen Finger und bringe sie vorsichtig auf. Fühlt sich auf einmal anders an, dadurch, dass der Druck weg ist der Bereich an der Stelle natürlich etwas weicher. „Das ist alles so unwirklich“, denke ich mir. In diesem Moment zucke ich leicht. Ich habe mal mutigerweise etwas mehr Druck beim Salbe verstreichen mit dem Finger aufgebracht. Der Doc bekommt mein Zucken mit. „Tut es weh?“ fragt er. Ich schüttele den Kopf und antworte verlegen: „Nee es kribbelt, und das nicht unangenehm. Wo kommt das denn jetzt wieder her?“ „Na ja, du hast es vorher wegen des Druckes der Flüssigkeit wahrscheinlich nie mitbekommen“, antwortet Jürgen, „beobachte das mal, die nächste Zeit. Ich nicke still.
„Ich schreibe Dir vorsichtshalber noch ein Rezept für die Wundsalbe“, sagt Jürgen. Seine Sprechstundenhilfe gibt mir ein paar Einlagen mit. „In der Drogerie drüben kannst Du Dir noch ein paar kaufen“, sagt sie und nennt mir noch eine Marke. „Danke“, sage ich und ziehe mich an. Dann folge ich ihr an die Anmeldung. Ich bekomme das Rezept ausgehändigt. Jürgen fragt: „Ist soweit alles in Ordnung?“ „Na ja, ist schon komisch, morgens als Crossdresser zum Arzt und abends als Inters* vom Arzt“, antworte ich ihm, „das wird jetzt wohl ein paar Tage dauern, dass ich damit klar komme.“ Ich bedanke mich, dann verabschiede ich mich und mache mich auf dem Weg nach Hause.
Ich verkleide mich nicht, ich bin so!

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Re: Blutengel

Post 14 im Thema

Beitrag von Hexemelina » Mo 4. Mär 2019, 13:53

Spannend spannend aber dennoch bleibt verborgen was nu auf den röntgenbilder zu sehen war
Bin aber trotzdem gespannt wies weiter geht

LG Hexemelina
Glaube an Wunder, Liebe und Glück! Schaue nach vorn und niemals zurück! Tu was du willst, und steh dazu, denn dieses Leben lebst nur du

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Re: Blutengel

Post 15 im Thema

Beitrag von Stephanie » Mo 4. Mär 2019, 14:12

Hallo Hexemelina,

es steht ja noch der Abschlussbericht aus. :wink:

Grüße
Steffi
Ich verkleide mich nicht, ich bin so!

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