Vorurteilsforschung bzw. "Wissen hilft weiter"
Verfasst: Mo 23. Mär 2015, 16:14
Meine Lieben,
Vorurteilsforschung interessiert mich schon länger. (z.B. "Sir Peter Ustinov Institut" http://www.wien.gv.at/rk/msg/2003/0624/017.html )
Durch aktuelle Entwickungen rückt dieser Teil der Forschung nun häufiger in unser Blickfeld.
In den heutigen Nürnberger Nachrichten vom 23.3.2015 Seite 10 steht ein interessantes Interview durch Silke Roennefahrt mit Professor Heckmann.
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"Wissen hilft weiter"
Professor Heckmann über den Umgang mit Vorurteilen
Woher kommen eigentlich Vorurteile? Werden sie uns quasi in die Wiege gelegt?
Professor Friedrich Heckmann, Leiter des europäischen Forums für Migrationsstudien an der Universität Bamberg, hat Antworten aus der Forschung
- Herr Prof. Heckmann, liegt der Wunsch nach Abgrenzung in der menschlichen Natur?
Friedrich Heckmann: Man wird nicht mit Vorurteilen geboren, sie werden erlernt und von anderen übernommen. Doch aus der Forschung weiß man, dass das bereits sehr früh beginnt, schon Kleinkinder übernehmen die Bewertungen anderer. Das ist die individuelle Ebene. Gesamtgesellschaftlich betrachtet, hängen Vorurteile mit der sozialen Natur des Menschen zusammen. Menschen leben in Gruppen, und Gruppen grenzen sich voneinander ab. Dazu gehört, dass man sich negative und falsche Bilder von den anderen macht. Gruppen haben Konflikte. Vorurteile sind dabei häufig ein Instrument der Herrschaft und rechtfertigen Ungleichheit. Das ist ein universelles Phänomen, nur dessen Ausprägungen sich unterschiedlich.
- Also hat quasi jede Zeit ihre eigenen Vorurteile?
Heckmann: In gewisser Weise ja. Oft speisen sie sich aus gesellschaftlichen Ideologien wie zum Beispiel aus dem Antisemitismus oder der Islamophobie. In Büchern, Filmen, Redewendungen und Bildern werden solche ideologischen Vorstellungen oder Elemente davon transportiert. Aktuelle Auseinandersetzungen spiegeln sich darin wider, das kann man gut bei der Debatte über die griechischen Schulden beobachten. Da wird dann in bestimmten Kampagnen eine ganze Nation als "faul" verunglimpft.
- Trotzdem sind nicht alle Menschen gleichermaßen empfänglich für Klischeees. Liegt das vor allem an der Erziehung?
Heckmann: Schule und Elternhaus sind da natürlich wichtig. Wenn man in einem toleranten aufgeklärten Umfeld aufwächst, ist Schubladendenken nicht so ausgeprägt. Außerdem spielen psychische Merkmale eine Rolle. Menschen, die ängstlich und unsicher sind, sind besonders anfällig für Stereotypen. Auch wer zu autoritären starren Denkmustern neigt, hält gerne an seinen Feindbildern fest.
- Was können denn Aufklärungskampagnen überhaupt bewirken?
Heckmann: Eine ganze Menge! Wissen hilft auf jeden Fall, obwohl leider diejenigen am empfänglichsten dafür sind, die ohnehin am wenigsten mit Vorurteilen belastet sind. Viel kann man auch erreichen, wenn man die emotionale Seite von Vorurteilen anspricht, indem etwa über Filme, Kunst und Kultur positive Gefühle über zuvor abgelehnte Gruppen vermittelt werden. Und ganz wichtig sind persönliche Kontakte, denn wenn Menschen sich kennenlernen und die individuelle Wahrnehmung einsetzt, lösen sich viele stereotype Vorstellungen auf.
- Also weist "Nürnberg hält zusammen" in die richtige Richtung?
Heckmann: Die Stadt ist da auf einem guten Weg. Einerseits durch Programme, die Aufklärung, Wissen, internationale Kultur und Begegnungen vermitteln. Zum anderen aber auch, weil es hier gelingt, ein positives öffentliches Klima zu schaffen, in dem sich rechtsradikales Potenzial kaum mobilisiern lässt.
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Die Überschrift und Aussagen, die mir besonders wichtig waren, sind markiert.
Liebe Grüße
Andrea
P.S. Liebe Anne-Mette:
Falls der Beitrag besser in ein anderes Unterforum passt, bitte verschieben.
Danke!
Andrea
Vorurteilsforschung interessiert mich schon länger. (z.B. "Sir Peter Ustinov Institut" http://www.wien.gv.at/rk/msg/2003/0624/017.html )
Durch aktuelle Entwickungen rückt dieser Teil der Forschung nun häufiger in unser Blickfeld.
In den heutigen Nürnberger Nachrichten vom 23.3.2015 Seite 10 steht ein interessantes Interview durch Silke Roennefahrt mit Professor Heckmann.
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"Wissen hilft weiter"
Professor Heckmann über den Umgang mit Vorurteilen
Woher kommen eigentlich Vorurteile? Werden sie uns quasi in die Wiege gelegt?
Professor Friedrich Heckmann, Leiter des europäischen Forums für Migrationsstudien an der Universität Bamberg, hat Antworten aus der Forschung
- Herr Prof. Heckmann, liegt der Wunsch nach Abgrenzung in der menschlichen Natur?
Friedrich Heckmann: Man wird nicht mit Vorurteilen geboren, sie werden erlernt und von anderen übernommen. Doch aus der Forschung weiß man, dass das bereits sehr früh beginnt, schon Kleinkinder übernehmen die Bewertungen anderer. Das ist die individuelle Ebene. Gesamtgesellschaftlich betrachtet, hängen Vorurteile mit der sozialen Natur des Menschen zusammen. Menschen leben in Gruppen, und Gruppen grenzen sich voneinander ab. Dazu gehört, dass man sich negative und falsche Bilder von den anderen macht. Gruppen haben Konflikte. Vorurteile sind dabei häufig ein Instrument der Herrschaft und rechtfertigen Ungleichheit. Das ist ein universelles Phänomen, nur dessen Ausprägungen sich unterschiedlich.
- Also hat quasi jede Zeit ihre eigenen Vorurteile?
Heckmann: In gewisser Weise ja. Oft speisen sie sich aus gesellschaftlichen Ideologien wie zum Beispiel aus dem Antisemitismus oder der Islamophobie. In Büchern, Filmen, Redewendungen und Bildern werden solche ideologischen Vorstellungen oder Elemente davon transportiert. Aktuelle Auseinandersetzungen spiegeln sich darin wider, das kann man gut bei der Debatte über die griechischen Schulden beobachten. Da wird dann in bestimmten Kampagnen eine ganze Nation als "faul" verunglimpft.
- Trotzdem sind nicht alle Menschen gleichermaßen empfänglich für Klischeees. Liegt das vor allem an der Erziehung?
Heckmann: Schule und Elternhaus sind da natürlich wichtig. Wenn man in einem toleranten aufgeklärten Umfeld aufwächst, ist Schubladendenken nicht so ausgeprägt. Außerdem spielen psychische Merkmale eine Rolle. Menschen, die ängstlich und unsicher sind, sind besonders anfällig für Stereotypen. Auch wer zu autoritären starren Denkmustern neigt, hält gerne an seinen Feindbildern fest.
- Was können denn Aufklärungskampagnen überhaupt bewirken?
Heckmann: Eine ganze Menge! Wissen hilft auf jeden Fall, obwohl leider diejenigen am empfänglichsten dafür sind, die ohnehin am wenigsten mit Vorurteilen belastet sind. Viel kann man auch erreichen, wenn man die emotionale Seite von Vorurteilen anspricht, indem etwa über Filme, Kunst und Kultur positive Gefühle über zuvor abgelehnte Gruppen vermittelt werden. Und ganz wichtig sind persönliche Kontakte, denn wenn Menschen sich kennenlernen und die individuelle Wahrnehmung einsetzt, lösen sich viele stereotype Vorstellungen auf.
- Also weist "Nürnberg hält zusammen" in die richtige Richtung?
Heckmann: Die Stadt ist da auf einem guten Weg. Einerseits durch Programme, die Aufklärung, Wissen, internationale Kultur und Begegnungen vermitteln. Zum anderen aber auch, weil es hier gelingt, ein positives öffentliches Klima zu schaffen, in dem sich rechtsradikales Potenzial kaum mobilisiern lässt.
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Die Überschrift und Aussagen, die mir besonders wichtig waren, sind markiert.
Liebe Grüße
Andrea
P.S. Liebe Anne-Mette:
Falls der Beitrag besser in ein anderes Unterforum passt, bitte verschieben.
Danke!
Andrea