Was tun, wenn es brenzlig wird? Ein Info Abend der Berliner Polizei im Sonntagsclub
Was tun, wenn es brenzlig wird? Ein Info Abend der Berliner Polizei im Sonntagsclub - # 3

Cybill
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Re: Was tun, wenn es brenzlig wird? Ein Info Abend der Berliner Polizei im Sonntagsclub

Post 31 im Thema

Beitrag von Cybill »

Ganz toll, die Zusammenfassung von Svetlana!

Sie bringt das Wesentliche auf den Punkt.

Vielen Dank!

Cybill
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Svetlana L
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Re: Was tun, wenn es brenzlig wird? Ein Info Abend der Berliner Polizei im Sonntagsclub

Post 32 im Thema

Beitrag von Svetlana L »

Cybill hat geschrieben: Do 24. Jan 2019, 08:51 Ganz toll, die Zusammenfassung von Svetlana!

Sie bringt das Wesentliche auf den Punkt.
Wobei ich aber keinesfalls Ralf-Marlene in irgendeiner Weise vorgreifen wollte. Ich hoffe, dass das dann noch ein bisschen ausführlicher wird, da ja gerade zum Anfang auch einige Zahlen zu Politisch Motivierter Kriminalität genannt wurden und auch die Themen Gewaltschutz und Internetanzeige habe ich ja mehr oder weniger bloß kurz erwähnt.
Hawadehre
Svetlana

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Cybill
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Re: Was tun, wenn es brenzlig wird? Ein Info Abend der Berliner Polizei im Sonntagsclub

Post 33 im Thema

Beitrag von Cybill »

Das ist schon in Ordnung, denn es ist -aufgrund unserer einzigartigen Situation in Berlin - eigentlich ein rein regionales Thema.
Ich gehe mal davon aus, dass Ralf-Marlene eine überregionale Version schreiben wird.

Du darfst also den Dank ruhig annehmen.

Cybill
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Marlene K.
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Re: Was tun, wenn es brenzlig wird? Ein Info Abend der Berliner Polizei im Sonntagsclub

Post 34 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Hallo, Ihr Beiden,
Ich werde zunächst auch regional bleiben. Ich schicke schon mal den ersten Teil, mit Links auch nach außen, bundesweit...

Svetlana hat die Messlatte für eine Zusammenfassung schon sehr hoch gelegt. Danke dafür.
Ich nutze einen Mitschnitt der Diskussion von Laila-Sarah mal zu einer weiteren Darstellung.

Der Sonntagsclub in Berlin ist ein queerer Ort im für mich besten Sinne (http://www.sonntags-club.de/wir.html)

Die Beraterin in Psychosozialen Fragen und bei Diskriminierungsfragen des Sonntagsclubs Frau Vera Fritz stellte zunächst Cybill und Sebastian so wie Frau Wunderlich, die Opferschutzbeauftragte der Direktion 1 in Berlin kurz vor.

Cybill, die hier vorzustellen Eulen nach Athen tragen hieße, eröffnete mit einer eigenen Vorstellung als Verkehrspolizist(*in) und übergab ds Wort an Sebastin (Sebastian Stipp), (https://www.berlin.de/polizei/aufgaben/ ... uer-lsbti/ der seit 1,5 Jahren beim Landeskriminalamt im Bereich der Kriminalprävention/Verbrechensvermeidung als Ansprechpartner für queere Menschen/LSBTI-Personentätig ist.
Sebastian machte deutlich, dass er hier zeigen möchte, wie die Polizei denkt und wie sich das Denken durch seine Arbeit bei und durch Seminare zu dem Thema innerhalb der Polizei, bei der es ja auch Trans*Menschen gibt, durch seine Arbeit verändert.

Unterstütz durch eine Power-Point-Präsentation unterstützt von Kim Scheunemann (https://gender-glossar.de/kim-scheunemann) wird zunächst die Enstehung der Ansprechstelle für LSBTI.

Die Stelle in Berlin wurde 1992 gegründet als "Ansprechstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen".
Gegründet wurde diese nach Beschwerden über Übergriffe bei Polizeieinsätzen. Wir müssen uns erinnern, dass im Westen noch der -§175 Stgb galt.
Bedingt durch die Geschichte wurden und werden Verbrechen gegen queere Menschen oft nicht angezeigt.

Nach einer auch der Polizei bekannten Anschlagsserie in einem Berliner Park fand sich keines der Opfer bereit mit der Polizei zusammen zu arbeiten. Daraus hat der erste Beauftragte für gelichgeschlechtliche Lebensweisen, Heinz Uth, Koinsequenzen ziehen wollen. Er wollte als Ansprechpartner schwule Polizisten finden. Zunächst war kein Polizist bereit sich zu seinem homosexuell Sein zu bekennen.
In der Folge wurde HPol (Homosexuelle in der Polizei), heute VelsPol (https://www.velspol.de/) gegründet. Heute ist dies eine Bundesweit und Europaweit vernetzte Organisation, die es damals nicht gab.
Zuletzt geändert von Marlene K. am Do 24. Jan 2019, 13:26, insgesamt 2-mal geändert.
Marlene

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Re: Was tun, wenn es brenzlig wird? Ein Info Abend der Berliner Polizei im Sonntagsclub

Post 35 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Ich werde mit und mit ergänzen. So bleibt es vermutlich sogar lesbarer und wie der Abend didaktisch gut getaktet und damit verdaubar...
Marlene

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Cybill
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Re: Was tun, wenn es brenzlig wird? Ein Info Abend der Berliner Polizei im Sonntagsclub

Post 36 im Thema

Beitrag von Cybill »

Liebe Gemeinde,

Da es nur in Berlin polizeiliche Ansprechpartner für LSBTI-Belange gibt, habe ich einen neuen Thread gestartet um dies zu ändern.

https://www.crossdresser-forum.de/phpBB ... 69&t=17593

Bitte macht mit, letztendlich geht es um Eure Sicherheit.

Cybill
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Re: Was tun, wenn es brenzlig wird? Ein Info Abend der Berliner Polizei im Sonntagsclub

Post 37 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Selbst nach Einrichtung der Ansprechstelle bestand auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik und von West-Berlin der -§175 weiter fort. Sebastian, 1985 geboren, kann sich nur schwer und nach Erzählungen Betroffener vorstellen, was dies mit den Menschen macht.
Für ihn wird deutlich, wie sehr sich die Polizei vom Verfolger zum Partner verändert hat und dies musste.
Nicht nur er und Anne sind Ansprechpartner für queere Menschen, in jeder der 6 Direktionen in Berlin, gibt es Ansprechpartner und der Verband lesbischer und schwuler Polizeibediensteter (der Name ist historisch bedingt und umfasst alle queeren Lebensformen so wie Polizei, Zoll und Justizdienst) kann bundesweit entsprechende Stellen und Menschen benennen.
Für die Direktion 1 von Berlin war Christine Wunderlich anwesend und bereit Fragen zu beantworten.
Es lohnt sich auch auf den einzelnen Abschnitten zu fragen, ob es einen Menschen mit Bezug zu queeren Themen gibt. In der Regel wird Mensch eine positive Antwort erhalten. Über die Jahre ist so durch die Arbeit der Ansprechpersonen für LSBTI* ein Netz von Multiplikatoren entstanden, auf das Sebastian und die Kollegen zu Recht stolz sind..

Trotz aller Verbesserungen stellt die Polizei bei Kontakt aufnahme in der Szene und auch in Cruisinggebieten immer noch eine verbreitete Hemmung zur Anzeige und bei Aussagen fest. Die Angst vor Outing ist bei Männern mit Frau und Kind groß und nicht nur diese fürchten Briefe, die sie diesbezüglich nach Hause bekommen. Menschen mit klassischer Familie sind nicht selten Opfer Trans* und Homofeindlicher Gewalt.
Angst vor Vorladungen zum Klären des Sachverhalts und vor Auftritten vor Gericht verhindern viele Anzeigen und erhöhen die Dunkelziffer der Verbrechen.
Weit verbreitet ist auch die Annahme, das Anzeigen oft niedergeschlagen werden und zu keinem Ziel führen. Auf diese falschen Annahmen gehe ich weiter unten ein.
Cybill hat hier angemerkt, dass sie die Auswirkungen nur bestätigen kann. Verschiedentlich haben Betroffene, die wussten, dass sie bei der Polizei arbeitet ihr von Vorfällen erzählt, zunächst ohne die Absicht auch anzuzeigen. Auch mich hat sie schon von der Bedeutung einer Anzeige überzeugen müssen.
So kommt es zu Dunkelziffern von 80-90%. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2012 ergab eine Dunkelziffer von 84%. Die so nicht offenkundig gewordenen Straftaten reichen von Beleidungsdelikten bis zu Körperverletzungen.
Genau durch diese Erfahrungen entsatnd die Idee zu diesem Abend, der zeigen sollte, dass es nicht schwer ist anzuzeigen und sich keiner wegen einer Anzeige outen muss.

Zu den Briefen nach Hause konnte Sebastian für Berlin eine Lösung anbieten, in dem die Post an zum Beispiel Maneo (http://www.maneo.de/) gesendet und dort hinterlegt werden kann.
Marlene

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Re: Was tun, wenn es brenzlig wird? Ein Info Abend der Berliner Polizei im Sonntagsclub

Post 38 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Jetzt ging Sebastian auf Zahlen von Verbrechen gegen Homosexuelle und gegen die Selbstbestimmung der geschlectlichen Identität ein.
313 Fälle verzeichnet die offizielle Statistik Bundesweit im jahr 2017, Berlin alleine 168.
2016 waren es 284 Fälle bundesweit.
Damit nicht der Eindruck entsteht, Berlin wäre für queere Menschen ein so gefährliches Pflaster, stellte Sebastin die offiziellen Zahlen der Stadt Köln, einer anderen Regenbogenstadt, gegenüber. Dort gab es offiziell 2016 und 2017 keinen Fall von Verbrechen gegen Homo- oder Transsexuelle. Die Gründe hierfür liegen in dem nicht vorhanden sein einer Ansprechperson für Verbrechen gegen queere Menschen, keinem Kontakt zu Zivilgesellschaftlichen Organisationen und in der fehlenden Festlegung des Tatbestandes Anti queere Gewalt. als Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.
Genau hier liegt die Aufgabe von Sebastian und Anne innerhalb der Polizei. Hierin unterrichten sie an der Polizeiakademie, hier sensibel auf Zusamenhänge und diskret in der Anzeigenannahme und -bearbeitung zu reagieren. Es geht hier nicht nur um reine Aufklärung einer Tat sondern auch um Opferberatung und aktiver Hilfe zum Beispiel durch Vermittlung an Verbände mit entsprechendem Ziel und Möglichkeiten der Hilfe.
Der offiziellen Zahl von 168 Fällen in Berlin steht die Zahl von 324 Fällen bei Maneo gemeldeten Fällen gegenüber. Das heißt, mindestens die Hälfte der schwulen Männer, die den Weg zu Maneo finden scheuen den Weg zur Polizei.
Die Zahlen der Statisk sind wichtig im politischen Raum zur Begründung von geforderten Mitteln und Personal.

Aber nicht nur um die Politik zu bewegen sind alle Anzeigen wichtig. Je häufiger Taten angezeigt und aufgeklärt werden, desto größer ist die Zahl der erfassten und abgebildeten Verdächtigen und Täter. Das erhöht wiederum die Wahrscheinlichkeit, das Betroffene Täter wiedererkennen oder die Polizei Zusammenhänge und Vorgehensweisen zuordnen kann.

Verbrechen der oben genannten Art gehen in die Statistik der politischen motivierten Kriminalität/PMK ein. Diese umfasst neben der rechtsextremen und linksextremen Gewalt auch die religiös begründete/ islamistische das weite Feld der Hasskriminalität unter das die hier behandelten Verbrechen fallen.
Die PMK wird dem Staatsschutz zugeordnet. Bei ihr wird generell öffentliches Interesse vorausgesetzt, dass bedeutet, das sie nicht so einfach zum Beispiel wegen angeblicher Geringfügigkeit, niederzuschlagen ist. Öffentliches Interesse kann auch strafverschärfend wirken. Auch in dieser Hinsicht lohnt sich jede Anzeige.
Eigentlich sind diese Definitionen der politisch motivierten Kriminalität bundesweit einheitlich festgelegt. Die Art der Erfassung und Anerkennung ist aber stark unterschiedlich wie Sebastian am Beispiel von Nord-Rhein Westfalen und Köln nachgewiesen hat.
Marlene

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Re: Was tun, wenn es brenzlig wird? Ein Info Abend der Berliner Polizei im Sonntagsclub

Post 39 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Tolle Zusammenfassung! Hut ab
The trick is to keep breathing

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Olivia
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Re: Was tun, wenn es brenzlig wird? Ein Info Abend der Berliner Polizei im Sonntagsclub

Post 40 im Thema

Beitrag von Olivia »

Hallo Ralf-Marlene,

GANZ HERZLICHEN DANK!!!!!

Liebe Grüße von Olivia
Marlene K.
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Re: Was tun, wenn es brenzlig wird? Ein Info Abend der Berliner Polizei im Sonntagsclub

Post 41 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Die Statistik weist für Berlin eine Häufung von Delikten in den innerstädtischen Bezirken auf. Vorreiter sind hier Neukölln und Schöneberg. Sebastian weist allerdings darauf hin, dass dies auch die große Hemmung zur anzeige in den anderen Bezirken andeutet. Trotzdem besteht besonders in Neukölln ein besonderer Handlungsbedarf.
Im folgenden geht Sebastian auf das von drei Säulen getragene Dach als Konzept der Polizeiarbeit für queere Menschen ein. Das Dach ist das Anbieten von Schutz auf der Basis von dem Vertrauen durch die Opfer. Die Polizei in Form der Ansprechpartner für LSBTI will zeigen, dass die Polizei für uns da ist und bietet sich immer als Ansprechpartner an, mindestens mit Anrufbeantworter und sofortigem Rückruf.

Dieses Dach wird getragen durch eine effiziente Strafverfolgung. Dies ist die erste Säule. Ermittlungserfolge und Zusammenarbeit von Polizei und Justiz sind hier die Grundlage. Sebastian weist darauf hin, dass dieser Ansatz mit den drei Säulen von der Staatsanwaltschaft geteilt wird und es auch dort direkte hauptamtliche Ansprechpartner gibt. Konsequente Strafverfolgung basiert auf eigenen Abteilungen, hier der Staatsschutz, die Abteilung 531. Dort werden Beleidigungen wie "Scheißtranse" oder "Miese Tunte", die auch angezeigt werden sollten und ernst genommen werden bis hin zu Raub, Erpressung und Gewalt bearbeitet. Taten aus diesem Bereich gehen auch nicht an die Amtsanwaltschaft sondern direkt an die Abteilung 284 der Staatsanwaltschaft. Hier sind die Taten keine rein privaten Klagen sondern die Verfolgung ist im öffentlichen Interesse und werden als Angriff auf die Grundlage des Zusammenlebens gesehen.

Die zweite Säule sind die Ansprechpersonen in Form der hauptamtlichen Mitarbeiter Sebastian und Anne. Da diese nicht alles alleine erledigen können, schulen sie Multiplikatoren vor Ort, die den Polizeibeamten die Berührungsängste mit dem Thema nehmen und so im sensibelen Umgang mit Opfern Vertrauen schaffen.

Die dritte Säule ist die Vernetzung mit zivilgesellschaftlichen Organisationen. Hierdurch kann Wissen auf beiden Seiten erworben werden, Sensibilität und Vertrauen geschaffen werden. Ein Teil der Vernetzung sind aber auch staatliche Stellen, wie zum Beispiel zwischen Polizei und Justiz oder auch Ämtern und Ausländerbehörden. So sitzen Sebastian und Anne nicht nur in der Dienststelle und geben Unterricht an der Polizeiakademie sondern gehen an an die Hochschule für Wirtschaft und Recht und erklärt dort was ein Cruisinggebiet ist, was Transident oder Intergeschlechtlich bedeutet und wie sensibel mit den Menschen umzugehen ist. Wichtig ist die Frage, was möchte ein traumatisierter Mensch gerade nicht von Polizei oder später Staatsanwaltschaft oder Behördenmitarbeitern erleben. Das sind Inhalte, die vermittelt werden, um die Ängste vor Fehlern bei den Beamten und Mitarbeitern zu nehmen und Vertrauen in die Sicherheitsbehöreden bei den Opfern aufzubauen. Vorrangig ist hier die Opferorientierung des Umgangs.
Marlene

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Re: Was tun, wenn es brenzlig wird? Ein Info Abend der Berliner Polizei im Sonntagsclub

Post 42 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

In der Folge definiert Sebastian, was Verbrechen gegen LSBTI umfasst. Die Grundlage der Zuordnung ist immer die grundlegende Motivation des Täters. Die Taten basieren alle auf der Abwertung von Menschen als minderwertig. Hier betrifft es die geschlechtliche Orientierung, Identität und das von der Mehrheit abweichende körperliche Sein.
Die Taten gehen von reinen Hassverbrechen wie Beleidigung und Hetze und Sachbeschädigung zum Beispiel an Kraftfahrzeugen, Kleidung oder Wohnung über Ausnutzungsstraftaten wie Erpressung und Raub bis hin zu schweren körperlichen Delikten und Mord.
In Cruising-Gebieten gibt es oft Raubdelikte, Antanzdelikte und ähnliches. Oft werden diese nicht angezeigt wegen Vorurteilen gegenüber der Polizei und Angst vor einem Outing. Diese Hemmungen erkennen aber nicht nur die Beamten sondern auch die Täter. Diese nutzen die besondere Verletzlichkeit ihrer Opfer aus.
Zu der Verfolgung könnte Herr Spengler vom LKA/Landeskriminalamt, genauer dem Staatsschutz mehr sagen, konnte aber leider nicht kommen. Hier wird mit allen Mitteln gearbeitet. Zum Beispiel heben die Verkehrsbetriebe die Aufnahmen ihrer Kameras 48 Stunden auf, so das eine frühzeiteige Anzeige und prompte Bearbeitung oft zu Erfolgen führt. Hier für wird auch eine Veröffentlichung genutzt. Viele Anzeigen und Ermittlungen ermöglichen auch eine umfangreiche Täterdatei, die auch zu besseren Ergebnissen führt.
So können auch Zusammenhänge und Tätertypus belegt werden. Meist sind es jüngere Männer, die oft aus Gruppen heraus agieren.
Bei diesen Taten können die Gerichte auf den -§46Abs.2 des Strafgesetzbuches/StGB zurückgreifen. Dieser stellt menschenverachtendes Handeln, sprich Hassverbrechen unter erhöhte Strafbedrohung. In Berlin ist dies bei Polizei und Justiz angekommen, dass die zugrundeliegende menschenverachtende Motivation bei Verbrechen von der Beleidigung bis zu Gewaltverbrechen zu deutlich höheren Strafen führen kann und muss. Sie wird berücksichtigt, sobald sie erkennbar ist.
Hier ist öffentliches Interesse gegeben, weil von allen Akteueren (in Berlin) erkannt worden ist, dass ein öffentlicher Angriff, sei es Beleidigung oder körperliche Gewalt, ja nicht nur die Opfer trifft. Es würde bei nicht Verfolgung die ganze Community und jede Minderheit verunsichern und jeden in der Freiheit seiner Handlungen und Bewegungen einschränken. Deshalb wird hier nicht eingestellt und nicht auf den Privatklageweg verwiesen.
Eine Rückfrage von Vera, ob öffentliches Interesse auch heißt, dass die Behörden ein Delikt auch nach einem Zurückziehen der Anzeige weiter verfolgt hat Sebastian wie folgt beantwortet:
Es ist nicht so, dass die Strafverfolgungsbehörden ohne Rücksicht auf die Interessen des Opfers weiter verfolgen. Es werde sensibel reagiert. Mit dem Opfer zusammen würden die Mitarbeiter versuchen, einen Weg zu finden, wie anonym weiter verfolgt werden kann und gegebenenfalls eingestellt. Er hat auf weitere Ausführungen von Cybill verwiesen.
Sebastian erwähnt noch, dass Frau Koppers, ehemalige Polizeipräsidentin von Berlin und Ehrenvorsitzende von VeLSPol, geagt hat, dass immer noch 70% aller Verfahren wegen mangelnder Ressourcen eingestellt werden müssen.
Die ist erkannt worden, die Politik arbeitet an Lösungen. Sie wird dies in Zukunft aber nur verstärken, wenn durch mehr Anzeigen die Dimension des Problems und die Auswirkungen auf die Gesellschaft deutlich werden. Es braucht also den Mut und den Willen der Opfer, dass Vertrauen in die Polizei und die Sensibilität und Bereitschaft der staatlichen Stellen. Beide Seiten sind wichtig und ermöglichen sich gegenseitig. Nicht nur in Berlin.
Marlene

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Re: Was tun, wenn es brenzlig wird? Ein Info Abend der Berliner Polizei im Sonntagsclub

Post 43 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Eine andere Frage ist, wie die Strafverfolgungsbehörden mit den Taten nicht strafmündiger Menschen, also Kindern, umgeht. Diese werden ebenfalls ernstgenommen und dem Jugendamt gemeldet. Von dort aus wird die Familienstruktur und die Wege, wie Hass weitergegeben wird und wie dies zu verhindern ist untersucht, wie Christine Wunderlich und Cybill ausführen.
Ebenfalls nicht umsonst ist es, Taten auch ohne weitere Zeugen anzuzeigen. Zum einen gehören auch diese in die Statistik. Diese ist eine Eingangsstatistik. Zum anderen sind die Beamten erfahren darin, Zwischentöne und Wiedersprüche in den Reaktionen der Täter, die in jedem Falle einvernommen werden, zu sehen. Bei Mehrfachtätern ist die Sachlage eh einfacher.
Nach diesen Zwischenfragen geht Sebastian zurück zu der zweiten der drei Säulen, den Ansprechpartnern. Er erzählt, dass sie auch bei Bundespolizeibehörden Schulungen durchführen und dort auf Vorurteile der Beamten stoßen. Unterstützung finden sie dort bei Joshua Bohling(https://www.facebook.com/velspoltrans/p ... 561506217/), einem Transmann. Dieser ist bei der Berliner Direktion Ansprechpartner für LSBTI*. Er ist nach eigener Aussage sehr extrovertiert und offen. Hierdurch kann Joshua, der am Flughafen Tegel arbeitet, vielen Kollegen in den meist 1,5 Stunden langen Seminaren verdeutlichen, dass die Unterschiede nicht so groß sind und Ängste abbauen.
Wie schon erwähnt unterrichten Anne und er an der Polizeiakademie zum Thema Hassverbrechen, Unterstützen die Kommissariate wie Staatsschutz bis hin zur Mordkommission, machen Öffentlichkeitsarbeit wie auf dem Stadtfest und in Zeitungen, beraten, legen Flyer in der Szene aus mit der Aufforderung "Zeigen Sie es an",
Ein wichtiger Hinweis ist allerdings, dass in konkreten Gefährdungsituationen immer die 110 zu wählen ist, damit schnelle Hilfe kommt.
Falls es hier zu schlechten Erfahrungen kommt, weil ja auch die Polizei ein Spiegel der Gesellschaft ist und auch dort dumme Menschen mit Vorurteilen auftauchen helfen die Ansprechpartner. Diese führen dann Gespräche und bei Unbelehrbarkeit der Mitarbeiter finden diese sich zügig im Innendienst auf unterer Ebene wieder.
Ein wichtiger Aspekt sind vertrauendsbildende Maßnahmen wie Sichtbarkeit in der Szene, Medienauftritte und Ansprechbarkeit.
Dazu gehört es auch nicht offiziell angezeigte Verbrechen wahrzunehmen und zu versuchen, auch dort einzuwirken.
So gab es zum Beispiel auf dem Transsexuellen Strich in Berlin eine heftige Angriffsserie und die Prostituierten wollten nicht mit den Behörden zusammen arbeiten. Dies ist aufgrund des oft ungeklärten Aufenthaltstatuses und der Erfhrungen mit Polizeibehörden zum Beispiel in Bulgarien begründet. Polizeipräsenz vertreibt zudem die Kunden.
Also hieß es, nachdem eine Hurengruppe in der Presse auf die Übergriffe aufmerksam gemacht hatte,
Sebastian erzählt, dass er zu den Damen gegangen ist und nach einem Abend mit gemeinsamem Essen und Gesprächen Anzeigen erfolgen und Helfen möglich ist.
Marlene

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Re: Was tun, wenn es brenzlig wird? Ein Info Abend der Berliner Polizei im Sonntagsclub

Post 44 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Die nächste Säule war ja die Vernetzung. Hier spricht Sebastian zunächst die innerbehördliche Vernetzung der Berlner Polizei mit über 100 Personen. Es gibt also immer mehr Ansprechpartner, auch in Direktionen und Wachen vor Ort. Ähnlich sieht es in der Staatsanwaltschaft aus.
Nach außen geht die Vernetzung über Maneo, dem Lesben- und Schwulenverband (https://berlin.lsvd.de/), der Schwulenberatung (https://www.schwulenberatungberlin.de/), Transident (https://www.trans-ident.de/trans-ident-beratungsstelle, http://www.transinterqueer.org/,), VelsPOL und vielen anderen.
Diese Vernetzung zeigt sich auch in der Teilnahme an Konferenzen. So gibt es bald ein Bundestreffen der Ansprechpartner für LSBTI. Auch europaweite Treffen finden statt. So war Sebastian letztes Jahr in Paris und konnte vergeleichen, was in anderen Ländern stattfindet.
Beim CSD sind die Ansprechpertner*innen involviert und fahren vorne auf dem Wagen mit.
Da berichtet Sebastian, dass hier die Organisatoren dieses Jahr wirklich von dem Ansturm der Massen überrascht wurden und es teilweise chaotisch lief. Das betrifft sowohl Polizei als auch die direkten Veranstalter. Eine Anekdote am Rande ist, dass Cybill erzählte, dass ihr Abschnitt für die Absperrmaßnahmen zuständig war und wegen Fehleinschätzung der Besucherzahlen an den Rand gebracht worden ist... aber alle geloben Besserung... allerdings ist es lobend zu erwähnen, dass der Abruch einer so großen Veranstaltung wegen der Unwetterwarnung nahezu reibungslos funktioniert hat. Das ist keine Selbstverständlichkeit.
Danach ging Sebastian kurz auf das Thema Gewaltprävention und Abwehr ein. Hier verwies er auf ein Training, was vom LKA auf Anfrage angeboten wird. Er weist darauf hin, dass es bei den meisten Straftaten um Macht und Kontrolle durch gezielte Provokation geht.
Es geht darum zu provozieren, um später Schuld von sich weisen zu können.
Es geht darum, vor den Freunden stark zu wirken.
Es geht darum, seelisch und körperlich zu verletzen.
Er stellte eine Anti-Gewalt-Kette vor, die ich hier nur aus der Erinnerung wiedergeben kann:
1. Auf das eigene Bauchgefühl verlassen
2. Vorzeichen erkennen: laute Stimmen, Auseinandersetzungen im Umfeld
3. Abstand halten, 2m sind Tritt- und Schlagnähe
4. Wenn möglich aus der Situation gehen, in der Bahn eventuell Wagen wechseln
5. Notfalls Beleidigungen aushalten, nicht erwiedern
6. Höflich und distanziert bleiben, zum Beispiel konsequent siezen
7. Tatsachen klar und ruhig benennen, zum Beispiel: "Sie meinen als, ich darf so nicht sein?"
8. Andere direkt mit ins Gespräch ziehen, Verbündete suchen: Nicht "Hilfe" sondern "Sie da im blauen Mantel, rufen sie bitte die 110 am, ich werde hier bedroht."
9. Laut schreien.
Ihr seht also, es geht um Eslkalationsstufen. Wenn möglich, immer Eskalationen vermeiden, Merkmale des Täters möglichst direkt notieren, Zeugen hinzuziehen. Wenn Ihr selber Zeugen werdet und eingreift, gefährdet Euch nicht selber. Wahrt Distanz.
Cybill weißt darauf hin, dass sie ein solches Seminar zum Thema Gewaltschutz zeitnah organisieren möchte im Sonntagsclub, dieses aber nur mit Anmeldung und mindestens 15 Teilnehmenden stattfinden kann. Es wird aus Situationstraining und Beschulung bestehen.
Im folgenden weist Sebastian darauf hin, dass Ihr bei körperlichen Durchsuchungen zum Beispiel als Zeugin oder einem Flughafen sich jede Person den Untersuchenden mit Begründung auswählen darf.
Die mitlaufende Diskussion um die Zugangsvoraussetzungen zum Polizeidienst, ein funktionierender Hoden oder einen Eierstock, lasse ich hier außen vor. Diese sind auch in der Diskussion.
Marlene

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Re: Was tun, wenn es brenzlig wird? Ein Info Abend der Berliner Polizei im Sonntagsclub

Post 45 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Um zu zeigen, wie die Abwehrmechanismen in der Polizei auch heute noch passieren, erzählte Sebastian einen Fall aus 2017 aus Rheinland-Pfalz. (ich denke es war der Fall 2018)
https://merkurist.de/mainz/angriff-wurd ... ll-ist_ls4
Zwei Lesben wurden vor dem Hauptbahnhof in Mainz als "Scheiß Lesben" tituliert und angegriffen. Eine von ihnen landete im Krankenhaus.
Zunächst wertete die Polizei dies nicht als Staatsschutzdelikt. Erst als eine Reporterin beharrlich blieb und bis zum ministerium ging ist dieses Verbrechen nicht mehr als schwere Körperverletzung gewertet worden sondern auch als Angriff auf eine besonders schützenswerte Personengruppe, als ein menschenverachtendes, gruppenbezogenes hassverbrechen.
Oder glaubt eine*r von Euch wirklich dass in der Stadt mit der zweitgrößten queeren Gemeinschaft in Deutschland 2016 und 2017 wirklich kein einziges Verbrechen gegen LSBTI* begangen wurde?
Dies verdeutlicht noch einmal, wie altes verkrustetes Denken innerhalb der Polizei und der Behörden dazu führt, dass die Beamteten die Statistik trotz der Definition von 2001 verfälschen. Hier muss noch viel in den Köpfen bewgt werden.
Im Anschluss zeigte und Cybill, wie wir daran mitwirken können dies zu andern als die Tat Bezeugende oder Opfer.
Alle wissen, dass wir direkt zur Wache gehen oder die 112 rufen können um eine Aussage zu machen.
Viele Schrecken davor zurück oder haben angst vor einem Zwangsouting, wenn sie in bestimmten Zusammenhängen gesehen werden. Hier gab Sebastian zu bedenken, dass Polizist*Innen sehr wohl verstehen, wie wichrig der Schutz der Privatsphäre ist. Auch sie sind als Personengruppe Gewalt aus verschiedenen Richtungen ausgesetzt und möchten ihre Privataddressen nicht in der Öffentlichkleit sehen. Auch sie kennen es, bespuckt zu werden oder das zum Beispiel ihre Autos angezündet werden. Wer darauf nicht vertrauen kann oder will hat die Möglichkeit eine Anzeige im Internet aufzugeben. Ich war der Meinung, dies geht bundesweit. So ist es nicht. (https://www.crossdresser-forum.de/phpBB ... 16#p230807)
Cybill zeigte dies Anhand von Berlin und nannte die Umstände hier. Ich bleibe trotz anderer Absicht dabei, da auch hier die Unterschiede groß sind.
Hier kann ich dann mehr mit Bildern als Worten arbeiten.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
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