Zirola II

Aber sie musste mich nicht lange überreden ich folgte ihr. Es war äußerst schwierig, aus den nassen Anziehsachen herauszukommen. Wir mussten uns gegenseitig helfen. "Ist doch Quatsch", sagte ich, "ich sollte lieber bei mir duschen.

...da habe ich auch etwas Trockenes zum Anziehen", wollte ich noch sagen, aber Zirola stand schon unter der Dusche und winkte mich zu sich. Durch das heiße Wasser rötete sich unsere Haut, so sahen wir nach kurzer Zeit aus wie gerupfte Hühnchen.

Zärtlich kümmerte sich Zirola um meinen Rücken, um mir dann die Seife zu geben und sich umzudrehen. Ich sollte ihr wohl auch den Rücken schrubben, was ich sehr vorsichtig tat; denn sie hatte viele Narben. "Du musst nicht so vorsichtig sein", rief sie gegen das Geräusch des Wassers an, "die Narben vom Unfall machen keine Probleme mehr, nur wenn Wetterumschwung ist, schmerzt es manchmal".

Nachdem wir uns auch von vorn gesäubert hatten und durch das heiße Wasser vollständig wieder aufgetaut waren, stiegen wir aus der geräumigen Dusche. Zirola warf mir ein riesiges Handtuch zu, in das ich mich einwickeln konnte. Sie selbst hatte auch so ein Handtuch, nur in einer anderen Farbe. "Komm, ich mache Kaffee", sagte sie, "und dann machst Du mir bitte wieder die Fußnägel!" Sie blickte mich auffordernd an. Ich hatte schon unter der Dusche gesehen, dass die Farbe nicht mehr ganz frisch war - genau wie bei mir. "Dann können wir gleich meine Farbe abmachen, sagte ich zu ihr, "ich hatte keinen Nagellack-Entferner und wollte mir nicht extra welchen kaufen". "Aber nur, wenn wir gleich neu lackeren", meinte sie darauf.

Wir gingen in ihr Schlafzimmer, das ich bisher noch nicht gesehen hatte und setzten uns auf das Bett. Es war richtig groß, jedoch kein Stück aus dem Möbelhaus. Es war etwas grob gearbeitet, aber sehr stabil, wie ich feststellte, als ich mich auf die Matratze fallen ließ. "Habe ich selbst gebaut", sagte Zirola.

Sie holte wieder die ganzen Malutensilien und Tücher, ebenso zwei große Krüge mit Kaffee. "Mit Milch und Zucker?" fragte sie. "Nein, nur Milch". Wir machten es uns auf dem Bett bequem. Wir entfernten die alte, unansehnliche Farbe, um dann mit dem Neuaufbau - zuerst bei ihr - zu beginnen. Sie suchte sich ein leuchtendes Orange aus. Diesmal stellte ich mich nicht so ungeschickt an und hatte sehr schnell und sauber alle ihre Zehennägel lackiert. "An Dir ist ein richtiger Meister verlorengegangen", lobte sie mich, "das kannst Du jetzt öfter machen, oder Du machst ein Nagelstudio auf".

Sie hielt mir die kleinen, edel wirkenden Flaschen entgegen: "und Du?" Ich zögerte nun doch und wollte eigentlich nicht so recht. War es nicht nur eine blöde Spielerei? Ich sagte dann aber zu meiner eigenen Überraschung: "den hellblauen nehme ich!"

"Fein, sieht bestimmt gut aus bei Dir!"

Nachdem die Fußnägel fertig waren, machte sie sich selbst an ihre Fingernägel. Schließlich gab sie mir wieder ein Farbtöpfchen, um mir auch die Fingernägel zu lackieren. Ich beschloss jedoch, die gleich am nächsten Tag wieder in den Naturzustand zu versetzen. Ich wollte mich schließlich nicht bei meinen Motorradfreunden und im Kindergarten blamieren. Andererseits hatte ich wieder so ein Kribbeln im Bauch - ein komisches, fremdes, spannungsvolles Gefühl. Hatte Zirola mich dazu gebracht, etwas zu tun, was ich eigentlich schon länger tun wollte, mich aber nicht getraut hatte?

Es war langsam Zeit, an die nassen Anziehsachen zu denken. Selbst die Unterwäsche war klatschnass und bei besten Willen nicht mehr anzuziehen. Ich breitete meine Sachen auf der Wäschespinne aus. Die Möglichkeit, dass alles trocken wurde, war allerdings äußerst gering, zumindest in die nächsten Stunden"

"Du kannst bei mir bleiben, bis die Sachen trocken sind", sagte Zirola, "oder Du ziehst etwas von mir an". Dabei lachte sie.

Wie zur Bestätigung ging sie an den Kleiderschrank und begann, alles Mögliche rauszuziehen und aufs Bett zu werfen: Unterwäsche, Hemden, Hosen, Röcke, Westen.

Einiges schien sie noch aus ihrer Zeit als Dachdeckerlehrling zu haben, es waren grobe Cordwesten und Hosen mit Lederverstärkung dabei. "So etwas wirst Du selbst haben", sagte sie mit schelmischem Blick, "komm, probiere mal die anderen Sachen!"

Ich zögerte etwas verlegen. Wir alberten herum, bis sie sagte: "lass uns doch eine Modenschau machen". Sie holte eine Kamera, um alles zu fotografieren. Sie hatte mir schon von einem kleinen Nebenraum erzählt, in dem sie Platz hatte für eine Laborausrüstung, deshalb musste sie nie einen Film in die Entwicklung geben, war völlig frei, genau das zu fotografieren, was sie wollte. So konnte sie auch nicht Dorfgespräch werden, weil eine Verkäuferin im Fotogeschäft bei der Durchsicht der Fototasche zu lange bei der Qualitätskontrolle verweilte. Da ich zuerst der Fotograf sein sollte, wickelte ich mir das Handtuch nochmals um den Körper.

Zirola begann, zog sich einen weißen Rock mit großen blauen Punkten an, dazu eine Bluse mit Blümchenmuster. Den Kopf bedeckte sie mit einem Strohhut. Die Krönung bildete eine geschwungene Sonnenbrille aus den frühen 60er Jahren, bei der ein Glas fehlte.

Sie stellte sich in Pose. Mit der Kamera musste ich mich erst zurechtfinden, aber sie funktionierte ähnlich wie meine eigene - und so hatte ich keine Schwierigkeiten mit dem Scharfstellen. Ich machte mehrere Aufnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln. Ich wählte unterschiedliche Blenden und Verschlusszeiten, fotografierte mit Blitz und ohne Blitz - und war schon auf das Ergebnis gespannt.

Nun wechselten wir die Rollen und ich war an der Reihe mit dem Verkleiden. Wie selbstverständlich wollte ich mir die Zimmererhose und eine Weste greifen, aber das wollte sie nicht gelten lassen: "das ist ja langweilig, versuch mal das hier", und reichte mir einen kurzen Lederrock, "mir ist er etwas weit, aber Dir könnte er passen". Er passte, jedoch zog es von unten - ungewohnt für einen Hosenträger wie mich. "Können Sie mir die dazu passende Unterwäsche empfehlen?" fragte ich gespielt geschäftsmäßig. "Ja, da hätten wir dieses Modell, direkt aus Paris", antwortete sie mir und reichte einen schwarzen, mit einer Spitzenstickerei besetzen Slip. Schon besser. Ein Hemd mit Spaghetti-Trägern gab sie mir für den oberen Bereich. "Und nun das Foto", sie knipste mich aus mehreren Richtungen, kniete sich hin, um mich von unten zu erwischen und stellte sich sogar auf einen Stuhl, um mich von schräg oben zu fotografieren. Gut, und nun? "Zwei Damen sind langweilig", meinte sie daraufhin und nahm sich ein kariertes Hemd und eine Cordhose. Ihre Haare versteckte sie unter einer Baskenmütze.

Irgendwie knurrte mir der Magen. "Ich könnte langsam etwas essen", sagte ich, "Frühstück ist lange her!" "Ja", stimmte sie mir zu, wir können etwas kochen!"

Beruhigt wollte ich mich der Verkleidungssachen entledigen, aber gerade rechtzeitig dachte ich darüber nach, dass meine gewohnten Anziehsachen ja noch nass waren. So behielt ich Rock und Hemd an und ging mit in die Küche. Sie hatte kürzlich eingekauft; wir bereiteten eine bunte Reis-Gemüsepfanne. Anschließend setzten wir uns an den Küchentisch, um zu speisen. Wir erzählten uns über dies und das, gönnten uns noch einen Kaffee, um dann später noch bei einem Glas Wein zusammenzusitzen. Inzwischen hatte Zirola mehrere Kerzen angezündet, sodass die Küche in weiches, manchmal flackerndes Licht getaucht war. Ich hatte mich an den Rock richtig gewöhnt. Es war vollkommen angenehm, ihn zu tragen. In diesem Moment hätte ich nicht oder nur höchst ungern mit meiner gewohnten Jeans getauscht. Ich stellte meine Füße auf einen Stuhlrand und genoss das Gefühl, die Schenkel leicht zu öffnen - ein schönes und luftiges Gefühl für die Beine. Wie gut, dass mich keiner meiner Freunde sehen konnte.

Unsere Schatten zeichneten sich an der Wand ab. Wir wurden nicht müde, zu erzählen. Es kam mir vor, als würden wir uns schon sehr lange kennen, so vertraut waren wir uns - und nah. Es war, als hätten wir ein Nachholbedürfnis, uns auszutauschen, ganz so, als hätten wir uns nach Jahren wiedergesehen und würden uns nun gegenseitig erzählen, was wir inzwischen erlebt hatten.

Zirola sagte mir, dass ihre Eltern wieder Kontakt zu ihr aufgenommen hatten. Lange Zeit war "Funkstille" gewesen - und nur aus dem Grunde, dass ihr Vater mit ihrem damaligen Berufswunsch, dem Unfall, dem Aufenthalt in der Rehaklinik und dem Umzug in das kleine Haus nicht klargekommen war. Wie gern hätte er gesehen, wenn sie wieder in ihr altes Zimmer gezogen wäre.

Nun hatten die Eltern sie endlich mal besucht und sie hatten sich ausgesprochen. Ihr Vater hatte sich sogar etwas nützlich am Haus gemacht, hatte einen ganzen Anhänger voller Material aus dem Baumarkt geholt und den Stromlieferanten und das Finanzamt bezahlt. Es sollte kein einmaliges Treffen bleiben; beide nahmen sich vor, sich häufiger zu sehen.

Ich stellte meine Füße wieder unter den Tisch, weil ich vorbeugen musste, um uns noch den Rest Wein einzuschenken.

Ich fühlte, wie Zirola unter dem Tisch nach mir griff und meine Schenkel streichelte. "Schöne Beine", sagte sie, "könnten nur mal rasiert werden". "Nein, nicht heute, sagte ich, "eigentlich bin ich ganz schön müde und geschafft von der Kinder-Reise". "Ja, lass uns ins Bett gehen", sagte sie.

Ich legte mich zuerst hin, während sie noch im Bad war. Den Slip und das Hemd behielt ich vorsichtshalber an - ich wusste ja nicht, welche Schlafgewohnheiten Zirola hatte und welche Schlafbekleidung sie bevorzugte. Das stellte ich gleich fest, als sie ins Bett kam. Sie legte sich auf mich - und ich spürte nicht einen Fetzen Stoff, als meine Hand sie fühlte. "Ich schlafe nackt", sagte sie. "Ich eigentlich auch", antwortete ich, war mir nur ein wenig unsicher, weil ich ja hier zu Besuch bin". Sie lachte und half mir, das Hemd über den Kopf zu streifen und ich zog etwas umständlich den Slip aus. Nun lagen wir Haut auf Haut. Zirola fühlte sich gut an, wie Samt. Vorsichtig erkundete ich ausführlich alle Regionen ihres Körpers. An einigen Stellen war ihre Haut rau und vernarbt von dem Unfall und den folgenden Operationen. Sie schien die streichelnde Hand zu genießen. "Lange her, dass hier jemand geschlafen hat", sagte sie, "und es sind schon einige Wochen vergangen, seit mich meine Freundin besuchte".

Wir versuchten noch ein Gespräch, waren aber sicherlich beide zu müde, schliefen ein. Mitten in der Nacht wurde ich wach, ich hielt sie im Arm. Sie wurde auch wach. "Gute Nacht", sagte sie und drehte sich um "gute Nacht".

Ich drehte mich auch um und hatte viel Platz, eine gute Schlafposition zu finden. Kein Vergleich zu dem engen Bett im Schullandheim. So schlief ich ganz wunderbar und wachte mit dem herrlichen Gefühl auf, dass noch das ganze Wochenende vor mir lag. Samstag sollte es einen zünftigen Ölwechsel in der Blechtrommel geben, darauf freute ich mich schon.

Zirola war schon wach. "Deine Sachen sind noch nicht trocken". Ihre ersten Worte konnten mich nicht verdrießen. "Dann nehme ich etwas von Dir, aber bitte nicht wieder den Mini-Rock; denn ich muss mit dem Motorrad nach Hause fahren".

Das konnte sie verstehen und lachte, verschwand dann kurz und kam mit einer abgewetzten Cordhose und einem Holzfällerhemd zurück. "Ist das besser?" Ich nickte. Die Unterwäsche des gestrigen Abends wollte ich noch einmal verwenden. Schließlich ging es nur um den Nachhauseweg.

"Bis nachher in der Blechtrommel" verabschiedete ich mich von Zirola, die knapp "bis nachher" erwiderte.

Obwohl mein Motorrad sehr nass gewesen war, sprang es sofort an. Ich fuhr recht langsam. Trotzdem flatterte die weit geschnittene Cordhose im Fahrtwind. Gut, dass ich es nicht weit hatte. Zuhause zog ich erst mal wieder meine eigenen Sachen an, das tat gut.

Es klingelte. Ein Paketdienst brachte meine bestellten Sandalen. "Hier unterschreiben bitte!, "danke, schönes Wochenende", "ja, ebenfalls". Ich probierte die Sandalen gleich an. Sie passten tadellos. Meine bemalten Zehennägel sahen richtig gut darin aus. Ich lief ein paar Probeschritte mit beiden Sandalen - sehr bequem.

Es klingelte schon wieder. Mein Nachbar: "komm, wir müssen zur Versammlung der Initiative, beeil dich!"

Ohne nachzudenken nahm ich nur meinen Schlüssel und hastete hinter meinem Nachbarn her. Er guckte etwas verwundert auf meine Füße, sagte aber nichts. Fast alle anderen Mieter waren schon da, als auch wir im kleinen Café eintrafen. Die Versammlung hatte gerade begonnen. Eine etwas freudlos wirkende junge Frau stellte uns vor, was ihrer Meinung nach mit unseren Wohnungen geschehen sollte: Luxus-Sanierung und dann Verkauf als Eigentumswohnungen. Sie schlug vor, Geld zu sammeln und einen Rechtsanwalt mit der Wahrung unserer Mieter-Interessen zu beauftragen. Vielleicht wäre das Vorhaben der Wohnungsgesellschaft noch zu verhindern. Jeder sollte 50 Mark für den Anwalt einzahlen. Alle Anwesenden waren damit einverstanden. Dann wurde noch gewählt. Die Frau, die uns alles vorgestellt hatte, als Vorsitzende, mein Nachbar als Kassenwart und ich als Beisitzer. Zum Schluss verteile sie noch Faltblättchen einer sozialistischen Mieterinitiative.

So, nun noch einen kleinen Wochenendeinkauf erledigen und das Wochenende konnte beginnen. Da ich nicht viel brauchte, ging ich einfach so los, wie ich war - so konnte ich meine neuen Sandalen gleich ein wenig einlaufen. Als ich im Supermarkt vor dem Zeitschriftenregal stand, um die neue Motorradzeitschrift rauszusuchen, kniete fast zu meinen Füßen eine Frau, die auch etwas suchte; Strickmusterzeitschriften schienen nicht mehr zeitgemäß zu sein, die befanden sich nämlich ganz unten. Wie sie da so suchte, guckte sie auf meine Füße. Ihr Blick hellte sich auf, fast ein Lächeln, aber sie sagte nichts. Da wurde mir mit einem Mal klar, dass ich nicht nur in ungewohnter Weise in Sandalen unterwegs war, sondern auch angemalte Zehennägel hatte. Nach einem kleinen Schreck und sicherlich einer kurzen Errötung war es mir auf einmal egal. "Lass die Leute gucken, wenn sie wollen", dachte ich - und es gefiel mit immer besser, so unterwegs zu sein.

Mein Einkauf war schnell erledigt, ich war so früh wieder in der Wohnung, dass ich noch etwas aufräumen konnte. Vorher stellte ich noch eine Maschine mit meiner Wäsche an. Die von Zirola ausgeliehenen Sachen stecke ich mit hinein. Als ich das gröbste aufgeräumt hatte, war die Maschine fertig und ich konnte die Wäsche aufhängen. Reine Routinearbeit - nur bei dem Slip, den Zirola mir ausgeliehen hatte, verweilte ich etwas länger und betrachtete ihn von allen Seiten. "Frauenunterwäsche ist doch wesentlich schöner als die von Männern", dachte ich mir, "schade eigentlich, dass ich mir nicht solche Sachen kaufen kann".

Warum eigentlich nicht?

Weil ich wir in der Blechtrommel etwas trinken wollten, fuhr ich mit dem Fahrrad hin. Die anderen waren fast schon alle da und hatten wohl den selben Gedanken. Die wenigsten waren mit dem Motorrad gekommen, einige waren zu Fuß, andere hatten sich von ihren Frauen mit dem Auto bringen lassen.

Es war ein großes Hallo. Ich musste von meiner Kinderreise erzählen - und Zirola konnte berichten, dass das Motorrad wieder repariert war. Ich fühlte mich zu Zirola hingezogen, wollte aber nicht gleich als Pärchen auftreten. So hielt ich mich in etwas Entfernung zu ihr. Ich strengte mich richtig an, mich auch mit Leuten zu unterhalten, mit denen ich sonst nicht so viel zu tun hatte.

Als ich gerade alleine und ein wenig abseits stand und überlegte, wer der nächste geeignete Gesprächspartner war, kam Zirola zu mir. "Hast Du etwas gegen mich?" fragte sie. "Nein", sagte ich, "warum sollte ich?"

Dann machte Jens den Vorschlag, wir sollten noch zu ihm gehen in seinen Schrebergarten und ein paar Würstchen grillen. Seine Frau hatte schon alles eingekauft. Wir mussten nur noch das "Vereinsbier" mitnehmen, denn Bier hatte seine Frau nicht so viel einkauft, dass es für alle gereicht hätte.

Der Zug setzte sich in Bewegung. Jens hatte seine Frau schon vorgewarnt, sie hatte den Grill angeheizt, sodass wir gleich beginnen konnten.

So verbrachten wir einen vergnüglichen Nachmittag mit Würstchen und Bier. Als es langsam dunkel wurde und auch kälter, machten sich die meisten auf den Heimweg. Auch ich wollte aufbrechen. "Du hast noch Deine Sachen bei mir", sprach Zirola mich an, "wann möchtest Du die holen?"

Ich beschloss, gleich mitzugehen. Falls das Wetter es am nächsten Tag erlaubte, wollte ich eine schöne Sonntagstour machen - und dazu brauchte ich meine Motorradbekleidung.

Ich schob mein Fahrrad und wir gingen zunächst schweigend nebeneinander her. "Ich wollte mich nicht aufdrängen", sagte ich, "ich empfinde eine ganze Menge für Dich, wollte aber nichts kaputtmachen und Dich nicht gleich in Beschlag nehmen und durch zu große Nähe ersticken". Ein Seitenblick zeigte mir, dass sich ihr Gesichtsausdruck entspannte, sah sie doch den Nachmittag über etwas angestrengt und nachdenklich aus. "Mir geht es auch so", sagte sie, "ich empfinde auch ein zärtliches Gefühl, ein Gefühl, das ich kaum erklären kann. Es ist, als würden wir uns schon sehr lange kennen und deshalb so gut verstehen. Ich war sogar fast erschrocken über diese Gefühle, so etwas kannte ich bisher noch nicht".

Ich nahm das Fahrrad an die andere Seite, obwohl ich es mit dem linken Arm nicht so gut dirigieren konnte. Nun war meine rechte Hand frei und ich konnte Zirolas Hand ergreifen. Ihre Hand kam mir entgegen und ergriff meine Hand, so dass ich spürte, dass sie es nicht albern fand. So gingen wir den ganzen Weg dahin, bis wir schließlich ihr Haus erreichten.

"Ich gebe Dir gleich Deine Sachen", sagte sie - und als ich fragend guckte - "oder willst Du noch mit reinkommen?" Ja, ich wollte noch mit reinkommen.

"Morgen werde ich die Fotos entwickeln", sagte sie, "hat Dir unsere Modenschau Spaß gemacht?".

Ja, das hatte sie. "Das sollten wir bei Gelegenheit wiederholen", antwortete ich leise. Tatsächlich hatte ich merkwürdig oft darüber nachgedacht und mich darauf gefreut, einmal wieder dieses Neuland zu betreten.

Wir setzten uns abermals in die Küche. Zahlreiche Kerzen tauchten sie wie schon zuvor in ein angenehmes und inspirierendes Licht. Zirola legte eine Platte auf und erzählte, dass sie einziges Kind ihrer Eltern war, etwas wild und sie spielte meistens mit den Jungs aus ihrer Straße. Sie war hervorragend im Fußballspielen und verstand sich bestens auf das Reparieren von Fahrrädern. Selbst einige Nachbarjungen brachten ihr das Fahrrad, wenn es galt, einen Schlauch zu flicken oder die Kette zu kürzen. Zirola kannte sich damit aus.

So war es kein Wunder, dass sie später lieber zuerst den Motorradführerschein machte und sich ein Motorrad kaufte. Sie sprach auch über den Unfall und darüber, dass sie noch sehr aufpassen musste; die Brüche waren nicht so gut verheilt.

Als wir das Gefühl hatten, müde zu sein, war es draußen stockfinster. Selbst die Straßenbeleuchtung war schon ausgeschaltet worden. "Du kannst ruhig wieder hierbleiben", sagte Zirola - und mit einem Lächeln: "sonst verläufst Du dich noch!"

Das gefiel mir gut. Als ich ins Schlafzimmer kam, sah ich, dass unsere Verkleidungssachen noch auf einem Stuhl lagen. Mir stachen sofort schwarze, halterlose Strümpfe ins Auge, die ich gestern nicht beachtet hatte. Vorsichtig nahm ich sie in die Hand. Ich fühlte mich wie ertappt, als Zirola ins Zimmer kam. Sie war nackt. Schnell ließ ich die Strümpfe wieder auf den Stuhl fallen. "Gefallen sie Dir?" fragte Zirola. "Ja, sehr", war meine Antwort. "Soll ich sie anziehen?" fragte sie.

"Ja, das wäre toll!"

Zirola rollte den ersten Strumpf auf und wollte ihn anziehen, aber ich musste ihr helfen; ihre Beine machten Schwierigkeiten. Meine Hände waren allerdings so rau, dass ich fühlte, als würde ich mich ein wenig in den feinen Maschen festhaken, aber die Strümpfe gingen nicht kaputt. Sie stellte sich vor mich hin. Vorsichtig strich ich mit der Handfläche über ihre bestrumpften Beine. Das fühlte sich abenteuerlich an, knisternd. "Ich will ins Bett", sagte sie, "soll ich die Strümpfe noch etwas anlassen?" Was für eine Frage, "natürlich!".

Ich legte mich aufs Bett und sie hockte sich auf mich. Da das Licht im Flur noch an war, konnte ich den Anblick bewundern. Sie rutschte etwas höher und setzte sich auf meinen Brustkorb. Ich schnupperte an ihr - sie roch wunderschön. Ich zog sie weiter nach oben und kitzelte sie mit der Zunge. Sie rutschte noch weiter nach oben und setzte sich mit ihrer intimsten Stelle direkt auf meinen Mund. Ich schmeckte sie eine ganze Weile, bis sie fast abrupt aufstand. "Mist, ich habe einen Krampf im Bein, Stellungswechsel". Sie legte sich neben mich, drehte sich dann um und ich streichelte ihren Rücken. Ich rutschte immer näher, konnte und wollte meine Erregung nicht mehr verbergen. Vorsichtig drang ich in sie ein, mit ihren Fingern öffnete sie mir die Türe. Sie empfing mich mit einem zärtlichen inneren Muskelspiel, das sich immer mehr steigerte.

Die Erlösung folgte erst spät. Immer und immer wieder probierten wir uns aus.

Erschöpft sanken wir nach einem Gipfel der Lust in die Kissen. Vorsicht zog ich Zirola die Strümpfe aus und legte sie wieder über die Stuhllehne.

Als wir morgens wach wurden und frühstückten, lachte die Sonne zum Fenster hinein, gerade richtig für eine Sonntags-Tour mit dem Motorrad. Als ich mich anzog, sah ich Zirolas Strümpfe über der Stuhllehne hängen und nahm sie gedankenverloren in die Hände. "Zieh doch auch mal an", meinte Zirola, die mir gefolgt war, "aber vorsichtig, die gehen schnell kaputt".

Eigentlich traute ich mich nicht so recht, aber gab mir dann doch einen Ruck. Ihr Lächeln gab mir Mut. Sie zeigte mir, wie ich die Strümpfe erst aufrollen musste und half mir, sie so zurechtzuziehen, dass sie richtig saßen. "Sieht gut aus", sagte Zirola, "wir machen gleich noch ein Foto". Sie holte die Kamera und knipste mich aus verschiedenen Richtungen.

"Ich komme heute nicht mit auf die Tour, ich will lieber die Fotos entwickeln", sagte sie.

Ich zog die Strümpfe vorsichtig wieder aus. Ich war sehr erregt, war es doch auch auf der eigenen Haut ein schönes Gefühl - fast wie das Streicheln eines Frauenbeines in Strümpfen.

Ich zog mich fertig an. Meine Motorradsachen waren nun fast trocken "Der Rest trocknet am Körper, wie gut, dass die Sonne wieder scheint", sagte ich zu Zirola und küsste sie. Mit dem Fahrrad fuhr ich zur Garage, ohne noch in meine Wohnung zu gehen. Den Helm hatte ich an der Maschine gelassen.

Ein Druck auf den Starter - und der Motor sprang an. Ich legte krachend den ersten Gang ein - und setzte mich langsam in Bewegung.

Auf der Bundesstraße konnte ich es ein wenig schneller angehen lassen. Als die Maschine ausreichend warm war, fuhr ich ein kurzes Stück Autobahn, um mal so richtig auf Touren zu kommen. Mein Weg führte mich nach Dänemark. Schon nach wenigen Kilometern verließ ich die Autobahn, um auf kleinen Straßen den Küstenweg zu erreichen - eine schöne und abwechslungsreiche Strecke - immer den Blick auf die Ostsee. Nach einer halben Stunde hatte ich mein Ziel erreicht, ein kleines Fischerdorf. Direkt am Hafen gab es einen Parkplatz und eine Imbissbude, die Kaffee verkaufte - und immer gab es etwas zu sehen. An der Hafenmauer standen einige Angler, die tatsächlich hin und wieder einen Fisch aus dem Wasser zogen.

Nach einer Weile wurde die nahe Klappbrücke geöffnet. Ich beobachtete den Auszug der Boote aus der Bucht. Wie eine riesige Entenfamilie sah es aus; ein großer Segler als Entenmutter vorneweg und viele kleinere Boote, die folgten.

Nach einem Viertelstündchen wurde die Brücke wieder runtergefahren, Signal für mich, aufzubrechen, schließlich musste ich auf meinem Rückweg über diese Brücke fahren.

Unterwegs hielt ich noch bei dem kleinen Bäckerladen, um ein Mohnbrot zu kaufen.

Zirola wartete schon auf mich. Sie hatte einen Kaffee gemacht, so dass wir uns gleich über das Brot hermachten.

Dann zeigte sie mir die Fotos; sie waren echt gelungen. Durch unterschiedliche Papiere und Entwicklungszeiten waren interessante Effekte entstanden.

Eigentlich mochte ich mich auf Fotos nie so recht und ich hatte mich oft entzogen, wenn es um ein Foto von mir ging, aber bei diesen war es anders. "Bleibst Du wieder hier?" fragte Zirola. "Ich weiß nicht, morgen muss ich arbeiten. Es sind zwar nur ein paar Tage bis zu den Sommerferien, aber immerhin, morgen habe ich Spätdienst, muss erst um 9 Uhr arbeiten".

"Dann kannst Du auch hierbleiben", bat Zirola "es ist doch morgen noch genug Zeit, in Deiner Wohnung vorbeizufahren". "OK, dann bleibe ich hier".

Erst einmal musste ich unter die Dusche. Danach setzten wir uns wieder in die Küche und erzählten. Es wurde viel zu spät, wir kamen uns immer näher. Schließlich verzogen wir uns ins Bett und redeten weiter.

Zirola schlief in meinem Arm ein.

Ich wachte am Morgen ganz von allein auf, ein Wecker war nicht nötig. Ich fuhr nach Hause und stellte die Maschine in meiner Garage ab. Ich packte meine Arbeitstasche, steckte die Reisekasse, eine mit einem Gummiband verschlossene Zigarilloschachtel aus Blech, ein und machte mich mit dem Fahrrad auf den Weg zum Kindergarten.

Ein paar Eltern warteten schon; der Kofferinhalt ihres Kindes war nicht vollständig gewesen und nun wollten sie die richtigen Sachen wiederhaben. Wir durchwühlten die Sammelsuriumskiste. Die meisten Sachen fanden sich wieder ein, aber nicht alles. Dafür brachten andere Kinder etwas mit in den Kindergarten, was zwar in den Koffern gewesen war, Ihnen aber nicht gehörte. So fand ein paar Tage ein stetiger Rücktausch statt, bis jeder wirklich alles wieder an Ort und Stelle hatte.

Die Abrechnung der Reise-Handgeldkasse machte keine Probleme. Alle Belege waren in Ordnung und der Kassenstand war auf den Pfennig genau.

Ich saß nun viel mit meiner Kollegin zusammen, mit der ich die Kinderreise gemacht hatte. Wir mussten Fotos zum Entwickeln bringen, die Fotos sortieren und Texte für die Reisetagebücher zuende schreiben, die meine Kollegin vorbereitet hatte; denn die Kinder sollten ihre Mappen zum Abschluss ihrer Kindergartenzeit noch kurz vor den Sommerferien bekommen. Das wollten wir auf einem Verabschiedungs- und Reisenachmittag machen.

Wir waren ganz schön in Eile, so kamen persönliche Gespräche etwas zu kurz. Meine Kollegin war aber ein rechter Augenschmaus. Weil es sehr warm war, trug sie einen kurzen Rock und ein weit ausgeschnittenes T-Shirt. Immer, wenn sie sich hinab beugte, um ein Foto auf die vorbereitete Tagebuchseite zu legen, konnte ich von oben fast bis zu ihrem Bauchnabel sehen, was mich sehr begeisterte. Unsere Blicke trafen sich häufiger. In ihren Blicken lag etwas wehmütiges oder skeptisches.

"Ich habe mich wieder versöhnt mit meinem Freund", sagte sie, als eine ganze Weile Stille zwischen uns geherrscht hatte. "Kurz vor der Kinderreise hatten wir uns getrennt, weil er für zwei Jahre in Ausland gehen wollte und ich keine Möglichkeit sah, mitzugehen. Nun ist aber aus seiner Arbeitsstelle in London nichts geworden und er wird hier bei der Firma weiter beschäftigt. Am Abend meiner Rückkehr stand er mit Blumen vor der Tür!"

Irgendwie wurden wir dann doch rechtzeitig fertig mit unseren Reisetagebüchern. Alle Texte waren fotokopiert, alle Bilder eingeklebt. Wir gestalteten noch Deckblätter aus etwas stärkerem Material und wickelten aus Wollfäden eine Kordel, um die Mappen zusammenzuheften.

Am nächsten Tag war der große Verabschiedungsnachmittag. Alle Eltern und Kinder der Abschlussgruppe waren gekommen. Wir begannen im Garten mit unserem Reiselied. Schön, dass ich meine Gitarre dabei hatte. Sogar die Eltern wurden zum Mitsingen animiert. Dann war Schatzsuche; die Kinder mussten lange suchen, bis sie die Kiste mit den Reisetagebüchern gefunden hatten.

Das Kaffeetrinken mit selbstgebackenen Kuchen war die geeignete Pause, die alle brauchten, denn danach war Sport und Spiel angesagt.

Zum Schluss mussten meine Kollegin und ich kurz nach drinnen gehen, weil die Eltern und Kinder auch für uns einen Schatz verstecken wollten. Es dauerte nicht lange, dann wurden wir gerufen. Auch wir brauchten recht lange und waren auf die Hilfe der Kinder angewiesen, um endlich den Schatz zu finden.

Ein Abschlusslied - gegenseitige Dankesfloskeln - dann war der Verabschiedungsnachmittag überstanden.

Nun nur noch 3 Tage Kindergarten mit ganz wenig Kindern, dafür aber Gruppenräume aufräumen, Spielzeug waschen und desinfizieren, kaputte Sachen reparieren oder wegwerfen. Am letzten Tag gönnten wir uns im Kollegenkreis ein großes Frühstück auf der Terrasse, zu dem unsere Köchin aus ihren Überschüssen eine ganze Menge beisteuerte. Mittags machte die Sektflasche die Runde.

Im ganzen Kindergarten roch es nach Reinigungsmitteln und Frische.

Dann war das Kindergartenjahr tatsächlich beendet. Die Köchin ging schon mittags. Bald darauf wurde meine Reise-Kollegin von ihrem Freund abgeholt. Auch ich machte mich fertig und radelte nach Hause.

Nach Hause? Was war mein Zuhause? Die letzten Tage hätte ich das kaum beantworten können, denn meistens war ich bei Zirola.

Trotzdem vermisste ich einige Sachen aus meiner Wohnung. Bis Montag blieb ich erst einmal dort. Ich schlief in dem guten Glauben, ein paar Ferientage ausschlafen zu können, doch daraus wurde nichts. Am Montag wurde recht früh Sturm bei mir geklingelt. Es war ein Beauftragter der Wohnungsbaugesellschaft. Er machte noch einmal Druck, die Sanierung der Wohnungen sollte alsbald geschehen. Der Anwalt unserer Initiative hatte bisher nichts erreichen können - und einen teuren Klageweg wollten wir nicht unbedingt beschreiten, das hatten wir auf einer erneuten, spontan einberufenen Mieterversammlung festgelegt. Ich fertigte den Mann an der Tür ab und machte mir Frühstück. Dann radelte ich zu Zirola. Ich erzählte ihr von meinen Wohnungsproblemen.

"Du kannst bei mir einziehen", sagte sie darauf, "ich muss mir sowieso einen Mitbewohner oder eine Mitbewohnerin suchen, um das Haus dauerhaft halten zu können, allein schaffe ich die Finanzierung nicht."

Ich erzählte ihr, wie viel ich für meine Wohnung zahlen musste. Ihr war sogar damit geholfen, wenn ich etwas weniger zahlen würde. So beschlossen wir, dass ich bei ihr einziehen sollte und legten einen Preis für Miete und Nebenkosten fest. Der Umzug konnte noch in den Ferien stattfinden. Die Wohnungsgesellschaft hatte den Mietern, die kündigen wollten, eine "Umzugspauschale" angeboten und die eigentlich beim Auszug vorgesehene Renovierung konnte man sich auch sparen.

Das Geld wollten wir für den Umzug und die Renovierung einiger Räume in Zirolas Haus nutzen.

Der Umzug war rasch erledigt. Ein Kumpel von mir hatte einen alten VW-Bus, der musste als Umzugslaster herhalten. Wir waren froh, dass wir nicht so viel transportieren mussten, denn die Lichtmaschine war nicht in Ordnung, sodass die Batterie bei jeder 3. Fahrt erst einmal für eine Stunde an das Ladegerät musste. Auch konnten wir nicht mit Licht fahren. Wir waren froh, dass das Wetter einigermaßen war, so konnten wir auch auf den Scheibenwischer verzichten, gut für die Batterie. Da das Tragen der schweren Lasten auf mehrere Schultern verteilt war, fand ich den Umzug nicht einmal besonders anstrengend, eher lustig, legten wir doch zwischendurch immer mal wieder eine Pause ein oder jemand hatte einen Grund, sich über irgendetwas lustig zu machen. Als meine Kumpel allerdings mein Sofa mitten auf die Straße stellten und sie sich darauf setzten um zu frühstücken, war ich nicht so begeistert. Zwar war die Straße nur wenig befahren, aber ich wollte meinen Einzug doch nicht mit einem Unfall oder einer gefährlichen Situation belasten. Ich trieb zur Eile an. Wir frühstückten später auf den Umzugskisten. Als wir die meisten und größten Sachen transportiert hatten und ich meine Kumpel und den VW-Bus entlassen konnte, war ich froh.

Danach mussten wir allerdings an zwei Wochenenden kräftig eine Runde ausgeben, einmal, weil wir zusammenzogen, also ein "Paar" wurden, und einmal wegen der Umzugshilfe. Das zweite Ausgeben war natürlich wesentlich ausführlicher, es gab nicht nur Bier satt, sondern auch ein zünftiges Grillen in unserem Garten.

Wir hatten noch einige Tage Zeit, uns an die neue Wohnsituation zu gewöhnen, erst dann ging es mit dem Kindergarten wieder los. Wir fühlten uns wohl sehr sicher in unserer kleinen "Höhle". So gingen wir oft unserem neuen Verkleidungshobby nach, das bald immer mehr von mir gewünscht und gefordert wurde. Zirola zeigte mir viele verschiedene Möglichkeiten, wie ich mich anziehen und schminken konnte. Viele Fotos machten wir davon, sodass man die "Fortschritte" gut nachvollziehen konnte. Ich fühlte mich nach einiger Zeit äußerst wohl in Frauenkleidern, sodass ich nicht nur manchmal, sondern fast immer den ganzen Tag in einem schönen Rock verbrachte. Langsam bekam ich sogar Lust, mir selbst etwas zu kaufen. Zwar stand mir Zirolas Kleiderschrank zur Verfügung und sie ermunterte mich stets, alles auszuprobieren, was mir Spaß machte, aber wir hatten nicht ganz dieselbe Größe. Auch entwickelte ich durch das Anschauen von Katalogen und Frauenzeitschriften einen eigenen Geschmack, dem ich Rechnung tragen wollte.

Wir beschlossen, einen der verbliebenen Urlaubstage für eine Shopping-Tour zu nutzen. Ich wollte eigentlich ganz weit weg fahren und nicht in der Nähe einkaufen, wo man immer Eltern und Kinder aus dem Kindergarten traf.

"Was ist, wenn wir tatsächlich jemanden treffen?", dachte ich zunächst, doch dann sah ich ein, dass das Quatsch war. "Entweder - oder".

Naja, wir machten dann einen Kompromiss und fuhren nach Kiel. In der Nähe des Bahnhofs befanden sich viele Geschäfte und Kaufhäuser. Ich wollte mir einen eigenen Rock kaufen, so einen wie ich neulich bei der Freundin eines Kumpels gesehen hatte. Wir gingen in ein Kaufhaus und gelangten in die Abteilung, die einige sehr geschmackvolle Modelle bereit hielt, zwar nicht billig, aber schön.

Eine Verkäuferin hatte uns entdeckt: "Kann ich helfen?" "Ja gern, wir hätten gern einen Sommer-Rock", antwortete ich, "und zwar den hier!". Ich hatte schon vorher einen Rock ausfindig gemacht, der mir gefiel und von der Größe passen musste. "Der wird Ihrer Frau zu groß sein", meinte die Verkäuferin ein wenig entrüstet, "sie hat doch höchstens 38". "Nein", sagte ich nur, "der Rock ist für mich. Die Größe kommt hin; wir haben schon einen in derselben Größe". Sie bot mir nicht an, ihn anzuprobieren - und als wir mit ihr zur Kasse gingen, war sie ein wenig schnippisch und tuschelte etwas mit ihrer Kollegin, die die Ware den Kunden in die Tüte packte und ihnen aushändigte. Ganz stolz trug ich meine erste Errungenschaft in der linken Hand; meine rechte suchte Zirola, die mir mit ihrer zarten Hand entgegenkam.

Da das Wetter ganz hervorragend war, machten wir einen Bummel an der Förde, setzten und auf eine Bank und aßen ein Eis. Kleine Dampfer überquerten mit wieselflinker Geschwindigkeit die Förde und spuckten an den Anlegestellen überraschend viele Leute aus. Ganz in der Ferne war eine riesige Fähre zu sehen, die bestimmt aus Dänemark oder Schweden kam. Ein Anflug von Fernweh überkam mich, dann dachte ich wieder an meine Neuerwerbung. Gerade als ich überlegte, ob ich nicht auch einmal in einer fremden Umgebung einen Rock in der Öffentlichkeit anziehen sollte, hörte ich lautes Rufen: "hallo, hallo Peter". Eine Familie aus dem Kindergarten hatte auch einen Ausflug nach Kiel gemacht. "Und was habt ihr gekauft?" fragte mich die Mutter der beiden Kinder. "Einen Rock", gab ich zur Antwort, "einen leichten Sommer-Rock". "Und für Dich nichts?"

Darauf sagte ich nichts, hatte ja schließlich mit meinem Eis zu tun. "Wir wollen noch mit dem Dampfer fahren", sagte sie schließlich, "kommt ihr mit?"

Nein, wir wollten den nächsten Zug zurück nehmen. Als wir vor der Ostseehalle standen und in Richtung auf den Hafen blickten, sahen wir inmitten der Häuserzeile die hohen Aufbauten einer auslaufenden Fähre. Sonderbar, wie sich Häuser und die Aufbauten der Fähre vermischten.

Wir sprachen oft darüber, woher unsere Leidenschaften wohl stammten, sich manchmal oder sogar öfter - betont Kleidung des anderen Geschlechtes anzuziehen, konnten aber natürlich nur Vermutungen anstellen. Bei mir hatte sich diese Leidenschaft ja erst in den letzten Wochen so richtig entwickelt, als hätte man in mir etwas angestoßen wie ein erstes Steinchen einer aufgestellten Dominoreihe, das immer mehr Steinchen in Bewegung setzt. Zirola hatte mir mal ein Geheimnis aus der Hand gelesen; war das DAS Geheimnis?

Und wie war es bei Zirola? Zog sie sich nur aus praktischen Erwägungen heraus oft Männer- und Arbeitskleidung an?

Sie war das einzige Kind; hatten sich die Eltern insgeheim einen Jungen und Stammhalter gewünscht? Sie hielt sich, als sie älter war, oft ungefragt und ungebeten in der Kellerwerkstatt ihres Vaters auf. So war sie froh, dass er viel unterwegs war und von ihrem Tun nur wenig mitbekam. Ihre Mutter war eine perfekte Hausfrau und freute sich, wenn sie sich ungestört der Hausarbeit widmen konnte und Zirola sich selbst beschäftigte. Diese eignete sich viele handwerkliche Fähigkeiten an. Was sie nicht wusste, lernte sie von ihrem Opa, der ihr später sogar das Schweißen beibrachte. "Du bist wohl doch ein Junge", grummelte er oft in seinen Bart, aber ein guter Kerl!"


Bei mir war es dagegen so, dass ich mit 2 jüngeren Schwestern aufwuchs. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass mein Vater wie die anderen Väter auch als männliche Bezugsperson kaum zuhause war, und wenn, an Haus und Hof arbeitete. Meine Berührungspunkte hatte ich mehr mit meiner Oma, meiner Mutter und meinen Schwestern. Die Rolle der Mädchen gefiel mir wesentlich besser als meine eigene. Hatten sie doch eine innige Gemeinschaft - mit meiner Mutter und auch ohne sie waren sie doch eine eigene Gruppe, die zusammenhielt, und eine Gemeinsamkeit erlebte, die nur Frauen erleben können. Fasziniert war ich schon in jungen Jahren von weiblichen Anziehsachen, obwohl es damals in den frühen 60er Jahren noch nicht so viel Aufregendes gab. Aber immerhin, wenn ich die "Seidenstrümpfe" meiner Mutter sah, wie sie über der Stuhllehne hingen, oder Unterwäsche mit Haken und Ösen, wurde mir schon ganz kribbelig. So etwas Schönes mal auf der Haut tragen! Aber ich traute mich natürlich nicht. Ich freute mich jedoch immer auf das Erscheinen der neuen Versandhauskataloge. Zwar habe ich auch die Seiten mit Spielzeug angesehen und war begeistert von den neu aufkommenden Kofferradios, aber wenn keiner zusah, blätterte ich immer zu den Seiten mit Damenunterwäsche. Mich sprachen besonders die etwas runderen Frauen an, die in Hochglanz dort abgebildet waren. Oft stellte ich mir vor, wie es wohl wäre, so ein Mieder oder einen Ganzteiler zu tragen. Aus Mangel an Gelegenheit hat sich das aber nie ergeben. Wir lernten in der Schule das Lied "Die Gedanken sind frei", und dabei blieb es. Die Gedanken waren aber nur frei in mir selbst. Ich hatte niemanden, mit dem ich über die Gedanken und Wünsche sprechen konnte.

Sehr schön fand ich nicht nur die Seiten mit der Damenunterwäsche, sondern auch die realen Stoffproben auf den Hauswirtschaftsseiten. Ich stellte mir gern vor, wie es wäre, zu nähen, zu kochen und Kinder aufzuziehen.

Meine Oma konnte aus alten Dingen immer noch etwas zaubern und mich damit beschäftigen. Aus alten Zeitungen schnitt sie Figuren, die auseinandergefaltet eine Reihe von Menschen ergaben, die sich anfassten, faltete mit mir einen Hut oder ein Schiff. Manchmal durfte ich auch in ihrer Knopfkiste wühlen und einen großen Knopf suchen. Dann gab sie mir einen Wollfaden, damit ich einen "Singknopf" hatte. Der Faden wurde durch zwei gegenüberliegende Löcher gezogen und dann verknotet. Dann schob man den Knopf in die Mitte und schleuderte ihn ein wenig, sodass sich der Faden ein paar Umdrehungen aufwickelte. Wenn nun vorsichtig und rhythmisch abwechseln an der linken oder rechten Seite gezogen wurde, dann drehte sich der Knopf zuerst in die eine Richtung, dann in die andere. Wenn man die Frequenz vorsichtig steigerte, drehte sich der Knopf immer schneller und brummte oder sang.

Manchmal setzte sich meine Oma an die alte gusseiserne Nähmaschine mit dem großen Fußpedal, das man langsam aber kräftig betätigen musste, um die Maschinerie in Bewegung zu setzen. Mir erschien es wie Zauberei, wenn sie etwas nähte. Das hätte ich auch gern gekonnt. Sie schenkte mir eine leere hölzerne Garnrolle, in die ich ganz vorsichtig oben 4 kleine Nägel schlug. Sie zeigte mir, wie man damit stricken oder häkeln konnte. Nachdem alles richtig eingefädelt war, musste man nur mit einer Häkelnadel den Faden über den Nagel heben, neuen Faden mit der Hand führen und dann ein Stück weiter drehen, dann war der nächste Nagel dran. Daraus entstanden keine Kunstwerke, sondern lange "Würste" aus geflochtenem Wollfaden, der für mancherlei Zwecke zu gebrauchen war.

Wenn wir mal zusammen spielten, meine Schwestern und ich, dann habe durchaus mal die weibliche Rolle gespielt. Wenn wir draußen Höhlen bauten, war ich meistens nicht der Verteidiger gegen die wilden Tiere, sondern eher einer, der die Höhle gemütlich ausstattete.

Mit Vergnügen habe ich mich auch um meine jüngste Schwester, eine Nachzüglerin gekümmert. Auch die Küche hat mich immer besonders angesprochen. Es war sehr schön, wenn wir mal etwas selbst ausprobieren durften; da war meine Mutter sehr kulant. Wir mussten nur die Küche so hinterlassen, wie wir sie vorgefunden hatten - und das war meistens tip top.

In der Schulzeit verschob sich alles nur sehr wenig in Richtung Männlichkeit. Zwar habe ich mich nur selten, aber nie gerne mit anderen Jungs gekloppt und der Sportunterricht in der stinkigen Halle mit den anderen Jungen war mir ein Greul, war ich doch weder besonders gelenkig, noch so leistungsorientiert, dass ich bei den Spielen gut zu gebrauchen war. Ich konnte mich nie so richtig aufregen, wenn mal einer den Ball verschoss, oder es mir passierte.

Eigentlich war ich nur ein sehr guter Langstreckenläufer und ein passabler Volleyballspieler. Trotzdem habe ich fast jede Sportstunde gehasst und war froh, wenn sie beendet war. Ein fähiger Pädagoge hätte mir sicherlich etwas mehr Spaß vermitteln können. Dieser Spaß kam mir dann erst später auf einer weiterführenden Schule, auf der man seine Sportkurse selbst auswählen konnte.

In meiner Freizeit habe ich viel gelesen. Tom Sawyer und Kapitän Forester wurden meine Freunde. Die kleine Bücherei in einem Nachbarort entwickelte sich zum Quell für meine späteren eigenen Fantasien.

Dabei gab es jedenfalls einige Bereiche der neuen "Männlichkeit", die mich durchaus zu erfreuen begannen. Wir hatten an der Schule Segelboote und ich konnte das Segeln erlernen. Unvergleichlich dieses Gefühl, nur vom Wind angetrieben selbst beachtliche Strecken überwinden zu können. Leider durfte man nur an der "AG Bootsbau" teilnehmen, wenn man mindestens den Freischwimmer hatte. So lernte ich mehr schlecht als recht Schwimmen. Ich kann mich noch an den Tag erinnern, an dem ich mein Freischwimmerzeugnis bekommen sollte. Wie ein zappelnder Frosch überstand ich die vorgesehene Zeit, die sogar für das Fahrtenschwimmen reichte. Zwischendurch musste ich mit den Wellen kämpfen, denn alle 10 Minuten wurde die Wellenanlage eingeschaltet, damit die Gäste in den Wellen ihren Spaß hatten. Mir verging der Spaß dabei, schluckte ich doch viel von dem salzigen Wasser.

Zum Abschluss sollte ich noch einen "Köpper" machen, weil es das eigentlich für das Fahrtenschwimmerzeugnis erforderliche 3-Meter-Brett in dem Schwimmbad nicht gab.

Ich tat mich schwer mit dem Köpper, wollte schon springen, dann wieder doch nicht, "nun aber", schimpfte der aufsichtführende Bademeister, "ich habe heute noch mehr zu tun!". Dann packte er mich und schubste mich ins Wasser. Die Fluten schlugen brodelnd über mir zusammen. Prustend tauchte ich irgendwie wieder auf. Weil ich keinen Köpper gemacht hatte, bekam ich nur den Freischwimmer.

Neben dem Segeln machte mir auch das Angeln große Freude. Weiterhin lernte ich einige Methoden der Fischerei, die heutzutage wohl sicherlich in Vergessenheit geraten sind. So fing ich damals in Ofenrohren und Autoreifen Aale, die ich zwar nicht gern selbst gegessen habe, aber meiner Mutter schenkte, die sie gerne mochte. Es ging mir sicherlich auch mehr um das Umsetzen der Abenteuer, die ich aus den Büchern oder Erzählungen älterer Leute kannte. Mit Geduld, mit List und etwas Können erfolgreich zu sein, hat mich sehr begeistert. Ich hatte sogar ein eigenes Boot, ein altes Ruderboot aus Holz. Es hatte zwar schon die Vorkehrungen, um auch damit zu segeln, was wirklich mein Traum gewesen war, aber mir gelang es nicht, ein passendes Segel dafür aufzutreiben.

Mein Vater hatte auch ein Boot, ein etwa 9 Meter langes umgebautes rostiges Rettungsboot aus Eisen. Wir mussten alle mithelfen, um dieses Boot flott zu halten. Im Frühsommer waren immer umfangreiche Reparatur- und Überholungsarbeiten angesagt. Selbst im Sommer kam es manchmal zu überaschenden Arbeiten, wenn wieder mal eine Niete gesprungen war oder sonst etwas nicht funktionierte. Trotzdem war das Boot sehr wichtig für meinen Vater, man kann sagen, es war sein "Ein und Alles". Um die hineingesteckte Arbeit auch wieder reinzuholen, waren wir an den Wochenenden oft mit dem Boot unterwegs, manchmal einfach so durch Wattenmeer oder Nordsee, manchmal zum Makrelenangeln und manchmal nach Dänemark, wo wir in einem kleinen Hafen anlegten. Das freute uns jedesmal, gab es hier doch Wassereis und andere Köstlichkeiten. Oft wäre ich aber gern zuhause geblieben, um mit meinem eigenen kleinen Boot zu rudern oder einfach nur mit Freunden rumzuhängen.

"Das habe ich ähnlich erlebt", warf Zirola ein, "mein Vater hatte einen Wohnwagen, mit dem wir verreist sind. Da hätte auch keiner auf die Idee kommen dürfen, etwas anderes zu wollen. Als uns einmal ein Lieferwagen auf der Autobahn hinten aufgefahren ist und der Wohnwagen für den Urlaub nicht zu gebrauchen war, ging es meinem Vater richtig schlecht. Wir sind dann zwar noch zu seinem Bruder aufs Land gefahren, wohnten in einer Ferienwohnung und ich konnte reiten und mit den anderen Kindern spielen, aber meinem Vater ging es erst wieder besser, als der Wohnwagen frisch repariert und lackiert bei uns vor dem Haus stand".

An ein ähnliches Drama konnte ich mich auch erinnern. Das Eisenboot war wieder einmal undicht. Unterhalb der Wasserlinie war eine Niete gesprungen oder aus einem anderen Grund eine Undichtigkeit entstanden. Das Boot wurde an Land gebracht, um es zu reparieren. Ich musste mit einem großen Hammer unter das Boot kriechen und an einer Stelle gegenhalten, während mein Vater von oben mit einem anderen Hammer auf die Niete schlug. Es klappte aber nicht. Vielleicht reichte meine Kraft nicht aus, vielleicht war es auch eine untaugliche Methode, die Reparatur so durchzuführen.

"Warum habt ihr nicht geschweißt?" fragte Zirola.

Das kann ich bis heute nicht nachvollziehen. Jedenfalls wurde mein Vater richtig wütend, weil es nicht so klappte, wie er es sich vorgestellt hatte. Schließlich ging er zu den Werftarbeitern, die in der Nähe zugange waren, ein altes Muschelfischerboot abzuwracken - und er beauftragte die Leute, sein Boot auch zu verschrotten. Mich machte er dafür verantwortlich, jedenfalls kam es bei mir so an. Ich wurde dafür verantwortlich gemacht, dass er sein liebstes Spielzeug aufgeben musste.

"Dabei hätte es doch sicherlich viele andere Möglichkeiten gegeben", meinte Zirola, "einfach eine neue Blechplatte draufschweißen hätte doch bestimmt gut gehalten".

Das war auch meine Meinung, aber mein Vater hatte damals den Entschluss umgesetzt, ohne noch einmal darüber zu sprechen. Ja, überhaupt war das Sprechen, das Austauschen von Gedanken, Gefühlen und Empfindungen sehr schlecht entwickelt. Irgendwie sind wir so aufgewachsen, meine Schwestern und ich, dass wir uns sehr zurückhalten mussten, möglichst keine Probleme ansprechen durften, um meinen Vater bei Laune zu halten.

"Bei mir war es mit meiner Mutter erheblich schwieriger", meinte daraufhin Zirola, "als sie merkte, dass ich doch nicht so ein richtiges Mädchen war und schlecht in ihre Puppenstubenwunschfamilie passte, haben wir uns zwar manchmal lautstark gezofft, aber ich habe meine Kreise nicht nur abgesteckt, sondern geschickt und kraftvoll verteidigt und möglichst vergrößert. Irgendwie hat sie es dann aufgeben, mich ändern zu wollen, aber sie hat sich noch lange im Kreis ihrer Freundinnen für "so eine Tochter" geschämt. Erst später haben wir uns wieder angenähert.

Mit meinem Vater habe ich mich meistens ganz gut verstanden, wenn er denn mal da war. Bis auf seinen Wohnwagenfimmel damals ging es ganz gut". Zirola lachte. "Erst als ich Dachdecker werden wollte, hatten wir handfeste Auseinandersetzungen. Als er sah, dass ich meinen Weg auch ohne seine Ratschläge und seine insgeheimen Planungen machen wollte, zog er sich zurück. Ganz schlimm wurde es, als ich nach meinem Unfall nicht wieder in mein Mädchenzimmer einziehen wollte und ich für mich als Beweis, dass meine Kraft, meine Wünsche und Planungen nicht durch den Unfall verschüttet und verletzt wurden, die Reise mit dem Motorrad machte. Er hielt mich für vollkommen übergeschnappt, konnte mich nicht verstehen. In dieser Zeit war es meine Mutter, die jedenfalls mit mir sprach, wenn ich anrief.

"Und bei Dir, Sommer auf Sylt muss doch toll sein?"

"Im Sommer vergrößerte sich der Kreis der Spielkameraden beträchtlich. Die Insel war voller Urlauber, von denen die meisten auch Kinder hatten. Mit denen sind wir praktisch aufgewachsen, nur das wir sie nicht ständig, sondern jedes Jahr so drei bis vier Wochen gesehen haben. Tagsüber waren die Gäste am Strand. Abends trafen wir uns aber zum Spiel in den Laufgräben und am Strand. Als wir im jugendlichen Alter waren, haben wir dann Strandfeten gefeiert. Toll war auch, dass einer der Gäste seinem Sohn bei uns im Ort ein altes Moped kaufte. Es war eine "Göbel'" mit Sachs-Motor. Mit dem Ding sind wir immer unten am Watt entang gefahren. Immer wieder holten wir Zweitakter-Gemisch, um ein paar Runden fahren zu können".

Im Winter waren die meisten Außenaktivitäten natürlich nicht möglich.

Mit 16 machte ich den Mopedschein, hatte extra für die Prüfung freibekommen. "Komm ja nicht ohne Führerschein zurück", rief mir mein Klassenlehrer hinterher, als ich mich aus dem Unterricht verabschiedete. Leider kam ich doch ohne Führerschein zurück - und alle lachten. Vor der eigentlichen Prüfung musste man einen Sehtest bestehen. Vorher hatte ich mich nie darum gekümmert, hatte ich immer das Gefühl, gut zu sehen. Ich konnte alles an der Tafel lesen, Bücher machten mir keine Probleme - selbst das Fernsehen erlebte ich mit Genuss.

Nun saß ich vor dem grauen, hammerschlaglackierten Gerät. "Gucken Sie mal da rein und lesen Sie die Buchstaben und Zahlen vor!"

Ich begann zügig, erste Reihe, zweite Reihe und dann... "Nun lesen Sie schon unten die kleinsten Zahlen". Der Prüfer hielt schon seinen Stift und wollte bei "Sehtest ibestanden" sein Kreuzchen machen, aber mir blieb nur die Antwort "welche Zahlen und Buchstaben?"

Damit war der Sehtest nicht bestanden und ich durfte deshalb nicht an der eigentlichen Prüfung teilnehmen.

Nicht nur, dass ich mit der Schmach wieder in de Schule kam - ich musste zum Augenarzt und mir eine Brille verpassen lassen. Ich kann mich noch heute an das schwarze "Heino-Modell" erinnern.

Mit dieser geeigneten Sehhilfe, die ich beim Führen eines Fahrzeugs immer tragen musste, bestand ich die Führerscheinprüfung mühelos und wunderte mich, was alles so zu sehen war.

Ein Moped, eine Zündapp hatte ich schon längere Zeit vorher gekauft und war ganz heiß auf die erste offizielle Ausfahrt. Ich hatte schon fleißig daran herumgebaut. Ein Nachbar, schon weit über siebzig Jahre alt, hatte ein ähnliches Modell. Wir freundeten uns an und haben so manche Reparatur oder Wartungsaufgabe gemeinsam gelöst. Vorher oder hinterher saßen wir noch bei einem Kaffee zusammen und er erzählte aus alten Zeiten. Auch wenn er die Schrecken des Krieges erlebt hatte, so hatte er sich doch sein Leben auch in dieser schwierigen Zeit recht gut einrichten können und sicherte seiner Familie durch Jagen und Fischen das Überleben.

Wenn es in der Garage zu kalt war, dann habe ich in meinem Zimmer gelesen, Musik gehört, oder gebastelt. Wie schön, dass ich bald mit dem Lötkolben umgehen konnte. Ein selbst gebautes Radio ist etwas ganz besonderes, selbst wenn man die selben Sender hört wie mit der üblichen, im Wohnzimmer stehenden Musiktruhe. Und überhaupt: man hört Sender (mit Kopfhörer), die man sonst nie hören würde.

Eine Gitarre mit Tonabnehmern und ein Verstärker aus einem alten, umgebauten Radio machten aus mir keinen Gitarren-Helden, nicht mal in eine Band schaffte ich es, aber wie fast alle Jugendlichen schrammelte ich ein paar Akkorde zu meinen Lieblingsplatten oder zu den Sachen die ich mit meinem Tonbandgerät aufgenommen hatte. Es gab sehr wenige Sendungen mit den Songs, die wir liebten, höchstens eine Stunde am Tag. Auch Platten waren rar, fast ein Heiligtum. Eine Single, die 5 Mark kostete, bekam man in der Regel von seinen Geburtstagsgästen, für eine Langspielplatte musste man rund 20 Mark zusammensparen. Als wir einige Platten zusammen hatten, kamen wir auf die Idee, einen "Schwarzsender" zu bauen, war es doch die Zeit der Piratensender, die von Schiffen betrieben wurden und uns mit einem Programm erfreuten, das wir vom herkömmlichen Radio nicht kannten. Ein UKW-Sender war schnell zusammengelötet. Wir überlegten auch immer, welche Programmzeiten wir bestreiten konnten, ohne uns zu wiederholen. Unsere Plattensammlung war nicht so besonders umfangreich, aber immerhin, wenn man auch noch einige Stücke vom Tonband nahm, dann kam man auf eine gute Zeit. Leider hatte ich keine Zuhörer. So nutzte ich den Sender überwiegend, wenn ich zur Gartenarbeit verdonnert war und dabei eigene Musik hören wollte. Oben in meinem Zimmer spielte ein Plattenwechsler die Platten, die sich nacheinander von dem Stapel lösten, den ich vorher auf der Achse aufgetürmt hatte.

Zu einigen Mädchen hatte ich ein freundschaftliches Verhältnis, zwar auch ein sexuelles Verlangen, aber wohl nicht die richtige Vorgehensweise, ein Mädchen näher kennenzulernen, denn es ergab sich nichts, sodass ich wie die meisten Jungen, auf "Handbetrieb" angewiesen war.

Eine Tante bezahlte für meine Schwestern und mich einige Tanzschulkurse, die ich allerdings recht blöd fand. Mir fehlte die rasche Auffassungsgabe, die Anweisungen der Tanzlehrer in die richtigen Schritte umzusetzen. Es war auch kein Mädchen dabei, das so richtig gerne mit mir tanzte. Außerdem sollten die Männer führen - die Frauen folgen - auch das konnte ich nicht so richtig umsetzen. So wurde mir - und das lag auch an mir selbst - der Besuch der Tanzschule richtig verleidet und ich war froh, als er endlich beendet war. Ich wollte schon vorher aufhören, aber das durfte ich meiner Tante nicht zumuten, die schließlich so viel für die Kurse bezahlt hatte. Irgendwie passte ich in keine Gruppe so recht. Einige Jungen tanzten sehr gut und mit großen Spaß, andere waren so "rebellisch", ihren Eltern zu sagen: "da gehe ich nicht hin!" - und das auch durchsetzten.

Das Verhältnis zu meinem Vater wurde für eine gewisse Weile etwas besser, wohl auch, weil er einerseits etwas mehr Zeit hatte, andererseits auch mehr mit mir anzufangen wusste. So durfte ich ihn bei Renovierungs- und Erneuerungsarbeiten am Haus immer unterstützen, sozusagen als helfende Hand, kaum in selbstverantwortlicher Weise. Immerhin bekam ich manchmal ein lobendes Wort und ne Flasche Bier. Lobende Worte waren aber selten; meistens konnte ich die Arbeitsnormen nicht erfüllen, oder glaubte ich nur, dass ich Quell für seine Unzufriedenheit und Schweigsamkeit war?

Sehnsüchtig erwarteten wir jeden Samstag den "Beatclub". Die Musiker wurden mit der Zeit immer mutiger, neue Stilrichtungen auszuprobieren; die Hippies zeigten uns andere Lebens- und Ausdrucksformen. Lange Haare wurden auch bei uns auf dem Land gern getragen, wobei in unserer Familie immer die Notbremse gezogen, also rechtzeitig zum Frisör geschickt wurde. Ja, wir hörten noch in einem gewissen Maß auf unsere Eltern.

Mir gefiel die Zeit, mir gefiel die Flower-Power-Bewegung, mir gefielen die Blumen, mir gefielen die Gedanken und Protestaktionen gegen den Krieg. Der Krieg? Immer wieder die selben Nachrichten und Hintergründe in den Politiksendungen. Keine Bewegung, nur Stillstand, dabei viele Tote und Verletzte, die ähnlich emotionslos verlesen wurden wie die Wasserstandsmeldungen. Wir knatterten mit den Mopeds über die Insel und waren froh, dass wir nicht mehr auf den nur selten fahrenden Bus angewiesen waren, schließlich wollten wir auch mal abends ins Kino. Besonders begeistert waren wir von "Easy Rider".

Obwohl ich den Kriegsdienst verweigern wollte, musste ich zur Musterung und zu einer Verwendungsprüfung fahren. Es gab vom Bund nicht nur Fahrgeld, sondern auch eine kleine Tagesentschädigung. Von der kaufte ich mir in der kieler Innenstadt eine Langspielplatte, nein, es war nicht eine simple Langspielplatte, sondern das Woodstock-Album, bestehend aus 3 Platten.

Mir gefiel die Musik und mir gefiel die Lebensform der Hippies immer mehr.

Einige meiner Motorradkumpel hatten wesentlich längere Haare als ich und ein für Erwachsene doch eher erschreckendes Aussehen. Meine Oma, die mit im Haus lebte, nahm das mit Humor, Hauptsache, die Leute grüßten und hatten Zeit für einen kleinen Schnack.

Überhaupt war sie froh, wenn sich manchmal Kontakte ergaben, wohnte sie doch in einem Spannungsfeld mit meinen Eltern. Da sie von ihnen nicht immer besonders viel freundliche Zuwendung erfuhr, sog sie natürlich alles auf, was von außen kam. Ich stand oft zwischen ihr und meinen Eltern. Eigentlich mochte ich sie sehr und wir unterhielten uns oft.

Einige Accessoires der Hippiezeit schwappten auch in unsere kleinen Dörfer. Auf unserer Ferieninsel war vieles erhältlich, was es sonst wohl nur auf der großen weiten Welt gab. Mich begeisterten Holzsandalen, wie ich sie auch in einem Bericht über Leute aus San Franzisko gesehen hatte. Außerdem gefiel mir eine Tasche mit einem breiten Griff aus Holz und geblümtem Stoff, die ich nach den Ferien als Schultasche nahm.

Ganz so frei waren die Leute bei uns allerdings nicht; Freiheit, die in einem nahen Umkreis gelebt wurde, konnte man belächeln, Freiheit war für die meisten Leute wohl nur etwas für das Fernsehen, für weiter entfernte Menschen. Auch ich wurde belächelt mit meinen Holzsandalen, die ich barfuß trug und meiner Blumentasche.

Die Zeiten wurden härter, außen und innen.

Es regten sich massiver Protest und Gewalt gegen den Krieg, es regte sich Protest gegen die verstaubte Politik unserer Republik. In Berlin gab es Tumulte. Wir hörten in den Nachrichten von Verletzten und sogar einem Toten. Man begann zu diskutieren, sich eine Meinung zu bilden. Besonders wichtig war natürlich, dass sich diese von der Meinung der Eltern unterschied. Ein Freund nahm mich mit zu einer Veranstaltung der Jungsozialisten. Als ich wieder zuhause war, hatte der Postbote inzwischen "Goats Head Soup" von den Rolling Stones gebracht, die ich bei einem Versand bestellt hatte. Ich ging gleich in mein Zimmer, um mir meine Neuerwerbung anzuhören.

Meine Sommersandalen verschwanden, die Blumentasche wurde durch eine andere ersetzt. Ich machte die Führerscheine für Auto und Motorrad, trug eine feste Lederjacke und Jeans, auch wenn ich nicht mit dem Motorrad unterwegs war.

Das Klima wurde rauer, auch bei uns zuhause. Die Schwierigkeiten häuften sich. In der ersten Sitzung war meine Kriegsdienstverweigerung nicht anerkannt worden. Mit der Schule war ich fertig. Ich jobbte. Trotzdem war es meinem Vater nicht genug, er hielt mich wohl für einen Faulenzer. Wir konnten nicht miteinander reden - meine Eltern miteinander auch nicht - warum nicht? Ich kam mir vor als würde ich mich in schmutzig grauem Nebel bewegen, keiner redete miteinander, sondern über den anderen. Ich stand zwischen meinen Eltern, konnte aber besser mit meiner Mutter fühlen. Ich fand keinen Weg, der mir ein Bleiben ermöglichte. Die Situation wurde für mich fast unerträglich.

So packte ich meine Sachen in meinen alten Käfer und zog nach Berlin. Das Abenteuer Transitstrecke war für mich neu. Damals rechnete ich noch nicht damit, dass ich viele Male und viele Jahre auf ganz verschiedene Arten durch die DDR reisen würde.

Berlin war eine große Umstellung für mich, gab es dort nicht nur Ausbildungsstellen, sondern Vergnügungen jeglicher Art. Besonders angetan hatten es mir die Musik-Kneipen, in denen lokale Bands für einen geringen Obolus auftraten. In der "Tarantel", einer Kneipe in Kreuzberg, fast am Ende der damaligen Welt, lernte ich die Gruppe "Jacky and his Strangers" kennen - die älteste Rock 'n 'roll Band der Welt. Die Musiker gehörten viele Jahre zu meinem Bekanntenkreis.

Viele Nächte verbrachte ich in der Tarantel und in den anderen Musik-Kneipen der Stadt.

Trotz der neuen Erfahrungen hatte ich manchmal Heimweh und dachte an das Leben auf der Insel zurück. Oft stand ich mit einem Freund am Ende der Welt und blickte über das Wasser hinüber in die DDR - da entlang und viele Kilometer entfernt gab es richtiges Wasser, das Meer.

Ich machte ein Vorpraktikum in einem Kindergarten. Es war die Zeit des Aufbruchs und der pädagogischen Freiräume. Die politische Ausrichtung der meisten Leute aus meinem Bekanntenkreis war links, obwohl es dabei große Unterschiede gab. Einige nahmen es verbissen ernst, brachten auch immer irgendwelche Postillen mit, die mir allerdings wie "Bildzeitung für Linke" erschienen, grob gemeißelte Phrasen, nicht kleckern, sondern klotzen gegen den Klassenfeind. Andere waren intellektueller, sahen zwar das System kritisch, wussten die Vorteile aber sehr zu nutzen, als sie mit dem Studium fertig waren. Richtige Spießer waren allerdings auch dabei und große Rhetoriker, die sich Redeschlachten liefern konnten. Zu hause versagten diese Künste jedoch manchmal und die Frau bekam eine "aufs Maul", wenn nichts anderes mehr ging.

Es war kein Kinderladen, in dem ich mein Praktikum machte, aber von der ganzen Anlage her recht ähnlich. Viele Worte, kauzige Typen, endlose Diskussionen, Theorie und fachliche Begleitung. Die Kinder hatten eine Freiheit, der ich manchmal etwas hilflos gegenüberstand, ich musste erst lernen, damit umzugehen. Ein echter Prüfstein für einen Praktikanten: Mittags-Schlafdienst. Gute Pädagogen konnten die Kinder dazu bringen, freiwillig eine Mittagsruhe zu machen, ich versuchte es eine Weile mit untauglichen Mitteln und war froh, wenn ich nicht zum Schlafdienst eingeteilt wurde. "Dalli dalli, ab in die Betten", es waren einige Kinder aus türkischen Familien dabei, dich ich mit knappen Anweisungen zu beeindrucken versuchte. Das Wort "dalli" mochten sie von dem Tag an ganz besonders und zogen mich damit auf. Weil wir ein Modellkindergarten waren, herrschte bei vielen Tätigkeiten Gleichberechtigung. Obwohl ich Praktikant war, durfte ich doch auch die wichtigen Aufnahmegespräche mit Eltern führen und auch mit auf Kinderreise. Als die Kollegen bemerkten, dass ich zuverlässig war, wurde ich verstärkt im Frühdienst eingesetzt. Ich machte diesen Dienst alleine, nur eine Raumpflegerin war im Hause, die mir in einem Notfall hätte helfen können. Einige der Kollegen nutzen mich sehr aus, kamen immer später, sodass ich nicht abgelöst wurde, sondern mit einer stark steigenden Kinderzahl zu tun hatte. Zwar brachten sie mir manchmal ein Frühstück mit, aber ich fühlte mich manchmal überfordert. ... und ein ganz wenig stolz.

Ich lernte viel. Ich lernte, dass Erzieher meistens Kaffee trinken und manchmal Sekt aus den Nachtischschälchen der Kinder. Mir wurde oft gesagt, dass mein Vorgänger eine natürliche Begabung für die Beschäftigung mit Kindern gehabt hatte. Wie es bei mir war, sagten sie nicht. Sie schienen aber nicht unzufrieden zu sein.

Ich verliebte mich etwas in meine Kollegin, in meine Anleiterin. Wir unternahmen viel gemeinsam, aber es blieb trotzdem platonisch. Zwar wären wir fast zusammengezogen - fast jeder suchte in der damaligen Zeit eine große Wohnung , um mit irgendeinem zusammenzuziehen, aber es ergab sich dann doch nicht. Jahre später, ich war vertretungsweise in einer leitenden Funktion, bewarb sich diese Kollegin in meinem Kindergarten und ich hatte die Aufgabe, das erste Bewerbungsgespräch zur führen. Ich hatte sie gleich, schon wegen ihres außergewöhnlichen Namens erkannt, sie mich aber offensichtlich nicht. Es machte mir richtig Spaß, sie über die gemeinsame Vergangenheit auszufragen, bis ich mich zu erkennen gab.

Nach erfolgreichem Vorpraktikum machte ich meine Ausbildung zum Erzieher an einer Erzieherschule. Wir waren ein bunt gewürfelter Haufen. Die finanziell gut gestellte Zahnarztgattin, die die Ausbildung mehr oder weniger zum Zeitvertreib machte, war ebenso in unserer Klasse wie der Krankenpfleger, der nachts arbeiten musste, um seine Ausbildung zu finanzieren. Ich lag in etwa in der Mitte. Sehr üppig waren das Geld von meinen Eltern und die Ausbildungsförderung nicht, aber zeitweilig konnte ich durch einen Studentenjob etwas hinzuverdienen".

"Und wo hast Du gewohnt?" Zirola hatte lange geschwiegen und zugehört. "Als ich nach Berlin zog, wohnte ich zunächst bei Bekannten meiner Eltern, bis ich dann zur Untermiete bei einer alten Dame einzog. Danach bin ich etliche Male in Berlin umgezogen.

Während meiner Ausbildung an der Erzieherschule hatte ich viele Kontakte zu Wohngemeinschaften und war dort auch häufig Gast. Wir feierten wilde Feten und waren in den verschiedensten Kneipen und Diskotheken unterwegs. Es wurde viel getrunken - und manchmal auch die Pfeife rumgereicht. Einmal wurden wir an der Grenze sogar deswegen festgenommen".

"Du wurdest festgenommen?" Zirola lachte zweifelnd.

Ja, wir waren etwas frech zu den Zollbeamten an der Grenze, als wir auf Klassenfahrt gingen. Die haben darauf unser Gepäck untersucht. In meinem Seesack fanden sie eine Pfeife, aus der laut ihren Untersuchungen schon einmal Hasch geraucht worden war. Ich konnte jedoch später glaubhaft machen, dass ich die Pfeife bereits gebraucht gekauft hatte. Ein Verfahren gegen mich wurde eingestellt".

Wir protestierten friedlich gegen das Atomkraftwerk in Brokdorf und hatten viele Sitzungen über Lehrinhalte, Lehrer und über uns.

Ich besuchte ein Konzert der Gruppe "Ton-Steine-Scherben" und wunderte mich, dass mitten im Konzert einige aus dem Publikum die Bühne enterten und eine Diskussion mit den Bandmitgliedern anfingen. Diese sollten sich dafür rechtfertigen, dass sie im Wahlkampf für die SPD eingetreten waren. Erst nach einigem Hin und Her ging es mit der Musik weiter.

Nur wenige Meter vor unserer Schule befand sich eine kleine Kneipe, ein kleines Cafe. Oft schauten wir auf den Weg zum Unterricht mal kurz vorbei. Am Vormittag wurde erst einmal gefrühstückt, etwas später fand sich bestimmt jemand, den man kannte ... und dann gab es das erste Bier - und wieder nichts mit Unterricht. Wie gut, dass nur 50% Anwesenheitspflicht bestand. Irgendwie bestand ich die Prüfungen jedoch trotz des lockeren Lebenswandels und landete nach einem Anerkennungsjahr schließlich als Gruppenleiter in einem Kindergarten".

Es wurde auch an diesem Abend wieder spät, denn Zirola hatte immer noch nicht genug gehört. Ich erzählte ihr von meinen Jahren in Berlin und kam mir vor wie ein Vortragender, denn abgesehen von einigen kleinen Zwischenfragen hörte sie zu. Wenn ich mal ins Stocken geriet, nickte sie auffordernd mit dem Kopf und sagte:
"... erzähl weiter, "und dann?" Zwischendurch legte sie immer mal wieder eine neue Platte auf, darunter auch Frank Zappa. "Den habe ich auch gehört, in der Deutschlandhalle, sogar zweimal" konnte ich berichten und bekam ganz glänzende Augen, denn es waren außergewöhnliche Konzerte gewesen. Ich konnte ihr sogar noch meine Eintrittskarte vom letzten Konzert zeigen, die ich in meiner Brieftasche verwahrte.

Die lange Nacht endete damit, dass ich Zirola von meinem Umzug nach Norddeutschland erzählte, nicht ganz in die alte Heimat, aber fast. Sie wunderte sich, dass ich nicht wieder nach Sylt gezogen bin, aber als sie hörte, wie schlecht dort die Wohnungssituation für Dauerwohnende ist, verstand sie meine Beweggründe.

Wie gut, dass noch Ferien waren, denn unsere langen Abende wiederholten sich mehrmals. Nun musste Zirola wirklich alles von mir wissen - und ich war schon gespannt, ob sie auch so viel zu erzählen hatte, aber das kam nach und nach. Sie dosierte ihre Berichte und gab immer nur ganz kleine Häppchen von sich preis.

Eine sehr peinliche Situation - besonders für mich - hatten wir an einem Sonntag zu bestehen. Wir hatten uns am Vortag einen Wohlfühlabend gegönnt und wieder unsere Finger- und Fußnägel gepflegt und frisch lackiert. Im Bett hatte ich anschließend die weißen, halterlosen Strümpfe getragen. Irgendwie waren wir dann eingeschlafen, ohne dass ich diese wieder auszog. Mir war noch im Ohr, dass Zirola morgens zu Fuß zum Bäcker wollte, um Brötchen für ein schönes Sonntagsfrühstück zu holen.

Ich war noch nicht ganz wach, Zirola schien schon unterwegs zu sein. Es klingelte. Ich dachte, sie hätte den Schlüssel vergessen, wunderte mich allerdings ein wenig, dass sie klingelte, denn die Hintertür war meistens Tag und Nacht offen. Ich stand also auf, wollte so, wie ich war, an die Tür gehen. Im Vorübergehen warf ich mir noch schnell Zirolas rosa Bademantel über, der auf dem Bettrand lag.

Ich öffnete die Tür; es hatte inzwischen nochmals geklingelt. Vor Schreck hätte ich die Tür fast gleich wieder zugeknallt. Es war nicht Zirola, es waren ihre Eltern.

Wie gut, dass sie gerade in diesem Moment vom Bäcker zurück kam. Sie winkte schon von weitem. Ihre Eltern waren in der Nähe gewesen, um sich einen Altersruhesitz anzusehen und nun wollten sie ganz spontan ihre Tochter besuchen. Zirola hatte längere Zeit nicht mit ihnen telefoniert - und so konnten sie von mir noch nichts wissen. Ich zog mich an und wir frühstückten zusammen. Wir kamen richtig gut ins Gespräch, als sie erst einmal den ersten Schock überwunden hatten. Gegen Mittag fuhren wir noch zu einem Spaziergang ans Meer und kehrten abends in ein Lokal ein, bevor Zirolas Eltern uns wieder zu Hause ablieferten. Wir mussten versprechen, sie auch bald einmal zu besuchen.

Doch die Wetterlage war stabil und versprach ganz viel Sonne und sommerliche Temperaturen, sodass wir erst einmal wenig Lust hatten, unterwegs zu sein. Meistens gingen wir schon morgens an den Strand und kehrten erst wieder am späten Nachmittag zurück. Das faule Strandleben gefiel uns. Unser Strand war nicht so überlaufen, sodass jeder genug Platz hatte. Andererseits war es nicht zu einsam, so gab es immer etwas zu sehen. Da die meisten Strandbesucher regelmäßig kamen, entwickelten sich ganz gute Kontakte. Wir kannten uns und freuten uns jeden Tag auf die Begegnungen. Das war so richtig nach meinem Geschmack: sommerliches Wetter, schöne Aussichten und manchmal ein kühlendes Bad in der Ostsee.

Als es einmal kein Strandwetter war, nutzten wir die Zeit für eine Fahrt mit einem Ausflugsdampfer. Erst ging es mit dem Bus durch Dänemark, durch eine durch die Eiszeit entstandene Hügellandschaft. Wenn der Bus einen Berg - oder vielmehr einen Hügel hinaufschnaufte, war man schon gespannt, welchen Blick man von oben genießen konnte. Oft öffnete sich ein direkter Panoramablick zur Ostsee, manchmal sah man aber auch ein liebliches Waldstück mit einem See - oder einen neuen Hügel und das Spiel begann von vorn, jedenfalls war es sehr kurzweilig. Als der Bus endlich die kleine Hafenstadt erreicht hatte, waren wir schon ganz gespannt auf die Fahrt mit dem Schiff, um die Landschaft nun von der anderen Seite zu betrachten.

Ein paar Tage später fuhren wir noch einmal mit dem Butterdampfer. Zirola hatte unser Anzeigenblatt reingeholt, und als sie es mir auf den Küchentisch legte, fielen zwei Gutscheine für die Butterfahrt heraus. Nicht, dass die regulären Fahrtkosten so hoch gewesen wären, aber für ganz umsonst hatten wir einen noch größeren Anreiz. Weiterhin wollten wir auf der Fahrt Tabak und geistige Getränke kaufen, die zollfrei wesentlich günstiger waren als in einem Laden.

"Auf unserer Fahrt neulich habe ich nur Touristen gesehen", sagte Zirola mit einem schelmischen Grinsen, "du wolltest doch gern mal einen Rock in der Öffentlichkeit anziehen, das ist die Gelegenheit!"

Erst wollte ich kneifen, aber dann machten wir es so, wie sie vorgeschlagen hatte. Ich zog den kürzlich gekauften Rock an, dazu ein Oberteil von Zirola. Um nicht gleich erkannt zu werden, setzte ich einen Strohhut auf und eine sehr große Sonnenbrille. In Flensburg stiegen wir in den Bus, der uns zum Dampfer bringen sollte. Glück gehabt - keine Bekannten und Verwandten im Bus.

Wir setzten uns auf einen der hinteren Doppelsitze. Strohhut und Sonnenbrille behielt ich auf. Die Reiseleiterin begrüßte uns und fragte noch einmal, ob jeder seinen Ausweis dabei hatte. Mist, manchmal machte der Zoll Stichproben und kontrollierte. Naja, den Ausweis hatte ich selbstverständlich dabei. Nur, dass ich selbst an diesem Tag ganz anders als das Foto aussah.

Die Lehnen der Sitze waren sehr hoch, sodass die Sitzbereiche relativ schlecht einsehbar waren. Das hatte ich schon ein paar Tage vorher bemerkt, als ich immer wieder versuchte, mir die Beine einer Frau näher anzusehen, die drei Reihen vor uns saß. Immer wieder schielte ich zu ihr hinüber, aber ich konnte tatsächlich nicht viel erkennen, da der Blickwinkel sehr ungünstig war.

Das kam nun auch mir zugute. Ich wurde während der gesamten Busfahrt nicht enttarnt. Die Leute gucken zwar etwas verwundert, weil wir fast die ganze Fahrt händchenhaltend und aneinandergekuschelt auf unserem Platz saßen, aber hielten uns wohl eher für ein lesbisches Paar.

Als wir an Bord des Schiffes gingen, guckte der dänische Zollbeamte nur sehr oberflächlich darauf, ob auch jeder einen Ausweis in der Hand hielt und wir gelangten unbehelligt auf das Schiff. Trotzdem hatte ich etwas Angst. Das hätte bestimmt große Aufregung und einen Skandal gegeben, wenn ich aufgefallen wäre. Ich musste an den armen Rentner denken, den sie letztes Jahr aus der Schlange holten, weil er wegen eines ungültigen und abgelaufenen Ausweises irgendwie aufgefallen war. Das hatte eine große Unruhe und Aufregung bei den anderen Wartenden gegeben.

Auf dem Schiff setzten wir uns gleich nach oben auf das Sonnendeck. Als sich der Dampfer in Bewegung setzte, musste ich sehr auf den Strohhut aufpassen. Später setzten wir uns dann hinter einen Windschutz.

Mir gefiel es in dem Rock. Ein paar Kinder, die an Deck spielten, guckten zwar etwas merkwürdig, aber vielleicht war das auch nur meine Einbildung. Eigentlich war alles bestens.

Ein Kellner kam, bei dem wir Kaffee und Kuchen bestellten. Manchmal muss man es sich doch richtig gutgehen lassen!

Die ausgeprägte Musterung meines Sitzes drückte sich etwas durch den dünnen Stoff des Rockes. Sicherlich hatte ich inzwischen ein Muster auf dem Po. Wir wurden aufgerufen, weil Passagiere mit unserem Nummernbereich nun zum Einkauf in den kleinen Kiosk gehen sollten. Wir kauften Tabak, Rum und einige Packungen Lakritze. Das Angebot war relativ überschaubar. Als wir wieder oben auf unserem Platz saßen, kam der Kellner, um abzuräumen. Leichtsinniger Weise bestellte Zirola noch einen Kaffee für uns. Ja, das war wirklich leichtsinnig, denn kaum hatten wir den Kaffee ausgetrunken, meldete sich meine Blase. Auf welche Toilette sollte ich nun gehen? "Ich komme mit", Zirola wollte mir die Entscheidung abnehmen. Wir gingen zusammen in die Damentoilette. Das war erst das zweite Mal, dass ich eine ausgesprochene Damentoilette von innen sah! Das erste Mal war es in Berlin, in einer Studentenkneipe. Nach dem dritten Bier musste ich austreten. Auf meine Frage: "wo ist denn hier die Toilette?" bekam ich eine Handbewegung als Antwort, die alles Mögliche heißen konnte. Ich ging aber in die angedeutete Richtung. Tatsächlich, zwei Toilettentüren, nur beide über und über mit Frauen- und Männerzeichen versehen, dass man überhaupt nicht mehr erkennen konnte, ob es nun ein Frauen- oder ein Männerklo sein sollte. Prompt erwischte ich die falsche Tür.

Nun war ich besser dran, Zirola kam mit, schon aus dem Grund, da sie auch musste. Vorsichtig betraten wir den Frauen-Toilettenraum. Darin gab es zwei Räume, von denen einer verschlossen war, deutlich war das "besetzt-Zeichen" zu sehen. Zirola ging auf die andere Toilette. Ich wartete so lange vor der Tür. Bald darauf hörte ich die Spülung, dann ein Schimpfen. Die Türschließe wurde gedreht - und dann - nein, es stand nicht Zirola vor mir, sondern eine junge Frau, die die andere Toilette besucht hatte.

"Hast Du einen Tampon?" fragte sie mich. Ich wollte einen Skandal vermeiden und sagte nichts, zuckte nur mit den Schultern. "Ausländer?" fragte die Frau, und dann etwas dringlicher: "T-A-M-P-O-N". Ich schüttelte den Kopf. "Dumme Ausländertussi!" meinte sie darauf.

In diesem Moment kam Zirola und rettete mich. Sie hatte mit angehört, was die Frau so dringend benötigte, wühlte in ihrer Tasche und händigte ihr einen Tampon aus. Ich war inzwischen schnell in der anderen Toilette verschwunden. Im wahrsten Sinne des Wortes erleichtert tauchte ich bald darauf wieder auf und wir gingen lachend auf das Oberdeck.

Wir hatten unseren Zielhafen schon fast erreicht. Etwas Angst hatte ich wiederum vor der Zollkontrolle. Die Zöllner hatten aber nicht viel Lust auf ausgiebige Durchsuchungen und warfen nur einen flüchtigen Blick in einige Einkaufstaschen. Die meisten Leute wurden jedoch durchgewunken.

Müde erreichten wir unseren Bus und ließen uns nach Hause fahren. Irgendwie hatte mir das Abenteuer gefallen, allerdings wollte ich nicht jeden Tag so eine Spannung erleben.

So schön der Urlaub gewesen war - unweigerlich war dann doch mal das Ende erreicht. Die ersten zwei Tage im Kindergarten sollte ohne Kinder gearbeitet werden, um alles vorzubereiten. Alle waren schon gespannt auf die neuen, schließlich hatten uns 20 Kinder verlassen und 20 Kinder sollten neu hinzukommen. Das war immer eine anstrengende Zeit, insofern waren wir froh, noch zwei Tage Schonzeit zu haben.

Zirola wollte ein paar Tage zu ihren Eltern fahren und die Zeit auch dazu nutzen, dort die Frauenärztin aufzusuchen, zu der sie großes Vertrauen hatte. Ich war nicht böse, dass sie ein paar Tage nicht da war, schließlich stand mir die Eingewöhnung der neuen Kinder bevor. Außerdem hatte unsere Gemeinde Jubiläum. Das sollte groß gefeiert werden. Der Kindergarten sollte sich mit einer Fotoausstellung an den Feierlichkeiten beteiligen. "Ein Tag hat viele Stunden" - so sollte das Projekt heißen. Ich sollte Fotos aus diesen verschiedenen Stunden beisteuern, lustige, traurige, langweilige und abenteuerliche Momente festhalten. Die Arbeit mit der Kamera machte mir viel Spaß, auch das Entwickeln in Zirolas Dunkelkammer.

So verging mir die Zeit ganz gut. Abends telefonierten wir immer, sodass die Sehnsucht nicht zu groß wurde. Zirola verlängerte ihren Aufenthalt bei den Eltern noch etwas, sie sollte nochmals zur Frauenärztin kommen, wegen einiger Tests. Mehr sagte sie nicht. Ich war zwar etwas beunruhigt, aber sie sagte, es wäre alle ok und sie würde sich schon auf die Rückkehr am nächsten Wochenende freuen.

Mit den neuen Kindern in meiner Gruppe hatte ich Glück, die meisten freuten sich auf den Kindergarten. Nur einige Mütter hatten Schwierigkeiten, sich von ihrem Kind zu lösen. Drei Mütter blieben regelmäßig den ganzen Vormittag, um den Kindern den Einstieg zu erleichtern. Als sie anfingen, während meiner Gruppenarbeit zu stricken, laut zu quackeln und Frauenzeitschriften zu lesen, wurde es mir doch ein wenig viel und ich überzeugte sie höflich, aber bestimmt, dass ihre Anwesenheit nicht länger nötig war.

Eine der neuen Mütter bat mich recht bald um ein Gespräch. Sie hatte Sorge, dass bei einem männlichen Erzieher die weiblichen Werte verlorengehen können. Ich muss ihr plausible Begründungen darüber geliefert haben, dass viele Menschen durchaus männliche und weibliche Eigenschaften haben und ich bisher immer sehr gut mit den mir anvertrauten Kindern arbeiten konnte. Sie war nach unserem Gespräch ganz beruhigt und wollte es auf alle Fälle bei mir in der Gruppe versuchen.

Wie unterschiedlich doch die Mütter sind. Robertos Mutter wollte auch mit mir sprechen, meinte aber, da sie alleinerziehend war, könnte ihr Sohn gut "einen richtigen Mann" als Erzieher gebrauchen. Sie war froh, dass ihr Sohn in meine Gruppe gekommen war. Etwas skeptisch guckte sie nur, als sie meine angemalten Zehennägel sah, die ich nicht mehr versteckte. "Sie sind doch nicht..." Sie führte den Satz nicht zuende. "Nein, bin ich nicht", antwortete ich. "Nicht, dass ich gegen solche Leute etwas hätte", sagte sie darauf, "aber ich möchte trotzdem nicht, dass mein Sohn von so einem erzogen wird".

Darauf fiel mir dann so ganz spontan auch nichts mehr ein.

Zirola kam endlich zurück. Ich freute mich schon riesig. Sie hatte mir am Telefon zwei Überraschungen angekündigt. Ich hatte leider nur eine - ein besonders schönes Foto von einem unserer letzen Ausflüge hatte ich riesig groß vergrößert und eingerahmt. Es hing nun im Flur. Durch Experimentieren mit der Belichtungs- und Entwicklungszeit hatte ich die Körnung des Films sehr schön herausgearbeitet, sodass es ein ganz besonderes Foto war.

Außerdem hatte ich natürlich unser Häuschen ein wenig aufgeräumt und etwas Nettes gekocht. Das Aufräumen kam oft zu kurz, wenn wir beide anwesend waren, schließlich wollten wir möglichst jede freie Minute miteinander verbringen.

Sie schenkte mir ein Paar Damen-Sandalen in meiner Größe, fast etwas weiblich für den Außengebrauch und das Tragen in der Öffentlichkeit, aber sehr schön - mit etwas Absatz. "Die goldene Farbe passt sicherlich gut zu Deinen gebräunten Füßen", sagte sie, "wie gut, dass wir so oft die Sonne genießen konnten". Ich probierte die Sandalen gleich an und tat ein paar Probeschritte durch die Wohnung. Das Laufen damit fiel mir nicht so leicht, wie ich es gedacht hatte. Nun ja, das musste ich wohl noch etwas üben.

"Setz Dich mal hin, ich habe noch eine zweite Überraschung für Dich", sagte Zirola, "fühl mal!"

Sie nahm meine Hand und legte sie auf ihren Bauch. "Fühlt sich gut an", sagte ich, "habe ich schon vermisst, Deine Zärtlichkeit, Deine Haut und unser Zusammensein". "Nein", sagte sie, "fühl doch mal richtig, fühlst Du nichts?"

Ich zögerte einen Moment. "Ich bin schwanger" sagte sie, und dann kullerten uns beiden Freudentränen über die Wangen.

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