Hallo!
Also für die, die es stört, könnte das hier dann vielleicht interessant sein:
http://queer-mittelrhein.de/finde-deine ... he-stimme/
Das ist schlussendlich das recht bekannte "Finding your female voice" aus den USA[1] - eine Methode, die wohl in der Tat recht erfolgreich funktioniert. Eine die es in knapp 8 Monaten zeimlich perfekt hinbekommen hat, habe ich auch gerade kennenlernen dürfen. Da hört man nichts mehr von einem Kerl.
Das mit der Stimme ist wirklich so eine Sache.
Allgemein denke ich, dass es die Summe der präsentierten Eigenschaften ist, die ausschlaggebend ist für die Wahrnehmung. Klar gibt es völlige K.O. Dinge, wie Vollbart. Aber wenn die nicht da sind, ist es wirklich die Summe, die letztlich entscheidet. Stimmt alles andere, dann kann mindestens ein Aspekt durchaus aus der Reihe tanzen - so wie eben die Stimme. Je mehr Aspekte nicht stimmen, desto kritischer wird es.
Ist aber die Möglichkeit viele Aspekte darzustellen eingeschränkt, wie eben am Telefon, dann wird es sehr eng.
So ergeht es mir zur Zeit. Trete ich anderen Menschen direkt gegenüber, habe ich keine Probleme, auch nicht mit der Stimme. Jedenfalls keines, dass sofort auffällig würde, also das ich komisch angeschaut würde oder man mich spontan mit "Herr" oder "er" anspräche. Eher im Gegenteil hatte ich schon ganz süße Situationen, als es meinem Gegenüber dann erst _sehr_ spät anhand anderer Dinge (sagen wir z.B. Pass) klar wurde.
Doch das ganze scheitert dann eben am Telefon. Da kann ich den Eindruck nicht durch Aussehen und Ausstrahlung kompensieren, hier zählt nur Stimme, Stimmhöhe, Betonung, Resonanz, Duktus etc. Das ist deutlich diffizieler, als nur eine Oktave höher zu klingen.
Anfangs dachte ich auch, das mir das alles schnuppe sein könnte. Es ist eben wie es ist und ich fange nicht an mich zu verbiegen, nur weil jemand vielleicht komisch gucken könnte. Doch es wird im Alltag einfach lästig, wenn man seinem Telefongesprächspartner dreimal deutlich sagen muss, dass da in der Tat die Frau am Telefon ist und nicht der Herr. Doch auch das könnte ich noch einigermaßen aushalten. So richtig unschön wird es wenn man dann merkt, wie der Mensch am anderen Ende der Leitung das ganze Gespräch hinweg darüber nachzudenken scheint, was da jetzt gerade passiert ist. Ich fühle mich dann nicht mehr ernst genommen und das stört mich.
Jetzt gibt es wohl drei Herangehensweisen an das Problem:
1. Operation, Stimbandstraffung oder eine neue OP Methode aus Halle, bei der der Abstand zwischen den Stimmbändern verringert wird.
2. Logopädie
3. Finding your female voice (FYFV)
Eine Operation ist kritisch und gefährlich. Der Ausgang ist sehr ungewiss, der Stimmumfang hinterher auf jeden Fall eingeschränkt (man verliert an Spektrum), es kann zu einer chronischen Heiserkeit kommen und das Ergebnis ist im schlimsten Fall nicht dauerhaft. Außerdem dauert es teils Monate, bis die Stimme wieder halbwegs gesund klingt. Und man braucht trotz OP recht sicher noch wietere Logopädie, ohne geht wohl nicht, da es sonst einfach nur künstlich hoch klingt. Denn wie anfangs schon erwähnt, die Tonhöhe ist nur ein vergleichsweise kleiner Teil dessen, was eine weibliche Sprechweise ausmacht.
Logopädie machen viele, doch mit meist eher mäßigem Erfolg. Es gibt nur wenige wirklich gute Logopäden, die Erfahrung und Expertise im Bereich der MzF Stimmbildung haben. Logopädie ist zudem auch eine recht vereinheitlichte Ausbildung, d.h. alle basieren letztlich in etwa auf gleichen oder sehr ähnlichen Techniken und versuchen die gleichen vermeintlichen Fehler zu vermeiden. Sie haben Angst vor bleibenden Schäden durch Überbeanspruchung - chronische Heiserkeit, Knoten auf den Stimmbändern etc. Logopäden setzen daher wohl meist eher auf das Training der Betonung, Sprachmelodie und ein bisschen Stimmhöhe. Leider kommt dabei all zu oft etwas heraus, dass man eher im Rotlichviertel sucht, eine zart gehauchte Stimme, kaum Volumen, wenig Laustärke und teils etwas überbetonter Sing-Sang.
Die dritte Methode, FYFV, ist etwas, was Logopäden wohl als eine "antrainierte Sprechstörung" bezeichnen - so sagte es Katja, die bei Queer Mittelrhein gerade wieder den Workshop leitet. Bei den Methoden von FYFV dreht es den Logopäden den Magen um und sie prophezeihen schlimmste bleibende Schäden. Nun, Katja benutzt diese Stimme seit Jahren, genau wie viele andere auch, und es gibt keine Schäden. Eher im Gegenteil, das ist das natürlichste, was ich bisher bei Transfrauen gehört habe. Wenn das eine Sprechstörung ist, na bitte, die hätte ich auch gerne
Der Haupt-Trick und Hauptunterschied zwischen einer männlichen und einer weiblichen Stimme ist das Resonanzvolumen. Das ist der Raum im Kehlkopf in der Nähe der Stimmbänder. Dieser Raum vergrößert sich im Rahmen der Pubertät und des Stimmbruchs. Während die Stimmbänder mit wachsen und damit die Stimmhöhe absinkt, sorgt das größere Volumen zusätzlich für Resonanz. Die Stimmhöhe kann jeder leicht etwas anheben. Viel braucht es bei den meisten gar nicht, um vom männlichen in den unteren weiblichen Bereich der Tonhöhe zu kommen. Doch selbst dann klingt es nicht weiblich, weil eben die Resonanz noch zu groß ist.
Der Sprechapparat besteht aus einer Vielzahl von Muskeln. Muskeln, die man wie fast jeden anderen Muskel im Körper direkt oder indirekt trainieren kann (die Muskeln im Arm kann man direkt willentlich beeinflussen und trainieren, den Herzmuskel in diesem Sinne nur indirekt). Um den Sprechapparat gibt es auch Muskeln, mit denen das Volumen beeinflusst werden kann. Normalerweise steuern wir diese aber nicht willentlich. Was FYFV nun macht ist, sich mit Hilfe von Übungen dieser Muskeln bewusst zu werden, diese bewusst zu trainieren und damit das Volumen zu reduzieren.
Das Problem dabei ist nur, es braucht Übung. Viel Übung. Laaange Übung. Und gruselige Übungsaufgaben - schaut Euch mal die verlinkten Videos an. Es ist teils stupide und braucht einfach Zeit. Eine OP klingt hingegen verlockend, hinlegen, einschlafen, aufwachen, fertig. ABER so ist es nicht! Nach der OP geht es erst richtig los und man muss auch üben, trainieren und nochmal üben. Wenn ich also schon üben muss, dann spare ich mir lieber die OP und behalten meinen Ton-Umfang. Ab und zu mag ich meinen Bass doch ganz gerne, hat schließlich nicht jede Frau
Liebe Grüße
nicole
[1] FYFV
http://www.deepstealth.com/film-tv-vide ... ale-voice/