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Appetitive Aggression?

Verfasst: Do 5. Feb 2015, 20:43
von Nicoletta
Leider bin ich manchmal etwas langsam, zu langsam. Heute vormittag hat mich auf web.de ein Artikel eines US-Psychologen beschäftigt, auf den ich gerne zurückkommen würde, nur ist die Seite für mich nicht mehr auffindbar, verdrängt von vielen neuen Ereignissen. Der Beitrag hat mich zum Denken gebracht. Anlässlich des Mordes an dem jordanischen Piloten ging es darum, wie ein Mensch dazu fähig sein könne. Es wurde unterschieden zwischen zwei Arten der Aggressivität, einer -- ich weiß nicht mehr, welcher Terminus genau gewählt wurde -- reflektiven und einer appetitiven. Erstere sollte in Erscheinung treten, wenn man selbst bedroht ist und sich wehrt, schließt auch Nahestehende ein. Wer mir oder mir nahestehenden Menschen etwas antun will, gegen den bin auch ich in akuten Fall zur Anwendung von Gewalt bereit, das ist wohl naturgegeben. Der andere Fall betraf Menschen, die durch Quälen von Mitmenschen einen besonderen Kick erreichen. So erklärte der Autor Greueltaten wie die der Verbrennung des jordanischen Piloten und anderer Taten der IS. Da der Mensch von Natur aus zu solchen Taten nicht fähig sei, gelingt das nur über den Umweg der "Entmenschlichung" des Opfers (Untermenschen, Kakerlaken usw.).

Ich will natürlich keineswegs die Täter dieser schrecklichen Verbrechen entschuldigen, muss aber doch dem Psychologen in einem Punkt widersprechen, den er selbst angesprochen hat. Diese "Hinrichtung" wurde inszeniert vor Ruinen eines durch Bombenangriffe zerstörten Hauses. Wer immer da bombardiert hat, hat in Kauf genommen, dass unschuldige Menschen bei lebendigem Leibe verbrennen. Ferner denke ich an Aussagen von Terroristen, die sich angesichts israelischer Greueltaten gegen Palästinenser radikalisiert hatten. Ist das wirklich eine andere Form der Aggression? Ist das nicht auch einfach nur Rache? Es wird dadurch nicht besser, nur durch solch eine Zweiteilung der Aggression erreicht man, dass man unterscheiden kann zwischen Tätern, die irgendwie menschlich auf Verletzung reagiert haben (Jordanien jetzt, USA sowieso immer), und solchen, die völlig entmenschlicht Befriedigung aus ihrer Tat beziehen. Das, was den Tätern vorgeworfen wird, dass sie ihre Opfer entmenschlichten, um sie ohne Gewissensbisse quälen zu können, wird so auf die Täter projiziert, die man dann natürlich auch ohne näheres Nachfragen "neutralisieren" darf (mein Kandidat für das Unwort des Jahres).

Nur ein Gedanke, den ich einfach loswerden wollte. Gute Nacht,

Nicolina

Re: Appetitive Aggression?

Verfasst: Do 5. Feb 2015, 21:58
von Sunny
Für eine thematische Auseinandersetzung bin ich heute leider schon zu müde, aber eine kurze Frage möchte ich stellen um eine bessere Basis für das Gespräch herzustellen: Meinst du zufällig diesen Artikel hier http://web.de/magazine/politik/is-terro ... t-30423656? ;-)

Liebe Grüße
Sunny

Re: Appetitive Aggression?

Verfasst: Do 5. Feb 2015, 22:15
von Nicoletta
Danke für die Ergänzung, genau den Artikel hatte ich heute früh gelesen und -- wie ich jetzt sehe -- nur teilweise richtig wiedergegeben, jedenfalls kein US-Psychologe.

Gute Nacht,

Nicoletta