Seite 1 von 2

.....und eure Stimme?

Verfasst: Do 6. Nov 2014, 17:10
von Plisseedreher70
Viele von euch gehen ja als perfekt gekleidete und gestylte Frau auf die Straße, zum Einkaufen oder Kaffeetrinken u.ä.
und fallen eigentlich nirgendwo auf. Aber in dem Moment, wo ihr euch mit jemanden unterhaltet, wird es offensichtlich,
ihr seid männlicher Herkunft, denn die tiefere Stimme läßt sich nicht so einfach kaschieren. Wie geht ihr das Problem
eigentlich an, falls es eines überhaupt sein sollte? Eure Gedanken darüber würde mich als Heimdresser sehr interessieren!
Liebe Grüße vom Plisseedreher70

Re: .....und eure Stimme?

Verfasst: Do 6. Nov 2014, 17:17
von Nicoletta
Ich mache mir da überhaupt keine Gedanken, da ich von Haus aus eine wenig männliche Stimme habe. Es ist mir mehrfach vorgekommen, dass ich, wenn ich am Telefon einen Anruf annahm, dass das Gegenüber dann äußerte, es hätte aber gerne Herrn X. gesprochen. Zumindest am Telefon bin ich also bei Unbekannten mühelos als Frau durchgegangen.

LG Nicoletta

Re: .....und eure Stimme?

Verfasst: Do 6. Nov 2014, 18:51
von nicole.f
Hallo!
Also für die, die es stört, könnte das hier dann vielleicht interessant sein:

http://queer-mittelrhein.de/finde-deine ... he-stimme/

Das ist schlussendlich das recht bekannte "Finding your female voice" aus den USA[1] - eine Methode, die wohl in der Tat recht erfolgreich funktioniert. Eine die es in knapp 8 Monaten zeimlich perfekt hinbekommen hat, habe ich auch gerade kennenlernen dürfen. Da hört man nichts mehr von einem Kerl.

Das mit der Stimme ist wirklich so eine Sache.

Allgemein denke ich, dass es die Summe der präsentierten Eigenschaften ist, die ausschlaggebend ist für die Wahrnehmung. Klar gibt es völlige K.O. Dinge, wie Vollbart. Aber wenn die nicht da sind, ist es wirklich die Summe, die letztlich entscheidet. Stimmt alles andere, dann kann mindestens ein Aspekt durchaus aus der Reihe tanzen - so wie eben die Stimme. Je mehr Aspekte nicht stimmen, desto kritischer wird es.

Ist aber die Möglichkeit viele Aspekte darzustellen eingeschränkt, wie eben am Telefon, dann wird es sehr eng.

So ergeht es mir zur Zeit. Trete ich anderen Menschen direkt gegenüber, habe ich keine Probleme, auch nicht mit der Stimme. Jedenfalls keines, dass sofort auffällig würde, also das ich komisch angeschaut würde oder man mich spontan mit "Herr" oder "er" anspräche. Eher im Gegenteil hatte ich schon ganz süße Situationen, als es meinem Gegenüber dann erst _sehr_ spät anhand anderer Dinge (sagen wir z.B. Pass) klar wurde.

Doch das ganze scheitert dann eben am Telefon. Da kann ich den Eindruck nicht durch Aussehen und Ausstrahlung kompensieren, hier zählt nur Stimme, Stimmhöhe, Betonung, Resonanz, Duktus etc. Das ist deutlich diffizieler, als nur eine Oktave höher zu klingen.

Anfangs dachte ich auch, das mir das alles schnuppe sein könnte. Es ist eben wie es ist und ich fange nicht an mich zu verbiegen, nur weil jemand vielleicht komisch gucken könnte. Doch es wird im Alltag einfach lästig, wenn man seinem Telefongesprächspartner dreimal deutlich sagen muss, dass da in der Tat die Frau am Telefon ist und nicht der Herr. Doch auch das könnte ich noch einigermaßen aushalten. So richtig unschön wird es wenn man dann merkt, wie der Mensch am anderen Ende der Leitung das ganze Gespräch hinweg darüber nachzudenken scheint, was da jetzt gerade passiert ist. Ich fühle mich dann nicht mehr ernst genommen und das stört mich.

Jetzt gibt es wohl drei Herangehensweisen an das Problem:
1. Operation, Stimbandstraffung oder eine neue OP Methode aus Halle, bei der der Abstand zwischen den Stimmbändern verringert wird.
2. Logopädie
3. Finding your female voice (FYFV)

Eine Operation ist kritisch und gefährlich. Der Ausgang ist sehr ungewiss, der Stimmumfang hinterher auf jeden Fall eingeschränkt (man verliert an Spektrum), es kann zu einer chronischen Heiserkeit kommen und das Ergebnis ist im schlimsten Fall nicht dauerhaft. Außerdem dauert es teils Monate, bis die Stimme wieder halbwegs gesund klingt. Und man braucht trotz OP recht sicher noch wietere Logopädie, ohne geht wohl nicht, da es sonst einfach nur künstlich hoch klingt. Denn wie anfangs schon erwähnt, die Tonhöhe ist nur ein vergleichsweise kleiner Teil dessen, was eine weibliche Sprechweise ausmacht.

Logopädie machen viele, doch mit meist eher mäßigem Erfolg. Es gibt nur wenige wirklich gute Logopäden, die Erfahrung und Expertise im Bereich der MzF Stimmbildung haben. Logopädie ist zudem auch eine recht vereinheitlichte Ausbildung, d.h. alle basieren letztlich in etwa auf gleichen oder sehr ähnlichen Techniken und versuchen die gleichen vermeintlichen Fehler zu vermeiden. Sie haben Angst vor bleibenden Schäden durch Überbeanspruchung - chronische Heiserkeit, Knoten auf den Stimmbändern etc. Logopäden setzen daher wohl meist eher auf das Training der Betonung, Sprachmelodie und ein bisschen Stimmhöhe. Leider kommt dabei all zu oft etwas heraus, dass man eher im Rotlichviertel sucht, eine zart gehauchte Stimme, kaum Volumen, wenig Laustärke und teils etwas überbetonter Sing-Sang.

Die dritte Methode, FYFV, ist etwas, was Logopäden wohl als eine "antrainierte Sprechstörung" bezeichnen - so sagte es Katja, die bei Queer Mittelrhein gerade wieder den Workshop leitet. Bei den Methoden von FYFV dreht es den Logopäden den Magen um und sie prophezeihen schlimmste bleibende Schäden. Nun, Katja benutzt diese Stimme seit Jahren, genau wie viele andere auch, und es gibt keine Schäden. Eher im Gegenteil, das ist das natürlichste, was ich bisher bei Transfrauen gehört habe. Wenn das eine Sprechstörung ist, na bitte, die hätte ich auch gerne :)

Der Haupt-Trick und Hauptunterschied zwischen einer männlichen und einer weiblichen Stimme ist das Resonanzvolumen. Das ist der Raum im Kehlkopf in der Nähe der Stimmbänder. Dieser Raum vergrößert sich im Rahmen der Pubertät und des Stimmbruchs. Während die Stimmbänder mit wachsen und damit die Stimmhöhe absinkt, sorgt das größere Volumen zusätzlich für Resonanz. Die Stimmhöhe kann jeder leicht etwas anheben. Viel braucht es bei den meisten gar nicht, um vom männlichen in den unteren weiblichen Bereich der Tonhöhe zu kommen. Doch selbst dann klingt es nicht weiblich, weil eben die Resonanz noch zu groß ist.

Der Sprechapparat besteht aus einer Vielzahl von Muskeln. Muskeln, die man wie fast jeden anderen Muskel im Körper direkt oder indirekt trainieren kann (die Muskeln im Arm kann man direkt willentlich beeinflussen und trainieren, den Herzmuskel in diesem Sinne nur indirekt). Um den Sprechapparat gibt es auch Muskeln, mit denen das Volumen beeinflusst werden kann. Normalerweise steuern wir diese aber nicht willentlich. Was FYFV nun macht ist, sich mit Hilfe von Übungen dieser Muskeln bewusst zu werden, diese bewusst zu trainieren und damit das Volumen zu reduzieren.

Das Problem dabei ist nur, es braucht Übung. Viel Übung. Laaange Übung. Und gruselige Übungsaufgaben - schaut Euch mal die verlinkten Videos an. Es ist teils stupide und braucht einfach Zeit. Eine OP klingt hingegen verlockend, hinlegen, einschlafen, aufwachen, fertig. ABER so ist es nicht! Nach der OP geht es erst richtig los und man muss auch üben, trainieren und nochmal üben. Wenn ich also schon üben muss, dann spare ich mir lieber die OP und behalten meinen Ton-Umfang. Ab und zu mag ich meinen Bass doch ganz gerne, hat schließlich nicht jede Frau :)

Liebe Grüße
nicole

[1] FYFV
http://www.deepstealth.com/film-tv-vide ... ale-voice/

Re: .....und eure Stimme?

Verfasst: Fr 7. Nov 2014, 00:02
von Lina
Nicoletta hat geschrieben:Ich mache mir da überhaupt keine Gedanken, da ich von Haus aus eine wenig männliche Stimme habe. Es ist mir mehrfach vorgekommen, dass ich, wenn ich am Telefon einen Anruf annahm, dass das Gegenüber dann äußerte, es hätte aber gerne Herrn X. gesprochen. Zumindest am Telefon bin ich also bei Unbekannten mühelos als Frau durchgegangen.

LG Nicoletta
Stimmt, einige von uns haben eine nicht soo typisch eindeutig männliche Stimme.

Re: .....und eure Stimme?

Verfasst: Fr 7. Nov 2014, 00:03
von Andrea aus Sachsen
.
Ich spreche eigentlich auch ganz normal. Bestenfalls ein wenig die Brust anspannen, das nimmt etwas die ganz tiefen Töne weg. So hatte ich in der Öffentlichkeit noch nie Probleme, keine erstaunten Blicke, wenn ich zu sprechen beginne. Inwiefern meine Stimme tatsächlich ein wenig weiblich klingt, können nur die beurteilen, die mich schon mal live gehört haben.

Re: .....und eure Stimme?

Verfasst: Fr 7. Nov 2014, 07:12
von MarieB
Hallo,

gibt es das Ganze inzwischen auch auf deutsch?

Ich denke nicht, dass mein Englisch so gut ist allem folgen zu können und daher macht es wenig Sinn für mich die DVD in Englisch zu kaufen.

Marie

Re: .....und eure Stimme?

Verfasst: Fr 7. Nov 2014, 09:41
von triona
Andrea aus Sachsen hat geschrieben:.
... Inwiefern meine Stimme tatsächlich ein wenig weiblich klingt, können nur die beurteilen, die mich schon mal live gehört haben.
Hört sich auf jeden Fall schon mal nicht schlecht an.
Wahrscheinlich besser, als bei mir.

liebe grüße
triona

Re: .....und eure Stimme?

Verfasst: Fr 7. Nov 2014, 10:45
von Lieschen
Hallo,

ich hatte 2013 insgesamt 18 Sitzungen bei einer Logopädin. Jede Sitzung dauerte 60 Minuten und kostete 50,- Euro BAT (Bar auf Tatze).
Es war anstrengend, teilweise erfolgreich. Schliesslich habe ich aufgehört, weil ich denke, dass die Leute, sofern sie an der Stimme mein biol. Geschlecht erkannt haben, sich eben damit abfinden sollen. Tun sie es nicht, ist es deren Problem. Meins auf jeden Fall nicht.
Dennoch ist es natürlich entspannter, wie auch nicole.f schrieb, wenn es gar nicht erst zu Irritationen kommt. Insofern waren meine Sitzungen doch erfolgreich, indem ich z. B. gelernt habe, bestimmte Redewendungen und Satzeröffnungen zu benutzen, die mir das Passing erleichtern. Wenn Interesse besteht, kann ich diese Sachen gern mal schreiben.

Tschüs, Lieschen

Re: .....und eure Stimme?

Verfasst: Fr 7. Nov 2014, 11:01
von nicole.f
Hallo Lieschen!
Ja gerne, schreibe das bitte mal auf! Würde mich sehr sehr interessieren, was das ist.

Liebe Grüße
nicole

Re: .....und eure Stimme?

Verfasst: Fr 7. Nov 2014, 11:24
von Ulrike-Marisa
Moin,

... Stimmtraining mache ich im Auto auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause aber auch nicht immer - abgeschaute Versuche, die Tonlage allgemein etwas zu heben und einen weiblicheren Singsang in die Stimme zu bekommen. Für das Telefon kann so etwas reichen, im Leben aber nicht. Zur Stimme gehören Grestik, Mimik - reden mit den Händen, Wortwahl und typisch weibliche Redewendungen d.h. die allgemein weniger aggressive Art Dinge zu benennen und anzusprechen etc. - alles hier im Forum an anderer Stelle auch schon mal ausführlich beschrieben worden: Weibliche Stime oder so...
Ansonsten müssen mich alle so nehmen, wie ich eben bin. (moin)

LG, Ulrike-Marisa ))):s

Re: .....und eure Stimme?

Verfasst: Fr 7. Nov 2014, 14:14
von ReaGirl
Mhm danke fyfv kannte ich so noch nicht, ich habe zwar das brummen aus der stimme raus so halbwegs, aber das sieht mal nach einem vernünftigen ansatz aus in dessen richtung ich üben kann...logop. kann ich immer noch machen wenns net klappt.

Geld verbrauchen dinge wie auto, bart, brille usw. schon genug ^^

Danke :)

Re: .....und eure Stimme?

Verfasst: So 9. Nov 2014, 14:29
von triona
nicole.f hat geschrieben:Hallo Lieschen!
Ja gerne, schreibe das bitte mal auf! Würde mich sehr sehr interessieren, was das ist.

Liebe Grüße
nicole

ebenso

liebe grüße
triona

Re: .....und eure Stimme?

Verfasst: So 9. Nov 2014, 15:08
von Jaqueline
Hi,
ich habe mit der Zeit gelernt, höher zu reden, ohne das es mich anstrengt. Ich war nicht zur Logopädie (Zeitmangel). Ich werde am Telefon nur noch als Frau angeredet. Ich rede auch etwas leiser aber mehr fliesend. Meine Männlichkeit fällt eigentlich nur beim Räuspern oder Husten auf, das habe ich noch nicht im Griff.

Ganz liebe Grüsse
Jaqueline

Re: .....und eure Stimme?

Verfasst: So 9. Nov 2014, 21:23
von Lieschen
Hallo,

ist ok, ich schreib's gern auf, wie es bei der Logopädie war.
Es kann aber etwas dauern, bin nur eine "Arthrosetipperin" (so meine lästermäuligen Kinder zu meiner Schreibgeschwindigkeit).

Tschüs, Lieschen

Re: .....und eure Stimme?

Verfasst: Mo 10. Nov 2014, 08:58
von ReaGirl
Hab mal eine Frage an die fyfv Nutzer hier ;)

Sie spricht bei einer der Findungsübungen vom "break" den man zuerst finden muss in seiner stimme für die zukünftige tonlage. Meint sie damit ab wann die Stimme automatisch stockt/pausiert/bricht (oder ist das nur unkonzentriertheit?) oder soweit wie es geht ohne das man ins "jammern" anfängt weils an die obere Tonlagengrenze der stimmbänder geht? Oder was ganz anderes was ich nicht geschnallt habe? ^^