https://www.queer.de/detail.php?article_id=58899
Mathias Ihle, Gastronom aus Leipheim und Ex-CSU-Ortsverbands-Vorsitzender, wurde nahezu zeitgleich mit Jens Spahn Vater durch eine Leihmutter in den USA. Im Interview erklärt er seine Beweggründe und äußert sich zur aktuellen Debatte.
...
"Wir haben uns Adoption sowie Pflegekindermodelle genau angeschaut und dazu auch Beratungstermine wahrgenommen. Am Ende des Tages hat beides aus verschiedensten Gründen nicht zu uns gepasst. Adoption war beispielsweise schlussendlich keine Option, da die Hürden sehr hoch sind. Das bedeutet, die meisten Bewerbenden erhalten nie die Chance auf ein Kind. Zudem haben wir uns gegen eine Pflege entschieden, da wir beide Vollzeit arbeiten und diese Kinder oft eine intensivere Betreuung benötigen. Auch hätten wir es emotional nicht geschafft, die Kinder nach Jahren gegebenenfalls wieder abgeben zu müssen."
...
"Ich war selbst sehr kritisch, als wir uns informiert haben. Aber wenn man sich einmal mit dem Thema befasst, dann sieht man schnell, dass gerade in den USA sehr darauf geachtet wird, dass kein Zwang zur Leihmutterschaft besteht. Dies ist zwar je nach Bundesstaat unterschiedlich, aber bei uns musste Folgendes gegeben sein: zwei eigene Kinder, nicht alleinerziehend, Vollzeitjob, mindestens 80.000 Dollar Barvermögen auf dem Konto, bestehende Versicherung und so weiter."
...
Gibt es Aspekte der Berichterstattung über Leihmutterschaften, die aus eurer Sicht zu kurz kommen oder häufig falsch dargestellt werden?
Es gibt einen großen Aspekt, den viele nicht kennen: Die Leihmama gibt nicht "ihr" Kind weg. Sie trägt das Kind von zwei fremden Personen aus. Die Eizelle stammt von einer anderen Frau und hat genetisch rein gar nichts mit der "Bauchmama" zu tun. Zudem ist die Leihmama ja nicht "die eine Frau" – sie hat Kinder, Ehemann, Eltern und so weiter, die natürlich auch das ganze Projekt unterstützen müssen. Was viele auch nicht wissen: Die meisten Leihmütter tragen Embryonen von Frauen aus, die selbst die Schwangerschaft nicht austragen können. Dies passiert auch oft innerhalb der Familie. Das heißt, die Schwester oder Cousine hilft jemandem, das Kind auszutragen.
Wie soll künftig der Kontakt zur Leihmutter aussehen? Wird sie weiterhin eng eingebunden sein, und habt ihr manchmal Sorge, dass sie sich irgendwann mehr Nähe zum Kind wünschen könnte, als ihr euch vorstellt?
Wir haben uns aktiv für einen Kontakt zur Leihmama sowie zur Eizellspenderin entschieden. Dies haben wir bei unserer Agentur vorab so angemeldet, und diese hat uns daraufhin passende Familien vorgeschlagen, denen das ebenfalls wichtig ist. Wir haben bereits beide Familien inklusive Großeltern kennengelernt und freuen uns auf den großen Familienzuwachs.