Tja, ich kann das alles sehr gut nachvollziehen. Meine Erfahrung hat aber ergeben, dass die Vorstellung von dem was passieren würde, wenn die Freundin oder eben der Freundeskreis es rausfindet viel schlimmer ist, als das was wirklich passiert. In den allermeisten Fällen ist es dann weitaus unspektakulärer. So manches Mal schon erwies sich ein "Erwischtwerden" als gute Fügung, weil man(n) danach erstaunt feststellte, dass die Freundin das gar nicht so schlimm fand, oder sogar verständnisvoll war und helfen wollte, oder sagte, dass sie sowas schon ahnte, oder sogar begeistert war. Natürlich bleibt ein Restrisiko, dass es zur Ablehnung kommt, oder sogar zur Trennung.
Nur du selber kannst für dich entscheiden, ob du dich mal öffnen willst, oder ob du mit dieser Heimlichkeit weiterhin leben kannst /willst.
Bei mir war es so: Ich habe in Zeiten, in denen ich Single war als Mann, mich natürlich in den eigenen 4 Wänden meist weiblich gekleidet und konnte Frau sein. Geoutet hatte ich mich nur bei ganz ganz wenigen Freunden aus dem Net. Wenn aber eine Beziehung kam, habe ich das natürlich gelassen. Ich wollte ja nie alleine sein, wollte ja eine Partnerschaft. Wenn eine Beziehung dann aber einige Monate alt wurde, begann ich ein wenig unter dem Verzicht zu leiden. ( Ich hatte in meinem Leben einige Beziehungen, eine hielt 4 Jahre, eine sogar 8 Jahre, aber die meinsten waren nach spätestens 2 Jahren aus). Ich habe später begonnen, meine jeweilige Partnerin einzuweihen. Nicht gleich am ersten Tag, aber nach einigen Wochen habe ich mich vorsichtig geoutet. Das ich Transsexuell bin, habe ich ja noch gar nicht gewusst, oder es verdrängt, oder was weiss der Geier. Aber ich habe schon angegeben, dass ich gelegentlich in die Frauenrolle schlüpfen würde, weil ich das einfach brauche.
KEINE hat sich daraufhin abgewendet und mich verlassen. KEINE. Aber manchmal kam es dann zu einer durchquatschten Nacht. Oft kam dann sowas wie: "Hey, darf ich dich dann mal schminken." ABer auch: "Oh, aber doch nicht, wenn wir zusammen zu Freunden gehen oder?" Die Beziehungen sind dann später gescheitert. Ob und in wieweit es an meiner "Neigung" lag, kann ich schwer sagen.
Irgendwann, und ich war inzwischen Mitte 40, kam dann der Tag an dem ich erkannte, dass mir ein Leben als Frau wichtiger war als eine Beziehung. Ein vorsichtiges herantasten an ein Leben als Frau.. also ein vorichtiges verweiblichen (Auszupfen von Bart, tragen von androgyner Kleigung, Wachsen lassen der Haare etc) hatte ich immer mit Beginn einer Beziehung komplett abgebrochen. Das wollte ich nicht mehr. Mir wurde klar, dass ich lieber als Single, aber als Frau leben wollte, als als Mann in einer Beziehung. Es hat lange gedauert, das zu erkennen.
So, nun weisst du ein wenig über mich. Inzwischen lebe ich seit ca. 3 Jahren komplett als Frau.
Ein Tag en femme in einer Gruppe mal shoppen zu gehen o.ä. sollte sich doch sicher organisieren lassen, oder? Da du ja dazu etwas weiter vom Wohnort weg müsstest und das auch organisieren müsstest, damit deine Freundin das nicht mitbekommt, bedarf es natürlich etwas Vorarbeit und Planung. Aber vielleicht solltest du das einfach mal in Angriff nehmen?
Natürlich wäre die Schwierigkeit um mind. 90% verringert, wenn du deine Freundin ins Boot geholt hättest.
LG
Julia