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Ein ganzer Kerl im Rock

Verfasst: Fr 7. Nov 2014, 19:14
von Anne-Mette
Moin,

auch mal was für die CROSSDRESSER (888)

Kreiszeitung-Wochenblatt berichtet.
Jemand von uns?


http://www.kreiszeitung-wochenblatt.de/ ... 50508.html

Buxtehude, ist das nicht, wo die Hunde...

Gruß
Anne-Mette

Re: Ein ganzer Kerl im Rock

Verfasst: Fr 7. Nov 2014, 19:37
von Plisseedreher70
.....neee, ich aus dem Süden bin's bestimmt nicht. Aber allen Respekt vor dem "Kerl", er ist wahrlich kein Duckmäuser!
L.G. aus dem sonnigen, leider dresserarmen Süden.....!

Re: Ein ganzer Kerl im Rock

Verfasst: Fr 7. Nov 2014, 19:48
von Lukretia
Er provoziert natürlich. Das muss man so sehen. Das ist kein Werturteil, sondern eine Feststellung.

Re: Ein ganzer Kerl im Rock

Verfasst: Fr 7. Nov 2014, 20:21
von Franka
Ich finde es gut, wir wollen ja nicht alle gleich unser Geschlecht wechseln, nur weil wir gerne Röcke tragen. Für die Leute ist das natürlich noch etwas schwerer zu verstehen.
Da hilft dann nur alle raus in die Öffentlichkeit und sich zeigen und bei Gelegenheit drüber reden.

Re: Ein ganzer Kerl im Rock

Verfasst: Fr 7. Nov 2014, 20:44
von conny
insgesamt ein guter artikel was vor allem im letzten satz zum ausdruck kommt. lobenswert für eine provinzpostille!

interessiert mich auch, ob er forumsmitglied ist.

Re: Ein ganzer Kerl im Rock

Verfasst: Fr 7. Nov 2014, 21:05
von Aschenputtel
Lukretia hat geschrieben:Er provoziert natürlich.
"Natürlich". So so.
Lukretia hat geschrieben:Das muss man so sehen.
Wer auch immer "man" ist. Ich "muss" das jenfalls nicht so sehen.
Lukretia hat geschrieben:Das ist kein Werturteil, sondern eine Feststellung.
Aha. Dann erkläre mal, worin sich bei Dir Werturteile von Feststellungen unterscheiden.

Dass sich andere dadurch provoziert fühlen steht ja im Artikel. Sonst hätten sie ihn ja nicht angepöbelt. Ob er aber Frauenkleidung trägt, um zu provozieren, geht aus dem Artikel nicht hervor. Gesagt hat er:
Damit fühle ich mich am wohlsten
Für mich klingt das nicht nach Provokateur.

Eine sich wundernde

Maj-Britt

Re: Ein ganzer Kerl im Rock

Verfasst: Fr 7. Nov 2014, 22:04
von Lukretia
Der surrealistische Künstler Salvador Dali ist einmal zu einem offiziellen Termin mit einem weißen Rolls Roys voller Kohlköpfe vorgefahren. Ein anderes Mal erschien er, ich weiß nicht mehr ob in der Oper oder zu einer Preisverleihung, in einem Taucheranzug mit Taucherglocke auf dem Kopf. Das war jedes Mal eine Provokation, gleichzeitig auch eine surrealistische Tat.
Rudi Neumann begeht in Buxtehude mit lila Haaren, Schnurrbart, Damenrock, der oberhalb der Knie endet und unter dem sich die Geschlechtsteile als Beule abzeichnen, ebenfalls, wahrscheinlich unwissentlich, eine surrealistische Tat. Er provoziert aber auch, ob bewusst oder unbewusst. Provozieren bedeutet laut Wörterbuch auch "heraufbeschwören", nämlich Kritik, Widerstand. Wenn ich in einer Versammlung frommer Christen laut schreie: "Gott existiert nicht", provoziere ich, nämlich Widerspruch. Wenn ich so in Buxtehude herumlaufe, ebenfalls. Wenn Herr Neumann jedoch beim Kölner "Tuntenball" sich derart zeigen würde, würde er weniger auffallen. Die Situation, der Anlass ist entscheidend. Ich provoziere auch, wenn ich an einem heißen Sommertag in einem Wintermantel mit Pudelmütze herumlaufe, im Winter provoziere ich damit nicht.
Das ist eine sachliche Feststellung. Ein Werturteil wäre, wenn ich sagen würde: Der Kerl ist ein armer Irrer.
Dass Menschen mit ungewöhnlichem Äußeren auffallen, ist eine Binsenwahrheit.

Lukretia

Re: Ein ganzer Kerl im Rock

Verfasst: Fr 7. Nov 2014, 22:49
von s_Roeckchen
Wir sind wenige, aber es gibt uns, auch öffentlich. Und seine Feststellung, daß die Damenwelt mit diesem unserem Outfit weniger Probleme hat als die Männerwelt kann ich bestätigen. Nur so direkt angepöbelt wurde ich noch nicht. Die Attacken waren von größerer Feigheit gekennzeichnet, immer so daß ich nicht direkt darauf reagieren konnte.

Das was Rudi zeigt ist zwar nicht mein Style, aber dieser Style sieht an ihm authentisch aus. Er lebt es, er ist es. Nur daß wir in naher Zukunft als normal angesehen werden, unsere Art uns zu kleiden in der Öffentlichkeit ankommt, davon sind wir noch viele viele Jahre entfernt. Ich und ich denke auch er, dressen uns nur für uns, der Schockeffekt wird überwiegend in kauf genommen und zu einem kleinen Teil auch provoziert.

Jedenfalls hat Rudi meine volle Sympathie für sein Treiben. (ap)

s'Röckchen ...der morgen wieder gedressed und mit Bärtchen rausgeht...

Re: Ein ganzer Kerl im Rock

Verfasst: Fr 7. Nov 2014, 22:58
von Lukretia
Ich habe mich bei einigen Gelegenheiten in meinem Leben nicht situationsangemessen gekleidet. Bei einer Feier, bei der alle im schwarzen oder dunklen Anzug kamen, trug ich einen grünen. Es gibt noch andere Beispiele, die ich nicht alle aufzählen will und kann. Ich weiß nicht, ob das was mit Crossdressing zu tun hat. Ich war jahrelang auf einer anderen Fährte. Unter den Diagnosekriterien der Schizotypischen Persönlichkeitsstörung lautet eins: "Verhalten und äußeres Erscheinungsbild sind der Situation nicht angemessen".

Re: Ein ganzer Kerl im Rock

Verfasst: Sa 8. Nov 2014, 01:33
von Aria
dahlia hat geschrieben:Ich finde es gut, wir wollen ja nicht alle gleich unser Geschlecht wechseln, nur weil wir gerne Röcke tragen. Für die Leute ist das natürlich noch etwas schwerer zu verstehen.
Da hilft dann nur alle raus in die Öffentlichkeit und sich zeigen und bei Gelegenheit drüber reden.
Besser kann man es nicht sagen!

Re: Ein ganzer Kerl im Rock

Verfasst: Sa 8. Nov 2014, 02:07
von Aria
Finde das ne gute Methode für die Überwindung raus zu gehen:

Zitat:
Erst 1989, inzwischen wohnt Rudi Neumann in Hamburg, beginnt er langsam damit, sich öffentlich in Frauenkleidern zu zeigen. "Noch nicht so wie jetzt im kompletten Outfit", schmunzelt er, "nur mal in High Heels oder in einer Bluse."

Hat bei mir auch ganz gut funktioniert.

Re: Ein ganzer Kerl im Rock

Verfasst: Sa 8. Nov 2014, 11:08
von Regina
Dies ist auch eine Antwort auf die Frage:
"Wer von uns kann nach draußen gehen?"

Es kommt doch immer darauf an was ich als (Mann) Mensch möchte.

Möchte ich als Frau wahrgenommen werden obwohl ich als Mann geboren wurde?
Möchte ich Damenkleidung tragen jedoch weiterhin als Mann wahrgenommen werden als der ich auch geboren wurde?

Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber abgesehen von dem Bild welches wir vermitteln möchten gibt es keine Fragen die wir uns stellen müssten bevor wir auf die Straße gehen.

Liebe Grüße,
Regina

Re: Ein ganzer Kerl im Rock

Verfasst: Sa 8. Nov 2014, 11:56
von triona
Dem meisten, was hier schon geschrieben wurde kann ich mich vorbehaltslos anschließen. Insbesondere der Bewunderung des Tuns von Rudi Neumann und dem Lob für diesen Artikel und der Hervorhebung seines letzten Abschnitts. Meine Rede ist ja schon seit langem, daß es keine wirkliche Rolle spielt, ob so etwas in einer Großstadt gelebt wird oder auf dem platten Land oder im hintersten Winkel eines finster bewaldeten Gebirges. Der Beispiele gibt es ja mittlerweile genug.

Lukretia hat geschrieben:Ich habe mich bei einigen Gelegenheiten in meinem Leben nicht situationsangemessen gekleidet. Bei einer Feier, bei der alle im schwarzen oder dunklen Anzug kamen, trug ich einen grünen. Es gibt noch andere Beispiele, die ich nicht alle aufzählen will und kann. Ich weiß nicht, ob das was mit Crossdressing zu tun hat. Ich war jahrelang auf einer anderen Fährte. Unter den Diagnosekriterien der Schizotypischen Persönlichkeitsstörung lautet eins: "Verhalten und äußeres Erscheinungsbild sind der Situation nicht angemessen".
(Hervorhebung von mir)

Ich würde sagen: ganz eindeutig.
Kommt nämlich ganz drauf an, wie man "Crossdressing" (ich bevorzuge ds etwas ältere Wort "Transvestismus") versteht.

Wer mehr dazu lesen möchte, schaue hier:
http://transgender.at/galerie/showuser. ... AT&attr=ks
Das ist ein kleiner Aufsatz aus dem Jahr 2004 zu genau dieser Frage. Da habe ich unter anderem auch erklärt, wie ich Transvestismus verstehe - nämlich nicht nur bezogen auf Geschlechtsrollen-Transvestismus, sondern durchaus auch umfassender. Da ist dann die Frage des Geschlechts nur eine von recht vielen.

Am Ende des Aufsatzes findet ihr auch eine Literaturliste mit den von mir verwendeten Quellen. Den Ausschlag für das Verfassen dieses Aufsatzes hat für mich damals das Buch von Marjorie Garber gegeben, die ihren Doktortitel nicht etwa in Soziologie, Psychologie, Psychiatrie, Medizin oder etwas ähnlichem erworben hat, sondern in Anglistik mit dem Schwerpunkt Literatur- und Theaterwissenschaft. Ich habe es übrigens durch reinen Zufall gefunden in der öffentlichen Stadtbücherei der weitbekannten Weltstadt Aue im finster bewaldeten Erzgebirge und nicht in einer riesigen Hochschulbücherei einer Großstadt.


liebe grüße
triona

Re: Ein ganzer Kerl im Rock

Verfasst: Sa 8. Nov 2014, 14:01
von conny
@triona,

was hat es mit crosssdressing zu tun, wenn jemand unter in schwarzen oder dunklen anzügen gekleideten einen grünen trägt?

Re: Ein ganzer Kerl im Rock

Verfasst: Sa 8. Nov 2014, 14:50
von triona
conny hat geschrieben:@triona,

was hat es mit crosssdressing zu tun, wenn jemand unter in schwarzen oder dunklen anzügen gekleideten einen grünen trägt?

Wenn das z.B. auf einer Beerdigung in konservativem Rahmen geschieht, wo eben alle in Schwarz erscheinen, und dies auch immer von allen erwartet wird, dann fällt er damit schon aus der Rolle. Und zwar durch Kleidung, die in diesem Fall von vielen als unangemessen für den (gesellschaftlichen) Anlaß angesehen wird. Er kleidet sich damit entgegen den allgemeinen gesellschaftlichen Erwartungen und Gepflogenheiten. (engl: He dresses cross to common social expectation and convention.) Zugegeben, ich dachte beim Lesen von Lukretias Beitrag auch spontan an einen leuchtend hellgrünen, und nicht an einen fast schwarz erscheinenden dunkelgrünen. *)

Eine denkbare Steigerung des grünen Anzugs wäre z.B das Erscheinen in einem Harlekinskostüm auf einer Beerdigung. Und wer sowas außerhalb von Fasching oder Bühne, Zirkus Fernsehschau o.ä. in der Öffentlichkeit trägt, erregt bei manchen Zeitgenossen schon mal eine gewisse Ablehnung. Auch wenn es heutzutage vielerorts nicht mehr so sehr auffallen dürfte, wie vor noch nicht allzu lange vergangenen Zeiten. Aber auch für den Transvestismus in engerem Sinne (was jetzt Geschlechtsrollen-TV meinen soll) lösen sich ja die überkommenen Gepflogenheiten und deren allgemeine Auffälligkeit so langsam immer mehr auf.

Auch die Erwartung und Gepflogenenheit "nur schwarz zu Beerdigungen" löst sich wohl heutzutage vielerorts schon auf, aber in konservativem Umfeld kann das durchaus schon auch bisweilen heute noch als Provokation aufgefaßt werden. Zu meiner Jugendzeit und auch noch in den erst gerade vergangenen Jahrzehnten war das vielerorts ein eindeutges "Geht-gar-nicht".

Allgemeines Kopfschütteln, Naserümpfen und Getuschel bei den "Schwarzen" konnte dieser Person zumindest einigermaßen sicher sein. Allgemeine Ablehnung und Ausgrenzung solcher Menschen war und ist auch stellenweise heute noch durchaus nicht selten. Und damit wäre der Kreis zu den Geschlechtsrollen-Transvestiten wieder geschlossen. Die mögliche Provokation - in diesem Zusammenhang durch Kleidung - und deren allgemeine gesellschaftliche Ablehnung und möglicherweise folgende Ächtung der abweichenden Person kann nämlich durchaus die selbe sein.

Selbstverständlich beinhaltet diese Definition eine Erweiterung und Verallgemeinerung der Begriffe Transvestismus und Crossdressing weit über die Geschlechterrollen hinaus. Aber der gesellschaftliche Wirkungszusammenhang ist nmM in allen diesen Fällen der gleiche. Und die Folgen für die "falsch" gekleidete Person sind es sehr häufig ebenso.

Hast du eigentlich meinen Aufsatz gelesen?
Da habe ich es recht ausführlich (anhand von anderen Beispielen) beschrieben und mE auch einigermaßen verständlich erklärt, wie ich das verstehe. Was ich dort geschrieben habe, soll auch als Denkanstöße verstanden werden, und nicht als Darstellung "unumstößlicher Wahrheiten" mißverstanden.


liebe grüße
triona


*)
Externes Bild, es gelten die Datenschutz- und Nutzungsbestimmungen der ausgewählten Seite.Quelle: http://up.picr.de/20064501at.jpg

Daß das hellgrün und nicht grau ist, kommt auf dem Bild leider nicht so richtig zur Geltung. Der Anzug in Gr. 52m/46f ist übrigens noch günstig zu haben.
Ich ziehe ihn zu Beerdigungen nicht mehr an. :wink:
Ggf bitte PN.