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FAZ: Für eine Kultur der Unterschiede

Verfasst: Mo 5. Jan 2015, 15:48
von Jaddy
Spontan war ich geneigt, den Artikel nach den ersten Absätzen abzulehnen. Aber nach hinten hin entwickelt es sich interessant: Es geht um die Diversifizierung der Gesellschaft. "Bei allen diesen Aspekten gibt es ein starkes Bedürfnis der bislang Unsichtbaren, der ehemals Marginalisierten, endlich gesehen und in ihrer Differenz anerkannt zu werden. Sie wollen in der Öffentlichkeit präsent sein, benannt und berücksichtigt werden."

Und weiter: "Sicher gibt es statistische Korrelationen zwischen bestimmten Interessen oder Fähigkeiten und dem Alter, und dasselbe gilt für andere demografische Merkmale wie Geschlecht, Religion, sexuelle Orientierung und so weiter. Aber daraus können eben nicht — wie in diesem Reiseprogramm — umgekehrt Rückschlüsse auf einzelne Menschen gezogen werden."
Die Kunst besteht darin, Zugehörigkeit nicht mit Identität zu verwechseln. Wir müssen ins kollektive Bewusstsein bringen, dass sich aus der Zugehörigkeit eines Menschen zu einer bestimmten Gruppe — den Frauen oder den Männern, den Alten oder den Jungen und so weiter — rein gar nichts über diesen Menschen schlussfolgern lässt. [...]

Dass wir uns zu Recht gegen stereotype Zuschreibungen aufgrund von Geschlecht, Alter, kulturellem Hintergrund und so weiter wehren, darf jedoch nicht dazu führen, die gewonnene Sensibilität für Differenzen wieder aufzugeben und zum universalistischen Mantra zurückzukehren, wonach "alle Menschen gleich" wären. Nein, das sind sie nicht. Es gibt Unterschiede zwischen Frauen und Männern, zwischen Alten und Jungen, zwischen verschiedenen Kulturen, Lebensformen und so weiter. Und es ist gut, wenn diese Unterschiede sichtbar sind, wenn über sie gesprochen wird, wenn sie Teil unseres kulturellen Selbstverständnisses werden, und wenn wir darauf achten, dass möglichst viele unterschiedliche Erfahrungshintergründe und Perspektiven bei der Gestaltung der Welt berücksichtigt und beteiligt werden. Anstatt wie früher eine bestimmte demografische Gruppe von Menschen für "normal" und maßgeblich zu halten und alle anderen an ihnen zu messen und ihren Vorlieben und Interessen unterzuordnen.

Und wenn wir gelernt haben, aus Unterschieden keine Schubladen zu machen, könnte eine wirklich pluralistische Fülle von Optionen entstehen: mehr Auswahl, mehr Anregung, mehr Freiheit für alle.
Wie war das noch? "Ihr seid alle Individuen!" - "Ich nicht!".

http://blogs.faz.net/10vor8/2015/01/05/ ... iede-3475/