Die Kanutour II
Eine Crossdresser-Geschichte: Es begann mit einer Kanutour

Kanutour Teil 1

Was sollte ich mit dem angebrochenen Tag anfangen? Nach einem kurzen Frühstück ging ich in die Stadt in die Fußgängerzone. Ich trieb mich in verschiedenen kaufhäusern und Cafés herum. Immer wieder klingelte mein Handy; an der angezeigten Nummer sah ich, dass es Bettina war, die anrief. Ich war aber zu enttäuscht, um mit ihr zu sprechen.

Als ich abends wieder bei Brigitte in der Wohnung auftauchte, warteten die beiden Frauen schon auf mich. Sie hatten den Tisch gedeckt, aber nicht für drei Leute, sondern für 4. Mir schwante Böses und ich wollte die Wohnung sofort wieder verlassen. "Nun warte doch erst einmal und höre mir zu", sagte Brigitte, "es ist nicht so wie Du denkst!"
"Wie soll es schon sein?" ich mochte den hysterischen Klang meiner Stimme selbst nicht. Die letzen Tage hatten mir sehr zugesetzt, mir fehlte die Kraft, einfach zu gehen. So setzte ich mich doch auf den Stuhl, ergriff die Weinflasche und schenkte mir ungefragt ein Glas ein. Brigitte nickte zustimmend.
"Bettina wird gleich kommen", sagte Brigitte, "und nun bleibe ganz ruhig".
Ich nahm einen großen Schluck aus dem Weinglas und sank in mich zusammen. Was sollte jetzt noch kommen?
Ein leiser Verdacht stieg in mir auf. Die Frauen hatten sich doch wohl hoffentlich nicht gegen mich verbündet? Wenn ich es recht überlegte, so war ich ihnen schutzlos ausgeliefert. Andererseits hatte ich gerade zu Brigitte ein besonderes Vertrauensverhältnis. Die Gedanken tobten in meinem Kopf. War ich nicht gerade in übelster Weise von Bettina enttäuscht worden, so wie ich es nie für möglich gehalten hatte?

Die Minuten vergingen. Tick, tick, tack - die große Standuhr im Wohnzimmer meißelte deutlich jede einzelne Sekunde in mein zeitliches Beswusstsein.
Meine Gedanken gingen auch im Kreis - wie die Zeiger der Uhr. Ich dachte noch einmal über alles nach. Was hatte ich verloren - und was hatte ich gewonnen? Der Verlust wog schwerer - das Gefühl, ausgeliefert zu sein als Opfer einer Erpressung, die vermutlich nie wieder aufhören würde. Was ich gewonnen hatte verblasste etwas, aber was recht schwer in einem schwarzen BH lag, das empfand ich inzwischen als Gewinn. Aber ich konnte mich über das schöne Gefühl nicht freuen mit der drohenden Erpressung im Hintergrund.
Da leuchtete auf einmal hell ein Gedanke in mein Gedanken.Nebel: ich brauchte einen Neuanfang, eine neue Agentur - und zwar dort, wo mich keiner kannte. Das sagte ich Brigitte. "Daran habe ich auch gedacht", antwortete sie.
Dann klingelte es. Am liebsten hätte ich mich versteckt. Brigitte ging hinaus, um Bettina hinein zu lassen.
Die beiden Frauen tuschelten im Flur. Ich bekam nur Wortfetzen mit.
Ein weiterer Schluck aus dem Weinglas beruhigte mich etwas. Anna sah mich freundlich an und meinte etwas hilflos: "wird schon nicht so schlimm werden". Ich seufzte.
Noch ein Schluck aus dem Weinglas, Anna hatte inzwischen nachgeschenkt und auch selbst ein Glas getrunken.
Ein Gefühl der Gleichgültigkeit stellte sich bei mir ein.
Brigitte und Bettina kamen ins Zimmer. Bettina sah verheult aus. Sie kam auf mich zu. Ich nahm eine abwehrende Haltung ein: "bleib bloß, wo Du bist", sagte ich. Sie ließ sich in den Sessel fallen. Brigitte musste eine neue Flasche Wein holen, denn die andere war schon geleert. Gleich hielt ich wieder mein Glas hin. "Est der Besuch", meinte Brigitte und schenkte ein Glas für Bettina ein.

Bettinas Tränen stellten ihre Schminke auf eine harte Probe. Nein - sie war wirklich nicht wasserfest. Sie konnte kaum sprechen, hielt mir die Speicherkarte der Digitalkamera entgegen und stammelte: "ich habe die Speicherkarten getauscht, die Frauen aus der Gruppe haben eine Speicherkarte aus einer anderen Kamra bekommen; ich konnte sie in dem Durcheinander, als das Licht ausging, tauschen".

"Und warum hast Du mitgemacht?" Fragend schaute ich sie an. "Ich wusste, dass wir die Epresser nicht loswerden, wenn wir sie nicht mit eigenen Mitteln schlagen", entgegnete sie.
"Lass mal sehen, was auf der Karte ist", rief Brigitte. Sie kam mit ihrem Laptop und schob die Speicherkarte in den dafür vorgesehenen Schacht. Gleich darauf öffnete sich ein Programm, mit dem man Bilder ansehen und sortieren konnte.
Ich errötete leicht, als die ersten Bilder im Vollformat zu sehen waren. Es war tatsächlich sehr demütigend.
Die Bilder waren trotz der schlechten Lichtverhältnisse scharf und sehr detailliert. Man konnte nicht nur mich recht deutlich sehen, sondern auch die übrigen Beteiligten. Nur fehlte natürlich der "Kameramann".

"Ich habe eine Idee", meinte Brigitte, "lass mich mal machen". Die Speicherkarte wollte sie behalten, obwohl ich sie gleich vernichten wollte.
Wir hatten dann doch noch einen schönen Abend. Bettina blieb bei uns und hatte auch noch den ganzen nächsten Tag Zeit. Sie hatte ein wenig Angst vor der Rückkehr, wusste sie doch nicht, wie die anderen Frauen der Gruppe darauf reagieren würden, wenn sie den Tausch der Speicherkarte bemerken würden.

An nächsten Morgen war Brigitte schon sehr früh unterwegs. Wir sollten sie mittags in einem Café treffen, dort wollte sie uns "Neuigkeiten" übermitteln.
Sie verspätete sich etwas, sodass wir schon zwei Tassen Kaffe getrunken hatten, als sie endlich kam. Eigentlich musste ich wauf die Toilette, aber sie war so aufgeregt, dass ich ihren Redefluss nicht unterbrechen wollte.
Sie hielt uns ein Schriftstück entgegen: "Das ist eure Versicherung", sagte sie, "die Frauen der Gruppe werden euch von nun an in Ruhe lassen!"
Ich überflog den Inhalt des Schriftstückes. Was ich nicht ganz verstand, erklärte mir Brigitte. Sie hatte die Fotos ausdrucken lassen und einem Notar gegeben, den sie von einem Grundstücksgeschäft gut kannte. Der Notar wollte die Fotos - gegen Gebühr - verwalten. Das sollte den Frauen der Gruppe mitgeteilt werden, die auf den Fotos mehr als deutlich zu sehen waren.
"Erpressung?" fragte ich. "Nein", entgegnete Brigitte, "keine Erpressung! Die Frauen werden lediglich gegen eine sehr kleine Gebühr jedes Jahr daran erinnert, dass es die Fotos gibt und dass sie sicher verwahrt sind, so lange die lächerlich kleine Verwaltungsgebühr bezahlt wird und sie sich ruhig verhalten".

"Gut" sagte ich, dieser Punkt wäre erledigt, "ich möchte aber nicht mehr in dem Ort des Schreckens wohnen, hast Du eine andere Agentur für mich?" Brigitte lächelte und meinte: "ja, ganz hier in der Nähe wird in einem halben Jahr eine größere Agentur frei. bis dahin kannst Du mit dem bisherigen Inhaber zusammen arbeiten und den Bestand kennenlernen, wäre das etwas für dich?"
Ich nickte dankbar und zustimmend. "Was soll ich ihm sagen", fragte sie, "wer Du bist - und Mann oder Frau?"
"Das ist die Schwierigkeit", fiel mir ein," Frau kann ich offiziell nicht sein mit meinem männlichen Vornamen - und einen anderen Namen kann ich nicht nehmen, sonst wären alle Verträge ungültig, die ich hoffentlich in großer Zahl unterschreibe!"
"Dann lässt Du sie dir wieder abnehmen?" Dabei fasste sie mir ganz ungeniert an die linke Brust. "Nein", sagte ich, "die bleiben".
"Ich würde auch gern bleiben". Bettina brachte sich ins Gespräch. "Gute Idee", meinte Brigitte dazu, "die Agentur ist recht groß, da ist Arbeit für beide.

Es entwickelte sich gut mit dem Inhaber der Agentur, die ich übernehmen sollte. Er war in Gedanken schon halb in Rente und stellte nicht viele Fragen. Er war sehr kooperativ und half mir, den großen Bestand kennen zu lernen. Mit den Kunden kam ich gut zurecht. Einige guckten zuerst etwas, wenn sie eine Frau vor sich hatten, die sich mit einem männlichen Vornamen vorstellte, aber da ich durch eine gute Beratung, die sie von dem bisherigen Agenturinhaber seit Jahren nicht mehr gewohnt waren, konnte ich schnell Punkte sammeln.
Auch mit Bettina lief es gut. Von den Frauen der Gruppe haben wir nie mehr etwas gehört. Die Angelegenheit mit dem Notar war selbstverwaltend.
Als ich ihn mal zufällig traf, erzählte er mir, dass die Zahlungen jedes Jahr pünktlich geleistet wurden.