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Ankes Urlaub in der Toskana
Verfasst: Mo 6. Okt 2014, 21:03
von Anke
Reisebericht Toskana
In der letzten Augustwoche habe ich zum ersten Mal eine Woche Urlaub als Frau verbracht. Hier möchte ich beschreiben, wie es war, wie ich mich dabei gefühlt habe und wie es dazu gekommen ist. Den Bericht werde ich ein wenig aufteilen, das macht das Lesen spannender und angenehmer.
Wie kam es zu diesem Urlaub
Bereits im letzten Jahr war ich mit meiner Frau in der Toskana und da wir es dort ganz wunderbar fanden, haben wir gleich beschlossen, das in diesem Jahr zu wiederholen. Planung und Buchung standen lange vor meinem Coming out.
Während eines der vielen Gespräche, die ich mit meiner Frau zu meiner Transsexualität führte, erwähnte ich, dass ich einmal sehr gerne eine ganze Woche Urlaub als Frau machen würde. Die spontane Reaktion meiner Frau war, dass sie vorschlug den geplanten Toskana-Urlaub dafür zu nutzen. Ich war natürlich völlig perplex und hocherfreut, davon hätte ich gar nicht zu träumen gewagt. Im nächsten Satz setzte sie dann einen drauf. Ich solle mir doch einen Badeanzug kaufen, schließlich wolle sie mit mir an den Strand. Auf der einen Seite konnte ich mein Glück kaum fassen, auf der anderen Seite war mir klar, dass ich jetzt Farbe bekennen musste. Entschieden hat es meine innere Stimme, die mir sagte, dass das richtig ist und dass es gut werden wird.
Anreise
Von unserem Wohnort im Raum Stuttgart ist die Toskana gut mit dem Wagen zu erreichen. Damit dies möglich entspannt abläuft haben wir wie bereits im letzten Jahr einen Zwischenstopp hinter den Alpen eingeplant. Dieses Mal wollten wir in einen kleinen Ort am Comer See Station machen, meine Frau hat uns dazu eine Unterkunft bei einem sehr schönen Bed&Breakfast gebucht.
Die Fahrt bis dorthin habe ich aus praktischen Gründen noch im Männermodus angetreten. Besprochen war, dass ich ab dem nächsten Tag Frau sein konnte. Die Fahrt war ereignislos, die Unterkunft entsprach den Erwartungen, die Vermieter waren sehr nett und haben uns auch nettes Restaurant für den Abend empfohlen.
Am nächsten Tag war es dann endlich soweit. Frühstück noch im Männermodus, dann sofort umziehen, stylen und los. Glücklich stehe ich im Bad schminke mich, als mein Frau meint, ich solle doch darauf achten, dass mich keiner sieht.
Die Glücksgefühle sind weg, Unsicherheit und Stress kommen auf. Ich sage nichts, packe meine Sachen und will sie zum Wagen bringen. Dabei sperre ich mich zwischen Haus- und Gartentür ein. Panik überkommt mich, was soll ich nur tun und hoffentlich werde ich nicht gesehen.
Ich erreiche meine Frau auf dem Mobiltelefon, sie befreit mich und wir können los. Ich bin richtig gestresst, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Nachdem ich mich einigermaßen beruhigt hatte, hielt ich erst einmal an und besprach mit ihr die Situation.
Mir war klar, dass der Fehler bei mir lag. Ich hätte sofort etwas dazu sagen sollen, stattdessen habe ich geschwiegen um der darauffolgenden Diskussion zu entgehen. Ich machte deutlich, dass es so nicht funktionieren wird. Dass wir beschlossen haben, den Urlaub so zu erbringen und dass wir dazu auch stehen sollten. Sie hat es gleich verstanden, es tat ihr leid, mir natürlich auch und damit konnten wir es abhaken. In Zukunft sollte es anders werden.
Die weitere Fahrt war leider aufgrund des eher mäßigen Wetters etwas trübe. Aufregend dagegen der erste Halt an einer Raststätte. Gleich ein Angstanfall, würde man mich auch hier ordentlich behandeln. Meine Frau ging mit der Situation ganz selbstverständlich und locker um, nur ich war etwas verkrampft.
In der Raststäte steuerte sie mit einer entsprechenden Bemerkung gleich die Toiletten an, damit war klar, dass ich den Kaffee bestellen würde. Tausend Horrorszenarien rasten durch meinen Kopf. Trotzdem stellte ich mich an der Kaffeebar an und wollte zwei Espresso bestellen. Die Barista fragte gleich nach meinem Beleg und ich sollte doch zuerst bezahlen.
Mist, hatte ich völlig vergessen, erst bezahlen, dann Kaffee bestellen. Also schweißgebadet ertstmal zur Kasse und dann wieder an die Kaffeebar. Alles lief ganz glatt und ich hatte glücklich zwei Espresso erstanden. Keiner hatte mich schräg angesehen, die Horrorszenarien fanden nicht statt. Langsam fing ich an mich wieder zu entspannen.
Wieder hatten sich meine Ängste als gegenstandslos erwiesen. Meine Erfahrung war jedes Mal die gleiche. Trotzdem überrannten mich immer wieder diese Angstgefühle, wenn ich etwas neues probierte. Immer wieder musste ich meinen Mut und meine Kraft zusammennehmen, um es durchzustehen.
Allerdings ging es beim zweiten Zwischenstopp bedeutet besser. Da war zwar immer noch ein flaues Gefühl, aber die Bestellung lief bedeutend souveräner ab.
Dann neigte sich die Fahrt auch schon dem Ende zu. Auf den Schildern stand zuerst Camaiore und dann Pontemazzori, wo wir hinwollten. Ein wunderbares kleines verwinkeltes Örtchen.
Dann kamen wir auch schon bei der Ferienwohnung an. Alles sah sogar noch besser aus, als auf den Bildern, die schon sehr vielversprechend waren. Ein hübscher topgepflegter Garten mit einem Pavillon und einer Sitzgruppe. Das Haus war ebenfalls wunderschön, alles in einem strahlenden Gelb gestrichen, davon terracottafarben geflieste Wege und Treppen. Und dann das Highlight: ein kleiner Pool mit einem Sonnendeck, Sitzgruppe und Liegestühle. Aus der Buchung wussten wir, dass wir ihn alleine nutzen konnten, ein echter Traum.
Gleich würden wir unseren Vermieter kennenlernen und unsere Wohnung in Augenschein nehmen. Jetzt wurde es spannend. Wie würde er reagieren, wenn er mich sieht. Wieder zogen die Horrorszenarien auf. Vor meinem geistigen Auge sah ich uns schon auf der Suche nach einer anderen Wohnung.
Doch nichts dergleichen. Ein sonnengebräunter blonder Mann kam uns entgegen und stellte sich freundlich lächelnd als Christiano vor. Sah der gut aus! Ein ausgetauschter blick mit meiner Frau sagte mir, dass sie genau dasselbe dachte.
Christiano zeigte uns die Wohnung. Die war zwar etwas klein, aber auf demselben Niveau wie alles andere. Genau richtig für uns. Rundherum gab es durchgehend Fenster, die einen tollen Ausblick auf die toskanischen Landschaft boten. Traumhaft.
Der Vermieter erklärte und zeigte uns alles ausführlich und lud uns dann zu einem Willkommensdrink bei der Sitzgruppe im Garten ein. Es gab einen erfrischenden alkoholfreien Cocktail mit ein paar Snacks, alles liebevoll garniert und dargeboten.
Christiano ging die ganze Zeit völlig selbstverständlich mit mir um. Alles war einfach normal und entspannt. Ich war sehr erleichtert und fing an mich richtig wohlzufühlen. Der Urlaub konnte beginnen.
Fortsetzung folgt
Re: Ankes Urlaub in der Toskana
Verfasst: Mo 6. Okt 2014, 21:16
von Christian
Ein schöner Bericht. Ich freue mich auf die Fortsetzung.
Re: Ankes Urlaub in der Toskana
Verfasst: Mo 6. Okt 2014, 22:26
von Jalana
Annabell81 hat geschrieben:Ein schöner Bericht. Ich freue mich auf die Fortsetzung.
Dem möchte ich mich voll und ganz anschließen! Beim Lesen kamen in mir Erinnerungen an mein erstes Erlebnis en femme in Hamburg vor zwei Jahren hoch.
LG
Jalana
Re: Ankes Urlaub in der Toskana
Verfasst: Di 7. Okt 2014, 01:18
von Nadja Sarah
Liebe Anke,
schön etwas mehr von Deinem Urlaub en femme zu lesen. Wie schwer fiel es Dir nach der einen Woche das Frausein aufzugeben?
Liebe Grüße Nadja
Re: Ankes Urlaub in der Toskana
Verfasst: Di 7. Okt 2014, 16:29
von ChristinaF
Liebe Anke,
ich finde es toll, dass du uns an deinem Urlaub als Frau teilnehmen läßt. Bin ja richtig süchtig darauf, weiteres zu lesen.
OT. Ist es vielleicht der gleiche Urlaub, den man bei deinen Bildern sehen kann?
Lg
Chrissie
Re: Ankes Urlaub in der Toskana
Verfasst: Mi 8. Okt 2014, 02:53
von MEL
Hallo Anke,
vielen Dank dass Du uns in dieser Form an deinem ersten Urlaubserlebnis en femme teilhaben lässt!
Klasse, dass deine Frau gleich so spontan auf deinen Urlaubswunsch eingegangen ist und
dass es bei der Umsetzung in den ersten Stunden vielleicht gewisse Anlaufschwierigkeiten gab halte ich für normal.
Aber die Ankunft am Urlaubsdomizil lief doch schon mal erstklassig!!
Bin schon sehr gespannt, weitere Episoden davon zu lesen.
GLG MEL
.... die sich dies für sich selbst auch vorstellen könnte, mal ein paar Tage en femme am Stück im Urlaub!!!
Re: Ankes Urlaub in der Toskana
Verfasst: Mi 15. Okt 2014, 17:14
von Anke
Hallo,
vielen Dank für das liebe Feedback. Hier nun die erste Fortsetzung.
Liebe Grüße
Anke
Erster Tag: Florenz
Da sich das Wetter in den nächsten Tagen weiter bessern sollte, wollten wir zuerst in die Städte und später dann an Pool und Strand. Da wir es im letzten Jahr nicht geschafft hatten, wolle ich nun unbedingt nach Florenz.
Angedacht war, dass wir möglichst früh losfahren wollten, damit wir den Tag in Florenz gut nutzen konnten. Leider ging das kräftig schief. Bei uns zu Hause haben wir zwei Badezimmer, so dass wir uns parallel stylen können. Hier stand uns nur eins zur Verfügung, dass zudem so klein war, dass es nur für eine reichte. Das war eine ganz neue Erfahrung für uns, denn früher war das nie ein Thema. Das sollte uns noch die nächsten Tage verfolgen.
So wurde es 12 h bis wir dann in Florenz waren. Nachdem wir den Wagen geparkt hatten, wollten wir mit dem Bus ins Zentrum fahren. Ich hatte mich für mein weißes Spitzenkleid und Ballerinas entschieden. Da wir viel herumlaufen wollten, war das sicher besser als die hohen Pumps. Trotzdem wollten wir beide nicht so weit laufen.
Also hinein in den Bus und wieder löste die erste nähere Begegnung mit anderen Menschen erst einmal jede Menge diffuse Ängste aus. Wie üblich völlig unbegründet und wir gelangten wohlbehalten zum Domplatz. Dort erstmal in ein Straßencafé. Die Bestellung übernahm gleich meine Frau. Ich war noch sehr aufgeregt und daher entsprechend dankbar.
Am Nebentisch saß eine Familie mit kleinen Kindern. Oje dachte ich, gleich schauen die zu mir rüber und fangen an bei ihren Eltern Fragen zu stellen. Dann würde sich die ganze Familie ausführlich über mich unterhalten und mir entsprechende blicke zuwerfen. Aber nichts dergleichen. Ungestört konnten wir unseren Cappuccino, das schöne Wetter und den Domplatz genießen.
Gestärkt wollten wir zuerst den Turm besteigen. Lange Schlange vor der Tür versprach Wartezeit, wir waren ja auch spät dran. Auch hier wieder der Gedanke, dass ich mitten auf dem Platz in der Schlange stehe und mich jeder sehen kann. Vielleicht sollte ich mich nicht so wichtig nehmen. Die Menschen haben andere Dinge zu tun, als mich ständig anzusehen. Also Entspannung!
Die Wartezeit war dann doch nicht so lange und wir konnten den Aufstieg beginnen. Da das Treppenhaus dort sehr eng ist, mussten wir uns immer wieder an anderen Menschen vorbeiquetschen. Während ich früher bei solchen Gelegenheiten mit dem Rücken zur Wand ging oder stand, drehte ich mich dieses Mal anders herum, so fühlte ich mich sicherer.
Oben angekommen bot sich ein wunderbarer Ausblick auf diese schöne Stadt. Vor ein paar Jahren war ich schon mal auf diesem Turm und wusste, was mich erwartet. Doch diesmal war das Erlebnis wesentlich intensiver. Die Schönheit und das Flair dieser Stadt strömten auf mich ein, so dass ich ganz erfüllt davon war. Ähnliche Erlebnisse hatte ich auch schon bei anderen Gelegenheiten. Trotzdem war ich wieder überrascht und natürlich sehr glücklich. Solche Momente geben mir immer wieder Bestätigung und Sicherheit.
Wir hielten diese Momente mit Bildern fest und ich berichtete meiner Frau von meinen Empfindungen. Sie freute sich sehr für mich und auch ihr gefiel es sehr gut auf diesem Turm.
Nach dem Abstieg ging es dann gleich in den Dom. Hier war die Schlange kürzer und wir konnten den Dom sehr schnell betreten. Auch hier wieder das intensivere Erleben. Das Erfüllt sein von der Schönheit des Ortes.
Mittlerweile hatte ich völlig vergessen, dass ich noch vor ein paar Stunden so gar nicht nach Frau ausgesehen hatte. Hätte mich jetzt jemand angesprochen, ich wäre im ersten Moment völlig überrascht gewesen und hätte auch gar nicht gewusst, was er von mir wollte. Ich war ganz in meinem Element, so als hätte ich schon immer so gelebt. Glücklicherweise hat mich niemand angesprochen, warum auch.
Nächster Punkt war die Ponte Vecchio, diese berühmte Brücke in Florenz mit den vielen Schmuckläden. Eine Versuchung neben der anderen. Nur gut, dass wir vorher vereinbart hatten, hier kein Geld auszugeben. Doch schauen und träumen macht trotzdem Spaß , vor allem zu Zweit. Für jede wäre das eine oder andere dabei gewesen, doch wir hielten uns eisern an unsere Verabredung.
Danach war ein wenig Stadtbummel und Shopping angesagt. In Florenz können Kultur und Einkaufen wunderbar miteinander verbunden werden. Die Stadt ist voll von wunderbaren Plätzen, Straßen und Gebäuden. Überall Schönheit und geschmackvolle Ästhetik. Und ich mittendrin mit meinem Schatz. Das Leben kann so schön sein.
Bevor wir zurückfuhren besorgten wir noch Lebensmittel für unser Abendessen. Vom letzten Toskana-Urlaub hatte ich ein toskanisches Kochbuch aus dem ich für uns abends kochte. Die toskanische Küche kommt mit wenigen Zutaten aus. Wichtiger ist gute Qualität einzukaufen und mit viel Liebe zu kochen.
Das abendliche Kochen war für mich ein weiteres Highlight. Ich ging dabei ganz in meiner Hausfrauenrolle auf. Für mich ein wunderbarer Zustand. Mit Kochen habe ich in meiner Jugend angefangen und in unserer Ehe koche ich die allermeiste Zeit. Trotzdem war das jetzt anders. Anders auf verschiedenen Ebenen.
Zum einen verließ ich mich dabei jetzt mehr auf mein Gefühl. Die Rezepte und die Zutatenliste waren für mich nur noch grobe Orientierungen, die ich nach meinen Vorstellungen oder besser gesagt nach meiner Intuition anpasste.
Zum anderen konnte ich mich ganz dem Gefühl des "Umsorgen können" hingeben. In Ansätzen gab es das zwar bereits früher, doch jetzt konnte ich es intensiv auskosten. Das gab mir eine Form von Erfüllung, die ich bisher noch nicht kannte. Was für ein Glück, das so erfahren zu dürfen.
Den Tag beendeten wir nach dem Essen mit einem schönen Glas Wein aus der Region. Ein glücklicher Tag.
Zweiter Tag
Der zweite Tag brachte leider gleich eine Pause vom Frausein. Vor einiger Zeit hatten wir uns mit einer Studienkollegin meiner Frau getroffen und festgestellt, dass wir zur gleichen Zeit in der Toskana sind und uns für diesen Tag verabredet. Da sie noch nichts von Anke weiß, war Männeroutfit angesagt.
Dazu ist zu sagen, dass ich schon mit dem Gedanken gespielt hatte, mich zu outen. Allerdings nicht um den zusätzlichen Tag Frausein zu bekommen. Vielmehr ist die Bekannte Bundestagsabgeordnete, Mitglied der CDU und sitzt im Bundestagsrechtsausschuss. Bei unserem davorliegenden Treffen hatte ich sie sich kritisch zur Position ihrer Partei beim Thema Homosexualität geäußert und die Ansicht vertreten, dass viele gar nicht wüssten, wovon sie dabei sprächen. Sie (die Bundestagsabgeordneten der CDU) sollten sich doch mal mit diesen Menschen treffen um deren Sorgen und Nöte zu verstehen.
Damit gehe ich mal davon aus, dass sie durchaus auch an unseren Themen interessiert ist. Das wäre natürlich eine gute Gelegenheit, meinen Blickwinkel anzubringen.
Nun ja, meiner Frau war das Outing zu diesem Zeitpunkt nicht recht, so dass ich es gelassen habe. Aber wir haben bereits besprochen sie zu einem späteren Zeitpunkt anzusprechen. Gerade diese Partei tritt bei Themen wie Homosexualität und Transsexualität kräftig auf die Bremse. Vielleicht kann ich hier einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass dort auch mal andere Stimmen laut werden können.
Ansonsten war der Tag sehr schön, wir besuchten zusammen Lucca. Zwischendrin trennten wir uns für eine Weile und meine Frau und ich gingen ein wenig auf Shoppingtour, so dass Anke auf diese Weise ein wenig Raum hatte.
Der Tag endete in einem sehr schönen Restaurant bei einem leckeren Abendessen.
Re: Ankes Urlaub in der Toskana
Verfasst: Mi 15. Okt 2014, 17:27
von ChristinaF
Danke für die Fortsetzung deines Reiseberichts.
Also m.M. brauchst du als Frau keinerlei Befürchtungen zu haben, dass "blöde" oder "dumme" Bemerkungen über dich gemacht werden. Ich finde, dass du einfach super als Frau aussiehst und dementsprechend auch behandelt wirst.
Und Thema MdB. Ich würde diesen Schritt sofort gehen und mich dieser Abgeordneten vorstellen.
LG
Chrissie
Re: Ankes Urlaub in der Toskana
Verfasst: Mi 15. Okt 2014, 17:37
von Anke
Hi Chrissie,
Du hast natürlich recht und im Grunde weiß ich das. Trotzdem kommen diese Ängste immer wieder hoch. Aber es wird besser.
Und vielen Dank für das liebe Kompliment.
Ich würde die MdB am liebsten früher als später treffen. Allerdings lebt sie hoch im Norden, das heißt ich kann sie nur dort oder in Berlin treffen, was ein wenig Planung voraussetzt.
Liebe Grüße
Anke
Re: Ankes Urlaub in der Toskana
Verfasst: So 19. Okt 2014, 22:35
von Anke
Hallo,
hier nun der nächste Teil, endlich wieder ganz Frau, aber mit einer kleinen Panne.
Dritter Tag
Nach der kleinen Unterbrechung konnte ich am dritten Tag wieder ganz Frau sein. Nach der langen Anreise und den beiden Tagen in den Städten wollten wir es ein wenig ruhiger angehen lassen. Deshalb langes Ausschlafen, entspannen am Pool und abends nach Viareggio.
Das Ausschlafen tat richtig gut, ebenso wie das daran anschließende ausführliche Frühstück. Unser netter Vermieter war ein echter Goldschatz. Jeden Tag brachte er für unser Frühstück Milch und frische Backwaren vorbei und erkundigte sich, ob alles in Ordnung wäre. Und das auf eine sehr freundliche warmherzige Art und Weise, die niemals aufdringlich war.
Nach dem Frühstück war Pool angesagt. Ich hatte mir zwei Badeanzüge zugelegt und brannte darauf, sie endlich auszuprobieren. Zu Hause hatte ich sie zuvor schon ein paarmal anprobiert und fühlte mich sehr wohl darin.
Doch jetzt wurde es ernst. Da ich gleich ins Wasser wollte, zog ich mir erst einmal meinen pinkfarbenen an, der dünner war und schneller trocknet. Damit von der Wohnung zum Pool zu laufen fand ich schon sehr aufregend, natürlich wurden gleich Bilder gemacht.
Dabei fühlte ich mich auf eine sonderbare Weise nackt, nackter als wenn ich früher eine Badehose getragen habe. Interessanter Weise empfand ich diese Nacktheit als angenehm und ich gefiel mir sehr.
Dann war es soweit, zum ersten Mal mit einem Badeanzug ins Wasser. Ein wirklich herrliches Gefühl, viel schöner, als mit Badehose. In meiner Jugend war ich bei der DLRG und damit ständig im Wasser. Doch ich habe mich dabei noch nie so gut gefühlt, wie in diesem Augenblick. Freu und leicht, geradezu euphorisch. Verstärkt wurde dieses Gefühl von den Umstand, dass ich vom Pool in die wunderbare toskanische Landschaft schauen konnte.
Nach dem Wechsel des Badeanzugs war dann Sonnenbaden angesagt. Auch jetzt erst einmal ein paar Bilder. Ich räkelte mich auf der Liege und fühlte mich sehr sexy. Nichtstun war niemals süßer.
Der Tag plätscherte dahin und irgendwann machten wir uns auf nach Viareggio. Geplant war ausführliches bummeln und shoppen, an dessen Ende ein Fischkauf für das Abendessen stand.
Durch das Stylen waren wir wieder spät dran und zum Fischladen war es ein schönes Stück zu Laufen. Wir bummelten durch ein paar Läden bis meine Frau feststellte, dass wir uns beeilen sollten, damit wir noch Fisch bekämen. Damit war das Bummeln erstmal beendet und wir gingen zügigen Schrittes voran. Meine gute Laune bekam den ersten Dämpfer, denn es gab noch so viele schöne Läden und ich hätte gerne mehr Zeit gehabt. Da meine Schuhe noch nicht so richtig eingelaufen waren und ich aufgrund der angenehmen Temperaturen auch keine Strümpfe trug, waren meine Füße schnell wund. Meine Stimmung sank weiter.
Wir kamen endlich zum Fischgeschäft, leider zu spät. Wir hatten weder einen schönen Einkaufsbummel gemacht, noch hatten wir unseren Fisch. Meine Laune sank ins Bodenlose und zum ersten Mal hing der Haussegen in diesem Urlaub wirklich schief. Das ist deshalb ein wirklich außergewöhnliches Ereignis für uns, weil unsere Urlaube immer sehr harmonisch verlaufen.
Doch was war hier schief gegangen? Nachdem sich die Gemüter beruhigt hatten und wir in Ruhe darüber sprechen konnten, wussten wir sehr schnell was passiert war. Meine Frau war noch ganz auf mich als Mann eingestellt und hat entsprechend agiert. Einkaufsbummel ist nicht so wichtig, Hauptsache wir haben alles wichtige erledigt. Und in der Männerrolle hätte ich das Gehtempo verschärft und wir hätten es sicher noch rechtzeitig zum Laden geschafft.
Doch ich war ganz in meinem fraulichen Element. Ich wollte den Bummel genießen und mich treiben lassen. Wir schaffen es nicht mehr rechtzeitig zum Laden? Kein Problem, irgendwas fällt uns schon ein.
So haben wir beide etwas dazugelernt. Sie weiß jetzt, dass ich mich zum Teil anders verhalte. Mir ist dagegen klar, dass ich meine Prioritätenverschiebung deutlich benennen muss, damit meine Frau eine Chance hat, sich darauf einzustellen. Denn in der Sache selbst, wäre für sie alles in Ordnung gewesen.
So haben wir beide etwas dazugelernt und wir wissen, dass wir uns neu aufeinander einstellen müssen.
Liebe Grüße
Anke
Re: Ankes Urlaub in der Toskana
Verfasst: Mo 20. Okt 2014, 01:49
von MEL
Moin Anke,
vielen Dank für den nächsten Teil deines Urlaubsberichts.
Habe ich wieder genossen und in Kombination mit
deinen Bildern kann ich mich dir sehr gut nachempfinden.
Gerade bei deinem letzten Absatz mit dem "dazulernen" musste ich schmunzeln,
das Thema hatten meine Frau und ich auch vor geraumer Zeit am Wickel:
"Also wenn du MEL bist, dann bist du ganz anders, so auf dich fixiert und
wenn wir beide gemeinsam unterwegs sind, dann gehst du irgendwie in deiner "Frauenrolle" auf!"
Wir haben das dann mal im Detail besprochen und sie hat mich auch auf Fehler von mir aufmerksam gemacht,
die mir so nicht bewußt waren, sprich wo Sie sich vernachlässigt fühlte, obwohl das wahrlich von mir nicht
beabsichtigt war. Aber reden hilft, und viel Reden hilft viel!! Seither sind deutliche Fortschritte erkennbar,
aber man/Frau entdeckt sich irgendwie - je nach Situation - immer wieder neu bzw. lernt dazu.
Also, freue mich schon auf die weitere Berichterstattung,
ganz liebe Grüße
MEL
Re: Ankes Urlaub in der Toskana
Verfasst: Fr 24. Okt 2014, 14:28
von Anke
Hallo,
nochmal vielen Dank für das lieben Kommentare.
@Mel: Du hast völlig recht, miteinander reden ist gerade in den Situationen, in denen wir uns befinden sehr sehr wichtig. Wenn wir das mal verpasst haben, macht es sich schnell bemerkbar,
Hier jetzt die beiden nächsten Tage, einmal im wunderschönen San Gimignano und dann für mich der gefühlte Höhepunkt, das erste Mal mit Badeanzug am Strand. Viel Spaß beim Lesen.
Vierter Tag San Gimignano
Nach dem faulen Tag am Pool wollten wir wieder etwas unternehmen. Im letzten Jahr hatten wir viel Wein gekauft, allerdings hauptsächlich Rotwein. Da wir beide auch sehr gerne Weißwein trinken wollten wir in diesem Jahr unsere Bestände ergänzen. Gerade in der Gegend um San Gimignano wird sehr guter Weißwein angebaut. Aus dem letzten Jahr kannten wir einen guten Winzer, den wollten wir wieder aufsuchen und den Rest des Tages in der Stadt verbringen. Die Adresse des Winzer hatten wir aus dem Slow Wine Weinführer, den die Slow Food Bewegung/Organisation herausgibt. Im letzten Jahr haben wir damit einige Weingüter gefunden und ausschließlich gute Erfahrungen gemacht.
Der Besuch bei diesem Winzer war für mich auch wieder sehr aufregend. Beim letzten Mal war ich dort als Mann, jetzt war alles anders. Wieder stiegen leichte Ängste in mir hoch. Doch aufgrund der Erfahrungen der letzten Tage hielten sie sich in Grenzen.
Da die Weingüter meist sehr abgelegen sind, sind sie oft nicht leicht zu finden. Doch es klappte recht gut und die Erinnerung aus dem letzten Jahr half.
Das Weingut hat einen eigenen sehr schönen Verkostungs- und Verkaufsraum. Beim Betreten hatte ich schon etwas weiche Knie. Beim letzten Mal waren wir dort allein, dieses Mal war noch ein anderes Paar da, die hätte ich gerade nicht gebraucht.
Nach kurzer Wartezeit kam eine sehr nette junge Frau, mit der wir uns gut in Englisch verständigen konnten. Sie stellte die Weine vor, wir konnten alles probieren und hatten unsere Auswahl schnell getroffen. Außer dem Wein kauften wir noch zwei Flaschen Grappa, den ich aus dem letzten Jahr noch kannte, sowie ein wenig Olivenöl, das wir ebenfalls mit etwas Brot probieren konnten.
Bereits im letzten Jahr hatten wir die Erfahrung gemacht, dass die meisten Winzer sehr gutes Olivenöl zu wirklich vernünftigen Preisen anbieten. Vergleichbare Qualitäten, so sie in Deutschland zu bekommen sind, kosten hierzulande das zwei- bis dreifache.
Die nette Dame half uns dann unsere Sachen in den Wagen zu bringen. Im letzten Jahr hat sie das mir als Mann überlassen. Das war diesmal anders und das schönste daran war für mich, dass ich dadurch das Gefühl hatte, in meiner neuen Rolle voll akzeptiert zu werden.
Nach kurzer Fahrt kamen wir dann in San Gimignano an. Wunderschöne alte Stadt, sehr malerisch inmitten einer wunderbaren Landschaft.
Hier konnten wir unseren missglückten Einkaufsbummel nachholen und genau das taten wir auch. Die Stadt ist voll mit schönen kleinen Läden und es herrscht eine sehr entspannte Atmosphäre bei aller schönstem Wetter. Dazu wurden wir auch noch fündig, meine Beute bestand aus einer pinkfarbenen Handtasche und zwei schönen Tüchern.
Auf dem Marktplatz gönnten wir uns dann noch einen schönen Eisbecher. Italienisches Eis ist einfach unwiderstehlich. Beim letzten Mal hatte es leider geregnet, so dass wir die Sonne an diesem Tag ganz besonders genossen haben.
Mittlerweile war ich ganz selbstverständlich als Frau unterwegs. Nach dem Besuch beim Winzer habe ich aufgehört mir Gedanken zu machen. Erste Gefühle von Normalität kamen in mir hoch und machten sich breit. Schöne, warme und angenehme Gefühle waren das. So wollte ich mich immer fühlen.
Auf der Rückfahrt noch ein schneller Halt im Supermarkt und einem schönen abendlichen Ausklang mit einem leckeren Abendessen stand nichts mehr im Weg.
Fünfter Tag - Strand
Unser letzter Tag war angebrochen und für mich brachte er eine letzte Herausforderung. Da der Morgen noch nicht ganz so warm war, haben wir uns zunächst für eine kleine Wandertour entschieden. Der Mittag sollte dann dem Strand gehören.
Von unserer Wohnung aus konnten wir sofort loswandern und wir freuten uns, ein wenig die Umgebung zu erkunden. Da ich weder spezielle Frauenwanderschuhe, noch Frauenwanderhosen besitze, war ich sozusagen "gemischt" gekleidet. Meinen fraulichen Gefühlen tat dies keinerlei Abbruch, Wanderkleidung ist eben zweckmäßig.
Nach dem Tag in der Stadt tat es richtig gut in die Natur zu gehen und die Landschaft zu genießen. Auch dabei wiederholte sich, was ich zuvor schon mehrfach erlebt habe. Die Erlebnisse und Wahrnehmung sind für mich intensiver, wenn ich als Frau unterwegs bin. Wobei mir letztere Formulierung immer schwerer von der Hand geht. Mittlerweile weiß ich, dass ich Frau bin und es schon immer war. Der Unterschied ist nur, dass ich mich jetzt darauf einlassen kann. Und ich vermute mal, dass daher auch das intensivere Empfinden kommt. Jetzt kann ich einfach alles an mich heranlassen und brauche meine Gefühle nicht mehr zu unterdrücken.
Nach der Wanderung gönnten wir uns erst einmal eine schöne Kaffeepause und dann war es schon Zeit, sich für den Strand vorzubereiten. Auch wenn die letzten Tage meinem Frausein erheblichen Auftrieb gegeben haben, im Badeanzug an den Strand zu gehen stellte für mich einen sehr großen Schritt dar.
Damit ich es langsam angehen konnte hatte ich mir noch ein Strandkleid zugelegt, dass ich erstmal über dem Badeanzug tragen konnte. Damit machten wir erst einmal einen schönen langen Strandspaziergang.
Da das Wetter mittlerweile richtig schön war, war der Strand sehr gut besucht. Ständig kamen mir schöne junge und gutgebaute Frauen entgegen. In meinem Kopf stellte ich ständig Vergleiche an und mich verließ der Mut. Ständig der Gedanke, so einen schönen Körper wirst Du nie haben, egal was Du anstellst. Ich fühlte mich wie ein hässliches Entlein umgeben von wunderschönen Schwänen.
Irgendwann mahnte mich eine innere Stimme damit aufzuhören. Ich solle mal gefälligst die Augen aufmachen und nicht nur das sehen, was ich gerade sehen will. Und genau das tat ich dann auch. Plötzlich konnte ich auch all die älteren Menschen sehen. Ältere betagte Damen und Herren, die ohne falsche Scheu ihre gealterten Körper am Strand spazieren führten. Die sich nicht von der Schönheit der Jugend verunsichern ließen. Trotz oder auch wegen ihres Alters strahlten sie Würde und Schönheit aus.
Und das konnte ich auch! Ich musste mich nur selbst akzeptieren. Die Natur hat mich so gemacht und ich bin eben eine besondere Art Frau. Und wenn ich mich in diesem Bewusstsein bewege, dann werde auch ich Würde und Schönheit ausstrahlen.
Und nun konnte ich auch meine Strandkleid ausziehen und mich so zeigen, wie ich bin. Und es war ein gutes Gefühl. Ich fühlte mich frei, ich konnte den Strand und das Wasser genießen wie noch nie. Ein wirklich glücklicher Moment in meinem Leben.
Nachdem wir im Wasser waren, fuhren wir zurück in unsere Wohnung. Ich war völlig euphorisch und hätte den Badeanzug am liebsten gar nicht mehr ausgezogen. Da wir am nächsten Tag zurückfahren wollte, kam dieser Moment schneller als erhofft. Aber das gute Gefühl hielt den ganzen restlichen Tag an. Und allein der Gedanke an meinen Badeanzug zaubert mir jetzt sofort wieder ein Lächeln ins Gesicht und ich durchlebe diese wunderbaren Moment von neuem.
Nach dem Umziehen wurden die Koffer gepackt und dieser wunderbare Tag wiederum mit einem schönen Abendessen und einigen Gläsern Rotwein abgeschlossen.
Liebe Grüße
Anke
Re: Ankes Urlaub in der Toskana
Verfasst: Fr 24. Okt 2014, 22:53
von Aschenputtel
Hallo Anke!
Eine Freude, da mitzulesen. Klingt so schön nach neugewonnener Freiheit.
Maj-Britt
Re: Ankes Urlaub in der Toskana
Verfasst: Di 28. Okt 2014, 19:13
von Anke
Hallo,
hier jetzt der letzte Teil meine Reise. In meinem leben habe ich viele Reisen gemacht und viele interessante Orte und Menschen kennengelernt. Doch diese Reise wird für mich immer etwas ganz besonderes sein. Sie ist für mich zu einem Wendepunkt geworden. Ich habe sehr viel über mich selbst gelernt und die Beziehung zu meiner Frau hat sich ebenfalls verändert und weiterentwickelt.
Ich hoffe, dass es auch denen gefallen hat, die sich nicht zu Wort gemeldet haben. Und ich hoffe, dass die eine oder andere meinen Bericht als Anstoß oder Inspiration für etwas ähnliches nehmen.
Viel Spaß mit dem letzten Teil:
Rückfahrt über Mailand
Leider war der schöne Urlaub schon zu Ende. Die Rückfahrt sollte wieder zwei Tage dauern, als Zwischenstopp hatten wir uns Mailand ausgesucht.
Geplant war früh loszufahren. Wegen des Engpasses im Bad klappte das nur sehr bedingt. Bereits nach kurzer Zeit standen wir im Stau und ich sah unseren Tag in Mailand schon dahinschmelzen. Zu unserem Glück löste sich der Stau sehr schnell auf und kurz vor 12 trafen wir in Mailand ein.
Nach dem Einchecken in der Stadt machten wir uns erstmal frisch und chic für die Stadt. In der Modestadt Mailand wollten wir natürlich besonders gut aussehen. Den Wagen ließen wir im Hotel und nahmen stattdessen die U Bahn. Zuerst wollten wir uns das letzte Abendmahl von Leonardo da Vinci ansehen. Leider mussten wir lernen, dass wir die Karten hätten vorbestellen müssen und so wurde daraus nichts. Beim nächsten Mal wissen wir es besser.
Also zurück ins Zentrum Richtung Dom. Auf dem Weg lag das Castello Sforzesco, das wir uns bei dieser Gelegenheit anschauten. Dort und im angrenzenden Bereich wurde bereits für die im nächsten stattfindende Weltausstellung geworben. Aus diesem Grund wird in der Stadt auch fleißig gebaut, schließlich möchte die Stadt sich von ihrer besten Seite zeigen.
Im Zentrum gibt es neben dem Dom selbst die meisten interessanten Bauwerke. Außerdem gibt es jede Menge Einkaufsmöglichkeiten. Auch wenn Mailand keine führende Modestadt mehr ist, das Angebot und die Auswahl sind schon beeindruckend. Leider gilt das auch für die Preise.
Wir ließen uns ein wenig in der Stadt treiben, hier mal ein Blick auf Scala, dort mal durch die Galleria Vittorio Emanuele II durchgeschlendert. Wir hatten viel Spaß, haben interessante Kultur gesehen und die Atmosphäre der Stadt aufgenommen.
Beim anschließenden Einkaufsbummel haben wir für meine Frau ein sehr schönes Kleid erstanden. Ein paar interessante Stücke hatte ich auch gefunden, aber entweder war es nicht meine Größe oder die Zahl auf dem Preisschild nicht meine Gehaltsklasse. Das tat dem Vergnügen jedoch keinen Abbruch.
Zum Abschluss waren wir dann noch in einem Straßenrestaurant gut essen. Auf dieser Straße liegt ein Restaurant neben dem anderen und die Kellner sind wirklich hartnäckige Verkäufer. Erst wenn wir in das "Hoheitsgebiet" des benachbarten Restaurants eintraten, gaben sie auf. Das hat die Auswahl nicht gerade leicht gemacht, denn wir würden ständig mit Worten überschüttet. Am Ende haben wir es dann doch noch geschafft, eine gute Wahl zu treffen.
Interessant war in Mailand auch, dass ich ständig mit "Signora" angesprochen wurde. Merkwürdigerweise bin ich in der übrigen Zeit praktisch gar nicht so angesprochen worden, hier passierte es dauernd. Natürlich habe ich jedes "Signora" wie Honig aufgesogen und innerlich bejubelt. Das mag zwar kindisch sein, doch das ist mir gleich. Kindisch sein ist schön! Zumindest manchmal.
Dies war mein letzter Anke-Urlaubstag und ich genoss ihn in vollen Zügen. Alles war völlig normal und leicht, als hätte ich nie anders gelebt. Ich war voll in meinem Frausein angekommen und wollte mir gar nicht mehr vorstellen, wie es am nächsten Tag sein sollte.
Resümee
Was bleibt von dieser Reise. Natürlich ein sehr schöner Urlaub in einer tollen Gegend mit netten und freundlichen Menschen, leckerem Essen und guten Weinen. Das alles wäre schon genug und in Gedanken plane ich schon die nächste Reise dorthin.
Doch dieses Mal war es etwas Besonderes. Eine Woche, wenn auch mit einer Unterbrechung, Anke sein, Frau sein. Davor habe ich mich oft gefragt, wie würde das sein, wie wird es sich anfühlen. Werde ich irgendwann keine Lust mehr haben Anke zu sein oder werde ich geradezu süchtig danach.
Nichts dergleichen. Stattdessen ist etwas völlig anderes passiert. Dieser Urlaub hat die letzte Klarheit gebracht. Ich bin eine Frau, ich bin Anke und sonst nichts. Wie in jedem Menschen sind natürlich auch männliche Teile in mir. Aber eben so, dass ich eine Frau bin, die auch diese und jene männliche Eigenschaft hat. Und nicht ein Mensch, der beides ist.
In mir ist die Überzeugung entstanden, dass ich ein Leben als Frau führen kann. Dass dieses Leben besser zu mir passt, als mein bisheriges Männerleben.
Dass mich dieses Leben glücklich machen kann.
Endlich!
Liebe Grüße
Anke