Besuch beim Psychotherapeuten?
Besuch beim Psychotherapeuten? - # 2

Hilfe und Selbsthilfe
Lukretia
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Re: Besuch beim Psychotherapeuten?

Post 16 im Thema

Beitrag von Lukretia »

Was aber, wenn der Klient zwar ahnt, dass mit ihm etwas nicht stimmt, aber nicht ahnt, dass er transsexuell ist? Er erzählt zwar von seinem Fetisch, aber scheinbar geht die Abhängigkeit vom Fetisch während der Therapie zurück. Der Therapeut scheint auch nichts zu ahnen. Jedenfalls sagt er kein Wort in Richtung transsexuell. Das Ganze scheint eine zwangsneurotische Störung zu sein. Wahrscheinlich war die Abhängigkeit von der Mutter zu groß...
Man darf aber nicht vergessen, dass mir die Therapie auf anderen Gebieten zu einem klaren Standpunkt verholfen hat, das ist nicht zu verachten. Nur leider, dass in mir eine Frau steckt, zu dieser Selbstdiagnose bin ich erst 18 Jahre nach Ende der Therapie gelangt. Es ist schon so, dass viele Therapeuten auf Transsexualität nicht vorbereitet/geschult sind, anscheinend vor allem klassische Freudianische Analytiker nicht. Meine Vermutung.

Lukretia
MarieB
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Re: Besuch beim Psychotherapeuten?

Post 17 im Thema

Beitrag von MarieB »

Hallo Nicole,

Was mir fehlt ist die Verbindung oder der Zusammenhang zum Alltagstest. Darauf wird der Therapeut doch achten müssen, oder?

Sonst könnte ja auch jemand was vor spielen, weil er als Mann einfach Brüste haben will oder so.

Wie ist das also mit dem Alltagstest?

Danke
Marie
Gruß

Marie
Anne-Mette
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Re: Besuch beim Psychotherapeuten?

Post 18 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
zu dieser Selbstdiagnose bin ich erst 18 Jahre nach Ende der Therapie gelangt.
Das nenne ich Nachhaltigkeit (smili)

Spaß beiseite.

Hier gerät wohl einiges durcheinander:
Was aber, wenn der Klient zwar ahnt, dass mit ihm etwas nicht stimmt, aber nicht ahnt, dass er transsexuell ist? Er erzählt zwar von seinem Fetisch, aber scheinbar geht die Abhängigkeit vom Fetisch während der Therapie zurück.
Wie kommst Du im Zusammenhang von "Transsexualität" auf "Fetisch" ???

Gruß
Anne-Mette
Lukretia
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Re: Besuch beim Psychotherapeuten?

Post 19 im Thema

Beitrag von Lukretia »

Anne-Mette fragt:
Wie kommst Du im Zusammenhang von "Transsexualität" auf "Fetisch" ???
Folgendermaßen: Mein Fetischismus (Anziehen von Damenwäsche- und Kleidung, Selbstbefriedigung mit einem Dildo), der sich über Jahrzehnte verfestigt hat, spricht eine bestimmte Sprache, verschlüsselt zwar, aber diese Sprache ist lesbar. Ich bin erst spät dazu gekommen, die Sprache zu entschlüsseln und zu verstehen. Ich ahnte zwar etwas, aber der letzte Erkenntnisschritt fehlte. Heute weiß ich: Ich bin zwar nicht biologisch, wohl aber sozial und sexuell eine Frau, die die Frau in sich sozial und sexuell nicht akzeptieren und ausleben konnte und deshalb im Fetischismus in den eigenen vier Wänden einen Ausgleich, ein Ventil, für den Wunsch, als Frau zu leben und als Frau penetriert zu werden (was nicht jede Transfrau will) gesucht und gefunden hat.
In meinem Fall, ich betone: bei mir, bei anderen mag das anders sein, steht der Fetisch (das Ritual) eindeutig in Zusammenhang mit meiner bis vor kurzem versteckten Transsexualität, die ich definiere als: das körperliche und das tatsächlich bestehende und (bei mir lange unbewusst) empfundene Geschlecht stimmen nicht überein. Fetisch und Transsexualität bedingen bei mir einander.
Die Fetischhandlung hat wahrscheinlich auch dazu gedient, die Frage einer Geschlechtsangleichung, die ich mir als junger Mann schon einmal gestellt habe, "überflüssig" zu machen. Durch die Fetischhandlung wurde es auch "überflüssig", als Frau auf die Straße zu gehen. Ich hatte meine Weiblichkeit schon im Stillen rausgelassen. Ich muss betonen, dass es zeitweise zu Fetisch-Exzessen gekommen ist (immer im stillen Kämmerlein).

Lukretia
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Re: Besuch beim Psychotherapeuten?

Post 20 im Thema

Beitrag von Lukretia »

Ich würde Dir raten, einen Therapeuten zu kontaktieren, der Erfahrung mit trans hat und gleichzeitig mal auszuprobieren was passiert, wenn Du als Frau an die Öffentlichkeit gehst. Soweit ich weiß, verschwindet bei den meisten TS der transvestitische Fetischismus, sobald sie anfangen ihre weibliche Identität auszuleben.
Von Therapie habe ich genug. Ich habe zehn Jahre intensive Therapie, zwischen 40 und 50 gemacht, das reicht. Inzwischen bin ich jenseits der 60.
In beginne seit kurzem, meine weibliche Identität auszuleben. Zwar gehe ich noch nicht als Frau gekleidet in die Öffentlichkeit, aber heute zum Beispiel habe ich ganz offen im Männermodus in einem Warenhaus jede Menge Damensachen eingekauft, darunter BH's, Höschen, Strümpfe, rosa Nachthemden und Pumps. Damit habe ich jetzt keine Probleme mehr, naja, ein klein wenig rot bin ich an der Kasse noch geworden, aber nur ein wenig.
Ich kann nachvollziehen, dass der Fetischismus weniger wichtig wird, wenn die weibliche Identität stärker zu Bewusstsein kommt und ausgelebt wird. Das erlebe ich zur Zeit.

LG
Lukretia
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Re: Besuch beim Psychotherapeuten?

Post 21 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Hallo Ihr Lieben!
Ja, der Weg zur gesicherten Diagnose ist nicht notwendigerweise ein geradliniger und Therapeuten sind keine Hellseher. Ein Therapeut kann nur mit beurteilen, was er an Informationen vom Klienten bekommt. Er kann darin dann versuchen bekannte Muster zu finden und durch hinterfragen versuchen gemeinsam mit dem Klienten abzuklären, welche tieferen Beweggründe und Ursachen dahinter stehen könnten. Daher kann es passieren, dass eine Therapie eines konkreten Leidens in der Tat Jahre braucht - vom Auffinden der Ursache bis zu seiner Bewältigung.

Im völlig liuftleeren Raum findet das alles glücklicherweise auch nicht statt. Da kommt ein_e Klient_in und äußert ein Problem - wenn er_sie kein Problem hätte, würde er/sie auch gar nicht erst zu einem Therapeuten gehen. Natürlich kann es dann passieren, dass die Selbstdiagnose durch den_die Klienten_in nicht korrekt ist. Auch kann es passieren, dass das geschilderte Problem gar nicht die Ursache, sondern nur ein Symptom ist - so wie Lukretias Beispiel mit dem vermuteten Fetischismus es wohl war. Nichts desto trotz ist es enorm wichtig, dass der_die Kleint_in dem Therpeuten so klar wie möglich schildert, wie er_sie das Problem empfindet und worin aus der Klientensicht die Ursachen begründet sein könnten.

Wir hier im Forum haben alle eine recht klare Vorstellung davon. Wir wissen recht genau, dass Geschlecht für uns nicht so eindeutig ist, wie es für viele andere ist. Das ist etwas ganz anderes, als bspw. das Problem, dass jemand gerne an Socken riecht, um erregt zu werden. Alleine bereits diese klare Formulierung, dass es da etwas gibt, dass den_die Klient_in an Geschlechtlichkeit im klassischen Sinne zweifeln lässt, dass es da Phantasien gibt, die dies massiv in Frage stellen, sollte einen guten Therapeuten auf die richtige Fährte bringen. Ab hier sind dann intelligente Fragen wichtig, um verstehen zu können, was in dieser Person wirklich vor sich geht.

Das große Problem an dieser Stelle ist leider, dass es recht unterschiedliche Schulen in der Psychologie und Psychotherapie gibt. Freud wurde hier bspw. bereits angesprochen. Ob man es glaubt oder nicht, es gibt heute imernoch eine ganze Riege von Psychologen und Psychiatern, die Transsexuelität, so wie wir sie verstehen, völlig ablehnen. Für sie sind Transsexuelle nach wie vor verklemmte Homosexuelle, die sich ihre eigene Homosexualität nicht eingestehen wollen und deshalb, um weiterhin dem Heteronormativ zu entsprechen, lieber das eigene soziale und körperliche Geschlecht anpassen wollen. Gruselig. Noch schlimmer gibt es auch darunter wieder einige, die Homosexualität dann auch noch für eine krankhafte psychische Störung halten, die womöglich therapierbar sei! Noch viel gruseliger. Wer sich das gerade nicht vorstellen kann, der suche mal nach Prof. Dr. Dr. Klaus Michael Beier aus Berlin. Er ist genau solch einer. Und er ist leider genau auch noch einer, der seit Jahren immer wieder in den Expertengremien und Ausschüssen sitzt, die über die Begutachtungs- und Behandlungsrichtlinien entscheiden.

Gerät man an den "falschen" Therapeuten, kann das natürlich fatale Folgen haben. Verfolgt der Therapeut seine eigene Agenda, wie Herr Beier, oder stellt nicht die richtigen Fragen oder erkennt nicht das Bild, dann kann diese Therapie oder Begleitung leicht aus dem Ruder geraten und den_die Klient_in noch viel weiter ins Verderben treiben. Kann passieren. Oder es hilft eben nicht. Hier ist die Eigenverantwortung des Klienten gefragt. Man muss selbst merken, wenn es nicht hilft oder gar schädlich wird und dann eben einen aderen Therapeuten aufsuchen. Der Therapeut hat die einzige Aufgabe, uns zu helfen! Ist es keine Hilfe, dann leistet er schlechte Arbeit und ist für uns nutzlos.

Therapeuten sind keine Halbgötter. Sie wissen nicht alles, sehen nicht alles und ziehen keinesfalls immer die richtigen Schlüsse. Man muss nicht alles glauben und umsetzen, was die einem erzählen. Psychologie ist zwar eine Wissenschaft, aber keine Naturwissenschaft. Es gibt fast nichts, was darin handfest bewiesen werden könnte. Es gibt einige Schemata in Verhaltens- und Denkweisen, aus denen man Muster ableiten kann und aus einmal erfolgreichen Hilfen auch soetwas wie Richtlinien. Aber das folgt keinen Naturgesetzen. Was heute als richtig postuliert wird, kann morgen bereits überholt sein. Psycholgie befindet sich in stetigem Wandel und ist zudem auch noch sehr individuell - für die Klienten und die Therapeuten.

Daher kann ich zum Abschluss nur noch einmal auf meinen Wahlspruch hinweisen, der berühmte Ausruf von Immanuel Kant: Sapere Aude! Oder auf Deutsch: Habe den Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!

Liebe Grüße
nicole
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Lukretia
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Re: Besuch beim Psychotherapeuten?

Post 22 im Thema

Beitrag von Lukretia »

Hallo Nicole f.,

Du schreibst:
Noch schlimmer gibt es auch darunter wieder einige, die Homosexualität dann auch noch für eine krankhafte psychische Störung halten, die womöglich therapierbar sei! Noch viel gruseliger. Wer sich das gerade nicht vorstellen kann, der suche mal nach Prof. Dr. Dr. Klaus Michael Beier aus Berlin. Er ist genau solch einer. Und er ist leider genau auch noch einer, der seit Jahren immer wieder in den Expertengremien und Ausschüssen sitzt, die über die Begutachtungs- und Behandlungsrichtlinien entscheiden.

Bei Herrn Beier geht es um Pädophilie. Er ist Initiator des Projektes "Kein Täter werden" an der Charité in Berlin. Er verdient damit gewissermaßen sein Geld. In diesen Tagen macht er wieder mit einer Ausweitung seines Projektes von sich reden (Berichte in den Medien). Jetzt sind auch Jugendliche dran, die angeblich schon pädophile Neigungen haben und die vor sich selbst geschützt werden müssen (du-traeumst-von-ihnen.de). Dafür gibt es natürlich öffentliche Fördermittel.
Prof. Beier versucht, vereinfacht ausgedrückt, pädophil veranlagte Menschen dadurch zu "kurieren", dass er ihnen Strategien beibringt, lebenslang auf die Ausübung ihrer Sexualität zu verzichten. Dieses Konzept ist umstritten, da pädophile/päderastische Neigungen hier grundsätzlich auf ein Täter-Opfer-Schema abgebildet werden, unabhängig davon, dass es in diesem Bereich tatsächlich Täter gibt und Kinder Opfer werden.

Lukretia
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Re: Besuch beim Psychotherapeuten?

Post 23 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

hier geht es Herrm Prof. Beier um Transsexualität: Wenn Körper und Seele nicht zusammenpassen.

Der Text ist allerdings nicht gerade neu (2003/2004)

https://genderini.files.wordpress.com/2 ... rchel1.pdf

Gruß
Anne-Mette
Frida
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Re: Besuch beim Psychotherapeuten?

Post 24 im Thema

Beitrag von Frida »

Danke, liebe Nicole, für deine, wie immer, sehr ausführlichen und interessanten Beiträge. (ap)

Für mich ist es sehr hilfreich aus dem reichhaltigen Fundus derjenigen schöpfen zu können, die schon weiter sind als ich und deshalb viel mehr Erfahrung haben.
Ich hatte vor vielen Jahren eine Lebenskrise in der es mir sehr schlecht ging. Ich brauchte professionelle Hilfe und suchte einen Psychologen.
Es sollte für mich eine Frau sein, weil ich mir vorstellte, mich da am besten öffnen zu können. Beim dritten Anlauf stimmte die Chemie und die Umgebung, beides war wichtig für mich, denn ich muss mich in einer solch "intimen" Situation wohlfühlen. Die Psychologin hatte ein herzliches Wesen und ein charmantes Lachen (und sah gut aus). Das passte.
Ich hatte schnell das Gefühl, dass sie mich verstand und mir keinen Lösungsweg aufdrängen wollte, sondern sie begleitete mich und half, wenn ich den Faden verloren oder mich verirrt hatte.
Am Ende brauchte ich nicht die volle Stundenzahl, die mir zugestanden hätte, weil es mir wieder besser ging und ich keine Begleitung mehr brauchte.
Ich glaube, dass es einmal an der Person der Therapeutin lag, zu der ich schnell Vertrauen aufbauen konnte und eine angenehme Atmosphäre während der Sitzungen entstehen ließ, zum anderen war es meine eigene Arbeit dabei, meine Bereitschaft mich zu öffnen und hinzuschauen, letztendlich auch der Wille Veränderung zuzulassen.
Jetzt bin ich auch wieder an einem Punkt, wo ich das Gefühl hab, allein nicht weiter zu kommen. Die ersten Schritte zur Hilfe waren zur SHG und zum Stammtisch.
Ich glaube, dass es bald auch eine therapeutische Begleitung sein kann.
Ein bisschen Schiss habe ich schon....nicht wegen der Psychologin, sondern wegen einer möglichen Veränderung, die anstehen könnte. Auf jeden Fall wird es wieder ein Prozess des sich Öffnens und des Loslassens werden. Sicherlich wird es mich einiges an Kraft kosten und Phasen von Verletzbarkeit durchleben lassen, aber ich werde mich weiter entfalten und wachsen, egal was kommt.

Liebe Grüße, Dita ---)))
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Re: Besuch beim Psychotherapeuten?

Post 25 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Sexualforschung ist Beiers Hauptgebiet - von Transsexualität alleine könnte er kaum leben :)
In der Vergangenheit war er und ist auch heute noch einer dieser, die Transsexualität und Homosexualität für eine Sexual_störung_ und grundsätzlich therapierbar halten. Er ist ja schließlich Sexualiforscher und Sexualtherapeut:

https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Michael_Beier

Einen Einblick in seine Denkweise kann man z.B. in nachfolgendem Artikel erahnen, zwar nicht seine Arbeit, aber unter seiner Mitwirkung:

http://www.aerzteblatt.de/archiv/62493/ ... src=search

Mit seinen Ansichten und großem Einfluss gerade in der Charitée in Berlin fällt er auch immer wieder auf:

http://www.taz.de/!87055/

Zitat:
"
In dem Band "Sexualmedizin" des Charité-Sexualmediziners Klaus Beier heißt es: In der Therapie sollen "adäquate Verhaltensweisen belohnt werden, geschlechtsatypische Verhaltensweisen werden nicht beachtet bzw. - beiläufig - unterbunden."
"

Dagegen hat er dann bei der Taz eine Gegendarstellung verlangt, die aber alles andere als eindeutig war. Beier sucht eben immer Wieselwege, um sich um seine umstrittenen Methoden herum zu drücken, Zitat aus der Gegendarstellung:
"
Dagegen heißt es in einem anderen der insgesamt drei übersandten Fachaufsätze zur Behandlung von „Geschlechtsidentitätsstörungen bei Jungen“ übersetzt: „Die spezifischen Ziele, die wir für Jungen haben, sind die Entwicklung eines positiven Verhältnisses zum Vater (oder einer Vaterfigur), positiver Beziehungen zu anderen Jungen, geschlechtstypischer Fähigkeiten und Verhaltensweisen, um sich in die Gruppe Gleichaltriger oder zumindest einen Teil von ihnen einzufügen und sich als Junge wohlzufühlen. [...] Die Behandlung ist abgeschlossen, wenn der Junge regelmäßig die Gegenwart gleichgeschlechtlicher Freunde sucht und sein geschlechtsübergreifendes Verhalten weitgehend normal erscheint.“
"

Das ist, mit allem gebotenen Respekt, eine Umpolung und Umerziehung. Das ist, für mein Empfinden, psychische Gewaltanwendung. Mit genau solchen Methoden wurde früher auch versucht, "Gesinnungstäter" umzuerziehen, bevor es soetwas wie Meinungsfreiheit als einklagbares Grundrecht gab.

Niemand würde eine ähnliche Umpolung heute noch ernsthaft bei einem sich outenden homosexuellen Jungendlichen versuchen. Man würde sie/ihn deswegen erst gar nicht zu einen Therapeuten schicken. Doch das ist keine plötzliche Erkenntnis der Therapeuten und/oder Sexualforscher, sondern etwas, dass sich die Homosexuellen Interessengruppen in den letzten Jahrzehnten mühsam erkämpft haben. Gleiches müssen wir Trans* Menschen leider noch tun. Wir müssen dringend weg, aus dieser pathologisierenden Ecke und das muss auch beim letzten Sexualforscher und Therapeuten endlich ankommen. Von alleine wird das leider nicht gehen, da man damit die Existenzberechtigung einiger Forschungszweige beschneidet. Freiwillig und ohne Widerstand wird das nicht aufgegeben, nicht zuletzt auch, weil damit natürlich auch gutes Geld zu verdienen ist. Dies führt mich dann zwangsläufig wieder zu meiner alten Forderung, dass es allerhöchste Zeit ist, dass es einen Trans* Bundesverband gibt, der für diese Dinge politischen Einfluss nimmt... das führt hier aber jetzt zu weit :)

Nocheinmal kurz zurück zu den Therapeuten, Psycho* und Sexualforschern.
Einen Einblick in die Konflikte der unterschiedlichen Schulen, und Beier vertritt ganz klar eine davon, gibt auch der Artikel "Die Bailey-Affaire: pervertierte Psychologie" auf den Seiten von Lynn Conway:

http://ai.eecs.umich.edu/people/conway/ ... den-DE.htm

Es sind schon fast Glaubenskriege, die hier auf den Rücken der Betroffenen ausgefochten werden. Mit teils desaströsen Folgen.

Nur damit hier kein Missverständnis aufkommt - ich habe keinesfalls etwas gegen Therapeuten im Allgemeinen! Ich sage nur, dass von ihnen auch eine gehörige Gefahr ausgeht und man sich ihnen keinesfalls blindlinks anvertrauen darf. Stets den eigenen Verstand mit benutzen und im Zweifelsfall lieber einmal mehr den Therapeuten wechseln. Dabei verliert man höchstens Zeit, behält aber seine Würde.

Liebe Grüße
nicole
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Re: Besuch beim Psychotherapeuten?

Post 26 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Anne-Mette hat geschrieben:Moin,

hier geht es Herrm Prof. Beier um Transsexualität: Wenn Körper und Seele nicht zusammenpassen.

Der Text ist allerdings nicht gerade neu (2003/2004)

https://genderini.files.wordpress.com/2 ... rchel1.pdf

Gruß
Anne-Mette
Danke für den Link, interessante Arbeit, vor allem weil es recht erstaunlich für Beier ist. Gerade was Transsxualität bei Kindern und Jugendlichen betrifft, genießt Beier einen höchst zweifelhaften Ruf, wie es auch schon der zuvor verlinkte TAZ Artikel andeutet. In der Berliner Abteilung der dgti sind einige recht dramatische Fälle bekannt, also Fälle, in denen Beier sowohl die Kinder selbst als auch ihre Familie an den Rand existentieller Krisen brachte.

Liebe Grüße
nicole
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Re: Besuch beim Psychotherapeuten?

Post 27 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

wir sollten uns nicht an dieser Person "festbeißen" (smili)

Dein letzter Satz hält einer kritischen Überprüfung stand? Das soll weder Misstrauen Dir gegenüber noch ein Zweifel an der dgti bedeuten (888)

Gruß
Anne-Mette
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Re: Besuch beim Psychotherapeuten?

Post 28 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Hi Anne-Mette ;)
Ne klar, der Beier kann einem getrost egal sein. Er hält nur hervorragend als schlechtes Beispiel her :)
Was Überprüfung angeht, ja, so könnte Dir Patricia Metzer einige Fälle schildern. Sehr unschöne Sachen. Es wird dann nachvollziehbarerweise ganz schön schrecklich, wenn die Eltern dazu gedrängt werden, gegen den ausdrücklichen Willen des Kindes zu handeln und den Wunsch und Gedanken des Kindes zu ignorieren bzw. nur noch das Gegenteil zu belohnen. Das ist ein Martyrium für Eltern und Kind. Ich muss gestehen, in einem Punkt muss man Beier wohl Recht geben - in der frühen Entwicklungsphase kann der Wunsch viele Ursachen haben und diesen korrekt auszuarbeiten ist extrem schwer. Doch ob eine gegenteilige Bestärkung dann der richtige Weg ist? Ich weiß nicht...

Liebe Grüße
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Re: Besuch beim Psychotherapeuten?

Post 29 im Thema

Beitrag von Lipstick-Lady »

Anne-Mette hat geschrieben:Moin,

hier geht es Herrm Prof. Beier um Transsexualität: Wenn Körper und Seele nicht zusammenpassen.

Der Text ist allerdings nicht gerade neu (2003/2004)

https://genderini.files.wordpress.com/2 ... rchel1.pdf
Irrtum! Das ist kein Text von Beier, sondern von der Studentin Alexandra Jörchel, die offensichtlich bei ihm eine Hausarbeit geschrieben hat.
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Re: Besuch beim Psychotherapeuten?

Post 30 im Thema

Beitrag von Johanna Dornal »

Hallo,
da am 29.04. ein Termin für mich bei einer Psychotherapeutin/Psychologin ansteht, waren diese gemachten Äußerungen durchaus hilfreich für mich. Besonderen Dank an Nicole, die mit sehr verständlichen Worten mir das Thema nähergebracht und wichtige Erkenntnisse aufgezeigt hat.
In der Situation, tatsächlich dann einen Psychologen zu konsultieren, ist man doch zutiefst verunsichert. Bei mir persönlich war die Blockade bisher, es nicht zu tun, die Angst davor, in eine bestimmete Richtung gelenkt zu werden. Wichtig für mich ist in gemeinsamer Arbeit zum Kern meines Wesens bzw. der Seele vorzudringen. Ich hoffe, uns gelingt das.Immerhin weiß ich, das war auch neben der örtlichen Nähe ein Entscheidungskriterium, daß sie in ihrem Therapiekatalog Erfahrung mit TS/TI hat.
Jetzt sollte nur noch die Chemie stimmen. Mal schau'n. Aber meine Nervosität steigt von Tag zu Tag. :?

Liebe Grüße
Johanna
Antworten

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