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Vater? Mutter? Oder wie oder was?
Verfasst: Mi 3. Dez 2014, 08:34
von Sylvia
Re: Vater? Mutter? Oder wie oder was?
Verfasst: Mi 3. Dez 2014, 14:23
von Lina
Ja, an sich interessant - von der rein theoretisch rechtlichen Seite. Aber nun, es gibt so viele Fälle, wo der reine Wortlaut verschiedener Gesetzte und andere Regeln sich widersprechen. Dann ist es der Job der Richter danach zu entscheiden, was der ursprüngliche Sinn und Zweck des Gesetzes war und welches Rechtsgut überwiegt. Das passiert praktisch jeden Tag in irgend einem Zusammenhang.
Genau so war es ja auch mit dem Wegfallen der "OP-Pflicht" (zumindest wenn man rechtlich das Gender wechelt). Da wurden das Recht auf körperliche Unversehrtheit und die Wichtigkeit eines Menschen, sein Wunsch-Gender zu leben, als höher bewertet als die geltende bürokratische Regelung. Das ist ihr Job ...
Re: Vater? Mutter? Oder wie oder was?
Verfasst: Mi 3. Dez 2014, 14:58
von Vivian Cologne
Hochinteressantes Urteil! Verstößt die Eintragung mit dem weiblichen Vornamen nicht gegen das Offenbarungsverbot laut TSG? Das Ansinnen des Klägers kann ich nachvollziehen. Ich bin auf die Kommentare der Juristen gespannt.
Der umgekehrte Fall ist natürlich auch möglich. Zum Beispiel bei mir, wenn ich gegen Hormone entscheiden sollte und trotzdem die VÄ/PÄ durchziehe. Im mOment ist mein Plan genau andersherum, aber damit wollte ich deutlich machen, dass der fall keineswegs konstruiert, kurios und abstrus ist, sondern einige von uns betreffen könnte oder hätte betreffen können.
Ich weiß schon, was konservative Kritiker schreiben werden. Dass nämlich das alte TSG doch besser für die Menschheit war - mit seinem Sterilisierungs- und Zwangs-OP-Gebot. Früher war eben alles bsser, für manche jedenfalls.
Vivian
Re: Vater? Mutter? Oder wie oder was?
Verfasst: Mi 3. Dez 2014, 16:40
von Anke
Hallo Claudia,
natürlich werde ich dich nicht zerreißen. Denn selbstverständlich respektiere ich deinen Standpunkt. Allerdings bin ich anderer Meinung.
Ich kann ihn sehr wohl verstehen. Auch Transmenschen haben den Wunsch nach eigenen Kindern, vielleicht nicht alle, aber sicher doch einige. Und welchen Weg zum eigenen Kind sollte er als Transmann denn sonst gehen? Ein Kind wird er genauso wenig zeugen können, wie ich als Transfrau eines empfangen und zur Welt bringen kann.
Ich gebe Dir recht, schwanger sein und ein Kind zur Welt bringen ist etwas sehr sehr weibliches. Doch solch eine Handlung muss seiner Identität als Mann keinen Abbruch tun.
Wie ist es denn mit Transfrauen, die ihr Geschlechtsorgan behalten und es auch weiter als solches benutzen? Die sehen sich deshalb doch nicht weniger als Frau.
Den Schaden für das Kind kann ich auch nicht erkennen. Wenn das Kind in einer liebevollen Umgebung aufwächst, die auf das Kind angemessen eingeht, dann mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Und auf die Frage nach der Mutter werden die Beteiligten sicherlich ein Antwort finden.
Liebe Grüße
Anke
Re: Vater? Mutter? Oder wie oder was?
Verfasst: Mi 3. Dez 2014, 19:41
von Katrin-Doris (†)
In dieser Keuköllner Geschichte hat sich ein FzM noch einmal einen Wunsch erfüllt,
in dem er ein Kind bekommen hat. Etwas ähnliches, hat es glaube ich schon einmal gegeben,
im Ausland.
Dazu sage ich erst einmal "meinen Glückwunsch!"
und ich hoffe dass das Kind gesund ist, weil es mit großer Sicherheit
mit der Liebe aufwächst, die nicht unbedingt alltäglich ist, wenn man den
Zeitungen glauben darf.
Wichtig ist doch, dass er zu seinen Kind steht, egal ob Vater oder Mutter !
Alles andere sind meiner Meinung Vorurteile die noch existieren. Dabei sollte man bedenken, dass CDs
und TVs vor 20 oder 30 Jahren auch massenweise Probleme hatten und sich die Gesellschaft verändert oder weiter entwickelt hat. Ob es reicht, liegt auch an uns...
Liebe Grüße
Katrin-Doris
Re: Vater? Mutter? Oder wie oder was?
Verfasst: Mi 3. Dez 2014, 22:00
von Inga
Hallo, miteinander,
ich finde es ein treffendes Beispiel, die traditionelle Geschlechtszuordnung nicht zu wichtig zu nehmen. Die Welt ist halt vielfältiger als Mann-Frau-Vater-Mutter-Junge-Mädchen
Wie heißt es so treffend in dem Artikel?- "Dass Stereotypen nicht immer weiterhelfen, zeigt ... " und "'Transsexuelle sind Menschen, die offiziell einem Geschlecht als Mann oder Frau zugewiesen sind, sich selbst aber außerhalb dieser Geschlechterzuweisung verorten', definiert der Biologe und Geschlechterforscher Heinz-Jürgen Voß, den komplexen Sachverhalt 'emanzipatorisch', wie er sagt."
Ich mag da nur sagen: Noch mehr jenseits der engen Grenzen!
Liebe Grüße
Inga
Re: Vater? Mutter? Oder wie oder was?
Verfasst: Mi 3. Dez 2014, 22:43
von Inga
Claudia hat geschrieben:Inga hat geschrieben:ich finde es ein treffendes Beispiel, die traditionelle Geschlechtszuordnung nicht zu wichtig zu nehmen.
Dieser Mensch nimmt sie aber sehr wichtig, sonst würde er nicht so um den Eintrag als Vater kämpfen. Dieses so freizügige "Geschlecht ist mir doch egal", gibt es hier gerade nicht. Hier ist es die konsequente Zuordnung zu
einem Geschlecht.
Hallo, Claudia,
o nein, das sehe ich anders. Gerade in der Weigerung, das Gebären eines Kindes als Mutter zu sehen, und bewusst den Vater einzufoirdern, zeigt doch dass ihm die klassische Geschlechterrolle "nur Frauen kriegen Kinder" zu eng ist.
Er muss das offenere Verständnis noch umständlich einklagen. In dreißig Jahren werden wir vielleicht über den Aufwand lächeln.
Er ist in der Sache halt ein Vorkämpfer.
Liebe Grüße
Inga