marabella68 hat geschrieben:Andrea aus Sachsen hat geschrieben:Mich betrifft es zwar nicht, aber was ist mit denen, die "es" nur heimlich machen. Könnt ihr damit leben, dass später irgendwer eure Sachen findet und sich sonst was für Gedanken darüber macht? Klar, um in dieser Situation Regelungen zu treffen, müsste mindestens eine vertrauenswürdige Person eingeweiht werden.
Hallo Andrea,
klare Antwort von einem, der es nur heimlich macht: Wenn ich eines, hoffentlich noch sehr fernern Tages nicht mehr bin, wird man meine Kleider natürlich finden und der ein oder andere wird sich vielleicht Gedanken machen, wozu ich diese Sachen benutzt habe. Aber insgesamt, wird das wohl für meine Nachkommen dann kein wichtiges Thema sein und wieder untergehen.
Letztendlich kannte man mich ja so nie !!!
Liebe Grüße
Marabella
Genau das ist der Punkt, der für deine Frau oder deine Nachkommen problematisch sein kann, denke ich.
Vor Kurzem erst habe ich einen Erlebnisbericht einer Ehefrau gelesen, die zu Lebzeiten davon ausgegangen ist, dass ihr Ehemann einmal in der Woche die Buchhaltung für einen guten Freund in dessen Büro erledigt. Er hatte wohl dafür eine Aktentasche, wo alle wichtigen Unterlagen dafür drin sein sollten.
Nach der Beerdigung ihres Ehemannes hat sie nachgeschaut, ob etwas darin ist, was sie eben diesem Freund geben sollte, damit er keine Probleme mit der Buchhaltung bekommt und statt irgendwelcher Unterlagen fand sie ein Video von ihrem Mann als Frau sowie die dazugehörige Kleidung inkl. sexy Unterwäsche. Diese Frau ist daraufhin endgültig zusammen gebrochen und hat alles in Frage gestellt, was ihre Ehe und ihren Mann betrifft. Ohne therapeutische Hilfe wäre sie nach eigener Aussage nicht aus diesem Loch herausgekommen. Mittlerweile lebt sie weit entfernt von ihrer Heimat, weil sie in der vertrauten Umgebung nicht darüber hinwegkommen konnte. Vertrauen in einen Mann für eine neue Beziehung zu fassen, ist für sie auch nach Jahren noch nicht vorstellbar.
Den Verlust eines geliebten Menschen verkraften zu müssen, ist schon schwer genug. Wenn man dabei dann durch eine solche Entdeckung das Gefühl bekommt, dass man diesen Menschen, der einem doch so nahe stand, überhaupt nicht gekannt hat. Dass dieser Mensch so erfolgreich so ein großes Geheimnis hatte und nie genug Vertrauen hatte, sich zu offenbaren, ist das meiner Meinung nach nicht unbedingt etwas, was die Trauer einfacher gestaltet.
Es wurde hier oft davon geschrieben, dass beim Outing nach langer Heimlichkeit ein Vertrauensbruch gemeinsam aufgearbeitet werden muss, damit beide Beteiligten zusammen mit der Situation fertig werden können ohne einander zu verlieren.
Wird dieser Vertrauensbruch etwa dadurch kleiner, dass man selbst als der unfreiwillig Geoutete ja nicht mehr da ist um es zu erklären?
Können Hinterbliebene dadurch, dass sie nie erfahren werden, was es mit den gefundenen Frauensachen auf sich hat, besser damit klar kommen?
Oder besteht nicht sogar die Möglichkeit, dass eine Ehefrau davon ausgeht, dass ihr Mann eine Zweitfrau hatte und sie wer weiß wie lange betrogen hat und sogar Kleidung für sie zuhause deponiert hat, wenn keine entsprechenden Videos oder Fotos dabei sind?
Aus meiner Sicht gibt es dazu dreimal ein klares Nein zur Antwort.
Das soll nicht heißen, dass ich der Meinung bin, alle müssten sich auf Teufel komm raus outen ohne Rücksicht auf Verluste. Ich bin zwar klar für ein Outing in jeder Beziehung, kann aber auch verstehen, wenn es weiter heimlich in die Frauenkleidung geht. Der Grund, warum ich das Ganze hier geschrieben habe, ist nicht unbedingt der Drang euch zum Outen zu bringen, sondern eher der Wunsch, euch zum Nachdenken anzuregen.
Wer sich heimlich dresst, weil er Angst hat, dass seine Partnerin nicht damit umgehen kann oder weiß, dass es ihr Weltbild erschüttert oder oder oder sollte sich dabei bewusst sein, dass seine Befürchtungen nicht weniger wahr werden können, nur weil man selbst es nicht mehr mit- bzw. abbekommt. Hier einfach nur zu sagen, dass es sie nicht interessieren wird, weil sie es ja nicht kannten, ist meiner Meinung nach egoistisch und gleichgültig. Damit macht man es sich doch zu einfach.
Das soll nicht heißen, dass jeder der sich nicht outen will oder kann, das Dressen jetzt bleiben lassen soll. Um Himmels Willen, nein. Aber wie wäre es denn, wenn man zumindest versucht ein wenig vorzusorgen? Vielleicht einen Brief zu schreiben, in dem man das Ganze erklärt und diesen bei den Frauensachen zu deponieren oder noch besser so zu deponieren, dass er zwar erst nach dem Tod, aber noch vor den Frauensachen gefunden wird? Man kennt doch die eigene Frau und müsste zumindest im Groben wissen, wie man ihr wenigstens ein bisschen dabei hilft, es zu verstehen und zu verkraften.
Falls ich hier zu sensibel reagiert habe, tut es mir leid, aber in meiner Familie gab es diese Woche tatsächlich einen Todesfall, daher geht mir das Thema wohl im Moment näher als sonst. Ich möchte niemanden mit diesem Beitrag angreifen, nur einmal die andere Seite auszeigen und zum Nachdenken anregen.
Nachdenkliche Grüße
Sunny