Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?
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Marielle
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Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 1 im Thema

Beitrag von Marielle »

Namd zusammen,

der Gesetzentwurf der Grünen ( auch der der FDP) wurde hier schon vorgestellt. Bei den B90/Grünen gibt es jetzt einen Antrag auf eine Diskussion darüber.

https://antraege.gruene.de/45bdk/Schutz ... tbes-25497

Ich hab 'ne Meinung dazu, die ich m.E. auch mit Argumenten hinterlegen kann. Aber manchmal ist es wichtig nicht nur die eigenen Argumente zu kennen. Welches sind eure dazu?

Habt es gut

Marielle
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 2 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Wenn jetzt schon die Grünen mit so einem faschistoiden Blickwinkel daherkommen, was will man dann der AfD vorwerfen? Unglaublich.
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Helga
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 3 im Thema

Beitrag von Helga »

Ich kann an der Debatte nichts Schlimmes erkennen. Ein Recht, das mit der Brechstange durchgesetzt wird, erfährt nie die öffentliche Akzeptanz, die gerade bei dieser Thematik unbedingt notwendig ist.
Wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass Transfrauen in Frauenhäuser oder sonstige reale oder gefühlte Schutzräume "eindringen" sei dahingestellt. Wenn bei biologischen Frauen entsprechende Ängste bestehen, die vermutlich auch noch auf einer irrationalen Ebene existieren, dann muss darüber gesprochen werden ohne sofort "Terf" zu schreien.
Sehr wichtig finde ich dass ein Selbstbestimmungsrecht nicht dazu führen darf, das Kinder an sich selbst medizinische Maßnahmen durchführen dürfen. Egal ob mit oder ohne Zustimmung der Eltern.
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 4 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin,

...da ist es wieder das alte Problem, dass es schwierig ist, solche schwerwiegenden und doch wohl erkennbar folgenreichen Entscheidungen wie einen Gederwechsel frei zu geben und allein in die Hand jedes einzelnen Menschen zu legen. Einerseits eine ganz klare persönliche Entscheidung, die aber und das muss auch gesehen werden, andere Menschen beeinträchtigen in ihren Gefühlen und in ihrer persönlichen Sicherheit in speziellen Schutzräumen. Es ist und bleibt ein schwieriges Ding, hier allgemeingültige und rundum akzeptable Lösungen für einen individuellen Genderwechsel zu finden. So wünschenswert das auch sein mag, so schwer ist es, die Ängste von biologischen Frauen da mit zu sehen, zu berücksichtigen und mit einfließen zu lassen. Diese Ängste sind real vorhanden und durch unangemessenes Verhalten von Männern erzeugt und befeuert. Gewalt gegen Frauen hin bis zur Vergewaltigung sind auch in unserer doch so freien Gesellschaft in Deutschland immer noch an der Tagesordnung und schwer zu ahnden. Dass solches Verhalten kollektiv gesehen Spuren hinterlässt, denke, ist auch klar und nachvollziehbar. Ich sage es mal knallhart und provozierend: es muss für biologische Frauen Schutzräume geben, wo Menschen mit Penis nichts zu suchen haben, egal, wie sie sich fühlen. Wer als Transfrau anderes will, muss dann den Weg gehen hin bis zur GAOP. Das Leben ist hart, aber es ist eben so. Das ist die Essenz aus vielen Gesprächen, die ich mit Biofrauen selbst als Transfrau geführt habe; bei aller Akzeptanz meiner Person, blieben die auch ausgesprochenen Ängste ganz allgemein gesagt bestehen und wurden auch so geäußert. Mir ist klar, dass ich da Zündstoff liefere, aber ich stehe hinter dem, was ich sage.

Grüße, Ulrike-Marisa
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 5 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

ich möchte keine "kurze Antwort" auf die gestellte Frage geben.

Allerdings bin ich der Meinung, dass wir uns den Fragen im Zusammenhang mit den Schutz- und Förderungsräumen für Frauen stellen müssen, wenn eine geschlechtliche Zuordnung, aus der sich auch Rechte ergeben (können) "beliebig" vorgenommen werden kann.
Mit aus diesem Grunde arbeite ich in Gremien mit, die "Frauenpolitik" machen. Ich möchte erfahren, wo die Ängste liegen und wie darauf reagiert werden kann.

Für mich ist auch eine Frage: "was ist eine geschlechtliche Zuordnung wert und was steckt dahinter, wenn Mensschen sie für sich 'amtlich' ändern wollen?"
Dabei glaube ich nicht, dass es eine Inflation geben wird und eine plötzliche Flucht in die Weiblichkeit.
Stellt sich eigentlich auch die Frage für den Weg in die Männlichkeit?

Weiterhin müsste, wenn wir ums mit Schutz- und Förderungsräumen beschäftigen, genau so geklärt werden, wie mit Menschen umgegangen wird, die sich als nonbinär oder divers zuordnen.

Gruß
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 6 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Helga hat geschrieben: Do 15. Okt 2020, 10:05 Ich kann an der Debatte nichts Schlimmes erkennen. Ein Recht, das mit der Brechstange durchgesetzt wird, erfährt nie die öffentliche Akzeptanz, die gerade bei dieser Thematik unbedingt notwendig ist.
Wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass Transfrauen in Frauenhäuser oder sonstige reale oder gefühlte Schutzräume "eindringen" sei dahingestellt. Wenn bei biologischen Frauen entsprechende Ängste bestehen, die vermutlich auch noch auf einer irrationalen Ebene existieren, dann muss darüber gesprochen werden ohne sofort "Terf" zu schreien.
Sehr wichtig finde ich dass ein Selbstbestimmungsrecht nicht dazu führen darf, das Kinder an sich selbst medizinische Maßnahmen durchführen dürfen. Egal ob mit oder ohne Zustimmung der Eltern.
Also mich wundert es schon, wie du es auffasst. Gerade als Betroffene aber sogar als Mensch der sich etwas mit der Thematik auseinander setzt sollte doch die These, dass sich Männer mal schnell das Geschlecht wechseln um an Frauenschutzräume zu gelangen grade zu surreal-abstrus erscheinen. So ein Bullshit gehört doch nicht ins Programm einer Partei wie die Grünen, die sich offiziell für eine offene Gesellschaft inklusive Diversität stark machen.

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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 7 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Laila-Sarah hat geschrieben: Do 15. Okt 2020, 10:37 So ein Bullshit gehört doch nicht ins Programm einer Partei wie die Grünen, die sich offiziell für eine offene Gesellschaft inklusive Diversität stark machen.
Es ist nicht ihr Programm, sondern sie setzen sich mit der Frage auseinander - und das ist sicherlich notwendig.
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 8 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Anne-Mette hat geschrieben: Do 15. Okt 2020, 10:43
Laila-Sarah hat geschrieben: Do 15. Okt 2020, 10:37 So ein Bullshit gehört doch nicht ins Programm einer Partei wie die Grünen, die sich offiziell für eine offene Gesellschaft inklusive Diversität stark machen.
Es ist nicht ihr Programm, sondern sie setzen sich mit der Frage auseinander - und das ist sicherlich notwendig.
Ok, ich hatte etwas von Gesetzentwurf gelesen. Aber muss so etwas surreales bei einer Partei wie die Grünen wirklich diskutiert werden. Wie wäre es mit einer weiteren Diskussion ob man Homosexualität heilen sollte? Genau so dämlich. Ich jedenfalls werde die Grünen zur Strafe dieses mal nicht wählen.
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 9 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

In dieser Frage gibt es keine "einfachen Antworten" und keine einfachen Lösungen.
Mit Strafen kommen wir da nicht weiter, eher mit Auseinandersetzungen mit den aufgeworfenen Fragestellungen.

Wenn es „beliebig“ mit der geschlechtlichen Zuordnung wird, dann handelt es sich hierbei nicht mehr um Transsexualität, sondern um eine neue freie Entscheidungen zum Persönlichkeitsrecht, die allen Menschen offen steht.
Transsexualität kommt nur ins Spiel, wenn „weitere Maßnahmen“ ergriffen werden, die neu geregelt und verhandelt werden müssen (z.B. GAOP).

Nur ist und bleibt die Frage, welche Rechte ich mit einer einfachen Änderung meines Namens und Geschlechtseintrages erwerbe.
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 10 im Thema

Beitrag von Katja »

Das Problem mit den Toiletten lässt sich auch sehr einfach auf der baulichen Seite lösen. Da ich oft in Schweden unterwegs bin, fallen mir dort die modernen Toilettenanlagen auf den Rastplätzen positiv auf.

Es handelt sich um Gebäude, natürlich aus Holz und in der bekannten roten Farbe gestrichen, die an der Außenseite viele Türen aufweisen. An den Türen steht das Wort "Toalet" geschrieben. Das heißt, wie ihr euch denken könnt, Toilette. Nix weiter. Nicht ER oder SIE oder ELCH oder BÄR.

Öffnet eine Person so eine Tür, steht sie in einem kleinen, hellen und meistens sauberen Raum, vielleicht ähnlich einer Gästetoilette, wie man sie in privaten Haushalten oft vorfindet. Die Person schließt die Tür, verriegelt sie und verrichtet, was auch immer sie oder er oder sonst jemand gerade zu verrichten hat.

Für sehr konservative Mannsbilder gibt es auch eine Tür, an der steht "Urinal". Bevor wieder irgendein Spaßvogel auf die Idee kommt, etwas über Aerosole beim Pinkeln zu schreiben, die Räume besitzen alle sehr zugkräftige "Dunstabzugshauben", die sich beim Öffnen der Türen automatisch einschalten.
Ich möchte nicht immer nur Mann sein, ich möchte auch die schönen Seiten des Lebens genießen.

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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 11 im Thema

Beitrag von Katja »

Katja hat geschrieben: Do 15. Okt 2020, 11:42Schweden
Das diese Gebäude in jeder erdenklicher Hinsicht auch für "Behinderte" nutzbar und erreichbar sind, dass durfte ich schon 1982 anlässlich meiner ersten Reise nach Schweden feststellen. Auf deren Tür ist ein Rollstuhl abgebildet und der Raum hinter der Tür ist größer und den besonderen Ansprüchen angepasst.
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 12 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Anne-Mette hat geschrieben: Do 15. Okt 2020, 11:08 Wenn es „beliebig“ mit der geschlechtlichen Zuordnung wird, dann handelt es sich hierbei nicht mehr um Transsexualität, sondern um eine neue freie Entscheidungen zum Persönlichkeitsrecht, die allen Menschen offen steht.
Transsexualität kommt nur ins Spiel, wenn „weitere Maßnahmen“ ergriffen werden, die neu geregelt und verhandelt werden müssen (z.B. GAOP).
Nur ist und bleibt die Frage, welche Rechte ich mit einer einfachen Änderung meines Namens und Geschlechtseintrages erwerbe.
Das sehe ich anscheinend etwas anders. Wenn man sich für etwas frei Entscheidet (es also nicht von anderen bestimmen lässt), dann heißt es noch lange nicht, das es eine Schnapsidee oder Spaßentscheidung war. Ganz besonders wenn man dafür einen hohen Preis zahlen muss. Wenn ich mich jetzt freiwillig entscheiden würde in einem Krisenherd zu kämpfen und nicht als Soldat dort hingeschickt werden würde. Würde ich trotzdem mein Leben riskieren. Viele von uns wissen ja das beim temporären Crossdressen sehr viel Hate auf einem zukommen kann. Das Leben wird nicht einfacher. Wenn jetzt im Pass ganz offiziell und permanent "weiblich" steht, dann wird es Konsequenzen bei der Arbeit, bei den Behörden und viel mehr geben. Mich stört halt dieses Kleinreden, als ob es etwas spontanes und unbedenkliches wäre, wie z.B. sich falsche Brüste anzulegen oder einen falschen Bart. Etwas was man tun würde um in Frauenhäusern zu vergewaltigen. Dieser Blickwinkel ist Bullshit. Das es aber generell darüber diskutiert werden muss, sehe ich natürlich ein. Aber nicht mit dieser Brille und nicht bei den Grünen.

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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 13 im Thema

Beitrag von Katja »

Laila-Sarah hat geschrieben: Do 15. Okt 2020, 11:54 Aber nicht mit dieser Brille und nicht bei den Grünen.
Laila, wir müssen dazu verstehen, dass es innerhalb der Partei "Die Grünen" schon seit der Gründung sehr stark feministisch geprägte Gruppierungen und Einzelpersonen gibt, die auch heute gerne mal Richtung "Terf" unterwegs sind. Ich bin mir aber sicher, dass die genannten Probleme dort ausführlich in jede Richtung analysiert und diskutiert werden. Da gibt es ganz bestimmt einen Unterschied zu dieser Partei, die das Wort "Alternativ" in ihrem Namen führt.
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 14 im Thema

Beitrag von Momo58 »

Ich halte eine Diskussion über den Gesetzentwurf schon für angebracht. Es gibt Frauenhäuser, Männerwohnheime, aber keine Trans*Häuser, die aber erforderlich wären, um dem faschistoiden Feminismus nicht in die Quere zu kommen. Als Trans-Kassenpatient im Zweibettzimmer im Krankenhaus und schon ist Ärger vorprogrammiert. Toiletten männlich, weiblich aber nicht trans. Ausgrenzung von transidenten Menschen auch in Alten-und Pflegeheimen. Da kommt es oft vor, dass sich das Pflegepersonal weigert eine Frau mit Penis zu waschen.
Das Selbstbestimmungsrecht braucht neben einem verfassungskonform Rahmen auch eine geeignete Infrastruktur .
So, nun könnt ihr auf mich los gehen , denn ich selbst stehe dem Selbstbestimmungsrecht eher skeptisch gegenüber, da ich viele junge transidente Menschen kennen gelernt habe, die ohne therapeutische Begleitung voll auf die Schnauze gefallen wären. Andere wollen trotz Therapie nun eine Re-Transition. Die Zwangsbegutachtung war für mich persönlich nicht menschenunwürdig, sondern eine klare Bestätigung, dass ich heute die bin, die ich von Geburt an immer war.
Klar ist, dass das alte Transsexuellengesetz in weiter Teilen verfassungswidrig ist und aufgrund der neuen ICD 11 Einstufung sowieso durch ein neues Gesetz ersetzt werden muss. Ich finde es trotz meiner rechtlichen Anerkennung als Frau nicht schön, dass ich mich nach der derzeitigen Rechtslage als psychisch krank einstufen lassen muss, um eine rechtliche Anerkennung als Frau zu bekommen. Das ist mit ICD 11 zum Glück nicht mehr so. Die Einstufung als Geschlechtsinkongruenz bedeutet ja, dass die Krankenkassen wie bisher auf Antrag die Kosten einer GAOP übernehmen müssen.
Die Trans-Community ist sich ja selbst bei Begrifflichkeiten zu den vielen Varianten der Geschlechtsentwicklung uneinig und die Politik hat ja im letzten Entwurf des Transsexuellengesetzes gezeigt, dass sie uns nicht ernst nehmen wollen. Insofern ist hier noch ein breiter Diskussionsbedarf über die Akzeptanz von Trans*Menschen sowie über ein gesellschaftlich adäquates Zusammenleben nicht nur bei den Grünen, sondern gesamtgesellschaftlich da.

Liebe Grüße
Manuela
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 15 im Thema

Beitrag von Mirjam »

Ich finde, darüber diskutieren darf -- vielleicht sogar muss? -- mensch schon. Was mir aber sehr negativ aufgefallen ist, sind so einige Formulierungen in der Begründung, insbesondere dieser Punkt:
Männer, die sich als Frau identifizieren, können so missbräuchlich in Schutzräume eindringen, Frauenförderungen und Ämter beanspruchen, ohne dass Frauen sich dagegen wehren können. Eine Aussage wie „diese Frauen sind doch Männer“, könnte als Ordnungswidrigkeit mit bis zu 2.500 Euro bestraft werden.
Mal abgesehen davon, dass es sich in inzwischen auch bis zu den Grünen herumgesprochen haben dürfte, dass Transfrauen eben keine Männer sind, was im Begründungstext auch noch fett hervorgehoben wird. Dadurch wird hier meiner Meinung nach einfach mal Stimmung gemacht. Belege dafür? Werden wohl eher überbewertet ... -- Sorry, das wäre für mich keine Diskussionsgrundlage, alleine vom Tonfall bzw. der Wortwahl.

Mirjam
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