Zirola

Eigentlich hieß sie Carola. Wir machten uns manchmal ein wenig lustig über sie, weil sie etwas einer Zigeunerin an sich hatte. Sie hatte pechschwarze Haare, war sogar im Winter leicht gebräunt und trug meistens kleine oder große goldene Ohrringe. Eine geheimnisvolle Aura umgab sie, auch etwas Fremdes, so wie wir uns Zigeuner vorstellten. Außerdem sollte sie aus der Hand lesen können. Zuerst nannten einige sie "Carola, die Zigeunerin" und später wurde die Verbindung zwischen diesen Worten hergestellt und sie ganz einfach Zirola genannt. Wir waren aber feige; wir nannten sie nur so, wenn wir über sie sprachen. Nie wurde sie so angesprochen. Sie gehörte zu dem Kreis, der sich locker traf, um mit Motorrädern ein paar Runden zu drehen. Wir unternahmen nichts besonderes, sondern kleine Touren im äußersten Norden Deutschlands und manchmal hinüber zu unseren Nachbarn nach Dänemark, einen Hotdog zu essen.

Zirola bildete meistens mit unserem einzigen Endurofahrer die Nachhut. Ihre 400er Honda war schon älter und wie sich in einigen Mischlingshunden ziemlich viele Rassen wiederfinden, so war auch ihr Motorrad nicht nur mit Hondateilen ausgerüstet. Die Bremspumpe war von einer Yamaha, das Schutzblech von einer Kawasaki und die Sitzbank hatte sie von einer BMW genommen und für ihre Maschine angepasst. Zwar musste sie dafür das gesamte Heck umbauen, aber ihr schien es zu gefallen. Sie war nicht besonders schnell mit ihrem Motorrad, sondern passte sich unserem Endurofahrer oder dem einzigen MZ-Fahrer mit seinem Zweitakt-Eintopf gut an. Man kann aber nicht sagen, dass ihr Eigenbau Probleme machte. Im Gegensatz zu einigen anderen, die schon einmal mit Zündungsproblemen oder verstopften Vergasern liegengeblieben waren, kam sie immer ungeschoren davon.

Doch einmal erwischte es auch sie. Wir waren gerade von einer größeren Tour zurückgekehrt und überlegten, auf einem Parkplatz stehend, den Tag bei einem gepflegten Bier in unserem Vereinsheim "Blechtrommel" zu beschließen. In unserer Blechtrommel wurde nicht nur manchmal Blech geredet; Blechtrommel hieß unser Clubhaus, weil es ein alter umgebauter Container war, auf dem die Regentropfen trommelten wie auf einer Blechbüchse.

Einer nach dem anderen warf den Motor wieder an, um zum Clubhaus zu gelangen. Von den Zweitaktmaschinen blieb eine kleine Wolke des typischen Qualms und Geruchs zurück - "Rasenmäherparfüm" nannten wird das. Sie waren noch lange zu hören; und wenn sie erst einmal auf Drehzahlen kamen, hörten sie sich an wie Mücken auf Beutezug.

Ich hatte meinen Motor noch nicht gestartet, weil ich erst nachsehen wollte, ob das Kardangetriebe noch ölte. Ich hielt schon ein Papiertaschentuch in der Hand. Zirola stand auch noch. Nach ihrem dritten Startversuch konnte ich schon hören, dass der immer müder klingende Elektrostarter es nicht mehr schaffen würde.

So versuchte sie, den Motor mit einem beherzten Tritt auf den Kickstarter in Gang zu setzen, aber auch dabei konnte man hören, dass es keine Aussichten auf Erfolg hatte; der Motor tat keinen Huster.

Sie holte einen Kerzenschlüssel aus dem Bordwerkzeug und schraubte die Kerzen raus: beide nass. Kein Wunder, dass der Motor kein Lebenszeichen mehr gab.

Sie guckte mich fragend an. "Ich kann Dich nach Hause schleppen", sagte ich. Es war nicht sehr weit zu ihrem kleinen Häuschen am äußersten Rande des Dorfes und die Straße war nur ganz wenig befahren. Ich hatte ein Seil in meiner Packtasche, das noch von meinem längst verkauften Segelboot übriggeblieben war.

Sie nickte zustimmend. So knotete ich das eine Ende an meinen Haltegriff für den Sozius und das andere Ende nahm sie in die Hand. Vorsichtig tuckerte ich los. Wie gesagt, es war nicht weit. Das war auch gut so, denn so ein Schleppverband ist nicht besonders ideal und mir war auch nicht ganz wohl dabei. Wir hatten Glück, dass keine Polizeistreife unterwegs war.

Bald hatten wir das Ziel erreicht und ich wollte das Seil aufrollen und zügig zu den anderen fahren, aber sie lud mich ein: "Komm doch noch einen Kaffee trinken!" Ich hatte keinen richtigen Grund, die Einladung abzulehnen. In der Blechtrommel war etwas später auch etwas los; denn einige unserer Freunde hatten eine gute Ausdauer, als wollten sie möglichst lange Heim und Herd fortbleiben!

So bockte ich die Maschine auf und setzte den Helm ab. Weil es recht warm war, zog ich meine Jacke aus und hängte sie an den Lenker. Zirola hatte die Haustür offen gelassen. So folgte ich ihr in das dunkle Haus. Durch die kleinen Fenster, die zudem mit vielen Pflanzen vollstanden, fiel wenig Licht - und elektrisches Licht schien es hier nicht zu geben. Ich hörte, wie sie in der Küche hantierte. Sie hatte einen riesigen Kessel mit Wasser gefüllt und auf einen Gasherd gesetzt. Sie brauchte ein paar von den großen Streichhölzern, die immer wieder abbrachen, bis die Flamme endlich zuverlässig brannte. Ich sah mich in der Küche um. Neben dem Gasherd stand eine Gasflasche. Auch die sonstige Kücheneinrichtung machte nicht gerade einen modernen Eindruck, eher wie übriggeblieben aus alten Zeiten. Der Küchentisch kam mir bekannt vor. So einen hatten meine Großeltern auch gehabt. Im Innern des Tisches befand sich eine ausziehbare Waschschüssel für den Abwasch. Erinnerungen kamen hoch. Ich dachte daran, wie meine Oma damals an so einem Tisch gestanden und abgewaschen hatte, ich konnte das Spülmittel förmlich riechen.

Dampf quoll aus dem Kessel und zeigte an, dass das Wasser kochte. Einen Teil davon goss sie in eine Wasch-Schüssel, die auf dem Boden stand. Vom Rest machte sie uns Kaffee.

Sie füllte den Kessel erneut, stellte ihn aber nicht auf den Herd, sondern goss das Wasser in die Wasch-Schüssel und gab noch etwas flüssige Seife hinzu. Dann verschwand sie kurz im Nebenzimmer und ich konnte das Geräusch hören, das so typisch für das Öffnen eines Reißverschlusses ist. Sie entledigte sich ihrer Motorradhose.

Dann war sie wieder da. Sie hatte nun eine graue, schon etwas verwaschene Jogginghose an. Sie bewegte sich immer noch etwas unbeholfen und "steifbeinig". Bisher hatte ich gedacht, es würde an ihrer zu engen Lederhose liegen, dass sie sich nicht so beweglich war. Ich musste zugeben, ich hatte sie noch nie ohne Lederhose gesehen, das hier war das erste Mal.

Sie schenkte uns Kaffee ein und fragte mich, ob ich Milch dazu haben wollte. Hätte ich gern, aber die Milch, die sie hatte, war sauer. Sie krempelte sich die Hosenbeine hoch und stellte ihre Füße mitten in die Waschschüssel mit dem warmen Wasser. "Das muss jetzt sein!" sagte sie, "nach der langen Zeit in den Stiefeln fühle ich mich immer ganz beengt". Und dann ganz unvermittelt:

"warum werde ich eigentlich Zirola genannt?" Erst wollte ich so tun, als wüsste ich es nicht, aber dann erzählte ihr, wie es sich verhielt. "Ach so", sagte sie, "das geht ja noch, "fast jeder hat wohl einen Spitznamen, besser als bei Eddi und Josephine. Da sie meistens über die ach so ungerechte Welt stöhnen, werden sie "Kummer und Elend" genannt, da kann ich ja über meinen Namen richtig froh sein". Von diesen Namen wusste ich wiederum nichts, aber so richtig interessierte es mich auch nicht. - obwohl ich zugeben musste, dass "Kummer und Elend" gut passte.


Zirola plätscherte mit sparsamen Bewegungen mit den Füßen - und als ihre Zehen wieder aus dem Schaum und nicht mehr so klarem Wasser auftauchten, sah ich, dass ihre Fußnägel wohl vor längerer Zeit mal lackiert gewesen waren, aber vom früheren Glanz war nichts mehr zu sehen. Die Farbe war abgeblättert; ein wenig ungepflegt sah das aus.

Sie setzte die Füße etwas unbeholfen auf ein Handtuch, das neben der Schüssel lag. Sie schien ihre Beine nicht völlig frei bewegen und zu sich heranziehen zu können, auch schien es ihr Schmerzen zu bereiten, denn sie verzog das Gesicht. Sie beugten den Körper und streckte sich, reichte aber fast nicht mit den Händen an die Füße, um sich richtig abzutrocknen. "Es fällt mir immer noch schwer", sagte sie, "aber ich kann froh sein, dass ich die Beine überhaupt wieder so gut bewegen kann. Könntest Du bitte...?" Ich fühlte mich etwas überrumpelt und es war mir ein wenig unangenehm, da ich sie nur wenig kannte, aber ich nahm das Handtuch und trocknete ihr die Füße ab.

"Ich hatte einen Unfall", sagte sie, und als ich fragend guckte, "nein, nicht mit dem Motorrad, sondern während meiner Lehre. Ich wollte Dachdeckerin werden. Bin eines Tages vom Gerüst gefallen und erst im Krankenhaus wieder aufgewacht. Mehrfacher Beinbruch, innere Verletzungen und eine Hüftverletzung".

Sie hatte mehrere Monate im Krankenhaus und in einer Reha-Einrichtung verbracht. Zwar bekam sie eine ziemlich hohe Entschädigung, weil der Firmeninhaber irgendwelche Sicherheitsstandards nicht eingehalten hatte - aber die Lehre konnte sie vergessen; sie war nicht mehr dachtauglich.

Als sie wieder einigermaßen beweglich war, machte sie eine große Reise mit ihrem Motorrad, obwohl sie noch nicht in guter körperlicher Verfassung war. Portugal im Westen bereiste sie ebenso wie Frankreich und Spanien. Sie fuhr durch Nordafrika und nutzte den nordischen Sommer, um bis ans Nordkap zu gelangen. Die Reise verlief unter größten Strapazen, aber sie beendete sie sturz- und unfallfrei, was bei ihrer damaligen Verfassung wirklich ein Wunder war. Damit wollte sie sich beweisen, dass sie noch richtig lebte.

Nach der Reise ließ sie sich in unserem Dorf nieder. Sie pflegte eine alte Dame, die sie in der Reha kennengelernt hatte. Nach dem Tod der alten Dame erbte sie das kleine Siedlungshaus, hatte aber leider kein Geld für anstehende Renovierungsmaßnahmen und wohl auch nicht für die fälligen Erbschaftssteuern und den Stromlieferanten, so dass sie oft ohne Strom hier saß und täglich den Vollzugsbeamten des Finanzamtes erwartete. Überhaupt kamen manchmal auffällig unauffällige Männer mit Aktentaschen. "Männer mit Aktentaschen sind Vertreter, die wollen nur verkaufen", sagte ihre Nachbarin. Zirola schmunzelte dazu - und wusste es besser.

Trotz aller Widrigkeiten ging von ihr eine unheimliche Kraft und positive Energie aus, die den ganzen Raum zu erfüllen schien. Es machte mir Spaß, bei ihr zu sein - ich fühlte mich wie magisch angezogen, obwohl ich doch eigentlich schon längst in der Blechtrommel mein Bier trinken wollte.

Wir blickten uns in die Augen; ihre strahlten. Als sie den Kopf anschließend nach unten bewegte, klimperten die goldenen Ohrringe.

Nachdenklich betrachtete sie ihre Fußnägel. "Vor ein paar Wochen war eine Freundin hier und hat sie mir angemalt, leider ist nun der Lack ab. Wie gern würde ich doch wieder da rankommen, um sie mir selbst anzumalen".

"Ich weiß leider nicht, wie man das macht", sagte ich schnell, um jeden Gedanken ihrerseits zu verscheuchen, der mich mit dieser Tätigkeit in Verbindung bringen sollte. "Ist nicht schwer, ich zeige es Dir" war ihre Antwort. Sie stand auf und verschwand im Bad. Bald darauf tauchte sie wieder auf und hatte mehrere Utensilien dabei. "Erst einmal musst Du den alten Lack ganz entfernen", sagte sie und machte ein Papiertuch feucht mit Reiniger. Das Tuch drückte sie mir in die Hand. Es fühlte sich kalt an und ich dachte an Reinigungsbenzin oder Motorreiniger. Ein Blick auf das Etikett der Flasche zeigte aber, dass es richtiger Nagellackentferner war. Vorsichtig rieb ich mit dem Tuch über ihre Zehennägel. Tatsächlich wurden die Farbreste tadellos entfernt. Sie schien zufrieden. Dann war der andere Fuß dran. Danach gab sie mir etwas, was wie ein flacher Holzstab aussah. Ich schaute sie fragend an. "Das ist eine Glanzpolierfeile", sagte sie - und es klang so, als müsste man das eigentlich wissen. "Erst die blaue Seite nehmen", sagte sie, "danach kommt die rosa Seite - und zuletzt die glatte graue". Ich guckte etwas gequält, doch sie lächelte mich aufmunternd an: "ist nicht so schlimm - und dauert nicht lange".

Naja, ich hatte schon so manches Holz oder Metall mit einer Feile bearbeitet. So nahm ich auch diese Feile in die Hand und mache mich an die Bearbeitung ihrer Fußnägel. Die raue Seite nahm ganz schön etwas ab; weißes Pulver rieselte es auf den Fußboden. Schon ein Wechsel auf die nächst feinere Seite polierte einen richtigen Glanz - und als ich mit der feinsten Körnung einen Glanz erreichte wie neulich beim stundenlangen Polieren meiner Motorradfelgen, war ich fast ein wenig stolz. "Naja, für den Anfang nicht schlecht", sagte sie lachend. Das Lachen durchströmte ihren ganzen Körper, sie schüttelte sich richtig und die Ohrringe klimperten wieder dazu. Mit einem trockenen Papiertuch wischte ich ihr den Staub von den Zehennägeln. "Dann können wir mit dem Lackieren beginnen". Sie reichte mir den kleinen, gläsernen Farbtopf. Ich schraubte den Deckel ab, unter dem sich ein kleiner Pinsel verbarg, der mit dem Schraubdeckel verbunden war. Das erinnerte mich an meine Kinder- und Jugendzeit und an das Zusammenkleben der Modellbahnhäuschen. Der Nagellack roch sogar fast so wie damals der Kleber. Der Pinsel war gut mit Farbe getränkt, so konnte ich mein Werk beginnen. "Halt, viel zu dick aufgetragen", sagte sie, "komm, ich zeige es Dir einmal". Sie streifte überflüssigen Lack an der Öffnung der Flasche ab, ergriff plötzlich meine Hand und malte mit geschickten Pinselstrichen den Nagel meines Zeigefingers an. Ein eigenartiges, kühles Gefühl. Es dauerte gar nicht lange, da schien der Lack getrocknet, der Nagel glänzte. Das gefiel mir sogar! Nur schade, dass ich noch einen Trauerrand vom gestrigen Ölwechsel hatte. Mit richtig sauberen Fingernägeln müsste es richtig gut aussehen.

"Ich wisch es gleich wieder weg", sagte sie. "Lass mal", entgegnete ich, das können wir später noch machen. Dann entfernte ich meinen misslungenen Versuch von ihrem großen Zeh und machte mich erneut ans Werk, so wie ich es von ihr gelernt hatte. Es machte mir richtig Spaß. Ich freute mich an der blauen Farbe, dachte daran, dass ich gerne mal meinen Tank lackieren und verzieren würde - und war ganz in meinem Element. "Das muss nun trocknen", sagte sie, dann kannst Du noch einmal vorsichtig überlackieren und es wird eine ganze Weile halten.

Ich habe hoffentlich nicht ein zu gequältes Gesicht gemacht; denn eigentlich wollte ich doch noch in die Blechtrommel und Abschied feiern, schließlich sollte ich am nächsten Tag mit meiner Kindergartengruppe zur Abschlussfahrt in die Lüneburger Heide fahren. "Hol doch mal aus der Küche den Rotwein, der im Regal steht", sagte sie, "wir werden uns die Trocknungszeit etwas überbrücken". Ich holte die Weinflasche und fand auch zwei Senfgläser; Weingläser schien es nicht zu geben. "Ich finde keinen Flaschenöffner!" rief ich. "Es gibt auch keinen" - kam das Echo zurück.

Da die Flasche keinen Schraubverschluss hatte, drückte ich den Korken nach innen. Dann hielt ich die Öffnung mit dem Daumen zu und drehte die Flasche auf den Kopf. Der Korken schwamm auf und stellte sich quer. So konnte ich die Flasche wieder umdrehen und ganz normal Wein in unsere Gläser gießen. Wir prosteten uns zu.

Dann nahm sie meine Hand und sagte "zeig mal". Also doch!

Sie betrachtete die Handlinien und machte ein vieldeutiges Gesicht: "das ist ja interessant". "Was?"

"Na, Deine Handlinien", meinte sie nur und lachte, "und dass Du ein Geheimnis in Dir trägst, von dem Du noch nichts zu ahnen scheinst".

Ich überlegte einen Moment, was das sein konnte, aber mir fiel nichts ein. Ich hatte auch nicht das Bedürfnis, mit ihr darüber zu reden.

"Und nun Du", sagte sie vieldeutig. "Was ich?" "Nun kannst Du dir auch noch die Fußnägel anmalen", sagte sie, "Übung macht den Meister!"

Naja, ... ich wusste nicht so recht. Doch schon hatte sie neues Wasser für die Wasch-Schüssel geholt. Ich zog Stiefel und Strümpfe aus und genoss das warme Wasser. Nach dem Abtrocknen gab sie mir die Flasche mit dem Nagellack. Aber ich hatte schon fast alles verlernt, wollte wieder viel zu dick auftragen. "Halt", warnte sie mich "nicht so viel".

Mit ihrer Anleitung klappte es. Danach war sie mit dem zweiten Durchgang dran. Obwohl es fast Sommer war, war es inzwischen schon ganz schön dunkel geworden und ich musste mir richtig Mühe geben, nicht daneben zu malen. Sie wollte noch mehr Wein und warten, bis auch meine Farbe bereit für einen zweiten Durchgang war, aber ich sagte, dass ich es für heute bei dem erzielten Ergebnis bewenden lassen würde. Die Zeit drängte. Außerdem schlich sich bei mir ein unbestimmtes Gefühl ein. Ich fühlte mich wie ertappt bei einem Tun, das andere Menschen vielleicht missbilligen könnten und ich fand es inzwischen fast albern und befremdlich. Ich überlegte, was wohl die anderen aus unserer Motorradgruppe dazu sagen würden. Männer machen so etwas doch wohl nicht? Andererseits fühlte ich mich gut und freute mich darauf, mir das Ergebnis nachher zu hause noch einmal anzusehen.

Der Abschied war herzlich aber zügig. Sie drückte mir einen Kuss auf die Wange und ich machte eine Andeutung von "in den Arm nehmen". Dann stand ich mit meinen Stiefeln in der Hand draußen vor meiner Maschine. Stiefel an und Jacke an und dann los. In der Blechbüchse war bestimmt keiner mehr.

Bis zu meiner Wohnung war es nicht weit. Schon ein ganzes Stück vor Ende der Fahrt schloss ich den Benzinhahn, wusste ich doch, dass ich die Maschine nun ein paar Tage nicht bewegen würde - und dass sie immer große Mühe mit dem Anspringen hatte, wenn man den Vergaser nicht leergefahren hatte.

Meine Sachen lagen schon auf dem Bett bereit, so dass das Packen nicht lange dauerte. ... ein paar Musikcassetten , ein paar Motorradhefte, eine Wanderkarte für die Lüneburger Heide, Wasch- und Duschzeug...

Ich zog die Socken aus und betrachtete noch einmal das Ergebnis der Malaktion.

Natürlich hatte ich keinen Nagellackentferner im Hause. Also mussten die Fußnägel vorerst so bleiben. Sie gefielen mir inzwischen sogar sehr gut. Außerdem - verborgen unter Schuhen und Strümpfen würde das auch keiner merken.

Ich schlief etwas unruhig. Das lag wohl zum Teil an der bevorstehenden Reise, denn immerhin hatte ich die Verantwortung für 20 Kindergartenkinder, die ich auf der Abschlussfahrt zum Ende ihrer Kindergartenzeit begleiten sollte. Natürlich fuhr ich nicht allein, sondern in Begleitung einer jungen Kollegin aus der "roten Gruppe". Ich träumte ein wildes Durcheinander, nahm meine Motorradkumpel mit auf Kinderreise mit dem Bus, brachte den Kindern das Motorradfahren bei und fand mich bei Zirola auf der Veranda wieder, die gerade dabei war, mir die Haare zu schneiden. Stimmt, das hatte ich gestern vergessen; eigentlich hätte ich noch zum Frisör gehen wollen.

Endlich neigte sich die Nacht dem Ende; der Wecker rief mich in den neuen Tag. Während ich duschte, arbeitete schnaufend die Kaffeemaschine und erinnerte mich daran, dass sie mal wieder Entkalker benötigte. Kurzes Frühstück - Blick in den Rucksack: wirklich alles gepackt? Ich hatte wohl nichts vergessen. Der Weg zum Kindergarten, in dem ich schon einige Jahre als Erzieher arbeitete, war nicht weit, 10 Minuten zu Fuß. Genau die Zeit, die ich brauchte, um meine Träume und Gedanken zu sortieren. Als ich die Gartenpforte des Kindergartens öffnete, war ich fit. Einige Kinder waren schon da und rannten aufgeregt herum. Im Garten stapelten sich Koffer und Taschen. Die Köchin stand auch bereit und übergab mir einen Wäschekorb, gefüllt mit Essenspaketen - und wie ich erst auf den zweiten Blick sah, hatte sie unter Handtüchern eine Flasche Sekt versteckt. "Für einen schönen Abend", sagte sie mit einem Augenzwinkern.

Die Aufgeregtheit der Kinder steigerte sich. Einige Mütter hatten sorgenvolle Gesichter. "Passen Sie bitte gut auf unsere Kinder auf". Manche der Mütter und Väter gaben noch besondere Anweisungen mit auf den Weg. "Achten Sie bitte darauf, dass meine Tochter gut isst, das vergisst sie manchmal, weil sie nur ans Spielen denkt".

Dann endlich kam der Bus. Es gab ein großes Gewusel. Koffer, Eltern, Kinder- und wir - alles durcheinander. Trotzdem saßen nach einer Viertelstunde die richtigen Leute im Bus - und draußen standen die anderen, um uns zu verabschieden. Bei den Erwachsenen draußen gab es die eine oder andere Träne - aber die Kinder waren guter Dinge. Der Bus setzte sich in Bewegung; zuverlässig brummte der Dieselmotor. Viele Hände winkten uns nach. Wir fuhren durch die Dorfstraßen und kamen an Zirolas Haus vorbei. Ich musste an sie denken. Meine Kollegin ergriff das Mikrofon und stimmte mit den Kindern ein Lied an. Nun waren wir tatsächlich unterwegs. Schnell erreichten wir über Bundesstraßen die Autobahn. Der Bus nahm seine Reisegeschwindigkeit auf. Es war wenig Verkehr. Das regelmäßige Brummen des Dieselmotors schläferte mich fast ein. Lautes Rufen holte mich in die Wirklichkeit zurück. Einem Kind war schlecht geworden. Mit einigen fechten Tüchern beseitigten wir die Spuren. Ich blickte auf die Uhr. Weit war es nicht mehr. Tatsächlich, schon bei der übernächsten Ausfahrt bremste der Busfahrer die Geschwindigkeit. Trotzdem legte sich der Bus ganz schön in die Kurve. Wir fanden uns auf einer Bundesstraße wieder, die wir nach kurzer Strecke wieder verließen. Der Bus rumpelte nun über eine löchrige Landstraße. Wie gut, dass die Fahrt nicht mehr so lang dauerte. Die Kinder waren inzwischen aufgeregt und quengelig. Endlich hatten wir unser Ziel, das Schullandheim erreicht. Der Busfahrer fuhr auf einen großen Hofplatz und stoppte das Gefährt, schaltete kurz danach den Motor aus.

Zischend öffnete sich die Tür und die Kinder strömten hinaus - Landluft strömte hinein, was gut tat, denn es roch inzwischen etwas abgestanden im Bus. Unser Rufen verhallte ungehört. Aber hier konnte nicht viel passieren; wir waren richtig auf dem Land. Die Heimleiterin kam heraus und begrüßte uns. Sie gab uns gleich einige Regeln mit auf den Weg.

Nach dem Zimmerverteilen, beim Mittagessen ging es recht turbulent zu, so dass die Heimleiterin zweimal kam und uns ermahnte. "So eine laute Gruppe" hatte sie noch nie gehabt. Ich war froh, als wir nach dem Nachtisch endlich draußen waren. Nun wollten wir erst einmal die Gegend erkunden. Ganz in der Nähe sollte eine alte, stillgelegte Kiesgrube sein - genau das Richtige, um zu toben!

Die Kiesgrube fanden wir sofort. Sie war bestens geeignet, um sich zu verstecken oder die Abhänge hinunterzurutschen. Einige Kinder waren unermüdlich. Für die anderen breiteten wir zwei Decken aus, um darauf eine kleine Zwischenmahlzeit einzunehmen. Von der Busfahrt waren noch Brote, Apfelstücke und Süßigkeiten übrig. Danach verkrümelten sich die Kinder und spielten wieder mit den anderen in der Sandkuhle. Ich legte mich auf die Decke und betrachtete den Himmel. Es war zwar sonnig, aber recht windig. Der Wind trieb eine Wolke nach der anderen vor sich her. Bald folgten meine Gedanken den Wolken, folgten zunächst noch gewissen Bahnen, machten Pläne für die nächsten Tage, eine Schatzsuche vielleicht, ein Besuch im nahen Tierpark, und unbedingt eine Nachtwanderung.

Aber dann bogen meine Gedanken ab, folgten nicht mehr den geordneten Pfaden, sondern schlängelten sich hierhin und dorthin. ... und immer wieder zu Zirola.

"Sollen wir gehen?" Die Stimme meiner Kollegin weckte mich aus den Gedanken. Ich merkte, dass ich mich fast an sie angelehnt hatte; sie lag neben mir.

"Ja", rief ich und sprang auf. Gleichzeitig blickte ich auf die Uhr. "Es wird Zeit, Kinder, wir müssen in einer Viertelstunde zum Abendbrot zurück sein, sonst bekommen wir nichts mehr!"

Das war den Kindern genug als Motivation. Im Laufschritt erreichten wir die Herberge schon nach kurzer Zeit. Das Abendessen war deftig - und abwechslungsreich. Dann gingen die Kinder in die Dusche. Im Schlafanzug versammelten sich alle im Gruppenraum zur Vorlese- und Erzählstunde. Es roch gut nach Duschmittel und Körperlotion. Einige Kinder hatten schon Post von ihren Eltern. Die mussten sie schon ein paar Tage vorher losgeschickt haben. Als das Interesse an den Briefen und Geschichten nachließ, merkte ich, dass alle ganz schön müde waren. Mir ging es nicht anders. Die Kinder gingen in ihre selbst ausgesuchten Betten. Es gab 4 Zimmer für die Kinder und zwei Zimmer für die Betreuer. Die Kinderzimmer waren so angeordnet, dass sie zwischen unseren Betreuerzimmern lagen. So hatten wir es nicht weit, wenn eines der Kinder wach werden wurde.

In den von mir betreuten Zimmern war recht schnell Ruhe. So konnte ich mich in meinen Bereich zurückziehen. Ich machte mir eine Flasche Wein auf und stellte leise das kleine Radio an. "Morning has broken ..." Wie passend am Abend, wo hatte ich das kürzlich noch gehört?

... bei Zirola, als ich ihre Gitarre entdeckte und sie diese in die Hand nahm und ein paar Töne erklingen ließ. Was sie wohl gerade machte? Ob sie ihre Maschine schon repariert hatte?

Den ersten Tag hatten wir gut geschafft. Ich flezte mich auf das kleine Sofa und legte die Beine hoch. Ich nahm eines der Motorradhefte. Aber obwohl mich der Artikel über Vergaserüberholung bei älteren Motorrädern sehr interessiert hatte, flogen die Bilder mehr oder weniger an mir vorbei. Auch wenn ich versuchte, den Artikel zu lesen, begriff ich doch nichts von dem Text. Ich war zu müde. Ich hatte rein gar nichts von dem Artikel behalten. Oh nein. Leise, aber doch ein wenig knarrend ging die Tür meines Zimmers auf. "Ab ins Zimmer, es ist Schlafenszeit", wollte ich gerade flüstern und war schon halb wieder aufgestanden, um das Kind wieder ins Bett zu schicken, sah aber im letzten Moment, dass es keines der Kinder, sondern meine Kollegin war. Sie lächelte mich an "gemütlich hast Du es hier!" "Kannst gerne auch ein Glas Wein trinken" entgegnete ich und gab ihr eines der Zahnputzgläser, so dass sie sich einschenken konnte. "Ich dachte, wir können noch ein wenig für morgen planen", sagte sie und nahm einen Schluck aus ihrem Glas. "Wollen wir in den Tierpark fahren?" Das hielt ich für eine gute Idee. Ich zeigte ihr auf meiner Wanderkarte, welchen Weg wir nehmen mussten. Dann unterhielten wir uns noch über dies und das. Bisher hatten wir wenig Kontakt gehabt. Sie war im letzten Jahr ins Team gekommen. Privat hatte sich nie etwas ergeben. Sie war nach dem Dienst immer schnell weg und hielt sich während der Arbeitszeit mit privaten Äußerungen zurück. Auch wenn die anderen Mitarbeiterinnen manchmal von einem misslungenem Wochenende erzählten oder von Schwierigkeiten mit den Partnern, so hörten wir von ihr nichts dergleichen. In der letzten Zeit war sie sogar noch stiller und zurückhaltender.

Da ich immer noch auf dem kleinen Sofa hing und sie sich wohl nicht auf den unbequemen Stuhl setzen wollte, setzte sie sich auf mein Bett. Sie trug einen etwas merkwürdigen Hausanzug aus Teddy-Stoff und schien schon geduscht zu haben; denn sie roch sehr gut, wie ich sogar aus dieser Entfernung bemerkte. So war es mir nicht unangenehm, dass sie auf meinem Bett herumlümmelte. Inzwischen hatte sie ihre Schuhe ausgezogen. Bald darauf lag sie mehr auf dem Bett als dass sie saß und schließlich sank sie ganz auf das Kissen und kleine, lustige Schnarcher entwichen ihrem Mund.

Der Nachrichtensprecher, der trotz der kleinen Bauweise meines Radios mit sonorer Stimme verkündete: "Es ist 23 Uhr, Sie hören NDR 2" erinnerte mich daran, dass ich auch ganz schön müde war. Eigentlich zu müde um ins Bett zu gehen, aber trotzdem ging ich noch schnell unter die Dusche. Den hohen Ökostandard des Hauses erkannte ich daran, dass das heiße Wasser schon abgestellt war, um Energie zu sparen. Aber eine Restwärme machte es einigermaßen erträglich. Lange habe ich mich dort nicht aufgehalten, schließlich freute ich mich auf mein Bett. Erst als ich wieder im Zimmer war, realisierte ich, dass mein Bett ja nun besetzt war. Vorsichtig wollte ich meine Kollegin wecken - aber sie machte keine Anstalten, mein Bett zu verlassen. Sie schien einen gesunden Schlaf zu haben. Na gut, dachte ich mir, dann schlafe ich eben in ihrem Zimmer in ihrem Bett. Doch ihr Bett war noch nicht gemacht. Sie hatte wohl noch keine Zeit gehabt, das Bett zu beziehen.

So ging ich zurück und legte mich zu meiner Kollegin. Schließlich war es ja mein Bett! Sie hatte einen entspannten Schlaf und ließ sich nicht stören. Ich musste sicherlich nicht befürchten, dass sie aufwachen und laut schreien würde. Ich versuchte, eine bequeme Stellung zu finden; denn das Bett war nicht besonders breit. Ich hatte Glück, irgendwie schlief ich dann doch ein. Wach wurde ich erst wieder mitten in der Nacht. Ein Kind weinte. Ich lag auf dem Rücken. Meine Kollegin hatte inzwischen ihren Kopf auf meinen Brustkorb gebettet. Sanft drängte ich sie herunter, weil ich nach dem Kind sehen wollte.

Das Kind hatte schlecht geträumt und das Bett nass gemacht. Kein Problem. Die Mutter hatte mich schon vorgewarnt. Es waren genug Nachthemden im Gepäck. Auch hatte ich vorsorglich eine Gummiunterlage unter das Bettlaken gepackt. So war das Missgeschick schnell wieder in Ordnung gebracht. Dankbar blickte das Kind mich an, sah mir ins Gesicht, senkte dann den Blick - guckte ganz erschrocken auf meine nackten Füße, sagte aber nichts. "Schlaf gut, Yoko", sagte ich. "Du auch", flüsterte sie - und war schon bald wieder eingeschlafen. Ich ging in mein Zimmer zurück. Meine Kollegin war inzwischen richtig wach. "Was ist?" fragte sie.

Ich erklärte es ihr. "Danke", sagte sie, denn es war eigentlich "ihr Zimmer". Das machte mir aber nichts aus, schließlich war Yoko ein Kind aus meiner Gruppe.

Die Kollegin schien keine Lust zu verspüren, in ihr eigenes Zimmer zu gehen. Das konnte ich sogar etwas verstehen, schließlich war ihr Bett immer noch nicht gemacht. Sie schmiegte sich an mich. Ich nahm sie in den Arm. Sie rieb sich an mir und drängte sich entgegen. Ich war unsicher und wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte. Vorsichtig setzte ich etwas Spannung entgegen, doch sie wich wieder etwas zurück. Bald darauf gingen ihre Atemzüge regelmäßiger und flacher. Sie war wieder eingeschlafen.

Auch ich wollte mich noch etwas ausruhen, aber lange konnte ich nicht schlafen. Viel zu schnell war es inzwischen hell geworden. Draußen wurde es ziemlich laut, an Schlaf nicht mehr zu denken. Schon bald waren auch aus Richtung der Kinderzimmer Geräusche zu hören. Die ersten Kinder wurden wach und weckten die anderen. Die Tür zu meinem Zimmer wurde aufgerissen - und lachende Kinder wünschten uns einen guten Morgen. Etwas erstaunt waren die Kinder, als sie die Kollegin bei mir im Bett sahen. Ich scheuchte sie hinaus und stand auf.

Meine Kollegin ging in ihr Zimmer, um sich für den Tag vorzubereiten. Wir frühstückten und machten uns fertig für den Ausflug zum Tierpark.

Damit waren wir den ganzen Tag beschäftigt. Erst abends waren wir wieder in der Herberge. Meine Kollegin war den ganzen Tag sehr zutraulich und suchte immer wieder meine Nähe. Es ergaben sich viele heimliche und zufällige Berührungen.

Die Kinder gingen abends fast von selbst ins Bett. Sie verlangten zwar noch die angekündigte Erzähl- und Vorlesestunde, aber anschließend wurde es schnell still in den Zimmern.

Ich freute mich - und dachte an die Flasche Sekt, die die Köchin uns mit auf den Weg gegeben hatte. Ich schlich mich in die Küche, um noch zwei etwas geeignetere Gläser zu holen. Auf dem Rückweg guckte ich vorsichtig in die Kinderzimmer; alle schliefen. Dann huschte ich in die Dusche, die wieder recht kalt war. Für den Rückweg band ich mir ein großes Handtuch um die Hüften. Dann stand ich auch schon in meinem Zimmer. Radio an, die Flasche Sekt geöffnet. Gleich würde bestimmt die Kollegin kommen....

Tatsächlich wurde die Tür leise geöffnet und die Kollegin trat ein. Diesmal trug sie nicht den etwas merkwürdigen Hausanzug, sondern einen recht kurzen Bademantel. Der Gürtel war nicht besonders gut zugeknotet. So konnte ich mehr von ihr sehen, als sie es sicherlich beabsichtigt hatte. Sie hatte schöne Beine, einen ganz kleinen Bauchansatz und schöne sanfte Formen. Als sie wieder auf meinem Bett saß und ihre Beine übereinanderschlug, konnte ich ihre grün lackierten Fußnägel sehen. Sie sah sehr gepflegt aus. Wir prosteten uns zu. Sie entdeckte meine Motorradzeitschriften und erzählte mir, dass sie auch einen Motorradführerschein hatte. Sie war aber nie zum Fahren gekommen. Eine eigene Maschine konnte sie sich nicht leisten.

Wir unterhielten uns über Dies und Das. Die Flasche leerte sich. Wir wurden fast ein wenig übermütig. Sie lag auf meinem Bett, weit zurückgelehnt. Ich ging kurz raus auf die Toilette und sah noch einmal nach den Kindern. Alles ruhig. Als ich wieder ins Zimmer trat, schien sie eingeschlafen zu sein. Der Bademantel war fast geöffnet. Er gab den Blick frei auf ihr kleines Bäuchlein, kleine, runde Brüste und ein weißes haarloses Dreieck zwischen den Oberschenkeln. Die übrige Haut war leicht gebräunt.

Ich seufzte leicht und deckte sie zu. Dann legte ich mich hin und war bald darauf eingeschlafen. Die Nacht war kurz. Schon nach ein...zwei Stunden wurde die Tür wieder aufgerissen. Diesmal war es nicht Yoko im nassen Nachthemd, sondern es war Benny, der schlecht geträumt hatte. Er ließ sich aber schnell trösten - und ich brachte ihn zu seinem Teddy ins Bett.

Die Kinder schliefen länger; so wurden wir von dem Gong geweckt, den die Küchenfrau erklingen ließ, als das Frühstück fertig war. Nach einer reichlichen Mahlzeit machten wir uns auf zu einem weiteren Ausflug. Wir besuchten das Schiffshebewerk. Die Kinder waren sehr beeindruckt. Auch wir bestaunten die Meisterleistung der Technik.

Am späten Nachmittag waren wir zurück. Keiner hatte mehr Lust, etwas Richtiges zu machen. So hielten wir uns im Garten auf. Die Kinder schaukelten, spielten Verstecken und beschäftigten sich mit den mitgebrachten Spielsachen. Der Tag hatte uns etwas geschlaucht; sogar die Kinder waren beim Abendessen ruhig. Es war auch kaum jemand sehr interessiert an der Post- und Vorlesestunde.

So brachten wir die Kinder in die Betten.

"Ich komm dann gleich rüber", sagte sie, "ich habe noch eine Flasche Wein im Gepäck!"

Inzwischen hatte ich es mir etwas gemütlich gemacht und mich halb auf dem Bett liegend in meine Motorradzeitschriften vertieft. Ich beschäftigte mich gerade mit den sinnvollsten Fahrwerkseinstellungen der neuen Modelle, als sie zur Tür hereinhuschte. Diesmal trug sie ihren komischen Hausanzug und den Bademantel - ihr war wohl kalt. Sie hatte nicht nur eine Flasche Wein dabei, sondern auch zwei Gläser. Einen zumindest behelfsmäßigen Korkenzieher hatte ich an meinem Taschenmesser.

Der Wein schmeckte gar nicht schlecht. Eine angenehme Stimmung breitete sich aus - gepflegte Ruhe. Außerdem schien der Wein gut zu sein für die innere und äußere Erwärmung; denn als ich kurz draußen war, um nach den Kindern zu sehen, hatte meine Kollegin sich nicht nur auf das Bett gelegt, sondern auch Hausanzug und Bademantel ausgezogen. Beides hatte sie ordentlich über die Stuhllehne gehängt.

Der Wein schien aber auch einen unangenehmen Nebeneffekt zu haben, sie hatte die Augen geschlossen und es dauerte nicht lange, da zeigten leise Schnarcher, dass sie eingeschlafen war.

Nach einer kurzen Bettlektüre - und weil es wohl keine Aussicht gab, den Abend noch etwas aktiver zu gestalten, rollte ich mich auch auf die Matratze. Ich wollte eine Decke aus ihrem Zimmer holen, aber ihr Bett war immer noch nicht bezogen.

Na, auch gut.

Die Nacht verlief ruhig. Am Morgen wurden wir wieder durch den Gong der Köchin geweckt. Die Kinder strömten lachend in unser Zimmer. Es half nichts, dass meine Kollegin sich unter der Decke versteckte. "Sie schläft ja schon wieder beim Peter", sagte Kai, um sich dann anderen Dingen zuzuwenden.

Heute war Posttag. Wir malten und schrieben Briefe an die Eltern. Mittags war dann Vorlesestunde und Vorlesen der Briefe, die die Eltern geschickt hatten. Nur Roman hatte noch keine Post bekommen. Seine Eltern lebten in Scheidung und hatten sich wohl nicht darauf verständigt, wer ihm schreiben wollte. Ich zog mich einen Moment zurück und rief bei dem Vater an. Er hatte seine Büronummer angeben. Ich erzähle ihm, dass Roman das einzige Kind wäre, das noch keine Post bekommen hat - und er solle sich schnellstens etwas einfallen lassen. "Hat Ihre Einrichtung Fax?" fragte er. Ja, ein Faxgerät hatte ich gesehen. Ich nannte ihm die Nummer, die im Hausprospekt stand und er versprach, schnell einen Brief für Roman zu schreiben und per Fax zu senden.

Ich ging wieder zur Gruppe zurück. Vorher hatte ich der Heimleiterin noch gesagt, dass bald ein Fax kommen würde und sie möge es doch bitte gleich in unseren Aufenthaltsraum bringen. Wir machten weiter mit unserer Vorlesestunde.

Roman wurde immer ruhiger und bedrückter. Ihm wurde bewusst, dass er das einzige Kind war, das noch keinen Brief bekommen hatte.

Dann endlich öffnete sich die Tür - die Heimleiterin hielt ein Stück Papier in der Hand und fragte, "heißt einer von euch Roman?" "Ja" antwortete Roman strahlend. "Hier ist ein Fax für Dich", sagte die Heimleiterin und verließ schmunzelnd den Raum. Endlich - Romans Vater hatte geschrieben, sogar eine kleine Zeichnung auf das Fax gemalt und sich ein Rätsel für uns ausgedacht. Roman war stolz.

Nun hatte auch er Lust, einen Brief zu schreiben.

Nachmittags gingen wir alle zum Briefkasten und dann wieder zu der nahegelegenen Kiesgrube. Am Wochenende waren hier noch Motorradfahrer zu bewundern, die mit Geländemaschinen tollkühne Sprünge machten. Benni fand noch ein Plakat, das auf die Veranstaltung hinwies. Ganz stolz rollte er das Plakat ein, um es mit nach hause zu nehmen. Er wollte es in seinem Zimmer aufhängen. Von den anderen Kindern wurde er natürlich beneidet, aber da auf dem Plakat die Telefonnummer von dem Verein angegeben war, versprach ich, dort anzurufen und für die anderen Kinder auch noch so ein Plakat zu bekommen.

Wir machten auch tollkühne Sprünge, aber zu Fuß. Ein paar Kinder hatten eine besonders gute Idee, sie rutschten auf einem Stück Pappe den Abhang hinunter. So hatten wir den Nachmittag über viel Spaß und machten uns erst spät, dafür aber sandig und müde auf dem Weg zurück.

Diesmal war schon vor dem Abendessen ein großes Duschfest angesagt. Und so kam es, dass alle nach dem Abendbrot in ihrem Nachtzeug auf der großen Decke saßen, um das Vorlesen und Erzählen zu genießen. Einige Kinder waren so müde, dass sie immer wieder einnickten. Aus diesem Grund dehnten wir die Runde nicht besonders aus.

So konnten auch wir uns früh genug in die Dusche begeben, um noch die Segnungen der Heißwasserbereitung zu genießen.

In meinem Zimmer war ich nicht lang allein. Kaum hatte ich es mit einem Buch auf dem Bett gemütlich gemacht, da kam meine Kollegin, um sich dazuzulegen. Sie hatte kein Buch dabei, sah sich wohl aus diesem Grund im Zimmer um, sprach über die Tapeten, die schon bessere Tage gesehen hatten, sprach über die Kinder und sprach darüber, was sie so über die Kinder unserer Kindergruppe dachte. Dann wollte sie auch noch von mir hören, was ich so dachte und machte, aber eigentlich hatte ich nicht so große Lust auf Unterhaltung. Ich sprach nicht mehr als unbedingt notwendig, um nicht völlig unhöflich zu sein.

Auf einmal fühlte ich wie sie sanft unter mein T-Shirt fasste und Hautkontakt suchte. Ich ließ sie gewähren, las aber weiter. Die Ausflüge ihrer Hand wurden mutiger.

Ich legte das Buch vorsichtig auf den Boden und wandte mich ihr zu.

"Magst Du nicht?" fragte sie. "Doch", antwortete ich knapp. Ich bewegte meine Hand durch eine kleine Öffnung ihres Bademantels und streichelte vorsichtig über ihren kleinen Bauch. "Bin ich zu dick?" fragte sie, "nein, ich mag dich gern so, wo bist Du dick?".

Unsere Bewegungen wurden mutiger und drängender. Ich fühlte ihre Beine - schön glatt, bestimmt kürzlich rasiert. Meine Hand wanderte weiter nach oben, ertastete faszinierende Oberschenkel. Warum hatte ich meine Kollegin bisher noch nicht so - eben als Frau gesehen? Ich wusste es nicht. Doch als meine Hände noch mutiger wurden, spürte ich kein Entgegenkommen, keine Spannung mehr. "Was ist?" wollte ich fragen, aber die Antwort sah ich schon selbst. Sie war wieder eingeschlafen.

Etwas enttäuscht drehte ich mich auf meine Seite. Eine Mischung aus Müdigkeit und Enttäuschung schuf eine Grundlage für einen unruhigen, aber traumreichen Schlaf.

Ich wurde geweckt, als meine Kollegin sich reckte und streckte. Sie war schon wach, hatte wohl gut ausgeschlafen. Ich spürte wieder ihre Hand, diesmal streichelte sie meinen Rücken. "Tut mir leid wegen gestern Abend", sagte sie, "ich muss wohl sehr müde gewesen sein".

"Gong" - der Ruf zum Frühstück raubte mir meine aufkeimende Hoffnung auf etwas mehr als Rückenstreicheln. Wir mussten auch noch die Kinder wecken, also Beeilung! Trotzdem empfing uns die Hauswirtschafterin mit einem missmutigen Gesichtsausdruck; wir waren etwas zu spät.

Das sollte uns aber nicht verdrießen, denn heute war der letzte Tag der Reise. Den Vormittag verbrachten wir mit Sachen zusammensuchen und schon mal in den Koffer zu packen. Etwas unangenehm war das Einpacken der Schmutzwäsche. Vieles war sandig, dreckig und von üblem Geruch. Irgendwie schafften wir es, die meisten Sachen zu finden und den richtigen Kindern zuzuordnen. Es blieb nur ein kleiner Haufen für unsere "Sammelsuriumskiste" - die wollten wir später mit den Eltern öffnen zwecks Verteilung.

Den Nachmittag nutzten wir zu einer Abschiedsrunde durch das Dorf und zur Kiesgrube. Nach dem Abendbrot erzählte ich eine besonders lange Geschichte, hatte ich doch ein Interesse daran, dass die Kinder möglichst früh schliefen. Doch sie taten mir den Gefallen nicht. Sie waren aufgeregt, weil es am nächsten Tag wieder mit dem Bus nach Hause gehen sollte. Lange Zeit war Toberei, und es dauerte lange, bis ich endlich in meinem Zimmer war, um auch meine Sachen einzupacken. Bald darauf kam meine Kollegin. Heute wollte sie es wohl wissen. Sie stellte sich vor mich hin, nahm mich in den Arm und gab mir einen Kuss. "Ich habe noch eine Flasche Sekt", sagte sie, "wir müssen doch noch die gut überstandene Reise feiern".

Sie verschwand kurz und kam mit der Flasche und zwei Gläsern zurück. Sie öffnete die Flasche und schenkte uns ein. Wir prosteten uns zu. Wir küssten uns. Aus meinen Gedanken riss mich eine Polterei. Die Kinder hatten wieder zu Toben angefangen. Ich ging in das Zimmer und versuchte, die Kinder zu beruhigen, war aber nicht davon überzeugt, dass das lange vorhalten würde. Zunächst war es ruhig. Wir widmeten uns wieder dem Sekt.

Meine Kollegin legte sich wieder auf das Bett. Unter ihrem Bademantel trug sie nur einen weißen Slip, den sie in einer kompliziert anmutenden Aktion im Liegen die Beine herunterstreifte. "Komm!" rief sie.

Ich wollte mich gerade ausziehen, um zu ihr ins Bett zu gehen, da öffnete sich die Tür, meine Kollegin konnte gerade noch schnell die Decke hochziehen.

Benny kam herein. "Du hast mir versprochen, dass wir eine Nachtwanderung machen", sagte er etwas enttäuscht, "deshalb bin ich doch nur mitgekommen auf diese Reise".

Oh Mann, ja, das stimmte. "Hast Du überhaupt eine Taschenlampe?" fragte ich ihn in der Hoffnung, er hätte keine oder die Batterien wären schon verbraucht.

"Ja", sagte er, "natürlich, schau mal hier", er betätigte den Schalter und die Lampe warf einen hellen kreisrunden Lichtkegel an die Decke.

"Und wer kommt noch mit?" fragte ich. "Die anderen Kinder schlafen schon", antwortete Benny. Na gut, dann mussten wir eben alleine gehen. Versprochen ist versprochen.

Wir machten eine kleine Runde und hielten uns an den Wanderweg durch den angrenzenden Wald. Wie fremd und geräuschvoll doch ein Wald in der Nacht sein kann. Wir versuchten, die Tiere zu erkennen, die sich durch ihre Laute bemerkbar machten. Ab und an erschraken wir, wenn ein Ast niederfiel oder es im Gebüsch knisterte.

Es dauerte eine knappe halbe Stunde, dann meldete Benny sich: "ich glaube, wir können zurückgehen, so viel Spaß machen Nachtwanderungen mir doch nicht".

"Gut", sagte ich, "aber Du hattest Recht, versprochen ist versprochen".

Auch Benny hatte es auf einmal eilig, wieder aus dem Wald herauszukommen.

Er huschte dankbar ins Bett.

Ich hatte schon fast damit gerechnet, dass meine Kollegin schon wieder eingeschlafen war. Aber ich hatte mich getäuscht. Sie saß auf dem Bett und schrieb an unserem Reisetagebuch. Das wollten wir nach unserer Rückkehr etwas ausgestalten, mit Fotos versehen und den Kindern als Mappe schenken.

Sie hatte mir sogar noch etwas Sekt übriggelassen.

Als sie ihre Notizen beendete und mir ein verschmitztes Zeichen gab, hüpfte ich zu ihr ins Bett.

"Nun aber", sagte sie und nahm mich in den Arm. Sie drückte mich an ihre Brüste. Wir rieben uns aneinander. Sie führe meine Hand zwischen ihre Beine. Sie war feucht. Ich verteilte die Feuchtigkeit mit meinem Finger und streichelte sie. Das schien sie zu genießen; sie hielt die Augen geschlossen und hatte ganz entspannte Gesichtszüge. Mit einer Entschlossenheit, die ich ihr nicht zugetraut hatte, griff sie mir zwischen die Beine. Und als sie meine Erregung fühlte sagte sie nur "Komm!" und zog mich auf sie rauf. Sie öffnete sich für mich, sie war eng und setzte meinen Bewegungen heftige Bewegungen entgegen. So steigerten wir unsere Lust, bis unser Atem immer schneller ging. Ihre Brustwarzen erreichten eine Größe, die ich nicht für möglich gehalten hatte.

"Jetzt", sagte sie schließlich und krallte sich in mein Haut, sodass es schmerzte. Ich entlud mich in ihr und sie schien mich völlig auszusaugen. "Schön", sagte sie, "finde ich auch", war meine etwas dümmliche Antwort.

Sie schlief in meinem Arm ein.

Es wurde eine unruhige Nacht, denn zweimal musste ich aufstehen, um nach den Kindern zu sehen.

Schon lange vor dem Gong wurden die Kinder wach und kamen zu uns ins Zimmer. Das Gefühl, die Reise bis hierher gut überstanden zu haben und nun schon fast wieder auf dem Heimweg zu sein, machte uns übermütig. Bei mir kam sicherlich mein nächtliches Erlebnis hinzu. Es entwickelte sich eine ausgedehnte Kissenschlacht. Erst der Gong zum Frühstück rief uns in die Wirklichkeit zurück.

Es war sehr hektisch. Danach mussten wir uns eilig um die Koffer kümmern. War nun wirklich alles eingepackt?

Wir trugen die Koffer hinunter und stellten sie in die große Empfangshalle.

Ich ging noch einmal in jedes Zimmer und guckte in jede Ecke, unter jedes Bett. Ich fand noch ein paar Sachen, alle für die Sammelsuriumskiste.

Lautes Hupen zeigte uns, dass der Bus eingetroffen war. Der Fahrer half uns, Koffer und Kisten zu verladen. Die Kinder stiegen ein, zum Schluss wir. Kinder durchzählen - alle da.

Die gespannte Erwartung ließ die Kinder die ganze Fahrt über sehr laut und unruhig sein. Kaum einer, der eine Geschichte hören wollte oder ein Lied. Als wir schon fast zuhause waren, kam meine Kollegin zu mir und setzte sich auf den freien Platz neben mir.

"War schön, die Reise mit Dir", sagte sie, "das wollte ich Dir nur sagen, bevor gleich die Willkommenswogen über uns hinwegbranden". Dann gab sie mir einen kleinen Kuss auf das Ohr. Die Kinder kicherten.

Man merkte, dass wir uns der Heimat näherten. Immer wieder riefen die Kinder: "da waren wir schon, da...".

Dann bogen wir in die kleine Straße in der der Kindergarten lag. Die Basaltsteine rüttelten den Bus durcheinander. Die Eltern waren schon von weitem zu sehen. Sie hielten ein großes, buntes Bettlaken mit "Herzlich Willkommen" in die Höhe.

Der Bus hielt. Die Kinder wurden in die Arme geschlossen. Die Koffer wurden vom Busfahrer aus der Ladeluke geholt und auf den Fußweg gestellt.

Wir gingen in den Kindergarten. Die Eltern hatten eine Willkommenstafel aufgebaut. Es gab Kaffee, Saft und Kuchen, viele Fragen, großes Hallo und Trubel ohne Ende.

Dann bat die Leiterin um Ruhe und meinte, die Kinder sollten doch mal erzählen, was ihnen am besten gefallen hat - der Reihe nach. Der große Favorit war die Kiesgrube, dicht gefolgt vom Schiffshebewerk. Benny sprach begeistert von der Nachtwanderung. Nur Yoko hatte noch nichts gesagt. "Und Du Yoko?" fragte die Leiterin.

"Alles", sagte Yoko, "und dass Frau Schmidt jede Nacht beim Peter geschlafen hat, dann musste sie doch nicht so alleine sein. "und angemalte Fußnägel hat er auch, aber nicht die gleiche Farbe wie Frau Schmidt".

Sicherlich errötete ich, doch mich rettete eine allgemeine Unruhe und Aufbruchsstimmung. Die ersten Kinder und Eltern erhoben sich und gingen. Die Elternvertreterin schenkte uns noch im Namen aller Eltern einen Strauß Blumen.

Meine Kollegin wurde von ihrem Vater abgeholt, der Frührentner war.

Dann war mit einem Mal Stille, das intensive Reiseerlebnis abrupt beendet. Fast alle waren weg. Mit der Leiterin räumte ich den Rest der Kaffeetafel zusammen. "Die Abrechnung machen wir Montag", sagte sie, morgen kannst Du frei machen". Stimmt, das Handgeld musste noch abgerechnet werden. Die Quittungen hatte ich alle gesammelt und zusammengeheftet, die Ausgaben in einem kleinen Heft notiert. "Ist gut", sagte ich, "dann bis Montag".

"Ach eines noch", sagte sie mit einem Lachen, "wenn Du dich so gut um Deine Begleiterinnen kümmerst, dann fahre ich auch gerne mal mit auf die Abschlussfahrt!" Eine Antwort verkniff ich mir.

Ich lief die kurze Strecke bis zu meiner Wohnung. Ein Stapel Post war im Briefkasten. Man soll sich wundern, wie viel in wenigen Tagen zusammen kommt. Ich warf die Post auf den Tisch und setzte mir einen Kaffee auf, dann wollte ich die Briefe jedenfalls grob durchsehen. Ein Schreiben war von der Hausverwaltung. Für unsere Wohnungen gab es einen Sanierungs- und Umbauplan. Die Mieter sollten die Wohnungen für die Umbauzeit verlassen.

Dagegen schien sich Widerstand zu entwickeln, denn ich erhielt auch ein Schreiben von einer "Initiative gegen Wohnungsspekulation". Am Wochenende sollte eine Info-Veranstaltung sein.

Ansonsten war es nur Reklame. Fast hätte ich einen Zettel übersehen, der sich in den bunten Prospekten versteckte. Es war ein abgerissenes Stück Karo-Papier.

"Kannst Du mal vorbeikommen, wenn Du zurück bist, geht um das Motorrad, Gruß Carola".

"Naja, morgen ist auch noch ein Tag - und ich habe frei", dachte ich mir. Dann stand ich auch schon unter der Dusche und hielt mich da ganz lange auf, als wollte ich die Reise und alle Erlebnisse gründlich abwaschen. Ich war froh, dass das Wasser heiß war und heiß blieb.

Mit meinem Kaffee setzte ich mich dann vor den Fernseher; lange hatte ich mich nicht mehr berieseln lassen.

Ich konnte mich nicht recht konzentrieren und wollte schon fast ausmachen und ins Bett gehen, als das Telefon klingelte. Nein, es war nicht meine Kollegin, was ich ein wenig gehofft hatte, möglichst mit den Worten; "es war so schön mit Dir, das sollten wir gleich noch einmal machen!"

Nein, es war Jens aus der Motorradgruppe, der hören wollte, ob ich schon wieder im Lande war. "Na, altes Haus", brüllte er fast ins Telefon, "kommst Du heute noch in die Blechtrommel? Außerdem hast Du vor Deiner Fahrt keinen ausgegeben, nun ist das Doppelte fällig!"

"Nein, bestimmt nicht, alles ok, aber ich bin heute müde und geschafft".

Etwas enttäuscht verabschiedete er sich.

Am nächsten Morgen gönnte ich mir ein ausführliches Frühstück mit Brötchen, Kaffee und Zeitung. Ich war froh, dass ich für mich alleine war. So musste ich auf niemanden warten, nicht darauf achten, ob auch alle da waren, musste nicht aufpassen, ob einer zu laut war, oder zu viel Nusscreme nahm - und musste nichts reden. Ich hatte die Zeitung für mich und keiner lachte über mein Kleckern. Zufrieden stand ich nach fast einer Stunde vom Frühstückstisch auf.

Zu Zirola war es nicht besonders weit. Es lohnte sich eigentlich nicht, mit dem Motorrad zu fahren. Deshalb pumpte ich die Reifen meines alten Fahrrads auf.

Nach fünfzehn Minuten war ich schon bei ihr und lehnte das Fahrrad gegen den Gartenzaun. Zirola hatte mich wohl schon gesehen, denn sie kam nach draußen, um mich zu begrüßen. Zärtlich umarmte sie mich. "Nett, dass Du gleich gekommen bist. Ich kann billig neue Zündspulen für das Motorrad bekommen", sagte sie, "ich muss sie aber heute noch abholen, kannst Du mit mir hinfahren?"

Natürlich konnte ich. In Flensburg wohnte der Verkäufer, war aber nur vormittags zuhause. Wir mussten uns beeilen. Ich radelte zurück, zog mir Motorradklamotten an und machte die Maschine startklar. Sie sprang gleich an. Im Nu war ich bei Zirola, die schon wartete. Selten, dass bisher einer mit mir mitgefahren war. Die Fußrasten klemmten. Obwohl Zirola schlank war, wurde es ungewohnt eng auf der Sitzbank.

Es war kein Problem, den Mann mit den Zündspulen zu finden. Er hatte sogar die passenden Exemplare, was bei der relativ schlechten Ersatzteillage bei den japanischen Motorrädern sehr positiv zu bewerten war und verkaufte sie zu dem verabredeten Preis, sehr günstig.

Wir machten uns auf den Rückweg. Ungeduldig wollten wir die Zündspulen gleich ausprobieren. Tatsächlich - ein wenig Schrauberei - und sie passten. Freudig drückte Zirola auf den Startknopf - doch die Maschine tat keinen Mucks. Also noch einmal alles kontrollieren. "... und der "Killschalter?"

Tatsächlich, der hatte sich verdreht, stand auf "off", wurde aber sofort auf die "on"-Position gedreht.

Nochmals den Startknopf gedrückt, und... Ganz spontan wurde der Motor zum Leben erweckt und brummte im erhöhten Standgas. Das war eine richtige Schnellreparatur, besonders, wenn man bedenkt, dass einige ihrer Maschine wochenlange Standzeiten verordneten, weil es mit Diagnose und Reparatur nicht so gut klappte.

"Kleine Tour?" Zirola winkte mit ihren Handschuhen. Sie wartete nicht auf eine Antwort, sondern setzte sich auf ihr Motorrad, legte den Gang ein und brauste davon. Schnell gestartet und gleich hinterher, wir machten eine schöne kleine Tour, bis es leider zu regnen anfing. Wir stärkten und in einem kleinen Imbiss mit einem Kaffee, dann ging es wegen des Regens, der immer kräftiger wurde, sehr langsam zurück. Ich ärgerte mich, dass ich keine Regenklamotten an hatte. So wurde ich nass bis auf die Haut. Als mir das Wasser in den Kragen hineinlief, verfinsterten sich meine Gedanken und ich malte mir aus, wie schön ich doch jetzt zu Hause sitzen konnte.

Es dauerte nicht so sehr lange, da waren wir schon wieder bei Zirolas Haus. Eigentlich wollte ich gleich zu mir fahren, um mich umzuziehen, doch sie bedeutete mir, kurz anzuhalten und sagte mir dann, dass ich noch mit reinkommen sollte. Fast widerstrebend folgte ich ihr, als sie das Motorrad hinter das Haus fuhr, wo sich die Garage befand. Mit einem alten Lappen trockneten wir die Motorräder etwas ab. Wir wollten die empfindlichen Zündanlagen vor der Feuchtigkeit schützen, andererseits natürlich keine Grundlage für Rost auf Lack und Chrom schaffen.

Die Hose klebte auf der Haut.

"Und nun wir", sagte Zirola, "ich habe eine Überraschung". Na, da war ich mal gespannt. Sie führte mich ins Haus. Sie schaltete das Licht ein: "tatatata!, komm, wir gehen Duschen!" Naja, eigentlich kannte ich sie ja nicht soo gut, gleich mit ihr duschen?

Zirola - Teil II